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Full text of "Aristozenus von Tarent"

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Aristoxenus 
von Tarent 





Aristoxenus, 
Antonius Gogava 





• ' • . 

• • • ■ 



GIFT 



Frederick K. Stearns 



OF DETROIT 



TO THe IIBAARV OF THE 



UNIVERSITY OF HICHIGAN 

1Ö99 





7. ^'^ä'^^ '^^i^ 




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ARISTOXENÜS VON TAEENT 

^ « ■ 

MELIK UND RHYTHMlt 

DES 

CL ASSISCHEN HELLENENTflUMS. 



ÜBEKÖETZT üiSi> EKLÄUTEET 

DQßCU 

R. WESTPHAL 




LEIPZIG. 
VERLAG TON AMBR. ABEL. 

18Ö3. 



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Dnuk Ton Metzger k Wlttif in Leipd«. 
i'apier vuu Borth. Slegiimuad, I.vipni< u. Bertis. 



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9 



DEM ANDENKEN 

DEb ÜNYERGESSLICHEN VATERS 

UND 

DEß TfiEÜEiN MUTTER, 

DER SICH DEB ABEND DES LEBENS VERGOLDE, 

DIESE GEWISSENHAFTE LIEBLIXGSAßBEIT 
SEINES GANZEN LEBENS 

DEE DANKBARE SOHN. 



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Vorwort 



Dreissig Jalire lang (nach Herodots Rechnung fast ein Monschen- 
alter) bin ich dem Aristoxenus kaum auf Wochen untreu geworden. 
Meine schönsten Stunden habe ich im Verkehre mit ihm verlebt 
Lieas ich mich inswischen auch za CatuUischen nugae und gar gram- 
matischen ineptiae fortreissen, so habe ich meiijpn Versuch der Un- 
treue als Heautontimonunenos em Deeennium lang durch freiwilliges 
Exil, durch Selbstverbaimung Ton dem liebsten was man hat, dem 
Heimathlande gebllsst. Doch der ferne Osten nahm mich gastlich 
auf, >4el freundlicher als ich es verdiente: er gab mir erwiiü.sciite 
Oelegenljeit den Aristoxeims-Stüilien eme möglichst weite Ausdeh- 
nung zu geben, die mir unter den Sorgen daheim versagt war. Es 
war mir dort vei-stattet, den Rliythnms Bach's und unserer übrigen 
grossen Meister eingehend zu stndiren, und an ihm die nOthige Paral- 
lele für die rhythmische Doctrin des Aristoxenus zu gewinnen. Es 
ist mir jetst, als ob mir Versöhnung zu Theil geworden: als ob 
wenigstens die Manen des alten Tarentiners nicht mehr zürnten; als 
ob sie, die wie früher die seines Landmanns Archytas lange auf 
Erden keine Kulie finden konnten,- zum endlichen Frieden gelangt 
seien. Denn fern im Auslande Hessen sie mich nicht blos diis iu 
vollem Maasse finden, was ich früher bei Aj'istoxenus vergebens suchte, 
sondern als überreichen Lohn für meme Treue noch etwas Anderes, 
was weder ich nocli irgend ein anderer bei ihm erwartet hätte. Was * 
mich Tor dreissig Jahren zu ihm hintrieb, war das Prognostikoni 
welches der divinatorische Geist des grossen Meisters G. Hennann 
der Philologie von der Wiederherstellung des Aristoxenus gestellt 
hatte. „Si ea quae Aristoxenus peritissimus simul et diligentissimus 
beriptor litteris mandavemt alicubi reperii*entur, non est dubium 
lucem uuiversae rutioni poeseos acceusum iri claiissimam." Zu meiner 



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VI Yonv'ort zu AriBtoxenns 

grossen ITeberraschimg £iuid ich bei Aristoxenus noch ein Anderes, 
was weit über die Grenzen jenes Prognostikon hinausgeht, wovon 

aucli Boeckh und alle wir später lebenden noch nicht das mindeste 
filmten. Denn nicht bloss die rh} tlmiiscben FoniK ii der alten 
giiechischen Künstler, Pindars und der Dramatiker, werden \nv ich 
fern von Deatschlaud erkannt, zu einer imei*warteten Klarheit diu ch 
Aristoxenus erschlossen, mit dem die Berichte Eephaestions und der 
alten Metnker non nicht mehr in Discrepanz stehen» sondern auch 
der Bbythmus der musischen Kunst christlich-modemer Welt wh^ 
durch Aristoxenus zum klaren Bewusstsein gebracht Vor allem und 
zuerst des gewaltigen Bachi welcher das Alpha und Omega der 
musischen Kunst auch in der Bhythmik ist und sein wird. Ja, 
Einer ist der Rhythmus der alten und der modernen Meister! Er 
ist eine der immanenten Ideen der Kun t für nWv Yc^er und alle 
Zeiten. Bach, dem gottgeliebten, war mit der Kunst des Melos zu- 
gleich auch die des Rhythmus als freundliches Wiegrngescbenk 
durch die Musen dargebracht Doch nur vom Meios erhielt er ein 
klares' Bewusstsein; der rhythmischen Gesetze» so streng er sie in- 
stindiT auch einhielt, ist er sich schwerlich bewusst geworden. Auch 
Ton ihm wird gelten, was der berühmte Neider des Leipziger Thomas- 
Oantors, der Hamburger Matheson in seinen „vollkommenen Capell- 
nieister*' von den Musikei ü der damaligen Zeit sairt: „Die Krafi't des 
Kliytbmi ist in der melodisi hen Setzkunst ungemein gross und ver- 
tlient allerdings einer ])ess( ren Untersuchung, als sie bisher gewür- 
digt worden. Die Componisten haben in diesem Stücke sowohl als 
in vielen anderen nicht weniger wichtigen Dingen der melodischen 
Wissenschaft mit ihrer ganzen Uebung noch nichia mehr erhalten 
als einen Yerwirrten oder undeutlichen Begriff» scientiam confiisam, 
keine Kunstform und sowie der Pöbel rhetorische Bedensarten braucht 
ohne sie als solche zu kennen.<< 

Bei Bachs Nachfolgern war der edle Götterfunken dos liliyth- 
mus, wenn auch weniger reich sich entfaltend, doch im Ganzen 
ebenso müelitig wie hei Bach: bei Mozart, Be(thoven und allen 
den späteren bis auf den heutigen Tag. Aber auch bei ihnen un- 
bewusst. Und bei allen Musiktheoretikem und Dingenten ist es 
heute noch genau ebenso, wie es der Verfasser des vollkommenen 
Capellmeisters Ton denen seiner Zeit sagt 



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Kbythmik: practische Bedeutung. VII 

Die Hand aufs Herz, ihr grossen und ihr kleinen Componisten, 
ihr Dichter mit oinpreschlossen, wisst ihr, da^s » uro Muse, cinorlci 
ob bei homophoner, ob bei polyphoner Musik, euch in k<Mnen aiuki f n 
Kola componiren und dichten lässt^ als genau in jenen, weiche vor 
mehr als 2000 Jahren der treffliche Tarentiner auf Grund der mu- 
sischen Kunstwerke des klassischen HeUenenthmns und deren Aus- 
führung yerzeichnet hat? Wisst ihr, dass ihr auch eure Perioden 
und Strophen nicht anders als die Griechen zu bilden vermdgt? 
Dass auch die Yersf&sse, in denen sich eure Vocal- und Instrumen- 
talmusik bewegt, dem iinmanonten Geiste der Kunst gemäss keine 
andere sind und sein können, als die in der musischen Kunst 
der alten Hellonen, der 3-zeitige, 4-zeitige, 6-zeitige Versiuss? Und 
dass auch eure Kola nach derselben Nothwendigkeit stets ein Mul- 
tipluni dieser Zahlen sind, vollständig oder kalalektisch? Kennt ihr 
Theoretiker diese arithmetischen Geheimnisse, diese Zahlenmysterien 
des Bh^thmuSj die um in Platonischer Anschauung zu reden, der 
Demiurg als Vater in Ewigkeit — und iUr die Ewigkeit — erzeugt, 
und die das Ekmageion des Melos als Mutter empfangen und ge- 
boren hat? Es ist nicht schimpflich, sich der arithmetischen Ge- 
setze des Rhytlinms nicht bewusst zu sein, denn nur der griechische 
Theoretiker aus Tareut hat diese (4"lieimniise erkannt, und in wis^^en- 
schaftlicher Beobachtungsgabe für ijachen der Kunst steht nun ein- 
mal das klassische Hellenenthum allen übrigen Völkern der Cultur 
und Kunst voran. Aber noch Tiel weniger ist es schimpflich (es 
nicht zu thun, das wäre schimpflich), diese klaren rhythmischen 
S&tze aus dem Berichte des alten Tarentiners sich anzueignen. 

Nicht bloss theoretisch^ sondern auch practisch könnten sie 
f&r unsere Musik von Bedeutung werden, wenn auch die Dirigenten 
und Virtuttseii sie sich anzueignen tlie Mülie geben wollten. Wir 
wüideu dann unsere Musik rhytlimisch hören, was jetzt höchstens 
ftir die Vocalmusik, für die Instramentalmusik so gut wie gar nicht 
der Fb1\ ist In der Vocalmusik werdoi die Ausführenden fort- 
während durch die Textesworte auf die Grenzen der Kola und Pe< 
rioden aufinerksam gemacht und können nicht umhin, diese Grenzen 
zu Gehör zu bringen. Hier nimmt man niemals Anstoss über die 
Taktstriche hinaus zu gehen, bis man zum wirklichen Ende des 
rhythmischen Abschnittes kommt, welches fast niemals mit dem 



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vm 



Vorwort lu Aristozenitt 



Taktstriche zusammenfällt, der seinerseits seinem Wesen nach nichts 
anderes als die stärksten Accente marldren soll: 

K^ine | Kuh bei Tkg und j Nacht' 
Bache von ges&Iznen | Zahrco' 
In I diesen h^ilgcn | EkWAa. 

Aber wie .süii man in der liist i- innen tri 1 um sik die Grenzen der 
Kola und Perioden ersehen? Der Taktstricli ist iiier gerade so wie in 
der Vocalmusik gebraucht last niemals Kolon-Grenze. Die älteren 
Gomponisten merken niemals jene Grenzen durch Legate-Zeichen 
an, und die Herausgeber, auch Hans von BOlow, haben sie in 
vielen Fällen falsch gesetzt Man lernt sie bloss aus dem Studium 
des Aristoxenus mit Sicherheit bestimmen. Und so muss man da- 
rauf gefasst sein, dass man in den meisten Fällen nur das Melos 
des ('omponisteu zu hören bekunmit. Wie viel man so von der 
Musik veiliert, welche iScliönheiten uncrehört bleiben, wussten die 
Alten. 80 sagt Aristides Quintiiianus (oÄenbar nach Aristoxenus. 
aus dem er, weim nicht unmittelbar, doch mittelbar geschöpft) : 
„Den Rhythmus nannten die Alten das männliche, das Melos das 
weibliche Fdncip der Musik. Das Melos ohne Rhythmus ist ohne 
Energie und Form; es verhSIt sich zum Rhythmus vrie die ungeformte 
Materie zum formenden Geiste. Der Rhythmus ist das die Materie 
der Tonalität gestaltende, er briu^^t die Masse in geordnete Bewe- 
gung; er ist das Thätige und Handelnde pegeniilier dem zu behan- 
dchiden (rcgenstandc der Töne und Accorde des Melos." Und an 
an einer anderen Stelle: „Ohne den lili}thmus bringen die Töne 
bei der glatten Unterschiedslosigkeit in nachdiiickslose Uidtenntlich- 
keit und tWiren die Seele in die unbestimmte Irre. Dagegen kommt 
durch die Gliederung des Rhythmus die Materie zu ihrer klaren 
Geltung, die Seele zu geordneter Bewegung.^' 

Wir sind gewöhnt, von unserer Musik, zumal der Instrumental- 
musik, nur das Melos zu hören, müssen uns begnügen, an dem blos- 
sen Melüs unseren Kunstgenuss zu haben. Das ist immerhin auch 
schon ein Kunstgenuss, zumal wenn utr Musiker von Fach Gelegen- 
heit hat, an vortrefflicher thematischer Arbeit und Stimmführung 
seine besondere Freude zu haben. Aber die Hellenen hätten sich 
mit dem (renusse an dem blossen Melos, auch wenn sie in ihrer 
harmonischen Kunst und Stimmführung auf derselben Höhe wie 



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Bhythmik: practiscbe Bedeutung. 



IX 



unsere Musik gestanden hätten, nicht begnügt Sie hätten das eine 

Freude an dem sinnlichen Stoffe genannt; sie verlangten ausser dem 
similiehen Melos mich noch den ordnenden Geist des Kliytlimus. Es sei 
mii* erlaubt, da^ Ideal eines rh^ihnii.sclien \ ortrages unserer Musik, me 
ich es luii" auf Grundlage der Meister der antiken Rhytimiopoiie 
und des Theoretikers Aristoxenus nach und nach herausgebildet habe, 
in dem folgenden kürzlich zu skizziren. 

Die erste Bedingung, ohne die alles andere eitel sein wird, ist 
sorg^tige Berttcksichtigung der Gaesur, mit genauer Erwägung, ob 
sie an der betreffenden Stelle des Husikstnckes männlich oder weib- 
lich ist, denn je nach diesem Unterschiede der Caesureu ist die 
Wirkung des Musikstückes eine andere. Ich habe dies in meiner 
Theorie des musikalischen Khytlimus seit Bach mehrfach auseinander 
gesetzt. In der A'ocalmusik sind die Caesuren dui-ch den gewöhnlich 
mit Beim verseheneu Ausgang des Verses angezeigt Nur selten 
hat sie auch Binnencaesuren, wie im Chorale: 

Ach wie flüchtig, — ach wie nichtig, | 
des Meiudieii Stechen! | 

Der protestantische Choralgesang, auch bei Bach, verlangt, dass 
vor einer Gaesur eine Fermate eingehalten wird. Die neueste Zeit 
ist diesem Verlangen entgegen uaJ uill. dass eine jede Kote genau 
»0 lanLT jresungpn wird wie sie gesirln-ieben ist. Man nennt das den 
rh}ilimisciien Choral. In der That ist die ältere Weise des Fer- 
maten-Chorales insofera unrh^Üimisch, als durch das Verlängern 
der Fermaten-Note die zu einer Periode gehörenden Kola ausein< 
ander gerissen und die Musik auseinander gerenkt wird. Aber 
, in dem Verlfingem der Note über ihren geschriebenen Werth hin- 
aus, bedingt durch die Caesur, liegt eine natürliche in dem Rhyth- 
mus selber gegebene Eigenthtlmlichkeit, die man sich unter keinen 
Umständen entgehen lassen darf. An Stelle des Fermaten-Chorales 
den fälschlich sogenannten rhythmischen Chorales setzen heisst das 
Kind mit dem Bade ausschütten. Schwerlieli ^^ird man das in dem 
Chorale der Bach'schen Cantaten und Passionen zu thun wagen, da 
Bach selber hier die Fermatenzeichen gesetzt hat Auf dem häss* 
liehen und entschieden unrhythmischen Zerreissen der periodischen 
Einheit der Kola durch die maasslose Yerl&ngerung des Schlusses 
(die Geschmacklosigkeit mancher Organisten erlaubt sich m diesen 



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X 



Vorwort m Aristoxenus 



Fermaten sogtOi* noch ein kleines Zwisclienspiel!) würde Bach sicher- 
licli nicht bestanden Laben. Aber gegen eine Verläugei*ung, wie sie 
Aristoxenus in den Caesuren verlangt, der hier den Clironos alogos 
annimmt, h&tte auch Bach nichts emzuwenden gehabt Xach Aristo- 
xenus würde nämlich die Fermaten-Terlängenmg bei den im dipo* 
dischen <n-Takte geschriebenen Chorälen auf ein einziges J( zu re- 
ducuren sem: immer genug, um den Rb3rthmu8 so weit zum Einhalt 
zu bringen, dass man hier ein Ende merkt, aber nicht gross genug, 
um z. B. den 4-zeitigen Versfuss zu einem 5-zeitigeu zu machen 
und hiiMdiircli eine wirklicliu Störung des Khythmu«' zu bewirken. 
£» hängt nur von dem guten Willen des den Gemeindechor diiigi- 
renden Organisten ab, den Singenden die ungemessene Fermaten« 
Verlimgerung abzugewöhnen und die maassvoUe artstozemsche Ver- 
längerung, welche nur halben Ghronos protos betriigt, an deren 
Stelle zu setzen. Dann wird dem richtigen rhythmischen GefOhle 
der Choralgesang der protestantischen Kirche nicht mehr rerleidet 
sein. Wir protestiren gegen Einftlhning des sog. rhythmischen 
Cliorales, denn die irrationale Vpi Uingening am Ende des Kolons 
liegt in dem Wesen des Rhythmus begründet; sie ist so begründet, 
wie der Reim rhythmisch begründet ist, den unsere moderne Poesie 
an dem Ende des Kolons nötbig hat und der auf demselben Grunde 
rhythmischer Klarheit wie die irrationale Verlängerung der Alten 
beruht Nur soll durch die Fermaten*Yerlängerang die ISuiheit der 
riiythmiflchen Periode nicht zerhackt und ausemander gerenkt wer- 
den; die Verlängerung soll kerne ungemessene, sondern eine maass- 
haltige, sie soll griechisch, soll aristoxenisch sein. 

Wälirend beim \"ürtraü:e der \'ocalmusik der Worttext, nament- 
lich die reimenden Ver»Llilü>so »'in sicheres Merkzeichen für die 
Gliederung in Kola und Perioden sind, fehlt es in der Instiiunental- 
musik an einem äusseren Kriterium gänzlich. Denn die Legate- 
Zeichen, welche manche Componisten zn setzen pflegten, sind in 
vielen Fällen zweideutig. Deshalb hat auch Lussy für die Bezeich- 
nung der Kok in der Notenschrift andere Fhrasüimgszeichen vor- 
geschlagen, ähnlich dei^enigen, welche durch dieNotirung der Minne- 
lieder in der Jenaer Handschrift Überliefert sind und analog auch 
in populären Liedersammlungen lur die Stellen des Aliieniholens 
augewandt werden, in der rhythmischen Ausgabe Bach'scher Fugen 



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Bhythmik: practische Bedeutung. 



habe ich dieselben Zeichen (nur in einer dem Auge etwas mehr 
sichtbaren Fonu) für die Kolagienzen angewandt und durch Ver- 
doppelung des Zeichens gleichzeitig die Periodeügionzeii angezeigt. 
Diese rhythmischen Zeichen haben in der That für die Instrumental- 
musik dieselbe Bedeutung wie dort in der Vocalmusik. Wie am Ende 
eines Verses das Legato aufgehoben und irischer Athem geholt wird» 
so soU auch in der Instrumentalmusik innerhalb des Kolons so viel 
wie möglich ein Legato-Yortrag bestehen, der nur am Ende des- 
selben oder» wo eine Binnen*Gaesar stattfindet, auch am Ende der 
Dipodie aufgehoben wird. Ein Staccato- Vortrag, innerhalb des 
Kolons ist meist so unpassend wi(? nur immer möglich; es is die 
„Unsitte des Fingortanzes", die Beethoven vom Claviere, das „mit 
der Hand eins sein*' müsse, fern gehalten wissen will. 

Aber in der Grenzscheide der Kola, wo auch der Gesaug neuen 
Athem schöpfen muss, ist das anologe Aufheben Yon Hand uud 
Fingern nothwendig. Wo nur in der einen Stimme ein Kolon* 
Ende eintntti die andere Stimme aber den Ton auszuhalten hat» 
wird auch für diese der sonst durch das Legato-Aufheben zu be- 
wirkende Eindruck durch Anwendung der Aristozenischen Irra- 
tionalität erreicht und dih-fte namentlich in solchen lallen mit 
Nutzen für das Kolon-Ende verwendet worden. Doch hängt das 
durchaus von dem Charakter des Musik^Uickes, nicht bloss von dem 
schnelleren oder langsameren Tempo ab, wie denn auch bei den 
Griechen die sicherlicli mcht schnellen trochaeischen Chorlieder des 
Aeschylus die Irrationalit&t von sich fem halten. Sorgsames Ein» 
halten der Kola^renzen, sei es auf welche Weise es wolle» gibt 
der Instrumentalmusik den Charakter reliefmässiger Klarheit; es 
Übertragt auf die musische Kunst etwas yon dem Wesen der Plastik, 
in welcher die Griechen auf einer för alle Zeiten unerreichbaren 
Kunsthöhe stehen. Dies ist es, was der A'ortrag unserer Musik vor 
Allem aus der griechischen Kunst sich zu eigen macheu soll. Das 
Melos soll durch schaifes ßhythmisiren durchsichtig und klar wer- 
den, soll die unrhythmische yerschwommene Sentimentalität, soll die 
Gedankenlosigkeit, die man als Glätte bezeichnet und in welcher 
sich die NerriVsen und die musikalischen M&ssigkeitsvereinler wohl 
fthlen, gegen die Energie des scharfen Rhythmus anheben. Unsere 
Musik hat alle Bedingungen des griechischen Rhythmus in sich, da 



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Vorwort xtt Arifltoxentui 



ihn die Compoiusten wenn auch unbewusst in sich hatten; man 
bringe ihn auch nach Ariatoxenus zum hörbaren Ausdrucke! Bach*B 

uud Beethoven's Musik wird dadurch in gleicher Weise gewinnen. 

Züiual wenn wir auch dies noch von den Griechen lernen, wie 
die Kola unserer ConipoDisten zur höheren rhythmischen Kiiiheit der 
Periode zusammengesetzt sind, wenn wir hiernach füi' die Protasis- 
Kola der Perioden einen Crescendo- Vortrag, tiir die Apodosis-Kola 
den Diminuendo-A'ortrag zur Ausführung bringen. Haben wir das 
von den Griechen gelernt, so wird zumal unter scharfer Hervor- 
hebung der männlichen Gaesuren che Beethoven'sche Musik noch 
in einer ganz andern Weise als bisher ,,Feuer aus dem Geiste 
schlagen''; auch Bach wird dann nicht mehr yon Lobeanem und 
anderen Alässigkeitsvereinlern huigweihg uud altmoili^ch gescholten 
werden; jedes Publikum, dessen ( lenussfähigkeit über den AVui/er 
und den Pai'ademarsch lünausgeht. wird aui Ii den Bach'schen Fugen, 
wenn sie rhythmisch vorgeftlhrt werden, mit Entzücken lauschen. 

Und das würde die practische Bedeutung des Anstoxenus ftlr 
unsere Musik sein! Denn ohne Aristoxenus Bhythmik würden wir 
llberhaupt von Kola und Perioden — ich will nicht sagen nichts 
wissen, aber jedenfalls nicht mehr, als was der alte Sulzer am 
Ende des vorigen Jahrhunderts davon wusste. Und das war herz- 
lich wenig, wenn es auch immer noch viel mehr und besser war, 
als was Marx und Lobe nach Heicha's Vorgange aus den rhyth- 
mischen Gliedern und Perioden ^emaclit haben. Ohne Aristuxtnus 
fehlte uns überhaupt die Fähigkeit, uns die Khythmopoüe der 
griechischen Künstler zur Kenntniss zu bringen. 

Die Aristoxenische Rhythmik ist uns nun freilich nicht in einem 
solchen Zustande überliefert, dass wir sie einfach Torztmehmen 
brauchten, mn die darin enthaltenen Schätze hervorzuholen. Nein, 

es sind eigentlich nur wenige Blätter, die uns in den Handschriften 
au^* dem so bedeutenden Werke überkommen sind. Aber es liegt 
hl der bewunderungswürdigen Klarlieit dets grossen Denkeis. die 
auch seine phrasenlose Darstellung belieri*scht, dass wir eigenthch 
viel mehr von ihm haben als die Handsclmften uns von seinem 
Werke überliefern. Um bei ihm auch zwischen den Zeilen zu lesen, 
dazu gehört nichts als unbedingte, die Zeit nicht schonende Hin- 



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Bbythmik; Bearbeitung. 



Xlll 



gebung an ihn und als Vertnuitlieit mit der Rhythmik unserer 
ComiK)iiistt"ii. vor nllon BachV Die Aristoxenische und die Hiich- 
sehe Uhytlimik stehen in einem geradezu wunderbaren Verhältnisse. 
Bach's Bhythmik ist ohne die Aristoxeniselio nicht zu verstehen, aber 
auch umgekehrt konnte die Aristoxenische ohne Bach nur in ihren 
elementftrsten Lehrs&tzen verstanden werden. Alles, was Ober diese 
Budimente hinausgeht» liess sich nur ans Bach erklären, indem die 
Bach'scheMnsikdie practischen Parallelen für die rhythmische Doctrin 
des Aristoxenus an die Hand gibt. Bach's wohlt. Clav, ist gleichsam die 
lieispiplsanimlung zu Aristoxeims. Was der firrof?«?o Denker Ariütoxe- 
nm auf Grundlage der Khythniopoiie der griedn-,* lie ivunst eruirt, 
das wird von dem grossen Künstler Bach, ohne von den Alten etwas 
ZU wissen, zufolge seiner Congenialität mit den klassischen Künst- 
lern des Griechenthnms, noch einmal geschaffen, indem sich in dem 
Ereislaufe der Geschichte die künstlerische Sch5nheitsidee des griechi- 
schen G^tes in dem christlich-modemen Geiste wiederiiolt Bei ' 
keinem der modernen Bhythmopoüe ist das in solchem Grade, wie 
hei Bach der Fall Seinem Melos kommt daher auch die Theorie 
der antiken Rliythmik praktisch am meisten m Gute. 

Es fehlen nur wenige Jahre an rinom vollen «Jahrhundert, dass 
die Fragmente der Aristoxenischen Rhythmik den Händen der Ge- 
lehrten zugänglich sind. Das geschah durch den Bibliothekar 
der Marcus-Bibliothek zu Venedig Jacob Morelli, der das merkwür- 
dige Denkmal des griechischen Altertbums in einer Handschrift jener 
Bibliothek auffiemd, mit einer anderen im Vatican aufbewahrten 
Handschrift vergleichen liess und zugleich mit einem Theile des in 
Byzantinischer Zeit aus dem vollst&ndigen Werke gemachten Aus- 
zuges, den rhythmischen Prolambanomena desMicIiael Psellus, welche 
ebenfalls auf der Marcus-Bibliothek in einer Handschrift vorhanden 
waien. dmch den Druck verotieiitliclite: 

Aristidis oratio ad versus Leptinem, Libauü declamatio pro Socrate, 
Aristoxeni rhythmicorum elementomm fragmenta, ex bibliotheca 
divi Mard nunc primum edidit Jaoobus Morelli Venetiis 1785. 
Dem Aristoxenischen Texte hatte Morelli einige kritische und 
erklärende Noten und, wie gesagt, die Parallelstellen aus demExcerpt 
des Psellus hinzngeillgt Nimmt man noch die Ausgabe der vollständigen 
Prohimbanomena des Psellus hinzu, so hat man alles, was unmittelbar 



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XIV 



Vorwort su Aristoxenus 



von der Rhythmik des Äristoxentis auf uns gekommen ist Schon 1647 
war Joh. Bapt. Doiii mit dem v;iti( auisdieu Codex des Aristoxenischen 
ßhythnms ])ekaniit fzewordcn. «Irr damals w'w Doni angibt, iku Ii drei 
freilich lückenliafte Bücher entiuelt. MorelH fand in ihm nicht mehr 
als nur noch ein einziges Buch vor (opera musica 1, p. 136. 190); das 
Fragment des veuetianischen Codex war noch um einige Seiten kürzer. 

Fttgen mt nun noch die PselliaxiiBchen ^^Prolambanomena in die 
Wissenschaft der Rhythmik" hinzu , so ist das mit Horelli^s Texte 
alles, was uns aus der Aristoxenischen Rhythmik unmittelbar Uber- 
kommen ist. ßen Psellus Tollständig yeröffentlicht zu haben ist 
das Verdienst C. Julius Caesar s Rhein. Mus. 1842 p. 620. Es 
war das dieselbe Abscluift aus einem Müüchener Codex, die sich 
fridier G. Hcnnaim halt« anlei-tigen hissen, die die>tr aber bis da- 
hin zurückgehalten, weil er der Schrift des Pm Hus keinen AVoith 
zur Bereicherung unserer Kenntnisse der antiken Khj-thmik beilegen 
konnte, eine Ansicht, in der sich der grosse Philologe glücklicher 
Weise geirrt hat. 

Boeckh war der erste, welcher die hohe Wichtigkeit dessen, 
was uns yon Aristoxenus Rhythmik Überkommen ist, erkannt und 
mit der sachlichen Venverthung des Ueberkommenen in energischer 
AVeise begonnen hat. Das geschaJi in seiner unsterbUchen Bearbei- 
tung des Piiidar (IS 11 — 1821', die ITu' die Rhythmik und Musik und 
überhaupt für den alten musischen Vortrag der Rindarischen Ge- 
dichte die Tradition der griechischen Musiker, in erster Linie die 
des Aristoxenus henrorzog und zum ersten Male diese todten Buch* 
Stäben zum Leben zurückführte. Durch ihn ist der Name des 
Aristoxenus auf alle Zeiten em fiir die Philologie äusserst bedeu- 
tungsvoller geworden. G-. Hermann, der wissenschaftliche Begründer 
der griechischen Metrik, hatte die alten Musiker zunächst zur Seite 
gelassen; dureli Boeekh wiirde auch er veranlasst, der rhythmischen 
UeberUefeiim^' des Aiistoxenus als Kritiker und Exeget seiue Thätig- 
keit zuzuwenden. 

Doch blieben es immer nur einzelne Stellen, die von Boeckh 
und von Hermann ans Aristoxenus herbeigezogen .waren; umfftssend 
und allseit^ waren die rhythmischen Fragmente desselben noch 
nicht beHandelt, so dass Hermaxm seme metrischen Arbeiten mit 
dem Ges^dmsse schliessen zu müssen glaubte: metricam artem 



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Khythmik: Bearbeitung. 



nuiidum satis explanatam esse, ihythiuicain vero totam in tenebris 
iacere. Kiiu' IJearboitniig der gcsammten Aristoxcnischeii Rhythmik, 
so viel damals tlavou vorlag, ist das grosse Verdienst H. Feussners. 
Von ihm erschien 1840 als Programm des Gymnasiums zu Hanau: 
„Aristoxenus Gnmdzttge der Rhythmik, ein Bruchstück in be- 
richtigter Ursdirift mit deutscher Uebersetznng und Erläuterungen, 
sowie mit der Vorrede und den Anmerkungen Morellis neu her- 
ausgegeben.'' 

Was dieser Arbeit bleibenden Werth gibt, ist die äusserst 

glückliche llerstt lhmg des vielfach verderbten Aristoxenischen Textes, 
die hier vielfach eine abbcidiessende ist und nur selten eine Nach- 
lese übrig gelassen hat. Weniger war das saclüiche Vei'ständniss 
durcli dieselbe gefördert, dem auch die Uebersetzung nur wenig zur 
Hidte kam. Erst durch diese Ausgabe konnte die Ariatoxenische 
Rhythmik, die in dem Moreiüschen Abdruck nur wenig verbreitet 
war, einem grösseren Kreise zu^^ch werden und die Arbeiten, 
welche weiterhin auf diesem Gebiete erschienen smd, sind insofern 
mittelbar durch Feussner hervorgerufen. 

Nach Boeckli und l'eussner ist Friedrich Bellermann zu 
nennen, der zwar nicht der Aristoxenischen Rhythmik uriiiiitt('l])ar seine 
Sorgfalt zuwandte. al)er durch die zuerst von ihm herausgegebene: 

Anonymi scriptio de musica Berol. 1841, 
oder vielmehr, wie auch Vincent erkannte, die zwei J^cbriften zweier 
Terschiedener Anonymi, yon denen die eine auch sehr wichtige 
Notizen über antike Rhythmik enthielt und mittelbar für Aristoze- 
nos von grosser Bedeutung wurde. Ebenso auch Bellemann's Schrift: 

die Hymnen des Dionysius und Mesomedes, Text und Melodien 

nach den Handschiiften und den alten Ausgaben bearbeitet 

BerL 1840. 

Es war im Aiilantje des Jahres 1850. als ich zum ersten Male 
durch August Rossbach die Feusi^nersche Ausgabe der Aristoxe- 
nischen Rhythmik in die Hand bekam. Diese wenigen Blätter also 
-waren alles, was von jenem Werke yorhanden war, das wenn es 
ganz erhalten wäre nach 6. Hermann's des Hetrikers eigener 
Ansiebt dieser Doctrin eine durchaus andere Grundlage geben 
wQrde! So sagte mirRossbacb, der sich eingehend mit der metri- 
schen Theorie fiermann's beschäftigt hatte, aber diese Aristoxeni- 



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XVI 



Vorwort zu Aristoxeuuä 



scheu Fragmente selber erst unlängst kennen gelernt, als er an 
il:i^selbe Gymnasium Kurhessons. driu (lor Yrrdicnte Herausgeber 
di'V Aiistüxeniscliiii Uliytlimik aiigeli<'ite, auf kurzem Zeit als junger 
Lehrer beordert wai*. Ich darf hier wohl jener Tilge im Januar 
und dos darauffolgenden Zusammenlebens in Tübingen gedenken» 
wo Rossbach unbefiiedigt von den bisherigen metrischen Kategorien 
fort und fort auf jene so schwer verständlichen Fragmente zurück- 
kam und endlich auch mich nach einigem Widerstreben zu jenen 
Studien fortriss, denen ich nie wieder untreu werden sollte: stets in 
dem sicheren Vertrauen, dass die Siegel, die das Verständniss ver- 
schlossen, durch hingebende Arbeit zu lösen uuJ allein von hier 
ans sichere Fiimlaiiietitc für die Metnk zu i,'ewinnen si-ion. Weil 
ich mich späterhin der Fortsetzung dieser Arbeiten allein unterzog, 
ist unser beiderseitiger Antheil daran viel£ftch in imrichtiger und 
ungerechter Weise zu Ungunsten des einen von uns beurtheilt wor- 
den; aber Rossbach ist nicht bloss der einzige Urheber der Arbeit, 
sondern es sind auch fast alle allgemeinen Gesichtspunkte, alle för- 
dernden und Frucht bringenden Apergus, ohne welche solche Studien 
nicht resultatreich und lebendig werden können, von Rossbach aus- 
gecrangoii. Was im Kinzelnen geleistet, wiid, l)is liossbach bei der 
zweiten AuHage der Metrik die Arbeit mir nUeiu iiberliess, sicher- 
lich gleichmiissig unter uns beide zu vertheilen sein, ohne dass wir 
damals, wo wir lediglich die wissenschaftliche Aufgabe im Auge 
hatten, irgend wie zwischen Mein und Dein gesondert hätten,''^) ein 
jeder dachte mit Catull und Cinna: „utrum illius an mei quid ad me?'' 
Ton der Aristoxenischen Rhythmik erschien kurz vor dem ersten 
Abschlüsse unserer Studien eine Ausgabe mit Erläuterungen von 
Bartels 1854 (als Bonner Promotionsschrift), an Resultaten wenig 
ergiebig. Unsere erste l{earl)eitung der griechischen Rhythmik (als 
erster Theil einer Metrik der griechischen Lyiiker und Dramatiker 



*) Der Name Synkope wurde von mir ▼orgeacfalagea, die Sache selber 
aber (insbesondere mit Bezug auf die Spondeen) ist von Boeabach gefunden 

obwohl er dies mehrfach als meine Eutdcekung bezeichnet hat. Von ihm ging 
<.n\ch der Gedanke aus, die Metra nicht wie Hephacstlon naeli einzelnen Versen, 
sondern naeli Struphengattimgen imd metrisehon Stylarteu zu behnndeln, und 
auch die Sondcrung der letzteren von einander wie z. B. die Logaoeden dca 
Pindarisehen und Simonideiaelien Stjles geht vielfach auf Rosabach aurack. 



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Rhythmik: RoaBbach-Westphal, Weil. 



XVII 



im ZusaiiimonliJinge mit den musisclK ii Kihisten 1854) hatte haupt* 
sächlich den Mangel. »Im^- sie zwischen der Lehre dos Aristoxenns 
nnd der eklektiscbon Tradition der SpätcrcD (insonderheit des Aris- 
tides) nicht m sondern Terstand, indem sie die erste auch in solchen 
Punkten aus der letzteren zu interpretiren versuchte, wo diese nur 
im Wortlaute des Terminus technicus, aber nicht in dessen Bc- 
deutunq mit der erstereii tibereinkam. Eine niclit unbedeutende Zalil 
Anstoxenischer Katctjorien blieb deswegen mivei'stnndi'ii und fiir die 
grieehische Metrik unhuuutzt. Doch entliielt die Arbeit bereits du- Her- 
stellung der Tuktscala. Von schädlichem EinHusse für nat lifolgeude Be- 
arbeiter war unsere irrige Ansicht über eurhythmische Kesponslon, in- 
sofern diese in einem schablononmftssigcn Parallciismus der zu einem 
rhytlimiBchen Ganzen vereinten Kola bestehen sollte. Weder in der 
rhythmischen Ueberlieferung der Alten noch auch in der F^nuds der 
modernen Musik kommt auch nur etwas aniAhemd Analoges vor, 
und es ist für Eni>t und SuUditüt der Wissenschaft ein betrübendes 
Zeichen, duss nachdem wir unseren Irrthum längst als jugcndliclie 
Ue})ereilung zurückgenommen, in diesen biHit^^cn Jvinderspiehirtikeln 
(„billig, aber schlecht!") sogenannter antiker luirhythmie fortwährend 
von .]. }{\ Schmidt so umfangreiclie Geschäfte gemacht werden. 
Was in jener unserer griechischen Rhythmik gutes war, bestand 
lediglich in dem mehrfach erfolgreichen Versuche^ das was die Alten 
Positives ttbcr Rhythmik hinterlassen haben , im Zusammenhange 
vriedcr herzustellen, ein Versuch, der zu unserer Freude willkoromeii 
gehelssen wurde, von keinem ii, uiu ikenncuderer und zugleich be- 
lelirenderer Weise al« vuu Jl. Weil (N. Jahrb. für Phil, und Paed. 
1}S.j5), der zu dem Guten, was in dem Buche enthalten war, 
selber noch das Beste hinzufügte. Wcü's treffliche Eröiierung über 
die Semeia der rhythmischen 'Kola war es hauptsächUch, die mich 
veranlasste meiner Ausgabe der Fragmente der griechischen Rhyth- 
miker (1860) eine Reihe von Erläutenmgen hinzuzuf&gen, mit denen 
dieselbe ein berichtigendes Supplement zu unserer ersten^ Bearbei- 
tung der giiechischcn Rhythmik sein sollte. Im Jahre 1868 erschien 
der die Hannonik umfassende Tlieil unserer Metrik. Ich erwälme 
sie des Voi wortes we.Ljen, in welchem ich einige mir Irülier unver- 
ständlich gublieljenen i'unkte der Aristoxenischen Rhythmik zum 
ersteT) Mal( darlegen konnte. Der zweiten AuÜage der griechischen 

Arlit«>xeDui>, RbyUuaik. b 



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XVIII 



Vorwort su Aristoxeoua 



lliiriii(»iiik Uütl Rliythmik vom Jahn» 1807 — 1808 geliing es ebenfalls, 
f'iiii^p fiuf die Ari^tijxciiisrlie lilivthiiiik Ij^'/üi^liclic l'iinktt' hv- 
rielitigcu ; zuj^loicli gab sie als Anliaiii^ ciiion wiederholte ii und ver- 
mehrten Abdruck der alten rhythmischen Fragmente ans der Sciiriil 
des Jahres 1860. Das Alles wurde ebenso in meinem Systeme der 
antiken Rhythmik 1867 dargestellt 

Der Text der Aristoxenischen Rhythmik erhielt eine erwünschte 
Revision durch die von Marquardt nndStudemund wieder verglichen<^n 
(lodiees der Marcianischen und der Vatieanischen Bi])liotli<'k. denen 
{Stuikinuiul aueh nocli die Lesarten des Cod. Urbinas liiii/ult\gte 
(vgl. unten die Mar^uardt'selie AuHgabe der harmonischen Fi'agmente 
des Aristoxcnus). 

Doctb sollte es in den folgenden Jahren niciit an einem Ver- 
suche fehlen y die rhythmische Autorität des Aristoxenus^ an welcher 
Hermann und Boeckh unbedingt fest gehalten hatten^ ganz und gar 
KU annullircn. Dieser Versuch ging von K. Lehrs und Bernhard 
Brill aus. Zuerst begnügt« sich Tjehrs, die UeberUeferong des Aristo- 
xenus unbeaeht(it zu las^eii. Sein Gnindsatz war, das rhytlnnische 
(jefühl der Alten sri ganz genau thtssrllx" wie das dei- Moderne», 
es bedürfe keiner Forsdiung in den rhythniiselHMi Hehriften der Alten, 
um daraus zu ersehen, welche rhythmische Formen die alten Dichter 
ihrer Metropoeie zu Urundo gelegt; die lihytlimik der Alten ergebe 
sich unmittelbar aus dem rhythmischen Gefühle der Modemen. Das 
war auch der Grundsatz von H. Voss und A. Apel gewesen. Lehrs 
bekannte sich zu den Silbenmessungen des ersteren, nach welchem 
der iambische Trimeter der Alten folgendermasseu durch moderne 
Noten auszudrücken sei: 

fio waren die Jamben, welche auch die alten Metriker für itdöe< 
Tpi'oijfiöi. erklärten, unter Lehrs Zustimmung in itoSe^ TeTpaoijH^^ 
gewandelt Bann machte A. Meissner den Vorsuch, auch die iraimve; 
der Alten aus icsvraoijjAoi icoSsc in T»Tpd<n2|ioi umzuwandeln, da der 
modernen Rhythmik jene Takte zuwider seien. Lehrtf nnhm auch 
Meissner unter seine besondere IVoUktidii, indem er dessi n i ;i(»iien- 
Anfsatz im l'hilologim mit einem von ihtn gesehrii^hcnen Vorwurlc 
üiiileilete. Dusa auch Aristoxeuus, nach iiermamis uud ßoeckhs Ansicht 



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Bhytliiiiik: Lehre und Brill 



XIX 



die grösste Autorität in rhythmisclieii lJm;j;en der Alten, sowolü die 
zoSs^ TptaT^jioi wie auch die zcVTauTjaot ansdrücklich anerkannte», den 
Metiikcrn also durchaus beistimmte, das kümmerte Lohrs nielit 
,^ch hielt es für möglichi sagte er, dass Aristoxenus selbst in der 
Anffassmig geirrt, dass er den richtigen Ansdrudc ftir das, was er 
hörte, nicht fand. Ich hielt es femer f&r möglich, dass bei den 
onvoUkommenen ÜGberrosten wir aus einem Theile schliessen, wäh- 
reutl uns uic J^i^aiizung fehlt: diiss wir um so mehr trotz der aus- 
serordentlichen Verdienste von Kossbaeli und Westplial um das 
Verstilndniss der Khythniiker manches n()ch falsch auslegen." 

Da wurde im Siegesj ilM • 1.S70 zu Lehrs grosser Freude und 
Beruhigung der Welt der Nachweis geliefert, dass Anstoxenus ge- 
. nau wie Lehrs sowohl die lambcn wie die Päonen als gerade Takte 
messe, ja noch mehr, dass nach Aristozenus anch den Jonici ein 
gerades Taktmass zu geben sei. Bas geschah durch Lehrs Schüler 
Bernhard Brill in der Streitschrift: „Anstoxenus rhythmische und 
metrische Messungen im <^tegensaty.e geg<'n neuere Ausleihungen, 
nunieiitlicii Westphal's, und zur IvechtlertiL^MUig der von Lelu-s Ive- 
toli^ten Messungen. Mit einem Vorworte von K. Lehrs." Lehrs 
glaubte nun durch diese ohne seine ;,unmittelbare Aufforderung ent- 
standene Arbeit im Alter von dem, was man in der Jugend er« 
selmt, die Falle zu haben^; er freute sich „diesen Auseinander« 
Setzungen Briirs zufolge, welche er wenigstens nicht beweisend zu 
finden ausser Stande sei, den Aiistoxenus nachweislich auf seiner 
Seite zu finden." "Nach der vorliegenden Intei'pretation des Aristo- 
xenus ,ü;el)e es kein iainlii>cli('s. kein i);ie(inisehes, kein iiuii'^ches 
Rhjthmeugeschlecht l>ei den (nieelieii, sonileni nichts ;ils nur i^erade, 
nur daktylische Takte, denn lamben, i'äonen, Jonici seien nichts als 
nur besondere metrische Schemata des geraden 4«zcitigcn Vorsfusses. 

Brill sagt von seiner Arbeit: es sei aus den alten Ueberliefe- 
rungen und namentlich ans den Fragmenten des ältesten Rhyth- 
mikers Aristoxcnus, anf denen haupt^hlich die Metrik Rossbach's 
und Westphal's beruht, nachzuweisen, .dass das rhythmische Gefühl 
der Alten mit dem modernen vollständig übereinstimme, und dass 
an Stellen, wo dies nicht der Fall sei, ein oilenltarer Irrthnm der 
Khythmiker vorliege. Von der Hufl'nung diese Aufgabe zu lösen 
beseelt und durch seine musikalischen IsLemitiiisse unterstützt, habe 



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XX 



Vorwort zu Aristoxeous 



IT sicli selbst an die Frai^iiiente gfiiiadit. dicscllM-ii riiici' i^i'naucrcu 
i'rüluii.^ als wir untorzdt^cii uiul jr<'luiitl( u, ilass sie im Weseutlichuu 
mit dorn huutigen Gei'ühl übcrcinstimmcu. 

Von der Unterstützang ^^durch seine muaikaliscbün Kenntnisse^* 
dtirfl» oigentHch Brill ebenso wcnic^ roden, wie wir davon geredet 

liabi'ii. Stellen wie S. 81: „wie j.i aurh bei uns dein liass haupt- 
^^iklilieh die Fniietion obliegt, durch Maikircit des scliwcnii Takt- 
tlu'iles die Einheit im GegeiisiUy. zu den anderen Takten lieivor- 
treten zu lassen", sind keine Empi'chiuDg für die musikalischen 
Kenntnisse JiriU's. Hektor ßerlioz nennt, was Drill dort ausspricht, 
einen „Gedanken, der mancherlei lärmende Gemeinheiten und jene 
lächerlichen Ausschreitungen erzeugt, unter welchen die dramatische 
Musik früher oder später erliegen wird.^ 

Das Ziel, um des^cntwillen lirill die Arbeit unternalun, die rliytb- 
mis( Iien Fragmente einer genaueren PriUung als ich zusammen mit 
Uossbacli es gethan habe zu unterziehen, war der Nachweis des Ton 
lichrs aufgestellten Axioms: es stimme die antike Rhythmik .im 
wesentlichen mit dem rhythmischen Gefühle der Modemen übereui. 
Wunderliche Täuschung, welcher Brill und Lcbrs sich hingaben! 
Das alh'rwesentlichsti' in der Rliythmik sind dicRbythmen^esehlechter, 
oder wie die Modei iicn sagen, die Taktarten, Wir Modernen liabi*ii 
deren zwei, das des j^^eraden und des uii^M iaden Versfusses. Die 
gerammte lUiytlimopoei(^ in der modernen Musik ))estebt darin, dass 
in den f'ompositionen beide Ifliythmengeschlochter mit einander ab- 
wechseln. Hätte Herr Brill, als er den Aristoxenus einer genaueren 
Prüfung unterzog, in Wahrheit gefunden, dass dessen Rliythmik mit 
der modernen übereinstimme, so mttsste er nothwendig bei ihm auch 
die beiden modernen RItytbmengeschlechter wiedergefunden haben. 
Aber eben dies hat er bei Aristoxenus, wie er sagt, iiii hl gefunden, 
sondern im Gegentheil <lie !)• sclnäukung der antiken Uli} thmopueie 
auf ein einziges KliythnH'ngesrhli'elit, das gerade. Sie ist also viel 
äi'mer als die moderne Khythmopoeie: die moderne stiiuint mit der 
antiken nieht überein. Das ist das Kesultut von Hrüi's Arbeit, um 
dcsscntwillen Lchrs ihn und sich selber beglückwünscht. 

Fn iheh kommt uns di» > Resnltnt — uns d. h. all^^n anderen 
ausser Lelus — höchst uneiwaitet. lAuu wir andern seit lioeckii 



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Rhythmik: Lehrs ond Brill. XXI 

und schon fröher waren gewohnt, uns die Khytiunik der Gnechcn 
als reich zu denken, viel reicher als die unsere. Bass sie »ich auf 
nur ein einziges Rhythmengeschlecht beschianke, abweichend von 
unserer modernen Uhythmot)ocio, welche fast m jeder einigermassen 
uiufangreicheu Composition neben dem geraden Rhythmengesehlechte 
auch nocli eines der beiden ungeraden - denn es sind iliirr zwei 
— beilart": das aiwl Krgebnisse. denen zul'olg«' d'w antike Uliytlmuk 
ganz und gai- uicht im \V ebeutücheu mit der moduraeu übcreiu- 
stimmen würde. 

Das entspricht gewiss nicht dem von Lehrs aufgt^Btellten Axiome, 
dass das rhythmische Gefühl aller cultivirten Völker im Wesent- 
lichen eins sei. Auch wir haben diesen Satz, den wir ftir vollkom- 
men richtig halten, wiederholt ausgesprochen, aber wir sind in Be- 
treff der wesentlicben Uebereinstinimung nicht so leicht wie Lehrs 
und Brill /iitneden zu stellen. AVir verlang«Mi in alh i-erster Instanz 
Uebereiu.stinuMiuig in den Hanjittjattun^rii der i^f-ainnitru Ivlivtliinik. 
in den beiden iuiuptsächlicheu libytiuuengüschlechtern. Und zu 
dieser Ausnahme sind wir ebenso wie unser Vorgänger Boeckli durch 
die ausdrücklichen Krkli&rungen desselben Ahstoxenus und der näm- 
lichen übrigen Quellen geführt worden, welche Brill zu Gfnnsten des 
Herrn Lehrs und dessen von semer Jugend an gehegten Lieblings- 
idee int< i pi etirt Wir könnten auch sa^en, zu Ungunsten des Herrn 
Lebrs, sofeni dieser auch den Saty. aufstellt, d;uss das rhythmische 
lietüJd aller Culturvülker eins sei. Ks kommt dem Herrn Li hrs 
aber weniger auf diesen allgemeinen, uns sogar bis ins Kleine tnid 
Einzelne richtig erscheineudeu Satz au, als viebiu hr auf jene seine 
erste, diesem allgemeinen Satze so sehr widerstreitende Behauptung, 
dass die antiken Trochaeen und Jamben nicht 3-zcitige, sondern 
4-zeitige VersiKlsse seien. 

Wie nun Herr Brill es anülngt, sich den Beifall des Henn 
Lehrs zu gewiimen, oder was dasselbe ist, den Rhythmus jedes anderen 
als des 4-ZL'itigeü Vcibiusses aub der Aristoxeniscben Rhytliiuik hin- 
aus zu escamotiren, das ist ein Kunststiuk oime Gleichen, .,keine 
Hexerei, sondern pure — idcht Geschwindigkeit'', wie Ritsehl zu 
sagen pflegte, sondern Blindbeit 

Wenn wir TOn 3-, 4-zeitigen u. s. w. Versfössen oder monopo- 
dischen Takten reden, so sind das rhythmische Zahlenangaben, die 



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XXII 



Vorwort xu Aristozemu 



zuerst bei Aristoxeiius vorkomiiicn. Wir Modernen n deu von ^/V» 
^Vb"^'*^*^ vei-htelien darunter genau dasselbe wie Aristo- 
xenuSy wenn er von S-zeitigen» 6-zeitigen, 12-zeitigen Takten spriebt. 
Aristoxenns ist deijenige» der unsere heute gebräuchliche Ttüdr 
nomendator wenigstens für den trochaeischen Rhythmus als der 
erste anwendet Aristoxenus nennt die durch den Zähler jener 
Brücbe angezeigten rbythniiscben Maasscinhciten „Cbronoi protoi". 
Wir anderen glaubten bisher mitBneckli, dass diese ii;u Ii ypovoiromrot 
anpejjebenen Zahlen der Aristoxeiiisclien Khytlmiik sieh ;iut' da.-^ 
rhyÜimische Grösscimiaass der 7:0054 d. i. der \'ei^tü.s8e oilcr der 
aus Versfüssen bestehenden grösseren rhythniiseheu Abschnitte be- 
ziehen. So stellt es Aristoxenus selber dar. Nun erfahren wir durch . 
Herrn Lebrs und die „genaueren Prüfungen'^ des durch seine musi- 
kalischen Kenntnisse unterstützten Herrn Brill, dass Aristoxenus 
zwar geglaubt haben mag, mit jenen seinen Zahlen genaue rhyth- 
nusehe Grössenwertlic anzugelien, dass er sich darin aber gründlieh 
geirrt, — dass er dabei „im lialbduiikehi Dämmerlichte der Kindheit" 
umhergetai)pt habe. W ir .Modenx n, so denken die beiden Herren, 
haben freilich ganz l>estimmte rhythmische Wei'the im Sinne, wenn 
wir 3y 4f öy ö Achtel oder Seclizelmtei saj^cn. Das ist aber bei 
AristoxenuSi wenn er von 3, 4, 5» 6 ;(povoi nporcoi spricht, nicht der 
Fall Wir sind klug und weise in der Bhythmik, so meinen sie, 
aber Aristoxenus ist dann noch ein Kind! Wir können rhythmisch 
zaIihMi, Aristoxenus noch nicht! Alle Achtung vor Aristoxenns gutem 
rhythmischen Willen, aber am Können habe es ihm nur allzusehr 
gefehlt. Selbst mit der Kunst zu zilhlen soll es bei ihm nach Herrn 
Lelirs noch eine sehr bedenkliche Sache gewesen sein. ,,Als ich 
ehist*', erzählt derselbe, „aus ßoeckh's Muude hörte: Aristoxenus 
wird doch hubeu bis fünf zählen können, wusste ich allerdings besser 
was sich ziemte, als dass ich dem sicheren Meister die Antwort 
ausgesprochen hätte, die ich dachte: Das ist so sicher nicht" Lehrs 
motivurt diese wunderliche Vorstellung folgendermasson: „Dass die 
Menschen Kunst mit instinctivcr Sicherheit treiben, zur Vollendung? 
treiben, wiilireiitl die Tlie()nc spät und langsam und schwerfällij; 
ihre Versuche zum Hewusstbcin macht (h h. selliNt gros&e Namen, 
die innnerliin für ihre 'Avlt schon einen Fortschritt bezeiclineten, 
für uns in der Kindheit betroffen werden, das lehrt die Geschichte 



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Rhytbmik: Lehn und BriU. 



xxm 



fort und iort." Mit üiucm Woite, ein 8ok-]i kiitdlicher Versuch soll 
auch die Rhythmik des Anstoxenus sein. ArbtozenuB Spricht zwar 
von rhythmischen Maasseinheiten, wenn er XP^^^ icp<oToi sagt, aber 
er meint damit nicht wirkliche rhythmische Haasse, sondern Sylben. 
Sein drei zeitiger Takt ist nicht wirklich ein dreizeitiger wie miser 
'/^-Takt, sondern Aristoxenns versteht darunter einen dreisylhigon 
Versfuss, der möglicher Weise auch ein ';.,-Tukt sein kann. So nmss 
es sich Aristoxenus gefallen lassen, dass er trotz s( incs „grossen 
Namens'*, trotzdem ihm ohne Theoplaaät gar die Diudodiie des 
Aristoteles um Lykeion zugefallen wäre, „für uns auf der Kindheit 
betroffen wird{!)", dass Leute auf vorgerückterer liildungsstufe, wie 
Lehrs, sich &eundlicb dessen kindischer Fehler annehmen nnd dessen 
„dreizeitige n<* Takt nach* ihrer besseren rhythmischen Einsicht in 
einen „dreisylbigen'* Takt emendiren. Aristoxenus habe nicht 
richtig zählen können. TKe Zahl drei sei zwar richtig als unbe- 
nannte Zahl: diis falsche Zählen bcbkhf darin, dass Aristoxeniifi die 
Zahl drei falsch benannt habe. Nicht drei kl(iust( rhytluiii.sche 
Zeiteinheiten, sondern drei ISylben hätte er sagen müssen. 

Es ist, als ob Aristoxenus im Voraus geahnt habe, dass man 
dereinst seine Khythmik so verunglimpfen werde, indem man sie für 
ein kindisches Werk erkläre, wie dies nun durch Lehrs und Brill 
geschehen ist Gerade für diese beiden Tadler scheint er gesdirieben 
zu haben, was Psellus in dem ersten Fragmente aus der Aristoxe- 
nischen Rhythmik mitthcilt. Leider hat Herr Brill, als er sich in 
der HutTiiung Lehrs vierzeiligc llc>suug zu retten, „selber an die 
Fragmente iiuu litc nnd einer „genaueren Prüfung" iiU wir unter- 
zog, gerade dies erste, für die gricch. Metrik so «^rgii bige Frag- 
ment mibeachtet gelassen. Es ist Psellus, welcher aus Aristoxenus 
excerpirend berichtet: 

„Zuerst ist zu merken, dass ein jedes Maass zum Gemessenen 
in irgend einem Verhältnisse steht und hiemach genannt wird. 
Auch die Sylbe, wenn sie etwas dorai'tiges ist, welches den Rhyth- 
mus messen kann, möchte sich so zum lUiytlimus verhalten, wie 
das Maass zum Gemessenen. 

„Üiis ist ein Satz, den üeili( Ii die älteren Rhythmiker ausge- 
sprochen. Aber Aristoxenus sagt: Die Sylbe ist kein Maass des 
Rhythmus. Denn ein jedes Maass ist bezüglich seiner Quantität an 



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XXIV 



Vorwort zu Arbtoxenus 



und für sich bestimmt und steht zum Gemessenen in einem be- 
stimmten Vcrbältiiis-se. Aber wif M;i;iss im Verhältniss zum (ie- 
messenen, in dieser Weise ist die Sylbe mit niebten etwas lie- 
stimmtes. Sie nimmt keineswegs das eine mal dieselbe Zeit ein wie 
das andere maL Das Maiass umss })ezUglicli der Quantität e« instant 
sein sofern es Maass ist, auch das Zeitinaass bezüglich der Zeit Die 
Sylbe ist» um ab Zeittuaass benutzt werden zu kOnnen, bezfiglich der 
Zeitdauer nicht constant u. s. yfJ* 

So redet ein bewährter AristMeliker, ;ib«^r kein ..Kind'*, in seiner 
Wissenschaft; ein Mann, der 'm derselben zaidreiebe Vcngänger bat, 
denen er hier beziighch des von ihnen anf^ostidlten Satzes: die 
Sylbe sei rhythmisches JSiaass, auf das eutsciiiedcnste entgegt^utiitt. 
Man hat diesen Satz ausgcHprochen, als allerdings noch, wie Lehrs 
sagt, die Wissenschaft der Rhythuiik in ihrer Kindheit war, aber 
nicht Aristoxonus ist es, der ihn wie Lehrs and Brill wollen, aus- 
gesproclien, sondern Aristoxenus ist ilim mit der logischen Schärfe 
des Arislotelikers cntgegenget r< t<Mi, wenn er dem entgegnet: 

„Die Sylbe erhalt durch den Rhythmus des Aldos bald diesen, 
bald jenen Zeitwerth und kann aus diesem Grunde kein rhyth- 
misches Maass sein. Vielmehr bedürfen wir, um ein solches zu 
haben, eines Yon der variabelen Sylbengrösse unabhängigen 

Mmissstabes." 

Aristoxenus ist es, der deshalb den Begriff des Xpov'>c ttowtoc 
als kleinste rhythmische Zeiteinheit iu die Disciplin der Kh}lhmik 
aufnehmen musste, wenn diese anders eine Wissc^nschaft von festem 
Fundamente sein sollte. So wohlbedacht verfahrt der ächte Aristo« 
teliker, aber kein „Kind^ Und nun behaupten Lehrs und Brill, 
Aristoxenus habe sich unter dem erst von ihm in die AVissenschaft 
d< r lilijtlinük cingcl'Ulnteu abstraeten Begriffe des /povo; -;,<u»-o; 
die Sylbe gedacht! 

In einem besonderen Aufsatze über den )(f6wi ic^woz (bei 
Porphyrius ist ein Thcil davon erhalten) wendet sich Aristoxenus 
erbittert gegen Leute, die ihn so falsch wie Lehrs und Brill ver* 
stehen würden: 

„Man muss sich in Acht nehmen vor der Irrung und der durch 
sie hervorgebracliten Vcrwiirung, denn leicht kann einer, welcher 



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Rhythmik: Lehts und Brill. 



XXV 



durch mutokalische Kenntnisse nicht unterstützt wird unil solcher 
Theorien, welche wir durlegeii, unkundig, in der Sophistik dag^en 
hinreichend bewandert ist, wie es irgendwo bei Ibykus heisst: 

„mit nuendem Zornesmniido 
mir Hader mifsfiffenhAaBexif*, 

uitkni < r (<ier musikunkundige So|)hist) sagt, es sei ungereimt, wenn 
einer die Rhythmik eine Wissensciiafl nenne unri sit; gleieliwohl 
aus unbestimmten, imaginären Elementen (den /fiovo». -f^w-oi) be- 
stehen lasse, denn das Unbestimmte sei das Ucgentheil aller Wissen- 
schaft. Ich denke, es wird jetet klar sein, dass wir des Unbestimm- 
ten nicht für unsere rhythmische Wissenschaft bedürfen. Denn 
wir setzen nicht Takte aus unbestimmten Zeitgrössen zusammen, 
sondern vielmehr aus be^nzt^^n, begrenzt durch Grösse und An- 
zahl und durch Miui^s und ( h-diiuu'; in ihi't'm Verhältnisse zu ein- 
ander. Und wenn wir keine derartigen Takte annehmt n. so statuiren 
wir auch keint ii derartigen Flhytiimus, da alle KhythnH ii Takten 
zosammengesetzt sind/' Ks wird dann weiter ausgetVdut, dass wenn 
die xp^voi 7rpa>Tot in ihrer Zeitdauer auch variabel sind, sie doch 
jedesmal durch das Tempo zur constanten Zeitgrösse werden und 
mit ihnen auch die aus ihnen zusammengesetzten rhythmischen 
Grössen, die dreizeitige, vierzeitige u. s. w. 

80 indignirt ist Aristoxenus über diejenigen seirier Zeitgenos- 
sen, die ihm unterstellten, als ob er mit unbestimmten Grössen 
rechne. 

Wer von den Zeitgenossen ihn so missvei*standen hat, um ihm 
dergleicbfii kindliche, unaxistotclische Voraussetzungen zu iintrr- 
eilen, ihm, der in seiner Disciplin die grosse That vollbracht, das 
rhythmische Maass von den Sylben der Poesie und der 'N'nrMlmusik 
^ unabhängig zu machen und auf den zuerst von ihm auijgestellten 
}(povo{ icpwro; zurückzuführen, das wissen wir nicht. 

Mehr als 2000 Jahre nach Aristoxenus Tode hat Brill wieder- 
um dieselben Unterste! hniLrru an der Aristoxenischcn Rhythmik ver- 
sucht, und Lehrs erkUu t, die Ausoinandersetzungen des Herrn Brill 
niclit beweisend zu finden ausser Staude zu sein. Mögen die beiden 
HeiTcn zusehen, wie sie sich mit den nicht allzu schmeichelhaften 
Worten, welche Aristoxenus gegen solche Uegner aus Ib^kus an- 



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XXVI 



Vorwort zu AristoxeauB 



wendet, abfinden wollen.*) Den Satz der beiden Herren Lehrs und 
Brill, diibb das rhytlimisclie Gelühl alli-r ciilüvirtcn \ uLker im wesent- 
lichüü eins soi, dicstMi Satz acccptiiL« ich im allerwi'iti'sten l'iiiraiigp. 
Kr int bei mir nicht Axiom, sondern ein aus der gcnaueu Ver- 
gleichung eben der Aristoxenischeu Rhythmik mit der Khythmopoeie 
Bach'sy Uäadersy Gluck's, fiaydn's, Mozart's, Beethoven's folgendes 
Ergebmss. Ohne Amtoxemis würde ich meineneits nicht auf die 
Immanenz der rhythmischen Gesetze bei den musischeii Kttnstlem 
der Griechen mid der modernen Welt haben kommen können. 

Wir stimmen auch darin mit Lclirs, dass wie dieser Siigt, die 
Mensclien mit instiuctiver Sicherlieit die Ktmst treiben, zur Vollen- 
dung treiben, wälirend die Theorie spät und hmgsam und sehwer- 
lallig ihre Versuche zum Bewusstseiu macht, sind aber so weit ent- 
fernt, mit Lehrs die Aristoxenische Rhythmik „diesem auf der Kind- 
heit betroffenen*^ ötaadpunkte zuzuweisen, dass wir sie vielmehr f&r 
eine der allervoUendetsten Disciplinen erklircn, welche der wissen- 
schaftliche Geist der Grriecheu geschaffen hat, viel vollendeter als 
die Poetik und Rlietorik dos Aristoteles, viel vollendeter auch als 
die l.ükUdische Geometne. So lange die Rhythmik <U s Aristoxonus 
noch mdM'kaunt oder wenigstens für die moderne musikalische 
Rhythmopoeie noch niciit verweilhet war, so lange konnte man von 
dem Rhythnms unserer ciiristlich-modernen Musik sagen, dass er 
als Kunst nut instinctiver Sicherheit zur Vollendung geiülirt war, 
während die moderne Theorie dos musikalischen Rhythmus ly^nga^m 
und schwerfällig nachhinke. Auch hier mussten eben durch das 
Griechenthum der modernen Kunst die rhythmischen Gresetze, welche 
den Künstlern immanent sind, zum Bewusstsein gebracht werden. 
Und das Griechentlium, sofern es sich als Theorie au8gcs])rochen, 
coucentrii't sich hier auf den einzigen Namen Aristoxenus. Wie 



*) Aiirnrrkung. Herr Brill bcklüfxt sieli, «Im-^h rneinr in den Elementen 
dca muaikaliöclM'u IvliythuuiB IbTl gegebene '/uriutkwei^uag m.-incr Ansiehtcn 
über Amtuscuii:j unziiruickcud t»ei. Ich gebe ihm Recht. Dort hatte ich duu 
Schliiss jener ZorOekweUung während deB Druckea unterdrückt, als mir die 
vortreffliche Polemik g«^cu Brill in Wilhelm Bnunbachs rhythmiflchen und 
mctriaclien Untersadiungcn 1871 zu Gesicht kiun. Ich dachte, durun würd«; 
Thrill genug haben. Da er nitlit zufiiedtu gestellt i^t. lasse ich die ihm in der 
HÜp meinen Theorie des mnsikiLli.si hru Rhythmus versprocbcue «uf Aritttoxeaus 
iialicr ciugdieude I'uiemik hier abüruukuu. 



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Rb)rthiiiik: der jüngere Bellermaiui. XXVII 

t 

sehr hat diosem Naiiini Aristoxenus die Philologie es abzubitten, 
dass ciiier ihrer Vertreter dorn Meister Boeekh gegenüber zwar 
nicht Uiut gesagt, aber wie er gesteht, stillschweigend gedacht hat, 
,»e8 sei nicht so siciierj dass Aristoxenus habe bis fUuf zählen Jcönnen.'' 

Den Herren Lelirs und Brill gegenüber halte ich es mit Hei i u 
H. lielierniann (Deutsche Literalurzeitun^ ISSl Nr. 18: Anzeige 
meiner aUgemeiuen Theorie des musikalischen KHythmus seit J. S. 
Bach), wenn er sagt: „Kein Verständiger wird es bestreiten, dass 
die von Aristoxenus Ober den Rhythmus aufgestellten Gesetze in 
der Natur des Rhythmus selber begründet sind und hierdurch für 
ewige Zeit ihre Geltung behalten werden.'' Durch mein Buch, heisst 
es dort, werde man zunächst in klarer und verständiger Weise über 
die Elemente der Ubytliinik, über ihre Termini technici, >frie Fuss, 
Vers, System, Knldii, Stroplie unterrichtet. Was in dieser Beziehung 
von* mii* gesagt werde, iUlirt er fort, könne mau allen Musikstudie- 
renden aufs Wäi'uistc empfehlen. Ebenso vortrefflieli sei ferner, 
was ich über die historische Veranlassung der heutigen Termino- 
logie-Verwirrung in der Rhythmik sage, und dass ich um richtige 
Bi'griffe und Benennungen wieder herzustellen zu den alten griechi- 
schen Rhythmikern zurückgreife. 

Aus diesen Worten des Berliner Husikprofössors ersehe ich zu 
meiner Freude, dass die Musiktheoretiker seit einem Becennium in 
den rhythmischen Anschauungen tmd Auffassungen fortgeschritten sind. 
Denn als ich 1871 in den Kiementen des musikalischen Rhythmus zum 

ersten Male die Lehren der alten Theoretiker nutzanwendend den an- 
tiken Termhuis „Periode" an Stelle des j(?tzt in den Musik-( 'onsei-vatorien 
durch Lobe und Mai-x allgemein üblich gewordenen wieder in Auf- 
nalunc zu bringen suchte, da trug mir dies von Seiten eines Leip- 
ziger Musiktheoretikers (in der Kahut'schen Musikzeitschrift) die 
Rüge ein: Ich sei nicht hinlänglich musikalisch, um herauszuhören, 
was Satz, was Perio.de sei und „es wird Musikkundigen imglaublich 
scheinen, dass Wcstphal schon zwei Takte (hört!) als eine Periode 
bezeichnet." Und der Amtsnachfolger desselben Professor Mai-x, 
welcher die von den Alten abweichende Bedeutung des Termimis 
Periode nach A. Kcicha's Vorgange zuerst in Aufnulimf gebracht 
hat, Herr H. Belleruuum, tiägt kein Bedenken die von mir aus den 



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XXVIII Vorwort zu Ariütozeiiiu 

Alten vriedeilurvortTfliolt«' „Periode*^ ^lalleu Musikstudierenden aufs 
Wärmste zu emptciilrii." 

Ich dürfte schon mit diesem einen Erfolge meiner von H. Beller- 
mami angezeigten Arbeit zuiheden sein köimeu. Doch hoffe ich 
auch noch eines anderen Erfolges mich zu erfreuen, den mir Herr 
Bellermann einstweilen noch bestreitet,*) ebenso hartnäckig bestreitet, 
wie vor zehn Jahnen der Leipziger Musiker in der Kahnt'schen Zeit- 
schrift meine anjjeblich aus nnisikalischer Unwissenheit geflossenen 
Neuerungen iu der rhythmischen Terminologie. 

*) I ii'dt;uklü;li M'lioilic et» iliin. sul""! Hi'lk-i niaiiii . d'.iss icli di«* Aristnxcni- 
schtni Geactzv. auch auf die poly|>h()iii' Muaik aiiuomli' und iiumoutlich iu «len 
Bach'schuu Iiiätruinental-F^ugcu den uiibcwussJcu Auscbluss an diosolbcu ent- 
decke, — daas ich behaupte» keine andere Musik stehe in rhythmischer Be- 
ziehung der miwischen Kunst der Griechen so nahe, wie die Fugen des wohl- 
temperirten Claviers. „Klarheit ist die Hauptsache". Diese »eige der Verf. 
auf dem von ihm beherrschten Gebiete in ttewiinderungswördiger Weise; 
bald er aber ein fremderes zu beschreiten versucht (dies sei die Poljjihonik 
und Bach)f nimmt er zu Phraisen und allcrtei Vergteichcn seine SSuflncht** Ich 
dachte, dass ich Phrasen zu machen ebenso wenig wie Aristoxenus im Ktande 
sei Auch II. Belleimann scheint .sie iu uioinem Buche zu verinisseu . iudom 
er, wo es ihm nöthij? st lu-int, v'uw Phrase hiiiciu corHprt und mich z. B. fol- 
gendes sauren hisst: ;,Die alten Fugi-nn'g» hi über (hix, coun'S, theina werden 
zwar fortdauernd ihre Gültigkeit behalten, aber sie sind zinu'khst nur der 
{iuKsirru Erscbeiuuujr eutuouunen. Anrh nach den tndf<'n Ht'irt ln des alten 
I'^ix^si-Ikii CJiJidus ad parnassuin kann niiin Iiistiunv iilaltiipn cuniivMiin'U. 
Aber liai li w<Tf|< n d.is nii-Iit. Hacli lial die IimU' ii tnid ^tain n rii!r«Mi- 

repTfln hrscifi^r. indim er sie in Hr/.irlninir zu dm AbsfbuitU'U dn- |ii(itt'stau- 
tis.clH u (.;li<>ral»lropiie bct/tr. Daa verstehe, wt r kann!" Ja, u\m» ivh mit 
IL Hellerniann ausrufen, ja, dsu< vorstehe ich nicht, das ibt wirklich ein»* sinn- 
lose Phrase. Der Leser der deutscheu Litcraturzcitiuig wird denken, das» ich 
die sinnlose Phrase begangen; aber wenn er mein Buch liest, wird er 
sehen, dass sie de» Referenten zum Urheber hat, denn in meinem Buche 
8. XXXII steht ganz riditig i^druckt: „Bach hat die todten und starren Fugen 
begeistigt*' So hatte ich richtig geschrieben. H. Bellermann hat aber nicht 
richtig gelesen; und hat deshalb das, was ich in dem Buche über das Vor- 
httUniss der Bach*scben Fuge zum deutschen Minne- und Kirchenliede sage, 
lidier ganz ungeicsen gehusen. Denn nadiwcislich weiss er nur aus Vorwort 
und Einleitung, dat*« ich in dem Buche darüber spreche. Aber iii> I t v i ? 
.,ün2w<Mfelhaft (schreibt Rellcrniann) hat e-^ voll« TuKchtij^unf;, wenn d« r Verf. 
in deutschen Strophen des Minneliedei> und denen des Kirehetdiedes eine Uelx-r- 
einstimmuttg mit den Aristozeuischcn Grundsützen erkennt." Das» mich der 



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Rhythmik: der jüngere ßellcrmau. XXIX 

Nücli erfreulicher musstc mir die iinhedingtc Anerkennung sein, 
wtili lie der Aristoxenischeii Rhythmik vuii einer Stadt aus zu Theil 
wird, weiche bisher in tier Person des Herrn Lehrs und des Herrn Brill 
eine überaus grosse Geringschätzung dagegen ausgesprndi -n. In 
dem meine allgemeine Tlieorie des Rhythmus besprechenden Anf- 
zatze „alte und neue Rhythmik von Dr. Felix Vogt'< heisst es: ^die 
antike Rhythmik hat gerade die Gunst erfahren, die der unaerigeu 
bis dahin gemangelt hat: sie ist der Gegenstand einer durch 
Consequenz und feine Durchbildung bewunderungswür- 
tligen Theorie geworden ... In seinem epochemaelieiKini 
Welke ül)er griechische Metrik hat Westpbnl aus den spixrUclien 
Trümmern von Aristoxcnus rhytlmüschcn l'^lcmeiiten das Lehrgebäude 
des grossen Forschers in seinen Orundzügen zu reconstruiren ge- 
wusst, und in diesem neuen Werke sucht er jetzt das dort G^un- 
dene für unsere Musik nutzbar zu machen.^' . . ^Als wesentUclie 
Neuerung in der TakÜehrc bringt Westpfaal den Begriff Chrono» 
protos.'' Dass der Kdnigsl)erger Musikforscher dem Aristoxenischen 

Referent dergleichen, was darchaiu nicht meine Anrieht iat, behaiipteii ISast 

und uoch dazu als etwas Riehtigeü hervorhebt und beluhigt, da» gehört genau 
in dieselbe Kategorie des Referireiis, wie wenn er mein „he^eisfii^t" he- 
seitigt. Hütte Bellermann Hieh nieht mit dem begnügt, was die Vorrede über 
liach'sehe Fugen und Minnehed vorläufig andeutt't, hätte er die genaue Dar- 
stellung dieses (iegenstandes in dem Hutlie selber nicht ungelesen bei Seite 
liegen lasHen, so wünb» vr seinfMn Leser gerade djis Grgenth»'il rcferirt haben, 
dass niiuilich für die (iruppirung der Minnelieds-, Kirchen- und Fuj^tn Strophe 
di<- Analo^'ie dvr Aristoxenischen Ductrin aufhört, dass hier der individuellen 
d. iiibclu u Kunst nicht mehr die griechi»che respondirend zur Seite steht. Auch 
iht «las Buch so weit entfernt, die Durclifülinnig des Themar Ui den rliyth- 
uiisclien Fugen-Auaijsen unbeiücksichtigt zu lassen, wie ihm Ii. Bellermann 
vorwirft, dass ich vielniebr diesm Gegenstand von S. 2SHft— 298 in aller Aub- 
fübrllchkeit, welche der mir verstattete Umfang desBncbea zuliess, bduuidelt 
habe. H. Bellermann belehrt midi, die Farm der Fuge beruht auf der Durch- 
fahnn^ des Themas in den etnselncn Sttmm«i derselben: „dem Verl scheint 
dieses Thema aber ohne wesentliche Bedeutung zu sein; denn bei seinen rhyth- 
mischen Eintbdlongen nimmt er auf dasselbe gar keine Bficksieht und in seiner 
Aosgabe Bach*scher Pngen, Moskau 1878, sagt er sogar, dass es in vielen 
Fällen fiüsch sein würde, das Thema beim Vortrage hervortreten zu lassen.'* 
Bellermann würde für diese Behauptung (auch L. Köhler spricht sie in sciucr 
Fugen- Auflgalie aus) ausser der Moskauer Fugenausgabe auch das Buch, welches 
er hier recensirt, anführen können. 



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XXX 



Vorwort zu Ai"i8t4>xeuiis 



Chronos protos auch für die moderne Musik Geltung vindicirt» muss 

(Uls nicht als (»in voller Ersatz fiir dio Unbilden gelten. w<*lcho Ari- 
stoxnius* Rhythmik und hislx ^imdcrr" dessen Satz vom ( linmus 
protüh durch die Königsberpfor Philologen ci fahren hat. \v( 1( In* 
den Aristoxenischen Chronos prf)tfK zu ( incm kindischen ( icdaukeu. 
über den sich Aristoxcnus selbst ni( ht klar geworden sei, herab zu 
würdigen sachten. Ja, der misskrcdiUrte Begriff des Chronos protos 
wird noch zu grossen Ehren kommen: er wird der Grundstein wer- 
den, aut' welchen das bei den Neueren so verwahrloste Gebäude der 
Rhythmik mit dem alten griechischen Donker aus der Schule des Ari- 
stoteles von neuem uul'f^ehaut werden muss, wenn in der Theorie 
unserer Musik die Hhythnuk den audt'rea Zweigen: der Hnrunmik. 
der niusikMÜschen Formlehio. der Instrumentatioiislehre u. s. w., 
würdig zur Seite treten soll. Aristoxenus wWd für iHo nuxlerne 
Musik eine noch grössere Bedeutung als für die antike Piüiologie, 
als für die Theorie der griechischen Yersüikation erhalten. 

Als die höchste Anerkennung, welche der Aristoxenischen Rhyth- 
mik von dem Königshergier Musikforscher gezollt wird, muss ich 
es ansehen, das» er die eine oder die andere meiner Anfiassungen 
moderner Musik aus Ai isloxcnus widciiegt: „Mit der Lohre des 
Anstoxfiiiis stellt die Vorpause, steht der Vortnkt in \Vi(lers])ruch." 
Daran knüpft Herr Dr. Felix Vogt eine Polemik gegen die mir 
eigene Auflassung, w<'lrhe sichtlich darauf ausgeht, mir wrlu* zu 
thun. Trotssdem hat mir diese Erörterung um Aristoxenus's Willen 
wohl gethan; sie ist der erste Anfang der Zeit, welche gelernt haben 
wird, die rhythmischen Formen modemer Musik nach Maassgabe 
Aristoxenischer Doctrin zu bestimmen. Dem Kouigsberger Musik- 
forscher aber entgegne ich bezüglich des hier angeregten Punktes 
zweierlei. 

Krstens: Eine vollständige I lesitzeri^n-eitniii!; der Aristoxcaiseheii 
Tradition wird schwerhch eher als mit der VeröÜ'cntUchuiif: der 
gegenwärtigen Ausgabt^ und Bearbeitung möglich sein, un(i Heir 
Vogt möchte wohl mit seiner Aussage nicht Recht haben: „In 
seinem Epoche machenden Werke über griechische Metrik hat 
Westphal aus den Stallchen Trümmern von Aristoxenus rhythmi- 
schen Kiementen das Lehrgebäude des grossen Forschers in seinen 
Gruudzügeu zu recoustruireii gewusst.'* So Ireundhch und hebeus- 



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Rhythmik: der Jüngere BeUernianii. 



XXXI 



würcli^^ (his auch gesagt ist: icli mum entscliieden ilies Lob ablehnen. 
Vielnu'hr kannte ifli zur Zeit der Abfassung der griechisclien Metrik 
die Trailition des Aristoxonus selbst lur deu Zweck der griechischen 
Metra nur höchst unvoUkommen. £a hat noch einer langen Arbeit 
bedurft, bis ich im Stande war, mit einer Gesammtausgabe des 
Aristotelikers auch über dessen gesammte rhythmische Tradition 
vollständig zu gebieten und die scheinbare Diskrepanz derselben mit 
den Metnkern, welche man allgemein seit Gottfried Herrmann und 
liocckh voraussetzte, in ihrer gün/lirhrn (Jrundlosiirkeit zu c^rki imen. 
Um so eher wird mir der K(Mn<;si)crj^or Musiklorschcr erlauben, 
\v«Mui ich hier l'reilich ohne Njichweis anspreche, dass die von mir 
statuirti' Vorpause und Vortjikt mit der Lehre des Aristoxenus 
nicht in Widerspruch steht. Die vorliegende. Aristoxenus-Ausgabe 
nebst der sich unmittelbar an dieselbe anschliessenden im gleichen 
Verlage erscheinenden ^yTakÜehre der Instrumental- und Vokal- 
Musik von R. Wcstphal und Bertha Sokolowska^ wird ja meinem 
lltH'ensenten baldigst zur Hand sein, und alsdann steht es ihm frei, 
sein Urtlif il ulu r die lie/.iehungen, in welche ich Aristoxeuus zu 
unserer modernen .Musik setze, nochmals auszuspreclien. 

Zweitens: Das Material der modernen Musik ist ein uuend- 
hches und nach der Seite der Formlehre vielfach durchgemustert^ 
so dass es wohl scheinen könnte, es sei z. B. f&r die Fugen-Com- 
Position eine jede Erscheinung vollständig gebucht worden. Aber 
ein Jeder wird zugeben , dass es an einer Durchmusterung des 
Materiales vom Standpunkte des Rhythmus aus bis jetzt 
durchaus gefehlt hat. Es könnte doch wohl nicht gan/^ unmöglich 
st in, dass, wenn eine solche Arbeit mit der nöthigen Hinijabe 
unternommen wird, unterstützt durch die Ilillsnnttel und die bisher 
ganz neuen Gesichtspunkte, welche die Theorie des Rhythmus durch 
Aristozenus erhiUt, dass dann doch noch der oino oder der andere 
Punkt für die Theorie der rhythmischen Composition unserer Meister 
sich den bisherigen Theoretikern entzogen zu haben scheinen könnte. 

Und so kann ich nicht umhin, hier meine Freude auszusprechen, 
das8 mein Buch Ober „die Theorie des musikalischen Rhythmus seit 
Bach" wenigstens Minen Leser gefunden bat (den Verfasser des Auf- 
satzes „Eine neue Tlieorie der musikalischen Rhythniik * im Musi- 
kalischen Wocheublatte 1881, lio. 35. 36. 87), welcher sich nicht 



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XXX II Vorwort zu Aristoxoaus 

nur der mitunter iiiclit giir S(i kichtt'n Mühe untorzogrii hat. das 
ganze liuch i ni( ht bloHs Anfang und Kndo, sondern lUH'h die he- 
schwerliclioro Milte) mit sorgfältij^or Prüfung d( r darin analysiiteu 
Beispiele durchzulesen und <h'm Leser des Musikalischen Wochen- 
blattes eine eingehende DarsteUung des luiialtes zu geben, sondern 
mit einer fllr einen recensirenden Kritiker fast beispiellosen liebens- 
würdigen Nachsicht hinzuftlgt: „dass kritische Zweifel den West- 
phal*8chen Lehrsätzen gegenüber nur mit grosser Vorsicht zuzulassen 
sind. Manchen Dingeu. die beim ersten Anbhek so üben-aschentl 
und sonderbai* ei-scheinen. da>s mau ghiuben möchte, sie ohne Wei- 
teres verwerfen zu niiisserij i^t hei näherer IVüfung tlennoeh nicht 
beizukommcii , denn es ist uieht die Art des Verfassers, ikhaup- 
tüngcn leichthin in hypothrtisdier .Manier aufzustenen ; was er 
lehrt, das begründet er sorgfältig, ja mit einer fast peinlichen Ge- 
wisscnhatligkeit, und stösst man doch einmal auf Sätze, deren Eut- 
Wickelung zunächst noch Zweifel bestehen lässt, so findet sich beim 
Weiterlesen, das» der Verfasser das etwa scholdig gebliebene über 
kurz oder hing nac hträgt. Volle Austuhrung des l>etails ist aber 
liinsiehllieh gewi.^scr Einzelheiten von diesem ersleii Theile des 
Werkes noch gar nicht zu verlangen, und es ist nur billig, das 
ürtheil über solche bis zum Ki*scheiiu'n des in Aussicht gesttdUen 
zweiten, spociellcn Theiles zurückzuluilten. Da.s, worauf es zunächst 
ankommt, ist, dass die allgemeinen Grundsätze des Werkes sobald 
als möglich in weitere Kreise dringen, dort bekannt und gewürdigt 
werden, und da lässt sich dem Ijescr nicht dringend genug em- 
pfehlen, Ober dasjenige, was ihm im Buche hinfnchtlich der Form 
und der Ausführung individuell etwa \veni,L!;er l)t liageii nuig, iin 
Interesse der Sadie liiuwei^'zuseheu, um sicii mit dem Kern des- 
selben vertraut zu machen." 

Wenn i(di die verehrti' Verlagshandlung zu bestimmen gesucht 
habe, der Ausgabe des Aristoxcnus ein Büchlein anzuschlicsseu, 
welches die Ergebnisse der Aristoxenischen Taktlehre für moderne 
Musik in populärer, Musikeni und Laien verständlichen Weise, unter 
Femhaltnng alles dessen^ was der Pseudonyme Recensent des musi- 
kalischen Wochenblattes an der „Theoiie des Musikalischen Ilhyth- 
mus seit Bach" ausstellt, so möfje dieser darin den Dunk liii seine 
ermuLhigeude Ücm theilung im Musikalischeu Wucheublatte erblicken. 



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Bh^thmik. 



XXXIII 



Ich weiss jetzt, dass ein cin/.iger intelligenter Leser den mnngelnden 
Zuspruch des gprossen Publikums wenigstens für den Verfasser auf- 
zuliegen im Stande ist 



Von den 453 IJüchern, welche der Üeissigc Tarentiiier nach 
äuidas Berichte geschrieben hat. sind uns in den handscliriftlichen 
Sammlungen der griechischen Musiker ausser den rhythmischen 
Stoicheia noch drei BOcher über das If elos Oberkommen. Sie nennen 
sich die drei Bücher der harmonischen Stoicheia, und dieser Titel 
bezeichpet gewissennassen ganz richtig ihren Inhalt 

Was Aristoxenus über das Melos geschrieben, kanu iüx .uns 
Moderae nicht das grosse sachliche Interesse haben, wie seine Dar- 
stellung der Bhythmik. Die Au%abe der letzteren ist es, daas sie 
filr die moderae Welt etwa dieselbe Bedeutung gewinne, wie sie 
schon fast Tor mehr als einem Jahrhundert die Poetik des Lehrers 
Aristoteles fßr unsere Dramaturgie eingenommen bat, indem man 
in ihr den Kanon für ilic iiKitlcnic Tragüdie erblickte. Die Aristo- 
xeiiische Rhytlimik abt r wird für die rhythmischen Formen unseriT 
Musik in einem noch viel höheren Grade als Kanon gelten, nicht 
bloss bezüglich der rhythmischen Theorie, sondern auch wie wir zu 
Aniang dieses Vorwortes kürzlich dargelegt haben, fUr die Praxis 
des rhythmischen Vortrages, — gar nicht zu gedenken der praktischen 
Bedentm^, welche die Aristozenische Bhjthmik für die Philologie 
bezüglich der Norm antiker Versification hat 

Diese Bedeutung können die Aristoxenisclien Sclu'ifleu über das 
Melos auch nicht im entferntesten haben. Denn was soll die llieorie 
der modernen Melik mit dezjenigen des griechi|chen Alterthums 
machen? Der modernen Melik, die seit Bach, Mozart und Beethoven 
in demjenigen, was wir heutzutage Harmonik nennen, und in der 
Instrumentation ( — nach aDem zu urtheilen was wir von der antiken 
Melik wissen — ) wohl unendlich höher als diese stellt? Nicht ein- 
mal zum theoretischen Vei'^'täiuhiisse überlieferter musikalischer 
Compositionen der ( iriccheii >\ üi de sich die melische Litteratur des 
Aristoxenus praktisch verweudei» lassen, denn was die Musik-Com- 
positiouen der antiken Welt betrifft, so hat darttber bekannthch der 



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XXXIV 



Vorwort zu Aristoxenna 



böse Unstern gewaltet, dass fast alles, was die Alten von ihrer 
Musik in Not4?n fixirt hatten, zu Grunde gegangen ist. 

Aber obwohl den Aristoxenisclien Schriften über dasMelos eine 
praktiscb-reformatorische Bedeutung für die moderne Kunst ganz und 
gar abgeht, ja obwohl sie bei dem £»«1 i^Uchen Mangel überliefer- 
ter miifiika]i8<^er Compositionen nicht ^int>t ftl Im Stande ssnd ^ uns ein 
anschauliches and fasslidhes Bild Ton der betreffenden Ennst der 
Griechen zu yerschaffen, so haben sie doch nichts desto weniger 
eine ^ewissenuaassen kulturliistorische Bedeutung; denn auch sie 
geben lebendiges Zeugniss von der Ueberlegenbeit des griechischen 
(rpistes. Bedenken vnr, dass wir die frülicsten Versuche des 
wissenschaftlichen Denkens, den spröden ^toS des Melos nach fass- 
lich henrortretenden Kategorien zu behandein, vor uns haben. Zwar 
hatte man sich auch schon aosserlialb der Schule des Aristoteles 
mit der Auffindung solcher Kategorien abgemttht: es smd zum Theil 
bekannte, ja berOhmte Kamen, welche Aristoxenus selber als seine 
Vorgänger in diesen Bestrebungen bezeichnet und deren Anschau- 
ungen er eine besondere Schrift, welclie eine Würdigung derselben 
entliielt, gewidmet hatte. Diese „So;ai ap}AOVixa>v" des Aristoxciins 
liegen uns nicht mehr vor: aus gelogenthchen Anführungen derselben 
ergiebt sich deutlich genug, dass es erst der Schule des Aristoteles ' 
Torbehalt^m war, den Denker heranzubilden, welcher diejenigen Punkte, 
welche wur heutasutage als Fundamentsitze der „aOgemeinen Musik- 
wisBen8chaft<< oder als der „allgemeinen Einleitung in die Musik*' an- 
SEUsehen gewohnt sind, in einer so klaren Weise er&sste und aus- 
einander setzte, welche (man darf es ohne Rcheu sagen) bis heute 
bei iltMi Musikforschern ohne gleichen geblieben ist. Ein Musiker, 
der belber als Schriftsteller über Musiktbt^orie nicht unbekannt und 
mit der ganzen dabin einsclüagenden Litteratur wohl vertraut ist, 
brach, als er auf meine Veranlassung zum ersten Male die melischen 
Schriften des Aristoxenus zu stadiren angefangen, in die bewundern- 
den Worte aus: „Neinl so Terstehen wir nicht zu schreiben j^, und 
denselben Euxdruck werden sie auf jeden machen, sofern er bei 
diesen wunderbaren Entwickelungen des Aristoxenus in Anrechnung 
bringt, einmal, dass derselbe olme alle die Hilfsmittel war, mit 
welchen die moderne Physik (Akustik) den Forscher über solche 
Gegenstände unterstützt, und sodann, dass es mcht die iScaieu der 



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hannoiikchen bchriftea. 



XXXV 



heutigen Musik, sondern die eidiaiuiüiiischen, ( lauuiatischen und 
diatonischen Scalen der Alten sind, die — von den unserigen so 
Sehl- bedeute nd verschieden — das Material für die Aristoxenische 
Forschimg bilden. Es fehlt hier fast an allen Analogieen, welche 
bei der Rhythmik des Aristoxenus und bei der Poetik seines Lehrers 
Aristoteles zvischeii der antiken und modernen Kunst mh darbieten. 
Hätte dem Aristoxenus eine Melik, analog der modernen^ als Ma- 
terial des Forsehens vorgelegen, so würden wir freilich rieles von 
dem, was dem Aristoxenns in seiner Moeikwelt die Hauptsache 
Hein musste, gai' nicht bei ihm finden. Aber alles was wir bei ihm 
finden, und mag es iiocii so üomd und unfassbar erscheinen, wir 
dürfen lest überzeugt sein, dass er, der Aristoteliker, von wküchen 
Thatsachen der alten Kunst spricht Wir können es idcht gelten 
lassen, dass diese oder jene chromatische und diatonische Chroa, 
dass die Enhaimomk, ftr die er die genau zu ermittelnden Zahlen- 
ausdrücke giebt, auf lediglich idealen Berechnungen der Phantasie 
beruhen soUe, wie zum Theil auch noch der hochverdiente Forscher 
Friedrich Bellermann wiU. Nein, Allem, was Aristoxenus als That- 
sachen bespricht, liegt auch enie reale Wahrheit der helle- 
nischen Kuustpiiixis zu Giunde. Was wii- von der einst so zahl- 
reichen Aristoxenischeu Litte ratur noch besitzen, ist ausreichend 
genug, um uns erkennen zu lassen, dass bei ihm (in völliger Ueber- 
ftin^mF"""c des Aristoteles) die Phantasie gerade die am schwftch' 
sten entwickelte Seite der geistigen Beanlagung war. Ausgebildet 
ist zwar bei ihm der Shm ftir Kunst und Kunstgenuss, aber nicht 
die poetische Begabung. Wenn er sich als Musiker, soweit dies 
Fach es erfordert, gelegentlich auch in eigenen Compositionen ver- 
suchen musste, so möchten wir doch bezweifeln, dass er gerade 
zu den ausgezeichnetsten Componisten des Alterthnms gehört hat 
Aristoxenus als Seiuiilstellcr ist trocken; er kann nicht anders als 
durch den Stoff, dessen er vöUig Herr ist, interessiren; zu einer 
witaigen oder poetischen Phrase hat er seinen Styl Jiiemals empor- 
zuheben versucht Ihm genflgt die imbeugsame Sdii&rfe luid Klar- 
heit der ntkchtenisten Prosa. 

Noch nach ehier andern Seite hin suid die Aristozenischen 
Schriften über Melos von einer kulturhistorischen Wichtigkeit Sie 

führen uns uäuüich in das akademi%>clie Leben und Wesen des klas- 

c* 



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XXXVI 



Vorwort zu ArUtoxenus 



Bischen HeUenenthums. Das» Plato und Aristoteles in akademischer 

Thätigkeit gelebt, wissen wü zwar, aber von dem Individuellen 
dieser iJirer akademischen Wirksamkeit erfahren wir wenig genuf?: 
die eigtinai'tigstt'M Züge eben aus den Mittheiiungeu dos Aristoxi*nus. 
Bei der Lectüie von Aiistoxemis melischen 8clu*iften verweilen wir 
geradezu in dem akademischen Kreise von Athens Doceuten- und 
Studententhume. Denn Aiistoxemis schreibt seine Schriften ttber 
das Meies zunftchst als Dooent» es sind antike GoUegienhefte zum 
Zwecke des akademischen Vortrages niedergeschrieben oder anch wohl 
nach dem Abhalten der Vorlesungen ansgearbeitet. Im Allgemeinen 
— so sehen wir — hat er von seinen Zuhörern eiae sehr gute 
Meinung; er tra,ut ihnen zu, dass sie seinen DeJuctionen zu folgen 
woiil im »Stande sind, dass sie auch wohl wissen, man dürfe im ersten 
Anfange einer Disciplin noch keine vollständigen und umiftsseuden 
Definitionen ei*warten. Wir sehen aber auch, wie Aristoxenos dann 
weiterhin den Zuhörern ihn selber in seinem Vortrage zu interpel- 
liren yerstattet und ihre Viagea »,warum so und nicht anders?'' 
mit sorgsamem und lieboTollem Eingeben beantwortet Von Inter- 
esse ist auch dies, dass wir uns aus der Art wie Aristoxenns Ton 
den Zuhörern durc h Fragen interpellirt wii d, überzeugen müssen, 
dass seine Zuhörei' vollständig im Stande sind, den ja oil nicht allzu 
leichten Auseinandersetzungen des Docenten genau zu folgen, ja, 
dass sie die aus der historischen Entstehung der griechischen Sc&la 
sich ergebenden Inconvenienzen, von denen auch wir Moderne "wenig 
beMedigt smd, wohl herausfühlen und anders wünschen. Kurz und 
gut, Aristoxenns hat in seinem Auditorium eine aufinerksame, in- 
telligente, aber neuerungssüchtige Zuhörerschaft^ — Jung-Athen ist 
zu Alexanders Zeit fast noch unverändert dasselbe wie zu den Zeiten 
desPeloponnesielien Krieges geblieben — , Ai'istoxenus aber repräsen- 
tirt den hypergenialen Zuhörern gegenüber das conservativc Element; 
wo er mit der Logik nicht recht auszureichen glaubt, da nimmt er 
das Ethos zu Hilfe. 

Die rücksichtsvolle Sorge um seine Zuhörer treibt ihn zu einer 
&st beispiellbsen Energie. Denn etwas anderes als Bücksicht auf 
die Zuhörer kann es kaum gewesen sein, was ihn Yeranlasst hat» 
dieselben Vorlesungen nach der ersten Ausarbeitung noch zweimal 
umzuarbeiten: das eine Mal unter genauer Fcstlialtung der früher 



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hurmoiiiMheii Schriften. XXXVII 

gomarhtcn Di-jxMtiori aber mit gänzlicher Uuigostaltung des Aus- 
drucks (wir nenneil diese beiden Ausarbeitungen desselben Gegen- 
standes bei derselben Disposition „die erste und die zweite Aristo- 
zeDische Harmonik^).- Sodann besitzen wir noch eine dritte Dar- 
steliting der Hannonik, von der uns freilich nur das Frooimion er- 
halten ist O^die dritte Hannonik des Aristozenns'O* Nur das Ftooi- 
mion ist auf uns gekonunen, aber genug, um uns den abweichenden 
Charakter dieser dritten Vorlesung erkennen zu lassen. Während Ari- 
stüxenus in der ersten und zweiten Hfirmonik den (regenstand in 
aehtzohn Abschnitten behandelt hat, soll die drifte Harmonik den 
gesanmiten (Gegenstand und dazu noch die Rhytliraopoeir^ in sieben 
Abschnitten vortragen. Das sind dieselben sieben Abschnitte, in 
welchen die meisten Musikachriftsteller der Xaiserzeity nachweislich 
(sei es mittelbar, sei es unmittelbar) aus Aiistoxenus schöpfend, die 
Disciplin der Harmonik darstellen. Es ist mehr als wahrscheinlich, 
dasB die erste (und selbstverständlich auch die zweite) Hannonik 
ein einzelner Tlieil von einem Cyklua der Wissenschaft über das 
Melos war, d. 1>. der Mnsik narli ilirer tonalen Seite, die rhythmische 
Seite der Musik und alles was nicht Melos ist aus?<ehlie^send. Dieser 
Cyklus hatte mit Yorlosuiigen „über die Auffassungen der Hanno- 
niker" begonnen, in welchen was von Aristoxenus* Vorgängern in 
der mehschen Disciplin gelehrt und ttberliefert war, kritisch be- 
sprochen wurde. Dann folgte als zweiter Theil des C^klus: die Yor- 
Ißsongen Uber Harmonik. Die flbrigen Theüe, scheint es, waren die 
Melopoeie und die Instmmenten-Lehre, vielleicht auch noch die 
Theorie der menschlichen Stimme. Denn diese Disciplinen, aber nicht 
etwa Rhythmik und Orchestik, muss Arist^xeniis im Auge gehabt 
haben, wenn er im rrooimion dei- ersten Harmonik von den Theilen 
der Wissenschaft vom Melos spricht, welche die fcJache eines schon 
weiter Fortgeschrittenen seien, und über die er in geeigneten Zeiten 
sprechen werde „welche und wie viele es sind und worin ein jeder 
bestehV 

Von der dritten Harmonik gewShrt nichta den Anschein, als 
ob sie blosser Theil eines Yorlesungs-Cyklus ist Denn dass sie 

als Abschnitt der Hannonik auch noch die Melopoeie zu behandeln 
verspricht, das scheint daftir zu sprechen, diiss sie ein canz in sich 
abgeschlossene» W erk ^bezüglich \ orieäung) des Aribtoxenus ist. 



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XXXYUi 



Vorwort xu Aristoxenos 



Fiii* dii' i>iu]a^O]E^sche Manier des Aristoxenus ist es nicht ohne 
alliE^emeincs Jutt're.sse, tlnss sowolil die erste, väe auch die zweite 
Harmonik in zwei Haupttheile zerfällt, von denen er den eisten als 
,^ingangs- Abschnitt" (ra iv ap/j), den zweiten als „Stoicheia" be- 
zeichnet So zieinlich ein jeder Punkt der Httrmonik vird zuerst 
in den EinguDg^-Abadmitten, dann weiterhin in den Stoicheia be- 
handelt Im ersten Haupttbeile tiftgt Aristoxenus den Hörern Tor, 
was der Angenschein Uber den betreflPenden Pnnkt der Harmonik 
ergebe, z. 15. über den Unterschied des Bingens und Sprechens, 
über Tonhöhe, Tontiefe, Aufsteigen, Absteigen. Tonstufe, Intervall 
u. s. w. Es leidet keinen Zweifel, dass Aristoxenus es ist, welcher 
zum ersten Male unter den Griechen diese Punkte ;suni Gegenstand 
des Denkens gemacht^ wenigstens so durch sein Denken ziirecht ge- 
legt hat» wie bis zum gegenwärtigen Augenblicke die Musiktheorie diese 
Kategorien bandhabt Der erste Haupttheil kann Alles nur im Um- 
risse geben: nicht einmal die Defimtaonen können hier Tollstandig 
und um£ewsend sein, wie Aristoxenus den Zuhörern gleichsam nm 
Entschuldigung und Nachsicht bittend ausdi'üekiieh erkliat. im 
zweiten Haupttheile, den Stoicheia, befasst sich Aristoxenus nicht 
mehr mit dem was der Aufi;enschein augiebt: er stellt sieh auf den 
Standpunkt, wo ein jeder der vorgetragenen Sätze nach Aristote- 
lischer Art untmistösslielien Beweis verlangt Die Methode der 
Beweisführung ist hier bei Aiistoxenus die mathematische , und 
zwar (was uns für das klassische Hellenentfamn nicht befremden 
kann) die Mathematik nicht in der Form der arithmetischen^ son- 
dern der geometrischen Deduktion. Denn es ist dem Wissenschaft 
liclien Geiste des Grieeheutliuiu^ t igi ntliunilich, <iass in der Periode 
der produktiven Kuustblüthe das wisüenschaftlieh mathematische 
Denken der Geometrie vorwiegende Beachtung zuwendet, dass die 
Arithmetik dagegen erst in der nachklassischen, ja der römischen 
Periode von den Mathematikern mit Vorliebe in Angriff genommen 
wird. (Umgekehrt tritt bei dem alten Eulturvolke der verwandten 
Inder auf mathenrntischem Gebiete zuerst die Arithmetik in den 
Vordergrund). Anch in der Harmonik, deren Ausgangspunkt die 
Tonhöhe und die Ton tiefe bildet und die es insofern mit Raum- 
([^rössen zu thun huttt , luusste sich, als sie durch Aristoxenus zu 
einer logisch-mathematischen Disciplin wurde, die geometrische Be- 



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harmonischen Schriften. 



XXXIX 



handlang von selber ergeben. Und das blieb sie hl^ weit über 
Arisioxexuis hinaus; denn auch daudius Ptolem&us unter Marc-Aurel, 
in der Arithmetik schon weit fi>rtgeBchritt6n, bleibt dennoch in der 
Harmonik, obwohl er hier ein Gegner der Aiistozenischen Auffas- 
sungen war, in seiner harmonischmi Beweisftlhrung im Gamsen bei der 
geometrischen Methode des Aristoxenus. Pftr den Standpunkt der 
(Jcomctrie in der Periode Alexanders des Macedoniors ist die Har- 
nioiiik (li's An>lux('nus in soweit von Iiitorcsso, dass wir aus ihi- ersehen, 
wie die Geometrie des doch erst später lebemlen Euklides mit ihrer 
eigenthümlicben Methode der Aziomata, Pröblemata und Definitionen 
bereits dem Aristoxenus prSsent gewesen sein muss. Denn diese 
ganzen Euklidischen Deduktions-Formen finden sich auch schon in 
der Harmonik des Aristoxenus angewandt In der That belehrt uns 
der von Proklos sur Euklidischen Geometrie zusammengestellte 
Commentar von Vorgängeni des Euklid und ihren besonderen Aul- 
fassungen und Darstellungsweisen, so dass Knklides Geometrie nicht 
viel mehr als eine compcndiöse Zusammculussung älterer p^eome- 
trischer Werke ans der Zeit Piatos ist. Aristoxenus, der seine 
früheste Bildung bei den Pythagoräem seines grossgriechischen Hei- 
mathslandes emp&ngen hatte, muss wohl in der geometrischen 
Wissenschaft gross gezogen sein und kaum anders gekonnt haben, 
als deren Methode auf die von ihm begründete Disdplin der Har- 
monik anzuwenden. Daher denn auch der Name ,,Stoicheia'S wel- 
chen er von der geometrischen Wissenschaft auf diesen zweiten 
Ilau[it-Theil seiner Harm nik übertragen zu haben scheint. Die 
dritte [in sieben Absrlmitteii aus^^elührte) Harmonik des Aiistoxenus. 
in welcher (wie wir aus dem erhaltenen Prooimion ersehen) die nur 
die Umrisse anhebenden Eingängs-Abschnitte der ersten und zweiten 
Harmonik fehlen, wird yon An&ng an wohl nur harmonische „Stoi- 
chda'* entiialten haben. Aristoxenus hat diese Vorlesung wohl zu 
einer steteren Zeit seiner Docententhäligkeit gehalten, wo er bei 
seinen ZuhOremyoranssetzen durfte, dass sie der Eingängs-Abschnitte 
niclit mehr bedurften. Oflenl)ar ist diese cliuti' llarnionik später 
als die erst(> und zweite geselirieben oder, wie wir eben so richtig 
sagen können, als N'orlesung gehalten. 

lieber das Zeitverhältniss der drei harmonischen iSchriften oder 
Vorlesungen zu den rhythmischen lllsst sich nichts bestinunen. Zwar 



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XL Vorwort zu Aristoxcnus 

wild aurh die llarnionik in dem rbylhmi.schen Werke und speciell 
„die dia^teiiiatischen Stoicheia" citirt. Aber Aristoxenus kaim damit 
ebensowolil auf eine mündliche, wie auf eine herausgegebene Vor- 
lesung liinweisen. Die Citate Aristotelischer Schriften in Aiistote» 
lischen Werken, die manchmal sehr befremden, möchten wohl auf 
dieselbe Weise zu eiUfiren sein, dass Aristoteles nicht auf Bflcher, 
sondern auf Vorlesungen sich bezieht Kommt doch auch bei dem 
Lehrer Aristoteles dieselbe Erscheinung von Doppel^^gem unter den 
Schriften wie bei dem Schüler Aristoxcnus vor, bei welchem letzteren 
diesei Eiitst( liungsprozess der Schriften viel klarer als bei Aristo- 
teles zu übersehen ist 

Nach diesen Bemerkungen über die Entsteluinij der harmonischen 
Schriften des Aristoxenus, in denen ich einen Theil der Ergebnisse 
dieses Buches anticipire, erlaube ich mir noch ein allgemeines Ein- 
gehen auf den Inhalt derselben. 

Schon im Voraus könnten wir ans den über Hannonik geschrie- 
benen Büchern der übrigen griechischen Musiker wissen, dass wir 
in den drei harmonischen Büchern des Aristoxenus nicht eine 
Harmonielehre im Sinne der Modernen, sondern vielmehr dasjenige 
finden werden, was vnr v'me Eiultitiing in den tonischen ITieil der 
Musik (Aristoxenus selber sagt „den melischen Theil") nennen \v'ürden. 
Es handelt sich in den drei Büchern des Aristoxenus hauptsachlich 
um die Ton-Scalen der in der kUssischen Griechenzeit gebräuch- 
lichen enharmonischen, chromatischen und diatonischen Musik. Von 
der Art und Weise, wie das griechische Melos die Melodiestimmen 
durch andere divergirende Stimmen der Instrumente harmonisirte, 
sagen die griecliischen Theoretiker in den uns vorliegenden Berichten 
so fTiit wie nichts. Man würde die ganze griechische Musik für 
eine uni.sune halten müssen (wie man ja fast durcligäiigiii des Glau- 
bens ist), weim nicht ein© der Quellen, aus denen Flutarch seinen 
Dialog über die Musik zusammenstellt (es ist wiederum auch hier 
Aristoxenus, doch in einem anderen Werke als der Harmonik) eine 
Kachricht bei Gelegenheit des archaischen Stiles des Teipander 
überlieferte y die entschieden von den gleichzeitigen diyergirenden 
Stimmen des Glesanges und der Begleitung redet Trotzdem würde 
uns das Stillschweigen, welches die griechischen Musiker in ihren 
tlieoreüscheu Schriften über dieseu Punkt bewahi'cu, in Verlegenheit 



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üannuaik. Keine Harmonielehre! 



XLI 



setzen, wenn sich nicht in der Musik eines anderen Volkes eine 
Parallele f1ail)r)t(\ Dies ist der Chorgesang des nissisdicn Land- 
volkes. 1au->ms(1u' National -Melodien, welche (licstm Kicise ent- 
stammen, waren uns ja schon früher bekannt; von der eigenthüm- 
lichen Harmonisirung des russischen Bauemgesanges hahen wir 
erat durch MelgonowB Ausgabe einegenaue Eeontniss erhalten. Die 
mehrfachen Yersnche, jene Melodien nach den Eunstgesetzen des 
Abendhindes zn harmonisiren, dürfen als verfehlt bezeichnet werden, 
namentlich da die Mollmelodien durchgängig des Leittones entbehren 
und zu spröde sind, auch in der Begleitung dem Leittone Anwen- 
dung zu verstatten. Aber das nissiache Landvolk selber singt seine 
Molodien in polyphonem Chorgesange in einer (müssen wir sagen) 
thematischen Ihircharbeitung. Den abimdländischen Harmouieregeln 
sind diese national-nissischen Chorgesänge oft sehr entgegen, wir 
finden manches hart darin, wenn eich auch die abendländische 
Wissenschaft der Akustik wohl damit befreunden kann. Die russi- 
schen Gesetze der Harmonisumg liegen in der viele Jahrhunderte 
langen Tradition des Landvolkes. Wie seme Textworte beruht auch 
sein Melos: Melodie und Harmonie, lediglich aul der niLindlichen 
Ueberlieferung, ohne dass für die Harmonie die Gesetze jemals 
von P'acliinusikem ausgesprochen wären. Ebenso müssen wir auch 
von der musischen Kuns^ der Hellenen annehmen, dass wie hier 
in früherer Zeit Text und Melodie auf der Tradition bendite (die 
letztere bis mindestens in die Zeit der attischen Eunstblflthe), so 
auch die Gesetze des Harmonisirens nur der mündlidien Heber- 
lieferang angehdrten, obwohl zu vermuthen ist, dass fDr einzelne 
Gesänge die begleitende Instrumentation früher als selbst die Ge- 
sangnoten aufgezeiclnu't worden, denn die griechischen Instrumen- 
tal uoten smd entsrliieden eine geraume Zeit £i*üher als die Gesang- 
noten au%»'koinineii. 

Also eine Hainionik im Sinne der Modemen mW Aristoxenus 
in den drei Werken über harmonische Wissenschaft nicht liefern. Das 
sagt er selber mehr als einmal. Es wäre kaum nOtlng, hierauf 
nachdrücklich hinzuweisen, wenn nicht der neueste Herausgeber 
des Anstozenischen Originales in den Bttchem der Harmonik eine 
Harmonielehre suchen zu müssen geglaubt hätte, und da er sie 
nicht findet, gegen das von den Handschriften überlieiei-te mit Un- 



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XLII Vorwort zu Aristoxcaus 

mutl) erfüllt wird, in welchem er so weit geht, dass er das handschrift- 
lich Ucberlieferte lieber für eine Byzantinische Excerptcusamuiluiig 
ansieht, als für «»in Werk des^5eIl. den die Handschriiten den Verfasser 
nennen, dass er es in der vorliegenden Fassuni? ausser den 
EinleitungBoCapiteln dem AristoxenuB gänzlich abspricht. 

Dem gegenüber mues ich meine froher ausgesprochene An* 
sieht aufrecht erhalten, dass die drei Harmoniken des Aristoxenns 
dasselbe Anrecht auf Antiienticitftt vie die rhythmischen Stoicheia 
haben, dass sie im Ganzen nicht mehr Interpolationen (auf dem 
Wege erklärender Marfjinalglosseu) und iiueli nielit mehr ^^'rkü^- 
zungen al^ die rhythmischen Stoicheia erfahren haben. Ein zu- 
sammenhängendes Werk bilden hie freilich nicht, sondern sind 
die Trümmer von nicht zwei; wie ich früher meinte , sondern von 
• drei verschiedenen Werken. 

Den froheren Herausgebern tmd Bearbettem war dieses eigen- 
thOmliche VeihftLtniss noch nicht hekannt Sie glaubten den TTeber- 
Schriften ihrer Codices folgend eine fortlaufende Darstellung Eines 
Azistozenischen Weikes in drei BQchem jot sich m haben. 

Zuerst war es Antonius Gogavinus, welcher diese Partie des 
Aristoxenus zugleich mit der Harmonik des rtoleujueus ohne Hin- 
zufügung des griechischen Textes in einer nach seinem Codex von 
ihm selber angefertigten Uebersetzung herausgab: 

Aristoxeni musidantiquissinii harmonicum elementorum librim, 
CL Ptolemaei harmonioomm lih. in, Aristoteles de objecto auditos 
fragmentum ex Porphyrii commentariis. Omnia nuncprimum hir 
tine conscripta eteditaab AntGogayinoQraviensl Venctiisapud 
Vincentium Valgrisium 1562. 

Der erste, welcher das griechische Original herausgab, war Jo- 
hann Meursius. der dasselbe aus einer Leidener Handsrlnil't Scjüi- 
gers zusammen mit Alypius und Nik<miachus, in den Nuten einzelne 
Yerbesserungsvorschläge hinzufügend, abdrucken liess. 

Es folgt die Ausgabe Meiboms: 

Antiqnae musicae auctores septem gracce et latine Marcus Mei- 
bomius restituit ac notis explicavit vol. L II. Amstellodami apud 
Ludovicum Elcevirum 1652. 

Aristoxenus bildet den ersten der 7 Musiker. Den Text des- 
selben hat er aus demselben c(jd. Scaligci's wie Meuisius abdrucken 



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Hirraonik: Aiuigabe des GogavinuB, IfeanhUy Meibom, Mahne. XLHI 

lassen mit einnr wörtlichen Ucbprsctznn^. Für seine auf Original 
und üebeisetzuiig folgenden kritischen und erklärenden Noten hatte 
Meibom noch die CoUationen dreier Oxforder Codices benutzt. Ich er- 
laube mir aus emem handBchriftüchen Benchte, den HerrBueUe, gegen- 
w&rtig Voit^teher der S.Genofeya-Bibtiothek xu Paris, ftber die franzö- 
sischen. Codices mir zu senden die grosse jS^undlichkeit hatte, zugleich 
folgendes Ober das in Meiboms Htindschriften Enthaltene anisnziehen: 

I. Scaligi ri :i ii iKs cod. Le manuscrit, sur It'(]iiel J. Meursius 
inipnma les Elements hai'mouiques eu 1616 pour la premiere fois, 
fut h\it6 une seconde et litteralement traduit en latin par Meibom 
en 1652. II est assez peu correct, mais les lacunes y sout rares. 

II. SeldcnianuB cod. Gelui-ci, que Meibom devait k Seiden 
d'Ozford, est le plus pur et le phis intact de ceux qu'il a consultös. 

ICL Baroccianus cod. Si Ton juge par les annotations de 
Meibom, ce texte est meilleur que cehii de Scaliger, mais il ne Isiase 
pas d'ayoir des le^ns inadmissibles et des longues lacunes. 

rV. JiodU iaiius cod Cette copie. deposee a la Bibliotheque 
BodlMenne d'Oxford, aiiirsi que la prec^dente, semble avoir rt^ prise 
Sur celle-si. Les legons de cea deux manuscrits sont presquc toujimrs 
les memes. Meibom dans cette circonstance les resigne sous la 
ddnomination commune de „Oxonienses.^' 

Dem Fleisse der holl&ndischen Philologie sollte auch noch eine 
dritte Arbeit Qber Aristozenus zu verdanken sein, nftmlicb die 
TOB W. Leonhard Mahne unternommene Sammlung der aus den 
übrigen zahlreichen Werken des Aristozenus erhaltenen Fragmente: 

iiiaii ibe de Äristoxeno philuhopho peripatetico auctoie Giulelmo 

Leonaidü Mahne Amstel. 1743, wieder abgedruckt von (t. H. 

Schaeler als tomusprimus eines thesamuscriticus novus Lips. Ib02. 

Was die sorgsame Fragmentensammlung Malmes vergeasen hat» 
hat Carolus Dtlbner in den Fragmenta historicorom Graecorum 
tom. n hinzugefilgt Ein auch bei diesem nicht gebuchtes Fragment 
des Aristoxenua theilt Osann Im Anecdotum Qraecum mit, der 
zugleich zuerst darauf hingewiesen, dass Aristoxenua eine<}tteUe für 
Plutarchs dialogns de musica sei. 

Mit der Verwerthuiif? des in der Aristoxeniachen Hurnioriik ont- 
holteuen Materiales macht«' wiederum A. liueckli einen sehr ener- 
gischen Anfang in seinen Metra Pindari, indem es ihm gelang das 



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XLIV 



Vorwort zu Ariatoxenaa 



Verhältniss der Arisioxenischen t6voi (Ttunspositioiisscalen) zu den 

gleichnamigen 7 Octavengattiingen zu erkennen. 

In gleicher Weise niacbto sich um die Anstoxeiiische Harmo- 
nik Friedrich Beilerraann verdient, der in raselier Folge ausser 
den beiden oben angeführten wichtigen Schriften auch noch die 
wichtige dritte 

Tonleiteni und Mnsiknoten der Griechen 1845 
veröffentlichte, welche den Nachweis fthrte, dass die tiefste Note 
des griechischen Notenalphabetes der Schreibung nach unserem F 
entspriclit, obwohl (wie Bellermann ebenfalls gefunden) die griechischen 
Not(»n ihrer wirkhchen Stimmung nach eine kleine Terz tiefer stfiieu 
als die heutige. 

Auch direct auf die Aristoxenischo Harmonik ist Bellermann, 
eingegangen in der Aasgabe seines Anonjinus de musica. Beller- 
mann weist nach dass mehrere derselben direct aus Aristoxenus 
Harmonik entlehnt sind. Dies gibt ihm Gelegenheit die betreffenden 
Aristoxenischen Stellen kritisch unter Herbeiziehiing Yonzwei Codices 
der Leipziger Stadtbibliofhek zu behandehi: Cod. LI aus dem 14 
oder 15. Jahrhundert, Nicomachus, Aristoxenns und Alypius ent- 
haltend, cod. L. 2 viel jünger, in dem sich ütst alle von Meibom 
herausgegebene Musiker (mit Ausnahme des Bacchius) und ausser- 
dem noch Mamiel Bryennius befinden. 

Bald nachdem ich ang(>fangen die Rhythmik des Aiistoxenus 
zum Hauptgesichtspunkte meiner Studien zu machen, wandte ich 
auch der Harmonik desselben eine gleiche Thfttigkeit zu. Gleich 
mit meiner Uebersiedelung von Tübingen nach Breslau legte ich 
mir fbr meine Zwecke eine eigene Ausgabe des Textes an, an der 
ich fort und fort arbeitete, bis sich die in dem gegenwärtigen Buche 
vorliegende Gestaltung des Textes daraus ergeben hat. Der nach 
Jahren begonnene Druck der damaligen Kassiiii<^ iles 'lextes wurde 
nicht zu Ende gefUhi-t, und nur wenige Freunde und Bekannte wie 
A. Rossbach, M. Schmidt und C. Bursian haben einige Bogen davon 
zu Gesichte bekommen. Ich hatte damals erkannt, dass das erste 
der drei Bftcher der Best einer selbständigen Aristoxenischen 
Schrift war, welche im Alterthume auch den Titel apxal äpfMvixal 
ftihre; das zweite und dritte Buch hielt ich für Theile der otoi/sTa 
appiovixa. Ebenso gelang es mir damals von einer anderen werth- 



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jbjUurmoiük; BeUormanii, Bergk, MAiqoftrd. 



XLV 



vüllpii Litteraturscliicht des Aristoxemis, den Diu logen, einem Gegen- 
stücke der Aristotelischen Dialoge, in dem riutareliisclien Dialoge 
über Musik eine bedeutende Zakl von ITragmenten zu entdecken, 
welche alle aus den Aristoxenischen uüfifAWtTa aojitcoTixa wörtlich 
enÜebnt seian. Errt 1862 gelangte ich daro, diea Yerhältniss der 
Änstozeniacheii Werke im dritten Bande nnserer griecbischen Me- 
triky welcher die Harmonik enthielt^ zu verdffentUclien; dort wurde 
auch auf den sachfichen Inhalt der Aristoxemsohen Harmoniken 
Sorgfalt ig * j eingegangen. 

Inzwischen hatte auch Theodor Uergk die Entdeckung ge- 
macht^ dase das erste Buch der Aristoxenischen Harmonik yon den 
mixaia etp^iovixoi abzutrennen und mit den von den Alten erw9hnten 
dpX^l ippiovixal identasch seL (Ersch. und Oruber's Encyclopaedie). 

Etwas Aehnliches behauptete Paul Marquard in seiner Bon- 
ner Doctor-Dissertation. 

Im Jahre 1869 erschien die Ausgabe des Aristoxenus von 
Paul Marquard, die duich HerbeischaflFiing neuen handschriftlichen 
Matcriales unbestreitbar die grössten Verdienste sich erworben hat. 
Im Vereine mit Wilhelm Studemund hat er auch auf dem Wege der 
Conjectural-Kntik den Aristoxenischen Text an vielen Stellen ent- 
schieden Tcrbeesert Aber in der sachlichen Verwerdiung des Textes, 
welche doch die Hauptsache bei seiner Aristoxenus -Ausgabe sein 
soll, scheint Marqnard in einer mir schwer begreiflichen Weise weit 
hinter den Anfordenmgen, die seit den Arbeiten der 50 er Jahre 
an eine solche Aufgabe gestellt werden müssteii, zurückzubleiben. 

Auch andere würde Marqnard von einem eindringlichen Studium 
dieses kostbaren Restes alter Litterutur über Musik fern halten, 
wenn es ilim gelungen sein sollte, dieselben seine überall in der 
Aufgabe durchgefOhrte Ansicht zu gewinnen, dass die „harmonischen 
Fragmente'' nicht yon Aristoxenus herrühren, sondern em zufiUlig 
zusammengestelltes, susammenhangloses Excerpten-Ck>ngbmerat un- 
verständiger Compilatoren aus Byzantmischer Zeit sind, die zum 
Theil nicht eiimial uimiittelbar aus einem Aristoxenischen Werke 
geschöplt haben und sich deshalb häutig mit der wirklichen Doctriu 

•) Mit Ausnahme der Citut»^ aus Ariafoxejnts, da ich statt der Soin t) der 
Heibom'ücbeu die der vou mir augelegtcu Ausgabe uotirt hatte. ÜArq. 6. XXXV. 



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XLVI 



Vorwort zu Axistoxenus 



des Äristoxenus in grossem Widerspruche befinden. Am unbegreif- 
lichsten ist mir, dass einem Herausgebor und Ucbersetzer der 
Aristoxenischen Hanuoiiik, der doch das Ganze nicht bloss im Ein- 
zelnen, sondern auch im Zusammenhange durchliest, entgehen konnte, 
diiss im Schlüsse des zweiten und im ganzen Verhiufe des dritten 
BucheB die Lehre von der C/ontinuität der Interralle in 28 Proble- 
mata nach der Methode der Euklideischen Geometrie in Aiciomata 
und Problemata ausgeführt ist, Ton denen das frohere Axiom oder 
Problem immer dem folgenden als Grundlage dient Namentlich 
hier ist Alles in einer unerbittlichen Logik des Zusammenhanges 
dargestellt, und Alles, was etwa stört, jeder Ausfall, jeder nicht 
Aristoxenische Zusatz eines Späteren mit absoluter Sicherlieit zu 
entdecken. Denn in Sachen der Miithematik ist mit Einfallen und 
hyperkritischen Kunststücken nicht Scherz zu treiben, wie das etwa 
auf anderen Gebieten angehen möchte. Auch dies ist schwer zu 
begreifen, wie es Marqnard bei seiner Auffikssuug der Harmonischen 
Fragmente ab emes Byzantinischen Machwerkes überhaupt für nöthig 
gehalten hat, den Lesarten der Ton ihm und Studemund verglichenen 
Handschriften eine so lobenswerthe Sorgfalt zuzuwenden. Es müsste 
denn sein, dass die Tlarmoiiik. die er ja doch uicht nachlich /u vcr- 
wertlieTi vcfNfund, ihm nui* das selilitzbare Material ftir jucfendlichen 
(joujectuiir-Knthusiasmus war, wie er sich denn z. B. im kiitiöcheu 
Commentar S. 126 bei einer Ton Bellermann aus dem Anonymus 
henrorgeholten richtigen Lesart fast zu beklagen scheint» dass sie erst 
aus dem Anonymus htttfce hervorgeholt werden müssen, „ab Besse-' 
rung der Coigecturalkritik wäre sie eine der glänzendsten ge- 
wesen.'* Auch die ganze Verdächtigerei der Aristozemschen Au- 
thenticität sind bei Marqnard wohl nur fieberhafte Versuche auf 
dem Gebiete der höheren Hyperkritik. Mehrfach hätte er auf 
dem Gebiet der nii'dt'ren Kritik diucli Anwendung einfacher Haus- 
mittel curiren können, wo er lieber zu dem überaus drastischen 
Mittel seine ZuHucht nimmt, fast den ganzen Aristoxenus für eine 
Fäbchang auszugeben. 

Aber mag das nun auch schwer zn begreifen sein, durch über- 
aus gewissenhafte Herbeiziehung und Verwendung des 
handschriftlichen Hateriales steht die Textausgabe Mar- 
quards weit über der Meibom'scheu, und bildet die unab- 



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Harmonik: Paul Muqiuird. XL VII 



weisbare (imudluge jedei- folgendon, obwohl wiv wipderholen müssen, 
dass er mit diesen Mitteln viel mehr iio( h hätte erreichen köuuen. 

Die Handschrift» welcher Maiqnard mit Recht die höchste 6e- 
dentimg beilegt, ist: 

der cod. Jilarcianus in Venedig (Xo. III elassis VT manu 
scriptoruiu Grsiocoriiiu), enthaltend Pseudo-Euklides. l .ukiids /.a-xazoii^ 
xav6vo;, Aristoxeni luirmon., Alypius, Aristoxeui rhythmic. Unter 
dem zweiten Werke die Unterschrift: KuxXetSou xavovo^ xaTaTO|ii^. 
Ztt)9i(A0{ Suüpbou h KaivsTamvooff^Xei euToxcoCj »«mit gleichmSssiger 
deutlicher Schrift auf staxkem Pergament Gross Quart Im 12ten 
Jahrhundert geschrieben. Die ersten 8 Blätter haben auf jeder 
Seite 28) die folgenden 20 Zeilen. Auf Linien, die mit dem Griifel 
eingegraben, in ihrer Entfernung durch Punkte am Rande regulirt sind." 

Was auf diesem Kaume Ton Zosimus im 12ten Jahrhundert ge- 
8chriebe% bezeichnet Marquard als Ma. £s sind aber auch noch 
die breiten Bänder von einer zweiten Hand, die nicht Slter als das 
vierzehnte Jahrhundert bt^ angeflült mit emem Auszüge aus Aristid. 
IIb. I, Anonymus de music. (Bellerm.}, Nicomachus und Bacchiiis. 

Li der die Harmonik des Aristoxenus enthaltenden Partie hat i mo 
andere Hand als die des Zosimus jjedenfalls älter als das vierzehnte 
Jahrhundert, den Text Ton einem anderen Exemplare oder, was 
ebenso gut möglich ist, uach dem Originale des Zosimus durch* 
corrigirf*, TOn Marquard als Mb bezeichnet 
, Ausserdem hat eine „dritte Hand, jeden&Us nicht älter als 
das rierzehnte Jahrhundert, vielmehr wohl in das ftin&ehnte Jahr- 
hundert gehöHg''. den Text cuu igu l (von Mar(|niird uls Mc bezeich- 
net). Mb ist geschrieben, ehe der Text der Musiker am Rande 
hinzugefügt worden wai*, Mc dagegen erst, nachdem man diese Aus- 
füllung vorgenommen hatte. 

Herr Marquard hat die. Handschrift des Zosimus selber ver- 
glichen, indem eie ihm auf einige Monate durch Yermittehing des 
F^reussischen Ministeriums von der königl. Italienischen Begierong 
nach Berlin gesandt wurde. 

Eine zweite der italienischen Handscliriften hat W. Studemund 
fiir Herrn Marquard verglichen. Dies ist die Handschrift des Vati- 
canä >ir. 191, eine Homb^cinhandschrift auä dem dreizehnten Jahr- 



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XLvm 



Vorwort m Aristoxeiu» 



humkit. (lic vi»ii den gi'ieeliisclien Musikern den (Tanflentms, Pbeudo- 
Euklid, Euklids xa-axo^ir,, Aristoxcmi^ Harmuiiik, Alypius, Aiistoxenus 
ßhytlmiik, und den Ptolcmaeus enthält. Auch liier ist der Text des 
ursprünglichen Librarius (Mai*quard nennt ilm Va) von einer zweiten 
(Vb nach Marquard) und einer dritten Hand (Vc), welche zuweilen 
den Inhalt am Rande angegeben hat, comgirt worden. 

Marquard weist nach, dass Va eine unmittelbare Abschrift aus 
Ma und Mb ist, d. h. dass der Vaticanus aus dem Codex des Zosi- 
mus zu einer Zeit abgeschrieben, wo dieser zv,.i.i Ji> Zii^iitzc Mb, 
aber noch nicht die Zusätze der diitlen Hund ^Ic erhalten hatte. 
Wo also im Codex des Zosimus die dritte Hand (Mc) eine Lesart 
von Ma oder Mb ausradirt und durch Aenderunj; unlesbai* gemacht 
haty da lässt sich aus Va die ältere Lesart des Marcianus erkennen. 
Ein anderer Nutzen ist aus Va CÜr den Aristoxenus-Tezt nicht zu 
gewinnen. 

Von Mo nimmt Marquard an, „die Correcturra dieser Hand 
sind aus einer späteren bereits interpolirten Handschrift genommen, 
theils richtig, theils ganz verkehrt und jedenfalls nidit immer von 
gleicher Autorität wie die Lesarten von Ma und Mb." Hierin liat 
sich Marquard, wir dliiten sagen, zum (Jlück für die Kestitutiou 
des Aristoxenus-Textes geirrt, \ ielmelir geht Mc auf einen AnMo- 
xenus-Codex zurück, der mit Ma und Hb jedenfalls in gleicher 
Linie des Wertlies und Alters steht Es gab ausser der Handschrift 
des Zosimns noch andere aus, derselben oder Mheren Zeit, und es 
ist deshalb yon so hoher Bedeutung, dass dw Corrector aus der 
Zeit des 14. oder 15. Jahiliiuiderts, welchen Marquard Mc neimt, 
ehie der besten dieser älteren ilaiKKelniften gewillilt hat, um da- 
raus die Lesarten in den Codex des Zosinnis einzutragen. Der durch 
Kuelle entdeckte Strassburger Codex, der jetzt freihch auch dui'cU 
den Braud Strassburgs im August 1870 vertilgt ist, lässt im Allge> 
meinen keinen Zweifel darüber, dass ausser der Handschrift des 
Zosimus auch nodi andere aus derselben oder noch froherer Zeit 
vorhanden gewesen sein mussten. Auch ohne von Ruelles Strass- 
burger Codex etwas zu wissen, hätte es Marquard nicht entgehen 
küimen. duss die Zusätze des Mc in dem Codt x des Zosimus viel- 
leicht das beste sind, wenn er bei seiner falschen Meinung von dem 
ByzantiuL>cheii Ursprünge der darin ubcriiefertcu huimomschuu 



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Uarmonik: Paul Mai'quard. IL 

Fragmente nicht eine gewisse Missachtungj wenigstens Gleichgültig- 
keit gegen diese iichtcu Aiistoxenischen Bruchstücke gehaht hätte, 
bei der es f^ich kaum der Mühe lohne, auf die richtige Textes-Re- 
stitution eine sonderliche Mühe zu verwenden. Es genüp^e ihm, 
die Fassung jener ,^yzantinischeii Arbeit" nach dem ältesten Codex, 
der ihm Torlag^ dem des Zosimus^ mit aller SorgfiEdt meder herzu- 
steUen. „Mc ist wohl im 15. Jahrhundert geschrieben: Das Original 
hatte ^le Lücken mcht, weldie ivir im €k>dez des Zosimus und im 
Yaticaims finden, überhaupt manche offisubare Yerhessemngen, allein 
auch willkürliche Correcturen." 

Dieselben Lesarten, welche Mc zu denen deR Zosimus hinzufügt, 
tindeu sich auch (wie Marquard ebenfalls nachweist) in einem Floren- 
tiner Codex Riccardianus, von Marquard mit R bezeichnet. Die 
CoUaüon dieser Uandschrüt verdankt Marquard dem Herrn Dr. van 
Herwerden, welcher ihm „dieselbe während Marquardts Aufenthalt in 
•* Holland 166S zu beliebiger Benutzung Oberliess. Sie scheint aus 
dem 16. Jahrhundert zu sein; eine nfihere Beschreibung hatte Herr 
Y. Herweiden dicht beigefügt und erinnerte sich derselben auf münd- 
liches Befiragen derselben nicht mehr genau. Was uns das wichtigste 
ist, geht aus der CoUation selbst hervor. Der Codex hat manches 
Richtige, doch daif dies bei der Willkür und zugleich unglaub- 
lichen Lüderlichkeit, mit welcher er angefertigt ist" 
(doch wohl kein (Irundl) „stets nur ah gelungene Coi^jectur ange- 
sehen werden und hat auf Autorität als Ueberüefenmg gar keinen 
Anspruch.'' 

Ein anderer Codex dieser Classe bt der Jahre 1865 von 
W. Stndemund entdeckte Barberinus, in der sonst schwer zugäng- 
lichen BiblioÜieca Barberina mit Nr. 270 bezeichnet'', dessen CoUa- 
tion dieser nicht minder wie die des Yaticanus dem Herrn Alarquard 
zur Benutzung mittheilte. „Sie ist von einer sein- schönen und 
sorgfältigen Hand geschrieben, in klein Foho und gehört ohne 
Zweifel in dio erste Hälfte des 16. Jahrlnmderts. Für das ei-ste 
Buch der Aiistoxenischen Harmonik geht dieser Barberinus (B) mit 
B und Mc. Von dem zweiten Buche an dagegen stimmt der Codex 
mit Vb flbereuou FOr diese Partie des Aristoxenus wir bezeioh- 
neu sie mit B — ist die Zahl der Stellen, in welchem B Ton Ya 
oder Vb abweicht, sehr gering im YerMltniss zu der durdigehenden 

Arlttoitii««, ll«l|k BtfttiiDlk. d 



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L Vorwort ni Aristozenna 

Ueberoinstimmuiig; die meisteu derselbeu sind durch Flüchtigkeit 
des ächreibers entstanden, an einigen hat er aber wolü willkürlich 
geändert, wenn nicht gar noch ein anderes Exemplar zuBaihe ge- 
zogen. Dass er dies später gethan hat, beweisen die Bandbemerk- 
ungeii, welche ^mmttich Ton derselben Hand wie der Text durch 
alle Partien des Barbermns (B und ©) durchgehen/* 

"Wir bezeichnen die Lesart rn uni liaiide des Barberinus durch h. 
Dieselben sind, wie Marquard nachweist, einem Codex entnommen, 
weldier mit dem einem Meiboni's ans derselben Quelle stammte, 
dem Cod. B (Seldenianus). Marquard sagt: „Veber den Seldeniamis 
kann nur mit äusserster Vorsicht geurtheilt werden. In der Zeit, 
in welcher er jfiir Meibom coUationirt wurde, wurde einmal nodi 
nicht mit der nöthigeu Genauigkeit yerfahren, femer aber hat Mei- 
ljum die Handschrift selbst nicht gesehen, seme Anführungen sind 
bisweilen mcht klar, und dass ihm in dci' Benutzuncr des hand- 
schriftlichen Matoials (loch manche Versehen untergelaufen sind, 
hat die nnc hnialige Vergieichung des bcaligeranus [durch Marquard 
in Leyden] bewiesen. ... Es würde immerhin sehr daidcenswerth 
sein, wenn Jemand, der die Gelegenheit dazu hat, welche mir leider 
g&Dzlich fehlte, eine ganz genaue CoUation von der Handschrift 
Seidens anfertigte, welche mit dessen Übrigen Büchern in die Oxforder 
Bibliothek als bibliotheca Seldeniana gekommen ist. Er ist ge- 
zeichnet mit Kr. 20 [ohm 3303], chartaceus, iu foUo, aus dem An- 
fange des 16. Jalalmnilrrts." 

Ein vierter mit Mc, K, R stimmender Codex ist r-m von Marquard 
verglichener Marcianus cliart. fol. aus dem 15. Jahrhundert, den er 
in seinem Apparate nicht aufgeführt hat, denn was er selbststftndiges 
habe, sei ohne alle Bedeutung. Wir bezeichnen ihn durch m. Aua 
ihm seien die beiden Ton Bellermann benutzten Leipziger höchst- 
wahrscheinlich direct oder indirect geflossen.*) Der in Leyden be- 
findliche Codex ScaUgui anus, welchen Meursius und Meibom haben 
abdrucken lassen, sei ein junger Papier -Codex aus dem 16. Jahr- 



*) Der ältere der beiden Leipziger codd., welchen Marquard aus dem von 
Ihm ina 15. Jabrhiindert gesetzten cod. M. etitatehen Itat, wiid fireilieh von 
BeUermaun dem Tieradmiea oder fttnfrelmtan Jahrhundert nigewieten, siehe 
oben & XLIV. ' 



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Harmonik: Paul Marqnard. 



LI 



hundert, ohne alle Bedeutuni?. Ebenso wenii? ^Vol th theilt MaKiiuird 
dem Cod. Bukk ciuuuh und liodleianus der Uxtorder BiblioUiek zu, 
deren (Jollation Meibom benutzt iiat 

In solchen Dingen ^^*rd Marquai'd woiii recht geurtheüt haben. 
Seiner Aoffaaaiiiig des Mc und allem, was damit zusammenhangt, 
kann ich nicht Becht geben, ebenso wenig wie wenn er über den 
Aristoxenischen Ursprung der Harmonik die Acht auaspricht: ,,So 
yerföhrt kein yerijünftiger Schriftsteller, kaum einmal ein deutscher 
Romantiker, viel weniger ein Schttler des Aiistoteles. Will man 
aber durin eine Kntsrhuldignng finden, dass dies eine der früheren 
Schriften des Aristuxcnus sei, so kuiin inun Lrcwissc IHnge vielleicht 
auf Grund dessen entschuldigen, nimmermehr aber darf man an- 
nehmen, dass Aristoxenus statt gerade im Anfange seiner schrift- 
stellerischen Tliätigkeit sich rechte Mtthe zu geben, seinen Buf durch 
solche Lüderlichkeit habe begründen wollen.^' 

Ohne solche Vorurtheile gegen den TOn ihm herauszugebenden 
Text des Aristoxenus hätte dem Herrn Marquard das Verhältniss 
der Handschriften, deren Collation er eine so grosse Sorgfalt ge- 
gpwidmct hat. iiirlit entgehen können, namentlich nicht, dass der 
Codex des / imus. obwohl er der älteste ist, doch erst in vielen 
i>tUcken diu ch tüe aus einer jetzt verlorenen Handschrift genommenen 
Zusätze des Mc seinen grossen Werth erhalten hat und dass wenn 
Marquard darin Kecht hat» dass mit M c ein jüngerer Codex m der 
Marcianischen Bibliothek ans dem 15. Jahrhundert durchweg Uber- 
einstimmt, dass dann sogar dieser jOngere Codex m (Marquard hat^ 
was er selbstständiges hat, im Apparate besonders zu erwähnen f&r 
überflüssig gehalten, da dies ohne alle Bedeutung sei) vielfach 
bessere Lesarten als der alte Codex des Zo>iiims aus dem Jahr- 
hundert entlialten mu><s. Zosimus hat. als er damals zu Constan- 
tinojx l die Harmonik des .\ristoxenus zu reproduciren unternahm, 
einen Cod^ zum Abschreiben gewählt, welcher mit nichten einer 
der besten, sondern ein sehr verdorbener war. Geben wir hierfür 
an dieser Stelle ein schlagendes Beispiel, welohes zugleich auf die 
Nachtheile der Marquard*schen Auffassung, dass unser Aristoxenus- 
Text ein Byzantinisdies Madiwerk sei, ein deutliches Licht wirft. 
„Glaubt man", sagt Marquard im Vorworte p. VJll, „unmittelbare 
Aiistoxenische Exccrpte oder gar mit Wcstphal unversehi'te Schiifteu 



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UI 



Vorwort m Anstoieiius 



des Axistoxenus top sich zu haben, so kann man mit ganz anderer 
Schfixfe Toi:gehen, man kami sich* dann eine bestimmte Vorstelfaing 
Ton der IHction des Schriftstellers macheoi man kann dann gemäss 
derselben eine wirkliche Puiification Tomehmen. Von dem Allen 

musste ich von meinem Standpmikte absehen." Weil Marquard 
so gut wie Alles ftlr Byzantinisch hält, sieht er nkht, wo der Text 
des AristoxtMius durcli einen Zusatz enUuUt ist, der wirklich Byzan- 
tinischen Ursprungs, d. i. als Randbemerkung eines Byzantinischen 
Abschreibers in den Text des Aristoxenus hineingekommen ist» So 
hat sich im ersten Bache § 50 das Byzantinische Scholien: ^,T{va 
Sal ta^iv tcXetovwv ouooiv oo'jfXopSutfv vor^Tiov; *Ev { loa xa tt xtvou- 
|Mva sZoi xal xa ^ps|wovta iv taic xm ^svaiv Sia^opaVin d^ Text 
eingedrftngt, nachdem emige Zeilen des Aristoxenns an dieser Stelle 
ausgefallen. Die Form siot verräth den Byzantiner. Marquard re- 
stituirt aus dem Byzantinischen SchoHon: XUav 8i nva raEiv -Xstovojv 
ou3ojv voT^riov, wodurch tlaim das im folgenden beibehulti'ue ziii 
natürlich uuf Kechimug des vermeintüchen Byzantinischen „Excerpteu- 
machers^^ kommt. Hätte Mai-quard das sbi richtig würdigen können, 
SO hätte auch er hier ein Byzantinisches Band-Scholion gesehen und 
dann üi der Lesart des Cod. Mc 

T(va 5al tdStv icXttoviov wom : x^P^">v votjt^ov; 
die bessere üeberliefemng erkannt 
Der Cod. R liest ebenfalls richtig: 

Ti'va Gr; Ta;t.v ... 

DerCud.Tl mu h einem oÜ'enbar vorgelesenen Manuscripte schreibt: 

Tiva 6z ra;'.v. 

Zosimus aber hat geschrieben: 

Mc hat dies „xtva icpa/' wegradirt und das richtige darüber ge- 
schrieben. YaticanoB, der seine Abschrift von dem Cod. des 
Zosimus genommen, ehe dieser die Verbesseniii^'en durch ' Mc 
erfuhr, hat natürlich, was Zosimus geschrieben: er liest nva 
TTpa^tv. Aus dem Codex, welcher dem Zosimus zur Abschrift 
vorlag, oder vichnehr aus einer gemeinsamen Qnelle, copiit dt r 
Cod. S, und aus einem ähnhchen nimmt der Barberinus seine 
Harginalzusätze. Beide, S und marg. B, haben das so schlechte 
ttva icpa|(v mit dem Cod. des Zosimus und dem Vaticanus gemein, 



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HanuMiik: JE^ lfiuqiianl> 



un 



ohue dass dies Zosimus verschuldet hat, denn diesmal ist das Origi- 
nal des Zosimus die Ursache. Der Pehler ist älter als Zosimus. Von 
den Pariser Handschriften haben nach der sicheren Mittheilong 
des Herm Bibliothekars Ch. E. RueUe Far« a. b. d. f. g. die 
richtige Lesart toEw; auch die griechiscbe HandBchrift, aus welcher 
GogaTimis flbersetzte, hatte riditig riva tetSiv «Xttovcnv odoäw vor^tiov, 
was er durch „atque ordo ejus quidam ob varietatem intelligitnr" 
wiedergiebt. Der Cod. des Scaliger luit ebonlalls ilus richtige tct^iv. 
nicht diese Verkehrtheit des Zu. Der wertlilose junge Papiercodex 
aus dem 16. Jahrhundert, wie ihn Marquard nennt, ist an dieser 
Stelle werthvoller als der Codex Zo. des 12. Jahrhunderts.^ Dagegen 
findet sich der ans dem Original des Ma stammende, nicht etwa 
▼ondemldbrariuaZosimns verschaldetB Fehler npS^iv im Par c nnd e, 
nach Ueiboxns Angabe auch am Rande der Ozonienses. Der eigent- 
liche Gontezt der Ozonienses wQrde also von dem hSsslichen irpaEiv 
frei sein, er würde an dieser Stelle besser nnd 9lter als der alte 
Text des Zosimus, als der Vaticanus und der Seldenianus sein, ^'on 
den beiden Lipsienses hat der ältere Lips. I. t{vo Zk ta^v, am 
Bande xi'va itpd^tv; der Lips. 2 xiva itpa^iv; auch der ältere Lips. 
(ans sc. 14 oder 15) ist hier besser als Zosimus. Ftlr Marq. ist es 
wahrscheinlich^ daas lips. L ans m stammt» f&r mich nicht 



Richtige alte Lesart: 

Mc ti'va oai Ta^iv 
m tfva &al to|iv 
R tfva Bt) Toi^iv 
lips.! xint x%ivt 
B Ttva hk xaliv 
Gog. ordo qnidam 

Par.a 
Par.b 
Par.d 
Pari 
Par^g 
Ozoniens 



Schreibfehler: 



Zosim. (Ma) 

marg. Barberin. 

Seid 

Far.c 

Far.e 

marg. Ozon. 



Tiva icpa^iv. 



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UV 



Vorwort za Aristozeuiis 



Marquard discutii-t über diese Stelle S. 130. 131: 
..Im älteren Mai'cianus (Z) hat, wie der \ ulieuiius beweist, ur- 
sprünglich Tiva rpd$iv jEr<"^taiul('Ti, und 80 hat auch der Seldeuianus 
und die fiänder des Barbennus und jüngeren Alarcianus (m), eine 
Lescart, welche ganz unverständlich ist. Daher hat Mc corrijrirt; 
Tiva Sal ta^iVf me es scheint nach eigener Eingeb ung, da sich 
das la\ sonst nur in dem al>hangigen jüngeren m findet 

Auch diese Leseart ist nicht zu brauchen, da eine verwunderte 
Leseart hier gar nicht am Platze ist. Ueberhaupt ist ein Fragesatz 
nicht zulässig, da erstlich der folgende Accusativ unbegreiflich wäre 
[der alte Uebersetzer Go<[j:aviiius begreift die Cctiistnu tioii, da 
er übersetzt: 'dU\\\e m\\o t|uo (juidam ob varietateui ii tdligitiir, 
er construii't riclitig vor^reov mit dem Accui^ativ Ta;tv], 
femer aber der folgende Relativsatz, der den vorhergehenden Be- 
griff ja ganz genau bestimmt, 

ev { 19« ta rs xtvoojuv« xal ra iJps}Muvra i* Ta(c twv Ysvitfv 

die Frage unmöglich macht Also auch des Riccard. Leseart 

T{va 07) Ta;tv kann nicht richtig sein. 

Dem geforderten Sinne am niich>tcü komnit die des Barlieriiius 
Ttva Ss Ta;i.v „irgend eine Ordnung' rIxt". nur dass der (je^ensatz 
zu TTÄsiovcuv und die Schreibweise (siehe unteu u. 22) der vorlie- 
genden Excerpte gebieten die Wendung durch Hinzusetzung von txi'av 
zu vervollständigen: j&i'av Ii nva xaliv, wie ohne weiteres zu schrei- 
ben ist Der Ausfall des Wortes oder ^iav hk und die Ver- 
drehung des Folgenden kann an einer offenbar schon sehr frOh ver- 
derbten Stelle nicht auffallen. Auch die Lesart des Barberi- 
nus ist schwerlich als wirkliche TJeberlieferung sondern 
nur als weniger mislungencr Verhe?>Herungsversuch an- 
zusehen." 

Diese Polemiken gegen die Lesart des Mc, Ric. und Barl), ge- 
hören genau in die Kategorie derjenigen, welche Marquard 8, XXVI 
gegen den Cod. Ric. geführt hat: ,,der Codex hat manches Richtige, 
doch darf dies bei der Willkür und zugleich unglaublichen Lü- 
derlichkeit, mit welcher er angefertigt ist, stets nur als gelungene 
Conjectur angesehen werden und hat auf Auctorität als ITeberliefe- 
rung gar keinen Anspruch.^* 



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Hsnnoalk: Faul Maiqiuud. 



LV 



Iii dieselbe Kateijnrio wie „die unglaubliche Lüdorliclikeit der 
Anfertigung^^, welche dafür angeführt wird, dass die Lesart des Cod. 
nicht auf Ueberüef enmg, sondern auf interpoürter Coigectur beruhe, 
— in dieselbe Kategorie des Beweises gehört, was Marquard weiter 
a 131 sagt: 

„Mc, so\vie B und R lesen: 

T(va 8al taltv irXctovwv ooaSv x^P^^ vorjtiov; £v :q ha ta xs 

S*iv T4>TotouTtp oiov TO o«o ^hr^i s'f üraTT|V . h tootoj Yotf> 800 
|i8V «l Kepii)rovTs; 9^07701 axi'vr^Toi' sbiv Äv tau tcuv y^voin» 8ta- 

„Hinter den Worten icXetovoiv ousmv fügt Mc -/q^own hinzu, 
der Barberinus mit zwei Fluikten, welche am Bande wiederholt sind, 
der Biccardianus mit einem Kreuz davor. Auch ohne solche 
Zeichen wird man nicht zweifeln, dass dieses Wort nur 
einer Conjectur und zwar keiner glücklichen zu danken 
ist.** Was haben die Zeieheu t üder : vor dorn Worte einer Hand- 
schrift damit zu thun, ob dieses eine überlieferte Lesart oder eine 
Conjectur sei;* Gerade so viel wie die grössere oder geringere Schön- 
heit und Regelmässigkeit der Buchstaben, wie die Accuratesse oder 
„LUderlichkeit'% mit der die Handschrift geschrieben ist In den 
heutigen Drucken eines Autors kann wohl durch solche Zeichen auf 
eine Lesart als Conjectur des Herau$geberB u. s. w. aufinerksam 
gemacht werden. Bd den Alten sind derartige Kreuze und Doppel- 
puncto höchstens eine Verweisung auf den Rand, wo dasselbe W^oi-t 
mit demselben Zeichen ^viederholt wird (wie es in imserem Falle 
wnklich geschehen ist), und bedeuten etwa, dass dieses eine varia 
lectio eines anderen Codex i$t. 

Herr Marquard meint, dass die Conjectur, welcher das Wort 
XopSow zu danken, keine glückliche sei. Daxin hat "iL Becht: //>p$<tfv 
gibt keinen ^nn, Nun denke er sich aber, dass /opottiv nur die 
Trümmer einer Lesart seien, dass „f /op5u>v" entstanden sei aus 
j,3UY/opotujv j dann müsste auch er sagen, dass dies Wort, wenn es 
eine Conjectur sei, eino sehr glückliche Conjektur seil Er sagt: 
„Der Leser hat die Stelle, vielleicht in Folge der vorhergehenden 
Corruptelen, nicht yerstaoden; nach dem oben Gesagten ist es klar, 



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LVI 



Vorwort 201 Aristoxcuua 



dass es hier darauf ankommt, eine der Ordnimgen, in welchen die 

beweglichen und feststehenden Klänge der Zahl nach gleich sind, 
auszuwählen; ein Zusatz aher -irXstovtuv ou^tov /opocuv"^ „da es meh- 
rere Seiten gibt" wäre so überfiü.sbig als möglich, da es sich ganz 
von selbst versteht und keine besondere Rücksiclit erfordern kann. 
Solche Verbesserungsversuche machen eben, dass diese Quelle 
(Mc, B) an Autorität der anderen des Marcianus (Jda) doch nicht 
gleich stehf 

Die Eindringlichkeit» mit der Herr Marquard wiederholt auf 
den Leser einredet, er solle doch nicht glauben, dass Mc, R, B 
irgend welche Autorität der Ueberlieferung haben; seine energischen 
Hinweisungen auf die Sori^lositjkoit und Lüderlichkeit, mit der die 
Buchstabe der Ilandsclirift gesi In icbeu; auf die hinzugefügten Kreuze 
und Doppelpunkte der Haudscluüt; auf die »Schwierigkeit (!) einer 
Construction von vor^xeov mit dem Accusativ (!), — dies Alles macht 
den Eindruck, als ob Herr Marquard sich selber Mnth und Trost 
einsprechen, will in seinem Vorhaben^ die anderen Codices ausser 
dem des Zosimus zu miscreditiren; „dass jene Quellen an Autorität 
der des Zosimus doch nicht gleich stehen.** Nur in diesem 8Snne 
kann ich das „doch" verstehen. Es ist ein letztes Ringen in dem 
Kampfe, ein letzter stossseufzender Schluss in seiner Rede pro sua 
domo, fiir seinen Codex Ma. für den von ihm mit so ^Heler Mühe 
und Sorgialt verglicheneu Codex des Zosimus: er soll und muss 
die einzige Autorität sein! Die anderen stehen ihm an Autorität 
nicht gleich! So redet nur ein Mann, der seinen vollen Glauben 
an die Bichtigkeit der tob ihm aufstellten Behauptung schon auf- 
gegeben hat, bei dem die Aufirechthaltung der Behauptung mehr 
Sache des Gemfithes und des Herzens, als der ganzen Terstandes- 
mässigen Ueberzeugung ist. 

Wesliallj uueli nicht endlich einmal die so nahe liegende Waiu*- 
heit sichtlich auf sicli eiuwii'keu lassen? Ist es dann etwa nicht wahr, 
dass der Codex des Zosimus an dieser Stelle die nichtswürdige Lea- 
art „;rpa;tv" hat? Mit ihm der Vaticanus, und wer sonst aus dem 
Cod. Zosimus abgeschrieben oder entlehnt hat? Freilich auch der 
Seldenianus, der aber wie Herr Marquard Yersichert, „Ton entschei- 
dender Wichtigkeit fBüt den Text selber zum Glück nicht ist** 
Woher Zosimus zu der unTemünftigeu Lesart kommt, darüber sagt 



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Hannonik: Paul Marquard. 



Lvn 



Hai'(|iiard iiichts. Das allein vernünftige ,,Ta;'.v" soll uaeli MarquaixUs 
fernerer Versicherung eine Correctm- des Mc nach eigener Ein-, 
gebung sein. Mit Mc stimmen fast alle anderen Codices, die 
nichts mit dem Zosimus zu tinm haben, tLberein. Woher haben 
diese die richtige Lesart xiliv*, die dodi eine Gonectur des Mc nach 
eigener Eingebung sein soll? Es wäre dem Heim Marquard 
nmnöglich geworden, den Nachweis zu führen, dass die angeblich 
einzige uns direct aus dem Alterthume überkommene nicht inter- 
polirte Handschrift nui' die Lesart Tt^äiiv, nicht aber ra^iv gekannt habe. 

Während Marquard die Lesart taltv als eine glückliche Conjector 
•des Mc gegenüber der unverständigen Ueberliefnng des Zosimus be- 
zeichnen muss, wird dagegen das im weiteren Verkufe der Stelle 

von demselben Mc, auch von R und B dargebotene ;(op8u)v oder 
^opcov eine nicht glückliche Conjectur genannt und zurückgewiesen. 
Das einfache /opSuj"^ will freilich keinen Öiun geben, aber man lese 
<lies Wort „o^y/P?^^*^" f haben wir dasselbe Wort, welches 
Aiistozenus in dem auf „Ti'*a hol xalvt * . . . doo ^ oi icspisj^o^tsvoi 
mvoovtai'' iolgenden Satze gebraucht: 

TooTO |Aiv oov oSrto xefo&o . T«w 6& ou^X^P^^^^ icXeiovwv t* 

xal ovo|Aa9tv iUoi^ ixasn;; auTwv u>pi3|xsvrj(;, . . . 

Wir nehmen an, dass dies Wort ooYX^pSttüv auch in dem vorher* 
ziehenden Satze des Mc zu lesen ist: 

Welche Beihenfolge (der Saiten) hat man sich« da es mehrere Saiten- 
compleze giebt, zu denken? 

Das „rXsiovcDv ouottjv" aller Handschriften ist durch das hinzn- 
geftigte „atiy/ophiioy** so völlig befriedigend ergänzt, dass man es 
als Coi\jectur nicht nur nicht „keine glttokUche^S sondern eine der 
gificklichsten Oonjectoren nennen mtteste, wie bei jener Lesart, von 
welcher Marquard bedauert, dass sie erst von Bellermann aus dem 
Annoyrnus hat hervorgeholt werden mOsaen und nicht auf dem Wege 
der OoT^eotur entstanden ist, „sie wäre eine des glänzendsten ge* 
wesen." Nein, auch iQ'c/o^jOiuyj ist keine Conjectur, sondern aus der 
Lesart des Mc und seiner Genossen B und B hervorgeholt Ich 



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Lvm 



Vorwort m AriatozeniiB 



denke nicht mit Marquard „Schade!*', sondern saue? alle Achtung 
. diesen würdigen Repräsentanten der Uoberlieferung des Aristoxe- 
nischen Textes, die nicht nur das vernünftige ta^tv hahen, wo Zosi- 
mm das bässlicbe irpä^iv hat» sondern auch die alte im folgenden Satze 
durch AristozenuB selber besAfttigte Lesart 9i>YX^pStttiv aus ihrer 
Schreibung x^P^^ /opouiv deutlich erkennen lassen, von weldier 
Zosimus auch nicht einen einzigen Bachstaben bringt. 

Marquard hat nun noch zwei Einwand«' gemacht, das« der Frage- 
satz „Ttvoi 071 TCt;iv . . . vor^TSOv'". nicht zulässi«^' sei. Ih n oi-stcn 
Einwand, dass der Accusativ Ta;iv unbogreithch sei, hätte er selber 
sich aus dem frühesten Uebersetzer Gogavinus, worauf ich schon 
in dem obigen hinwie"^, cntkiäften lassen können. Den zweiten Ein- 
wand, dass der auf »Tiva dal xaivt . . . vor|T^ov;'' folgende Belativ- 
satz: ^/Ev { isa ta tc xivouftcv« sht . . der den voihergehenden 
Begriff ja ganz genau bestimme, eine verwunderte frage unmög- 
lich mache, sich selber m entkräften, hätte Marquard den Plural 
£iai hinter den neutralen Nuniinativen laa rct xs xivouasva genauer 
ansehen müssen. Aristoxenus hätte nothwendig laa -a ts xivoo- 
}xeva S.J-'. sagen müssen. Marquard hat sich aus seinen Beschäftig- 
ungen mit den Handschritiben zu viel Takt angeeignet, um eine Ver- 
änderung von sbi in im vorzunelimen. Er lässt zhi unangetastet 
ebenso wie er auch S. 387 mit Recht die befremdlichen Fraeterita 
'^oav u. 8. w. nicht in die von ihm erwarteten Formen geändert wissen 
will. „Glaubt man unmittelbare Exceipte aus Aristoxenus oder gar 
mit Westphal unversehrte ' Schriften des Aristoxenus vor sich zu 
haben, so kaim man mit ijanz anderer Schärfe vorgehen . . ., man 
kann dann eine wiikli( lu' Pm itieatiou vuniehmen. Von allem dorn 
musste ich bei meinem Standpunkte absehen (S. VIII)." Mai'tiuar«! 
glaubt in der gauzen Hamonik nichts als Byzantinische Exceipte 
vor sich zu haben. Da ist es ilim einerlei, oh liri oder ebt ge- 
schrieben ist. Wir halten diesen Standpunkt des Herausgebers 
Marquard fOr eine sehr verwerfliche Täuschung. Er bindet sich da- 
durch für solche Fragen wie ion oder tltsi selber die Hände. In 
unserer Stelle „T(va 8«l ra^tv icXstovwv otSaw (auY)/opStft5v vor^T^ov../' 
musste ihm schon das unaristoxenische purificationswüi dige „stotv" 
zeigen, dass liier ein Scholion in den Aristoxenischeu Text vom 
Bande gedrungen ist und die Öteüe aus dem Aiistoxenischen Texte 



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Affmonik: Paul Marquard. LIX 

auszuscheuk'ii sei. Die auf „ttjv TrposTjVopi'av utto twv ziKum/ ^t/z'" 
Iblgenden Worte des Aristoxenus waren in der Handscbritt verloren 
gegangen. Dies wai* es, woran ein Libraiios AnstOBS nahm und 
daher jene yerwunderte Frage „Tiya oal taEiv irXetoviov ooaaiv [wy]- 
Xopdtwv voijT^ov;" an den Band achrieb. Er beantwortet aie ganz 
richtig, ganz im Sinne dea Ariatoxenua, da er dem folgenden 
Satze: ^»Toijto ]iiv v6v ootu» xs^oBo . xS» bi auy/op^ittfv leXeiovwv t 
oooaiv . . die richtige Antwort auf seine Frage entnehmen konnte. 

Das Näliere wird aus meiner Ausgabe selber hervorgeben. Der 
geneigte Leser wird diese zu lange TTitiTtalatioii in SrcIk n Man^uard^s 
und der Handschriften entsclmldigen , denn es giilt an einem ecla- 
tanten Beispiele das Verfahren desselben zu erläuti rn. Die Be- 
handlung dieser Steile -in meiner Ausgabe selber wird nun um so 
kürzer aein kdnnen. 

Bei memer langjährigen BeachSltigung mit Aristoxenus wird es 
nicht als unbesorgtes Unternehmen erscheinen, wenn ich den Ver- 
dacht ijruneen, welche der grösste Theil des uns von Aristoxenus 
Ceb( i kommenen durch den neuesten Herau«£?ebpr erfahren hat, in 
einer eigenen Ausgabe entgegentrete, di«' dvn Text in einer dem 
wii'klichen Urheber angemessenen und würdigen Form vortührt und 
sowohl in den sachhchen Erläuterungen wie auch in einer richtigen 
und lesbaren üebersetzung den Nachweis liefert» daas wir hier durchr 
aus zusammenhSngende Bruchstücke aus mehreren Werken des alten 
Tareniiners vor uns haben» die niemals das Gepräge der Qedanken- 
Bcbärfe und der logischen Gonsequenz» noch der individuellen Manier 
des berfkhmten Theoretikers aus der Schule des Aristoteles vribcrf^en 
können. Sollten diese Bnichstücke aus der Aristoxenischtu Literatur 
über das Melos auch nicht dioselbe hohe Bedeutung wie das über 
Rhj'thmus für uns haben — nicht eine practische Bedeutung für 
unsere Philologie und rausikahscliL' Khythmik — , so sind sie doch 
jedenÜEdlB ein glänzendes Werk des Jdassischen Griechenthumsi in 
welchem diese Rudimente der Wiaaenschaft Tom Melos in einer viel 
klareren Weise dargelegt werden, als dies Ton den modernen Muaik- 
' theoretikem geschehen ist und ohne Aristoxenus geschehen kann» 
daneben aber auch über viele Punkte der althellenischen Musik 
nicht bloss Melos, sondern auch Rhythmus) Aufschlüsse vorkomme u, 
weiche wr anderwärts nicht erhalten. 



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LX 



Vorwort 2U Aristoxeiiu« 



"Wenn Marquard dies ganz und gar verkannt liat, so bercüit 
das zum allergrössten Theile in den Schwierigkeiten, welche ein 
jedes dem ( Jebietp der i\Iiisiktheorie angehörendes ^Ve^k des Ansto- 
xenus für die Intei-pretation darbietet. Es sind dieselben Schwierig- 
keiten, die sich auch in der Rhythmik und in den bei Plutareh er^ 
baltenen f^ragmenten der Symmikfca sympotika dem Leser entgegen- 
Btellen, aber durch eindringliche Forschong bewältigen ksaen. In 
weit geringerem Grade sind Harqoard's wunderliche Hiasverst&nd* 
nisse durch die Beschaffenheit des uns Überkommenen Textes ver^ 
anlasst, der für die Harmonik ungleich ToUstSndiger als fllr die 
Rhythmik vorliegt. Wie bei fast allen Werken der alten Literatur 
konnte auch bei Aristoxeuus die Toxtesnberlieieruiig nicht von drei- 
fachen A^'ersehen der Abschieiber frei bleiben. Erstens: Auslas- 
sungen Ton Wörtern, von Sätzen und selbst Ton grösseren Pai*tien 
des Originales; zweitens Umstellungen, die wie jene auf Ueber* 
sehen Yon Seiten der Abschreiber beruhen; drittens: Einschaltungen 
solcher Stellen, die dem Original ursprOnglich fremd, aber als Band- 
bemeriningen aus der Hand erUftrender Abschreiber oder der alten 
Leser in den Text hineingekomnien sind. Auch die Aristoxemsohe 
HarnioiiLk hat durch diese dreifachen Versehen manchen Schaden 
erlitten. Aber der Schaden ist an keiner Stelle so tief, dass er 
sich nicht wenigstens genau erkennen und in den meisten Fällen 
auch heilen Hesse, obgleich kein Verständiger den Anspruch machen 
wird, überall die genaue Fassung des Originales wieder herzustellen. 
Oft wird es genäjgen (in der Harmonik wie in der Bhythmik), wenn 
auch nur die. erklärende Uebersetzung den ursprünglichen richtigen 
8bn angiebt Und wenn gerade in den harmomschen Bruchstücken 
des AristoxenuB die Bestitution eines yerfafiltnissmässig schlecht über- 
lieferten Textes mehr als bei anderen Denkmälern des Alterthums 
ermöglicht und auch leichter ist, so beruht dies sowohl in dem rein 
sachlichen Inhalte, als auch besonders in der eigcntiiümliclien Er- 
scheinung, dass in jenen Fragmenten die Anfänge mehrerer Aristoxe- 
niscber Werke vorUegen, die zu verschiedener Zeit über ein und den- 
selben Gegenstand in ein und derselben Beihenfolge der einzelnen 
Abschnitte niedergeschrieben sind. Dieselbe Erscheinung begegnet 
uns auch mehr£Ach in den Schriften Ton Aristoxeuus Lehrer Aristo- 
teles. Bei AiistoxenuB erklären sie sich leichter als bei Aristo- 



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llannouik: Cb. E. iiucUe. 



LXI 



teles. Es sind diese Doppelgänger Terschiedene Terbeaserte Ausgaben 

desselben Werkes oder dieselbeu Vorlesungen über ein und den- 
selben Gegenstand, welche zu verschiedeneu Zeiten (in verschiedenen 
Semestern) gehalten und niedergeschrieben sind. Somit sind uns 
fUr die Restitution und das Verständniss des einen der bezüglichen 
Werke die ParaUelstellen des anderen zur Hand. 



Wie erquicklich ist der Marquard'schen deutschen Aristoxenus- 
Uebersetzung gegenüber, welche weder Deutschen noch Anderen das 
Verst&ndniss des grieehischen Textes erschliesst, die französische 
Ueberaetznng RneUe's: 

Elements hannoniques d'Axistoz&ne tradnits en fran^ais pour 
la premi^re fois d*apr6s nn texte reva sor les sept manuscripts 
de la biblioth^que nationale et sur celui de Strasbourg par Ch. 
Em. Kuelle, redacteur au minist^re de rinstruction i)ublique 
(gegenwärtig Vorstand der Pariser Bibliolhek der Ii. Genoveva). 
Ouvrage couronn^ par TAssociation pour rencouragement des 
Stades grecques en France. Paris 1871. 
Möge Heir PhifessorGaTrilAfbanasiewio Iwanow zu Moskau mir 
an dieser SteUe gestatten^ ihm noch einmal für seine Frenndlichkeit 
meinen aufrichtigen Dank auszusprechen, dass er mich mit der Ar- 
beit Ruelle's, die so wichtig ftr mich werden sollte, bekannt ge- 
macht hat. Der französische Forscher hatte die grosse Liberalität, 
dem deutschen Mittbrsclier auf dessen Bitten seine Auszüge der von 
ihm benutzten Handschiilten zui* Disposition zu stellen, als er gerade 
selber damit beschllftigt war, seine Textes-Aufigabe der Aristoxeni- 
schen Harmonik erscheinen zu lassen. Das ist echte Wissenschaft- 
lichkeit von ihrer liebenswfirdigsten Seite, die sich nicht durch die 
nationalen Schranken beengen lAsst 

Die mir himdschriftlicli mitgetheiiten Notizen des Herrn Ruelle 
über die von ihm verglichenen Codices sind folgende: 

Sept manuscrits conserv^s k la Biblioth^ue nationale de Paris: 

Par a 2879 [ant^rieurement 685 et 2157; in fo., öcrit sur parche- 

min, dore sur tranche, recouvert en bois, 261 foL index (en grec 



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LXII 



Vorwort zu AristoxeuuB 



et en laAm): Biophante d\\lexandrie; Arithmötiquey 61ivre8 dont 
les 2 Premiers, illustres de scholies et commentaires. — Le 
mSme auteur Bur les nombreB polygonanx im livre (en grec y.HK, 
Oü&) fo. 1 39. (l'un et Tautre edit^s par Barnet mais sans scholies). 
— Aristoxene Elements liarniouniues trois li\Tes fo. 155. — 
Hipparque, comment sur les ph^noin. . d'Aratus et d'Eudoxe 
3 liv. i'o. 193. edit^s par Öetau.] 

Ge manuscrit est g^nöralemeiit semblable Ii celui de Seiden; 
il a les memes fteintes; mais comme 0 omet des mots et des 
phrases enti^s qui snbsistent dans ce demier et qui rinverse 
arrive anssi, Ton peut ^tablir qu'ils ont une commone origiue 

mai> qu'ils iie sont pas transcrits Fun sui' Tautre. 
Par b 2449 [Ant<^rieurement 2740, in 4", ecrit sui* papier; recou- 
vert eu simple parchemin, 75 fos. sur le premier „Codex char- 
tac*" 16 saec, scriptus (|uo continentur Ahstoxeiii elemeiitonuu 
barmonicorum libri tres.] 

Ce parait §tre le texte le plus moderne de toiis, il se rencöntre 

le plus freqiiemment avec Rcalig(»r. H ne poi-te jatnais, que nons 
sachions, de leroTi que ce dernier omette et d'autre part omet quel- 
ques imes de beb iegon. 

En outre on y remarque un certain nombre d'omissioms qui 
loi sont commimes aTec' lo no. 2457 et quelques autres qui nd sont 
pas dans ce manuscrit; enfin plusieurs mots que celui-cl porte en 
marge sont entr^ dans son texte. 

II contient h la marsre quehpies aiURilations tres courtes, qui 
louinissüiit des le<;oDs nuuvelles, adraissibles pour la plupart, 

D'un autre cöt6 Ton trouvera dni)«« sa pagination im gi-and d6- 
sordrCi auquel nous avons cm rem^dier par la note qui suit: „Ut 
r^cte disponantus diversae hujus codicis partes, quisquis legerit 
ita devolTere debebit, ut lecto folio 23^ legat 40^, lecto 45^ legat 
25"", lecto 35« legat 54«% lecto 42« legat 56«"», lecto 63« legat 63"« 
ad finem u««que." 

Par c 24Ö6 [Ant^rieurement 435, 461, 2179; in Ib., ecrit sur 
parchemiu recouvert enbois; de 483 feuillotg; index, en grec et latin: 
£6L 1 Aristide Qumtilien, fol 63 Manuel Biyenne, fol. 181 Plutarque 
dialogue aar la musique, fol. 197 Euclide introduction, foL 205 Euc- 



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Harmonik: Ch. £. Ruelle. 



Lxm 



Ilde xaxftTofi^ xavovo;, foL210 Aritoz^ne Elements harmomqueSy foL 240 
Alypius, fo). 258 Gftadence, foL 271 Nicomaque, foL 286 Cl. Pto- 

lemc'O, lol. 354 Toi-phyre cummcntaire. lol. 477 Bacchius.] 

Nous nous soinmes convaincu par le coUationnement. que cette 
copie ni a M<' faite ni d'apr^s. Scaliger ni d' apres ancun tles aiitres, 
mais d'apr^ la mdme source que les Dztmiens. Elle porte quel- 
que xnots omis dans les manusotits Seal, Bar, Bod, A etB, et omet 
k mm tou8 tel mot que cee teztes pr^sentent 

Par d 2457 [Auterieurement (oodox Telleriaiio-Reiatnsis) 48; 
(req.) 2179 in fol.; 6crit siir papier fort, 776 pages index en latiu: 
Aristides Qiiintilien, Manuel Bryenne, Plutarque sur la mosique^ 
£iuclide iutroductioDi Euclide division du canon^ que Zosime corrigea 
et commeuta avec talent CoDstantinopley Anstozöne, Alj^ius, Gau- 
denoe, Kicomaque, Ptol^m^e, Poipl^ie. Scribebat Bua manu Ange- 
lus Vergetius cretensis a a Christi partu 1537, absolTit mense Apelleo 
1. Decerabre die 17a]. 

Ce msc. comme le ])recedent a du etre ex6cut6 d'apres l'origi- 
nal des Oxoniens; il se recontre souvent aussi avec le tezte de 
Seiden. P( ut-etre a-t-il 6t6 consultc par Tauteur des annotations 
que porte Par b et meme par celni qui le fit ^ciire ce dernier tezte. 

L^ezamen de ces divers teztes nous conduit & ^tablir qu*ü sont 
une double origine. L'une a prodnit Par a, c, d» Seid, Bar, Bod, 
ainsi que le tezte de Gogavinus; Tautre Scalig et Par b. 

Pemer folgende Bemerkungen niedorgeschrieben seit 1855. 

Par e 24^ [Antörieurement Cod. Telleriano-Bomenais 47, Be- 
gius 2179. In foL 202 Brailles. God..chartac. X7I sec* scrlptus, quo 
eontinentur Aljpius, Gaudentins, AnonymuB*) de muaica -ineditna 
^To&pLocoov^oTTjxsv", Bachii senioris introductiOy Bhididis introductio 

barpion., Euclidis Sectio canonis, Theonis, *Ex t<Lv toö Ilaintou Ttspi 
^ÖOYT"*^^ Aristoxeni, Nicomaclii, Aristitlos. 3Ianuelis Biyeiinii]. 

Ce ni-!>. preseiito dü nonibreuses aiudogif's avec Seal, et Par. b, 
cependant ii u'y a pas entre eux et iui, nous en avons acquis la 
preuTe, les rapports d'une copie i son original On y trouve un 



*) Später hinzugefügt: Edid. licllermauu Ueroliui 1871. Gallice vertit iiuvo- 
qne modo diapomit A. T. H. Yincent (notiees et «xtr. dw mcs. XVI, 2« partie). 



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Lxnr 



Yotwoit m AiiiftoKemia 



nombre infini de fautes, qui semblent provenir d'nne dictöe mal 
entendne. 

Par f 160 Supplement [Antörienrement no. 1098 dn fonds de 
Sorbomie. Petit in 4^ de 80 fenilles 6ciit, ms. da XYT siecle; bonne 

Venture, non sigii6. 1 ifere page avec titres en lettres d'or et en 
arabesques. Contenu: Aii^luxcne, üicipil et decinit ut iii editis]. 

Ce ms. appiu tii nt k la meme famille que les mss. de \'eiüse 
cl. VI 110. 3 et ies msc. de Paris b, c, d, e c'est ä dire ä la seconde 
famille, la premi^re ^tant compos^e jusqu'ä ce jour de msc. de Rome 
(Vatic. et Baxberin), de Florence, de Venice (no. 8), d'Oxford (Seiden) 
puis comme döriT^s les cod. Bodleiantts et Barocdannsi enfin dea 
msc. Oy Cy g de Paris. 

Ueber den Strassburger Codex veröffentlichen die CSomp- 
tes rendns de PAcadßmie des Inscriptions et Belles-Lettres 2* serie 
1. VII 1871 folgende Mittlieiluny ; „Kotice et vai-iantes d'uii iiutnu- 
scrit grec relatif ä la luusique qui a p^ri pendant le bombarde- 
ment de Strasbourg par M. Ch. Ruelle." Hier heisst es: 

La biblioth^que du söminaire Protestant de Strasbourg, incen- 
di^e par les arm^es allemandes pendant la nuit du 24. aoüt 1870, 
posB^dait nne precieuse collection de manuacrits grecs, notamment 
de manuacrits lelatifs ä la mnsiqae. L'annde derni^re, au moment 
de publier sa traduction des Elements hamomqnes d'Aristoxtoe, 
M. Ruelle eut communicaiion d'im de ces monuments, not6 m 81, 
contenaiit une copii' de ces Elements, riutiüduction niiisicale Ti Aly- 
pius et le Commentaire de Porphyre sur les HarnioiiKiues de Pto- 
Um€e. L'auteur ne croit plus devoir accorder une grande impor- 
tance aux variantes que pouvaient renfermer ces copies de Por- 
phyres et d'Aiypius, dont les teztes ne laissent d'aülenrs que peu 
desirer dans les öditions. Quant k la coUation du texte d'Ariatox^ne, 
eile n*a pas, il est vrai, foumi des fragments in^ts» nuds, par Ttm- 
portance et la multitude dea Tariantes, eile place le manuscrit dont 
nous d^plorons la perte au-dessns de tous exemplaires consult^ 
jus(|u' ici des lülcments bai'momques^ or ils bont aujouid'liui au 
noiiiljie de vingt. 

Le ms. de Strasbourg, not6 dans la nomenclature dressee par 
M. Euelle, lui a paru de nature k r6v61er une famille qui n'auraib 
eu encore aucun reprösentant, meme apr&s le travaU fait r^cemment 



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Harmonik: Ck£.BueUe. 



LXV 



en Allemasrne par M. Marquaxd äui' leg copieb de Yeuise, de Korne 
et de ilorence. 

Le tabieau des le<;ons fournies exclusivement par le manuscrit 
de StrasboTurg pr^sßnte les r6suitats saivanta. On y trouye 380 
Tariaates par rappoit k r^dition grecque -latane de Meibom, dont 
51 omiBsioDs; 44 de ces omissions et 250 le^oxis de diTerses aortes 
sont propres k ce manuscrit Plus de 100 legons nourelles, notam- 
ment 39 restitutions formant ensemble 54 mots, sont proposeus coinine 
devaiit preüdiü place (laus une Edition perfectioiin«^e des El^monts 
lianuunitiues. Le rappurt drs h;<;üiiü dfyh coinim-s ä cüUes qui ue 
figureut que dans ce manuscrit est de 1 : 5,5, celui des omissions 
commimes avec d'autres manuscnts aux omissions specialementnotöes 
dans ciBlui-ci est presque de 1 : 6,5. Cette proportiou concoiut arec 
les restitutions k Mre ressortirroriginalitä du manuscrit en question. 
Les transpositions s'y rencontrent une quarantaine de fois, et c'est le 
plus souvent pour offiir une meilleure constmction grammaticale. 

Api t's avoir 6tabli Toriginalit^ du manuscrit de Strasbourg sur 
cette consideratioii «jue les variaiitcs nouvelles et les restitutions 
de mots y sont nombreuses, M. Kuclie ariive sans peine ä Uemon- 
trer qu'il n'a pas de d^riv^s comius. En eft'et, aucun des manu- 
scrits d6j& ezamin^s ne peut ^tre une reproduction du ms. H, 
comme le prouvent surabondamment diverses omissipns plus ou 
moins ötendues, relev^es dans cet exemplaire k l'ezelusion de tout 
autre.^ 

La Dilation directe amsi ^cart6e, i1 reste k examiner les points de 

C(»in|iaiaisi)n et eu queki^ue sorte la paicnte (•iillatt''rale existants entre 
le ms. de Strasbourg et les ex('iii})Iair< s rtudi^s anterieurement. 
L'auteur a not^, dans ce manuscrit, le nouihre des le^ons et ceiui 
des omissions qui lui sont respectivement communes avec chacun des 
autres; et, de son double relev6, il tire cette deduction quo les 
manuscrits M (Saint-Marc XII* siöde), B-r (Barberin), Y (Yatican), 
R (Biccaidiam k ilorence) et S (Seiden k Oxford), qui sont les meÜ- 

*) Depuis cette communicatiün M. Kuelle charg^ d^une ndssion en Espagne, 

a exaniim! les qtiatres manuscrits d'Aiistoxcne consen'^s ä la biblintliAtiiio fle 
rEsourial et ct lui <ir la biblioth^^pif uationalf (\e Mndrid. II ji ivcouiiu que 
neu, tliiiir^ ( cjj cinq idpie^^, ne diminue rurigiiialite du luaiiuscrit de Stiaabourg. 
Aristoxenai, M«Uk u. Bhytbnuk. 0 



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Vorwort zu Arifitoxenus. 



leurs, conticnnent en meine temps lo pIns de variautes et d omis- 
sioiis roiuumiies nwv \v ms. H. Les luauuscrits Par. o, g (Biblio- 
theque nationale, anciea tbuds no. 2460 et Supplement no. 449) se 
placent ^galcment en premiöre ligne par la ir^quente comnnmautö 
des wiantes» tandis que par Celles des omissions üb n^ocenperaient 
qua les demiers rangs; mais il D*y a rien k conclure de ce dender 
faity einon que les mantiscrits Par. e, F. que g, pour le dire en pas- 
sant ont 4stA oubli^s comme tous les exemplaires fran^ais d'Aristoz^ne 
par la [)liüologie allemande, sont, en beaucoup d'endroits, plus com- 
plets que les auti'es inanuscrits. 

M. Buelle, en tenninant) aiinonce l'intention de mettre ä profit 
les rösultats dont le detail est expos^ dans le tableau dea Tariantesi 
et de donner une nouTelle Edition des Elements harmomqnes d*AriR- 
tox^ne, texte qui n*est pas (comme on pourrait le croire), d^nue de 
tont caractere litt^mire et qui sora rederable d*une s^rieuse am6- 
Üoiatioii au maiiuscrit de Sti*a.sl)ourg. 

Divei'ses obseiTations sont adress^es k Tauteur de cetfce com- 
mtmicatiön et discut^es contradictoirement avec lui, principalement 
par K. le yice-pr4sident 

Werth und Bedeutung des Strassburger Codex erhellt aus § 45 

der ersten •Harmonik, wo die drei Arten des musikaliscben Melos 

guiuuiut weiden. Mciboiu und Marquard lesen diese Stelle auf 
Grund der ihnen zu Gebote stebendcu Haudsciinlten 

lIpwTov (iev ouv xal irpcopotaTOV auToiw der^ov to diatovov . . .| 
Beotepov 8i to ;(pii>|iattxov, 

Tpftov %al avtoTatov to dvapi^oviov» TeXeoTau|) Y^P '^^'^^ 
xal fioXt? jjieT« iroXXoG icovoo ^ove^fCdtoti otiaOrjaic." 

Marquards Uebei*setzung lautet: „Für die erste nun und älteste 
ist die diatonische anzusetzen . . . , als zweite die chromatische, als 
dritte und höchste aber die enharmonische, denn zuletzt und mit 
grosser Anstrengung und Mflhe gewöhnt sich aii sie die sinnliche 
Wahrnehmung." — ^»Erste und älteste^' — ,,zweite" — ,|diitte und 
höchste" — : an diesen Attributen nimmt Marquard ebenso wenig 
wie Meibom Anstoss, und doch ist „dritte und höchf?te" nicht wohl 
zu verstehen. In welchem Sinne wird da.s i.tiiiaimoiuon „das 
höchste" der Tongeschlechter genannt? Der von Aristoxenus hin- 



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Harmonik: Oh. E. Kuelk. 



Lxvn 



zugesetzte GiUTid, „deim zuletzt und mit grossser Anstrengung und' 

31ühe gewöhnt man sich daian,'' erkläit den Auhdiuck „das höchste" 
nicht 

Es ist mir unvergesslich, wie lange ich mich vergebens abmühte, 
die richtige Lesart zu conjicii'en. Als ich dm ch die übergrosse Freuiid- 
Uchkeit des Herrn Raelle mit den Lesarten des Strassburger Codex 
bekaimt gemacht war, da war ein Goi^ciren unnlMihigf denn dort 
war überliefert: 

oeutepov ös xq )rpa>u.otTixov, 

Tpi'tov Ol xat vecoTaiov to iyap{i.oviov^ TeAeuxai'({> auTtp . . . 

Es kann freilich kein Zweifel sein, dass diese Lesart der Strass- 
burger Handschrift die richtige ist. Alle übrigen fliessen aus einem 

Codex, dessen Lihrarius das überlieferte 

xal veftttaiov 
xat av<i>TaTov 

▼erschrieben hatte. Ohne den Stnissburger Codex würde dieser 
Schi-eibfühiiT den Text dos Arist(j\i'i)us iort und fort entstellen. 
Herr Buello hat sicii zwar in st incr Uebei sotziinc^ an dieser Stelle 
noch nach dem Meibom'schen Texte gerichtet, seine mir schiiltiich 
mitgetheilten Bemerkungen enthaltoii bereits die Notiz, dass hier die 
Lesart des Strassburger Codex die einzig richtige ist. Zunächst kann 
ich nicht umhin, die alten richtigen Lesarten der Strassburger Hand- 
schriften mir in Ähnlicher Weise m denkeyi, wie die an den Band 
des alten Marcianus zu den Lesarten des Zosimns durch die dritte 
Hand (Mc.) hinzugefügten. Ich erwaile die weiteren Mittheilungen 
dos H< riu Huelle, der mir dui( h Herrn Ambr. Abel zugesagt hat, 
mich vor dem Ersrlicincn d»'s ^griechischen Textes mit allen weiteren 
J^^otizen über die Beschati'enheit der verbraimten Handschrilt, soviel 
er deren au^ezeichnet oder in der Erinnerung belialten liat, 
gütigst zu Tersehen. Von diesen mnss ich es abhängig machen, 
in wie weit ich dem Codex A eine ähnliche Entstehung wie Mc, B, B 
anweisen solL 

Von den Gelehrten Deutschlands hat sich am meisten um das 

vorliegende Buch Professor Oskai* Paul in Leipzig, der be wählte 



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Lxvm 



Vorwort zu Arietoseuus. 



Freund seit dem Jahre 1866, verdient gemacht Ohne seine frennd- 
liclip Vermittc'luiit; bei der Firinu Aitiiir. Abel, die er mii" nai Ii 
ILo.^kau hi?i zu Tlioil ^v('^»lt ii lit ss. würde das Buch noch uugedruckt 
sein: es machte seit einer iieilie von Jalu*en sciion die verschie- 
densten Anstrengungen aus der Handschrift in den J^atz zu gelangen : 
immer vergeblich, bis endlich durch Freund Faul die beiden Chefe 
der Abel'schen Bnchhandlung sich in wahrhaft uneigennütziger Weise 
bereit finden Hessen, dem Aristoxenns ein Opfer zu bringen. Mögen 
sie das Opfer nicht zu bereuen haben! 

Ausserdem habe ich Herrn Professor Paul auch den Nachweis 
der l.itciiiisi hcü Version zu danken, welche Antonius Gou imuus 
1542 von der Aristoxrnisclien Harmonik nach einer verlorenen 
Handschrift im Drucke hat erscheinen lassen. Diese Uebersetzung, 
welche Marquard „bisher nirgends hatte auftreiben" können, war, wi<* 
ich durch Faul belehrt wurde, auf der Leipziger Bathsbibliotbek 
vorhanden. 

Noch viel höher habe ich es anzuschlagen, dass ich durch den 
freundschaftlichen Verkehr mit Oskar Faul verhindert wurde, das 

grosse Frapiiu'iit zu übersehen, Websites aus der dem Prooimion fol- 
genden Ausführung der siebentli' iligcn Aristoxeniscli(Mi Harmonik 
bei Roetius erhalten ist. Es ist für tlen Zu^^ammeuhang der Aristo- 
xemschen Litteratur von grosser Wichtigkeit. Denn in demjenigen, 
was uns handschriftlich als Aristoxenische Harmonik überhefert ist, 
findet sich zwar eine ideelle Theilung des Ganztones in Ogdoemoria 
und Dodekatemoria, in Achtel und Zwölftel des Ganztones. Aristides 
aber redet von einer ideellen Theilung in Tierundzwanzigstel des 
Ganztones, in Sechszigstel des Quaiten-Intervalles. Durch Boetius 
wird in Ueberiinstimmuiig mit rtolriuäus und Porpliyrius diese llin- 
theilung dem Aristoxenus zugest lu-ieben, und zwar in einer viel 
eingehenderen Darstellung als bei Ptolomäus und Porphyrius. In 
dem Aristoxenischen l'ragmeute bei Koetius erscheint auch der Ter- 
minus techiiicus „apyknos'', welcher ebenfalls bei den späteren Musikern 
gebräuchlich ist In der ersten und der zweiten Harmonik (der achtsebn- 
theiligen) findet sich nicht die leiseste Spur von der Eintheilung in 
Vierundzwanzigstel, dem Terminus „apyknoti" begegnen wir ein ein- 
ziges 3Ial im Abschn. XU der ersten iiurinonik (im I. Probltiu): 
es ist das iu einer Stelle, von der ich S. 2bö sagen musste, sie sei 



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Vorwort za Aristoxeaua. 



LXIX 



nicht eine genuine Aristoxeuist he Partie, soiukrn eine bewusste Ver- 
kürzuiif? und Umänderung von Sciteiulf^b^en, wck li« r den Stammcodex 
der aut' uns gekommenen Handschriften äugele rtigt habe. 

Ich muss dies folgendermaassen auffassen : da Anstoxenus in den 
achtsEehntheiligen DarsteUungen der Hamonik lediglich nach enhar- 
momschen Biesen rechneti bo können Boetius, Ptolemäus, Porphy- 
rins die ihnen yorliegende Aristoxenische Rechnung nach Vierond- 
zwanzigsteln des Ganztones nnr aus der Biebentheiligen Harmonik, 
und zwar aub dem ersten die Gene behandelnden Meros entlehnt 
haben. 

In der vortrefflichen Sclirift „Die Harmonik des Aristoxe- 
nianers Kleonides vom Oberlehrer Dr. Karl von Jan", durch welche 
der geehrte Verfasser zum ersten Male eine genaue Einsicht in das 
gegenseitige Veriiftltniss der späteren Aristozenianer anbahnt, sagt der 
Yerfasser: „Die kleineren Intervalle niisst Aristoxenus nach Zwdlfliel- 
tönen* Doch Iftsst sich das Intervall im Ohroma hemiolion nicht 
aof eine ganze Zahl von Zwölfteln rednciren, xmd es schdnt darum 
ganz richtig, wenn Ariütidcs 2ü, 22 und Porphyr. 311 den ganzen 
Ton in 24 Theile zerlegt « 

Bis eiuselilie8slieh des Beispieles vom Chroma hemioüon kommt 
die Ausführung des Hen*n Karl von Jan schon bei IJoetius vor. Aus 
diesem er£EÜiren wir zugleich, dass nicht zuerst Aristides» sondern 
AristoxenuB den Ganzton in 24 Theile zerlegt hat 

Von den Ausdrücken „apyknos, barypyknos, mesopyknos, 
oxypyknos" heisst es in demselben Programme: „Es ist leicht 
möglich, dass diese Terminologie von Kleonides eingeftlhrt ist** 
In (It r vorliegenden Aristoxenus- Ausgabe S. KJS s;igte ich: „Dem 
Aristides und (iciiosscir' sind dw kur/orvu Termini durchweg ^'c- 
läulig, mithin müssen v^dr dieselht Im- eine von Aristoxenus erst 
in der siebentheiligen Harmonik autgebrachte Terminologie erklären. 
Der ganze Znsammenhang meiner Darstellung der stebentheUigen 
Harmonik wird die Bedeutung des sonst freilich viel zu hrachyo- 
logischen ^^mithin** nicht unklar lassen. Der ebenfalls nur der Ettrze 
wegtn gehrauchte Ausdruck „Aristides und Genossen**, den dasselbe 
Programm von m einer früher 1863. 1867 herausgrgi honen griech. 
Harmonik her mit vollem Hechte getadelt liat, soll wie aus dem 
neuen Buche ei'sichtiich ist, nichts als die kürzeste Bezeichnung 



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LXX 



VorwQit so Aiistoxentw. 



deijeiijgen griech. Mndker der Eaisexzeit sem, welcbei wenn auch 
nur sporadisch, AmtozeniBches entihalten. Euir gemeinsame Kate- 
gorie bilden die Genossen des Aristides insofern, als sie auf ilie 
siebentlu'ilige Haniionik die Aristoxcnus zurückgehen, v^l. S. 444. 445. 
In Moskau konnte icli das gegen mich geiichtetc, aber tiii' mich so 
ausserordentlich khrroicho Programm Karl von Jan's l"Ür die Ausar- 
beitung meines Buches noch nicht benutzen: sonst würde ich mich, um 
jene £ategohe der Musiker zu bezeichnen, eines behutsameren Aus- ' 
dmcks bedient haben. Dass Aristides ein Auazug aus Aiistoxenus 
sei oder auch nur Torzngsweise die Aristozenische Doctrin vortrage, 
ist ja schon lange nicht mehr meine Ansicht und wohl auch im 
Jahre nicht gewesen. Dass den verschiedenen Quellen dieser 

späteren Musiker sorgfältig nachzuspüren ist, und dass, so lange 
dies nicht geschehen, auch die Aristoxenus- Frage nicht endgültig 
entschieden werden kann, dies ist auch meine feste Ueberzengung. 
Die Untersuchung nach den Quellen jener Musiker kann aber nur auf 
dem Wege geftihrt werden, welchen tou Jan in seiner mustergfil* 
tigen Arbeit über B^eonides eingeschlagen hat Dem Qaoge meiner 
Studien musste es angemessener sein, zuerst die Frage nach der 
Aechtheit der harmonischen Bücher des Aristoxenus einer strengen 
Prüfung aus dem Zusammenhange dieser Fragmente zu unterwerfen; 
bezüglich des Zusammenhanges zwisilicn Aristuxeiius und den 
Aristoxenianern, deren jeder mehr oder weniger auch fremde 
Elemente neben Aristoxenus angenommen hat, bin ich zunächst der 
Ansicht, dass diese Mischung von Ahstoxenischem und Fremden 
schon in einer gemeinsamen Quelle vorgenommen war (der Arbeit eines * 
Aristozenianers), welche unseren Musikern der Eaiserzeit zu Grunde 
liegt. Der giiechische Text des Aristoxenus, welcher in demselben 
Verlage des Herrn Ambr. Abel unter dem 'IHtel erscheinen wii-d: 
Aristoxeni Tarentiiii de re musica qnae supersunt ad üdem co- 
dicum msc. cum alionim tum Argentoratensis et Parisiensium 
coilatoruin per C. Ae. Buelle (lenolevensem bibliotkecarium 
composuit ac reccnsuit R. Wes^hal, 
stellt die Parallel -Stellen zu den Aristoxenischen Harmoniken zu- 
sammen und giebt im kritischen Commentare einige eingehende, 
wenn auch keineswegs abschliessende Erörterungen über das Ver- 
bmtniss zwischen Aristoxenus und den Aristoxenianern. Ich ho£fe 



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Vorwort m Ahstozeniu. 



LXXI 



(lass Hon* von Jan mit jenen Erörterungen sich mehr in Ueberein- 
btimmimu befinden wird als mit meiner griechischen Harmonik der 
Jahre 1863. 1867. 

Eben daselbst werden sich auch aus GeTaerts grossem Werke 
(vgl. S. 432) die Ergebnisse f&r den Aristoxenischen Text verwerthet 

finden, was für die vorliegende dcutsclic Uebersetzung und Erklä- 
rung nicht mehr möglich war; nicht minder auch die neue Ausgabe 
des Aristides von Albert Jalm. 

Indem ich nochmals dem Freunde Oskar Paul ftlr das Aii- 
stoxeuische Fragment aus Boetius meinen Dank sage, muss ich 
auch noch Herrn Professor Heinrich Bellermann in Berlin meinen 
Dank aussprechen. Derselbe hatte die grosse Freundlichkeit, an 
die Firma Ambr. Abel för meinen Gebrauch em Exemplar der Mei- 
bomschen jMusiker aus dem Nachlasse seines Vaters Friedrich Belk r- 
niann, in welchem dieser zum Aiihtoxenus-Tcxtc M« ili(>ms die \ a- 
rianten der beiden auf der Leipziger ßathsbibliotliek aufbewahrten 
Aristoxenus-Handschrifton eingetragen hatte, zu übersenden. 

Meinem alten Marburger Studiengenosse aus dem Jahre 1849 
Herrn Dr. Berkenbusch,- gegenwärtig Oberlehrer der Mathematik am 
Gymnasium zu Bückeburg, habe ich tSa die Gefälligkeit zu danken, 
dass er auf meine Bitte die von Aristoxenus gegebenen Grössen- 
Bestiramungen der iiiteivalle in Logaritlimcn-Ausdrücke umgeformt 
und hierdurch eine genaue Vergleichung der Aristoxenischen Zahlen- 
angaben mit denen des Archytas, Eratosthenes, Didymus, Ptolemäus 
ermöglicht hat 

Der Freundlichkeit des Herrn Professor Moritz Schmidt in 
Jena, der ich schon so vieles zu danken hatte, verdanke ich auch 

eme handschriftliche deutsche Uebersetzung, die derselbe von der 
Khythmik des Aristoxeims in dem Ende der sechziger Jahre gemacht 
hatte. Sie war mir von grosser Wichtigkeit 

Wie h&tte ich in den letzten Jahren ohne 6. Sokolowsky's uner- 
müdete, fast flberwachende Theilnahme, welche thats&cUich eme 
Mitarbeiterschaffc am Aristoxenus war, die Arbeit zu Ende bringen 

sollen, für die sich je näher sie dem Schluss zuging um so mehr neue 
Gesichtspunkte einstellten: die Chronui podikoi und tlic ('hronui 
Bhythmopoüas idioi, — die Aiistoxenische Lehre von der stets die 



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LXXU 



Vorwort zu Aristoxeniis. 



Hälfte der Länge betragenden Kürze nach der Art des Bach'schen 
D-Dur-Präludiums im zweiten Theile des \\ olilt, Clav.. — die Unter- 
scheidung von prakti'^ch beim Taktiren aubgelülirteii und bloss theo- 
retischen Takten, dann aus der Aristoxenischen Harmomk die Ver- 
schiebung eines Blattes der bandsdiriftlichen Ueljerlieferung, — die 
Aiistoxemsche Sonderung von Eingangs •Abadmitten («px^t) und 
Stoicheia. So Gott will, werde ich keine der f&r die AristoxeDischen 
Schriften sich aufdrängenden Fragen tinbeachtet gelassen haben. 

SoUte dies geschehen sein oder trotz aller meiner Vorsicht ein 
Versehen .sluttgulunden haben, so wird der rücksichtsvolle Beur- 
theiler in der Sclnvierigkeit des Unterueliinens eine freundliche J^nt- 
schiililigung linden. Denn trotz der langen dreissigjährigen Arbeits- 
zeity wel( lie ich auf Aristoxenus verwenden durfte (das letzte Drittel 
d(>rseli)( ri konnte ich Dank meinem Aufenthalt in Russland fast aus- 
' schliesslich ihm widmen), war doch die zwei£M>he Angabe schwer 
genug zu lösen. Erstens die Wiederherstellung der Aristoxenischen 
Bhythmik, von der der grosse Gottfried Hemnaun sagte: sie sei 
nicht anders als durch eine glückliche Auffindung der YoUstandigen 
iVristoxenischen Schiift /u eriiiögli< hen. wenigstens eine Wiederher- 
stellung bis zu dem Grade, dass bie nicht nur die Vorsitication der 
griechischen Dichter zur zweifellosen iüai'heit bringt, sondern auch 
iur die musikalische Ehythmik der christlich modernen Meister 
die unverrückbaren Normen erschliesst. 

Zweitens: Aus den Trfimmem der harmonischen Literatur 
des Aristoxenus, in welchen der letzte Herausgeber nichts als einen 
wfisten Byzantinischen Schutthaufen erblicken zu dürfen yermeinte, 
die Fundamente von drei Aristoxenischen Bauwerken wieder auf- 
/uiiiiden und in soweit herzustellen, dass nicht bloss Alles, was uns 
indirekt ans Aristoxenus übcrkouiuien ist, in diesen drei Gebäuden 
seinen richtigen i*iatz lindet, sondern dass wir an dem, was uns von 
genuinen Werken des Aristoxenus verbhcbcu ist, ebenso sehr unsere 
ToUe üVeude zu haben im Staude sind, wie an anderen Denkmälern 
des griechischen Alterthumes. 

Moskau und Leipzig 1862. 

H. Westpkal. 



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Inhalts-Verzeiclmiss. 

ARIÖTOXENÜS THEOEIE DES RHYTHMUS. 

Seit« 

Ava dem ersten Bache der ibjtbiiiiaeheii Elemente 3 

AoB dem zweiten Buche der rhythmischen Elemente 5 

T. Zfif^M-.'isseii (los "RliytliTims und des ^bythmiiomenoa 5 

II, 1. Taktiehrc im Allpmeinon 20 

II, 2. Taktarten und Taktgrösaeu 35 

n, 8. DiaiiedB der Takte 78 

4. Die Taktuntersehiede nach dem Schema 118 

n, 5. Irrationale Takte 161 

n, 6. Einfache und zuaammengeeetste Takle 167 

7. Antithesifl der T^cttheile 157 ' 

HL Tempo 159 

IV. Rhythnuuwechflel 160 

V. Rhytiunopoeie 161 

AKISTOXENUS THEOBIE DES MELOS. 

Die drei Schriften (fber da« Uekw 186 

Die verschiedenen DarsteUnngen der Hannoaiker als Aristoie- 

ni-«'ho Vorlesungen 178 

Lücke lind ^■e^lt'gt('i* Blatt in der baiidscUiiftlicheu Ueberlieterung. 

Die Citatc „td h d^^yj^^' und „oroixeia" 179 

A. £rste Harmonik des Arist4)xeniu. 

Die Verdät litigung^ d^s Buches al» eines Byzantiiii.-^* Ii. n Falsifikate» 189 
Die angebliche Kntätehung des Prooimion aus der Conglutination 

zweier Aristoxenischcr Schriften 195 

Zusainnienbaiig der ersttm iiurmouik des Aristoxeuuii mit andern 

Schriften deeeelben 197 

a. Erster üaupttheii: Eingauge-Abschnitte. 

Prooimion 203 

I. Die topische Bewegung tler Stimme, Singen und Sagen . . . 2\M 

II. Aufsteigen, Absteigen, Höhe, Tiefe, Tonstufe 227 

m. lat die grOaste und kleinate EDtfemnng awischea Hohem and 

H^m dne onbegrenite oder eine begienate? ..... 280 
IV. Definition von Ton, Intervall, System; vorliafige Eänfbeilnng der 

Intervalle and Systeme 288 



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LXXIV Inhalta-Verzeichniss. 

V. Dag rou8ikalif)ch<' Meloe im Allgemeinen 239 

VI. Dif drei Arten des musikaliaclifii Melo.s (ilie drei Tou^eschlcclittM-i 241 

VII. Die symphoniachen Intervalle 242 

VIH. Der fiftnzton Und «eine Tbcile 245 

IX. Die Untcrachiode der Toiip^esclileehter 246 

X. Die Intcrvalleu-Folge auf der Scala im Allgemeinen 263 



b. Zweiter Haupttheil: Ilarmonischo Stoicheia. 

XI. Die mizusammengesetzten Intervalle 266 

XII. Die emineligelx n Zu.-?;uniiieii?-t'tzuiigen der eiafaclioii Intervalle ■ 266 



B. Zweite Harmonik des Aristoxenns. 

a. Erster Haupttheil: Eingangsabseliiiitte. 

VI. Die drei Arten des inusikitliachen Melos . . . . . , , . lilü 

Vll. Die sym])lioniseheii Intcrvitlle 273 

VIII. Der (lAnT.tQu uud fleinc Tlicile 275 

XI. Der Unterschied der Tongeschlechter 275 

X. Ueber die cmmeligche Intervaileufolge auf der Scala im AUgcm. 284 

b. Zweiter Haupttheil: Harmonische Stoicheia. 

XI. Die unzuBammcngeaofzten Intervalle 285 

XII. Die emmelischen Zusaniinen.setzungen der einziehen Intervalle 298 

XIII. Die Systeme 345 

XrV. Die gemischten und ungemischten Tonpeaehlechtcr 384 

XV. Die Seala-Kliinp- 414 

XVI. Die verscliirdeneii Stimm-KlaKHPii . . , . , . , , 415 

XVTI. Die Trans) »ositions-Sculen .... 420 

XVIII. Die Metabole 431 

Naukselirift zur zweiten Harmonik: Abacbu. X III- XIV. 

C. Siebentheillge Harmonik des Arlstoxenus. 

Proiiiniioii 4:^S 

I. Die drei Klanggeschlechter 464 



ARTSTOXRNIIS SY\fPOSTON ODER VERMISCHTE 

TTSf! RHEDEN. 

I. Gegensatz der alten und neuen Musik 478 

II. neunts?ite Kiiifaclilieit der alten Meister 475 

TU. yy'm Knliannonik . . . . . . . . . . , , , . , 478 

IV. Erlangung des musikali-^chen Kunsttirtlu'il« 481 

V. Khythnii.-'Che N<;uerungen der archaisciien Zeit 484 

VI. TTt'ber die rli ytlnnisclie Priniär/cit .... 4^5 

Die harmoniachcn Gnintlsät»; der Melodie- Begleitung nach Aristo - 

tole« und Ari.«tto3conns , , , . . , , , , : : , 481 



AKISTOXENUS 



THEORIE LiE^> liHYTHMUS. 



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KHYTHMISCHE ELEMENTE. 

Wir müssen, was uns von dieser werthvollsten Schrift der gesammtcn 
Aristoxeuischen Litteratur geblieben ist, ein « in der werth vollsten und edelsten 
Kleinode der antiken Propa-T.ittt'iatur übci-haupt, aus dem in den Handschriften 
der Musiker erhaltenen Bruchstücke derselben, ferner aus den w örtlichen Kxcerp- 
ten, welche aus ihr der Byzantiner Michael PscUus zu seinen Prolegomena der 
rhythmischen Doctrin. verkürzend und mit prineiploser Umstclliuig der Aristo- 
xenischcn Sätze, zusanunengestellt hat, und endlicli aus einem Citatc, welches 
die harmonischen Elemente des Aristoxenus aus den rhythmischen antühren, 
wieder zusammensetzen. Manches aus den rhythmiacheu Elementen des Aristo* 
xenns ist mittelbar (ans der Schrift emes umasbeiteiidaa Aristoze&eers) in das 
Werk fiber die M udk Ton Arisüdea QniirtiHamMi und in die yoa YinceDfe 
diienflichten Pariwr Fragmente flbergegangea Ehüges Iseanen wir auch ans 
der von P<apbyriii8 ad Ftalem. citirten Schrift des unter Hadrian lebenden 
Musiker Dionysius von HaHksmas «cpl 6|A0to-H^t<ir» „Aber Analogieen in der 
Musik." 

Soviel auch von der ßhythmik des Anstozenus verloren gegangen ist, den 
die Taktlehre behandelnden Abschnitt, für uns den wichtigsten des ganzen 
Werkes, k(Snneh wir mit annähernder Sicherheit wieder herstellen. 



AUS DEM EKSTM BÜGRE DER EHYTHMISOHEN ELEMENTE. 

Auch ohne die Mittheilong D<nii*8 (vgl. oben p. XIV) , dass zu seiner Zeit 

der Cod. Vaticanus von den oroiy eia ^•jöp.txd noch drei Bücher enthalten habe, 
würden \^*ir wissen, dass das jetzt darin enthaltene nicht der Anfang der 
Schrift sein kann, sondern der Anfang etwa nur des zweiten Buches. Aus § 1. 
2. 6. 7. desselben geht hervor, dass eine Darstellung über den Khythuuiß im 
Allgi ineiuen als erstes Bueh vurausgegangeu sein muss. Aug den Aristo- 
xenisehen Excerpten bei Pbeüuä liisst sich mit Sicherheit dem ersten Buche 
zuweisen: 



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4 



AriNtoxouus rhythmische Elemente. 



PmU. Fvf • 

Ton den Rhythmizomena ist ein jedes ein derartiges, dass es 
weder continnirlich in Bewegung, noch continuirlich in Stätigkeit 
ist,' sondern das eine uiid das audore abwechselnd. 

Der Stätigkeit gehört das orchestischc Schema, der Ton und 
die Sylbe der melischen Poesie an, denn nichts von diesen dreien 
kann wahrgenommen werden, ohne dass eine Stätigkeit vorhanden wäre. 

Der Bewegung dagegen gehört der Uebergang von einem 
orchestisohen Schema zum anderen, Ton einem Tone zum anderen. 
Ton einer Sylbe zur anderen an. 

Die von dem Stetigen ausgeixten Zeiten sind die wahrnehm- 
baren; die von der Bewegung ausgefüllten die nicht wahrnehm- 
baren Zeiten: nicht wahrnehmbar wegen ihrer Kleinheit, indem sie 
die Grenzen der von den «tätigen Klemeuten ausgefüllten Zeilen sind. 

Zu beachten ist auch dies, da.s8 jedes der rhytiiniischeii Systeme 
. nicht in gleichartiger Weise aus den der Quantität nach wahrnehm- 
baren und nicht wahrnehmbaren Zeiten zusammengesetzt ist. Viel- 
mehr bilden die der Quantität nach wahrnehmbaren Zeiten die Be- 
standtheile d^ Sjstemes, die quantitativ nicht wahrnehmbaren 
bilden die Grenzen der quantitativ wahrnehmbaren. 

Von don drei Rhythmizomena ist zwar auch im Aui'atige de« zweiten Buches 
die licde, § 3 — 9, jedoch in einer Weise. woK he Hentlich zoi^t. dass auch schon 
,,£v ToT; e|ji-oosfteN", d. h. im fr.strn liuLhr <l!ivt)u gehandelt öi'in rnusa. Ohuf- 
hin ersehen wir aus der kurzeu ivecapitulation des im ersten Buch« gesagten, 
das« „iv posdcN etpT,|Aivov, xl o(k&v kfdax^ IntAunai", was das Substrat 

einer jeden der Arten des Rhythmus sei, d. i. die drei Rhythmivwiena. 

Ans dem Frg. 6 VatSL ergiebt rieh, dasa Aristoxenus die PanM ab Stell- 
yertieter der Töne and der Sjlben xa den integrixenden Beslsndtheilen des 
BhjthmiiB lechnet; denn btoue p.«taßdMt« von einem Tone sn einem andecen 
Tone, TOD einer Sjlbe znr andern Sylbe sind die Pansen nicht, da die (wt«- 
^dscK als dtT^wTOt (id o(xtxp6Tr|Ta x^ir^t definirt werden. Wo in der Musik 
keine die y^i^-qxßn ^*>(^p.tCo(»i>*a)v vertrrtcudeu Pausen, sondern blosse [n-a'iionz 
vorkommen, z. 6. zwischen Anakrusis und dem folgenden Hcliweren Takttheile, 
n. s. w., da sind das unendlich kleine Grensen mid dürfen daher nicht als 
^|)dvoi Tvcujiifjioi gi'hört worden. 

Auch Pscll. Frg. 1 kann aus di'-m ersten ]^ui h«- entlehnt sein. Da aher 
dif^f « vnii der Sylbendauer handehiile Kragmoiit uns die nicht überlieferte 
Aristoxuniöche Darstellung des Taktsdieinft rccnnstniiren helfen niuss, so be- 
handeln wir dasselbe weiter unten im Zusamuienhange der l'aktlehre. 



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L ZeLligröflMii dee 'Bby thmns imd des BhjthmiaoaMiMnii 5 



ZWEITES BÜCH DER KHYTHMISCHEN ELEMENTE. 



L 

ZEUGBUEäSEN DES KEYTHMUS UND DES BHXTEMIZOmNON. 

Büokbllok auf das enie Badh. 

§ 1. Dass es iin'hrere Arten des Rhythmus gieht, ferner die 
Merkmale eines jeden, sowie die Gründe, wesshalb man sie zusam- 
men unter demselben Namen begreift, endlich die Substrate eiaes 
jeden, das alles ist im Vorausgehenden behandelt worden. Nunmehr 
haben wir ausschHessHch über den Bhytfamns sni reden, welcher in 
der Musik seine Stelle hat 

An« dem eisten Baehe der Aristoxeniseheik BhydunilL, auf welebes Uer 
reeurrirt wird, ist aller Wahischeiiiliclikeit nach enüehnt, was Aristides Quiii- 
tüisD Aber die Musik I pu 31 Meib. besOglieh des BhjÜhmiiB im Allgemeinen 
beriditet: „Bhjthmns wird in einer dreifachen Bedentnng gebraucht: 

1. im fibertragenen Sinne bei unbewegten Kdrpern, wenn wir 
X. B. yon einer enrhyth mischen Statue reden; 

2. bei allen in einer Bewegung zur Erscheinung kommenden, 
a B. wenn wir sagen, das.s Jemand eurbythmisch gehe; 

3. im engsten Sinne hei der Stimme (der Singstimme wie der 
IiKs tr tun cntalstimme), und hiervon zureden, das ist jetzt unsere 
Aufgabe.' 

Vom Rhythmus in der eiVHteii und zweiten Bedeutung inuss Aristoxeuua iu 
»einem ersten Buehe gehandelt haheui den Kh^'thmus iu der driUen Ikdeutuug 
soll das zweite Buch erörtern (,>vüv o* ^|aiv itepl a^toO Xextiov to& iv (Jiouotx^ 

Vgl. meine Elemente de& musikalischen Rhythmua 1872, § L „Ist eine 
unserem Sinne wshmehmbare Bewegung eine demtige, dsss die Zdt, welebo 
yon derselben ausgefüllt wird, nach irgend einer bestimmten erkennbaren Ord- 
nnqg sich in einselne kleinere Abschnitte serl^, so nennen wir das einen 
Bhjtlunus. Es rOhrt diese Definition des Bhytbmas von dem griecbisdien 
Musiker Aristosenns her und ist trots ihrer Ansprudislofligkeit sUen dmn- 
jenigen vorsnsiehen, was moderne Konsttbeoretiker und Aestbetiker als allge- 
meine Erkllmng des BegrifRas Sliythmus aufgestellt haben. 

„Von den in der Natur wahrnehmbaren Bew^uagen'* (su der ersten 
Kategorie des Aristoxenns gebOrend) „werden wir z. B. die des Sturmwindes, 
die des rauschenden Wassers nicht eine rhythmische Bewegung nennen 
können: denn wenn hei dipson Bewop^unpen sich auch gewisse Abschnitte oder 
wenn wir wollen Einschnitte bemerken lassen, so sind doch diese nicht der 



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6 



Ahstoxcuus rb/thmische Elemente § 1. 



Art| daas sie dwOefilhl einer geordneten Bewegung in uns erwecken. D»> 
gegen wird die Bewegung dee TropfenlUlee ^e tlijtiuDiMilie beisMn dfbrfen: 
denn die dadwch am^eiltllte Zeit wird bei den Intervallen der anfeinander 
folgenden Tropfen in nahem gleichmässige Abschnitte zertbeilt Ebenao wird 
die Bew^ng des achwingenden Pendebi dea Rüfschlages (x(vi}gi; tAv dprr,- 
piwv Aristid. de raus. II. p. 98 Meib.) aus demselben Grunde eine rhythmische 
sein. (Cicero de orat. 3 § 186 sagt vom Rhythmus: ,,In cadentibus guttis 
quod intervallis distiiifninntur, notarc possnmus, in amni praecipitanti non 
possumuä*' „Beim Tropfcnfalle, weil sicli hier die Zwi?« hfuräuino unterecheiden 
lassen, können wir den Bhythmus bemerken, bei dem Kauscheu des Stromes 
köuucn wir es nicht" 

„En iHt für den Rhy+limus wesentlich, (hu^s diu aufs iaander folgenden Grenz- 
scheiden der eiiizcbien Zeitabsehiiitte nicht bo weit au^jcinauder liegen, daas 
wir nicht anders als vermöge einer gewissen Beflexiun ihrer Zusammengehörig- 
keit nna bewnsst werden. Die Zeit dea Tages aerftllt durch die bSibaren 
Glockenachläge der nnmnuhr in geovdnete Abeefanitte von gleidier Zeitdauer, 
aber ea ist nna nnmtlgUcb, tm unniittelbareB BewnaatMin von der Gleichheit 
dieaer Zeitüieae dnreb nnaer die dnaelnen Stnndenangaben vemebmendea Ohr 
an erhalten. Noch weniger werden wir die gleichmiaaige Eindieilong in Tage 
nnd Nttchte, ao «npfindUch dieaelbe aich auch miaeren Sinnen «nfdrlngti äne 
rhythmische nennen können." 

„Die Sinne, weMie zur Wahrnehmung des in der \attir vorhandenen 
Rhythmus dienen, sind der Ge^^ichtB-, der Gehör- und der Tastsinn. 
* Der Tastsinn vermittelt uns die Gleichmässigkeit des Pnlaachlagea. 

Das ('ehör die Gleichm;i««iL'lieit des Tropfenfalles. 

Ohr und Auge zusammen die rhythmische Bewegung den Pendels. 

Es sind dieselben Sinne, durch welche (iberhaujit eine Beweinmg sich ver- 
nehmen liisst bie sind es auch, durch weiche uns ilcr He^ritV des (Jeordne- 
ten und Gesetzmässigen , des Maasses vermittelt wird und die deshalb in der 
modernen Physiologie als die messenden äinne vor den übrigen ausgezeicb- 
net werden." 

Der Rhythmus der Musik wird uns nur durch zwei tler messenden Sinne, 
das Gesicht und das Gehdr vermittelt. 

Scbmi Ariatoxenna aeheint In adaem ersten Buche diese VeriDitlelvng des 
^jthmna dnrcfa die drei messenden Sinne bespmehoi an haboif wenn anders, 
wie ea doch mehr ab wahrscfaeudich ist, ana Aristozenna geschapH ist waa 
Aiiatidea QnJntilian an derselben Stelle Überliefert: 

,,Jeder BhjthmoB (der Bhjthmos in der zweiten und der dritten der vor- 
her angegebenen Bedentangen) wird durdi dieae drei Sinne erfasst: 

den Gesichtssinn bei der Orchestik, 

den Gtehdrstnn beim Melos, 

den Tastsinn bei den SchlXgen der Adern. 

Der Bhythmua der Musik aber wird durch swei Sinne vemittett, den Oe^ 



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I. Zeitgrö88eD dea Bhythmus und des Bhythmizoiueiioa. 7 



«jchtwiinn und den GMiMiid (dnreh diB Ac^e die Orchestik, dnidi das Obr 
das Melos und die Poerie)'*. Ifnaik «jid fei» a]so in änem w^town Sinne als 
gewOlmlich bei uns gebraucht, es wird ansBer'Tcaknnsti der Musik im engeren 
Sinne, aneh die Dichükiinsfe ond die Tandcnnst dänmter begriffen, die dxei 
mnriflchen Kflnste der Oriedieni die den drd apetelestisdieu Künsten: Aiddr 
tektur, Plastik md Malerei enljgegengeBeftst sbid. Grieoh. Bhjlk und Ham. 
1867 § 1. 

Aristides t^hrt weiter fort: 

Rhythiniöirt wird in der Musik, d. i. iu den drei musischen 
Künsten die orthestische Körper-Be we pnng, das Melos und der 
Worttcxt. (Das sind die drei Rh vthmizomena Ariötox. Rh. El 
§ 9). Ein jedes Rhy tiiuiizumeaon kommt entweder für sich allein 
zur Auächauuug oder zugleich mit den beiden andern, speziell 
mit nvr einem der beiden oder mit beiden zugleich. 

Das Meies bloss ffir sich allein in den Tonleitern and rkyth* 
mnslosen Melodien, 
bloss mit dem Bhythmns (aber ohne Worttezt) in den Instru- 
mentalsitzen nnd Instrnmental-Kola, 
bloss mit Worttezt (aber ohne Rhythmus) in den sogenann- 
ten xe';^u|Aiva ^0|AaTa: 
der Rhythmus bloss fttr sich allein in dem blossen Tanie (ohne 
Musik and ohne Text), 
der Rhythmus mit dem Melos (aber ohne Worttezt) in den 
Kola, 

der Rhythmus mit blossem Worfrextp in den Gedichten mit 
fingirter Action, wie denen des Sotades und ähnlichen. 
Wie derWürttfxt mit einem jeden von beiden, dem Melos und 
dem Rhvtliinus zur Erscheinung kommt, ist in dem vori- 
gen ungegeben. 

Alle drei Bhytbmizomena vereint, ergeben die vollständige 
Ode (S.B. die Ode Pindars, bei welcher der poetische Tezt 
sttgleich gesungen and orchestisch dargestellt wird). 
Den Worten «,xal t( oAtS^ ixdoc^ hrnSnunn** | 1 zufolge hat Aristozearas 
von den Bl^thmizomena «ndi schon lib. I gesprochen. Dass die Axistideisehe 
Darstellung TOn der Ctembinirong oder ÜBolimng der drei fihytiiniiaomeDa sdion 
bei Aristozenus vorkam und daher entlehnt is^ wird um so mehr waliiachein- 
lich als auch schon die Poetik des Aristoteles mit jener „Combinimng Ou|mY' 
jiivo»;)" oder „Isolinmg (-^eopi;)" der Lexis und des Melos beginnt 

Hiemach (nach Aristides nnd Aristoteles) lassen sich fftr die mosisofae 
Kunst der Alten fulgende Kunstsweige unterscheiden: 
A. Ohne Orchcstik. 

1. Vocal-Musik: Gesungeue Poesie mit Instrumentalbegleitong (Xi^i« und 

2. Becitations-Poetiie : (^iXij e|i.|A6T(>o; X£;t<). 



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3 Aristoxenus rbythmUche Elemente § 2. ä. 4. 

■ 

4. Bedtalioitf-Poeflie mit {^ichaeitigtt LutnimentaliiMisilc, Ifdoclnun, bei 
den alten Parakatolog6 genannt: Plntarch de mnt XVH, Aiistolet. 
pioblem 19, 6. 

5. BloBser Gesang ohne Instmmentalbegleitung hatte bei den Qneefaen 
wNiig>tena ab anagelnldete Koutform J^eine SteUe. 

B. Mit Orcheatik. 

1. Chor-Gksang: gesungene Poeeie der diorenten mit butmmentalbeglei- 
tung und orcheatifldier Bewegung, ^ „ToUstladige Ode** naeb AxiatideB. 

2. fiedtationB'Poeaie mit Oicheatik verbunden, naeb Ariatidee die Oediehte 
dea Sotadea. Htfchat wahrsoheinlich wurden rie aur Zeit ihrer Abüui- 
aong unter den Ptolemaeem auf dem Theater mit wlrklidirar Action 
dargeatellt Die Späteren , welche jene Diditongen mit Vorliebe laaen, 
musaten sich die Action hinzudenken, daher ,,fingirtc Action.'* 

8. Inatrumcntalmusik mit Orchestik, unser jetziges Ballet, welches bei 
UDBoroDi heutigen Publikum ebenso beliebt, wie in seinem musischen 
Kunstwcrthc meist bedciituntrslos ist. Dom klüssischon Hellcnenthume 
war Uieae Kunstgattung ^cxnd: sie i^t erst ein Product der römischen 
Kaiser/eit (Pantominus). 

4. Orehewtik ohne Musik, kann iuiujcr uur tjiuc mit»rgeürduete Kunstgat- 
tung tfewesen sein. Gleicliwohl wird sie vuu Aristoteles poutik c. 1 
er\\'äliiit, wo durch die Worte autifi '^h» ^'jdjiip routxai tJjv |iil|ir|Oiv 
yujpl; äp(Aov(a; die Lutromentalmuaik von irgend dner Qattnng der 
Orchestik anadrtiddlch auB;!«sdi]oe6«n wird. 

§ 2. Dass es der Kliytiimus mit Zritgiössen uud ihrer Wahr- 
nehmung zu thiin haty ist zwar ebenfalls schon im Yorausgehenden 
zur Sprache gekommeiiy moss aber hier wiederholt werden, da jener 
Satz gewissennaassen der Anagangspimkt der wisgenBcfaaftlichen 
Bhythmik ist 

Aus der hier augezogeuen Stelle des % oniusgehendeu ersten Buches möchte 
wohl d»8 Fragment entlehnt sein bei Bachius p. 23 M: 

Klivtlimus ist nach Aristoxcuos die Zeit, zertalU von einem jedem 

üt r riiy thmi.sii baren Stoffe, 
und bei Planud in Henuog. V, 454 Wala: 

BbytiunuB ist, wie Ariatoxenna und [nach ihm] Hephaestum sagt, die 

Ordnong der Zeiten. Vgl Ariat rh. El. § 7. 

Bhftkmns and Bfejthmizomenon Terhalten sich sa einander wie die 

tieatalt nad daa Geataltete« 

§ 3. Man denke sich diese zwei — Naturen, möcht' ich sagen 
— die des Rhythmus und die des Bhythmizomenon in einem fihn- 



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1. Zeitgrösseu des Bhythmua und des Ehythmizoinenon. 



9 



liehen Terhältnisse zu einander wie dasjenige, in welchem die Ge- 
stalt und das Gestaltete, die ihrerseits ebenfalls nicht dasselbe sind, 
zu einander stehen. 

Daaaellie Bhythmlzomenon kaai der Aasdrock rerschiedener rhy^th- 

nlselier Ponien sefii« 

§ 4. Wie die Materie vei'schiedene Formen annimmt, wenn 
alle oder auch nur einzelne Theile derselben auf verschiedene Weise 
geordnet werden, so kann auch eine und dieselbe als ithythmizomenon 
dienende Gruppe yon spracbHchen Lauten oder von Tönen verschie- 
dene rhythmische Formen annehmen, jedoch nicht yermöge der 
eigenen Natur der Khythmizomenon, sondern kraft des formenden 
Rh}i:hmiis, So stellen sich, wenn man dieselbe Lexis d. i. die 
nämhcht' Syll)engruppe in verschiedene Zeitabschnitte zerlegt, Ver- 
schiedenheiten lu'iaus, welelie im Wesen des Khytbmu?; selber hegen. 
Ebenso wie mit den i::>ylben verhält es sich auch mit den Tönen. 

Eiu Beispiel hierfür enthält der Anonymua BeUermaun's § i)l und 100. 



'£giioY)ffto« (seefasnitig)! 





. * — . — ^ 




1 

— 















1^ -M- — 


n p t U 


j-r 





TeT^doTjfjLo; (vierzeitig): 




Ein andfros Beispiel bei Piioh Kunst der Fuge Nr. 1 und Nr. 12, lu- 
erst daktylischer, daun ionischer Khythmiu: 



Daktylischer KhytfamuB: 




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10 



ArutoxenuB rhjthmiaGhe Elemente § 4. 5. 6. 7. 



Das IJeispiel eines poetischen Worttextes, der ohne Aeuderuug der Lexis 
auf zwei verschiedene Weisen zu einem Rbythmns verwandt werden kann, 
Uefert Pindar Pyth. 2. Boeckh hat die Anü&ugsworte der Strqpbe ab eänen 
Doehmius gefasst: 

die Bossbach-Westphal i^che Kh/tbmik vom Jahre lb54 £asst den ganzen ersten 

Vers alä einen truchaeibcLen: 



Für beide rhythmiaelie Anffiusnngen ist die ttilflsere Möglichkeit vorhanden, ob* 
wohl Pindar selber nur die zweite Auflju^-simg, nicht die Bocckh'sche im Sinne 
gehabt haben kann, wie wir an dieser Stelle nicht weiter nachniweisen brmichen. 

In allen diesen Fällen beruhen aber die verschiedenen rhyth- 
mischen Formen desselben Rhythmizomenon nicht in der Natur der 
Sprachsylben und der Töne selber, sondern sie empfangen diese 
Formen durch etwas» dem sie an sich fremd sind, nämlich durch 
den formenden Rhythmus. 

An sich haben weder die Töne noch die Sprache mit dem fihytfmius etwas 

sa thun, sie sind an sich nur des Bhjthmas fähig; der Rhythmus wird beidi ti 
erst durch dra schaffenden KfinsÜer gegeben und es beruht in seineiil freien 

künstlerischen Ermessen, wie er beides dorn Rh^'thmus unterordnen will, oder 
mit anderen Worten: wie er es mm Au.sdruck dos TJhvtluniis machon wilL 
Die Sylbt^n der Sprache liaben au !<ich ar eine be.-tiinmte Zeitdauer, sie 
haben auch bestimmte Acccntc, durch welche iu den modcnien ^Sprachen eiü- 
zcine Gruppen von Sylben sii h zu bestimmten Zeitabschuittcu vereinigen. Aber 
durch Sylbenlänge und Wortaccent ist noch kein Khji;hmu8 g^ben. 

§ 5. Gehen wii* nun weiter auf die Analogie ein, welche zwi- 
schen dem Rhvthmizomenon und der gestalteten Materie einerseits, 
uud dann zwi>^ lü ii dem Fhytlnnus iina der Gestalt andererseits be- 
steht) so müssen wir sagen: die Materie, in deren Wesen es liegl^ 
sich gestalten zu lassen, ist niemals mit der Gestalt oder Form 
dasselbOi sondern es ist die Form eine bestimmte Anordnung der 
Theile der Materie. Ebenso ist auch der Rhythmus mit dem Bhythmi- 
somenon niemals identisch, sondern er ist da^enige, welches das 
Bhytfamizomeno» in irgend einer Weise anordnet und ihm in Be- 
ziehung auf die Zeitabschnitte diese oder jene Form giebt 



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I. Zeitgräasen des Kh^tbrnns und des fUiythmuEomenon. 



11 



RhytbMS kaiB ohne IUi7tkiiiliOM0BOii Mm% Realitit h%h%m. 

§ 6. Die Analogien gehen noch weiter. Die Yovm kann näm- 
lich keine Realität haben, wenn niclit eine Materie vorliauden ist, 
an der sie sieb al>])rägt. Ebenso kann kein Rhythmus existiren, 
wenn kein Stoff Torhanden ist, der den Rhythmus annimmt und die 
Zeit in Abschnitte zerlegt Denn ivie schon im ersten Buche gesagt: 
Selber kann sich die abstracte Zeit nicht in Abschnitte zerlegen, 
es muss nelmefar etwas Sinnliches vorhanden sein, durch welches 
die Zeit zerlegt Verden kann. 

Bas Rhythmizomenon also, so ilarf man sagen, muss aus ein- 
zelnen, sinnlich wahrnehmbaren Theilen bestehen, durch welche es 
die Zeit in Abschnitte zerflUlen kann. 

„Sinnlich wahrnehmbar 'S well der Bhydunot sonst nieht «ir Snaseren 
Encbeiuiuig kommen kann. 

Mit f { 8, 4, 5, 6 hat sieh Ariatoxenns voUatiUidig anf den Slan^pmikt der 

Aristotelischen Metaphysik gestellt tind in Arlstoteliscber Weise die Absfarae* 
tion des Rhythmus vollzogen. Vom Platonischen Staod]>uiikte hätte Aristoxe- 
nns gesagt: Der Rhytbmu» ist eine ewige Idee^ vom Anbeginne dem Geiste 
immanent (zunSch.^t dem fJoi^^tc de> Dt niinrcrcn, — aus dem Geiste des Demi- 
urgen auch in flr-n menschlichen (Jeist eiiigejitliinzt), der Rhytlmuit* hat also 
auch eine scUisianilige (.'wiirf Existenz, er liiit aiuli oline da.s Rhythmizomenon 
Realität. Aristotelet? würde den au und für sich ä*elbi>täudigen Rhythmus in Abrede 
stellen, so gut er für Phito.s Ideen ohne die Materie die Kealität in Ab- 
rede stellt. Die Identität der rhythuaschen Fonneu in deu musischen Kunst- 
werken der heUenischen und der modernen Kunst, ohne dass irgend eine Brücke 
äet Tradition von der alten zu der neuen voilua^a ist, spricht für die Auf« 
ftasimg von dmr eelhstindigen Existena der Idee des Rhytimms im Sinne 
Flatoa: wenigstens hat der Shythmna das griechische Alterthtui ttbwdanert 
und lelgt sich gerada so wieder hei den diriatlicli-modemen KfbuÜeirüf ohne 
dsBB ihn diese anf Irgend ^e Weise Von dottiber Hherirommeu Utttoti. 

Hiebt Jede Anordnung des Rhythmlsomenon ist Bhythaivg; 
sie Juinn ameh Arrhythmie sein« 

§ 7. Bis ist um aber, um den Bhythmus zur ErscheiDimg kom- 
men zu kuweDy nicht genug, dass die Zeit^dnrch die sinnHch wahr- 
nehmbaren Theile eines Rhythmizomenon in Abschnitte zerlegt wird, 

sondern wir müssen in TJebereinstimmung mit dem im ersten Buche 
aul'gestellteii Principe und ebenso in Uebereinstimmung mit den 



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12 



AriatoxQUtts rbjUuniscbe Elemente § 8. 9. 10. 



Thatsncheii der ErfaliruDg den Satz aufstellen, dass nur dann Rhj-th- 
Tiiiis vorhanden ist, wenn die Zcitlieilnu'j der Zeit nach einer be- 
stunniten Ordnung geschiebt; denn keineswegs ist eine jede Art, die 
Zeitabschmtte anzuordnen, eine rhythmische. 

§ 8. M)in mag es nun zunächst ohnt^ Weit^^res annehmen, dass 
ni<'ht jede Anordnung der Zeitiibbchuitte eu»«- rhythmische ist, s])ater 

■ 

Wird es au^ dor näheren Darstellung der Rhythmik von selber klar 
werden (§31 ff.). Indess lässt es sich vorläufig durch eine Analogie 
anschaulich machen. Einem jeden ist es in Beaehmig auf die Ver* 
bindtmg der Sprachlaute (Vocale und €onsonanten) bekannt, däas 
wir weder beun Sprechen die Laute, noch in der Melodie und Har- 
monie die Töne in jeder möglichen Weise mit einander Terbinden, 
sondern dass es hier nur eimge wenige zulässige Arten giebt, — dass 
es dagepren viele Weisen giebt, in welchen die Laute und die Töne 
sich nicht verbinden lassen und von unsejtT Aisthesis verworfen 
werden: es giebt \-iel weniger Arten der harmonischen Gruppirung 
der Töne als der unliannonischen und uninelodischen Aufeinander- 
folge. Eben dasselbe wird sich nun im weiteren Fortgange (§ 31 £) 
auch für die Zeitabschnitte ergeben. Denn gar manche denkbare 
Lautgrössen, in gleichmässiger Folge gedacht, und gar manche Arten 
Ton Gliederungen der Laute widerstreben dem rfajthnuschen GefiÜile, 
nur wenige sind dem rhythmischen Gefühle nach zulässig und von 
der Art, das« sie der Natur des Rhythmus entsprechen. Nicht nur 
den ßhytbmns, sondern auch die Arrhythmie kann das Rhythini- 
zomenon darsttUen, es kann eine errhythmische und eine an'hyth- 
mische Gestalt annehmen, und man darf das Rh^-thmizomenon als 
ein Substrat bezeichnen, welches sich in alle möglichen Zeitgrössen 
und aJle möglichen Gliederungen bringen lässt. 

■ 

Die Theile der drei Rhytlimauiiicua. 

§ 9. Die Zerlegung der Zeit wird von jedem Hhythmizomeuon 
vermittels seiner Theile vollzogen. Solcher Rhythmizomena giebt es 
drei: Sprachtext, Melos, Körperbewegung der OrchestiL 

Hiernach wird der Sprachtext die Zeit zerlegen durch seine 
Theile als da sind: vocaHsche und consonantische Laute, Sylben, 
Worte und alles derartige (nämlich Sfttze.) 



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I. Zeitgrösseu det» Kliythmus uud des Rhjtbmizomeaoo. 



IS 



Das Melos durch die ihm eigenen Töne, Ihterralle, Systeme. 
Die Körpci beweguui: der Orchestik durch Semeia und Schemata 
und was sonst noch ein solcher Theil der Bewegung ist 

€lir«»nM protM i»4 leise MvltlpU. 

§ 10. Wim die Namen der Zeitgrössen betriffbi so heisB* ich 
Chri^os prötos dieieiii<re, welche durch keines der Rhythmizomena 

eintr Zerltgiiiig fdhif^ ist; Chronos discmus, trisemos, tetrasemos 
diejenige, in welcher der Tin onos protos zwei, drei, vier Mal enthal- 
ten ist (zweiz('itigf\ dn izritiifc. vierzt-itige Grösse) und in entspre- 
chender Weise auch die übrigen Grössen (bis zum Chroiios pentekai- 
eikosa-semosy der 25-KeitigeQ Grösse) (der grössten, welche Aristo- 
xenns erwShnt). 

Aristozeniu drtfckt die rhytiunische Grösse, die als ein Multiplam dea 

Chronoe protos bestimmt wird, »tcta durch eio Composituni mit „s semos'' 
aus. Das simplex ,,Sema*% auf welches diese Composita zurückgehen, kommt 
in der Bedeutung von Chroixts protos nicht vor, erscheint aber als Randglosse 
zti iinsfin r Stelle im Codex Vaticauus (zu den Worten „welche durch keines 
der Khythniizonicna einer Zerlegung fähig ist**). Diepelhen Composita init 
= seuius kommen auch in dm rhythmischen Zuschriften zu den Muiüikbeispieleu 
des Anonymus § 97—104 uml m dem notirten Texte des Mc^jomedischen Hym- 
nus auf die Muse vor („ö oi f/jJ){jiö; öti)0£7.aoY,ia.o;''). Ferner sind diese Compo- 
sita bei Aristideä Quiutilianos und im Fragm. Parisinum im Gebrauch, auch 
bei Fab. QuintiL inst, d, 4, 51, wo die Erklärung gegeben wird „nam a^.jjielov 
tempi» mmm mV* Aach ui solchen Stellen des Metrikets Marios Victoiinua» 
welche danuif Undeuteu, das» aie aus einer rhythnuAchen Quelle stammen. 
Hier findet rieh Ar die Zeitdauer eines Cbronoe protos auch das Compositum 
^monosemoB^ gehraacht, welches sieh wieder bei Aristozetitis nicht findet Sonst 
gdnanehen die Metriker statt des Aristoxenlschen „disSnoos, trisemos, tetrase- 
mos*' die Composita „di<^hruiu>s, trichronos, tetrachronos" Bephaest. c. 3 eine 
Composition, in welcher das Wort Chronos in der Bedeutung von Chronos 
piotoe gcbrauclit ist. Znerst bei Dionysius de comp, verbor. 17. Deutsch wird 
sowohl „disGmos, trisemos" wie „dichronos, trichronos'* durch ^eizeitig, drei- 
seitig" wicdergeg'ben. 

Bei Ariatidcs Quintil. (aber nienuils bei Aristoxenus) wird für Chronos 
protOf( der Tt-rniinus „Semeion'' an|j:e\vaii<it. Audi im Fragm. i'urisin. Es 
scheint dieser Oehrauch auf dieselbe rhytlimiäclie Quelle zimickzupehen , der 
auch Fabius Qnintilian die Stelle inst. 9, 4, 51 vuu der lledeutuiig des 
Wortes Semeion als „teuipu!- unum" entnommen hat, umsomehr, als in beiden 
für Versfuss abweichend von Arisfoxenni das Wort |>v»i){jt^; statt noO; ge- 
biaaebt wird. 



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14 



Axistoxenus rhjthmiscbe Elemente § 11. 12. 



§ 11. Die Bedeutung des Chronos protos muss man auf fol* 

geude Weise zu begreifen versuchen. Eine der vom Gefühle sehr 
deutHch empfundenen Wahnickmungen ist die, dass die Gesch\**in- 
(ligkc'iten der Bewegungen keine Beschl<'unig:uiig bis ins Unendliche 
erfahren, sondern dass irgendwo ein Stillstand in der Verkleinerung 
emtritt, in welclie man die Theile dessen setzt, was bewegt wird, 
wolÜTerBtanden, iu der Art bewegt wird, wie sich die Stimme be- 
wegt beim Sprechen imd Singen und unser Körper, wenn man tak- 
tirt oder tanzt oder sonstige Bewegungen der Art ausführt Bei 
der Ersichtlichkeit dieses SachTerhütes ist es einleuchtend, dass es 
gewisse kleinste Zeiten unter den Zeiten*) giebt, in welchen der ein 
Melos ausführende einen jeden seiner Tüne unterbringt. Dasselbe 
gilt selljstv./r>täiKllic]i audi wenn es sich um Silben oder um Se- 
meia der Orchestik liandelt. Dass aber diejenigen Zeiten, welche 
die „kleinsten** sind, weder durch zwei Töne noch durch zwei Sylben 
noch durch zwei Semeia der Orchestik getheilt werden können, 
ist klar. 

*) Dil- InuidscUrütlicbe Ueberlief«riiug des Anstoxemscbeu Textes aa 
dieser ätelle lautet: 

ToCtojv ti oüJtüuc 'j'j'.wJiMov ofjXov »'t'. äva^xatov ioriv tival xivoc iXd- 

Die Uaiul:<chrifteii sind corrumpirt. Es ist uothwendig das Wort 
tow; ye>ov>y; in dXaytotou? täv ypovtuv zu äuderu, damit eiu verständliclier Silin 
herauskommt Man mag sich mühen, wie man will: mit „dXaytoTOj; yA-i'y'Jz*'' 
wird mnn xncht fertig» dagegeu ist bei iÄa^risrou« tnv ^pdvov Alks klar uud 
verstäudig. 

§ 12. Bit Zeit nun, auf welche in keiner Weise weder 2 Tüne. 
noch 2 Sylben, noeh 2 Senieia der Orchestik kumnien kömieu, «.lie 
wollen wii* Clnonus protos nennen. Auf welche Wei'^p nber tlie 
Empfindung zu diesem Chronos protos gelangt, das wird iu dem 
Abschnitte Ton den Takt^hemata klar werden (vergi. imten). 

Wäre Aiibiuxcuus' lihythmik früher bukaaut geworden, so würde für 
die Theorie der moderneu Rliytluuik sicher längst der Terminus „Clirouos pro- 
toB'* In Ctohniuch genommen worden «eiiit so gut wie andere Auadiflcke der 
antiken Rhythmik: Tbesis, Ards, Periode, GUed. Denn der Chranoe protoe 
ist aneh fltr unsere Hueik, sowohl die vocale als instrumentale, ein wichtiger 
Fttudamentalbegriff. Wir kifnnen ihn de&uren: Chionoe protoe ist der dritte 



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L Zeitgröaseu dea Bbythmua und de« Üb/thmizomenon. 



15 



Theil eines troebadschea, der vierte Theü eam dak^litelieii VenAusea. Doch 
da auch der Begriff dea YersAuseB wenigatena tüx unaere Inatnunentalmusik 
bia jetitkein aUgemein geläufiger iat, ao woUen wir ima den Begnff dea Gfaronoa 
inotoe darch folgendes klar inaehen. 

Die fthydunoi nnsersr Musik sind entweder gerade oder ungerade Bbjth- 
meiii die letaleren leiHaUen wieder in trochaeiacbe nnd ionasehe. Die troeha»- 
sehen Ekjtfamen werden dadurch von dem Componisten angedeutet, daae «r 

die TaktvoTzeieben s'T'l^'lG'T'^'lG Beitrochaei- 

schem Rhythmus — aber nur hv\ diesem, uicbt bei dem die gleichen Vorzeichen 
führenden ionischen — ist jede der im Takt- Neuner vorfiemerkten Zeit- 
Einheiten (jedes Viertel, jedes Aclit«l, jedes Sechezehntel) genau dasjenige, ^v;l- 
Ansioxenus Chronos protos nennt. Tst mit jenen Vonwichen aher der ionisclie 
RhythmuB gemeint^ ao ist jede der vorgemerkten Zeiteinheiten gcuuu dasselbe 
^vaä Aristoxenus einen Clurouos disemos nennt. Und femer bt zu merken, 
dass dieeelben Taktvootieken oft aueh derartige aind, weldbe wir paaaend ala 
triolische beaeichnen können. Das konunt vor bei daktylischen und ionisehen 
(nicbt bd troehaeiadien) Bh/thnraa. Vgl. meine Anseinandersetsnng ia der 
Theorie des mnsikalischen Bhytbmns seit J. S. Bach. Ebendaselbst ist ange- 
geben, wie es sidi bei dem daktylischen Rhythmus mit dem Chronos protos 
verhih. Im Allgemeinen aber wird man sieh ans den oben ai^efUirten Vw- 
aeidmungen des trochaeiBchen Bhytlmuis dne vollständig adaequate Anschau- 
ung des Anstoseniaehen Chronos protos versehafien kömien. 

Im trochaeischen Bhythmus bedeutet das durch die Taktvonceichnung 

angegebene^ertd, Achtel, Sechsaehntel den Chronosprotos. AJso j j j oder 

oder j'j^. werden hier je nach der betreifenden Vorzeiclmuug einen 
Chronos trisemos bedenteu. 

Auch im daktjUsehm BhTfhmus wird der Chronos protos entweder durch 
J oder durch oder durch ^ ansgedrttckt, nur dass diese Werthgrössen nicht 
durch das Taktvonseichen ausdrildltlieh an^^emerkt sind. In entsprechender 

Weibe iiat dann j J , J2 t Werth des Chrouob diaemos; J J J J 

j j j j Werth des Chronos tetraaemos. Sehr sdten beadchaet 

der Componist den Chronos protos im daktylischen Rhythmus durch dannist 

ein Chronos disemos, ^ ^ Chronos tetraaemos. 

Wir nennen die verscUedenen Ausdrueksweisen des Chronos protos 

cBe ^ertel-Sehneibung, 

iBe Aehtd-Schieibung, 

die Sechssehntel-SehreibQng, 

die ZweiunddreisB^isteMSehrmbung. 



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16 



Ariatoxenas rhythmiache Elemente § VS, 14. 15. 



Das von Aristoxenus angegebene Gesetz der gricchisclien RliytliuiLk, da»» 
der Chrouos protos niemab in kleinere Zeitgrössen. sertbeilt werden kann, fin- 
det ach auch noch in unserer KIteren Inatrumental-Mudk festgehalten. In den 
CSavier« und Oi^l-Fugen Badis, aaeh HSndela kommen nur wenige Atumah- 
men von don Aristozenischen Geaetee vor. Haydn^ Mozart, Beetiioven dagegen 
sertheilen den Chrono« protos hiluiig genug; me gans gewöhnliche Form bei 

Urnen ist, daaa der Chronos protos halbirt, also J in ^ ^ ^ in ^ zerlegt wird. 

Ol» Rnch in seinen Fu<^en die Achtel- oder J^ccliszolintpl -Schreilnjut^ aii- 
. wendtt (die SechfZfhnit'l-Schreibun^ ist bei ilun die hiiutif^.-tf . die \ lerffl- 
Schreibiing komuit duit nicht vor), Aa^ hängt bei ihm von dem Tempo ab. 
Bei langsamem Tempt» hat der Chiouus protOB eine längere, bei rascherem 
Tempo eine kürzere Note. Bei den späteren ConjjKjnisten ist das anders. Sie 
richten sich mit den verschiedenen Schreibungen nicht nach dem Tempo, son- 
dern nach dem Ausdrucke, in dem die Compomtion vorgetragen werden solL 
Bei grosserer Gravitttt wird der Chrono.s protos durch längere Note, bei grös- 
serer Leichtigkeit durch kOnere Note ausgedruckt. Doch giebt es so viele 
Ausnahmen, dass nicht sowohl der dem Vortrage zu gebende Ausdruck, als 
vielmehr ein gewisses Herkommen, welches nicht immer volLitindig m erklSren 
ist, die Schreibung des Chronos protos bestinuni So wendet Beethoven für 
das mit dem Ausdrucke der grOssten Leichtigkeit vorzutragende Scherzo stets 
die Viertel-Schreibung an, wälirend Bach und Uttndel in der entsprechenden 
Musikform (der Oiga) die Sechszehntel-Schreibung anwenden; die Viertel- 
Schreibung kommt bei Bach vorwiegend in seinen Choralvorspiclen für Orgel vor. 

Bei einiger Aiiftnorksnmkfit und Ufbiinf,'- kummt man leicht dnliin , was 
bei unseren r!otni»ouisren dem CIumhus jnotos d«-.-* Aristoxenus entsiii ii lit. Oliue 
dies zu wisst 11 und lebendig zu fühltii. ist es schwt r den Khytlunus, welchen 
der Componist im Aupre hat, zu trellt u. Versteht man nhvr, wa.s es mit unse- 
ren Takibczcichnungeii tur eine Bewaudoiss hat, so wird man die Aristoxeni- 

'6 

sehen Taktbenennungen: sechsseitig u. s. w. als einheitlichen Namen ftir 
(> B 

^ . Takt kaum entheiuen kOnn^ 

Einfache ouü zagaumeneri'Hetzte Zeitgrösse rem stauüpuukte der 

Hhjthmopoeie. 

§ 13. Weiterhin reden wii- auch von einer uiizusanimengesetz- 
ten Zeit mit Tiezag auf ihr* V( rwt'iidung in der Rhythmopoeie. 

Bass Bhythmopoeie und Rhythmus nicht identisch ist^ lässt sich 
freilich augenblicklich noch nicht so leicht klar machen, inzwischen 
möge folgende Parallele die Ueberzeugung davon anbahnen. Wir 
haben am Wesen des Melos die Anschauung gewonnen, dass Ton* 
System und Melopoeie nicht dasselbe sind; auch Ton nicht, auch 



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I. Zeitgrossen des iwhytlimuä und des Khythmizomenon. 



17 



nicht ToDgeschleeht und auch Metabole (melischer Wechsel) nicht 
Genau so nnisB man sich die Sache bezuglich des Rhythmus und 

der Rhythmopoeie \ üisti llt'n. Die Meldpocic halben wir doch wohl 
als eine Anwendung des ]\I('lus kciiuen gclcnit. — in derselben 
Weise dürfen wir auf dem Gebiete der Rhj^hmik von der Rhythmo- 
poeie behaupten, dass sie eine Anwendung sei. Wir werden das 
im weiteren Verlaufe unserer Pragmatie schon deutlicher verstehen. 

§ 14. Unzusammengesetzt mit Bezug auf die Anwendung der 
BhyÜmiopoeie wollen wir eine Zeitgrosse beispielsweise in folgendem 
Falle nennen. Wird irgend eine ZeitgrOsse Ton Einer Sylbe oder 
Einem Tone oder Einem Semeion der Orchestik ausgefiült sein^ so 

werden wir diesen Zeitwerth un zusammengesetzt neimen; wird 
aber derselbe Zeitwerth von nidireren Tönen oder Sylben oder or- 
cliestischeu Semeia ausi^elTillt sein» so wii'd er eine zusammen- 
gesetzte Zeit genannt weiden. 

Ein Analogonf&r daa Gesagte kann die Ftagmatie desHermosmd- 
non (Harm. I.) liefern. Denn auch dort ist dasselbe Megethos im enhar- 

niünisrlieu Tonge.schlechtt.* ein zusanniieugesetztes, im Clii'uma ein lui- 
zusammengesetztes; und wiLdemm im Üiatonon ein imzusammen- 
geset/tt's, im .Cliroma ein zusammengesetztes: bisweikn i>t das näm- 
liche Megethos sowohl ein unzusammeugesetztes wie ein zusammen- 
gesetztes, jedoch nicht an derselben Stelle des Systemes. 

Das harmonische Beispiel unterscheidet sich von dem rhythmi- 
schen Satze dadurch, dass die ZeitgrOsse durch den Einfluss der Rhyth- 
mopoeie bald eine unzusammengesetzte, bald eine zusammengesetzte 
werden kann, das Intervall aber durch die Ordnung des Tonge- 
schlechtes oder durch seinen Platz im Systeme. Soviel über unzu- 
sumiuengesetzte und zusammengesetzte Zeit im Aligemeineii. 

^ 15. Nachdem sich über unser Satz in der angegebenen Weise 
zerlegt hat, heisst schlechthin nn zusammengesetzt die von 
keinem der Rh} thmizomena zerlegte Zeit, schlechthin zusam- 
mengesetzte die von allen Rhythmizomena zerlegte, gemischte 
Zeitgrösse diejenige, welche von Einem Tone, aber zugleich 
von mehreren Sylben eingenommen, oder umgekehrt von Einer 
Sylbe, aber mehreren Tonen ausgeftllt wird. 

Arlttoxeottf , llcllk b. BlijUmilk. 2 



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18 



AristoKenufl rhjlhiiivche Eleroente f 1&. 



Für dir gemiachten Zeitgrössftn der zweiten Art fiuden Bich Bei- 
flj)icle in dein melodisirten Texte des Mesomedes. Bellormann die Hymnen des 
Dionysius und Mesomodes. Westjjlial ^--nochisehe RhytbTnik und Hannouik 1867, 
S. 54—65. Die Taktvorzeielmung nach Hath wohlteuip. Clavier 2, 5 PraeludL 
vgl. unten im Abschuitte vom Takt-iSchema. 

Uymn. in Muaam 4. 

i • {i.ac fpivac 00 • vei - toi 

—^7^^ 



in Helium 17, 19. 



MXI<}>CP M<|>C 

/.cu - xwv (lieft (j jp[xaot [jiöay ujv 
«0« Xu - et • {XO-^ft Xi9'^ i • X(« 



1 



M i X l M l <J> C f M f C 



in Nemesin 9. 




in Helium 15. 



M M M M MM p M C C c{> 




CPMMMCPM M»AM 



In Mob. 4 ist die Öylbe vo; (in ^p£va;) ein y^p-ivo; p-atö;, und ebenso die 
gylbe vct (in SovciTv). 

In Hcl. 17 ist die Sylbe Xeu (in >.ejv.m) und (aos (in jjtdoyoiv) ein |aixtö^ 

In Hei. 19 die .Sylbe t-K (in £>b::")v). 
In Neines. 9 die Sylbe |iai (^in ,5aiv£t;). 
In Hei. !.'> die Sylbe hd (in oe/ava). 

T^eispielc für gemischte ZcitgrÖsscn der ersten Art (mehrere Syl- 
ben auf demselben Tonej können nicht gut andere sein als etwa folgende: 

InNemosinO: ,,>.f,ftojsa II rAp r'i'* sechs Sylben auf demselben Tone C 
In Helium 15: „ ~ «a &i nd^ — drei Sylben auf demselben Tone c. 



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n des BbjthmiiB und des EhjrthttüaomenoiL 



19 



FieOidi wife es oorreeter geweseoi wenn Aristozemis nicht gesagt hfttte: 

xaxaXTj^ftijvai**, sondern „'iizh ^yXXa^uiv T:),£i'ivw j [j.e>, in\ (»tSf U tdofOK" 
nach der ersten Harmonik § 30, 31 d. L auf Einer Tonstufc. 

BeiBplele ftlr die schlechthin un^usain mengesetzten Zeitgrössen 
sind alle ;jlov<5ijt,[aoi und SItt^ijlöi o-jXXaßil de^ Mi ■^orncdisehcn Textes und folgende 
das olo7)|AOv (li^c^* überi^chreitende xexpdoT^jioi ot>>./.a^ai: 



in HeUum 2. 



eo*eav 6c - tu «^a ia6 • Xaiv 




in HeBnm 8. 



4>MMMMC<|>M lAM 

« 



in Nemesio 8. 



in Nemerin 10. 



MUUUUe^ €U 




in Nemesin 13. 



K c}> J' P H l p MAN 



C'JYÖv (AC'xd y,£i-p« T^pa • toO -oa 




<J> M M M p C M l Ä l 



2* 



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20 



Anatoxenna riiTfhmiaehe Elemente § 16. 



IZ. 

■ 

TAKTLBHEE. 

1. TAKTLEHRE IM ALLOEUEINEN. 
A. Takt. 

§ 16. Dasjenige^ vodurdi w den Bhythmus marloFeii und 
der AistheaiB fasslicli machen, ist ein Takt oder mehr als Einer. 

Marquiird im excirttibcli. Conimeutar S. 3U2: ,,Ich mochte di-n Aus<lnick 
„des Aristoxeiiuö vcr-^tclicn, „die Füsse, nut welcht n wir (lin Khytli- 
.,mu8 bt'zcichueu'' (ich wähle absichtlich diesen aUgeuieiiicu Ausdruck sind 
„die einfachen Füsse, aus welchen der Rhythmus besteht, durch welclie ich al;<o 
„aach sein eigentüches Wesen am genauesten bezeichne, d. h. für das Auge 
„ „notire" , fUr das Obr „taktire". Habe ich s. & den fihythmus 

— \j — ^ \ — \^ — Kj \ 
ist der Fuss, durch welcheu ich die&en b< zeichne, nicht 

- ^ - ^» 

„sondeni 

Man kommt bf-i Aristoxenus am leichtesten zu einem richtippii Vfrstäiid- 
nitipc. wenn man das Wort „tm^"' uicLt mit ,,Fu8s", sondern mit .. Takf iiber- 
i^etzt, daivHexoc ro'j; durch ..piTifaelier", oüvOtto; ro'j; dnrc h zuMimmcngesetzter 
Takt. Wiif* wir Fu.-^.'? oder Vcibfu»:? nennen, kann zwar da^ Aribtoxenische 
iTou; auch bcücichneu, doch fallt Fuss odti Vcrrfuss unter die KAtcgorie de» 
-ou; douvOfcTo;; * 

\. 1 

eiufacher oder mouopodiscker Takt, hat 2 Chronoi j>odikoi : eine 1 hesis, eine Arsifi, 

2. ± ^ ± ^ 

zusammengesetzter dipodischer Takt, hat 2 Chronoi podikot, den einen Fuss als 
Ihesis, den anderen als Arsis, iL s. w. bis zur 3. Tripodie und 4. Tetrapodie 
(jeder Fuss ein Chronos). 

Wir hüben Mai^uards wegen ein gutes Stück der Amto»!iüsehen TakU 
Idure anticipiren müssen.; dass das Gesagte richtig ist, wird unsere weitere Dar- 
atettimg sweifellos lassen. 

Wenn nun Marquard von § 16 aa | IT weiter fortg^angen wttre, so hätte 
er in seiner Weise weiter interpretiren müssen: „Die Takte, mit welcher wir den 
fibythmus beadchnen, haben entweder zwei Chronoi podikoi, nftmlich 



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n. 1. Taktldure im ÄUgemeiiiMu 



21 



1. der monopodisehe Takt — \j 
80 wie auch 

2. der dipodindie j. i sj; 
oder sie haben drei ( lnonoi podikoi, nämlich 

3. der tripodiäche j. ^ i ^ ± 
oder sie haben vier Chronoi podikoi, nämlich 

4. der tetrapodische ^ ^ j. \^ j. ^ s ^ : 

Es ergiebt sich, da&s unter dem ttoj; t]> ar^ixiMu.z's)^ töv f>>i)(Aov nicht bloss 
wie M. will ein einfacher :rov»s (Kategorie 1., sondern auch ein ro j; jeder der 
Abrigen Kat^pofk» S. and 4. gemeint sein mnas. »Wir markircn den Rhyth- 
mafl und macheii ihii fimlich ndt einem ieo6c der Kategorien 1., 2., 8., 4. 
und swnr mit Einem oder mehr ab Einern.^ Etwas andere« kann die Stelle 
•i^omaglick belegen und Marqnards Interpretation iet alao rerfehlt. 

♦ 

Banmgart in der S. 66 genannten gegen mieb gerichteten höchst 
lehrreichen Streitschrift p. IX ttbersetxt: «^Wodurch wir den Rhythrnns erkenn^ 
bar madien, das ist der Takt^ und zwar einer oder mehr als einer''. Dann 
fiihrt er fort: ,Ȁristoxeniia ist ein sn erfohrener Praktiker, am nicht daran in 
denken, dais mit Einem Takte die jedesmalige Rhjfhmengattnng gar nieht 
inuier dmtDch beamelmet ist Ein kimer Takt geht so raseh Torüber and das 
Verhftltnis von Thesis und Arsis prägt wdi dabei dem Ohre so wen% 
wir oft im ersten Takte ül)er die Taktart noch unklar bldlMn; erst die Wie- 
derholung desselben Verhältnisses befestigt den Eindruck und stellt die Art 
des Ehytlimus ausser Frage. . . So spricht also aus Aristoxenus die vorsichtige 
Erfahrung:. Er mafr vorzugsweise an die dijKKÜsch gemessenen Rhythmen ge- 
dacht hAbeii, doch braucht es dieser Heschränkung meiner Meinung nicht; der 
Falle, wo ein Takt, selbst zwei Takte das Gleschlecht noch nicht sicher er- 
kennbar machen, sind mam la rlt i Jtukbar." 

Im UeBripen will Baumgart ar^\^oils6^^l^ i nicht in der Berleutunf^ von 
Taktiren versfandcn wissen. Ich habe oben inarkiren nhersetzt. wa.«? nur ein 
anderes Wort für denselben Begriff ist. „Eine Definition «les ito'j; durfte Ari- 
„stoxenus als erfahrungsmässig voraussetzen; er hätte nur sagen können, was 
„Aristides p. 30 ganz richtig sagt: novi; fjiev ouv istt (tipo; toO Rayr6( j>'jd{Ao!> 
„ou tirv 8X<»v ««t«tXa(iL^9ivo(MY. Wenn Aristides Tom Tdite ngt: ^ sS ««taX«|i* 
„,äavo(jLev ^jBiJLii^, SO bedeutet das sdelBt ganz dassellie wie beiAristoxenos 
H ei]|»«n6|it(^« t6v ^'j^^^t. Jenes ist; „irir begreifen die ifajtiraüsche 
„Bewegong dnrdi dasTaktmaaas**, dieses „wir machen sie begreiflich". SoU 
f,sr|(ft«iws8«t hier l»edettten iftaktiren**, so wird dem soharftinnigen and klaren 
„Aristoxemu eine Definition zugeschiiebenf die ihm keine besondere Ehre madien 
,)Wttrde; er hfitte gesaf^: Wodurch wir den Rhythmus taktiren, das ist der 
„Takt, und zwar einer oder mehr als einer." Uebersetsen wir: ,fWodi|rch 
wir den Rhythmus markiren, das ist der Takt und zwar einer oder mehr 
sJs einer", so verliert sich zwar der Anklanp an das alt-juristische „«emis est qni 
eervit^, al>er die Sache bleibt thatsächlich dieselbe: aii|i«(Ncadat ist genau das* 



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22 



Axistozenua rhythmische £leiiieiite § 16. 



selbe wie markiren, uud dieses wieder kommt mit taktiren flbcrein. Auch 
Baumgart, obwohl er es idcbt Wort habfln iriU, hat oTj(jiaivo(»tfta im Sinne de» 
TektiKDS gefiuet: „Wodnrdi w den Bbydimiu eikenubw madMn, ist der 
„Takt» vnd cwar entweder Eb Takt (wenn die Angabe eines einlegen TUkte» 
„nun Erkennbannaclien ansrticbt), oder wenn die Angabe Eines Taktes nicht 
»gehörig orientlrt, wenn sie Über die Taktart noek unklar Iflset („Aiistiffenna 
,4*t ein im Dirigiren exfahcener Praktiker, die Toraichäge Erfahnmg spricht 
„aus ihm'Of ^Bian sind mehrexe Takte nötUg, am den Bbjtbmiu ausser Frage 
,,10 stellen". 

„Wenn Westpkal mit Weil den Zuaate JBin Takt oder mehr ala 
„Einer** Yon einem taktwechsehiden Ehydunos verst^t, so Iflsat er Axistosenna 
„abennala etwas sagen, was des Sagens nicht werth war. Das ist ToUkonmen 
„selbstverständlich, dass jeder yerschiedenartige Fuss wieder taktirt werden 
„muss. Wird also je ein Takt augegeben, so kommt gar nichts darauf au, ob. 
„der eine dem andereu gleich ist oder nicht; es wird eben nach Eiuem Takt 
„taktirt. Der Zusatz „Ein Takt oder mohr als einer" wär»- Westphals 
„Erklärung nicht ein Zeichen von Genauigkeit, sondern ein ,irro führender 
„Pleonasmus." 

Statt dessen lässt Baumgart nun den Aristoxenus folgendes sagen, was 
ein Zeichen der Genauigkeit sein soll: „Wodurch wir den Rhythmus begreif- 
lich machen, das ist der Takt, und zwar Ein Takt, wenn dieser mm Befrreifen 
ausreicht, oder mehr als Einer, wenn df-r T.'uw Aiifangstakt zum Bereifen de» 
Kliythmus nicht ausreicht". T'iul 'la mit macht Aristoxenus den Anfang deiner 
Taktlehre! ..Eine Definition des Taktes hat Ari.stoxenu.-^ nicht hinzugefügt, 
weil er sie als erfahruiigt^mässig voraussetzen konnte", meint Baumpart. Aber 
dass um den Rhythmus begreifen zu lassen, im günstigen Falle Ein 1 akt ge- 
nüge, im weniger günstigen aber mehr als Ein Takt uothwendig sei, das hält 
Baumgart flir etwas ÜBr den Begum der TakUehre noÜiwendigest Ist das die 
TOisichtige EifUinnug des Praktiken, die hier den Aristoxenus diesen Bala an 
den Anfang der Taktlehfe stdOen heiast, so hfttte er den Sata wenigstens dent- 
lieber anvmreehen mflssen, denn weder Weil nodi ich habe den Sata im ffinne 
Banmgarts verstanden and Harquard hatte ihn wieder in dnem anderaa jSinne 
avfgefasst. Idi wiU meine frflhere Ansidit noch einmal anaspteehen: 

Der Ausdruck in der vorliegenden Stelle des Aristoxenus ist das 

riiytbmische Ganze, die ganze in derselben rhythmischen Form fortlaufende 
Compoaition. Aristides sagt hi der Parallclstelle : ;jLioo; -co9 «avTÖ; ^udtxoO, hl 
ou Tov Z\os xoTo).a|j.ßavo(iev. Das nämliche auch Aristox. in der Abhandlung 
de Chrono proto ,,TAv7tz f/jftuol ix hoSäv aü-yxetvro!.** Da? Ende des h'j^nhz 
ist da, wo dap«»']b<' uj>'.; in ein anderes Rhythmusgeschlecht übergeht, wo ein 
anderer ()*>y(xö; beginnt. Die drei Atrophen des ionischen Rhythmus im Exüdiun 
der Aeschyleisehen Hiketidi s (an die iMelik des Acacliylu» wird Aristoxenus 
bei »einer Khytlimik öiclierlich gedacht habeuj sind so beschaffen, dnaa der 
Khythmus des dritten Syzygie 



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t 



n. 1. Tkkdehre im AUgememen. 23 

0 1x670; Ze!>; diztiKllfH 
durch Einen ^roO; markirt oder gem^bsen werden konnte, durch den tt'/jc ob6v« 
OcTOS i^doT^(xoc oder durch den dipoduchen :ioC»; ouv^rro« ioi&(xd97tp.&i 

W V/ — — \y — — , 

von Anfang bi» zu Ende d^r Stroplie. Aber der Khjthmus der zweiten öyzygie 

konnte nicht mit ein und demselben rojc zu t^nde markiit werden. FOr 
die entten Vene bitte nrar der no^c doiW^o; i^dor^iAo; ausgereioiit, der deh 
bald m tripodiseben, bald zu dipodiMhea Kola Torbindet» abo' für den Sefalnae- 
yen muaato man luush der Taktlebre dee Aiistoxsnas xwei ici(«« annehmeii; 
denn man maam das Kolon 

als einen rouc 7:evTdar]|xo< und einen ico'^c i^otTr^ixo; Mrptroc« Denn anders 
kann das ionische dvaxX((>(ievov des SrhlniinPfl. obwohl es n^t minder wie die 
übrigen KStka dem ionischen Rhythmus angehört, nach Aristozenna (und den 

Metriken)! nicht gemessen werden vgl. nnten S. TO. 

Hier würde ein Fall vorliegen, wie ich ihn im Auge hatte, als ich sagt^ 
die Stelle 

sei von den taktwechsehiden Rhythmen zu verstehen. Sie aind bei den Grie- 
eben so bttufig, data es dnrebana nicht als überflüssig ang^«hen werden 
kann, wenn Azistoxenns gldcb im Anflug aeiner Taktldire daranf Bflckaicht 
nimmt Mit onaerer modernen Taktaaflhawing steht es andars, da wOrden 
eolche Fllle immer seltene Ansnabmen sein, wenn sie ttberfaanpt vorktoien. 
Aber wenn man .vom Stan^gonkte nnserer modenmi Taktauffiummg sagen 
wird: In Bacba wofalt CIet. 2, 5 ist die FVige dnreb Eben Takt begreiflicb 
oder anschaulich gemacht, dagegen das der, F^ige vorhergehende Praehi> 
dhun dnreb swei Takte Tgl. unten S. 120, da Bach hier das eombinirte 
12 

Voraeidien Q gebracht bat, so wflrde das yoDstflndig richtig srin und den 

Widerepruch Baumgarts nicht zu scheuen haben. Wir werden in der Folge 
sehen, daää solche Combinati lu n verschiedener tm-.z, wie 'v.\ 1er angege- 
benen Composition Bachs vorkuuimen, in der antiken Riiythmik gerade 00 häufig 
anzunehmen sind, wie sie in der modernen Rhythmik zu den grössten Selteu- 
b^n gehören. leb mnss daher beharren, den Aristoxcnischen Satz von takt- 
wechselDden fibjtbmopoeien zn yentehen« 

Sollte er die ihm von Baumgart vindictrto Bedentang haben, so wtrde 
er bd einem so wissensebaftücben'nieQretiker, wie es Aristoienns ist, ebensowenig 
sQ Tersteben sein, wie die Harqnardsche Interpretation entschieden HMi ist. 



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» 



24 



Aristoxenus rhythmische Elemente § 17. 18. 19. 20. 

\ 



§ 17. Von den Takten bestehen die einen aus zwei Takt« 
Zeiten: einem Aufschlage (avo» XP^^®^) einem Niederschlage 
(xaTfl» Xp^'^i)t 

andere ans drei Taktzeiten: zwei Aofschlftgen und einem 
Niederschlage, oder ans einem Aufschlage, und zwei Niederschiftgen, 

die Takte einer dritten Kategorie aus vier Taktzeiten: zwei 
Aufschlägen und zwei Niederschlägen. 

$ 18. Dass nun aus Emern Ab^vchnitte kein Takt besteben kann, 

ist khir. da ja Fin Semeion ktnnt' Tlu iluag der Zeit bewirken, ohne 
Theihiiii? der Zeit aber kein Takt bestehen kann. 

Dass aber ein Takt mehr als zwei 8emeia hat, davon Hegt in 
dem Umfange des Taktes der Grund. Denn die kleineren unter 
den Takten» die der Aisthesis leicht fasslich sind, sind leicht zu 
ttberschaoen auch hei ihren zwei Semeia. Mit den grossen Takten 
Terfailt es sich anders, denn hei ihrem für die Aisthesis schwer zu 
erfassenden Umfange bedürfen wir mehrer Semeia, damit in mehre 
Tbeile getheilt der IJmßkng des ganzen Taktes flbersiehtlicher werde. 

Weshalb aber die Semeia, deren der Takt seinem Wesen nach 
benötliigt \M . der Zahl nach nicht mehr als vier sina, wird später 
gezeigt werden. 

Die Aristoxenischen Tennini für die TsktNieile sind: 
für leichten Takttbeil: fflr schweren Takttheil 



Die Tennini des Aristides „Anns und Theds" gebfaachen die modernen 
Musiker in demselben Sinne : „ Arsis^ für leicbten, „Theos" für schweren Takt- 
theil. Dit> rMiilologen seit Bentley mit wenig Ausnahmen leider in dem umge- 
kehrten Sinne des Aristidcs: „Arsis" fiir schweren, ,.The8is" für leichtoji Takt- 
theil. Daher dir Urbn-aotzuiigen der Gennanisten: „Hcljung" für schweren, 
„Senkung" fiir l'Mchten Takttheil. Vfrl. darüber die pri. ( liischc Mi^trik 

Der gemeinsame Name für li-icht*; und schwere T iktrhcilp ist b«'i Ati^t ixr- 
nus ^pövoi iniiixol (vgl. § 5bj; sobald keine Zweideutigkeit eiiteteiicu kann, bloss 



4Evai yjfi^ An^Uag 
äpmt Hebung 



xdtm y^'ioc NiederacUag 
t6 »4tai 

^dmn Niedertritt 



bei der spiteren (Ariatid^ Lateinern): 



«ablatio 



»ist; 

depoaitio. 



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II. 1. Taktlehre im AllgemeuMit. 



25 



yp«5vot. Ebouso auch u.iprj ro5i*d oder jAipT^. Aussordom kommt bei Aristoxe- 
nus der Terminus aTjixtla oder a/jjxeia 7to5t*ä vor. Aristides gebraucht den 
Ausdruck or^fxcia gleichbedeutend mit ^pdvoi iipürou Aristoxenus nur, wie wir 
eben angegeben, fifr TalcMieUe im tedbniBehen afcrengon 8imie, oder aneh Ar 
'die Bewegungen der Oreheatik. 

e. CliroMi Ehjthmopoüas idIoL 

§ 19. Durch das eben Gesagte darf man sich aber nicht zu 
der irrigen Meinung verleiten lassen, als ob ein Takt nicht in eine 
grössere Anzahl Ton Theilen als vier zerfalle. Vielmehr zerfallen 

einige Takte in das Doppelte der genannten Zaiil, ja m liir Viel- 
faches. Aber nicht an sicli zerfällt der Tact in solche grössere 
Menge (als wir § 17 angaben) sondern die Rythmopoeie ist es, die 
ihn in derartige Abseimitte zu zerlegen heisst. Die Vorstellung hat 
nämUch aus einander zu halten: 

einerseits die das Wesen des Taktes wahrenden Semeia, 
andererseits die durch die Bythmopoeie bewirkten Zerthei- 
lungen. 

ünd dem Gesagten ist hinzuzufügen, dass die Semeia eines 

jeden Taktes, überall, wo er vorkommt, dieselben bleiben, sowohl 
der Zahl als auch dem Megethos nach, dass dagegen die aus der 
Rliythnioixjeie hervorgehenden Zertheilungen eine reidie Mannig- 
faltigkeit gestatten. Auch dies wird in dem weiterhin Tolgenden 
einleuchten. 

Der Terroinus „Ofaronoi Bhytiiinopafiaa UMt* im Oegensatse an „Chronoi 
podtkoi'« ist von Aristoxenus überliefert § 58. üeber das Wesen dieser Chro- 
noi lUijtiimopoüaa idiot vgl § unten S. 105 ff. 

d. Logos podtkds und Alofla. 

§ 20. Bestimmt wird ein jeder der Takte entweder durch einen 
Logos (podikos, rhythmisches Verhältnis) oder durch eine solche 
Alogie, welche zwischen zwei unserer Aisthesis fasslichen Logoi po- 
dikoi in der Mitte liegt 

Man kann sich das Gesagte etwa so zur Anschauung bringen. 
Wenn man zwei Takte nimmt^ TOn denen der eine den Niederschlag 
gleich gross hat wie den Aufschlag, jeden im Werthe eines Chronos 
disemosi 



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26 Axistoientu ihytbiniflche Elemente § 20. 21. 

2 2' 

der andere den Niederschlag Tom Werthe eines Chronos disemosi 

den Aufschlag halb so gross: 

2 1 » 

weiiii ium zu diesL-n Takten ein drittrr genommen wird, dessen 
Niederschlag eben so gross ist wie bei jedem der beiden genannten 
Takte, während sein Aufschlag die mittlere Grösse (arithmetisches 
Mittel) der beiderseitigen Anfechlftge hat: 

^ _ . 

2 U 

Ein solcher Takt wird einen Niederschlag haben, welcher zum Auf- 
schlage in einem irrationalen Verhältnisse steht. Die Irrationalität 
wird aber zwischen zwei der Aisthesis £Ettslichen Verhältnissen, je 
nach dem Verhältnis des' Isorhythmischen und des Diplasischen, 

genau in der Mitte liegen. Dieber Tiikt lial den Namen Choreios 
alogos. 

Boeckh gebührt das groeee Verdienst, diesen QMweios alogos des Aristo- 
lentis üi den unter Trochaeen am Ende eines Kolons und im Inlaute des Ko* 
Ions am Ende der trochaeischün Dipodie statt des 3-xeitigeu Trochaeus ver- 
statteten Spondeus erkannt zu haben. Dies geht auch aus Bacchius de musica 

p. 2'» Meibom hervor, wo ein Takt „i^ iU-joj af.seiuc %<xl ddaew; u^roi; oTov 6o-^ f " 
(mit einem SjM)Ti(leu>< ab Rei?«piel) aufgeführt ist, welcher *lie antithetin* Ii- 
Form des /ooeIo; iX^vo;, näuilich ein „TaaV.; aXo^o;" anin würde. Bacchms 
nennt densielben »Upftio;, doch vonnutlie ieli. (hiss an dieser Stelle des Bacchius 
eine Lücke sich befindet, ((rriech. Rlivthiüik und Harmonik 1^67 S. 96). 

Der Richtif^keir der Boeckh'schen Enttleekung that es keinen Abbruch, 
da.'^s i{«ieekh die von Aristoxenus angep bcne Messung des Chmnos aJogus 
nicht richtig interpretirt, indem er dio bi ideu Takttlieilc nicht auf 2 + 1'., 
sondern '*/, + Chrono! protoi bestimmt, liie Zeit de.s ganzen Tiiktes also aul' 3 
Xf^i«ot npiöTot. Denn Aristoxenus sagt ausdrücklich, dass der Niederschlag des 
XOpcio« ^«rpK von gleichttik Zeltirerthe ma wie der, des Dakt^liM nnd der des 
Trochaeus, also dus er 2-ieitig und nicht ^'/^-zeitig sei. 

§ 21. Nur hüte man sich auch hier vor Missverst&ndnissen aus 
Unbefcaimtschaft mit dem Batioiialen mid Imtioiialen, in Weher 
Bedentong es in der Bhyfbmeidehre m nehmen ist Wie ich in den 
diastematischen Stoicheia dasjenige als etwas der Xatnr des Melos 
nach Bestimmbares ge&sst habe, was 



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11. 1. Taktiehre im AUgcmeinen. 



27 



erstens ein Melodumeiiüii ist, 

zweitens seinem Mpgethos nacli dadurch erkennbar, (dass es ein 
Multiplum des kleinsteu Intervalles der Meloduma ist,) wie z. B. die 
Bymphonischen Intervalle und der Ganzton oder alles damit Messbare, 

dagegen dasjenige als etwas bloss den Zahle in- erhftltnissen 
nach Bestimmbares, bei weldiem es derPall ist, dass es (tun) 
ein Amelodeton feiner oder grösser als ein der Natur des Uelos 
nach hestimmhares Intervall) ist, so soll ganz analog das Bationale 
nnd das Irrationale auch in der Bhythmik genommen werden. 

Das eine wird nämlich als etwas der Natur des Rhythmus nach 
Bestimmbares gefasst, das andere als etwas nur Zablenverbält* 
nissen nach Bestimmbares. 

Die in der Rhythmik als rational gefasste Zeitgrösse muss 

also 

erstens zn denjenigen gehören, welche in der Rhythmopoeie 
▼orkommen, 

zweitens ein bestimmbarer Theil des Taktes sein, in welchem 
sie einen Takttheil bildet; 
dagegen dasjenige, was als t twas bloss den Zahlenverhältnissen nach 
Bestimmbares gefasst wird, muss man sich analog denken, wie in 
den diastematischen Stoicheia das Dodekatemorion (Zwölftel) des 
Ganztones, and wenn noch etwas Anderes von der Art bei dem 
Wechsel der Interralle Yorkommt 

(Biesen Lnterrallgrössen steht näniHch das Mass gleich, mit 

web hem wir die Arsis des Choreios alogos, die zwischen der 2zei- 
tigen und der 1 zeitigen Arsis die Mitte hält, messen, d. i. der 
halbe Cbronos protos, welcher keine von den in der Khjtluüopoeie 
TOrkommendeu Zeitgrüssen ist.) 

Aus dem Gesagten ist klar, dass die in der Mitte zwischen den 
beiden Arsen stehende Arsis des Choreios alogos nicht commeii- 
snrabel mit der Basis ist, denn es gieht kein den beiden Takttheilen 
gemeinsames Maass, welches als rhythmische Grösse TorkSme. 

Die Analogieon seiner dia-stt nuirisclien St<ii< lieia (lutervallenlelu-e), auf tüe 
Aristoxenus vt rw l?i^t, fiTiflrn sich onte Harmonik und weite HarmoDik vgl. unt^n. 

Der haudschriljtluli überlieferte Te.\t des § 21 ist durch AtislasBuug 
von ^tzen veretümmelt. Wir haben durch Einachaltungen in der Ueber- 
Mtzung dM Urapninglidie hemuteUen gemeht Zur Notti kann insn den 



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28 ■ AriatoxenuB rhythmische Elemente § 22. 26. 24. 



Sidu dm Ton AiistoKeniu Dargelegten aus dem haadsehfiftlidi Erhalteneii ver- 
«teben, aber eben niir mit Noth und Mfibe. Ariatozennt achtolbt klarer md 
fkifllidher, und ricbert gicb lonst ttberaU vor deiar^^ MiasTentSndniesen aofii 
aoqiaamBte nnd pemUdiate. Vgl. den Anfang gerade dieses |. 

6. Sicbeufiiche Taktrerschiedeuheiteu. 

§ 22' Von den Unterschieden der Takte mögen folgende sieben 
dargelegt werden: 

der erste, nach welchem sie durch das Megethos (den TJm&ng) 

verschieden sind, 

der zweite, nach welchem sie durch die Taktart Terschiedeo 

sind, 

der dritte, nach welchem die einen rational, die andern ir- 
rational sind, 

der vierte, nach welchem die einen unzasammengeeetzt, die 
andern zusammengesetzt sind, 

der fftnfte, nach welchem sie durch Biairesis (Theilung in 
Takttheile) von einander verschieden sind, 

der sechste, nach welchem sie sich durch Schema (Form) 
unterscheiden, 

der siebente, nach w»*l( hem sie durch die Autithesis (Ord- 
nung der Takttheile) verschieden sind. 

Mit Bdckflicht auf den mit der Sache noeb nicht bekannt gewordenen 
Leser Indem wir in den folgenden Eritntenuigen der in Rede stehenden ^eben 

Taktverschiedenheiten die Reihenfolge. Für den inaerhalb des Griechm^tibiuns 
Stehenden konnte es kanm eine andere'Reihenfolgc gebi n als die von Ariatoxe- 
nus eingehaltene; für den zunädist auf die vulgären Takttheorien uns-rcr ma- 
sikalischen Theorien Angewiesenen mfissen wir dem Verständnisse durch eine 
etwas andere Beiiienfolge entgegen kommen. 

«'. Einfacbe und susammengesetzte Takte. 

§ 2G. Di»,' uiizusammeugeset/.ten Takte unter^clieideii sicli vrm 
d'iu zusammengesetzten dadurch, dass sie (die unzusammengesetzten) 
nicht in Takte zerlegt werden, irilhrend die zusammengesetzten diese 
Zerlegung zulassen. 

Auch wenn wir den „Takt'' unserer modernen Bhjthmik (Musik) defi- 
niren eoUon, so werden wir kanm eine andere gans sachgemlase ErkUUmng 



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IL 1. T^tlehre im AllgemeiiMD. 29 

geben können, als indem wir Mgeo: »»Der Takt iat entweder ein VersfaM oder 
er ist eine Combination von zwei, /von drei oder ancb von Tier Verafttflaen. 

An unaerer Instrumentalmusik ist das schwerer klar zu machon als an unserer 
Vocalmnsik, obgleich auch für die Instnunentalmusik jene Definition des Taktee 
in ihrem voUkominrncn Beclite ist, 

Takte aus einem Versfusse nennen wir monopodiscbe Takte, z. B. 
Don Juan 



4 , Artige ] Mfideben | ftthrst du ber- 



t 

bei 



Talite aus zwei Versiüssen nennen wir dipodische Takte z.B. Zauberflöto 

4 Der I Vogelftnger bin ich ja 

Takte aus vier Versfüssvn uenueu wir tetrapudibcbe Takte B. 
Hindd Messias 

e Er I weidet seine Heer-de 

Takte aas drei Versf üssen nennen wir tripodische Tidttei doch kpmmen 
ne haiqitsKchlich in der Instrumentahnnsik Bachs vor; fttr die Voealmwgik ge< 
stehe IdXf kein Beispid anführen ai kdnnen. 

In der Pnuds geht auch der griechische Takt nur bis zur Tetrapodie; 

the(»etisch exkennt Aristoxenus aber auch Takte yon lltnf und sechs Ven- 
« 

Dissen an: peutnpodischi; und hexiqKHlische Takte (vgl. unten S. 59). 

So hat denn bei Aristoxenus der Takt zwei Bedeutungen. Er bedeutet 
einmal „Versfuss'*, wie bei den griechischen Metrikem, er bedeutet sodann 
eine Verbiiidmig von 2, 3. 4. 5. ß VersfÜlssen, fifir welche bei den Metrikem der 

gew öhnliche Name „Kolon • i^t. 

Den larmoiiodischen (iiüt dem Versfusse ziiPammciituUcif len) Takt nennt 
Arit-tiixrmiö ciut'uchL'n Takt: den au> nit-hrrren Versfiis.«! ii oder monopo- 
diÄcheii Takttii btötcliiiiiiiu Takt lanuf Ari.-^toxeuuö zu.-^auiuiengesetzten 
Takt. iJitü besogt die Definition § 21): „die einfachen Takte lassen keiuu 
Zerlegung in Takte zu, wohl aber die zusammengesetzten.'' 



Gerade und ungerade Taktart. 

6 24. Durch die Taktart unterscheidet sich der eine Takt von 
dem anderen, wenn die ihjthmischen Verh&ltnisse der Talcte ver- 

schieden sind. z. B. wonu der eiue Takt das t;»'iiulL' TaktvrihiUtiiis, 
der aiuler«.- Takt das /wt-ithciliiT-uncreradp, der dritte ein anderes 
der errhytbmischeu ^ erhäiUüsse, z. ü. dus iüuüheilig-UDgcrade Takt- 
Verhältnis hat 

Wir Bfodemen unterscheiden scUechtfain eine gerade tmd eine ungerade 
Taktart Die Griechen haben swei tmgerade Taktarten; die eine ehie swei- 



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30 



Aristoxemu rhyäuniMÜie Elemente | S4. 23. 29. 



tiieilige wie mia, die andere eine fünfbhdlig'Ungerade , welche In der mo- 
dernen Musik äti.^st rr^t selten ist und keineswegs bei uns den beiden anderen 
ooordmirt werden kjuui. Selbstverständlich be^^ieht sich die Untencheidon^ 
der geraden und ungeraden Taktart sowohl auf die einfachen wir« auch auf die 
zit.*ammenp^setzten Taktp. bei AristnxemiH nit-lit minder als bei den modernen. 
Nvir i.^it Aristoxenns in dic-icr T'^ntcrscheidmi;.' der gorailen und ungeraden Takt- 
art für die zuaiimmcugeset/fen Takte viel gewissenhafter als die moderneu • 
Musiktheoretiker. Ein aus vier ungeraden einfachen Takleu zusammengesetzter 
12 

-g'-Takt iet nach Lobe ein ungerader Takt, naeh Ariatoxenns dagegen ein 
gerader Takt. 

(jWenn ich vier Drei - Bubd - Scheine beeitae, so wird <die Geaammt- 
labl der Babel nicht minder eine gerade sein, als wenn ich iwölf einaelne 
Rubel habe. Genau diesem Gebrauche van ,^erade*' nnd „nngerade'*, in wel- 
chem die Sprache der Aridtmetik nnd des gewöhnlichen Lebens die beiden 

Wörter anwendet, entspricht der gerade nnd ungerade Takt im alten jetzt 
mehr als 20ü0jftbrigeQ Gebrauche des Aristoxenns. Als dem gewöhnlichen Ge- 
brauche entsprechend bedarf der Aristoxcnist^he Gebrauch keiner besonderen 
Rechtfertigun|Lr. Dagegen ^^lire dif r>ell*e filr den vom gewöhnlichm Leb ab- 
weichenden S|iraeligebraucli Lolies nothwendig, wenn die^ T darauf An^jiriuh 
macht, an die Stelle des Aristoxeniricheu gesetzt zu w i rden." All:rem. Theorie 
der musikul. lihythmik seit Bach 18S0 § 57. Ich weiss übrigens, däss die Lehre 

Gl** ' 
Lobes, der -3-- und Takt sei ein ungerader , keineswegs aUgemehi von den 

o o 

Musikern adoptirt ist; alle, welche ich um ihre Auffassung fragte, meintm, dass 
diese Takte unter die Kategorie der geraden zu zählen sein werdenl 



§ 28. Ihirch das Megethos (die Grösse oder den IJiu^Euig) ist 
ein Takt von einem Takte verschieden, wenn das (durch die Anzahl 
der Chronoi protoi) sich er§rebende Megethos in dem einen Takte 

eiu grösseres als in dem aiuln n ist. 

Hierin weicht die griecliische Anschauung von der modernen iu folgendem 

Stile ke ab: 

Wir denken uns den monopodischen dakt/liüchen Takt grösser und kleiner 
je nachdem er durch j J j J oder JH j'J oder J J beaeichnet ist, ebenso 

den tetrapodisch-daktyUschen Takt, je nachdem er durch jj ^ ^ ^ oder 
J ^ J ^ oder durch , , , ^ ausgedrückt ist; ebenso denken wir uns den tri- 

podtsehen -s-Takt JjJ2 STTi jJTv S^^*^ ^ tripodiachen 



Y*. Verschiedenes Megethos. 




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IL 1. Tsktlehre im AUgemeinen. 81 

haben die Alten nicht, ^ J j j J ^'^^ J J ' j 'J tmd ^ dieMan 

FaOe nidits Midars nnd als je vier Ghfonoi pretoi Und selbst wenn in diesen 

yeisdiiedenen flehrelbangen, in der Tiertel-, Achtel- nnd Sechssehntel-Sohrei- 

bnng, die Takte rieh Ton einander dnieh grOseere oder geringere Gesehwin* 

digkeit unterscheiden sollen, wie dies wohl in der lostnunoitil-lfarik Baclis. 

aber nicht bei Mozart und Beethoven, der Fall ist, so würde das nach 

Aristoxenns ein Unterschied des Tempos, aber kein UntcÄchitd des 

Taktes sein. Die Griechen zählen, wie gesagt, bei einem Takte nur die Ge- 

sammtzahl dor Chronoi protoi und geben dabei das Ocnos (di<^ Taktart) au. 

Wir mtKierncn inüs:«ten , um ein genaues Takt-Vorzeii Ii» n m n Ixu unseren 

Taktbezeichnungen noch hinzufügen, ob der Takt < in mouoiKiiiischer, dipodi- 

scher, tripodischer, tetrapodischcr ist. Es giebt inouopodische, dipodische, te- 

trapodische 'C- Takte: die dipodischen bei Bach regelmSssig q geschrieben 

(kleiner alla breve Takt), wäiirend bei späteren wenigstens in den Ausgaben 

C nnd d; gewöhnlich yerweehselt wird; es giebt monopodisehe , dipodiBche^ 

2 4 
tetrapodiscbe -j- Takte» die monopodifichen hei Bach -g-^Takt genannt; es 

^bt d^iodisehe nnd tetra.podiflch alla breve Takte (kleine imd groese), jene 

3 

(Ci diese Q geschrieben; es giebt monopodisehe und tripodische • und ebenso 

8*9 

Takte. Es giebt monopodisclie nnd tripodische Takte, die monopo- 

g 

dischen - Takte gehören zu den triolischen, deren wir S. 15 erwähnten. 

V* Verschiedene Ordnung der Takttheile, verschiedene Antithesis. 

§ 29. Durch Antithesis unterscheiden sich von einiindei: die- 
jenigen Takte, welche den schwachen und starken Takttheil in einer 
entgegengesetzten Beihenfolge haben. Dieser Unteisckied wird Statt 
finden bei Takten, welche gleich sind, aber den schwachen nnd 
starken TaJrttheil in emer ungleichen Anordnung haben. 

Iiier ist der handschriftliche Wortlaut der Aristoxenischen Detiuitiuu sehr 
corrampirt Ich habe ihn, so gnt es gehen wollte, nach dem Sinne hergestellt 
Doch weicht diese Definition der Antithesis isuneihin in ihrer Fassung von 
der Manier der flhrigen Definitionen ab; man m(»ehte die erhalbmi Worte des 
letzten Satzes eher einem eridärenden Sehptiasten snschreiben. 

Der Anonymus Bellermanni § 3 und § 83 giebt die Notis: ^'H (fciv oov 
0lsie ei)(iaivctat 8xav dnXAc si](isTov doxtxTOv 's» ^ d^i; Srav ivzvf' 
|i.l>«v* '8o« vjv ^fycoi tp{ii)c ^ |fciX«uc X^ftlt «117^1^$ 4j XP''^^ ^ «aXoo- 
fkiwi xno6 icepd twt fpdrftxon ^ [i.axpä; SiypfJwj — tj Tfiyp^^vou 7 -;-pa^p<. 

ftta^n^Xeifi^lAata. Von § 97 an enthält der Anonymns emige Hnsikbeispiele 



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32 



ArietozenuB riiythtniache Elemente § 29. 



in Lutrutaeutalnoten, in denen sowohl die ori^uiti wie die den y povo; xevöc und 
die (Jiaxpd bedeutenden Zeichen zu den Noten him:iiu'>'rü^t sind. Aber bczüg^ 
lieh der o^t-fur^ i^ehIie88en wir aus diesen Musikbcispieku , daas in der m An- 
fang peinachten Angabe die Wörter Oioi; und apat; vertauscht sind: es muss 
heissen ..r }i.ev ojv apai; OT,u.alv£Ta'., St«/ irr/vü); to ot,(jlciov ästtxTON r, tj 
0£ i*£3i; oTiv £3TtYa£vov. Dein würde «.'iiti^jjreehen, dass sonst überall hei cit-n 
Musiksclii^slt'lleni an erster Stelle die dipou- nn zweiter die Üi-i; ^enaniil wird, 
wenn nicht^ wie Aiiötoi. rh. t J. § 20, cerado bcatiumi t e Takte ^'ouieiut sind. 

Die „0Tt7[jiT/* hatte also laut dieser Mittheilimg in der alten Musik die 
Bedeutung unseres .Taktätrichea. Für unsere moderne Notirung nehmen wir 
an^ dam der Taktstrldi immer dea Anfu^ einM Taktes bedeute, und wir be- 
leichnen alleB dem Taktstridie Voratugehmde als Vortakt 8o war es bei dea 
Griechen nicht Ale Beiapiel eines coi^c i^oi}|j.o( bringt der Ancnymos § 97: 



T f L 


f I- X r 


t 






1 1 1 



Hier wird der roü; nicht wie bei uns (von Taktstrich zu Taktstrich) ge- 
rechnet, sondern je vier Töne bilden einen rw; E^d9i)|ioc, der auf der vierten 
Note die «TtYi*^j hat Auch die in der Folge zu erläuternden Angaben 
det^ Aristoxenus stimmen damit übcreiu, dass riaeli d< r antiken Auffassung der 

Takt keineswef«? immer mit der am meisten aeeeiituirt* ii Note hefrinnt. p(nideru 
da.-H aiuli die niehtaereiituirten oder weniger accentuirten im Aufan^'e des 
Takteb i^teheu können. Wir Modemen gehen dagegen so weit, d&aa wir z. B. 
▼om Anfange des Don Juan: 

C Keine \ Bnh bei Tag und Nacht 

sagen, dem Takte gehe hier ein Auftakt von dem Umfange eines ganzen Vers- 
Aisses voraus, obwohl wir für den poetischen Text nicht anders wissen, als 
daas ,^ine^ eu iategrirender Bestanddicdl des Kolons ist Von dem Verse 
der Baehsehen Cantate f,ieh hatte viel Bekümmernis": 

I i t Im 

C Bftche von gesalznen Zähren 

sau'fii wir >Oizar. da?p dem ersten letrfiiM»dii;ehen 'l'akte ein Auftakt von drei 
\'er;>tu.Hhcu vuraus^M'lif. Ks wäre Zeit, daB^ wir im Intircssc der richti^'en 
rhythmischen Autiassung zu der Takttlicorie der Griechen zurüekkehrien, 
und nicht mehr den Takt äusserlioli nach der J?telle des Taktstriches bemüsi;en, 
sondern den Satac aussprächen, dass auch bei uns ein Takt, namentlich ein 
grösserer ansammengesetzter Takt, den Taktstrich bald am Anfange , bald in 
der Mitte, bald gegen das Ende su (vor der stärksten Aecentnote dm ersten 
oder des aweitai öder des dritten oder des vierten Versftisses) haben könne. 
Gestehen wir endlich ein, dass nnser Taktstrich gegenüber der Weise der 
Grieehen kein Fortschritt, sondern em noth wendiges Uebel ist, nothwen« 



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. IL 1. Taktlehre im Allgeuiciuen. 



33 



dig dnieh die GteidMeittgkeit venchiedener Stimmen, obwohl auch die Poly« 
phonie der Mfaeren Jefarhunderte, wie s. B. Paleetrinaa, des Taktstriches noch 
entbehren konnte. 

c'. Takte von yerschiedener Diairesis (Theilung). 

§ 27. Durch Diairesis unterscheiden sich die Takte von ein- 
ander, wenn das gleiche Megethos in ungleiche Theile zerlegt wird, 
ungleich entweder sowohl durch die Anzahl wie durch die Megethe 
der Theüei oder blofls durch die Hegethe. 

Ißt den Worten stimmt die Uebersetzimg nicht genau flberehi, dm Sinn 
giebt sie voUstlndig genau, Sxav t6 (Ai^sBoc sU d^wa iiaipeOfj , 4)Tot 
xatck d|if4tepci* wni tc Tiv dpi9|«^ «al «atd xd yiVfi^ti, 4| xard ftdtcp«. JBs 
eigiebt lieh leiehtf dass dies „eine toh beiden*' „Anaahl oder GMaae der 
Theile** nicht die Anzahl, aondem nur die GrSeae aein Innn. nnten. 

Ein Torlättfiges erläntemdes Beispiel ans der modwnen Mnsik: Der 
6 3 

^-Ttkt nnd der - - Takt enthalten jeder aeehs Achtel, aber die Diaixfl^ die 
Takttheilimg ist verschieden. 

5*. Takte von verschiedenem Schcuia, 

§ 28* Durch das Schema uiitorscheiden sich die Takte von 
einander, wenn dieselben Theile desselben Megethos nicht auf die- 
selbe Weise geformt sind. 

Bier ist die Texteafiberliefenmg defect: „Siav td aörd fii|M) tou aötoü 
licjiBouc i^ifj AwifoK {•** Offenbar ist un Ende eine Lficke, welche Ftaellns 
anaüSll^ wann er tbodkwc j xtxv(^i'*a" echreibt. Ich hielt das Mher fir 
das antiientiBche Wort des AHstoxenus. M. Schmidt widerspricht nüt Becht nnd 
verlangt „i*.^ woa-jTiu; Dann wilrde die Stafool x^jitd oyfj|M mit der 

Siaspopd %ir divrifteoiv auf dasselbe hinauskommen, von der sie doch augenschein- 
lich etwas verschiedenes sein boII. Km e Vcrbalfonn mif Ht^ erfordert die durch- 
gängige Analogie: sie ist noch genauer, wenn wir als Verbuu £axT)|AansdJ]g 
ei^änzen. 

Aiaipdaei 5e Sta'f tpouaiv dXX^Xiov Sy-/j(jiati oe oiacpepouoiv dXX-fiXmv, 

ei; ansa p.£pT, oiaipcöiQ. (baauTta; oy -rjiiaTta&iQ. 

„Theilungs-Ünterscfaled ist es, wenn anders getheilt ist*' 

„Form-Unterschied, warn andern geformt ist" 

Das schdnt «war eine etwas äusserUche Definition an sein toh der Art 
der al^mnstisehen „Servos est qni sen^t." Aber irir mttBsen bedenkeni daas 
vor Aiistozenns die Namen xstA Wlpcatv nnd ««td vi^n fttof op4 noch nicht 
Hblieh waren, dass er snerst diese Nen«rnng in der ihythmisdien Terminologie 
gemacht hei. Und da ist der Sinn doch nur folgender: „Wenn gldcfa grosse 

Ari»tos«]iiii. Mftlik o. Bhifhmlk. 3 



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84 



Aristoxcnus rhjtbmiBche Elemente § 25. 30. 



Takte verschieden gctheilt sind, so nenne ich das Theiluugs-Ver- 
■ehiedenlieit der Takte; wenn gioeae und gleich getheaie Takte in 
Uuren tinielnen TbeOen andere geformt sind, eo nenne ich daa Form- 
.Verschiedenbeit der Takte.** Das kann man sieh gefallen lassen. 

Alle ttbrigen ünterBcMede der ii6te(> so viele ihrer enetiren, sind in den 
Aziatozeniadiea Sut^pal berdcksiditigt, nur der eine Untersehied, dass bd Gleich- 
heit der Taktart, des Takttunfaiiges und der Antithesis der Taktthcdle swei 
Takte eine verschiedene Silbenform haben kdnnen, s. B. der ^e 

(ovixöc d.r.h fjielCovo; die Form j, — \j\jf der .andere die Form x , dieser 

Unterschied würde von Aristoxenns übersehen sein, wenn nicht dessen ,,5iatpoc.d 
xari T/rnt r.nlh-" eben von dem verschiedenen „Silbenscbema des Vcre- 
fuBses'^ zu verstclxen wäre. 

Es handelt sich allgomeiu f,'* .-atrt bei dt m 3y T^(Aa um die Art und Weise, 
wie bestimmte rbythmifiche Z< itgriKsseii durch die u^ot] zm ^'^ftjiiCofjiivou aus- 
gedrückt werdcu. KaAüj; o eii:itv totoüxov vot)t£ov io ^jiljxtiöjxevov, otov S'jvo3«^ai 
(jLeTaxlöeaöai el; j^^pöveuv {j.r]fid7) Ttavxoootrd xal et; 5u''ö£aet; TravcoSana«. Besteht das 
^ud]xiCö|xevoviB d«i SIben der Xi^ic» so luum es votkommen, dass dasselbe 'i^itfw* 
I*Iys8o« „6n& |ita$ &iXXaßi]c «at«XiQ^l>ir;" oder daaa es „6nö «Xst^voiv bXXaßAv 
xttcaXi}^pdf Im ersten Falle nenn^ wir den XP^^ t*^^ ^ii8|ftoicot{ac 
Xp1i<nv ßXlicovcee" einen de6v(htoc, im aweiten Falle ehien oli^dcTo«. Axiatox. 
ihythm. § 14. Die Sta^opa oxi^iiato« leotAv bestdit also daim, daaa in einem 
in(k« derselbe XP<^ ^uO{iwbc in der Sylbenauaammenstellnng ein dbövftnoc oder 
dass er ein ouvÖcto; im Sinne der xp^jOi; [)ud(MnMtac sein kann. 

Aber wir haben bei jeder der von Arit^toxenus aufgeführten ^lo^pal icodAv 
nicht blos an die do6v*)eToi rrfiSe; oder Versftisse zu denken, sondern, auch an 
die otivOcToi röSc« oder Kola. Und hieran d*>nkt Arietoxrnns bei der ^ti^ooa 
xuTd ff'/'^j^i'a tranz pp« ciell, wii' uns di r von ihm gegebenen Detinitiou liervor- 
geht. Die tinzi lneii Vi rstüsse, aus denen der ojvHe-o; trou; zusammencrefetzt 
ist, erhalten verschied» ne Form durch Auflösung und Zusammeuziehung, das 
ganze Kolon ausserdi m aber auch noch 1) durch die vi lichiodenen Arten der 
Katalc.xis, im Aubluute und auch im InUiutc, 2) daduich dass das xüXov ent- 
wehr ein ««(lapiv oder ein |i.ttt^ ist AJao dhrdBtets (««tdXr.^i;) und (it&c sind 
die bdden Elemente, auf die es bei dem «x^pt^ toO «v^itoo mSi« ankommt 
Vgl. davttber unten S. 113. 

r'. Rationale und irrationale Takte. 
§ 25. Die irrationalen Takte unterscheiden sich von den ratio- 
nalen dadurch, dass der achwache Takttbeü mit dem starken nicht 
commensurabel ist 

YgL AiistoK. ihjthm. § 20 mit der von ims dazu gegebenen Erläuterung, 

aus \vclclier erhellt, dass es hei den irrationalen Takten hauptsächlich auf den 
Auslaut des Kolons oder bestimmter rhTthmisoher Abschnitte im Inlaute des 
Kolons ankommt 



I 

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n. 9a. Tfektarteik und Taktgrdtten oontimürlicher Bhythmopoeie. 85 



2. TAKTABTEN UND TAKTGBÖS8BN. 

a. Taktarten oontixrairliotaer Bbythmopoeie. 

§ 30. Fiii' die Takte, welche eine rontinuii liche ßhythmopoeie 
Terstatten^), giebt es drei Taktarten, die daktylische, die iambische, 
die paeomsche Taktart 

die daktyfisdie in geradem YeilAltmBse, gerado* lo^ isoe, 

Verhältniss des Gleichen; 

die iambisclie in (kin ungeraden Verhältnisse 1 : 2, ungerader 
logos diplasios, Verhältniss des Doppelten; 
die paeonische in dem ungeraden Verhältnisse 2 : 3, ungerader 
logOB hemiolioB, Yerhältuisa des Anderthalblachen. * 

*) Continuirliche Rhythmopoeie SyvE/Y ; fjuft|jioi:oi(a ist boi Mar. Victorin. 
mit „c<Jiitimia rhythmopoeia" übpreetzt. Ileiihacstion gebraucht das Wort a jvevY c: 

1. von der continuirlichen oder weuigstcna mehrmaligen Folge deatielbcu 
VenAuMS inneilialb diies MeAtom oder SCidKM. Es wenden aaeb ibm & B 
die Komiker im iambiadien ÜMmetron dem Anapaest cuvt^Ac an, wie 

Veflp. 979 «aTdßa, «aTdß«, «crrdlßa« »atd^a, «(iT«ß^ao|iai 
(fünf AnapaeBfcen hinterebiaiider), 

Ay. 108 zoSaroi xl ^ivo« l\ Zdcv al Tpif]pet( al %iahA 
(drei Anapaesten hintereinander). 

Hejtbaestion c. 5 sagt: Toütov (riv dvötrctia-rov) hk 6£y6Tcti tö iafißt-xov r.npi 
pov. Derselbe sagt c. 6 von dem im trochaeischen Tetiumetron augewendeten 

Aomp 7. Ott £v TÖi {ajjißixip tqi iirl r^; dLprlou dvaitaCarifx 

1. Von der continuirlichen Folge ein und desselben Kolons oder Metrons 
a B. des scvaitawroiöv itapotfiiiax<iv p. c. 8: KpaTivo; oi i-v'O&uootüot aör«^ i^ugt^mno. 

xctt rävTi /.'j^ov Tolya xe'jsct 
ferner c. 9 von den ^0(>ia(rkßt)id Texpa^UTa ä xal auve^iOTepi iam ola xauxl 

Xd iMSfO^i 

Auch Ton dem paeoalMlien Vene 

8Ü|icXd(dv 1§t {icixap I (fiXotppdvoK cU Cpiv 
Mgt Hephaestkm e.18 ^tp ^ {^(uv tpöny ativc^^C «iXpffl^M «ftrouc did tot» 

tcxpafilxpou, ftoxt xoU xpiol irohooi xot( icp«6xotc irA'(tiy xpr^^z^x6'^. 

Hiernach bedeutet ..~''7,-i, welche die oyveyi] ^u8(j.oroi{a annehmen", soviel 
wie mIcö^c«, welche mehrmals oder eontinoirUch wiederholt werden können.'* 

8* 



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36 



AriBtoxemu rbjthnuBche £lemeiite § 30. 31. 



Dieser Austlruek des Aristoxeaus schliesst in sieb, dass es ausser deu in dit* «ein 
ZnMuguDenhange genannten le^t^r« und Taldnirten «idi nodi «ndow ic6S<c glebt, 
(«edhMoi nMec), welche eine ou'vcx'ji ^u9{Miiot(a nicht »nnuhmep, — wddie nidit 
mehxmal hintereinander wiederholt, sondern nur isulirt gebraucht werden kön- 
nen, nnr bo, daaa ihre Continnitit von anderen nMs« unterbrochen wird. 

**) Damit wir von einer aus glichen Einheiten (hier den chronoi protoO 
besteliendm Gruppe ein deutliches Bewusstsein des Ganzen hulx n. zcrlt'gcu 
wir sie inTheile. Am riufachstpn ist '1i • 7(>rlegtinf^ in zwei Theile, oinerli i ob 
diese einander gleich oder in liwv für uiiSLre Aiathesis leicht zu uierkeudeu 
Weise ungleich sind. Nicht nur die einfachen, sondern auch die zusanuuen« 
geeetrten Takte aerlegen wir in dieser Art: 

^ I Grup}>i: gerader Tbeilang (dak^lisch) 

^ I — » dreitiieilig-ungerade Omiigie (iambisch) 
— — I — ^ — IBnfttieilig-usgerade Gruppe (paeoniach), 

wobei wir uns eine jede der kleinen Linien entweder als men Chronoa 
protos zu denken haben (dann ergeben sich eiufkehe Takte oder Yerafilflse), 
o^er als ein Multiplnm ▼onChronol protoi (dann ergeben aidh anaammen« 
gesetzte Takte). 



b. Um&ng der Takte continiiirliclier Bhsrtliiuopoeie« 

Voa der Taktscala dea Ariatoxenna iat nna unr { 81—85 erhalten, von 
§ 36 nur der Anfang. Davuft bricht daa I^agmoat dea cod. Yaticanaa für 
immer ab (der co<l. Yenetus schon früher, inii) rliall) des § 19). ,3creit8 G. 
Hermann vermuthete, dass hier ein wichtiger Theii il« r Aristoxenischen Rhyth- 
mik verlrifi n gegangen." G. Hermann opusciila ?> p. 1)2. Ks ist einfr der allor- 
wichticr.^t< ii . allein p-ernde hier i;<t der Veiluj^t nicht unersetzlich. Deiui daa 
Erhalteue gieht im- die sicheren Normen au die llaud, mit denen vnr die 
übrigen fiCY^&r; vom s-zeiti^n n un re-stituiren und die in der Handschrift abgc- 
bruehcne .Scala bis zu d<'m t^iudpunkte fortführen können, der uns aus dem 
Excerpto dea Paellua, aus dem Fragmentum Pariainum, aus Ariatidea und a^iem 
UebersetBcr Hareianua CapelUi bekannt Iat £in Fehltritt iat hier geradein 
nnmöglidii weil una der Gang, den die fiealitntion au nehmen hat, genau durch 
daa Yonuugehende vocgeachriebcn ist Boaabach, griech. Bhytlunik 1854, 8. 59. 

1. Droizeitirfcr Takt, 

mouopodlnob. 

§ 31. Von den Takten (der continoirlichen ETthmopoeie) aind 
die kleinsten diejenigen, welche ein dreizeitiges Megetiios haben. 
Denn das zweizeitige SIegcihos würde allziihftnfige TaktachUl^e er- 
halten müssen (joder Takt hat ja mindestens zwei Chronoi podikoi, 
also mttsste in dem zweizeitigeu Takte ein jeder Chronos protos als 



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IL 2 b. TaktigröBsen und Taktartea continnirUcher Khythmopoeie. 37 

Chronos podikos markirt wenli ii*). Der Taktart nach werden die 
drt'izoitigen Takte**) iarabische sein; denn bei drei vfird nur das 
Yerliültniss 1 : 2 stattüudeu können. 

*) Auch wir Modernen haben kdnen sweizeitigen Takt, denn es wfixde die 
E^^tliflnilichkcit dnes solchen Talctes sein, dass die beiden Chronoi ])rotoi 
doasolben untheilbar wizen, dass sie unter keinen Umstanden und in keiner 
der TerschiedeDen Stinunen in kleinere Zeitgrössen MrfiUit werden k&mten: 

also I. B. A -Takte, deren Achtel niemals in Secbsiehntel getiieilt werden 

8 

könnten. Von solclion Coinpositinncn <.nobt es in unsorer Musik .scliwerlidi ein 
Beispiel. Also in der continuiiliclit ii lihythmopoeie der Modernen fehlt der 
zweizeitige Takt nicht minder wie in der antiken. 

Der zwci-zoitigt» Takt wird von Aristoxenus aus dor con tinuirlichen 
RhythmojKX'ie uusgrsohlos.son, nicht aus der Khythmopot ie überhaiij)t vjrl. S. Tß 
AudtTc Bt'riclit» i jitattrr, welche nicht wie Aristoxenus den Satz vom riiterfjchiede 
einer continuirliclien und einer nielit-<;ontiuuirlii hen Rhythmoj»oeie au die 8j>itze 
der Taktlehre stellen, statuiren einen zvvei-zeitigen Takt als kleinsten des dak- 
lylisehen Rhythmenpeschlechtes Aristid. p. 85 Meib. vgl. unten. 

••) Die dreizeirigen Takte sind in der modernen Musik stets einfache 

Takte, bei der Achtel-Schreibung des Chnmos protos als .^-Takt, bei der Vier* 

o 

tel-8dfardbnng als i-Takte noturt 

Dreizeitiger -^-Takt. 

Bach, Saite I. 6» S (Peters) Fsasepled IL ' 

1. 2. 8. 4. 




>£f\j\^ y£f\j\^ vi/ 



Dreiseitiger -^-Takt 

Baeh Orgel-Sonate 4 (V, 1 Peters) Paasacae^ 



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88 • Anstozenus rhythmische Elemente § 81. 82. 

Dreixeitige Takte sind unter den^ imd —-Takten nur diejenigen, welche 

wie die vorrtebenden je vier sa einem Kolon «sammengeeetit werden 
k&rnen. Nur diese sind Takte des trochaeisdien Bhydimiis. Di^ezugen 
S 8 

4- nnd —-Takte aber, welche schon je zwei zu einem Kolon als Protasis 
8 4 

oder AjKxIogis diT Periode zusammengosctzt worden können, wie di«' betrefien- 
den l'akte des Hach'schfn Menuftts. der !*ol<>n<ii?(\ der Sarahiuide, Courant© 
sind nic]it Takte de.s triicliai isclicn lihytlunus, saudern des ionischeU) nicht 
dreizeitige, »uuderu seckszeitigc Takte, vgl. § 34a. 



2. Vieraeitiger Takt, 

§ 32. An zweiter Stelle stehen die Takte von viei zeitigem 
Umfange. Der Taktart nach sind dieselben gerade (daktylische). 
Demi bei vier lassen sich zwei Verhältnisse annehmen, 2:2 und 1 : 3, 
von denen das letztere ftriplaaificlie*) niclit enliytlimisdi ist, das 
erstere (daktylische) uater die gerade Taktart ftUit^) 

*) Ak isolirter Takt kommt auch der tripla^iache vor, aber nieht in der fort 
lanfendfin BkTAmopoeie vgl. unten 8. T5. 

**) Der vierzeitige Takt (stet^ ein monopodischeri stellt .sich bei uns in der 

'> 

Sechazelmtel-Sclircibung des Chrouos protos als — -, in der Achtel-Schreibung 

8 

als 4^ oder als i-Takt, in der Viertel-Schreibung als !• oder als OTskt dar. 
4 8 4 

Monopodiseher -Takt Er begegnet selten genug. Ich entnehme ein 

Beispiel dafür dem i'aust, — nicht Gount»d"s Faiust, sondern meines hessischen 
Landsmannes L. Spohr, den wir heute mit Unrecht über dem des Franzosen 
n vergessen scheinen. 

Spdhr, Fanst No. 9 AIlegro-Gbor. 



Brenne La - ter-ne, na - ho und fer - ne, däm-me-re auf. 




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II. 2b. Taktftrten und Taktgrösseu contmnirlicher Bhyäunopoeie. 39 
FUmmve und lea-dite tt - ber die feaoh>te Hai- de hin • anfl 



1. 





MonopodiBcher -^-Takt. 

Glnck Iphigenia Taur. Nr. 6 Allegro-Ohor der Seythen, 



irr 



Be 


" elnf-tigl 

h-« ^ 

#- 


ist der 

1 

r~" — *~i 


Gtft-ter Wuth 

. J - j , 




1 1 
1, 


i 1 
S. 


S. 4. 



da «e tma adbatdasOpler aendeo* 



I 



( I 



1. 



2. 



r -t- ^ 
r r r 

8. 4. 



Mosart Don Juan Nr. 11 Presto. 

Ar-tige Mädchen fithist da mir lei - se 



1. S. 8. 4. 

iKieh deiner Wei - se zuui Tan - ze her • bcL 




1. 



2. 



8. 



4. 



2 



Den monopodischcn - Takt kann num durch daa blosse Taktroneidien 

2 

nicht von dm genau aof dieselbe Weiae vcngeaeichneten dipodiachen - Takte 

uttleracheiden. Daher ist die Schreibung derjenigen Tonosiehen, welehe daa 

2 2 
— . . Vorxeich^ dem cUpodkcbcu zueignend, für den monopodischeu • Takt die 



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40 



Ariätuxeuuä rliythuüsche Elemente § 33. 34. 



i)chreibung-— - Takt wülüeu. Da^ letztere geschieht bei Bach als einzigem Bei* 
o 

spiele in dem nnedirten Praelndium, welches Spitta in der Biographie Bachi 

I S. 430 l)€sproehen. Auf m» ine Bitte hat mir derselbe die von ihm p:enom- 
mene Abschrift des Praeludiums („nach dem auf der K<)ui<;l. BibUothek zu 
Berlin befindlichen Manuscripte — mit Bleifedercorrecturen von Alfired Dörffei 
nach der Handschrift im Boche de« Andreas Bach"*) überlassen: 

1 2 S 4 




Monopodischer - oder CTakt 

Beethoven Clav. Sonate op. 13. Multo allegro. 

-ÜB. 



1. 



1. 




-H- 



4 

Bei Bach findet sich der monopodische - Takt selten; höchstens in der 

Voeahnnsik, niemals in der Instnunentafanosik. Bei den folgenden, bei Haydn, 
Moaarty Beetiioven immer hinfiger, ist hier aneh in der Instramentalmnsik dner 
der hinfigsten Takte. 



3. Füufzeitiger Takt, 
inonopudlsch. 

§ 33. An dritter Stelle stehen die Takte von fün&eitigem Um- 
fimge. Denn bei fünf lassen sich zwei TerhSltnisse annehmen: 1:4 



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II. 2 b. TaktgrÖssen und Taktarten coutanuirlicher Rhythmopoeie. 41 



(tetrapl!isi«?cli ) und 2:3 {licmiolisch). Von ihnen ist das tetrapla- 
sische kein errii) tliiniHche8; das hemiolische wird füuftheilig-uugerade 
(paeomsche) Takte bilden. 

Iba hat sich mehrfaeh bemüht (Ldire), die fün&eitigen lU^te Qpaeoiilsehe 
Venflüae) ans derfibytiimikder Gtiechen aussnwetsen, sie in der moderne 
Musik nidit m Bedit besttiiden. Das letztere ist wahr, das entere ist der £r- 

klänmg des Aristozenus gegenüber, der hier aHein m entscheiden hat, mundg' 
lieh; ja es shxd uns in den Musikbeispielen des AnODTmuB Kola ans fdnfiwlt^pen 
YersfllaseQ Überliefert (vgl nuten % S8). 

4. Seehexeitige Takte, 

monopodffldM und dIpodlMh«. 

§ 34. An vierter Stelle stehen die Takte von sechszeitigem 
Um&nge. Es ist dies Megethos zwei Taktarten gemeinsam, der ge* 
raden (daktylischen) und der dreitheilig-ungeraden (iambischen). Denn 
▼on den drei Yerhältnisseiir welche sich bei sechs ergeben» nftnificb 
3:8 (isorrhythmiseh), 2:4 (83l:2) (diplasisch) und 1:5 (pentfqila- 
*si8ch) ist das letztgenaimte kein errhythmisches, von den beiden 
anderen aber wird das isorrhj tl ^mische dem daktylischen, das dipla» 
sische dem iambischen Rhythmengeschlechte zuialiun. 

a. Sechözeitige Monopodie. 

Wenn der sechszpifipe Takt der iambisehen (dreitheilig inifrf'rJidfni Takt- 
art angehört, dann i.st er ein monopodisclier 'Vnkt. Die Alten unterscheiden 
denselben von dem dreizeitigen derselben Tuktart d:ulureli. dnstf sie den drei- 
zeitigen „TroeLaeub'" ueuneu, den .sedi-^zeitigeu „Jouicus'", früher wie es sdieint 
„Bakchei'is * I'lutareh do mos. 2U; der Name „Jonicus" ist zuerst bei Varro 
nachzuweiicu; er kam auf, als die von Sotades in diesem EhytbmuB geschrie- 
benen Gedichte (aus der SSeit des zweiten Ptolemaens), wdehe wegen ihres 
Dkkl^tes des Namen («wtxol Xö^ot erhietten, sn einer Lieblijigslectflre der Alexaii* 
driner wurden. Die dreiseitigen Troehaeen der Alten haben die Silbenform 

oder 

die secbazeitigen Jouici haben die Silbenform 

Die dreizeitigen Troehaeen können zu ehiem Kolon von 4 Versfilsscn 
vereint werden, die sechazeiiigeu Jouici niemals: zwei ionische Versfässe haben 
dieselbe rhythmische Bedeutung wie vier trochaei^e (als Protasis oder Apo- 
dosis einer Periode). 



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42 



Arirtoxemia iliyliimiaelie Eltaiente § 88. 84. 



lu der modernen Vocalinusik kann der Compouist einem jeden Takte 
ohne Rücksicht auf die B)-schairenbeit seiner poetischen Versfusse die rl^tii> 
mische Beschaffi'nht'itdes Jonicus ^'('beii, unsere moderne Po «'sie hat kein ioni- 
schf.s* Metnun. Dass unsere Musik aber vuu-n von allen übrigen Khytlimen- 
geschlechtern hcharf gi'Schi»'d«MU'n ionischen Rhytlnnu.s hat, diese Erkenntniss 
verdanken wir erst der antiken Rhythmik. Sic ist zuerst ausirfsprocluMi in der 
Thforif des nluöikaliöchrn Rhj'lhinus seit Bach § 81 ff. Bishi-r rcchnt'te man 
sie ohne Unterschied in die Katc^uric der dreitheilig- ungeraden Takte. Die 
angcraden Takte pflegt man meist -so su taktiren, dass man einem jeden ent- 
weder nur Einen oder drei Taktschlfigc giebt. Diejeuigcu, denen man nnr 
Eben TUctBcfalag giebt, sind die dreiseitigen IVodiaeen; diejenigen, welche je 
drei TsktoeUige erhalten, sind die sechsseitigen JonicL Dass wenigstens Bac|i 
ein genaues Bewosstsein ven diesem ünteisehiede der didtheilig- ungeraden 
Takte hatte, lisst sich aas der besonderen Art und Weise, wie er den Takt- 
strich setst, ersehen, kann aber an dieser Stelle nleht ntirar nadigewieeen 
werden. 

Das Tempo der Jomn ist im Unterschiede von den Trochaeen fast überall 

ein hmgsameres, während dii* Trochaeen sich gewöhnlich in einem rascheren 
bewegen. Die Taktvorzeichuung ist fUr beide dieselbe. Man beseidmet den 

8 8 

ionischen Takt entweder als oder als — oder auch, was beim Trochaeus 

0 4 

nieht vwkommt, als ^ • 

Sechsseitige Monopodie (Jonicus) als -I—Takt 
Beethoven, €Ss Moll-Sonate. Allegretto. 





Sechszeitige Monopodie (Jonicus) als •^--Takt. 
Wohltemp. Clay. i n Fuj^e. 




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IL 2b. Taktgrösaen uiid Taktarteu coutiiiuirlichcr Khythuiopoeic. 43 

Sechszeitige Monopodie (Tonicus) als -^--Takt. 
WoUtemp. GUnr. 1, 8 FhMlacL 

b. Sechszeitige Dipodie. 

Wam der sechiBeitigc Takt der daktylischen (fremden) Taktart angehört, 
dann ist er eine aus zwei dreizeitii.'« n ( trodi u ischen) Takten zosammengesetzte 
trochaeieche IMpodie: bei Sechflzebntel-Schrdbnng des CShronoa piotoa ala 

^-TUEt» bei Aehtel-Sehieibiing .als |-- Takt, bei Viertd-Sebreibaiig als 
—p - Takt noCirt 

Sechsseitige Dipodie (Ditrochaeus) als -^^ - Takt 



Bach, iroUt CSav. 2, 11 Fnge. 




1. 2. 3. 4. 1. 2. 8. 4. 



Sechszeitige Dipodie (Ditrochaeus) als -^-Takt. 
Bach, voUt Clav. 




1. 2. 8. 4. 1. 2. 3. 4. ' 



Ueber den Vortakt siehe Theorie des musikal Rhythmus seit Bach. 

Sechözeitige Dipudie (Ditrochaeuäj als -j--Takt. 
Weber, Capricei«!. 



1284 12 8 4 




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44 



Aristox«Dus rhytlimiäche Elemente § 34. 35. äti. 



Beispiele wob der grieduMhen ]jiirtntnientB]mii0O& Aatmjnm S 97* 
Rfaytluinis. 





Fcnier Aii'<iiyiiiiis § K>4. 
Sechszcitiges Kolou. 





L V/ < 

^i-rt — ^ 1 


u c < 


h G n 


< n F c 






1 — * • Jt3 









c n w L u <■ 



J- — -g. -g. 



§35. Das siobon-zeitifre MAtrothos hnt knine Takt -Diairosis. 
Deiiü von den drei V('rliältni>seii, welche su h bei hieben aimeiimeiin 
lassen, ist koiiies errhythmisch; das eiue 8:4 (das epitritische), das 
zweite 2:5, das dritte 1:6 (das hezaplaaisciie). 

SelbBlrerständlicli ist hier immer nur von den rhyttmusehen VezhHltniaeen 
der In der continiiirlichen lOkytlunopoeie ToriEOfoinenden Takte die Rede. Ale 
eolirtcr Takt imter andere Takte eingenuacht kann der aiebenadtige epitritieciie 
Takt vorkommen (vgl. unten B. 70). 



6. Achtzeitiger Takt, 

dlpodttsb. 

§ B6. An fiinft*^r Stelle werden also die Takte von aelitzeitigem 
Umfange steheiL Der Taktart nach werden dieselben gerade (dak- 
tylische) sein, da ja von den bei acht sich ergebenden Verhältnissen 
nur das Verbältnia 4 : 4 ein errhythmisches, nämlich das des geraden 
Bhythmns ist Denn (alle anderen ausser 4 : 4 .sind nicht errhyth- 
misch, 1:7, 2:6, 3:6.) 



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IL 2 b. Takt^;it>s8eu imd Taktarten coutmuü'licbcr Ehytiuitö 45 



Ben adiiteeitigeii «tets dipodiflclien Takten des Aiistoxenaa entsprechen 
iii QDflerer Musik bei SecluBdmtel-SchreibQn^ des Gbronos protos der dipodische 
2 4 

~ - Takt, bei Achtel-bchreibuog der dipodische — - Takt, augedeutet durch das 
Zeichen 6^, genannt Uemer (dipodieeher) alla breve Takt, bei mertd-Sdirei- 
boiig dorcb den - Takt, genannt grosser (dq>odi8cher) alla breve Talct. 

Achtaeitige Dipodie als -|--Takt 
Mozart, Dod Juan: 

SchmiWa, to-be, Me-ber Joqge! 



Achtseitige Dipodie als -^«Takt, bei Bach stets mit dem Zeichen (B » 

wihrend C entweder den tetrapodischen seehsaehmseitigen Takt oder den mono- 
podischen Tiendtigen Takt bedeutet O^tzter» nur in der Voealmosik). Nor 
als Ausnahme kommt Q aneh fib den tetrapodischen Takt vor (wie Spitta und 
A. Dörffel mdnen, in Folge einer der Veisdmdrkeltuag sngetfaaneQ Handschrift) 

s. B. wohlt Cl. 2, 5 Praelud., wo die Chiysander'scli o An -al das richtige 
Zeichen hcrgesteUt Bei den Späteren gehen die Zeichen, C und i'C wenigstens 
in den Ausgaben wild durcheinander, namentlich in den Beethoven'schen : hier 

ist anf die Taktzeiehcn durchaus kein Vcrlas.s. ^I^ g^eliört mir dem dijwdischen 
Takte iui (div ursiirüiigliche auf dass Tempo btzü{j:liclie liedL'ntiuir; von alla- 
hrcve-'l'akt ist als aiiti<|uirt anzuHehciO es uiüs>t(' die Beethovenaelic, Mozart- 
bchc u. ö. w. Taktvorzeichmiiig, wenn aus den Oi'igiualhandsehriften dun Rich- 
tige nicht mehr zu ersehen ist, nach dem Bach'scheu Gebrauche regulirt werden. 

Bach, Caniate „Bleib bei uns'« 

Beweis deinMaoht,HerrJe8u Christ, der du Herr al-ler Herren bist 




1. 8. 8. 

Wohlt. Clav. 2, 13 Fuge. 



4. 



2. 



8. 



4. 



1. 8. 8. 4. 1. 2. 3. 4. 

Oigelfbge y, 4, 1 (Peters) mit der Zoschrift „Alla brere". 




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46 



Aristoxenna AjOmüMthß Element» § 88. 37. 



Achtzeitige Dipotlie aU •g--Takt, geuauut groä^r (dipodischer) 
alla-breve-Takt. 

Als Beispiel das Sflcher^solie Lied: 

Der Kai - ser Bar-ba - ros - sa, der gros - te Prie-de-rich. 

1. ' 2. 8. 4. 1 1. 2. 8. 4. 

Alle anderen Disiresen des aditseitigen Hegethoe als die daktylische sind 

nicht errhythmiscb. Eine Diairesis 3 : 5 ist also wenigstens £Qr oontinuir- 
liche RbTtHmopoeie durch Ari>'toxenti8' Erläutcnmg ansgeschlosaen. Es ist dies 
▼on grosser Bedeutung für dir rhytiunisehe Aufifassuiig der Dochmien, welcke 
an langen Perioden continuirlich wiederholt wenleu. AescbyL^Sept. 79: 

\^ — — w — I \^ \^V^ _ _ 

Wit besitzen über die Messung der Dochmieu eine beim Schol. Hephaest- 
p, 80 und im Etyinol. magn. p. 285 vorkommende Ueberlieferung, die nach 
diesen beiden Berichten, die offenbar anf Eine Quelle zurückgehen, folgeuder- 

maaasen herzTistfllcn ist: 

y.eTvTit xatt' Z Ixaaro; tö»v dpt8(j.o)v fxovioi TiÄfcovexTeiTai, ifap |j.ovcic döri zftö; 
oudoa ^ Sude -pi; xpiaSa tj -pi'i; Trr.fj; TEToa^i. -<'i ^oyfxdj) Tpiic dort irr»ö? 

TtcvTOtSct v.al 5udc t, r/.eovexToO; i. ojto; ojv 6 ^jö^ao; oj7. ifid-iava xaXtiGÖai 

To; (jieiCov «tttd rP|v c68sT«v «ptvcren. Vgl. gricch. Rhytluttik und Anoonik 
1887 p. 660 ff: 

„Die Bhytbmeny in welchen die beiden das Yerbiltnisa auadrttdcenden 
Zahlen nnr um eine Einheit difieriren, nihem sidi der lo^c (nngenan ist ge- 
sagt iv (s^Ttjtt «stycoi), «tttd xif* t68tl«v «ptvovtat und helssen dedialb 6p8oL 
Daa and die riijdnnisdien Verhültnisse; 

1 : 2 X6to« ^mXotoioc 

2 : 3 Xo^o« i^iuihiii 

8 : 4 Xö^fK isdxptTOC. 

Daa Verhftttniss ist hier UberaD der von den Bfiathematiketn sogenannte 
Xd^o« iin}&6pMc (Nieoni. arith. 1, 19. 20) . 

X + 1 

X 

mid deahalb kommt füir diese Takte auch der Name tMh irtfi'Jptot vor Aristid. 
97 Meib.; Porphjr. ad Ptol. 241, freilich so, dass hier der zoy; ömXäoioi, weil des- 

9 — 

sen X6y<k no^tai« aneh dorch auqgedifiekt werden kann, nicht als iict|fcöpto« 
angesehen wird. 



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IL 2b. Tak<^ö0sen und Taktartea coutiiiuiriicher Hhjthmopocie. 47 

Es giebt aber Bhydimeii, m exfidmn urir Mer, in weldifln die Veililltniee- 
xfthlen mn mehr ab eine Einheit diffiniren, and in dem von den Mathemati- 
kem Mgenannten X^^^ im(Mp^< 

X + 1 + n 

X 

stehen. Dahii) gehOre der o^/fxto; ixrd(n][toi, deeaen Xirpti mtixbc 8 : 5 sei. 
Dieaer soU aUo gemessen werden als eine ZnaanuneoBetniiig ans dem dreiui- 
t%en Jambne und dem fOn^nitigen Paeon 

- - oder - _ _ ^ _ 

vgl. Aristid p. 39 Meib.: ovivrlöctai 4^ (dfi^ou xai Tca((uvo; Sia^ulou . . . o6y\t.ifn 

«oda«. Fab. Qniiitil. instit. !1, 4. JT. Schnl. Arschyl. Scpt 103. 128. 

Dif in dii HCl! Stollen überlietV'rto Aiiftn<''?Tii)g dos Dochmius kann nicht 
die des Ariatoxuuus sein, denn dieser sagt, ein achtzeitiges Takt-Meprcthos ist 
bei continuirlicher Rhythmopoeie mnd dieser geh nroii dio Bochmien entschieden 
an) nicht errhythmisch, wonn ciue andere Diairesis als 4 + 4 hat. Ari- 
stoxenus hat doch offenbar für seine Rhythmik Ueu (icbrauch i)ei Aeschylus 
mid den Diamatikem vor Augen: wäre der dort häutig genug vorkommende 
dodunieehe Bhjthmiis 

\y — ^ \j — oder o — — \j — 



3 « 
gemeeeen, eo hfttte Aiiqtozeniis die Diaireeia dnee achMtigen Taktes m eine 
andere Diaireris als 8 + 8 nicbt in Abrede geateilt Also irir mfiaaoft die 

ODS Ton metrischen Scholiasten n. a w. überlieferte Meseong des Dochmius als 
eines achtzeitigen Bhjthmus inAbredo »teilen, sie gehört in dieselbe Kategorie 
von Ueberliefenmgcn, wie wenn He]ihaestion einen jeden Choriambus als 
sechszeitigen tiou; misst, trotzdem derselbe häufig genug eine katalektische dak- 
tylische Dipodio ist. Auch von den boidpn Bestnndtheilen des Dochmius nach 
der AufiSMSung des Aristoxenus musa der eine ein katalektiscber Yersfuss aciu. 



6. Neunseitiger Takt, 
tripodkah. 

§ 37. An der seclisteu Stelle stehen die Takte von nennzeiti- 
gem Megethos. Bei der Zahl nenn ergeben sich die VerliiUtnisse 
l:8j 2:7, 3;t>i 4:5. Von diesen sind drei nicht errhythmisch, 
wolil aber das vierte 3:6, nämlich ein dipliisisches. Der neimzei» 
tige Takt ivird abo ein dmtheilig-imgenuier (iambischer) sein. 

In der modernen Musik wird der neunzeitige Takt bei der 6echtzehntd> 

9 9 
fichreabung dorcb bei der Acbtei-ächreibiing durch aiugedrückt. 



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48 



AzistOKeiuis rhythmiache Elemeiite § 87. 38. 



Neunaeitige Tripodie ala-^^- -Takt 



Bach, Partita 4, Giga. 











— . } — h-i i . 









Kennieitige^Tripodie als —-Takt 
Bach, wohlt CUv. 2, 7 Praelud. 




1. 2. ' a. 1. 2. 8. 

Uebcr den Vortakt, a. Theoriü des musikal. RbyUun. seit Bach § 182 ff. 

Baeh, voUt dar. 1, 19 Fnge. 



1.. 2. 



7. Zehnzeitiger Takt, 
aoDopodiiA und dlpodtadL 

§ 38. An siebenter Stelle stehen die Takte von lU/eitigem 
Megethos. T)assi'll)c \vii\l zwei Taktarten, der hemiolischi n (liiiif- 
tlieilig-ungeratleu) und der gcradi'n (daktylischen), gemeinsam sein. 
Demi von den Verhältnissen, wel< he sich bei 10 ergeben, sind 1:9, 
2:8, 3:7 nicht errhythmisch, dagegen wird 4:6 (henüolisch) der 
paeonischen, 5:5 der daktylischen Taktart angehören. 

a. Zehnseitige Monopodie, genannt Pabn epibatoe wf^ unten & 88. 
Modernes Beisind im Volksliede; 

PriuzEu - ge-m-UB, der edle £it-ter, 



• — 



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IL 2b. TtktgtiSeBm und Taktarten contmiiirliclier Bbythmopoeie. 49 



«oUt* dem Kid - ser wiednim kriegen 





Stadt und Festung Bel-ge-rad. 



Er Hess schlagen einen Brucken, 



dusmaa kannf hin - ü - l^-rucken 



miftd*rAr-mee woU itlr die Stadt 

:5 1 



EinBoIeher Bbjthmtu biess bei den Griedten Pilon epibatoft. Wie der- 
selbe von Arietides erlflntert wird, s. unten 8. 98. 

Aijetmenns eagt in den vemusofaten TlBcIigespiadMn bei Flataceb de 
nnuica 88; „Wenn idL niedezbolt yon eigenliiibnliebeni CSuirakter agweclie, eo 
dme ieb dae mit Hinblick aof die Wirkung, welebe die Musik auf nneer Ge- 
mfidi anatSbt «Der Grund dieser Wkknng bestebt, sage icb, ratweder in der 
beatinnnlen Art und Weise der Compoaitioii (wie die Tttne und Taktzeiten za- 
sammengesetzt sind) oder in der Vereinigmig (Miacbung von Melischem nnd 
Khythiniöchem) oder beide Ursachen wirken zusammen. So ist von Olympna 
di<' in jihrypf!Hp}>(T Tniuirt gfsctztc Etiharinonik mit dem Paion epibatos ver- 
bunden. Hi»>nliirch wiu-de nämlich die Wirkung des ^Vufangstheiies in\ Nomos 
auf Athene hervorgebmcht. Indem dann im weiteren \'erlaufe der Composition 
blosö der Khyiiiinus geändert und statt des paionischeu der trochaeische ge- 
uummcu wurde, wurde die Kuluirmüuik dea Olympua festgehalten. Aber trotz- 
dem dass das euharmonische Tongeschledit und die phrjgische Tonart, and 
anseerdem daa ganae TonsTstem Mgehalten wurde, ward docb die Wirkung 
eine TOlüg andere» denn deijenige Theil, wdeber . . . genannt wird, ist im 
Nomoa der Afliene von dem An&ngstbeile der ethisdien Mekong nach dordi« 
ans veneliieden." 

Ako der Anftngatiheil des Olympisohen Nomos anf Aiiiene war in epibar 
läschen Paloiien, der darauf folgende Theil in trochaeisdien Tetrametem (dies 
werden wir uns unter den Trochaeen zu denken haben) gesetzt. Die epibati- 
scben Pa'v'ncn v arcn demnach in eontinnirlicher BbytlunofMeie gebranebt, wie 

AyUtox*uua, Mellk a. Bhjtbmik. 4 



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50 



Amtosenns diytfainiBche Elemente § 38. 39. 40. 



da» aacb in nnaerem Primen Engeniits der Fall ist Sonat gebnaieht Bowohl 

nnaere Musik wie auch die griechiadie den Paion epibatoa ala iaolirt imter 

andere Takte eingemischt, und zwar die alte nicht minder wie die moderne h\ 

ionisdien Khythniopocien. S. 72 — 74 giebt dafür Beispiele aus Sojphokles und 

Beethoven. Dort wird sich zeipfii. daas der Paion epibatos seinem cigenthüm- 

lichen Wrsrn nach eine Verkürzung der i niischcu Diix>die ist. Daher deun 

auch in jeuem uuserem Volkaliede bäu£g die Modifikation augebracht wird, 

5 8 
daaa die eptbatiacfaeit - Takte) mit iouiadien - Takten) wechaeln, t. B. 

Prina Eu • ge>iii*it8y der tapfre Kit • ter 

— — ' 




Aristides beschreibt in der S. 93 anzuführeuden Stelle den Paion epibatos 
n}9. einen zclmzeitigen au.-^ fiinf T./inpen bestehenden Rhythmus. Doch knnipu 
auch andere stpf? zelin/.eitige metrische öchcinuta vur. wovon wir unten S. 72 
au-i ()< d. liex Beispiele au£fiälureu werdeu. Daher sah mau auch die Archi- 
locheische atrophe 

± \j \j ± \j \j I. 

als eine Veibinduug deb iiuiibiäc-hen Trinietruns mit dem (zehnzeitifir<ni) Paion 
epibatoö au, denn etwas anderes ala dieae iStrophc kium unter den bei Pluiarch 
de mus. 28 dem Ardulechiie zo^eaehdebenen Neuerungen mit dem Anadraeke 
„Verbindung des Jambeion mit dem Paion epibatoa'* nickt gemeint a<»n. 

b. Zebnaeitige (paeenlache) Dipodie. 

Dies ibt Arißtoxenuö' zehiuceitiger gerader (daktylischer) TakL Bei dorn 
Anonymus Bellermaim § 101 findet sieh ein antikes Instrumental-Beispiel diestae 
Taktea mit der falschen Uebeiaduift der Codd. „6xtd3T,(jio;". (Der Irrtbom 
der Handsefarifteti iat dadorefa entatanden, daaa der Takt nicht aehn, sondern 
acht Notenaeiehen hat): 



hAr L F 



F 




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IL 2b. Tak^priwsen und Taktarten conthniiriicber Kh^thmopoeie. 51 
CFFFF TFlF 



£iu Beispiel einer zelmzeitigeu Dipodie chriBtlich^modemer Musik würde 
es sein, wenn wir den - Takt der Bachseben Fuge woUt Clav. 2, 11 in 

folgende - Takte umformteu. 




Die rhythraus-verkürzendt! Umlormung ist gcimu imch (h ii.si lb< n Gnuid- 
bäizi u vorgenommen, wie wtaiu liach in der Kumt der Fuge auü dorn d^ty- 
liscben ßhythmii« der Fuge 1 den ioniMhcn Kbythmus der Irrige 12 entwickelt. 
Breiartige Trochäen und vieneitige Daktylen sind die pi-imären Bli^nien, 
fOnlsdtige Paeonen und seebaEeitige Joniei sind die aua den primflren durch 
Veiktlizang abgeleiten eecnndSren Bbytbmen. Mit Beeht nnterschädet daher 
die Theorie der griediiBcben Metriker «wei Kategorien der YerefifaMe: 1. ic6Se« 
xffi «pAtTi« dvctxaSeio«. trodweaeche und daktylisehe, 2. it^icc t^« lttiTip«c dbm* 
i:«8iiv(, paeonische und louiscLe vgl unten. Die Auffassung der Paeone als ' 
verktlrate Troehaeen ist schon in der ersten griech. lUiythmik 1854 als Vetmu- 
thung ausgesprochen. 

§ B9. Das elf-zeitige Megethos hat keine errbythmische Bi- 

airesis. Denn Ton den Verhältnissen, welche sich bei 11 ergeben, 
nämlich 1:10,2:9,3:8 4 : 7 , 5 : 6, iüt keines ein errhythmisches. 



8. Zwölfzeitiger Takt, 
tripodiNb, tetrspodlMb. dipodiMlk 

§ 40. An achter Stelle stehen daher die Takte von 12zeitigem 
Megethos. Bei der Zahl zwölf werden sich ergeben die Verh&ltniBse 
1;11, 2:10, 3:9, 4:8 (diplaaisch), 5:7, 6:6 (isorrhytbmisch). Von 

diese u gthöi-t das diplasische 4:8 der iumbischen (dreitheilig-unge- 
raden), das isorrhythmisclie 6:6 der daktylischen (geraden) Takt- 
art au. 

a. Zwölfseitige Tripodie. 

Antikes Beispiel in Anonymus BdlemMun { 99 dne rhytfaraiseiie D-moU* 
Seala, auf» und absteigend, mit der Uebersehrilt: 

4* 



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52 Amtüzeuus rbythtoische Elemeute § 40. 




< n A vr C r L TAt 




Ein Beispiel aiitikci- Vokalmmik giebt der Hjmnus des Mcsomedos auf 
die Muse iu den zwei daktyUschen Hexametern, welche auf die beiden i&ui- 
biaehfla Tetrameter folgen: 

Wei*8e Kal-U-o -pe du, An • füh-re-riu lieb-lieber MoAeai 




weiser Begi-ünder der Weih'n, Sohn Lato's Deliadier 

_^_H 




3 3 

Bei Bach mrd der jswdl&eitige tripodifushe Takt entweder als oder — 

notirt, jenes bei Seehsschntel- Schreibung, diesea bei Achtel-Schreibung des 
Chrono» protoa. 

WoUtemp. dftv. 1, 21 Fuge: 



X« 2« 3* !• 8* 8« 



s. 



1. 2. 



Wohltcmp. Clav. 2, 22 Fuge: 



1. 2. 



8. 



1. 2, 



8. 



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IL 2b. Taktarteu nnd Taktigrteen continairliclier Bhjrthmopoeie. 53 




1. 



2. 



8. 



1. 



Ist die zwölfzoitig»* TVijxKlie öu dargestellt, dsu^s jt-dor «'inzplne Vcrsftiss 

dersclbeu »lurcl» eint n eiuzigcu Clironos tctrnsemoa i i ausgedrückt ist, so wird 

«ler gttnae Tikt ein Trochaioe scmantoeC oder Orthios genannt, je nach der 
Accentostioo • 

n II I 

I — I I — I I — I Trochaioe aemantoi, 

I — I I — t OrthiM. 

So nent in *ht griech. Rhythmik 1854. (Boeckh hatte die Bestandtheile 
bdder Takte als eine achtEuitige und eine vierzeitige Länge gedeutet, so andi 
0. Hermaim). Die einaelne der drei vieneit^gen Längen de» Taktes iat nach 
Aiistoxeniw ein ^v8|Miwi(a« XP^^ do6v8ttoc". daher nennt Ari« 

rtidea den ganaen Takt dnen „ieo&c dicXoS«**, wliirend ihn Äriatoocenna unter die 
Kategofie der oöv^ttoi" aBhlen mnaa (^da er in drei viexaeitige Takte 

so «erlegen ist^O* 



Bach chromatische Fuge I, 4, 1 (Peters): 



^ N U • 



• « * 



l_J LJ LJ 



tr. ir, ir. 




iL 



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54 Aristoxeaus rbytlimlBche Elemente § 40. . 

Wir haben den Bacbschen Noten die entsprechenden metriseheii Sche- 
mata in griechiacher Weiae binsi^efügt. Jede Zeile hat den RhjthmoB des 
griechiaehen Hexametron; in der ersten Tripodie des Heiametron (der IVotasis 
der sirdgUedrigen Periode) gebrancht Bach «ne Anaknisls, so daas also die dak* 
tylisehep FSsse des griechischen Hezametrons so Anapaesten, das ganie 
tripodiseh-daklylische Kolon sa dnem anapae^tischeu Prosodiakon umgeformt 
sind. Nun wird man femer bemerken, dass bei Bach auf das Prosodiakon der 
Protaais in der unteren Stimme als Aji xlosis i^in aus drei unzusammen^csetztcn 
tetrasemoi Chronoi beatehondes Kolon folgt. Dies Iv »Ion ist es, was dem zwölfzei- 
tigen Troi'haoos semauto?; der Orirrhen ent.sjiricht. In der ApodoHig r[rr lotztr-n 
Zeiln erscheinen gleichz<nlij; in iI>t oberen StinuDi' iln'i dnktylischc (nil.>r viel- 
mehr annpaestische) Versfuss«, in der Unf('r>timinr drei nnm.-ainineug' setzte 
Chmn'ii tctra-einni. Wii* haben hier durcl» die veriichiodene Khylhmopoeie der 
bctdeu Stimmen dasjenige, was Ariatoxenus „Chrouoi miktoi" nennt (vgl. §15). 

In der Weise wie dies letzte Kolon Bachs haben wir uns die semantischen 
Trochaeen des Teipandcr m denken} der dieselben in seinem „Nomos trochaios*' 
angewandt hatte. Plutarch de mus. 28 „Tcrpan<lor soll diejenige Weise der 
OrthioB-M elodie» "welche nach Bhythmoi Orthioi geglied^ ist, und dem Orthio« 
analog anch den semantischen Tlrochaeas erfunden haben.*' Der Gesang dieser 
Homoi bewegte sich in lauter Längen, ^eichsam als Cantus firmus, wihrend 
die Kithara-Bcgleitung das Schema des heroischen Hexameter einhidt. VgL 
meine Qeseh. der alten mid mtttehdterL Musik L unter Teipander. 

b. ZwöUzeitige Tetrapodie. 

In unserer Musik als - oder — • Takt geschrieben^ jenes bd 8echs> 

zehntel-, dieser bei Achtel-Schreibung des Ohrouos protos. 
Bach. EngL Suite No. 6. Giga. 

1. 2. 3. 4. 1. 2. 8. 4. 









^ — 












> — 







Bach. EngL Suite 8. Giga. 

1. 2. 8. 4. 1. 2. 8. 4. 




Als Betspiel dieses Taktes in einem antiken Meloe Anonym. Bdlenmuin 
S 98 unter der Ueberschrilt „El&eitiger'S ebem Handschriften -Irrthnm statt 
„ZwOUseitiger** (entstanden dadurch, daas der Takt nidit xwölf, sondwn elf 
Kotenseichen hat): 



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H. 2 b. Takiarten and Takt^rtfasen cootmoiiiicher EhythmoiKme. 55 



hAFhFC ACLhA 



1. 



2. 



8. 



4. 



CAFtLT ATFLA 




4. 



^^L^LF aclfa 




1. 



2. 



8. 



4. 



CFCFLF ACLI-A 




0. ZwdIfxeiUge Dipodie. 

Hier aind swel ioniacihe VenftflM sa dner ioniflchen Dipodie eomUnirt 
FOr die Oiieehea ist une kein meüsebes Beispiel diesee Takfee fiberiiefert 
Die modeme Miiaik beseiclinet ibi bei der Seduiebntel-S'cbreibitng des Chro- 



6 6 
no8 protos als — - , bei der Achtel- Schreibung als — - Takt. 
8 4 



Zwölfseitige Dipodie als -|--Taki 
Badh, woUt Clav. 1, 15 Fug. 

2-^-^^ 

1 2 3 4 5 612345 6123456 



- " - + r 



üeber den Vortakt vgl Theorie des mosikaL BbjtbnniB seit Baeh $ 182 ff.' 



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56 Aristoxcouä rhythmische J:UeiDeate § 41. 42. 43. 44. 



Zwölfseitige Dipodie ala -^-Takt 
Bach, wohlt Clav. 1, 4 Prftlud. 




• Ebenfalls mit Vbrtakt 



§41. Das 13zeitige Megethos kann keinen Takt (der continuir- 

licheii Rliytlimopocic) biklon, denn von den bei der Zahl 18 mög- 
lichen Verhältnissen 1:12, 2:11, 3:10, 4:9, 5:8, 6:7 ist kemes 
ein errhythmisches. 

§ 42. Der 14zeitige Megetli(»s bildet keinen (für die continuir- 
liche Rh}'thmopoeie In-auchbaren) Takt, denn von den für die Zahl 
14 sich ergebenden Verhältnissen 1:13, 2:12, 3:11, 4:10, 5:9, 
6:8, 7:7 bildet zwar (hus letztere 7 : 7 ein errliytlimisches, nämlich 
ein daktylisches, aber die siebenzeitigenMegethe^ welche die Bestand- 
theüe eines solchen 14zeitigen daktylischen Taktes bilden wfbrden, 
sind ftr die continuirliche Rhythmopoeie nicht errhythmiflch. 

Bei rier GHederung 6 : 8 bildet das vieraehnaeitige Mcgt^thos den grOesten 
epitritiBchcn Takt, welcher z^var nicht in contmoirlicber fibythmopoeie, aber 
ifloUrt unter anderen Takten vorkommt (vgL S. 72). 



9. Ffinfzehnseitiger Takt, 

pcotapodlMh, tripodlMb. 

§ 43. An neunter Stille stt licn die Takte von ISzeitigem Me- 
gethos. Roi der Zahl 15 lassen sich folgende Verhältnisse nehmen: 
1:14, 2:13, 3:12, 4:11, 5:10 (diplasisch), 6:9 (hemiolisch). 
Ausser den beiden letzten sind die Verhältnisse nnrhythmiscfa. Das 
15zeitige Megethos wird also zwei Taktarten gemeinsam sein, der 
iambischen (dreitheilig-nngeraden) und der paeonischen (ftnftfaeilig- 
*nngeraden). 



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n. 2b. Taktarten und Taktgrössen continouüeher KhTthmopoeie. 57 
Der IBn&eboseitige dieitheilig ungerade Takt ist die paconische Tripodie 



der ftinfaehnateitige Takt fitnftheflig-ttDgerader Taktart ist die trochaeiMbe Pen- 
tapodie , 

In der nooiieriK ii ^fusik darf man so wenig den einen wie den anderen 
Buchen. Denn im Khvthnuis paeoiiisclior Vor^ffisse componirt die cliristlich- 
modeme Zeit überhaupt nicht sonHem mir ihm Altcrthum. un<l die trochufischen 
setzen wir wenigstens nicht in coiitiuuiriiclier Poesie su Pentapodieen zusammen. 

15 

Hj^ehatena wizd der pentapodiaelie -g--Takt einmal in einem VolkaUede awi- 

echen heterogenen Takten geselirirbcii. im Wechsel von und ^-Takten 

Tgl. „Mys Lieb, we* du anr Cbilcfae thuat ga", in meiner allgemeinen KhytJi- 
mik I 50. 

10. Seobsaehnaeitiger Takt, 



§ 44. An zelmter Stelle stehen die Takte von 16zeitigem Me- 

gethos. liei 16 sind alle übrigen \'eiliältiiisse, nämlich 1 : 15. 2: 14, 
3:13, 4:12, 5:11, 6:10, 7:9 nicht errhythmisch, wolil nher 8:8, näm- 
licli ein isorrhythraisrhcs. Der 16 zeitige Takt wird also der geraden 
(daktylischen) Taktart augehören. Es ist aber das grösste Megetbos 
dieser Taktart, da irir nicht im Stande sind, in diesem Rhythmenr 
geschlechte grössere Ifegethe als das 16zeitig6 noch als Takte m 
empfinden ^ach Azmtiides p. S5 Meib.)^ 

Je nach unseren verschiedoucu Sclut ibipigm werden die 16 Clironoi protoi 
entweder durch Scchszehntel oder Achtel oilei- auch durch Zweiunddreissigstel 
ausgedrfickt Der beete Terminus fttr den Takt wflrde nach griechischem Vor- 

gange oder -g- oder ^ sein. Leider ist diese Nomenclatur nicht ttblicb. 

Den ^-Takt nemicu wir j,-^- oder C-Takt", den ^-nennen wir „4^- oder 

I 16 2 

grossen aHa bceve Tdct^* mit dem Zeiehen C|0, den — nennt Beethor. „j-Takt^. 

Ks ist durchaus iiothw^ udig, diefe tetrajindistdieii Takte stcta durch den Zusatz 
„tetrapodisch" von den sonst gleichnamigen und gleichbezeichneten monopo- 

2 

diaehen nnd dipodiachen C- nnd - Takten an nnterscheiden, vie denn fiber^ 

havpt nnaare Takt^Nomenelatnr für daktylische BhTtiunen viel weniger gut, 
ala für troehadsclie ist, bd weldien letateren wir Hodemen genau so wie Ari- 



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58 



Aristoxeuuä rhy thmische Elemente § 44. 45. 46. 



ttazemis nach der Annhl der in dem Takte enthaltenen Ohronoi protoi sagen: 

8 8 8 6 6 9 9 9 12 12 12 „ xr u- 

T* T ' T ' ii' 12' ie' 4 ' ie' Pn"C»Peüe Versdue- 

denheit in unserer Nomenclator der trochacischen und daktySachen Takte ist 
eine bSse Incooaeqnens nnaerer mwrikaliHfthen Termindogie. 

16 * 

Öechazehnzeitige Tetrapodie als C- d. i. —-Takt 

In Baoha Inatnunental-Mnsik ist kein Takt so hanfig «ie dieser. Dort 
haben alle mit C beieichneten T^te tetv^xxUsche Geltung, da die dipodiseben 

4 * 4 

— -Takte bei Bach das Zeichen f haben, und monopodische — -Takte bei 

4 4 

Bach nor in der Vocalmuaik, aber nicht in der Instrumentalmusik vorkommen. 

WoUt day. 1, 20. 

1. 2. 8. 4. 1- 8. 8. 4. 





IKe meisten Bachsdien Fogentiiemata dieses Taktes haben genau das 
Schema des aniqpaestischen Tetrameteons oder einer anapaesüMshen hypermetrio 
sehen Periode. Es ist von hohem Literesse, dass sich bei Bach die anapaestischen 
Protascn (VordersÄtse der Periode i p^eiiau wie bei den griechischen Dramatikern 

diu-c li eine Binnencaesur in z^vei Hälften (Dipodien) zrrl<'<>en. Die deutschen 
Dichter, welche anapaestische Metra bilden, wahren d'w Binnencaesur nicht, 
wenn sie nicht etwa in bewuaster Weise die Formation der Griechen nachbilden. 



Sechssehnaeitige Tetrapodie alt CjO- d. i. ^-Takt 

Ist viel seltener bei Bach, in dem gaayen wc^lt Clav, nur ein einagee 
Beispiel. • 

Wohh. Clav. 2, 9 Fuge, sweite Bepercnssion: 

1. 2. 8. 4. 1. 2. 




2 16 

Hechszehnseitige Tetrapodie als -^-±1 ^-Takt 

4 82 

Ist die aUerseltenste Sehreibnng der Tetrapodie, bei Bach noch gar nicht, 
erst bei Beethoven. 



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IL 2b. Taktarten und Taktgrösseu continuirlicber Khjthmopoeie. 59 
Beetboven, ClaT^Sonate No. S. AdiigiOb 



1. 2. 8. 4. 1. 2. 8 4. 




Der secbazehnjEeitige Takt ist in unserer Musik der grösstc; grössere 
Takto als diesor werden nicht {^eschriohon. Oanz analog ist es nach Ari- 
Htoxrnus' Berichte auch }jci den Grioclieii, ,.niehr als vier Clironoi podikoi kann 
ein Takt nicht haben.'* Theorotisch pvht fi-rilich dio von Aristoxoinis aufge- 
führte Taktscala auch noch bis zu den jx ntajxxlisi hcn und hcxai)Oili»chen 
Takten, aber die Praxis giebt denselben keine fünf ü<ler sechs Taktschlsige, 
sondern tbeilt soldie Taktgrösscn entweder iu fünf mouopodlsche oder in drei 
dipo^tdie Takte, unten. Von S45.46aii fttliHmie AxiatoMiias abo in die 
Kategorie der bloss theoretisehen Takte, d. L deijenigen ibjrfhmisehen Kola, 
welehe nieht als einaelne Takte taktirt werden. * 

§ 45. Das ITzeitige Megetlios hat keine errhythmische Diai- 
resis, denn von allen Ycrbältnissen , welche für die Zalil 17 exi- 
Rtiren, nämlich 1:16, 2:15, 3:14, 4:13, 5:12, 6:11, 7:10, 8:9, 
ist keines ein errhythmisches. 

11. Achtzehnzoitiijer Takt, 
hexapodl.Hch und tripodlsch. 

§ 46. An zehnter Stelle stehen die Takte von 18zeitigem Mege- 
- tfaos. Bei 18 sind die Verhältnisse 1 : 17, 2: 16, 3: 16, 4: 14, 5: 18, 
6:12 (diplasisch), 7:11, 8:10, 9:9 (isorrhythmisch) möglich. Das 
isorrhytiunische 9 : 9 wQrde einen geraden Takt ergeben, doch wttrde 
dieser das grOsste Megethos der geraden Taktart (das 16zeitige), 
welches durch die Fähigkeit unseres Auffassungsvermögens gegeben 
ist (<J 44), überschreiten und kann «hilier der IHzeitige genwle Takt 
nicht vorkommen. Bei dem diplasischen Yerliältnisst' 0:12 ist d:\s 
ISzeitige Megethos ein dreitheilig- ungerader (iambischer) Takt, und 
zwar ist er der grösste dieser Taktart, weil unser Emptindungs- 
vermögen nur bis zu diesem ISzeitigen Megethos einen Takt des 
diplasischen Megethos Vernimmt ^Nach Aristides p. 85). 



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60 



Ariatozenns rhythmuche Elemente § 46. 



Li der meüscheo Poeaie ist der aehtieluiseHfgeTakt dem meCrisehen Sohemft 
nach ein trochaeiacliefl (oder iambieches) Trimetran (Hezapodie) 




jenes ein eechstbeiliger, hexapodiHuher, dieeer ein dreitheUiger, txipodischer 
Takt, 

a. Die achtzchnzeitige Hexapotlie 

wird TTwnv von den Alten nach Aristoxenus als ein einheitlicher Takt empftm- 
den (sonst liätte Ilm Aristoxenus nicht als ftnsserstc Grenze der dreitheiliff- 
nngeraden Tiikto gesetzt i. aber die Praxis des griechischen Tnktircns zerlegt»' 
dies Megethtts stets in drei di]>odische Takte (vgl. unten). Üb eine Hexapotlie 
als ein Takt oder als drei Takte taktirt wird, ist für den musikalüsclien Aiis- 
druck und Vortrag gleichgültig: die Hexapoiüe ist bei der einen Taktinnig 
genau deiadbe Khjthinus, welcher sie bd der anderen sein würde, gerade so, 
ivie bei Bach modkaL Opfer das ungeblich von Fkiedriefa dem Gr. henOhrende 
tetnqpodiMheTliema genan denadben rfaythmisehen Eindnielc macht m der Enge 
No. 1, wo es nach swei dipodischen Takten taktirt wird, und in der Ftfge 
No. 2, W es als ein einheifUcher tetrapodiacber Takt taktirt wird. 

In der modernen 11 usik kommen achtaehnsdtig^larobisdie und trochadsclie 
Hexapo<lien zwar häufiger vor als man denkt, aber meist nur in discontinnir- 
licher Khjrthmopoeie isolirt luiter andere Kola gemischt. Sehr selten begegnet 
man Partieen, in denen die Hezapodieen oontinuixlich folgen. Hier schreibt sie 

der Componist in dipodischen - Taktm, s. B. 

Mozart, Figaro Xo. 28 Susanna- Arie. 

0 säa - me Un - ger nichti ge • liebte See - le, 



I 



TUT u5 :^ r T T 



I 



sefansaehtsvoD har-ret dei * ner hier die IVeondin. 




ÄS 



rrn 




I 



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II. 2b. Taktturtien und Taktgröesen couäniiiriicher Khythmopoeie. 61 



Noch leuch-tet nicht des Mon^des SU* her • fiackel, 




I 




^^^^^ 



Kuh' und Friede herrschen auf den Flui-en. 

















Uli-» — — \ 









Dies Nnd Trimeter, nidit iamibiBche, Mmdera tiodiaeiadie, imd swar 
,^cphala" (mit Zahlendem Anfange): der Oesniigstinune fehlt die erste der 
sechs Hebungen, die nur in der InstrumeDtalbegieituiig ausgedrückt ist, wäh- 
rend der Gesang im Anfange des Yttses paosirt. VgL Theorie des mnsikaL 
Rhythmus seit Bach § 179. 

b. Die achtsehnzeitige ionische Tripodie 

würde bei deu Griechen drei Taktschläfje haben (Einen auf jedem ionischen 
Versfiiöse) und konnte daher möglicher Weise auch bei deu Alten als ein ein- 
heitlicher aciitzehnzeitigerTakt taktirt worden sein. Doch sind solche ionische Kola 
in continuirhcher Rhythmopoeie üheraus selten, wir wüssteu kaum ein einziges 
.sieheres Beispiel anzugeben. Geriehert rfnd dordi Cteesimm die Tripodleen 
in dem iomsehen Gedidrte des Horas 8, 12: 

MiseEaram est neqoe amori 

dare htdorn neqoe dnld 

mala Tino lavere ant exanimari 

metaenftes patruae verbera linguae, 
aber hier stehen sie nicht in conlinirirUcher Rhythmopoeie, sondern bilden den 
Schlnss der Strophen nach zwei ▼oransgehenden Dipodieen. Auch in der mo- 
dernen Musik giebt es schwerlich ionische Tripodieeu in längerer continuir- 
lieher Folge. Deshalb giebt es auch kein Yoneidien für tiipodisch-ionische 

9 9 

Takte, die dnreh -g- oder — geikennsdchnet sein mOssten. Baeh drflekt die 
ionusehe TripoUie entweder durch drei ionische Einzel-Takte aus, oder er giebt das 
Voneidien , trotsdem dies fOr die ionische T^ripodie anpassend ist, s. B. 



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62 Aristoxenuä rhythmische Elemente % 41. 4:5. 49. öü. 51. 52. 58. 



Btusty Fi8>moll Toccato sweite Fuge I. 4, 4 Petm. 




Aiiulog wie Bach dem iambischen Trimeü-on woblt Clav. 2, 4 Fuge daö 
12 

Yoraeichen ^ giebt, welches von Hechte wegen nur der iambiflchea Tetmpodie 
siikommen könnte: 



Da es die Griechen dem liericbte des AriBtoxtnus isiifblge bezüglich des 
Takfiroiis in allen übrigen Stücken genau wie die Moderneu gemacht haben, 
so darf man dies auch bezüglich der ionischen Tripodie annehmen: sie wurde 
wo sie vorkam nach drei Einzeitakten taktirt. 



§ 47. Das 19zeitige Megethos hat bei den sich Mer ergeben- 
den Verh&ltnissen 1:18, 2:17, 3:16, 4:15, 5:14, 6:13, 7:12, 
8:11, 9:10 keine einzige rhythmische Diairesis. 



§. 48. All die zwult'ti^ Stelle wird daher dus 2Uzeitige Megethos 
zu stellen sein. Unter allen sich liier ergebenden Verhältnissen 
1:19, 2:18, 3:17, 4:16, 5:15, 6:14, 7:13, 8:12 (hemioliscli), 
9:11, 10:10 (isorrhythmidch) ist bloss das hemiolische 8:12 ein^ 
(f&r die continnirliche Ehythmopoeie) brauchbares, da ja das isor- 
rhythmische 10 : 10 als Taktmegethos den grössten daktylischen 
Takt überschreiten wttrde (vgl. § 44.) 

Das zwanzigzeitige Taktnlefif■tho^^ gcliöit nl^o iler hemiolischon d. i. fütif- 
theilig-uugeraden Takturr an. Kis .stellt Ricli alß ein au» fünf vierseitigen Dak- 
tylen oder Anapu' stfn bi-btrhcudcs KMl(*a dar, w'iG Aribtujih. Acharu. 285 



Daas dies in der That ein pentapodisches Kolon ist, ist in der griech. 
Rhythmik 1854, S. 98 nachgewiesen. 

Aber obwoU die Theorie naeh Aiistokenm das pentapodiadi-daktylische 
Kolon als einen Takt fosst, kann die Ftaxia des Taktirens sie nickt als einen 
einsigen Takt markiren, da nach der Tersicberung des Aiistoxenns kein Takt 
mehr als vier Taktsebläge erkalten kann (also nidit fünf, welche beim penta* 




12. Zwunzigzeitiger Takt, 




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II. zb. iiikturten uiui Taktgröäfieu cuutüiuirlicher Bhythmopoeie. ^3 

* 

podiadwu Takte Döthig wirra). Deshalb muaBte das, swansjgseitige Mc^getbos 
beün Taktireii in f&nf vieneitige OMusammengesetgte Takte aerlegt werden. 
Das intereasaiitie Beispiel dieses Kolons bei Monrt ZaubezflSte No. 18 Ist in 
dipodisdien Takten geschrieben: 



AI - les fühlt der . Lie be Freuden, 




Bchu&belti tüudelt herzt und küsst 




§ 49. Das 21 zeitige Megethos lässt die Verhältiiisse 1:20, 2:19, 
3:18, 4:17, 5:16, 6:15, 7 : 14 (diplaaisch), 8:ia, 9:12,10:11 zu, 
aber bei dem diplasigcheii VerhÜtniaae 7 : 14 überschreitet das Me- 
gethos den grQssten Takt des dreitheilig- ungeraden (iambiacfaen) 
Bhythmengeschlechtes, ateo ist es schon aus diesem Grunde ab 
Tukt unbrauchbar. 

{ 50. Das 22zeitige Megethos vflrde zwar ein isorrhythmisches 
Yerh&ltmss 11:11 zulassen, aber es Überschreitet die dem grössten 
geraden Takte gestattete Grenze und ist schon deshalb fta die 

lUij-thmopoeie unbrauchbar. 

§ 51. Das 2dzeitige Megethos ergiebt nur airhythmische Ver- 
hältnisse. 

§ 52. Das 24zeitige Megethos ergiebt zwar das diplasische Yer- 

hältuiss 8:16 wul das isorrhjthmische Verhältniss 12:12, doch 

würtk'ii beide Takt-Megetiie dieser Art den grössten Umfang der 
iambischeu und daktylischen Xaktart überschreiten. 

• 

18. Fllnfundswanaigseitiger Takt, 

§ 53. An dreizehnter und letzter Stelle stehen daher dif Takte 
des 25zeitigen Megethos, denn bei der Zahl 25 ergiebt sich daa 
hemiohsche Verhältnis 10:15. Die Takte dieses Megethos suid die 
grössten der paeomschen Taktart: nur bis zum 2özeitigen Takte 



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64 



ArustoxenuB rliyliiiniacli« Elemeiite i 58. (4. 



kann unsere Aisthesis den hemiolischen Hhjtlimiis erfassen. (Nach 
Aiistid. a.a.O.) 

Das fUoftindswanzigzeitige Megethoa stellt sich also als ein aas fönf fdnf- 
aeitigen Paeonen be^dbei^fis Kolon dar» welches in der Prazia des Ttfctiiena 
in fünf monopodische TUkte wrle|^ wird. Beiapifil: Acham. 492 

Vgl Qriech. Bhyllunik 18M S. 98. 



Nor Ton iwei Seiten her und Einwendongen gegen diese suent in der 
griech. Bbythmik 1854 milgeüieilte Bestitatlon der AriatoKenMehen Takt-Scala 
gemacht worden. 

1. Bernhard Brill (Aristoxenua* rhythmische und metriBohe Messungen 
8. 37) nimmt awar daa Besnltat unserer Bestitiition ohne iigend eine Aendezm^ 
an, sagt abor 8. 86, es sei willkürlich, dass wir den AristOKenns die bis zom*ox 
tdtoTj^ov [tiftdo^ eingehaltene Metboilc der Darstellung, wonadi er jedes Megetfaoe 
in zwei dem X-ip; roStro; entsprechende Abschnitte zerlegt, auch für die übrigen 
^i.t•(i%r^ bis zur jeil*'sm;iligen Crrenzc dos betreffenden ylvo; ^'j&(xix6v haben ein- 
halten lassen. Die Methode der Deduktion, welche Aristoxenua beim 2-, 3-,' 
4-, 5-, 6-, 7-, 8-zeitigLMi Meg^thos anwcndi t, ist zwar anscheinend äui^wrlich 
und schftblonenmfiööig, aber in ihrer Art voiikoiuincn piit und höchst instructiv, 
ganz im Geiste der analytischen Metho^le des Aristoteles. Wenn Aristoxeuus 
conso^ucnt war, bo hat er diese Methode auch bei d*^u übrigen p.£|£Ü/^ beibe- 
halteu; war er unconscqucut, nicht Ich träne dem grossen Vater der fihjthuük 
diese Gonseqnena m. BriU nicht Weshalb nicht? Wohl ans kdnem anderen 
Qrande, als weü er die Meinung dm Herrn Lehrs theilt, ,,bei Aristoxenns 
sei die ihjrthmisfthe Wissenaehalt noch in ihrer Kindheit befiingen.^ Einem 
Anftnger in dm KJnderschnhen mag BriU keine Oonaequens zatraneu. 

2. C. Julius Caesar (GrandsOge der griechischen Rhythmik S. 127) meint, 
man kOnne nicht wissen» ob Aitotozenns alle tiieoret|0ch als fppo8fi« mnilas^ 
senden {as^^^ auch praldSsdi angelassen oder ob er nidit vidmehr dnige von 
ihnen auageschloaBen habe. Caesar's Verdacht trifft die trochaeiache nnd dak- 
tjÜB^e Fentapodie, während die paeoniscfae Penlapodie, da sie als Gtense dea 
paeonischen Bhythmengeschle^tes hingestdlt werde, ohne weiteres ala ptak« 
tisch ailläsrig aeoeptirt wird. Wäre Caesar mit Mozart's „Alles fühlt der Liebe 
Freude" und mit dem VolkslT<!<le „Mya Li< b, wc' du zur Chilche thuat'ga" 
bekannt gewesen, dann wflrde ihm die daktylische imd trochaeische Pentapodie 
nicht bedenklich geworden sein, lange nicht so bedenklich, wie die paeonische 
Pentapodii». die uns zu begreifen herzlich schwer wird. Sollte die daktjjf^lische- 
(anapaestiscbej l\nita])(>dic Aristoph. Acham. 485: 



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n. 2b. Taktarten und Taldigritaaen oontmnirlicher fib7thiiiopoei& 6$ 



ilgeud wie bedenklicher *«fin, als (üe imeonbicbc cbcndas, 492: 

ooü •{ d%o63(u|i.£-*; d~oXgT v.nrd <ss yvizruxvi toi; /.liloi;. 
Doch 8<>llt<» CS mit der von Caesar uufgcvvurfcucii Altüiuativt;; „ob pr.ik- 
tißch oder UIoäü theoretisch zugelassen?" sein gutes Recht haben, uur war öie 
in einem ganz anderen Snne als es Caesar denkt zu eniwskoiden. Die paeo- 
nfocha Fentapodit», obwdü de Aiiatoienna ansdrflcklidi ab Grenae der paeo* 
niBehen Takte anführty ist nicht minder ein nnr tkeoretiacher Takt ala die 
daktyliaclie und die trockaeische Ftotapodie, nidit minder andi das iaml»Bche 
Trimetiron. Ariatozeuna adber hat die Alternative entadiieden, indem er sagt» 
dasa der Takt nicht meihr ala höchstena vier TaktachUge haben könne. 

• 

Bfiokbliek aiof die kleinstem und gröMtem T^kt^M^gethe. 

§ 54. Von den drei Rythinengeschlechtern der continuirlichen 

Kli^ihniopoeie sind also die kleinsten Takte folgende Megethe: 
(h r iainbische Takt, Szeitig, 
der daktylische Takt, 4zeitig, 
der .paeonisclie Takt, özeitig. 
Augenschoiiüich wird erweitert: 

die daktylische Taktart bis zum 16zeitigeii, (so ditss hier der 
gr586te Takt das Yierfiiche des keinsten ist); 
die iambische Taktart bis zum ISzeitigen, so dass hier der 
grösste Takt das Sechsfache den kleinsten ist; 

die paeuüisclie Taktart bis ziuii 25zeitigeu, (so dass hier der 
grösste Takt das J^ünffkcho des kleiasten ist). 

In dieser bei Pst^llus Frii^m. 12 erhaltenen Stelle des Aristoxenus haben 
wir die in ^ > eingeschobenen StUae, welche bei Pselloa fehlen^ ans dem 
Fragm. Parisinum «•rgiinzt. 

Dann folgt auf das Aristoxcnische Fragment bei PsiTlus ein Zusatz. \V( Ichcr 
nicljr Von AristnxtMius herrührt, sonflrrn nrFpnincrIich i-ine zum Texte des 
Aristoxcuus hinzugefügte Marginai-Giosse gcwcäcu sein niuss: 

Erweitert aber wird das iambische imd paeonische Bythmen- 
gesdilecht zu einem grösseren Takt-Hegethos als das daktylische, 
wefl ein jedes der beiden ersteren (in seinem klemsten Takte) eine 

grössere Anzahl von Chronoi protoi hat: 

Kleinster Takt. Grösstcr Tsikt 
daktylisches Geschlecht 2zeitig, lOzeitig; 
iambisclies „ ^zeitig, 1 Özeitig; 

paeonisches „ dzeitig, 25zeitig. 

ArUktfxtDaii, M«lik u. Ehythmlk. 5 



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66 



Aristoxenus rhythmische Elemente $ 54. 



Nach dtr (Unch Arietidcs vertretenen rhythmistluii Doctnu, nach welcher 
der klciuöto daktylisclic Fubs ein Disemos ist, ist die iu dem vorlit'f?< !i(ii n 
Satze enthaltene Darstellung durchaus richtig und logisch: je grösser die (klein- 
sten Takte) YeOßtB» «riner jeden Takteii lind, nm so grösser ist auch die 
tetnqpodisehe, hexapodiache, pentapodieclie Zasammeneetning der Yeiefässe m 
einem «uammengesetiten Takte; je kleiner die TerBfBBse sind, nm so kleitaer 
«ach die Zosammensetnmgen. 

Wie die Stelle fnili< r rr,.it!gen wurde (ohne liie von uns cingt^schobeuen 
Worte), da verstand man da-s Wort 3T)(jLeIa im technischen Sinne des Aristoxe- 
nuä (alti /pövoi rootxol oder l'aktsehläjTe). E. F. Bauint^art sa^ über die Be- 
tonung der rhytliniisehen Reihe liei di u (Jriechen (Protirainiii des Mattbias- 
Gymuabiiuii zu Breslau 1SG9). 8. XXXil: „Die -Deutung dieser 5T,(i.eia aLs 
Taktschläge erscheint uns unmöglich.'* S. Xll: „Die ganse SteDe kommt uns 
TOT wie eine töII^ unlogische ümkehrung von Grand und Folg». Sie besagt 
in der Tbat nichts besseret , als etwa folgendes: Dieser kann nielit bis 
an 18 oder 25 Meilen verlängert werden, weil nicht 18> oder 25'Meilen8tcine, 
sondern nnr IS-Mwlensteine darauf au stehen kommen. Und ebe s<debe Er- 
USrang soll Anatozenns gegeben haben, der beim Yator der Logik in die 
Schole gegangen ist, der scharfinnnige, klare Kopf, der über den Bbythmus 
Alles gedacht und geschrieben hat, was das Alterthum davon wnsstaf Es bleibt 
mir aweicrlei übrig: Entweder ist der Satz eine Zuthat des Psellus aus irgend 
einem gelehrt sein wollenden Grammatiker oder der Simi ist ein anderer. Wir 
nehmen das letztere an." S. XXXII: „Die Stelle gewinnt ein ganz anderes 
und, wie wir meinen, völlig einleuchtendef« Aussehen, wenn wir die arjjxtia als 
■/pövot TToroTOt deö kleinsten Fusses fassen ivL'!. Anstides: yp6voc rpÄTO? x>x\ 
OTjjjt.feio'* vca) eiTit). "Rechnen wir den P^ nluelau.s aU kleinsteTi Fuss des geraileii 
Geschleciit< s , so ist I t im iftvo^ icov der IG-zcitige Fuss vom kleinsten das 
Achtfache, 2) im ifivo; StirXiioiov der 18-2eitige i'^uss vom kleinsten das Sechsfache, 
8) im ifivo( i^|iii<Xiov der 25-ieitige Fuss vom kleinsten das Ffinffludie. Und 
das ist eine der Natur der Sache gana entspntcfaende Scala: Je kleiner der 
kleinste Fuss, desto mehr Einadfösse kOnnen au einer grosseren Einheit Ter- 
banden werdoi; je grösser schon der kleinste Fuss, desto schwerer <lbersehen 
wir eine grössere, am seiner Wiederholong gebildete Einheit, desto geringer 
mnsa also die Zahl der Einxelffisse aein.'' Der scharfsinnige fOr Ariatozenna 
viel zu früh verstorbene Bam^art hat mit dieser AufliUMnmg unstreitig daa 
richtig«' getroffen, und auch wenn die daraus von ihm gezogenen Folgerangen 
falsch sind . sich dadurch um die Aristoxenische Rhythmik wie irgend ein 
anderer verdient gemacht. Von den von ihm gestellten Alternativen : ..Ent- 
weder rührt der Satz nicht von Aristuxenus her oder es sind die Aristexe- 
nischen aT,[jLeia irooixd anders zu verstehen'' hätte er sich zugleich für beide 
entscheiden müssen, vgl. luiten. Denn 1. der Ausdruck oTjjxeiov kommt 
zwar bei den späteren wie dem \on Bauingart citiiteu Aristidcs (zuerst bei 
Fabius Quintilian) als ein mit /pövo; Tipiuxo; gleichbcdeateuder Terminus vor, 



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II. 2b. Taktarten und Taktgröaaen contiiuiirlicher Bbjthniopotie. 67 



nicnnalfi aber (wif fÄWlilicli noch B<K'ckh aiiiiuliia) b<'i AriRtoxenus. 2. Bei 
den«elbtiu Hyätercu Berichterstattern) tibir KhyUiiuik (iiameiitlLh bei Ari^tides) 
wird alfl kleinster daktylii^cher Takt der Diaemoa statuirt, während Aristoxeuus 
I 31 sagt: kleiiMten Takte die von dxeüeitigeni Megethoe» denn dee 
diMmOD M^g^boe wfltde alhnhiiiSgie Taktsehläge erkalten mflaaen" und % ft4 
wird diefle Gritaeenangabe aaedrfiddiek wiedetfaolt V<ni Aristoxemu kann 
der in Frage stabende Satx nicht berObren; er bat vidmebr emen Anbioger 
der Aristiddfleben Theoiie nini Uriieiber, der aar Eiklinuig des bier ymk ibm 
missyerstandenen Aristoxenos ein Sebolion an den Band setate, scbcm ehe 
Ifichael Psellus aus der AristoxeniBcben Itbythmik den Auszug nuichte. So ist 
auch (lieH Sebolion in den Auszug hineingeiathen , glücklicher Weise lä»ät es 
sich als «solches erkennen. Es i.«tt genau von der Art, \vie die in den Text 
der Aristozenischen Hannonik bineiiigeratbeneu Marginal-Scholien. 

Knn and gut, der Seblnss des f M stammt niebt Ton Aristoxennsy und 

wir besitaen nutbin von ihm keine weitere Angabe darüber, wonhalb in der 
einen Taktart der grö.s.ste Takt ein grässerei^ Megetbos bat als in der anderen. 

Es genügt, was er bi dem Vorausgehenden darüber angegeben : „Vermöge un- 
serer Aufl^as^3Ullg.skraft können wir in rlrr unfl in ji uer Taktart keine grös.seren 
Takt«' nh dt n jedesmal von mir angegeben« u als Taktt^inheit fassen." Dietw 
Ijei Ari-stidoK ]>. M. « rhalten«Mi Sätze über flt'ii Grund der verschiedenen Aus- 
dehnung dpr'i aktc können vollkonimt-n ausreichen und müssen y<jm Aristoteli>*ch- 
Aribtüxeiiisclu'in StaHdimiikte als durchaus genügend erscheint u: es ist «_'b( ii die 
Berufung uuf die Thatf^ache. Aebulicb verlalirt Aristoxenus auch in der liar- 
mouik, wenn er von dem Minimum und Maximum der symphonisdien Inter- 
TallgrBsBen spricht 

HMtto Ari.«t(»xonus seine rhythmische Theorie nicht vom Aristfitclischen, 
sondern vom l'latouiMihcn Standpunkte ä.U6 entwickelt, so dürften wir ihm wold 
zutrauen^ dass er fi)r die Maxima der Taktumfäuge eine mctaphysisch-mathe* 
matiscbe Begründung zu geben Tersneiit bfttte, rtwa wie Flato in seinem Ti- 
maeoB die diatonisebe Scala ans geometriscben, arithmetischen nnd harmoni> 
seilen Proportionen ableitet Aehnlich bat auch Fenssner in seiner Schrift Uber 
Aristoxenos einen mathematischen Sats fUrdieVersebiedenbeit derTakUtoiima 
ausfindig an madien yeiaiieht Dodi denken wir, mit selchen Venmelien ist 
selbst im besten FaDe, wenn me n&mlich zu annehmbaren Besultaten führen 
(was aber bei Fenssner nicht der Fall Int) nichts gethan: unsere Wissenschaft 
von der Rhythmik di^ r Orieclien ist damit nicht weiter gefördert Seien wir 
froh, dass es der Beobachtungsgabe des Aristoxenus gelungen ist, eine auch 
für unsere moderne Kunst fort und fort j^filtige Scala der praktisch mög- 
lichen Taktgrössen aufzustellen: ohne dieselbe wiirdi u wir nicht wissen, welche 
Takte und Kola wir in den Co!nj>oHitionen una*'rer .M« ister m suchen halx n. 
Denn da*»« wir in d«T chri.-tiicn-modemen Musik z. B. keine Combinationen aus 
fünfzeitigen (^i<i( uaiscln n) Vorsfüssen zu suchen haben, bringt in der Sachlage 
keine grosse Aeadeiiuig hervor. 

5* . 



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68 



Aristoxenus rbytiunisobe dlemente § 55. 56. 



Am mcistf 11 wird luis bcfremdcii, das» Aristoxenus zwar «'ine Comliiuatiuu 
von Mdift dreizc'itigL'ii Takten, aber nicht von Mchs viereeitigcu Versfüsseu 
auerkennt, da wir doch nnbeitritten in miBerer Mneik aueh die letsterer be- 
dtaseu. Wir mfiaaen übeneugt aein, daas Ariatoxenns andi in cUeaer Besiehnng 
eine ridbtige Beobachtung ans der musischen Kunst der Alten mittheilt Für 
die alte Inatrumentalmuaik kennen wir ihn freilich nicht controlliren, aber für 
die Vocalmuaik d. l die meÜBche Poesie stdit uns die ControUe m: Aristoze- 
nu« hat genau die Wahrheit lieriehtet Die griechiache Metrik wGrde das ans- 
aufiihren haben. 

c. Isolirt vorkommende Taktarten und Taktgrosseu. 

§ 55. Von den Taktarten sind die normalsten die drei ge- 
nannten, namHch die des isorrhythmiscben, des diplasischen und des 
hemiolischen Verhilltnisses (die gerade, dreitheilig-iingerade and fünf- 
theilig-ungerade Taktart). Bisweilen kommt aber auch (isolirt miter 
andere Takte eingemischt) ein Takt des triplasischen Verhältnisses 
und des <'|)itritiseh<'ii Verhältnisses (3:4) vor (welche ^^ir 
obeu von der contiiuiii lichm Uhythmopoeie ausgeschlossen habenV 

(Das Megethois der Taktu des triplasisclien Kbytluuengeäclilech- 
tes ist d^l'^ 4zeitige.) 

Das Megetbos der Takte dc^s e])itritiHchen Khythmengesclüechtes 
beginnt mit dem Tzeitigen als dem kleinsten mid erstreckt sich bis 
zum 14zeitigen als dem grössten. 

§ 5n. Und zwar verhält es sich in der Natur des Rythmus mit 
den Yei'hältiiisscn der Takte wie in der Harmonik mit dem Wesen 
des Symphonischen. 

Dioüyä. ap. Por])hyr: 

Die Musiker werdi n di« näudielie bezeugen, dass die syniplio- 
nischen Intervalle und die rhythmischen Verhältnisse der Takte 
Gemeinsames und Verwandtes haben, denn ihre Ansicht ist, das9 
die Symphonien durch folgende Verhältnisse bedingt sind: 

die <juaite durch das epitritische 8:4, 
die (Quinte durch das hemiolische 2:3, 
die Octave diuch das diplasische 1:2. 
die Doppeloctave durch das triplasische 1:3, 

denn die Homophonie ist nach jenen Musikern durch das Verhfilt- 



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IL 2c. Isolürt vorkommende Taktaxten und Taktgrös^en. 



69 



niss des Gleichen venusac4it Das seien die nämlichen Verhältnisse, 
in denen zutallig auch die Takte der Rhythmen v( i horE^en seien: 
die meisten und die am noiinalsten gebildeten in ilt m \ erliiiltnisse 
d(s isorrhjrtbmischeu 1:1, des diplasischen 1:2 und hemiolischen 
2:3, einige wenige auch im epitritischen 3:4 und im thplasischen 
l:a. 

Erläuterungen zu g 55. 56. 

1. Vom epitritischen und triplasischen Bhyihmengesolileohte 

* im Aiigemoinon. 

Plate der früheste Schriftiteller, welcher der griechiflchea Taktarten ge- 
denkt (er sagt nicht -(i-^t), sondern eihij)f nennt deren nnr drei: rep. 
400ä: Tpla ioxiv eior, i; tiiv al ,Saa£t; r)i*ovTat. Damit meint er die daktylische, 

diplapiische nnd hemiolisrhe Tnktnrt. Caiv/. Rocht, denn nttr die r-ioe; dieser 
in der Arir^toxenischeu Scala berücksicUtigteu drei ^ivr, gestatten eine suvty^j; 
^uSiAoro'-'-a oder wie Plate sicii ausdrückt: können zn ^aaei; verknüpft 
werden, mag man nun dies Wort in dem Sinne der späteren als Dipodie i^S. tSö) 
oder in einer weiteren Bedeutung fassen. 

Aristoteles sagt Probl. 19, 39: Kaöarep £v toI; (xiTpoi; ol r.6oti i/oj'Si roö? 
o'j-ov; Xo7'jv Tov rpo; Taov ^Oo Tr&ö; äv -xai Tiva aXXov, o'jto) yai oi 
ey|i.(pu>-.ta 'ftirjf-frji /.(Jv^v tyojai /.lYrfl&mi :ip6; a'jtou;. Wir lesen hier bei Aristoteles, 
TorauBgesetzt, dass dies Problem em ftelit AnototeliaeliM ist (vgl. PisntL Ober 
Aiist Problaue), genau dasselbe, was uiib AriBtozennB §54 in dem Ansnige des 
Psellns mittheil^ x&* U imtmöv /.öjujv e->f uloratoC «law oL tpclc 6 irt toQ loou ««l i 
T0& (ncXcMieu «al 6 tod '^i^toXloi»* ^Ivexai Ii nonc «o6c xsl tpnckaoh)» X^^f» 

iv tf xo1> t)p|i«a{fti^ «äj^ponov. Die SteUe» «eiche Porpliyrias mb Dionysiue 
ircpl 6|AotoT^i»v mittheilt, (dem jüngeren unter Hadrian lebenden Dtmiysius, dem 
Musiker imd Sophisten» welcher nach Suidas 24 Bficher l)^^!!'^« üro(xvT){jLax«» 
36 Bücher einer }j.ojotx-?i broplo, 24 Bücher fjLOtMixfj; i:atoe(a« tj oio-rpii^wv ge- 
sclirieben) diese Stelle lässt keinen Zweifel, wie die Analogie zwischen Sym- 
phonieen und Taktarten zu verstehen ist. Sie zciprt auch dien, das« was der 
junpfn- Dionysius in meiner Abhandlung -eoi 'jp.'yiorrj-:ujv uernuitlilich einem seiner 
24 Hm her f/j!)a'.y.öj-- jz'jij vT^udtor^) als Ansicht der Musiker eitirt, aus derselben 
(^luelle stanimt, wuher auch Psl-Uus seine rhythmischen ProlHmbanoinena excer- 
])irt bat, woher mittelbar auch Aristidea und d'dä Fragmcnluui l'ansimnn ihre 
Nachrichtcu über das epitritische Rhythmeugeschlecht überkommen haben, 
nämlich aus der Bytfamik des Aiiatozenos. Der Aosdnick „si^ioraxoi" des 
Psellns findet sich auch bei DionysinB; was Psellus mit „Ylve-rai itots mä«*' ane- 
drttcfct, das ist dasselbe wie das ,piX(TOt U «m«'* des Dionysius. Psellus hat 



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70 



AriatoxeniiB Thythmiselie Elemente § 55. 56. 



den Ariatoxenus (freilich unvollständig genug) verbotenos excerpirt; wie Dio- 
nysias von der Darstellung ab^^ewichen, darüber steht uns kein Urtheil zu. 
Auch Aristides p. 35: rro'iaxiöeaci Ii rtve; /.al to ^rtTpttov xinä K Ii o' itpö; xöv 
Y -^i-Ti-l Tov erlTptTOv /.'j-jföv wird weuigstens mittelbar aus Aristoxenus stammen, 
ebenso aiicli Arijitid. p. 35: To oe inttpiTOv «JpyeTat jji£v dnö iRta8Vj|M»U| Klvstai 

Ich bemerke hier, «lass in der anj^eführten Stelle aus den Aristotelischen 
Pru))k'men dem Woitausdrucke nach an 4 ^evT^ ^uBp.ixi gedacht wird: Xfi^ov tov 
Ttpö; Iz'j'i — Tj oOo Toh', V) — \ xii Ttva aXXov d. i. ausser dem isorrhythniischou und 
dem (iij'lHsischen niclit ein Khythmejigeschlecht, 'das luMnidüsche, öouüeni »'in es 
von dt'ii iiiidtn 11 Rhythmengesclilechtern: die anderfn ausserdem isorrlivthmi- 
hcLuu uud dipluäk>clieu hind daä hcmiolische und das epitritittche oder 
das hemiolische und das epitritischc and das triplasische. Denn 
wenn «neh Äiislides des triplasischen nicht gedenkt, so wixd es doeb in dem 
IVagmente des Psellus neben dem epitcitisehen ausdraddich erwShnt, und ench 
ans der Stdle des Dionysioe geht mit Nothwendigkeit hervor, daas es von den 
Ifnnkem d. i Axistoxenns so gut wie das epitrltische anerkannt war. 

,)Die von Aristozenus aufgestellte Analf^e, die f&r uns kdne andere Be- 
»deatang hat als za aeigen, dassAristoxenosden X670C ivkx^xui nnd TfKii^istQc 
„entschieden anerkennt, stammt von den Pythagorewn. Hierans erkürt aidi 
„dieTliaisache, dass in dieser Analogie die sechste der musikalischen Syn^ho- 
i,iiieen, die Undecime, t& ftid icacrftv «at (cd teoedpaiv 9 : 8 nicht genannt ist Ihr 
t^tflpricht kein rhytimüschesVeihliltnies. Musste nnn nidit gera^ so fragen 
„wir, auch die Bereditigang des epitrltischen nnd Mplasischen GeechlecJitea 
„problematisch sein, da es keinen derUndedmc entsprecheudcn y/iyK ^SfUXi6( 
„8 : 8 gab? Die Antwort ist nein ; wenigstens nach der Theorie der alten Vj- 
„thagoreer konnte hierdurch die Anak^ie nicht gestört werden. Denn wir wissen, 
,,da?is (leren Schule die Undecime in der Zahl der Symphoniecn nicht gelten 
,,lassen wollte. Ho heri(1tt* r Ptolemaeus Harmon. 1. 5 p. 9 Wall.'* 

Die Undecim«' in die /iah) der Svmphonieen eiugefülirt zu haben, darauf 
macht Aristoxcnuä' Zweite Ilaruiomk § 47 Anspruch. VgL meine Griechische 
Rhythmik und Harmonik vom Jalire 136T. 

a. Vom UoinereiL (aiebemeltigen) BiiitEit 

Hcphacätiou statuirt den 7:oj; ir -o-to; £7rra(nj{i.o; 

— — — und — — V — 

in swei verschiedenen Metren:- 

1. im (oivtxöv it: iXdbovw« d'vaxXc&iuvov, wo auf eimm tpltoc mim ncvtei* 
ev)|A<K ein oejtejio; i;:iTf.t-o; eTrTctaT,|jios folge Hcph. c. p. 12: Ast» r^jv npö r^s 
Tpoj^aixfj; (^dlaeui^) icl ^ivco^oi 7:evxi«r,jjiov, toöt' iott tjiUtjv natwvtx^.v, xai t^v 



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n. Se. Itolirt voikommende Taktwten und Taktgröaaen. 71 



«ttXo6|ftr(ov («6Tip«v iicitpitov. Zwei laSUt dieser Art nannte mm anaamroen 

— \J — s/ 

7ta(tov iitCtpiTo; 

Den erlto'to: ttoj; schliefst Aristoxeuua von der o-j'^e/'^ji pu^ixoitoeia aus. 
Ak B^tandtbeii des dvjxXtfcusvoM stolit fU r ttojj irkpiTo« ^rrdoTjfio; nicht in der 
öyvi-^Tji {ijftuoroila, sondern stets als isolirti r Takt unter anderon, nämlich in 
tuitnittelbarer Xachbarschatt eiut si 7:aia»v 7:6'/xd3Tjp.o;, er kann ideinaib eine con* 
tiuua rhythmopoda bilden und sollten auch noch so viele d-^axXdiiova anf ein- 
ander folgeu. Eb etebtalso nichtt entgegen, dass dieser Epitrit dea AnaUomenon 
ein wirkUdiw icoCk« iicttpitoc lirr49i)|Mc ist Wir dOrfen nicikt sweifidn, daaa 
Hepbaestifni hier HS» alte ifajtbmiBelie Tradition flberlieferty und daas anch 
Aristoaeniis das dvantX]6fMrvQfv nicht anders gemessen liat. 

Auf diesen Fall aber mnas daa Vorkconmen der littdmijjioc iiHTpixoc be- 
achtinkt gewesen sein. Denn 

2. im Tpo-/ai«&v nnd (a|ißtxAvi wo jene YersAsse ~ v und . 

an Stelle der trodtaeiselien und iambisehen Dipodie » — w und sj — \j^ 
]iftii0g genug gebxaudit werden, und wo HepihaestioD sie ebeniaHs als lircds«^ 
|MK iaCipitM auffiwst, kommen sie nidit isolirt, sondern ausserordentiieh hiufig 
auch in mehrmaliger Wiedeibolnng ohne durch andere VersCBsse unterbrochen 
SU sein vor, z. B. Aristoph. Eqnit 291: 

6icoTefiioD(i.ai | tdc 6So6c oau* 

ßXI<|'<>^ d- I exap%d(iu«TOe. ^ 

in d^opa xd' i id» Ti9pa|ft|*«L 

fttttf op^«» i I et Tt Yp6Scic. 

«airpo^op^soi I %\ XaXiljast{* 

ifioXo^tt) xXtic- ) tstv «w 6* 

vJj tiv'Epfifiv I TÖv d^opaTov, 

«d«top«A I 1% ßXcK^vTnv. 

Hii)polyt 752: 

KXttvd« *Aft^ai( Mouvuyo'i V | dxxafotv ^xoTjoavTO icX«x> | tdc icct* 
opidtwv dpx^« iit* 4<|icclpott t« l§aoav.|| 

TVaeh. 101: 

H isovtia« a6Xjb'«a« ^ | StaaaTatv ditcCpott «Xt^clCyJ *tit? v «pftTtSTc6a»v 
«at 4^fi(Aa. II 

Auch in iamlnschen Trimetam. Vgl. Aiaa 545. Mau hat Noth, so viele 
unmittelhar anf einander folgende Düamben und Ditrochaeeii zu finden. Wie 
sollte es da non kommen, dass die sechsseitigen 2>iiamDen nnd Ditrochaeen in 



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72 AriBtozentu ibTthmiaclie Elemente § 55. 56. 



(iie Klasse tSv rroBtljv twv y.<il i'jvcy^ fjgOuorr'S'tav inoeyou^vrov gerechnet wt'r- 
drii, diuss diigegeii die unter Diiamben tind Ditrocliaocn ciiigrmischten Vers- 
függe — — ^ — und _ _ — aus der f»ui>jAor:oi;a G-r^i-/r^', Musf^escbiosaen 
würdt-n. wenn sie eTtTd3T,(j.oi änl-ottot wären? Für die cniitiimiilichc Rhyth- 
mopoue heistit es § 36 vuin erTdß/,|j.o; i-.i-y.-.'j;, ,,'j'jv. i-^u oi'j.i^i3u 7:ociix,fjv . . . 
oOSeU ioTiv lpp.)d{jLo;." Es fulgt hieraus niit Kothweudigkcit, dass der Yeräfuss 
X w X — und — z V/ X, wexuL er wie in dmWbeigczogcne&Belflirfeleader 
StellTertretex des DltrocbaenB oder des Dfiunbns ist, kein eicTrfa)||M( MtpiTOc 
ist» dass vielm ehr Hepfaaeetion sieh irrt, wenn er ilm fOr einen iwidoiifMc Mi" 
Tpitoc erkürt Wir können hier den Hephaestioa ans AnstOExeni» beifefatigett: 
er hat kdn 7-Mitige8, sondern ein SVs'Seitiges Megethos — oder aadi vielleicht 
irgend ein anderes (vgl. unten), nur nicht das M^ethos eines no^ liclTptTo« 
iicTdei](*o«, denn diesoi konnte er nur haben in einer nicht otmx''^ ]^u9|tocotta. 



3. Vom grösseren, (viersehnaeltigen) EpitriL 

Wir würden dnrdiaus fehl gehen, wollten wir in dem 14-adtigen Epitit 
etwa die VerdoppeloDg des 7-iseitlgen Toranssetieii, denn ein solches fKifefto« 
TCOT«pcsxettie«(iai)|i«v würde ein (li^ctoc ti lix^ fc^t Bein, da es in swd gMdie 
HiUften zerfiülen würde: es wfire ein icoik ^axTuXivk, aber kein iicirpm«. 

Mit unseren» gro.ssen Epitrit mnss es darin dieselbe Bewanduiss wie mit 
dem kloinen siebenzeitigen haben, das.s er in der Bbythmopoeie nicht mehrere 
Male hinter einander gebranclit werden, sondeni stets nur isolirt unter 
andere ncßec eingemiKcht werden knnn. Der s'if'ht'nwitige wuide , wie wir p^e- 
seiii n, stets mit einem fünfzcitigen Paiou verbunden und kam in der ä-.äxXijt; 
des iuuiöclit'n Rhythmus vor. Den vierzchnzeitigen knniu ii wir zunächst au 
unserer modenien Rhythraopoeie klar machen. Wie in cim r l)Ci«ouderen Art 
der ionischen RLytlunopoi ie die Altt u den kleinen Fiebeuzeitigen Epitrit mit 
dem fünfzeitigen Paion (dem zaiwv oid-juio^) voibaudeu, so verbindet z. B. 
Bee^ven in der ersten £s-dur Clav. Sonate, in der ionischen Rhytlimopoeie dea 
Laigo-Sataesy den vienehnaeUigeu grossen Epitrit mit dem sehnaeitigen Paion 
epibatoa. 

1« Paion epibatos. 



Grosser Epttxit 



JoniKihe Dipodie. 



f w4 f ' « 7 • I 2 S 4 



S « 



-4+ 



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II. 2c. Isolirt vorküiiimeDde Taktarteu und Taktgrösscu. 78 



4« Jornsebe Teipodie. 5* Paion epfbatus. 




4L OfOMer Epitrib 7. JoniBche Itipodie. 




Za^üen unt< rhaib der Nntfnzoilcn sind <H<' Climnoi KliA'thmopoiiaB idioi (vgL 
8. 105. 112), ciu jeder vou dem Umfauge zweier Chrono! protoL 



Alle vorausgehenden Kola des im — - Takte geschriebenen Largo sind 

ionische. In der voretehendcn Partie sollte Kolon 1 eigentlich eine ionische 
Dipodie sein. Dic-i lbr i>t aber um den letzten Chronos disemos verkürzt: 
sie ist statt eines zwoltzcitigen Dimctron ionikon ein zelinzeitiger rau»u ej)iba- 
tos gt^vordcn. Das Kolon 2 wUte wiederum «'in ionisches Dinu'troTi sein; 
aber um so viel das vorausgeliendc Kolon 1 verkürzt ist, um .so vi« ! iiuinüieh 
um einen ChronoB difiemos) Inu^^te das ihm folgende fKolon 2) vergrössert wer- 
den. So ist auH l iuem zwölfzeiügt u Dimetron ionikon ein vierzehnzeitiges Epi- 
triton geworden. Der zefauzeitige Paion cpibatos ist einer der Takte xftv taX 
owc-^f) |>'jd[jio7cot{av iicii(tx^[ifvfDv (vgl. oben); der lieradinxdtige Epitrit ist von 
der ouvs^^i* ftudiAomila ausgesoUoaaeii, er kann nnr (irie in unserem FaJle) in 
Terbindnng mit einem heterogenen Takte, d. t ieoUrt nnter anderen Takten 
yoAcmmexL Was das voranagehmde (Kolmi 1) n wenig hatte, muss das fol- 
gende (Kolon 2) in inel hahen. So wird die „nieht eonlinuifliehe" BhyÜimo- 
poeie anageglichen. Es folgt als Kolon 3 wieder ein regehnässiges Dimetron 
ionikon. Ein Dimetron ionikon ist aoeh Kolon 4; doch das ihm folgende 
Kolon 5 ist wieder ein um den Chronos disemoe TerkUrztes Dimetron ionikon 
d. i. ein zehnzeitiger Paion epibatos. Nun folgt an sechster Stelle wiederum 
t-tatt eines zwölfzeitigen Dimetron ionikon ein ziir Ertränzunp: des Rhythmus 
um eiTK Ti Chronos disemos verlängertes Kolon, niimHch wieder wie nn z\\'eiter 
Stelle ein vierzehnzeitiper grosser Epitrit, au den sich an siebenter Steile ein 
regelmässiges Trimetron ionikon vou achtzehn Chi-oni protoi anschiiesst. 

Wir hahen mit der rhythmischen EtklEnmg des ionischen Satws der 
ersten Beethovenschen EsHlorSonate m^ddi die rl^thmiaehe Analyse der ioni> 
sehen Strophe Oed. Bez 486-^97 Dindorf gegehen. 



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74 AriBlozeDUB riijtiimisclie £3emente § 55. 56. 

1. Aecvd (xev o-jv, Seivd Tapdoaet | ooip6; olcuvod^Tac, 

5. T«L Ilc/vU^ioii veivto; fxeii' oü- | t« icäpoidiv jtox' l^wy' oi/x» tavüv ita» 

6. £(xaöov, irp^c otou 8-?j ßaodtvio 

1. — V-/V^i— W^-'i — >^ <-/ X — K-/ w i 



OroMer Epitiit Paion epÜMitos. 

GroBfler E^trit Pai<m epibatos. 



Jon. dimetron Paion epibat 

4. syv^X~v>'v./X 



Paion epibat 

V - / ^ — - — - 

Joiüc. trimetr. Jouic triuieti*. 

6. »-/s-'i 



Grosser Epitrit. 
7. wwiwwi — ^ \j j. — \j \^ ± — \^ \j ± 
Pauo epibat. Joule trimetr. katal^i. 

\J J. ^ ^ J. — JL 



Giomer Epitrit. 

Diese Aecentuationa- AnlBwmng der V. 1 und 2 finde ich aaeh W W. 
Dindoff Metra Aesclijli u. s. w.» der fiOr dieselben folgendes Schema giebt: 

— , w w i — \^ \j J. — <^ X. — \^ ± 

Alle Ehre dem verdiemitvolh n l'hilolo^on, der hitr ohne von Aristaxeuus und 
Boetbovenscheu Parallelen etwas zu wibscn nach eigenem richtigem rhythmischem 
Gefühle, abweichend von allen früheren nicht ein Ghoriambikon erblicken 
wdlte, obwohl die antiken lietriker dasselbe sohwerlich anden als CShoriam* 
bikon genannt bitten. 



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n. 2e. IwÜrt YOikomiiMiide T«ktai1»n und Taktgröaaen. 



75 



4. Dto iUirlgeii nur iKdirt TorkommeiidAiL Takte, 

a. Der triplasieche Tetrasemock 

In dem Excerpte des Psellus wird er unmittelbar neben dem Epitrit ge- 
nannt. Wir köuueu nicht zweifeln, dasa diese Stelle des PseUus direkt 
ans AnstOKNU» genommen Isi Audi DUmyaiits b«seogt Bein Vorkommen in 
der Rfaythmopoeie. Freilich ist das nicht die ouve^^; ^t>d(Aoitot(a, von der Ilm 
AristoxeniiB § 82 aii6 entBchiedenate anasehlieeBt Wo wir die Aiiatozenischen 
Epitrite m mdien haben, lieai sich ans Hqjkhaestion nnd Beethoven entndunea, 
nimHeh ab isolirte' Takte unter iomschem Bhjtfamns. Ebenda haben auch die 
triplasisohen Takte ihre Stelle. Doeh mnss ich nmächst das negativ» Besnltat 
angeben, da>s H^ihaestions „ttou; xcTpoEypovo; H ^pa^s(ac «al (j-axpa; xal ßp«- 
^cia;, 6 (i|x(f Ißpaxu; ^^ — v^" (TIcjili. c. 3) damit nicht gemeint sein kann, wenn 
auch spätere Metriker diesen Fuss dem fi^toi TpirXautov zuweisen, gerade wie 
Hephacstion selber den imter Tiochaeen gemischten Fuss ^ ^ ^ einen 
isii»i iizix^ivii nennt. Also ist 

*£paopov((i] Xof (Xm Hephaest e. 15 

von den Alten nidit ampUbiaehisch gemessen worden: 

denn liier würden die dreisylbigeu Versfüße in einer pji)jjic»!:oua ouve^Vjc ge- 
braucht sein, von der Aristoxenus § 82 den Trr(>(ioT){ju>( nou{ TpiicXobto« ansdrfick- 
Heh anssefaliesst Viehnefar moss auch Aristoxenus das votstehende Kolon so 
gemessen liaben, dass der erste mite desselben dn ic8VTciaTjU.o; «dm l&eötcpo« 
war, wie diese Mesrang bd Hqphaestion vorkommt 

Dagegen wOrden Metra wie Prometheus 897 Dindorf: 

2. 8(txpge(oTa«tov dnf Homut | ^afttvAv d | ^ofi^ ^Isc tcapetdv 

8. wc(oK txvfiv. icaYalc | dfUtapra ^ip xd^t Z<6c ' 

4. ihUm ^6|Mtc xpatöynv | biiBpfjf «W %nXi toi« | loipoe Ivtdxwoiv d](pidv, 

im Anfimgskolon des v. 1 mit dnem rvAi Tvcpdoiip«« tptidLrfotoc anlanten, auf 

den ein «Tpd«i]|Mc (annvXtKic folgt: 

1. ^ — V./ — — I WV-' — ^ — w' — — 
8. — S/ — S^»-— j'iw/W— v./— \,/< 

^.Wo- — «w» — — — I \y — v.y — s./ — 

Ebenso SophokL Elektro 1058 Dindorf: 

1. Tl dEwnlsv I ^po^N|MDTtftouc otoBW^c 

2. ieopifc|M>«( Tpofoc »i)-|tQ>|*lwKie dif' t* ßXdexai-|eiv dfi* ov 'c' ^vaen 

efip«!«, TcCS* oöx iie* loa« t«Xo$|uv; 
8. dXX* o& Td<« Ai&( dstpaidv | «d Tdh o&paviw» 6i(*cv^ | Ikapiv o6x dicivf)ioc. 



— \y — — — 
— I s-'v-/ — — — 



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76 



Aristoxcniis rhythmische Elemente § 55. 56. 



1. \J — \^ — — I WV/o-W — V-/ — — 

2. — \y — ^ — — I w w — ^ — — 1 V/ — — — ' 
wv — v/s-f — — V 

3. — — — — W — I \/v/ — N«/ — I — W — X-'V*' — — 

4. — \^ ^ — \^ — w j vyv-' — — — — 

6«\»/v/ — w — — — I — — xy — — 

In beiden Strophen, der des Prometheus und der Elektra, ist der gemein- 
same Anfang 

V — V-/ — «- 

kein katalektisches lambikon, denn dieses wOrde nseh 8. 18. 19 anders tu 
meisen sdn (mit yerübqpsrter vorletiter Sjibe), sondern eben ^e triplssbeh- 

spondcisehe Dipodie, eine Dijxxlic hus einem 4<^zcitig('n Triplft.sio8 und einem 4- 
zcitigen Spmidetts. Das in beiden Strophen auf diese Dipodie folgende ionische 
Anaklomenon zorfiillt nach antiker .Mesjsiuig in einen 5-2citigen Puon und einen 
7-zeitigen Epitrit Vf^l. oben S. 71. ¥ji ist nicht ohne Interesse, dass sowohl die 
beiden T:6hti dzitpi-roi wie der -oü; roi-Xdoio^, welche sümmtlich von drr sjve/;^; 
^•jdjAo-oiio ausgeschlossen werdt ii, als isolirt eingemischte Takte in der ioni- 
schen Rhythniopoiie vorkommeu. In v. 4 der Elektra Strophe erscheint wie- 
derum der irltpiTOj Teooapeoxaioexa(rr,uo;, wie unter den luuici Oed. liex, 483 
Vgl. oben S. 74, weuii auch in einem :v1j\s eichenden Schema. 

Ob der kojc TO»r).ct3to; noch sindiTweitii; in der Hhythmopoeie sugelassCD 
wird» das würde die grieclüadic Metrik zu untersuchen haben, 



b. Der daktylische Disemos. 

Ans der zx^vf^^-, ^luO^-vroda schlieaiit ihn Aristnxf^nus ans § 31. Aber als 
isnlirtcii Versfuö-i imiss ihn auch die alte Rhythmik anerkannt haben. Das 
Fragmeutum i'arisinum § 11 (Griedi "Rliytlimik u. Harmonik 1867 Anliang 
S. 45) sagt: "Apyexai 0£ t6 5axrj) './.ov i-u tEipaaiiiAOu [«YiuTTj;]» a-i^CTat 0£ fAS'/P' 

3tc %oX Is oi07)[jLU) Y^vctai oa/.T'jAi/.6; iroy;. Die Fassung dieser Stelle erinnert 
durchaus au die Psellianischen Prolamhanomena § 12 u. 9, namentlich dürfte die 
wörtliche Uebereinstinunung 

den beiderseitigen Darstellungen and „yIvctw W ksts coäc »al 1^'. . und „l<m 
Ii 8tc xal in (ioV^[ji({> ibtsxm (sxtvXntAc itoä«*' zu betonen sein. FVellich stammt 
das EVagm. Paris, nicht direet aus Aristoxenus, sondern durch Vermittelcmg 
dnes UmsrbeiterS) dem auch das nicht ÄristOKenische y*ix xa^aaiffM ifmflii** 
auisnbfirden ist Audi Aristides spricht die Erietena eines «ovc SaauroXix^c 
SisfjtM»; mit absoluter Bestimmtheit aus p. 35 Bleib. 



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II. 2c. laolirt vorkommende Taktarteu und Taktgröasen. 77 

Wo wir ihn za eaehen haben? Da wo ein roJ»; Slar^jio« isolirt zwischen 
anderen ^rötc« Btaiht. Du geseUeht bei dm IjeMschm Dichtem im Aufauge 
eines [xiTpov x»X\t9^iyii^4xww« Hephaest c. 16, s. B. dem OepexpaTtuv: 

i ^ i — 
und in den öaxxuXtxä AloÄrxd Hepbaest. c. 7: 

xd hi od|AßaXa itevteptiija 

«iXotittl tiva thf* x^plevta MiwMi «aXiooat 

Ueber die Mesemig dea potjaehematistiechen Pynliieliiiis b. unten . 

c. Auch noch andere Megetlie, 

welche Aristoxeniis in seiner Taktscala aus der ouvcy^j; ^uOfioroiia ausschlicsst, 
gr-liörcn zw donen, wflcbe als isolirte Einmischunjron unter anderen Takten 
vorkuiumuu. Aus Ai'istoteles Mi tni)Ii. 14, 6 wissen wir, dass die Griechen deu 
heroischen Vers iu folgender Diaircsis waassen : 

%JSiktn dpidxtp^v v&Xom tc(i^ 

f ^ / •■ \ 

AvSpa [jioi lvv£r:e p.oOaa, | ro/.'jTpozov jxi/.a •i:&>.Xä 

8-8ylbig 9-sylbig 
ll-caiiig 13-B«itig 

Dort in der ÄriatoteliBchen HetaiiilyBik iat die Bede von ZaUen-Analoi^een, 
woIcVk' von manchen gezogen würde». Von den beiden mittleren Saiten des 
Oktacliordes liomrne auf die eine die Zahl 9, auf dio andere die Zalü 8 (die 
Haitenlängen ausdrückend nach Pythagoras und Piaton). Von Aristotelee selber 
wird diese Analogie nicht gebilligt 



8 f 

9 g 

12 t — 

„Ebenso habe der epische Vers (vvcuu er aus lauter Daktylen beatebtj die 
gl»-iche Summe Ton 8 + 9 « 17 Sylben." 

Die strt iig.i Theorie, die wir bei Aristoteles in der Diairesis des epischen 
Verses vertreten sehen, fassfe ihn üIsd nicht als einen daktylischen, soaJciu uls 
einen ilaktyliüuli-aiiupacijtiscljeu Vers, ala eine reploSo; SlxouXoc aus zwei ver- 
schiedenen Verafussen, ähnlich wie es der Fall ist bei Bach in dem daktylisch- 
anapaestisehen Tetiametioa wohlt Clav. 1, 18: 



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78 



Aristozenus rhjthuiü>che Elemente § 55. 56. 



11 



I it 



tt 



I C" ^ Ij L£ 



-IT. 



Und 80 wird diurch die Aufeinanderfolge iutalektischer und akataloktisclier 
Kola stets eine non continua rh7thino}>oeia bewirkt; \v:i.s dns l iiic Kolon über 
dio für die continua rhythinopoiia vorl;uigt<" Orösse hat. da» hat dort das 
andere Kolon steta zu wenig und rdurtli tindet die riclitip« Ausgleichung 
d«T Megethe statt, so dass {»chUesslidi « icdcr dic^olhe Suminc di r Zeitgrösaen 
»ich eririebt, w»'lrht' dir fiirthuitViuli ii Kola di-r ajvtylj; pji^p.orötia liahi ii wiir- 
den. Bcnntb gabt u wir JS. 7:5 aus Ucr urötcu Ls-dur- Sonate Beethovrirf! an dem 
nur in der „non continua rli) thmopoeia** vorkommenden grosseu iL.purit uiu 
Beispiel dieser Ausgleichung der Kola-Gröäsen. 



3. DIAIBESIS DER TAKTE. 

a» Die Takt-Diairasis in Chronoi podikoi. 

Von der Statpeoic-ro^iwij, welche § 35 genannt wurde, jener Theilung de» 
Takte» in zwei dem Logos podikoa entsprechende Abschnitte, ist diejenige 
Piiümiis des Taktes in Theile ([xlpTj) zu scheiden, mit welcher es die 
xoTd ötatpeatv Siaqpopä der Takt*- zw thim hat und ymi der § 27 v'me allgemeine 
Definition gfgi'brn wunle. I )k* [xepTj lies letTrtr n n Falles sind die ypövoi zoöixol 
oder sr^ucTa -u^A-Ad, ilic ipoti: und Sotcct;. die Icicbtcu und schweren Taktthcile, 
m»ter deren Anwendung der faktinuidc DiriLreut (r^YHAtuv) die Siiif;« ndeu 
und Instrumentalisten den Rhj iiiiuu:} einlialtcu hifist Sie haben ein we.sentlii )i 
praktisches IjQtcrcäSC, während die aus der otaipeai; rooixi^ sich ergebenden zwei 
Abtekatte des Taktes theoretisdier Art und, um die beteeffende Takteit m 
bestunmen. Bei den eiufiwhen Takten iBt diese theoretische (ta(pc«e mit der 
praktucfaen Takt'Diairesis idoituch, denn jedm* der l»eiden tlieoretischeD Ab» 
schnitte ist sugleich em praktisdier, eme Anns oder dne Bssis. Dagegen sind 
bd d^ zosammengesetsten Takten die beiden Diairesen Terschieden, denn der 
snsammengesetite Takt liat je nach Umftng and Taktart entweder swei oder 
drei oder vier Taktthdie. 

Es war dn Hsagel der eisten griecfaisehen Bbythniik (1864), daaa dieae 
Alten der Diairesen nidit geschieden wurden. Dort war jeder der beiden den 
X^Toe mttt^ Abschnitte entweder als Hcm oder als dp«« gefiusti t. 



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IL 8a. TaktrDiaireBis in Cbionoi prodikoi. 79 



\J , — w — «-/ 

' \ ■* 

— — — y 



— V-/ — w — , — w — 

Ii — . > . 



Dieser falschen Aafibssong ein Ende gemacht zu haben, ist das grosse 
Verdienst Tl. Wt iVs in seiner Besprechung des Buches (Weil über Arsis imd 
Theas N. J. f. Phil. u. Paed. 76 S. 396). Anschliessend an den in der Rhyth- 
mik besonders betonten Satz, dass trou; bei Aristoxenus in einem anderen Sinne 
als in (lern uns prläufigen Sinne der Metriker frcbraucht wird, dass er nicht 
h]n^.H Kinzolfusri, sondern dasselbe wie Kolon ht-drutc, sagt Weil, dass wenn 
Aristoxenus einem jt-doTi ttoj; mindestens zwei, den |Ae-fdXoi tcÖSec aber auch 
drei und vier Semeia vimiicire, dass dann die (jL4-ya./.ot r.6lez von den grösseren 
der in der Aristoxenischen Scala enthaltenen n6h€i verstandea werden inüääten. 
Auch Aristidcs gebe hiermit im Einklang dem 10-zeitigen Paion epibatos vier 
Chrdbol, don 18-aeH%aa TrodniOB sentantoB nnd ortbios drei Gbrcmoi Sieh 
atätsend auf die Stelle des Psellus § 54, die, wie eie handschziftlicli flberHe&rt 
Ist, die ZaU der Semeia mit dem grOeeten MegetlioB jeder Tkktact in GaoBal- 
Kezns bringt: 

Taktarten Zahl der Semeia gröeatea Megetibee 
•fkio^ Intvtkwh 2 16-aeüig 

ftioi bpißnc<iv 3 18-Mitig 

ytm icauTMxdv 4 85-aeitig 

nimmt Weil an, dam die awei Semeia der daktyliedien, die drei Semeia der 
iambiaelien, die yier Semeia der paeoniachen Taktart m vindiiären aden. Die 
Tetmpodfo habe hiemaeh swd, die Tx^iodia dvM, die Pentapodie vier Semeia. 

Die Anffiuaung Weil"« hatte eicii seitdem mieere Metrik an ^gen gemacht, 
snerst in den Fragmenten und Ldireitiai der grieehisohen Bhythmiker 1861, 
S. 128. Jedem tetrapodischen Kolon gaben vir mi]t Weil nur iwei Semeia, 
eöne %im nnd dne d^otc 

Erst Dr. E. F. Baumgart in seiner vortrefflichen gf'gen mich gerichteten 

Streitschrift .,iibcr die Bctonun;'- der rhythmi.schcn Reihe Hei den (irirchen" im 
Prograumi des katholischen S(. M;irtluas-(^ymuasiuuis zu Itresluu uuichte da- 
rauf aufmerksam, dass diese Auffiiasung uuüberwindhche Si hwierigkciten lia}>e. 
..Wenn wir nicht glauben wollen, dass die Griechen aus einer Art theoretischer 
* Steifheit den ganzen Zweck un<l Nutzen den 1 aktircns unsicher und illußurii^ch 
gemacht haben, so können wir ihnen eine solche Handhabung derselben nicht 



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80 



AiünoxenoB rhythmische Elemente § 57. 



zutrauen." Ba,uuigai-t veiwirft (.kahulb die liczicLuiig der aus 3 und 4 /p'Svoi 
bestehenden Takte auf die 7:61^ ou^iieToi und kehrt zu der alten AuiTa^äuiig 
Boeekh*a siirttck. 

Boeckh metr. Find. p. 82 und Ind. leet Berol. 1825 p. 5 hAlt die 2, 3, 4 
yifiAiOi oder ev}|As7oiy welche Aristoxenos § 17 den irflke jcnertfieUti fSBr identisch 
mit den XP^^^ «pfttot. Die betreSbuden seien der 2-| 8-, 4-Bdtige, obwohl 
Aristozentis weder d^ 2'teitigen iwvt f&t die ovmx^^ ^ti8tM»Ei>i(a snerkennt 
noch auch jemiüs wie Aiistides den Terminus ffqiulov als gkiehbedetitend mit 
7pdw>c T^xoi gebraucht. Nach Boeckh also wfirde Aristoienus keinen grösse- 
ren TOuc als den 4-zoitigw Daktylus oder Anapaest statniien. Das glaubt mm 
Boeckh auch in der That aus Aristo-vcnus Worten schliesscn müssen, denn 
wenn es (sagt Boeckh) im weiteren Fortgange der Aristoxenischon Stelle § 19 
hfissc, durch (V\e 1 vliyf Ii mopoeic werde ein tcou; auch in mehr als 4 yoovot zer- 
hyt, so freien (hiinit die das 4-zeitige Megethos fiberschreite ndon tAZz; vutn 5- 
bis zum L''»-zritigen gemeint. Jene (vom 2- bis 4-zfitifi'eu) seien die doyvÖeTot 
r.ilzi, diese (\oni 5- bis zum 2ö-zoiti:r('ii) .seien die auviktot; — der 5-zeitipe 
Paion sei uua ciuein Trochaeus und I'vnhichiuü, der U-zeitige Jonicus aus 
einem Spondeus und einem Pyrrhichiua zusammengesetzt u. s. w. 

Dieser an sich ganz scharfHiimi^i ii I)eiitiiii;j: litjcekirb w idert>prichf , dass 
Aristoxenus dem y pövo; ttooixo; unter Um.'>tiinden auch das }xi-(t^oi SXoj zooo; 
gicbt 8. unten. Dies ist bei Boeckhs Identificirung von yo6^ii zpÄTo; imd oTjaetov 
nicht möglich, denn ein ypövo; tt^üto; kann unter keinen ümstSnden einen 
SXos novc bilden, um so weniger, als Aristoxenus iddht einmal das t;Li^e;}o; ihr^^ 
|Mv ab TiAi an^kennen wilL 

Boeckh hat mibeachtefe gelassen, daas nadi sdner Interpretation des Aristo- 
xenus dieser dem ■:oh^^l^.oi ico^i drei «v](wrtt snerth«]«i mflsste, wShrend Aristo-* 
zenns demselben § 20 swei QT^^lela vindicirt hat Ebendaselbst giebt Aristo- 
xenus dem mikc tn^dm^ awei oij|AeTa, nicht wie es nach Boeckh der FaD 
sein mfisstCi vier oijfAeTa. Auch dem 5-xeitigen Paion wird von M. Victoiinua 
dne t|>{«v)p04 %im/i und eine t(m)fi.oc d(potc zuertheilty also awei» nicht aber 
ffinf oi}(Aera; dem 6-zeitigen Jonicus eine TCTp<Cm)(Aos O'icu und eine MeiKnoc dEp««, 
wieder zwei, nicht sechs Semeia; nicht minder hcisst es vom 6-aeitigen Ditro- 
chaeus bei Victor, „unus pes aosiv, alter ftioiv obtinebit", wiederum zwei Semeia. 
Auch die S-zeitige anapaostische luid daktylische Dipodio hat trotz ihres 8- 
zeitigen Megethos gleich der trfu lim isehen nur Eine apoi; und Eine Für 
alle 7:<i6Ec vom 5-zetfipren bis zum s-zeitigen steht oj* fest, dass sie nur zwei 
Semeia haben. Tiifl da sie alle nur 2 Semeia haben, so gehören sie nicht, 
wie BoeckJi will zu d' u tiEfdhn ttooe?. da die jAe^aXot r^ihtz nach ArLstn.xenus 
mehr als 2 3/,[A£ia, nauilieh 3 oder 4 nöthig haben. Wir müssen aljH> die 
|UYdX,oi it66ei uotliwendig unter den die Achtzcitigkeit überschreitenden {leni^/j 
sach<ni, nicht aber unter den St«ipi«ei; jtto l^uBpioroila; -{i^niistix. 

Bauujguit hat Boeckh s Audiu»«uag etwas modificirt, aber keine der eben' 
an^esShlten Schwierigkeiten hinweggeräumt. Es lässt sich nmi einmal das 



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IL 3a. Takt-i>iaii*e«i£ itu Chrouoi podokoL gl 

9tfiuX«tt des AriBtmeniacheii § 18 nidit mit deut -/jiovo; rpcoKi« ideatifiiarei^ 
wenn nicht Amtoxeniu DustoUnqg ycHI der grössten Widenprflcbe sein soll 

NlehlB dento weniger hat äUsh Baun^^ um die Ldure toh dm oijttcTa 
9ah htfcbile verdient gemacht, indem er nachweist: auf die Stelle des Pb^os, 
welche hier Weil znr Grandhige gemacht, dflrfe jene Lehre onmSgUch geatfitrt 
werden; der Sinn bei Pscllus, wenn dort Logik vorhanden sein aolley mflaae 
ein anderer sein, nämlich Worji ni^'t-, welchen wir oben angeg<;beu haben. 

Wir bleiben dabei, das» Wt'-ÜH Erklärung der Aristoxenischcn Lehre von 
den Srnieia im Wt s« iitlicheu da^ richtige gesehen, indem er für at-^aXoi r'Jde; d. h. 
die KuIh in» Auge zu fassnii hetont; dass nllfin W«*il dus lüehtige getrofteu, 
aber nicht lioeckh-BuiiinL'art. Doch hört nach Baumgarts richtip u Ein- 
wänden die. Stelle des PmcHu- auf, ein Hülffmiftel zu «ein, um »U ii v. röchie<len- 
artigeu iT<45e; ojv^etoi eine bestimmte Semeieii-Anz^iil zuzuweibcu. Das einzige 
HtUüuuiUel siud die bei den Metrikciu vorkommeudeu Angaben ül>er apoi; und 
besonders über die ßdsei;. Hchou früher versuchten yvit die letzteren 
zu benotaen, besonders System der antücen Rhythmiker 1865 S. 107. Doch 
war uns damals noch die Stelle des PseUus das RegulatiT filr die Be- 
natsung, und die Verwei^ang des m den Metrikem enthaltenen Materialea 
deshalb eine muriditige. Die Uebereinstlnunimg swiseben den Metrikera und 
Ariatozemia ist eine noeh viel grössere als wir damals ahnten; sie Ilisst uns 
zugleich ebe Ideatitilt der griechischen Takttrweise mit der modernen erkennra, 
die auch Bntinip:.irt vollständig befriedigt hätte. 

Von der Aristoxenischen Ausfüluruug der Diairesis in Chrouoi podikoi ist 
durch Psellus ein einziges Fragment gerettet word« n, aus dem Zusammenhange 
de« Ahsehnittes, auf welchem sich Aristoxenus § 18 bt ruft. Lpi<lev enthält 
dies Fragment nur einen Theil von dem, was schon iu jcucm § 17 zu lesen iäL 

§ 57. Dem von den Taideu bedürfen die einen üjtam Wesen 
nach bloss zweier Semeia, einer Arsis iincl einer Basis, 

die anderen Takte bedürfen dreier Semeia, nämlich einer Arsis 
nnd einer swei&chen Basis, 

die Takte einer dritten Kategorie haben vier Semeia nöthig: 
zwei Arsen und zwei Basen.*) 

*) Die S^eia der dritten Kategorie sind nidit in der Parallektelle § 17, 
sondcni bloa in der vorli^enden Stelle genannt Dadurch ist sie wichtig ge> 
nng. Für die Takte der zweiten Kategoiie dagegen ist sie unvollstftndiger als 
die ParallelsteUe, denn dort sind ab -die drei Semeia des hierheigehdrenden 
Taktes genannt 

Oi Ii ix TpiÜlV 

O'jo fi£v T(üv avoi, e,vi; oi toI> vtdxa), 

iv6; {xcv ToO d^Ko. (oo Ei Ttov itdetn. 
Caesar (und ihm folgend Bartek) glaubt beiMglich der ans drei Semeia he« 
stehenden TÜEte f&t die beiden parallelen SteUen Uehereinsfimmung herstellen 
ArUtoMotti, IMtk o. Bhjtbmlk. 8 



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32 Aristox^ins rhjrtbmisehe Elemente § 57. 

zw inüssen. Er bewirkt si»> dailurch, tlaus er in dem Excerpte die eine der 
beiden Altemarivcn, welche § 56 nicht aufgi führt ist, weil sie bei Pstülus nicht 
angep^eben sei» als einen unf^liickli< h<'n Zu^hTz d« r Aristox^'nus-Handsehrift ent- 
fenit. Wo wir die Wahl haben bei derartigi u Discrepanzen werden wir eher 
an eine AndManng von Seiten des Epitomaton Paelliu za denken haben, der 
ja 00 mangelbaft wie mdglich exeerpirt Das seigen solehe Stellen des Psdlus, 
' für welche da.^ Onginal der Aristoxenischen Rhythmik eriialten ist. Und wer 
mag denn überhaupt aus der Khythmik des Aristoxenus, von der wir mir 
so WcTiT^'c?« ImluMi, ii'K-li dies Wenij^e durch Auswcrfungeii rrrkürzcn? Tensor»' 
erste l'ilii lit ist, wa» Aiisruxcnus überliefert, festzuhalten und in der Erklämug 
keine Mülio und .Sorgfalt zu sparen, bis dieselbe geliuiguu ist. 

In dem Folgenden stellen wur mr £r((rterung der aus swel» ■» dtei, aus 
vier Semeia bestehenden Takte sunttchst Alles xnsamment was wir sonst b« Aristo« 
zenns und, wo dieser uns verlässt, bei den antiken Metrikem darüber voifinden. 

a. Takte mit zwei Semeia« 

Im Voraus ist zu recapituliren, dass Aristoxenus die durch Accentuation ver^ 
schiedeneu Semeia auch /p'Svoi n<Muit, nämlich den leichten „avw yp'ivo;", den 
schweren Taktthinl ,,'/A-im yp<ivo;". Wo kein Missveretändniss möglich ist, UUat 

er bei ypovot die Zusätze (ivto und v.i'Tm nm. 

Fiir ..'ivtu yjiovo;" ms^ Aristo\, nii.s aueli ..Arsis*', für ,,/A-w yp6''irji" aber 
niemals .,Thesis" (wie alle anderen C^ucüeu der Metrik und lÜij'tlunik), son- 
dern „Basis.'* 

Monopodische Takte, 

Für ZAvei einfache Takte shid bei Aristoxenus selber die Semeia ilu-em 
dynaniischoT) Wcrthe nnch bestimmt § 20, nlirrilich für den 3-zeitiiren und den 
4-zeitit:eii 1 akt: „Der ;j-2eitige Takt hat ciucn iiQT^^oi xizm XP<''*<><t ciöCa 
haJli Sil grossen ism ypövoc 

♦ 

Der 4-/.^iti^e Takt liat einen oioTj{AO« xdxo) j^pdvo« und einen eben so 
grossen ivtu ypv<o;.'' 

Neben diesen beiden kleinsten rationalen Takten bestiumit Aristoxenus 
anch die bdden Takttheile des irrationalen, des ^opsioc dD^o^o«. Die Barns (diesen 
Terminus gebraucht er nnnmdur statt «im XP^^) vt dieselbe wie der aehwere 
Taktiheil des rationalen trisemos und tetrasemos, wihrend die Arsis des Chordos 
aIngos die mittlere Grösse von den Arsen des trisemos und tetrasemos habe. 

X V/ — \J 



l 

\ 



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n. Sa. Takt-Diairwis in swei Cfaronoi podikoi 



83 



ßaloi« 



Uebev den einfaeben 5'xeitigen und Beseitigen Takt yerlassea uns die 
eigenen Angaben des Ariatoxenua. Eigänzend tritt ein, waa die Hetriker, namen- 
Hdi Marius Victorinna im Cap. „de rhjthmo*' mittelbar ana Aristoxemu Bhyth* 

mik tiberliefrrt p. 58 Gaiaf. Bhythmortun antem tres e»se rliürn ntiaa Tolont, 
in dactylo, iambo, pacone, qnae fiunt [tcr äpatv et Hw*, Nam dactylua aeqna 
temporam divisioiic taxatur . . . dicunt in iooti et iUaet aeqnalem rafi'>n«nii {«v 
X^YOv .... lambius a brcvi syllaba iiieijiit, quao e«t xmim tf«mporis, et in lougam 
de?-intt, qtme o-^t tenip^rinn duoruin; trocliaeus autejn cnntia. Spcundus atitcni 
rlivthiuus in iainbo dii]»!! ratione substitit, fiovooTjpo; (nniiis fiihn t<;niporia) äpcij 
H«l oioTjpio'* Uioiv coiii])iiratur . . . Eadem ot in ionici» ilupii ratio versatur . . . . 
erit4j[ue UaT^\t(y; apot; ad TeTpaijTj[i.ov Üistv seu contra .... 

Tertins autem rhythiniis, qui panonicus a inusicis dicitur, beininliii r-iil)si,stit, 
qnne est ötxcupli ratio. Hrmiolinin enim dicunt numerum, qui tantuudem 
habest quantum aliuä et dimidinin aniplius ut si compurcs tres et duo. Natn 
iu tribos et dus at cssem diuiidium coiitiretur, quod cum evcuit tploTjjjio; dpot; 
ad 8(oi)(Mv Hm* aecipltor L e. trea partee in aablatlone habena, dnaa in pom- 
tiouc, sea contra. Qoam rationem manme incoiront paeonid Tersna et baodiici 
ita nobia gradientibna nt paeonieoa aervetur rbythmna. Hae aimt trea partitio- 
nea, qnae continnam Ml^^ointtav iadiint Aristoxentia autem alt non omni modo 
inter ae comporita tempora rhythmum iaeere .... 

Mar. Vict p. 2483 (im Cap. de ani et ttieid): Increticottimeaablatioloiigam 
et brevem occapat, poeitio nnam longam, vel contra podtio longam et brevem, 
«ablatio onam bngam. 



oder 



/ 



»ist« 



Hau 
Tp{ei]|jioc 



äpetis 



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84 



Amtozeniu rbythmisehe Elemente. § 57. 



apai; 
oi3T|[i.o; 



Dipodischc Takto und Taktordnuiigi'u. 



Ueber <lif /,ii>:i niiiKMiiri'srtzti-ii Takte. v<mi fi-z( iti^-<'n dipuilii^cheu an, 
sind nm h('7A\^\id\ di-r T.ikttln ilr vvifderiuii die /cuLrnisfif der Mrtiiki'r zur Hand. 
Nach ihrer AiigaUr wird v'm jjiiTpov entweder uaeli uioai>]iodiacbt'u oder uach 
dipodiächeu lieiUaidtheilen gcuiessen. Der genieinsame Terminus fiir diese ge- 
meinsamen Buiit&udtlieUe des fnitpov ist .,^äai;". Die ^dsi; ist also entweder 
öne |Mvo9co(t»i| oder («nltxi^ ßi«ic> 

Von der )MrWimtix^ ßdot« redet Scfaol. Hephaest pag. 162: Xi^ttat It 

Die dipodische Basis defimrt Schol. Hephaest p. 124: Beim« im tö 

ßdotft io^iv 1^ i% mhin xal «ataXi^i^oj; -ro j-resTt ;At£c ouX) ttooI {aou|Aivr,& Da- 
her wird ^iast; gleichbedeutend mit iisoiia oder öwCwt'* gt^raucbt; selten von 
lleph:ir^ri( fn, wenigstens selten in dem uns vi)n ihm vorlif'i;i'ii(l('nEncheiridioup,S6: 
Td |*€V it. ?vjo Itovlxüjv xai Tpo/aixfj; ildsetuc- Mar. Victor. 2489 1*.: Duorura 
pedum copulatio |^dat; dicitur, . . . qui »i eiii.sdem generis fuerint di]>odinm 
aut ut (|uidam tautopoiUam, am disparca . . syzjrgiam efficiuut. In qua ipm 
auum, altcrum Hiot; podem obtinebit. 

Mit dem von dem Metrikeni gt l*raucliteu Teiiiüiuis ^doi;, der sich, wie 
wir hieraus ersehen, auf die rhythmische Accentuation (ipot; und 8ioi;) des 
Metrums bezieht, steht im Zusammciüuinge der Austhruck „ßatveiv" oder „^al- 
veoftat" in den oft wiederkehrenden Ausdrücken ßaivttai .uiTpov ««Td 8tim((av 
oder «axd fitnoitodton (Schol. H« phaest 163) oder aadi aetivisch pa(vo]Jicv «sxd 

Lateinisch wird dies von den Metxikem wiedergi^eben durch „scanditur 
singttlia pedibus" oder „per qrqrgiam'* Mar. Victor. 2521 P. Hiernach kann 
wohl kein Zweifel sein, dass sich ßdotc und ^«(vetv «onftdit auf das Takttreten 
bemeht 

Andere lateiniache Ausdrücke für denselben Begriff sind: 



ferire 



caedere 



> 



8. meine Theorie der antiken Khythiiük, 
Breslau, F. K. C. Leuckart S. 109. 



percutcre , 



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IL 3a. Takt-Diairesifl in zwei Ghrouoi podikoi. 85 



Das BttbftantiTiim ,,perciisaio" endiwit mit „^mtf* dnrehaiiB glöichbe- 
deutend. Hftr. Victor. 2572: Feritnr dipodiis trimeter tribt», quem % namero 

pcdum ut (lixinuiB nostri scuarium, a nnmero pcrcuasionuin tritnetrum Graed 
dieirat Mar. VicUnr. 2508: Tribtis pereuBstonibus per dipodias caeditar. 

Besonders bemerkenswerdi ist Fab. QiuntiL inst 9, 4, J^l: Magis tamea 
ilfis licentia est, ufaä temptura etiam animo mettimtiir et pedmn et ^giUmiin 

icta intcrvalla sipiaut quibiisdain notis atqne aestimant quot breres iOad spa- 
tinm babeat: lade TetpdovjiMM, ittvidoi)(i.ot, deinceps longiores fiunt percossioiiea, 
uam oT^fjieToM tempus onum est Zar Ilrläutemiig dieser Angabe Qnintilians 
folgendes: 

T<tp<iot)(i.oc percussio bei dnem ßaNcodat tax^ leiha trcpdofuu^: 

— \j SU TeTp<iot)(M>; pdmt, 

lecvtdoTjixo; percussio bei einem ßvivcottm «atd icö&a ikvtc(3t^;jiov: 

— \j — irevTdbr,[jLo; ßd«s. 

Die longiores jiercussiones. welche Quiniiliau im Sinne hat. sind: 

e^äoTjfjLo; percussio bei einem ^aUeoöai xaxd rMa i^dsr||xov: 
\^ \^ — — gJaoT^fio; ßdai;, 

und bei einem ßalveodae xard oi;:o^(a'v c^dotjjAOv: 

— \y — o i^dvr^ikQi ßdoic« 

d«tdoi)(iO( percussio bei einem ^aiveo^m xettd Stin&iav iwcdoijijiov- 
W <wr — \> v> — dxx<i9i]fA0( ^et«i«. 

Dass alle diese Mitibdhingen des Fabius QointiUan nnd der Metrikor 
tau der Doctrin des Aristmc^ms stammen, den ja nammtUcfa Marius Victoriniis 
andi sonst als CtewAbsmaan anftlhrt, loum kein Zweifel sdn. Freifidi ist 
Aristoxenns nicht die unmittelbare Quelle, sondem ein die Rhythmik des Aii- 

stides umarbeitender Aristoxeneer, dem wir auch rioost in der rhyUimiseben 
und meliächcn Litteratur der Alten l)0<re£9ieu. Ihm gehört au: 1) dass statt 
des ArL-^toxenischeu Chrono» protos der 'ienninus o^fjietoy gebraucht ist. 2) dasa 
statt des schwerrn Takttheiles nicht ßdoi;, snndom Wiati gesagt wird. H) der 
cigenthümliehp ^^Jchrnnrh Wortr»? '^a?».:. i)as Wort Fclber rnft zwar die 
Ari^tnT('Tii«che -ido:- als 'l'i iiiiiinis für starken 'I'akttlicU in Erinnerung, ein 
Terminut"!, der bloss bei Aristoxfim-^ \ Diknnnnt. Wie nämlich hei Marius Victoriniis 
das Wort ymoa oder sedes, ab? Austlnu k für den liinzclucu Vursftiss gebraucht, 
daa Gobitt oder den Umfang eines einzelnen rhythmischen Accentes mit In- 
begriff der zum Aecent gehörenden unbetonten Sylben bezeichnet, seist „ßdat; 
(tRotttilj^* der Terminus fttr das Gebiet eines Hanptaccentes mit dem dazu ge- 
hörenden Nebenaecente, welches das Megcthos einer Dipodie hat, geworden. 
8o ist der Aristoxenisdie Tenmnus „ßdotc** swar nicht bei Aristid«, denn dieser 
sagt 9istc statt ßddt«, wobl aber in der Terminologie der Metriker und des 
Fabhis Qnintilian festgehalten, swar in einiger Modifikatiim der Bedentung, 
aber unter Festfaaltung des rhythmischen Grundbegriffitf : des durch das Nieder^ 



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Amtoxeuuä rhythmüche Klemeate § 57. 



treten des Fasses oder die percussio zu markireaden Megethos, auf welchen ■ 
der iLiytliiiüfldie Aoeent kommt. 

Wir kdnn«! fSao AiiistozenuB Doctrin fiber die iciftcc mit swei 
dftliin verroUstSndigeii: 

1) alle ii68c«^doö^rro( baben xwei «rrn^n, eine «Xpst« und eine Hmn (ßdnc). 

2) alle icö(cc «6vftcToi vom Um£uige einer Dipodie haben ebenfidlB swei 
ai)|MT«t eine dlpoi« und eine 9i«tc (ßdou)^ nttmlieh: 

a. der no&c iHovn^i QaxTuXtit^c: 

b. der ko&c fot^iioc («xtuXt«^: 

dpa. dio. 

X \j \jf Jt ^ 

c der iKM^c intdbiji^o« (axtuXttä^: 

J. \J ^, JC \J — 

d. der nou; («dScxoIoijimx (««.tiXik^c: 
d(pa. W«. 

Dl«' Reihenfolprc ao^jt;, ftlat- (3at3i;Ti tiiit-npridit der unmittelbar von Ari- 
stoxeuu.-^ geutuchtüu Angabe, doch wt nlt ii wir alsbald selten, dass auch die um- 
pokehrt«* Roiheufolge: fteai; (,Sdai;), äpoi; müglich iht, Unnere rhjrthmischfu 
Quellen näuilich geben diese letztere Acceutuation für den -oj; d*TdoT,,ao4 oax- 
TvXuo; an, in welchem jedes Semeion durch einen einzigen %wz6l ^ft|toicot£a( 
Xf^^ MrAtxoi XP'^^vo; dargestellt ist, den sog. «mvftsToc {AeiCw 8 taX (ntXo&C 

«yisi; <2pot;. 

Ai i^tul. T. p. 30 M. Die beiden IJesTtandtheile dieses achtzeitigen Takte» hat 
schon Boeckh richtig als zwei vierseitige Lftngeu erkannt. Vgl. Aristid. II. 
p. 97. 98: Td>v £v To(i) . . . el otd (i.r,y.(oTt«v ypövtov 5y[A^al]j Ylvcoöat to'j; ttooci;, 

rXelcDV fj v.aTäTTaai; fa'^rttvoi":' av tt,; oiavoio; . . . i\td to jto toj; |i.rjXiaTO*jc tot; 
Upoi; üp.'^oi;, ot; feypöjvto TzotpexteTia^voi; rrjv t£ 7:epi T*Jta BtaxpißVjv uiiv »ai 
(jptXoyjuplav evoetxvypicvot rf;v te ajtdiv ötavotav lo<5Tt]-i xal (jit^xci t«v ^övtuv et 

I )ir verschiedene Ordnung (Irr ('iironoi JKM-Ükoi in (irni dijKKlischeii Takte 
bezeii'hnen wir Modcnien dun ti \ t'rf»ehieilene Setzung deü Taktatrichos. weldp-r 
entwi 'ler vor dem ersten mlrv vur dnii zwciicu Versfussc der I.)i]»<>(lie .steht, 
lu der Tlieorie de.s uiubikal. Kliythmus seit liach habe ich diese beiden Formen 
des dipodisehen Taktes die beiden Takt Ordnungen genannt Z. B. für den 
dipodiacheu C'^'ftkt: 



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n. 3a. Takt-Diairesis io zwei Chronoi podikoi. 



87 



Erftte Taktordnung (Taktstrich vor dem ersten Venfiisse): 

Be - weis' dein Maclit, Herr Je - su Christ, 




dipate 



der du Herr al -1er Uti -ieu bist. 





H f »■- 


1 • ■ -»4- 




: 1 ' 





dtoe ipnt M«t« dlpoic 

Zweite Taktordnung (Taktstrich vor dem zweiten VersfuBse): 

Ktt - ne Buh bei Tag und Nacht» 

♦- 




st 



Ii 



nichts was mir Ver-gna-gen macht, 



i 



± — Jt — j. — Ii 

drpSK Hm dipoi« Hm 

Wir wiederholen, was wir schon früher augcdout<>t, dass es auf einer fal- 
schen Agfihsemag des Khyfbmus bemht, wenn man in der modenieii Muaik 
doi Takt yon dnem Taktstriche bis snm nächsten Taktstriche rechnet, oder 
kOfier, wenn man witer Takt dasjemge versteht, was Ton zwm Taktstridien 
eingeschkssen ist Nur Susserst selten ist dies der FhlL Genau wie man für 
den poetischen Text in dem sweiten Beispiele die Versfüsse folgmdennassen 
slUt: 

Keine | Kuh bei lag und j Nacht, 
1 2 :j 4 

und so weni«r man in dem poetischr ti Texte den orston Vorsftis« „koine" von 
dorn fitlgendfu als Auftakt ahtTenm ii wird, ebenso ilarf mau aucli im Melos 
den ersten Takt nicht erst aiit dem zweiten V"ei>;fii>-r begiuui ii lassen, zumal 
da — wenipsten» in dem vorUejzenden Falle niid sd auch in ffi--t allen anderen 
— das Meioö genau dieselbe Acecntuntion hat wie der deutüehe poetische Text 
beim Rccitireu. Vielmelir müssen wir, der griechischen Bhythmik folgend, nicht 
bloss ron unstten hidwigen VorsteBungen über suasmmengssatite Talcte und 
deren Taktart (wie der Lobeschenj abgchim. sondern uns auch darin der an* 
tiken Doktrbi , die hier schiifer als wir au s<>hen verstand, anscUlossen, dass 
wir den Sats aufstellen: 



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88 



Amtoxeuus rbjrUuni&die Elemeute § 57. 



in einem dipodisdien Takte steht der Taktstrich entweder vor der 
Hebong dea ersten oder der des streiten VerBAuses. 
Grossere Ruhe and grössere Bewegung, das sind die wichtige ünteisehiede 

des murikallBcfaen Ansdruekes, die wir bei den Q^nsfitaen der bdden Talct- 

Ordnungen in 

Beweis dein Macht Herr Jesus CSirist 

— M. — X — X 

und 

Keiuc Kuh bei Tag und Nacht 
X — ^ — X — A 

sofort heranshOren. IMeselbe erste Taktordnung wie iii „Bewda dein Macht 
Herr Jesus Christ", wendet Bach überall fbr die im dipodischen Takte ge- 
schriebeneu Clionll« >!!: diejenige Taktordnuni^ dagegen, welche in „Keine 
Ruh l)ei Tag und Nacht'' angewandt ist, in welcher der Taktstrich nicht vor 
dem ersten VersfiH-e >t. lit. vs o der Takt nicht mit der fteit;, sonder der dpoi; 
anHuigt, liebt Bach in den Gavotten und in der InstnimcutaJfuge. Ph. Spitt« 
T.fben l^xcb« T. S. 774 -nirt von diesr-r zweiten Aerf>ntn;ition8art: ..Es darf 
nit lit iiiilH iiierkr bleiben, dass darin Jt iii'. Bach eig«'Utlinni]i(.'he innere Frregt- 
li< it otteulrirt, indem erst nach dem Verlaufe von einem lakte der 

stäikstt- Aceent hörbar \Nird, dem alles vorhurgcheude iu eigener Unbefriedi- 
gung /.uiätrebt.'' 

Ari&tuxeuu» (denn uöeubar gehen auf ihn die daniber liandelnden spä- 
teren Musiker als ihre wenn audi nidit unmittdbore Qoelie anrück) unter» 
scheidet drei Style in der Münk, die nimUchen l&r die Melopoeie und Rkjth- 
mopoeie d. L ^ das melische und rhythmische Element der Muttk« Sie werden 
die drei Tropoi (d. L Compositionsarten) oder audi Ethe (d. L Charaktere) ge- 
nanntf indem man dabei von der verscluedenen Art und Weise ausgeht, wie 
die Seele der Zuhörenden durch die Compontion afficirt wird» dne Aflfoctaon, 
die nach griorlii.scher, p:ewi-< rii htir'tr Auffa-s^ung in gleicherweise durehdie 
Khythmoi»'" i'' wie durch die MelojM^eie bewirkt wird. Was AristoaEenos selber 
darüber im Zusammenhango gesagt, int nicht mehr erhalten, aber was Spätere 
aus ihm über die.sen fTi'g»'n>itiind gr-t hnpft haben, davon ist \m?^ weni^'-tonf 
da.s Wf.sentlichst« iib«'rkomiTi»Mi. F.s uar in die Schrift eiiifs Arisfoxenct r ii1»er- 
gctr^n^rfTi. dpr liaiipi-ai'hlicli dii' ilrittf Harmonik des Ari-'^ttiM ims uuiarbeitete 
und di r daun von d*'a Musikern der römischen Kni^f^rzeit du"en kurzen Dar- 
stt'Uungen zu Grunde g»'legt wtirdeu ist» Unter ihnen ist tüo dem Euklidee 
zugeschriebene Emloltuug in ihe llarmuiiik. 

Bei ihm heilst es p. 21 Meib.: 

'Efftt t(a9T«Xtt»öv (i.£v 7^äo( |mXoi9Qi{«c %i Otf OT|)Mi(vfiTai {j.e7aXozpiictta 
xol (lap;xa (^'j/f,; <iv&(>&(<c <xal it|»d^tc ^pdinwl aal teiih) Toikotc obisCa. xP''i'^^ 



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II. äa. Takt-Diaireais iu zwei (jliruuoi podikui. 



89 



Totc «al TOlc icapflncXi)o(o(c. 

*HauxaOTt«&v t^öiJ; dort fxe).oroi(«« 4* ^^opirsTai -f^psiA^iTTj; «J/uyf,; »«l 

ual tdi TDÖrotf 8(A0t«. 

Also folgcude drei Compositiousarten oder Churaktcre werde« für die mu- 
Bi*ehe Knntt der Griechen unterschieden: 

I. Der diastaltischc d. r. der erropte Charakt<»r. iu w« Iclicm sich Iloh- 
hcit, Glanz und Adel, männlii In- Ki labuiig tler Sttlt-, lieldt:uiiujtliige Thatkraft 
und A£feote der Art darstellen. Besonders in den (Chor-) Gesängen der Tra- 
gödie und älmfidieii Omipodtioneu. 

n. Der hesycha« tische d. L der ruhige Charakter, durch welchen Seelen- 
frieden, Dreier und friedEcher Zustand des Geipttthes bewirkt wird. Dem wer« 
den angemessm aem die H jmnen/Paeane, Enkomieen, Trostlieder und ahnlidies. 

DI. Der systaltische d. l der gedrOckte, beengte Charakter, wdcher 
das Gemäth in eine niedrige, weichliehe und weibisdie Stimmung preeet. Es 
wird dieser TVopos ffbt erotische Afieete, fBr Klagen und Jauuner und Aehn- 
liches geeignet sein. 

Auch im systaltischen liegt Erregtheit wie im diastaltisdien Ethos, aber 
keine £rr^;<heit edler Art, sondern dl^enige, welche wir Sentamentalitftt nennen. 
Aus anderen Mittheilungcn der Alten folgt, daas auch die monodischen Ge- 
sänge der Tragödie (die Btthnen-Arien) au dem systaltiscfaen Tropos gerechnet 
werden. 

Unsere Choräle, welche bei Bach im dipodischen (j7 -Takte erster Ordniuig 
notirt sind, müssen als Typus dos ruhigen Charakters gelten. Ihnen entsprechen 
bei <lrn ({rifchon die yixvot, du- ihrer-seits al.s Tfanpt-TyiJUJi des h('sy<'ha.«tiH( li('ii 
Troposi genannt werden. In der That ist auch dt r ilaktyliöcli iliiM»(li>clif Takt 
erster Ordnmig als czovoefoi fietCtuv für di«» lu iliLrt n Hymnen gebraucht worden, 
wie wir aus der Stelle des Aristides belehrt werden. 80 werden die Compo- 
sitlonen iu dem mit der apoi; beginnenden Takte, — „die Compositionen der 
innerlich erregten StimmungivgL Spitta)" — den griechisdben ComposHionen 
des Tpöisoc BiaoraXxtKÖc «itsprechen. Somit sind* wir wieder im Besttae der 
antiken Nomendatur. Der ivedoinMi mit der Ordnung der toi^ 

ist ein ieo6c 6wT<to]|i.oe i^svy^aattitdc, 

mit der umgekehrten Ordnung det Takttheile 

ist er ein noös 4«td8i)|i«( StaotaXTtxtfc 

Was den dritten der griechischen Tropoi betiifit, so lümmt das Sentimen- 
tale bald die erregte Weise der Titopos diastaitikos, bald die Ruhe des Ttopos 
liesychaatikoe an. 



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90 



Aristozeans rhythmisclie Elraaente § 57. 



b* Takt« Mit Tier 8«MeUu 

Tetrapodische Takte und Taktordntingen. 

Die t^^trsipodischeu 'l'aktc .mIi i- Kola aind e» vorwiegend, welche Amto- 
xenutt im Auge haben muH«, wo er sagt: 

Ol hi T&v icoiöv tirtapoi nsfänaat «v]|wtoic dEpecm xol i6o 

ßdocoi, 

denn zufolge der bei den Metrikern erhaltenen Ueberliefening Uber die per- 
cmno der ßdact« haben sie folgende Accentuation: 

dpa. Aie. (Kpe. die. 

w X \y JL ^ \J 1. \J Jt 

A \j \J JL \j \j J. \J \J Jt^JyJ 

\J \^ ± \J \J JL \J \j X. \J \J M. 

* 

ßdetc ßdetc 

"Apotc, Hnnt dpoi«, Met« oder in der Terminologie des Arietozemu: *Apeie, 
ßdeie» dfpoui ßdetc: das sind die i6o dpotts und (6o pdotU} welehe Aristoxeniu 
den «OB 4 eiipi«« oder 4 notcxol bestehenden leiStc« («.cTdXM merlheilt. 

Es ist sehon oben darauf hingewiesen, dass sich in dem von den Metrikem 
gebrauchten Ausdrueke ßdeic die unmittelbare Spur AriBtozeniseher Terminologie 
eihaken hat, denn wenn auch der Gebrauch des Wortes sich bei den Mefri- 
kem verändert hat, so bezeichnet es doch immer noch das Vcrhältniss des di> 
podischen piiXos dw tetrapodisehen Tidcte zum rhythmischen Aeoente. 

Aus den Angaben des Anstozenos § 17 und des Ariitides efsefatin wir, 

dsss für die GÜvdcTot 7r6ie; so gut eine ttofOpd xax d vT'.t^eoiv wie für die dsuv- 
ttrcot irSk; besteht, da.ss also für die tctriqpodischen Takte auch folgende An- 
ordnung der ai)pL6ia vorkommen konnte: 

dpe. 9ie. dpe. 

M sj ± \J JL I. \J 

\J JL \J I. \J JL sj J. 
JL\J ^ L \J ^ ^ J. \J 

\J Jl \J \J ± \J \J JL WWjt 

» ■ ./ 

# 

Die mit der (xpot; auf;mfrpnde Tctrapodie würde der diastaltisclion oder er- 
regten, die mit (]er <}:at; bcgiuueude der hesychastischen oder ruhigen Compo- 
tiitonsweLse anm liöreu. 

In der christlich uioderueu Musik sind tlie tetrapodisciien Takte besonders 
z.nhlr<'ich bei Buch vertreten, um meisten für den daktyliseheii Rhvthmus in 
der V\)n\\ des C-Taktes: C-Takte des diastaltisclu ii Tropos in ilcn instrumcn- 
talfiigen, C-Taktc des hesychastischen Tropos in den AUemanden der Suiten. 



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II. 3a. Takt-Diaire^iH : Takte von vier Clii'ouoi poUikoi. 



91 



Bach, WoUt CbtT. 1» 8: 

1. 




2. 



8. 



4. 



ip«. ßds. dps. ßdbnc. 

Ak fieispiel aas Badi wflhlen wir die aUemandenut^ie Bearbeitiing des 
thOringiflcben Volksliedes: „Ich bin so Ung nicht b^i dir gew4st" Kiiseriingk- 
Yariattoneu Nr. 80 <I, 6, 3 Peters). 

t. 2. 3. 4. 
Ich bin so lang nicht bei dir ge-wedt. 

r-; rZ. i J~3 I 

r.- r r— 



Saaic, dpoi;, ßaffi;, dpoi;. 

Mit dem Taktsehritte hinter der Hebung des dritten Fu.<ses (dritte Takt- 
ordnnng) Wohlt Clav. 1, B (nach einem thöringischen Tanz-Thema): 

4. 1. 2. 8. 4. 



1. 



2. 



8. 





ßdetc drpotc ßtfoi« dfpmc ßdLstc dCpoic ß«(ow ä^9ti 

>■ - ' 

[Io6; («aScxdai](i«c -^«»xaeti«^«. 

AttBB^r der 16-zeitigMi Tetrapodie giebt es nur noch eiueii tetra|)odi8chen 

Takt, den ö(»öexd9T|{A0i, unseren geraden H- oder -'-Takt. Ein Beispiel bei 

8 16 

Bach für den hesychastischeii TVopos dieses Taktes: 

Engl. Suite 8 Gigue 



Diese Im cha-tisclie AccentuHtion der Tetrapodien ist es, welche Beutley 
verlangt, wenn er accenluirt haben will: 

Id te advenso spem, sahitem» | consilitun, atudlittm expetens. 



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92 



Aristozeniu rhyUunuche Elemente § 57. 



Die Hauptaccente .sind von Beiitley durch ' markirt; mit Bttcksicht auch 
auf die Nebenaccente soll bieniacii gelesen werden: 

Ad te advenio s()oin . »alutem, | oonnlimn, anxuiimi expetens. 

Aus Bach Iiaben wir dii ^« Acccutuuti»»u der Tetnip*idie» nachgewiesen, 
welche Bentloy hIj* di* alltri luoino und einzige verlangt. Aber obwohl sie auch' 
bei den Alten nicht gefehlt haben wird, ist doch nicht diese den Anfang des 
Ditzochaeos, Bondem nnr die den «weiten Fuss desselben dorcli den letus aus* 
seiehnende Accentuation uachsaweisen, nicht blos in der HauptsteJle des Ariato- 
xenus, sondern aueh bei Mar. Victorin p. 2489 P., nadi welcher die Accnatnation 
des trocbaeiBchen Tetrametron folgende sdn wttrde: 

Ad te advenio fspem^ salutem, | consilium, auxUium expetens. 

Abr r weder die eine, noch die andere Accentuatiun darf die Recitations 
poesic durchgehend anwenden, vielmehr mnss auch für die lateinische Recita- 
tion derselbe Wechsel wie für die deutsche als möglich statuirt werden: 

Seid um&ehlungen Millionen, 1 diesen Kust* der ganzen Welt! \ \ 

Brüder, fiberm Sternenzelt | muss dn lieber Vater wohnen. 1 1 

Auch in den deatscben Versen wechselt die diastaltische und hesycfaa- 
stische Accentuationi d. i. die mhig gemessene und patfaetisdi erregte Aecen* 
tuation, je nach Verschiedenheit des Wortaccentes nnd der logisehm Bedeut- 
samkeit der Wörter ab. Das Melos verlHsst häufig genug die natürliche Aecen- 
tuation iL s Worttextes, wie denn z. Beethovens Composition der vorstehenden 
Verse Schillers von der Accentuation il< r Schilli r'sdien Wort*? mehrfach ab- 
geht. Au< h die besten und ausgezeichnetBten Melopoeien schliessen ^ich in 
ihrer Accentuation iiiclit :iiiL'stlich an die <ler Recitationsversp. rihne da«? wir 
dies dem Couiponisten zw ciiitni irn»''*en Vorwurfe inachni dürfen. Wer. wie 
Sulzer in seiner 'fheorif <lrr schönen Künste, den absohiten AnscLlus« des 
melischeu Acecntt s :in dm llccit.itirpusrteernt verlangt, der liat damit die Mög- 
li( lik< it strophiselier und autibtrophi.schcr Ucspoii^ioneu liir das Mclu» iu Abrede 
gestellt, denn der Diditcr vermag fast nicmais den autistroplüscheu Versen 
dieselbe Aceentuation wie den strophisclien xa geben, weder im Deutschen, 
noch in den antiken Sprachen (vgl Musikalische Bhjtfamik seit Bach § 172. 173). 
Im Melos halt der Componist für die stropliischon Verse dieselbe Aceentuatiou 
wie fOr die antistrophischen ein, entweder die hesTchastische oder die diastal- 
tisdiCi in d^ RecitationsveTsen des Dichters dagegen findet dn &st {brtwfihren» 
der Accentuatiooswechsel statt Will sieh der Bedtirende continuirlich an ein 
Becttatirin^schema binden (wie es BenÜey fOr Terenz verlangt), so wird das 
metrische Recitiren zu einem langweiligen und pedantischen Scandiren. Ge- 
schmackvolles Ver8-Lesen ist da.s.selbe wie geschmackvolles Prosa-Lesen: Man 
folge stets der durch die logische Bedeutung der Wörter und Sätze gebotenen 
Accentuation, in der Poesie wie in der Prosa; es ist durchaus nicht uukünst- 



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» 



IL Ra. Takt-Diairesis: Takte von vier Cbronoi podikoi. 98 

leriöch, wenn über dem Inhalte des lii rhunii teu GeUielites der Rhythmuis bei 
den Zuhörern unbemerkt bleibt, obwolil der grössere Künstler immer derjenige 
i»t, welcher den Zuliörex' ausser am Lihaltu gleichzeitig auch an der rhythmi- 
flcheu Formation Genrns empfimleii mkl lasun im Stande ist Dazu gehört aber 
selbetventindlichf daes das Accentnirm kdn achabbneomfiäsigeä iat: weder 
eonttnuitüch nadi heajchastisdier, noch eontinairlich nach diaataltischer Aoeen- 
tuationl 

Paion epibatoa. 

Auflser den tetrafKH&chen Takten gehört m den Takten mit vier Semeia 
anch der Faion eptbatoe« ^ H. Weil richtig gesehen bat 

Es ist ou als imi^c gefiustes Kolon, welches nach Aristid. p. 54 ans fitof 
Lftngen besteht: 

dtpoc«}« 

8. d. Ö. ft, d. 



Arisioxeiiuö würde ihn einen ouvfteto; ttoj; nennen, Aribtideis rechnet ihn 
unter die ä-^Xoi d. i. äo«jv8eToi rMtz, weil er bei diesem Schema lediglidi aus 
gleich grossen ypövot oIst^jaoi besteht (anX,ojv ist bei ihm so viel wie bei den 
Metrikem xadap^^v, «Mtw* sovid wie (mxt^^v). Weiterhin sagt Aristides: 

„Eip7)-at ft&y o5v liaßaT^c hewAii TSTpdoi /pt&jAevo; (x£p6«v i% (öoiv ä^9sm 

heisflt imßoTÖc d. L ein Paeon, bei welchem das Taktfereten cur An- 
wendung kommt, weil er vier Tskttheile hat, 2 i^otxi und 2 verschiedene Mette." 

Anch p. 64 spricht Aristides von der (tnX^ 9£oi« des Epibatos. Dass er 
anch in der Otfvc^^ ^jftuoTroda vorkommt, so gut wie in unserem Friii^ Eugeuius, 
geht aus Aristoxenus bei Plutareh de nuis. hervor. In seiner AnwcnduJig als 
Isolirter Takt bei SophokL Oed. B. 4H3 (vgl. oben) wärde auf ihn die Messung 
des Aristides fblgendermassen ansnwenden sein: 

\J \^ J. — 'w ^ j. 

«■ . _■» V f 

Er ist hier eui rhythmisch verkfintes U(i.rrpov Imm!^ dsc* iXdMwis« , be- 
stehend aua einem 6>adtigen lio«utic iXdsstNoc und dnem 4>adtiigen d^rdffat- 
«TO«. Beide it6(«« haben hier die Gliedenmg, wdche i&ß als dbövHroi T:6hti 
haben würden* ]>er 6-zeitige (wNtxö; besteht aus einer 2-zeitigen «pat; und einer 
4-zeitigen fti<m, der 4-zeitige dNoiTcaioTo; aus einer 2-zeitigeu »eoi;. Daher die 
awei oidtpopoi ölsetc oder die omXf) äiat; nach Anstides, die tt^ot« des ionischen 
nnd die Udui; des anapacstischeii Versfusses. 

Ich weiss nicht, wie liaum^iirt ii. a. 0. S. XXV dazu kommt, zu behaup- 
ten: ,.T^ie 4 fiept] des Aristides siii<i unserer Meinung nach 4 piipr, r?); X^^em; 
„oder wt nn man will, 4 cp-öö^^oi. Der tiaiuv (Tn^atb« hatte, wo er iu der. Poesie 
vorkam, nur 4 bylben 



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94 Amtoxeuus rhythmische Elemente § ö7. 

I » » i' ' ' 

O <=; o 
' f • 

„Auf jf^do Sylbe fiel ein Acceiit, ein .-eliw t i< r jjder leichter in der von Arisfiih-s 
,,zuere»t aiigi>;i b( ii< ii l^nlirc, bfim l)iriL'ii« u ajöglicher Weise auch nur i'in Xicilcr- 
„oder Aufschlag, und gelaauclit der Versfuss nicht mehr als vier Atceuie 
„oder Schläge. £s erkhiit sich nun ohne Weiteres, was Aristides mit seüieu 
,^ei yerschiedenen Thesen wÜly auch was die Imk^ ^imt beaagt Diever* 
„echiedenen Theaen sind die beiden Tbeeen von ungldcfaer Daner; die doppelte 
„Thesia ist die Tierzeitige; denn ^ese ist es, auf welcher allein die Toa 
„Aristtdes angegebene „ersebfittemde Wirknug** des Bbythmus beruhen kann . . . 
„Wahrseheinltch sind mdstens nur vier Schlüge gegeben worden, aber die PraxSs 
„konnte unter Umaittnden leeht wohl auch fünf für aweckniisMg halten. Dar&ber 
jjhatte bloss der Dirigent sa entseheiden.'* 

Was Baumgart von den fünf SebUgen der Praxis bonerkt, das ist nieht 
ganx unrichtig, denn Aristoxenus yerlangt, dass jeder i»&c ausser seinen Chro- 
noi podikoi, deren der Epibatos hier nach Atistides vier haben wird, auch 
noch seine Chrono! Bhythmopoiiss idioi eihalten mttose, deren Ansabl grösser 
als die der Chronoi podikoi sind. 

12 3 4 

dt. ft. «. 9. Chronoi podikoi. 

\J \J — . — Vy' »o/ — , 

\^ \J i _ w w X 
1 8 8 4 5 Chron. Bhythmop. 

lui Palon apibatos, der verkürzten ioinüchen Dipc)di(>, würden die Chronoi 
Ehythmopoüas idioi denen der ToUstftudigcu ioniBchen Di|>odie, ans welche er 
absuleitra ist, ganx analog sein. Nur hatte darüber nicbt^ wie Baumgart meint, 
der Dirigent nach d^ jedesmal vorli^cnden Falle die Entscheidung xn träffen; 
yidmehr gebt aus Aristoxenus hervor (vgl unten), dass die Chronoi Bbytia* 
mopoiias ebenso unerllsslich waren, wie die Chronoi podikoL Wenn der fOt 
Aristoxenus leid«r xa früh yerstorbene Bamngart diese Tbatsache der antiken 
lUiythinik noch krriTu n pclrmt hätte, so würde er mit dieser Modifikation der 
Ton ihm bckümpften Weirschen Aufi^MSong sicherlich zufrieden gestellt sein; 
denn sie trügt den Forderangen des modernen Taktirens die Tollkommenste 
Kechnung. 

c. Takte Ton drei Semela« 

Tripodische Takte und Tttktordnungen. 

Wenn zn den Takten mit xwei Semeia die dipodischen, an den Takten 
mit yier Semda die tetrapodiscben gehören, so bldben natOzIich als Takte mit 
drei Semeia die tripbdtscben übrig. 



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II. 3a. Takt-Diairobis: Takte von drei Ohrouoi podikoL 



95 



In unaerer modemen Itelik liiid Tripodien der ouve^^iP^; [»'j^fioimi« 8^ 
adte&y ao geUUi% sie ancb der bevoischen und elogiaclien Poesie der Alten 



Eäit Beiepiel Ton tripodtechen Kola muerer Yociialmrouk ist Glaek Iphi- 
l^enia tsnrica Ko. L Bei Grluck ist das tripodisc^^daktyliache Kolon je io dr^ 
monopodiaehen Takten geachneben.' 



Zar ibl'fbt all-m&eli>ti-ge Gdt-ter, habt mit mia Armm Geduld, 



der Biita dem iWtien der SpQtter, una sc£irmet in gtdt • di-ger Huld! 







ö — m — 0— 




— 1 ti 


1^ ,11. 






-1 1— }— 




-1 h: 


^ 



uns scliir-met in gnii - di - gei* Huld! 

r r ' — 



— L — X v.'v/ L \j\^i,\J\J±\J\JJ.\\ 

Daa ist eine lk>troplie ganz fibnlich der Horatischen: 

l^tffngere nivea { redennt iam gramina campis | 
arboribasque comae |( 

nnr daas bd Ginek dem tripodlaehen Kokm epodikon niebt ein, aoodein swet 
dikola yoranageben nnd dass jedes tripodiache Kolon dnreh Awafciurfa erwnterti 
also ein anapKstiaeheB Prosodiakon ist 

Gluck Iftsat jeden der rof^ti tcipdioi)|i.oi einen tfnaelnen Takt bilden. Daa 
Ist genau dieaelbe Measnng diesw Verae, welche die alten Matriker fttr daa 
daklylisdie Hdcametron statulren, nach welcher daaaelbe aus mm Kola mit 
der Meaanng xaxd icö&a, xatd ßdov» |Mnono&t«^ beateht 



ßrfotc ßifoic ß<<et( ßdiaic ßdetc ßdoK 



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96 Amtoxeuus rhythmische Elemente § 67. 

loh b^ake, daas auch hier der von den Metrikem gebrauchte Tenniims 
^imt sich an die AiistoxeniBche Bedentnng des Worte« aatseUiesst, dass es 
mit Bückflicht anf den rhjrthnuschen Accent zu verstehen ist; nnr nmlasat es 

nicht bloss die aecentiürte Silbe, »oudcrn auch das Gebiet der sur Accentsilbe 
gehörenden unaccentuirten. Wird irgend ein Kolon nach monopodischen Tak- 
ten taktirt, so bleibt die durch die stärkeren und die schwächeren dioet;, d. L 
die durch die Hniq t- und die Nfbciiictus« bedingte Accentuation von Seiten 
d( s Tiiktirendcn uiibczeidmet. Auch die Methker lassen sie bei ilirer Meesong 
xatä TTÖo'; nnbezcicimet 

Anstoxenus dagefrcu fasst mit Kiirksiclii auf die Accentuation da.> tripo- 
dische Kolon als eiucu > iiiheitlichen rtoj; ajvDcTo:. Hat er bei «ien r<5ßec. denen 
er vier 07]{i.eio oder ypovoi -ootxoi vindicirt, die tetrapodiacheu Kola, bei den 

mit zwei sr^f^eioi die dipodiachen Takte im Auge, so ist, wie gesagt, nicht 
anders sa denken, als dass unter den icöSe;, denen er drei -/pövot ii»(tiral gieht, 
die tripodischen Kola m verstehen sind. 

Die accentuclie Bcschaifeuheit dieser drei jrpövot Kooixöt bestimmt er § 17 
folgendermaasen : 

ol oi ix Xfiitl»v, ou'i uev Ttöv avu. Ivo; toO xatoj 
7 ic i'<fj- 'x-.cj. v>/ Oi Tü»v xatou. 

Das sind zwei tripndi.sclic Kola, die si» h durch vfrschiedeue Reihenfolge 
der /p6voi no&ixot ihrem dj'uamischeu Wcrthc nach unterscheiden. Das erste 
Kolon: 

dvai yp'ivo;, aviu /f-övo;» xd-m ypövo;; 

(-»031;) (2ipoi;) (ßaoi;) 

das zweite Kolon: 

dva> ypovo;, xdTcu y pivos, xdT» XP^** 

(dpou) Qiaii) (ßdsu. 

Wenn Baehs Instnunentalmuaik nach tripodischen Kola gegliedert ist, so 

3 3 

ist sie nach tripodischen oder Takten geschrieben und zwar stets mit 

einer Accentuation die der ersten der von Aristoxenns angegebenen zwei For* 
men entspricht z. B. wohltemp. Clav. 1, 21 Fi^: 



12 3 1 2 8 




m 

Diesdbe Accentuation scheinen die daktyliadien Hezameler in Mesome* 
des Hymnus auf die Mnse an haben 



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IL Sa. JDiaireaui in Semeia: Takte von drei Chronoi podikoi. 97 




IKe iweite der oben gedaditenAxütoxeni8di«B£i]|MTo-Ordniii^;eafibte 
«ripodiiehen Takt: 

(ßteO (ßdm«) « 

ist die eimog«, welche in der zweiten AristoxeiuBcb«! Stelle Aber die Zahl der 
Xp^t vn^atmi (in dem Exowpte des PseUos) genannt wird: 

lIHr fühlten uns durduuis nieht bereditigt mit Caesar imd Baitete die 
eine der beiden 2i]|jicla*0rdnnDgeQ, weil sie von Fbellns nidit erwfihnt werden 
an streiduiL Daa Fragment der Anstoxeniscben Rhythmik ist bereits so de* * 
ftet, dass wir Alles, was uns geblieben ist, a<ng8am au Rathe halten mOssen: 
von dem gldddieh VerbUebenen dflrfen wir nicht daa Geringste wegwerfm, 
wir müisen warten, bis nns die £rkl&rtmg geglückt ist In onsercm Falle 
hat Bad» wohltemperirtes Ciavier sie enn<^cht 

Die «M'cite von Aristoxcnus gegebene Auffiussung für die 2i)|Aera-0rdnung 
des tripr>di8chcü Takt« wird durch Aristides bezeugt. Dieser rodet uändich 
von zwei triiK)disch-daktylischeu Rhythmen, in denen jeder vierzeitifre Vcrsfujja 
dtircb eine ehmp^ gedehnt*" Ljinge auf«g«*i[ rückt iüt, d«^in ^j^j^^'/j^ und dem -po- 
-/^ai'K ar^fAa'/t(i;, von »Icnt n rr p. yh Meii>. sagt: „oii t6 rXeoWCetv xoii ^taxpo* 
xdxMi fijoi<i i:pod|0'jaiv s; d;((u{jLa" and die er p. 37 Meib. beschreibt: 



also: 




also; ' ■ . " ■ . ' . 

Genaner ist der Rhythmus angegeben in der Namenaerklärung p. 36: 

Aristides aiUÜt beide Rhythmen zu den azhn. Wir liatten schon oben 
Gklcgi iiheit anzumerken, dass dies nicht die Ansieht des Aristoxoina Sein kann^ 
der vielmehr beide ßhjrthmen gleich der daktylischen Tripodie 

zu ileii jjvif^T';' tT'jOc; rechnen nnij^s. Denn von dii öiud jene beiden Rhyth- 
men des Ariötide» nur dnduri h verüchieden , iluas die -/f>övot zohuoi der dak- 
tylischen Tripodie s6v}>eToi xatd ^udfionoda; XP^oiv sind, die des Spdio« 
ArlitozvfiDi« Itillk o. Bkjfhniik. 7 



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98 



Aristoxt^niui rhythmische Elemente § 56. 



and njttavrdc aber do6v9tT0t vgl § 14. Diese Besehaffenheit der %p6i>ttn hat 
Aristides im Auge, wenn er die re&Uc in denen i^e ^tiialteti sind, dbdot d. i. 
da6v9cTO( nennt. Ebenso ist es Veraehen des Aristides oder seiner Quelle 
wenn & beim (Tpttio« und erjiiavcö« das eine Mal von einer ^Td9i]|MK ^ietc 
spricht, das aad^Mal den Takt einen leo^ ititXaatiC«»^' td« ftioeic nennt. 
Das zwdte ist ohne Zw^ol das Biehtige, schon weil er nar auf diese Weise ^ 
TaktTOn drei yp^Jvoi ro^txoi ist die ur doch als tripodischer Talit haben mnss. 
Diese ganze Auff:i.-suiii,' der zwölfzeitigen Takte, welche aus 3 vierzeitigen 
Chronoi best« In n, imt die Rhythmik der vortrefflichen Arbeit H. Weira zn 
danken. Ein 1 Beispiel dieses Rhythmus in der christlich-modernen MusiJi liaben 
wir oben aus der chromatischen Fuge Bach's beigebracht. 



Bm m, dieser Gienie gdien diejenigen Kola, von denen jedes aneh als ein 
snsiunmeo^esetiter Takt anfgeft»st werden und als solcher beim Dirigiren 
- taktirt w^en kann: das dipodische Kolon durdi zwei HauptschlXge, das te- 
trapo<£sche durch vier Hanptachlage (nnd ebenso auch der Paion epibatos), 
das tripodisehe Kolon durch drei HauptschlSge. £s ist damit nicht gesagt^ daas 
alle diese Kola st^ts so aufgefasst und taktirt werdoi, es kann das Kolon auch 
als eine Grupp»- von mehreren ehifachen Tnktcn (Vorsfüssen) taktirt werden, 
die Dipodie als zwei Takte, die l'ripodie als drei 'l'akte, die Tetrapodie als 
vier Takte. Es kann auch das t< trai)odise])c Kolon beim Taktirou als zwei 
einzelne di{)odische Takte taktirt werden. Das ist alles auch in unserer modernen 
Musik so, wie es Ari«tnxenns von d^'r irrieehisehen «larstellt. 

Es triebt ausser den dipodischen, trip(»di.scheii . t' triipoiii^chpn Kolon auch 
nncli jK'ufapndisrhe und hexapodische Kola (ans fünf und seclhs W-rstiiiisen). 
Auch von diesen hat naeli Aii-tu.xeim.s t'in Jedes die Bedeutung eineü Taktes, 
aber e» wird nur tbcoietisch als solchei ^eiacot, praktisch dagegen vom Hege- 
mon (Dirigenten) uiemal» ah je Ein Takt taktirt Es inüsste fUnf oder sechs 
Taktschlflge haben, aber mehr als vier Taktsehläge gaben die Griedien 
nach Aristozenus Berichte einem Takte nicht In der modernen Musik ist ea 
genau ebenso. Das mnd theoretische Takte. Auch in der modernen Musik 
müssen sie als solche gefasst werden, indem der vortragende Sotist oder auch der 
Dirigent ^e klare und lebendige Uebersichthabe, mit welchem Kolon er es in 
einem jeden Falle au thun hat, und sich stets bewusst sei, im wievielten Vers- 
fusse des betreffmden Kolons er sich jeweilig befindet z. B. bei einem hexapo- 
dischen Kolon: 

Beethovm erste £s*dur 8onatc AUegro<satE: Kolon 49 



1. 



2. 3. '4. 5. 6. 




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II. aa. Diaireais in Semeia. Kciite Takte yon 5 oder 6 Cliroiioi podikoL 99 
Bach wohlt dav. 1, 2 Fuge 



1. 2. 3. 4. 5. 6. 




tVnuT iii ciiirm peutajuHlischcn Kulon: ebeudafidUät Üuch wühlt. Clav. 1, 2 
(mit i'olgeudeui tripodiäclien Kuluu). ' 



1. 2. 8. 4. 5. 1. 2. 8. 




13eethoveu Clav. 8<>uat. 3 Adagio. 



1. 2. 8. 4. d. 1. 2. 8. 4. 









1 












1 


-0 — — 




B 1^ B 


A ^ 


r 

i 


1 

• 



4l. Keine Takte Ten fOnf eder seehs Clirenef pedikel. 

Die UKMlfnie Musik krimt zwei-, drei-, vicrtheiligi; 'l'uku- mit der ht trct- 
fendcn Zahl von Haupt takt.-ciiliij^ni (UvrVut/. in ilm uiitni S. 100 aiiL^flulirtcn Stel- 
len). Dinm Takte von melir ala vier Theilen geöeliricbeu werden, liudutsicii hoth- 
stens versuchsweise; eingelebt hiü»en Bieh Takte von fünf Takttheilen nicht uud 
werden es aach wohl niemals können. Unsere klassiBchen Heister h&tten kaum 
Veranlassang gehabt sie za schreiben. Denn obwohl bü ihnen auch pentapo- 
disehe und hexapodische Kola gar nicht so sdten sind wie man gewöhnlich 

7* 



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100 AristoMmis rhythmische Elementd % 56. 

« 

denkt, wo kommen dieselben dodi hauptsüchlich nur isolirt unter eudweii Kola 
vor, niclit fortlaufend ffir grössere rhythmische Partieen. 

Bei don Griechen sind pentapodische und hexapodische Kola häufig genug 
auch in fortlanff'nder Rhythmopocio , nicht nur das hexapodische Triinetron 
iambikön, sondern auch der Alcaisclir' Supphischc, Phalaeccische Vers, weiche 
schwerlich ein anderes als ein pentapodieches Megethos gehabt haben 
können. Aber dennoch ist es, als ob die rhythnnis<he Praxis «ler Griechen 
nun einmal in Allem mit der nimlemen üluTi iubtimmeu sollte. Denn Aristo- 
xenuö lehrt §17. 18: „Es giebt l'akte von zwei, drei, vier Chroiioi podikoi, aber 
mehr als vier Chrouoi haben .die Takte nicht Weshalb es aber nicht mehr 
ak vier CThronoi giebt, wird spSterhin gezeigt werden." 

Vfim iii'idi'riicn Stundpunktv aus würdo die Antwort fiilr,'oiide ^^cin: 
Sclidii ihi.s Taktirru imcli vier IlHUiithi wegungen ist cinsclilii'sslifh der 
3tu jeder llüuplbeweguug hinzukommenden Nebenbewegungeii de^ llaudgeieukes 
(vgl. unten S. 106) complicirt genug, wcslialb es derDirigeut nur bei langsamem 
Tempo dorchfdhrt Takte von mehr ak vier T^tBchltfgen ymo&dtOe der 
Dfarigent nur so aaazaf&hren, daw die Aufitthrmden, um derentwillen er doch 
taktirt, nur wenig Nutsen davon hätten. Sie wttrden verwirrt werden, die 
rhythmische Bedeutung der Handliewegungen nnr schwer verstehen und das 
Taktiren würde seinen Zweck v^dblen. Deshalb schreiben Glnck and Mozart, 
wenn ne in pontapodischen oder hexapodischen Kola eomponiren, lieber nach 
monopodischen oder ^podiscben Takten f von denen je fKnf oder drei auf an 
Kolon kommen. 

Viel anders wird auch Ari«toxenu8 die von ihm rtiiffrcworfetip Frage: 
„Atd Ti oü YivEtai rXeloj CT||jLeTa töjv TeTTaowv;" nicht l)e.nnt\vortet haben. Er 
wini in »einer Ausführung des AbFchtiittcK von der Diairosis in f'hronoi pmli- 
k'ii (denn dieser i«t r>«. auf welchen mit „•jO'coov 0£i/9t -st^'" verwiesen wird) 
ge.-?äigt habeü; da.-iö ch deshalb nicht der F«ll f«ei, wed das Markiren von 
itXeIüj ofifieTa -rdiv TETTdvtov von Seiten der I iiri_ri utrn tiir die zaparo>.o'jttr,3i; (dsis 
Folgen von Seiten der Ausführcud« ti) keiiun .\ui.uii habe, weil es die Aus- 
führui)>i, nicht nui* nicht erleichtern würde, sondern unter Umständen erschweren 
und in Verwirrung bringen könne. 

Theoretisch wird das Vorkommen von Takten aus 5 und 6 Versfüssen in 
der Aristoxeiiiijclien Rhythmik ^§ 54) anerkannt, ilonn nennt den 18-zeitigen 
als den grüssteu iauibischcu, den 2ä zcitigeu als den grössten paeonischen Takt: 
augensohdnKdi (aa^ er diese flüssigen bfnßixd und diese 5'IÜssigen nauwtxd 
deshalb ab itoic;, weil er in ihnen dieselbe SoUdaritftt des Aecentuations- 
verhfiltnisses wie in den 2-fllssigen, 8-fillssigen, «i-fiissigen Takten iiihlt. 
Aristoxenus gehört nun einmal, wie Baumgart a. a. 0. p. XXXVI sagt, „sn 
den Feinhörem, welche die Aecentuation des Kolons genau empfinden** — > eine 
Fähigkeit, die Baumgart fOr sieh selber und seine GoUegen unter den Hunkem 
in Abrede stellt. Auch Aristöxenus hat die f) oder ♦» Versfüsse jfflier Kola in 
ihrer rhythmischen Bedeutung als Chronoi podikoi empftmden, worauf seine 



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II. 8a. Diairesis in SSemeia. Keine Takte von 6 oder 6 Chzouoi podikoi 101 

Definition der hr'xznrA -/.t-i ^j'Moz^iv, die wir S. 105 ff. noch nfther erörtern, hin- 
deutet, fiber praktif-ch wir»! «Ins Markireu dieser fünf '»der sechs Vcr?fÜ8Se 
alä der Chrouoi pudikni rim - zusamuicngesctzteu Taktes nicht ausgeführt 
wegen der groi^u Schwierigkeit, die dasselbe der itOLpaxoko'j^-qon bereiten 
würde. 

Die Pentiuxidic, mag sie aus drei-zeitigen , vier-zeitigen oder fBnf- 
seitigen Vcrsfüäseu bestehen, wird also, obwohl Aristoxenus das Bewusstseiu 
festhält, dass sie ein einziger zueainmeugeaetzter Takt Mtd ///^ov f^(A.idXio*w fat, 
Yon dem antiken i^t^tbi^ stets als eine Qnippe von 5 monopodisdiai Tskten 
dirigirt Wir haben oben 8. 95 gesehen, dass aueh ein tripodischea Kolon nach 
der DarsteUnng der H etriker nieht alt ein einheifliq)ier Takt (wie Anstozenna 
darstellt), sondern als eine Qnippe von 8 einseinen monopodisehen Takten 
Tom Dirigenten jaoarUrt wird. Wahrend aber eine Tripodie aneh als einbeitp 
Heber zosanunengesetzter Tkkt maxkiit werden kann, kann die Pentai)odie nie- 
mals anders als eine Gruppe von 5 monopodisehen Takten dirigirt werden. 

Die Hexapodie d. i. das trochacische oder iambische Trimetrou wird 
immer so taktirt, dass jede der drei dipodischeu 'ii':tK, von denen die Metri- 
ker reden, als ein einheitlicher dipodischer Takt markirt wird. Für die Aus- 
führung ile« MeloR macht das nun kt'ineu grossen t^nterscliied, ob das 'i'rime- 
tron von dem Dirigentr>n in drei Takti- zerfHllt wird, odrr ub es, wüa nicht an- 
geht, als ein einheitliclier «.Tos.-^er 'I'akt markirt wünlc. Wie gesagt, der Unter- 
ßclutd iiir den Ausführenden wird nicht gross »ciu, nicht grösser, als wenn 
Bach im musikalischen Opfer dieselbe daktylische Tetrapodie in Nr. 2 als tetra> 
podisehen Takt schreibt, in Nr. 1 durch zwei dipodisehe Takte ausdrfiekt. In dem 
einen, dem einiig Torkommotden Falle, wo der Dirigent eine jede der drei im 
Trimetron enthaltenen ßdet le als selbständigen dipodiseben Takt markirt, giebt 
er jeder Dipodle Ihren Hai^laeeent nnd ihren Nebenaecent. Im andern XUte, 
wo die drd Dipodien an einem grosseren Takte vereint wOrdm, wOrde vmi 
den Hanptaceenten, welche die Dipodien haben, unter kräftigerem oder weniger 
kfiftigem Anslangoi des ganzen Armes der eine zum stärksten Hauptaccente, 
der andere zum schwächeren Hauptaccente, der dritte cum noch schwächeren 
Nebenaccente etwa so: 

— \J HL \J ^ \J Jt \J -> >-J ± 

• ' \ ' 

Der Dirigent wQrde in diesem Falle die versehiedeoe Dynamik der Ac- 
cente durch drei Tcrschiedene Grade, welche er für die Stärke des Analangens 
mit dem dirigirenden Oberarme anwendet, flr die AusflOhxenden üuslich machen, 
dne Gradation, die, da er nach drei dipodiseben Takten taktirt, tmterbleibt 

Wie nun jeder der drd einseinen dipodischen Takte (die drei ^daei; oder 
percnssiones Fab. Quintil.) taktirt wurde, rlarflber geben die in letzter Instanz 
aus griechischen Quellen schöpfenden lateinischen Metriker folgenden Bericht: 

Juba bei Priscian 1321 : Der Triinoter nimmt an der 2., 4. und R. Stelle 
nur solrhf Vnmc nn . die mit der Kürze aiifunffii , quia in Iiis loci» feriimtur 
per coujugatiouem pedes trimetrorum [libb. pedestrium metronun], weil au den 



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102 



Ariätoxeutu^ rhythmische Elemente § b^. 



genannten Stellen» der 2., 4. iind 6., die Versfilrae der Trimeter den Ictiu baben. 
Wenn man also bisher annahm, der Trimeter werde an der 1., 3^ 5. Stelle 
betont, M lehrt Juba „qui inter metriooe aneloritatem primae emdiiioine ob- 
tinmt, insisten« Heliodari veetigia, qoi int» Graecoe hninaee artia antktea ant 
primns ant aolns eat^' gerade das Oegentheil: der Vers soll nach ihm (nnd 
Heliodor) au der 2., 4., 6. Stolle den Ictu8 haben. 

Caesius Bobsiis bei Kufin p. 2707 : „Da der lambu» auch Fflaae des dak- 
tylischen Geschleclit) > annimmt, so hört er auf als iambischer Vers zu erscheincQ, 
wenn man ihn nirlit 1 ik 1' die I'ercu^sinn in der Weis«' gliedert, dass man beim 
Taktiren den Fiissfritit auf ileu lamlnis kommen l;{.«Pt. Demjjcinasa nehmen 
jene Perrn«Fiuii<st« ll< n keioen andern Yersfuss an, als deu lambus mid den 
ihm gleichen 'IVibraehys.*' 

Asmonius bei Priscian p. 1321: „Da der Trimeter 3 Ictus bat. so ist es 
nothweudig, dass er die Verlängerungen durch Irrationalität (mt>raai adjecti- 
tcmporia) au deu Stellen zulässt, auf welche kein ictus percussonis kommt.'' 
)4m 1., 3. nnd 5. Fuss hebt der Vers an (bat die Dipodie den »atiiYO'j[ji(y>; 
XP'^voc), im 2., 4. und 6. hat er den Ictus.** 

Terentianns Maums v. 2249: „Weil der Yen bloss an den ungeradeii 
Stellen 6ea Spmdeus annimmt, so mfissen wir den lambos der sweiten Stdie 
anwdsen (vgL 2261 et caeteris qni sont secondo compares) nnd mttssen hier» 
her beim Scandtren den gewohnten letns vorlegen (adsuetam moram « adsooliun 
ictiun), welchen d^e magistri artis durch den Schall des Fingers oder durch den 
IRedertritt des Fiisses zu uutersch»M«len pflegen.*' 

Atilius Fortunatianus p. 2ß92: „In den anlautemlen Stellen oder subla- 
ti(>no*ä (iosciOt welebf nno-b-iclie Sfellcni genannt \ver<len, kommen alle 5 Füsso 
vor (lambus, Sj)ondeus u. s. w.1, in den aiislatitondon Stollen oder deposifinnog 
(öeoet:), welehe gleiche Stellen fieissen, nur solche Füssc, welche mit einer 
kurzen Sylbe antaniriMi.** 

AUo der l-.elner, der die Seliüler im Tercntiu.s unterwies, sagte ihnen von 
dem Verse: 

Poeta «um primtun animum ad scribendum appulit» 

dat» sie Um folgendennassen zu betonen hätten: 

Poeta cum primom animum ad scribendum appalit, 
indem er auf die swcitc Hebmig der Dipodien 

, , cum Bcrib . . . it 

den Sehlag des Fingers oder den Tritt des Fusses fallen licss. 

Bentley im schediasma de metris Terentianis lehrt richtig: ictus percnssio 
dicitoTf qnia tibiccn dum rhjthmum et tempus moderabatur, ter in trimetro, 
quater in tetrametro solum pede feriebat Aber um die weiteren Zeugnisse be- 
kfinunert sich Bentley nicht, und nachdem er in den auf jenen Satx Iblg^den 
Worten die bekannte falsche Definition von dtptfic und Hmt gegeben, fthrt er fort : 



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I 



n. 8«. TaktrDiairens. Uebenucht 103 

Hos ictns eive dljHwte magno diweniiiim eomiiKMlo nos primi in bac editione 

per aecentUB acutos expreasiniUB, tres in tzimetris: 

» t ' f ' 

Poeta cnm primum aniamm ad flenbendaiii appniit. 

Die ZemffttMse der lateinischeii Bfetriker baairen auf der Doetrin etnes 
mtareii grieehischeii UetrilLerB, des HeUodor oder eines noch ftlkeren, und was 
dieser fiber die Accentnalion des Trimeters sagte, fliesst aus der Gelehisamkeit 
Alezandri«». Was Bentlej dem gBoa E^tgegenigesetstes lebrt, basirt* auf dem 
vulgüieii TaktgefÜbl der Moderneit. Die Taeünuig, welche beim Trimeter die 
AI ten wollen, ist die diastaltiäche, was Bcntlcy verlangt, die hesychastiache. Bei 
dnem Melos würde as wohl Sinn haben, continuirlieh für tnmetrische Partien 
entweder die eine oder die andere beider Takt-Ordnungen ansawenden. Aber 
bei der Recitation, welche sowohl die alten ni!i*^nstri artis, wie auch Bentley 
allein bf i iliren Accentnationslehren von Augen haben, hat das gchwerUch einen 
Sinn, deau beim Ltstni iNt Verse wurde es den Tod eines guten Vortrag-es be- 
deuten, wenn man torTwälirend schabloueuinäääig immer diastaltiscii oder immer 

r 

hesycha«ti8ch acceutuiren wollte. Wir haben darüber bereits oben S. 92 ge- 
!3|)rucheu. 

Ueberaioht der Sia^ opd tAv ko&öv xaxä f^ta(p»otv. 

Die in der a%emeinen Uebersicht und Definition der Taktunterschiede 
von Aristozenns gegebene Definition des Unterschiedes nach der Diairesis § 87 
sind wir nmimehr im Stande voUstlndig za verstehen und duroh Folgendes 

an crlAutem. 

Die Anstoxenisehe Scala der ic^c« eigiebt als „Ip^fMi" dreiaehn y^v(i^ 
ito^Aiv: 

3 [le'^(i%r^ für äojvfteTOi rooe;: das Tp(OT,{jLov, Tetp'isT^fAOv, rcycdsv)(tov, 

1 ti^Y^B',; nis y.otvöv für einen dotjvdsxo; and einen o^exoc ito6<, nimlich 

das ecäcr/jov asY^Öo;, 
9 ptEY^ÖTj ftir -ooe; o'jvSeTot. und zwar 
5 h^tsBy, als tSia ftir je einen roö; niimlit li das öxTdatjf^ov, er/eat37;[xov, 

4 fAe^iftr^ als -/oiva für mehrere oüv&cTOt rooe;. 
Die (Jie7£Br^ xotvä (einerlei ob fSr einftche oder ausanunenges^zte wila) 
nntersebeid^K sich von einander durch verschiedene Siaipcat«. Diese whrd von 
Aiistoxenns § 27 definirt: 

Aiatplwi H Ua^i^wm dXX^Xa»v> Stov tö aöx^ ^ifthoi sU ivwa piipi] ttat« 
ped^ i^tot xvtä Afuf&tt^f toxi tb tiy dpifti^iv «al miTd xd |Uxi07}» i) «std 
ftdTsp«. 

Wir haben diese Definition nach den vorliegenden Wortra aasaufllhren. 

A. th a^TÖ {JL^ifcdoc T&v noiAv (tatpetTfti ei( pipi] xsTd tc 
Td lAS^il^i) «al «axd töv dptdpi6v d>»ts«u 
1* Acxdei}p.ov (Uys^oc &6o ieo^v «ocv^v 



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104 Arietoxeuus rhytiimisciic Elemente § 27. 

— V/ — . >^ — 2 [Aipr, ::evrti«j|A« 



— — — — — 4 |Aipt]i Tp(a i^ev SlsTiua, ev hi T«tp<iin]|LOv. 

g g ^ g 

3. Aai(tX(i9ir]uov (ley^^^« xpiAv co^AiV «otv^ 

um; mm 

• mm» 

LU LU LU 



• * » 



[Ufo« (iipoc fEipo« 



.tut; .tttt: .^ttttj 



j 

|ji£poc }J.lpo; »lipo? 

— ^ — — »w ~. _ _ xpid |*ipTi zevtaaTjjjLOL 



b) toG te Iv -^itwXUp Xtf^ifi notd« 
j*. II. I*. jt, (*. 
— N-/ — — Si/ _w 5 |ii£p9| Tpi9«)(Aa. 

^ ^' ;g 1^' ;g 



4. X)xt<intat&cici8i))A0v fii^cfto^ i&'jotv iw^Av xotviv^ ixatipou S* tt&tov in^«- 
a(<p X<Y(p 

(jiip. . f&lp. |i{p. 

i — ^ — 1 m — 



• • » ß p 



£g ^ 11/ ^sa* llj* " 



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II. 3b. rakt-DiairesisLs in Chronoi ivbythmopoiias idioi. 1()5 

R Ti sÖTÖ p.iYtdo« StatfcrTat «U ivtaa xaxd Td pie^idT] {lipv 
^. '£|oMT|{4.ov (ii^edoc 5uolv zo8d>v xoivJv 

V/ • 2 ijLtpTj divido, TÖ (Uv TGT(Mf(n)(iov, t6 (Un}(Mv. 

• # • • » • 

iTrr 

SSBB B 

b) toS Uftf iwMi 

Von den beiden fllr die ««td Siatpcotv ((«fopd yon Aristozemis etatnirten 
Alteamalireii: „irwt «6x6 iiiiY'd«« ctc d^uMi i^ipi} (t9t^9{ a) -IjTM »or* dfifi- 
Tcpa« xaxd Tt t6v dpt9|*iv xal xatd td (ic^^^ b) ^ xaxd Bdxfpa" kann die 

zweite Alternative (b) nur den Eiuen Fall umfassen: (tifi) l«a |j.iv xaT<i tAv 
dpid|xov, dvtsa xaTi lAl^cfto;, für den zweiten Fall, welcher dem Wortlaute 
nach möglich sein könnte, taa [lis xaia tov <ip»8[ji6v, dvioa xard tö (a£y£'*<i;» 
ist in der IScala der von Arietoxeotts als IppuAfM» aogelaueiiea icöiic kein Baum. 



b. Takt-Diairesis in Clu-onoi Ehythmopoüas idioi. 

In der fiinleitimg § 18 heiast ee bei Arietozenin, nadidein er *?oii den 
Takten mit z\i-ei, drei, vier Takttheilen geredet, nnd daw ein Takt nieht melir 
als deren vier liaben kdnne: 

„Bei dem olien Gesagtim darf man eieh aber niebt xa d^ irrigen Hürnig 
„verleiten laeeen, ala eb ein Takt nicbt in eine grOaaere AnuUi von TlieUen 
lyale vier serfalle. Vielmehr zerfallen einige Takte in dits dop])olte der genaun- 
„ten Zaiil, ja in ihr vielfiuiliee. Aber nicht an sidi aerftült der Takt in aolche 
j^grossere Menge, als wir in § 17 angaben, sondern er wird von der Rhythmo- 
ftpoeie in derartige Abachnitte zerlegt Die Yotstellang hat nftmlich aus ein> 
„ander zu halten 

„einerseits <lio (Iiis ^^'e8ell des Taktes wahrenden Semeia, 
„ändert' rseitä die ilurcli die Khythmopocie bewirkten Zertheilnngen, 
,,Und dem Gesagten ist liiiizuzufiigen, da^s die Seim ia eines jeden Tiiktes übcr- 
„all. wti er vorkunimt, dieselben bleiben, sowuhl der/iild uls auch dem Megc- 
„thoü nach, dass dagegen die aus der Ebythmopoeie hervorgehenden Zerlegungen 
„eine reiche Mannigfaltigkeit gestatten. Amh dlee iM in dem weitabin Fol- 
„genden «nlenehten." 

Den materiellen Inlialt dee Axiafeozeniflehen Berichtee vennehen wir mie 
folgendermaseen nun Yerstlndniia an brii^gen. Yen den folgenden drei Steilen 



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106 



Ariätoxeuus rhythmische Elemente § 57. ööa. 



cnthalle die ante die t^|V tou &6va(j:tv ^^oX^oovt« (n^fu ta* nttoolich 1) für den 
iwij« 2« 26o xf'^^'^co^» 2) Ix TptAv, 8) ix Tm<(p«<w. durch zwd, drei, vier Ueine 
Striche daigestellt. Die sweite und dritte ZeOe enthalte durch kleinere Striche 
ausgedrückt die yon. Aristosenus j^ttltn^ •cSn ito&div" sugeediriebenen „^wf^am 
Tiis ^v6(&onotta« ^tvtf(irMu'% wdche das ^niX^ov und das mXXai^iieiov, daa 
doppelte und rielfacbe von der Zahl der im Takte enthaltenen 2 oder 3 oder 
4 Semeia betragen. Und swar sei in der zweiten Zeile das oi-'/ a^iov, in der 
dritten das roXXdnXäoiov angegeben» indem wir uns das ;wXXaic>.tf«iov mindestens 
als ein dreifaches denken mässen. 

Ij ix öuo 2) n. ex -pttuv 8) n. ix xsrraftojv 

IS 12 3 12 8 4 

AI uro TT,; ^ jt) nAozüii a; Y'^^^M-e vai Statpiasi«. 
EvuH Töv no&Av SticXdotov tot» cipi)(«iivou TzXifjBo'jc 

1234 11)456 I23456TS 

«ol tk uoXXaicXöioiov fMplCovcat 

I2S4S« I23454TS* 

______ ___^_____, • 

Die Worte eU SucXaoiov «al cU iwXXeinXdsiov redm von einem Multipliciren 
der 2, 8, 4 in einem mHou« ««0* abtiv** enthaltenen eT)iJicla oder XP^*^ 
cbem rieh die SSshl der {»icft rf}« ^odjMmoilac 7t<v4(i.6va |Upi) ergeben nuiss. Ent* 
weder muss die Semeia-Zahl mit 2 multiplicirt werden ((uiXdnov xoü slpii)|A&¥0'j 
::Xf,do'jO, oder mit oder vielleicht auch mit 4, mindestens aber mit 2 und 3 
(ffoXXcMcXdiotov toO clpij|Aivou icX^öout). 

Wir ridben aus dieser Stelle sunifchst keine Folgerungen, sondern wollen 
nur eine genaue Interpretation des Wortlautes geben. Aber folgende Steile 
ans Hecfeor Borlios Instnimentatlonsldare deutsch von Alfred Dörffol 1864 mag 
hier als eine Parallele heibeigeaogen werden. In dem Capitel i^der Orchester- 

dirigent'' htüsst es dort nämlich S. 259: „Ist diis Tempo sehr langsam, so muss 
man jeden Taktthcil noch einmal abtheilen, also acht Bewegungen tüt denrier" 
tlieiligcu und »echs Bewegungen für den dreitheiligen Takt machen, indem man 
jrde <ler oben angegebenen Hauptbewegimgen verkürzt wiederholt . . . Der Arm 
muss bei dir>scn kleinen ergänzenden Bewegiuigungcn , welche wir für die 
Unterabthriluni,' il. s Takte*» andpiitPii. durphaus nnbetheilitrf bleiben niid nur 
«las Han<lgcl<L'nk itcn Taktii^tah in H(nvc<i^uiiir seLzen.'* Wa« Berlioz llaupt- 
bewegungen nennt, würd'- ilrm AristoAeni-clien „tti-/ wj itooö; f^yvotutv ouXdo- 
oovra oTjijLEia*' entsprechen; wsis dort kleine ergänzende Bewegungen 
heidät, entspricht dem Aiistozenischcn „'jrJj tf,; ^jöftorotla; YtvÄftcvai otatpfaei^** 
Die Berlios'schen Beispiele der etgUnienden kldn^ Bewegungen boddien sidk 
auf ein Verdoppeln der ^er und der drei Hanptbewegiuigeu. In dem Beispiele 



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II. 3b. Takt-Diairedis iu Chrouoi iüiythmopuiiai» idüoi. 107 

# 

398 auf 8. 66 d68 Anhanges ist ein Beispiel finr das Verdreifache u gegeben. 
Tom y wvierfadini dOffte in dem modeni w Dixigiren kdn Beispiel voAommen. 

Am SdilDsae des $ 18 verweist Aristoxenns auf einen spftter folgenden Ab- 
schnitt seiner Bhythmik, in welehran er die Iiehre von der Zahl der^hronol 
ib^thmopolias idioi, die man den Takten an geben habe, klarstellen werdb. 
Wir besitsen ans ihm dn kleines von Psellus überliefertes Fragment 

• 

§ rtl. Jeder Takt, welcher zerfällt wirrl, wird iu eine grössere 
uiid in eine kleijiere Zahl von Theüen zeriäUt. 

Die Uebersetziing: „Ein jeder in eine grössere Zahl [von Theileu] ler- 
flUlteTakt wird auch in eine kleinere aerllUlt^ welche iigendwo vorgpsehlagen 
iHt, liegt ferner ab. Die von mir gegebene Uebersetsmig ist einfoehcr und 
niheiliegend. Der Sinn dieses Aristoxenischen Satzes ist klar genug: bei der 
Diairesis wird ein jeder Takt in eine grossere Zahl von kleineren Chronoi rhythmo- 
poüai* idioi nnd in f'mn kleinere (höchstens bt- zu vier gehende) Zahl von grösseren 
Chronoi podikoi zertheilt. Die kleineren, beim Dii ii^ren mit dem Handgelenk oder 
Unterarme ansgefiihrt«,'n Taktirbewegnngeu (vgl. H. Bcrlios a. a, 0.) pflegen 
wir nnr hei langsamem Tempo anszufiihren . ho] rai<chem Tempo giebt 
der Dirigent mir die Hanyithfnvef^Uitrfn (die Chronoi poilikoi) nn. Nach df^m 
vorliegenden Fracmn nti' di s Aristoxmu« hnrt der grieehisehr i^-^in.vr, dir Auf- 
gabe bei jedem Takfr ii< l)i ii der ;r' iiiii;i rni Zahl der riirmioi jiodikoi auch 
noch <lie grössere Zahl il< r (Jhruiioi rhythinopniiiis üiitii zu markiren; wie bei- 
derlei Chronoi ausgeführt \vurd(!n, darüber fehlt uns leider die Darstellung dos 
Aristoxenns, Dass zugleich das Markiren beiderlei Arten von Chronoi nothwen* 
dig war, einerlei ob das Tempo ein langsameres oder ein rascheres war» geht 
audi ans dem Schlnsse des Fragmentes § 58b hervor. In 58a wird von den 
beiden Arten der TaktirtheUe Folgendes gesagt: 

§ 58a. VoTi den Chrnnoi sind <lie einen thionoi podikoi, die 
andern sind Chronoi rhythmopoüas idioi. 

Chrono« podikos ist derjenige, wrlf^hor das Megethos eines 
Taktabschnittes hat, des leichten oder des schweren oder eines gan- 
zen Taktes. 

Chronos rbytbmopoüas idios ist derjenige, welcher diese Me- 
gethe überschreitet oder hinter ihnen znrttckbleibt 

Diese Stelle ist wichtig genug, denn 

1) sie milcht tnis mit den kfirzf-ten Termini fiir die in Rede stehen«lon 
Arten der Chronoi bi knnut: y pövoi rootx '»i für die t^v toü zooö; ovvatiiv 
cjXotsaovTa GT,tjLeta, -^povoi ^u^^jAOTioita; ioioi für die ü~o "zffi ^udjMKioilac 
Yivofjtevoti oiaipiae-.;. 

Der Tenniuus ypovfji zooix'Ä kuuimt auch Ixu Aristides p. 34 M. vor. Vj-i 
Tcbv yp-ivrov ot {lev okXoT, oi xal rooiÄol xaXojvtai, oi ^ai T.'jkh'x-nhil (Marciauus 



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Ariatoxc'uuü rhythmische Elemcutc § 5Ö. 



CapeOa; „^^plida eant quae podiea perhibentur ....)• So urt iinmistellen. 
Weahatt» die ro^ncol als AkKoT» die ^j9|Miim(«c Uum als mXXvnXol beaeichiiet 
werden, gdit aus Arietozeniia § 59 hervor. Vgl S. 110. 

2)*Sie !^gt aiudrOeklidii dase der -^pövo; rMt%6i entweder a) iu einer 
Arsia oder Baaia oder b) in einem SXo« zo6$ besteht. Das Entere ist der Fall 
bei dem XP^^ eines ieo&« ioüvftrtos, das aweite bei dem y p^-^oi RoStx4s 

eines naäc e6vBrco$. 

Den Ausdruck -apaX/.äuowv r-JÜta xd f^ETsör^ et~ £i:t to jjuxpy-» eit' Irl 
TO M-i^a-' finden wir geuau so bei Pscudo. Euklid, p. 9 Bleib, wieder, wo er 
von den irrationalen Interrallen gebraucht ist dOko|a (Btavr^fjLaxi) xd zapaX» 
Xdtttma TttSTo td {jisy^^ ^ ''^ t<^TCov ^ Inl t& IXsttov dX^^H» ((a9tf,[ia-t. Es 
ist zu vennutben, daas auch diese Worte dea PBeudo-Eoldeides aus Aristoxenus 
geflossen sind, wenigstens mittelbar, denn Pseudo*£ukleide8 ezcerpirt seine 
introdnetio hamonica aus ein«n Aristoxeneer, welcher von der dritten (damals 
noch vollstHii(Hgfn) Hamioiiik des Aristoxcuu.s eiue (Jmarbeitnug voigcnomnien 
hat. Vgl. meine V ibriiu rknng^ zur dritk'u Harmonik des Aiistoxeuus. Auch 
I. Harm. 48 kommt derselbe Ausdruck ett" iid (^lija . . . clx' iicL t6 |Ai»p&v vor. 

hl unserer Stdle der Rhythmik ist ,,ifT iiA t6 ^ifa . . . tit* idi t6 |a« 
xp&<«*< nicht von der kleinereu o<Ier grösseren Anzahl der betreflfenden Chronoit 
sondoru von dem Megethc^.s de» Chronoi zn verst<»hrii. W:i8 vou dem VerhiUt- 
niase des Megethos der Chronoi podikoi au dem der Chronoi rbTthuiopoiias 

idioi m unserer Stelle gesagt Ist, i»«t ührigeiw zu karg, als da-ss wir es bis ins 
Einzelnt' interpretiren können. Ich wcTiigstens unterlasse es für ji tzt darauf 
eiuzugelini. Die Angaben dagci;( u über das Verhältniss t1«T beiderseitigen 
Chronoi bezüglich ihrer Anzahl im zo!»;, crgiebt eben, weil brsiiiiuntf Zahlen 
genamit sind, eher bestimmte Ri-sultate und soll weiterhin auf Uruudli^e des 
Ueberlieferten auszuführen m r.sucht werden. 

§ 58 b. Und es ist der Ehythmus, wie gesagl^ ein System aus 
den Chronoi podikoi, von denen jeder bald ein leichter^ bald ein 
schwerer Takttheil, bald ein ganzer Takt ist Bbjtfamopoeie da- 
gegen wird sein, was aus Chronoi podikoi und Chronoi rhyth- 

mopoiias idioi besteht. 

Der Takt als abstrakte mafli« matischn Grf)><!^e, aln Fach, welches ausge- 
füllt werden soll (Aristoxenus : ttoj; -aixo. rfjv aj-roO Ö6va|xiv § 18. 19) hat 
bloss ypövoi r.ohxfA — zwei, drei, vier; ,JiXi f<ip s^^; yp<Jvo'j roj; o-ix 
äv elrj cpavspov, ir.tth-i-in iv <nr)jji£?ov oj TMti oiaipeae/ yp^vou". Der mit 
den Theilen den Rhythuiizonn nun, mit Tönen oder Sylben ausgefüllte Takt, 
der Takt in seiner coucri ten Erscheinung, bedarf nebeu der zwei oder drei 
oder Tier xP^'Mt imSikoI gleichzeitig auch nodi der XpdMot tj}« Vj^uoimd«; 
fSutt. Tu9pie in unserer Stelle ist die Reihenfolge abstrakter T^lcte, etwa auch 
die Takte im Geiste des Componiaten vor der Darstellung derselben durch das 



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■ 



II. 3a. Takt-Diaireais in Chronoi RhjÜunopoiias i<iioi. ]09 

Mdos; ^'j^iMmoti« ist die im Meh» daigestellte Reibenfolge der Takte, ist die 
rbjrÜun&che Compoeitioa des TonkfinBÜerB. nun Aii<tozeDiia, der Bbyth> 
wm ist ein System ans Chronoi podik<u (aus Arsen, Basen, ganzen Takten), die 
Bhjtbmopoeie dagegen ein Sjstem ans Chronoi podikoi und zngleieh aus 
Chronoi Rhjthmopoiias idioi, so kann dies dodi nnr dasselbe besagen, was wir 
auch schon al» Sinn des $ 57 erkennen mnsstcn und was scharf gauanmen aucb 
schon in § 19 enthahen war, dass iifimlich bei dor Ausfühninsr einer Rhyth- 
moj>oiio (d. i. piner Compositioii) durch Siingcr und InKtnunontalisten der Diri- 
p nt zugrU'ich die Chronoi jMxIikoi und die Chronoi rhyflunopojia« idio? 7m mar- 
kiren liat. Ks lio^'-f darin fi rnt-r diestja, dai>M der TjfeiAoj"^ hei den Grieehen neben 
den dirigireud»'ii Uaii]>tl)ewegungen stets die diriprireinleu Nebenbewegungen 
für die 'I'akte anzugeben hatte, da»« die h^tzteren nicht wie bei nnn bloss bei 
Jaiigsamcm Tempi anzugeben waren. Und hieraus dürfte wiederum hervor- 
gehen, was ohnehin wSkm wabrschemlich ist, dass bei den Griechen keine so 
raschen T«n|»i wie bei ans genommen werden, dass die antike ä^wY^ "^^^ un- 
serer vergliehen dorchschnittUeb eine langsame war, obwohl innerhalb dieses 
im ganzen langsamen Tempo immer nocb genug Kaum fdr die Gradati<men 
des Tempo voihanden waren. V^. erste Harmon. § 27: „Wir vermeiden es 
beim Beden die Stimme mhig auszohalten, wir mttssten denn durch leiden- 
schaftliebe £iTCgtheit dazu genöthigt werden. Beim S^ingen aber vermeiden 
wir genide umgekehrt die continuirhc hr l?r\V( f^ynp und Ia.s.<cn die Stimme so 
viel wie möglich verweilen, denn je mehr wir einen jeden Ton jvls einftn für 
sich gesonderten einheitlichen und stiitigen Ton zum Vorschein kommen lassen, 
um 80 klarer wird das Melos von der Aisthesis aufgefiosst*'. 

Dass hier den dirigirenden Nebenbewegimgen eine Shnliche Bedeutung 
eingerAumt wird wie den Hauptbewegnngen, dass sie zwar nicht für die Theorie 
aber fSr die Praxis des Taktirens flOr glmch nothwcndig wie jene gdialten 
werden, dttrfte bei den durch muere frflhecen Studien des Aristoxenus gewon- 
nenen Anschauungen befremden, denn IrQher'Wussten wir nichts davon. Aber 
Aristoxenus sagt es an drei Stellrn dr?? aus seiner Rhythmik uns vorliegenden 
Bruchstückes. Wie nach § 18 (Scblussj der Verlauf seiner vollstfindigen Rhythmik 
rill (11 AI »schnitt enthalten haben muss. in welchem die Lehre von den Chronoi po- 
dikoi als den I lauptbfnvi'LCUti^en des Taktirens dargestellt war, so kann es mich § 10 
(Schluss) nnehniHit an einem Abschnitte g<'teh!t hnben. welcher dm Chnmoi rh\ tii- 
rnnpoiijvs iilini id.v diMi takfircndi'n Nebenbei r^r, innren i^ewiduirt w ar. bis lie^^-^t in 
<leni eii--*'nthiiinlii'h klaren \S fsrn der .Xristi i\i'nisch<'n DarsteUiin;.', in der iorfi- 
Hchen Mauirr (Irr-clben, dass wir vuu dein erfiti rcn Abschnitte, ubwuhl er Üia!- 
siiehlich nicht mein- vorliegt, doch aus einzelnen Andeutungen das meiste, was 
darin enthalten war, restituiren können. Für den Absdinitt von den taktiren- 
den Nbbenbewegungen ist tarn Restitntion unmfigiidL Denn was yon dem 
M^etfaos der Chronoi Bhythmopoüas $ 58a gesagt wird, enfadeht sich ganz 
unserem Verständnisse' und was von der Zahl dieser Chronoi tSi den dnaelnen 
Takt gesagt wird, ist zu aUgemem, als dass wir darauf eine voUstttndige Theorie 



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HO 



Aristoxeuus rbytluiiiäche iUcmeute § b^. 



dcrChronci podikoi begründen wollten« Wir düifen dem Abaehnitte ^über die 
yr/ÖNoi f> jit|j.oiratIac das knize Fragment ftus der dntten Harmonik hinsufligen: 

^ Ö9. AUgemeiii zu sagen, es bedingt die Kliythmopone vielt^ 
und manuigfaltige Bewegangeu^ die Takte aber, durch welche wir 
die Rhythmen bezeichnen, stets einfache und constante Bewegungen, 

Duö Wurt ,,J]eu«.gmigeir* könncu wir jetzt i?n Siuue \on II. lierlioz a. u. 
O. gebraiuheu. l)ai«selbe wie in uij!«<>rem I iiigiaLut*' § 59 sagt Aristoxcnus 
auch ächou § lU: Kai r.poadtzius tot; eipr^fievott, oxi id |X£v ixobrou -ooö; aT,fxcra 

;j cv.ii otaipitfci« i:i>XX-fjv Xaa^dvou«i noViuXlav. 'K«tat Se «03-» xal iv toT« £iecKa 
9<xv£oov. ,,Und dem Gesagten ist hinauEttl&gen: die Semeia eines jeden Taktes 
sind überall, wo er vorkommt, constanti sow«Al der Zafal wie dem Mi^etbos 
uacb, dagegen gestatten die ftus der Bhythmopoeie hervorgehenden Bewegungen 
eine grosse Mann^faltigkelt. Auch dies wird in dem weiter folgenden klar 
werden.** 

Das nfimliche ist auch bei Ariotides p. 84 Meib. enthalten: "Em tt&v ^pövew oi 
(tSN dnXot, tA xol itoSniol xaXolivcat, oi hk «oXXairXoL So habe ieh diesen Satz 
schon in den Fhigmenjen der griechischen Bhytiimiker durch ümstellu pg emen> 
dirt, denn die handschriftliche UeberUeferung lautet: "Fti tcüv yp'ivtuv tA 
äi^ot ot hi iwXXarXot , ot xal Twotxol «otXo&vrat. Maricanus Capella übcröctzt : 
Sed temporuni alia simplicia sunt quae podica j»erhibentur, wobei das griechische 
Original von der fehlerhaften UmsteUung noch frei geblieben zu sein scheint. 

Daians foJgt nun, dass Megethos und Anzahl der CSironoi Bhythmopoüas 
für ein und denselben Takt z, B. den 16-zeitigen nit ht con.stant , wie die Chronoi 

])0(likoi. ^oiideni variabel ist. Die Chronoi podikoi (Ilauptbewegungen des 
'l aktirens) folgen ans der logischen Natur des Taktes und «ind immer dieerlbea, 
die Chronoi Rhythniopoiias (die Nebenbewegungen des Taktinns) sind dem 
Megethof! utid dt^r Anzahl iiath für ein unil deiiselben Takt vaiiubcl. Pas 
wird uns iiiiMit W'uiKicr la'liuien. Denn bei uns \ft nicht viel itiider>. Die 
in der Natur des laktes liegenden Hauptbewegungeu bind coiistanr, die 
Nebenbeweiruugeu hangen \\>n dar Form ab, welche der Compuniat <ier 
betri lieudcu liLythmopoüe gegeben iiat; ob der Dirigirende J<ie «o oiier «o 
den Ausführenden verstÄndlich machcu will oder sich dieser Mühe ganz 
äberhdiai zu können glaubt, das hangt von du jL*icsmaligen Bhythmopoiie- 
Beschafienhtit dea Melos ab. Hier muss das Ermessen der Durigenten rat- 
scheiden. 

Und «ioch deuten die Zahlenangaben des § 19 dai.mi Inn, dasa wenigstens 
t inige allgemeine Nonnen für den d(>tU(jLÖ; tü>v tt,; pjÖjA'iZoda; I5i«uv /^o-vtas be- 
staudüu liabeu, welche Aiistoxanus dargestellt haben wird in dem Abschnitte, 
auf welchem er sich mit d^ Worten: »'Eon H tovto «aVIv toi; fRStxa ca^^ep^** 
beruft. Einiges davon lässt sich wieder gewinnen. 



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IL 3b. Takt-Diairesis in Chi-ouoi lihjthmopoiiaä idioL XU 



f&bv «al tU ti noXXanX^o^'. werden nämlich ein^ der Takte in Cluroiioi 
Bhyfhmopoütt denrüg «agetheilt, daae «üe Zahl der Chronoi podikoi (2, 8, 4) 
um daa 2 fache oder vielfache TergrOaserk wird-** Wir haben dabei aleo an ein- 
fache Takte oder an zusammengest fzf c Takte von 2. ^. 4 Vci-sfüssen zu denken. 
Daas in der Anzahl der Clironoi rhythmopoiias die Zähl <ler Oironoi podikoi 
verdoppelt ist, lÄsst sich leieht denken für die aus daktylischen Vensfussen be- 
stehenden Tz6ltz ouvöeTot, denn der einzelne Versfuss hat als solcher zwei Senieia, 
einen leiehten ttrid einen sclnverni TnktthtMl. Es ist kaum anders möfrlieh, als 
dass z. H. in »'int'r anapii.stiacheü Tctraiiodie neben den vier «lie Chrunoi podikoi 
markirenden Hauptbewegungen aucii ij(ich doppelt m viel Nebenb«'w('^iiiifjeu, 
die Chronoi rhythm(»j)oias idioi maikirond, angegeben wurden, von «lenen auf 
jeden Versfuss z\vei kamen, der eine auf den leichten, tler andere auf den 
schweren Thattheil des einzelnen anapästischen Vorsfussea. bo würde des 
iwOc l««ail((xd(n]fAo; anaatt aeinen vier die Chronoi podikoi markirenden Haupt- 
bewegungen im Ganzen adit die Chronoi riiytiimopdiaa idioi angebende Neb«K- 
beweguQgen erhalten, ao daoa alao dieaer Takt an demjenigen „Ihmi tAv no&dkv*' 
gehörte, in welchen der „dptdjajk tdvv xrcrdpinv itoStxav yp'ivtuy st( BinXetotov , 
df i9|ftdv iMptCexai." Der IS-sdtige Takt iat einer von denjenigen, in welchem die 
Zahl der 4 Chronoi podikoi In der Zahl aeiner Chronoi rfaythmopoUas m acht 
verdoppelt ist. Bezeichnen wir die Chronoi podikoi durch römische Bahlen ober- 
halb des Notensypteins, die Zahl des Chronoi rhythmopoiias idioi durch arabische 
Zahlen unterhalb des Notensystems, so würde z. 13. das Fugenth^ma wohlt. CL 
1, 2 folgendermaaaaen nach der BesCimmnug de» Aristoxenus taktirt sein: 

I n m IV 

<{pa. 9is. <2p«. ftla. XP^* iwitxol 

* f V- \ I V / \ 




1 2 3 4 5 6 7 « 

Hiermit wJirc fmeh die Frage Baumgarts erledigt (a. a. 0. p. ^^.): 
<, Denken wir lui.s eine anapüstische Tetrapodie. Wie trafen Sänger und Spieler 
den gleielizeitigen Anfang? Wir sehen dazu keine Möglichkeit. Kine solche 
Möglichkeit musste freilieh auch tiir das ^'riet liiselic Taktiren vorhanden sein.*' 
Mit Reiht sagt Baumgart p. VI: ,,i>Jiö steht sielier, die errierhiseheu reit- 
|i.(>vc; im Wesentlichen keinen andern üeruf und Zweck liattiu, uls unsere 
Dirigenten." Eben ans diesem Onmde genügte es nicht, wie ^Vrlstoxenos sagt, 
daas me die Chronoi podikoi taktirten, aondem sie hatten auch noch die Chronoi 
rhythmopoiias idioi zu markiren. Die Art und Weise fireOieh, wie sie das Be- 
seiehnen beider Arten von Chzcmoi glelcfaaeitig mit einander vereint haben, ob 



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112 



AmtoxemiB tfajfiiinlBche demente § 59. 



8ie etwa fttr das Eine den Fuss und fktr das Andere die Hand gebrancht, oder 
ob sie es machten . wie dies H. Berlio/. als nnsere 'heutige Taktirmetbode be- 
schreibt, dass die Uaaptbewegungen mit <icm gansen Anne au^^ftihrt werden, 
die Nebenbewegungen dagegen nur mit dem Unterarme oder dem Handgelenke 
im AuHclilusso an (Viv "Bewegungen des ( »ht rarmes, dariiber giebt das uns er- 
haltene Fragment der Aiistoxenischen Rhythmik ktüne Mittiieihmgen und das 
Versprechen dej* Aiistoxenus § 18: ..'F.otat tojto xal toi; £rciTa qpavepöv" 
ist ein unerfüllbares geworden, da der hiermit citirte Abschnitt seiner Hbyth- 
mik untergegangen ist. 

Doch soll nach Aristoxeuus die Zahl der Chrouoi rhythmopoüas idioi nicht 
Mos das Bweifsehe, soodem anch das vielfache von der Aiuahl der Clironoi 
podikoi sein. Unter dem Tietfeehen müssen ivir, wie ber^ oben braaerkt, 
mindestens das dreiüulie verstehen. Werden wir bei dem swe ifachen auf 
Zusammensetrangen ans Vexsfassen des geraden Rhythmus verwiesen, so wer- 
den wir bei dem „dreifachen*' selbstverständlich auf die Versßlsse des mnge* 
zsden Shythmus geführt Wir werdon am Btchrasten gehen, wenn wir hierbei 
zunächst an Zu-saininensetsungen aus ionischen Versfiissen denken. Die ionische 
I)il>odie, als einheitlicher Takt gefasst. hat (wie alle dipodischen Takte) zwei 
('hronoi podikoi. l^ei dreimal so viel Chrouoi Khythniopoi.as wird sie deren 
seeli- hüben. Als Hei.spiel diene das Kolon 8 der & 12 aus Beekhoven's erster 
£s*dur Sonate angeführten Partie: 

I II Gbfonoi podikoi. 




— — — _ Chrouoi rhjrthmopoüas. 

1 2 S 4 5 6 

Die ioni.sche Tripodie, falls sie bei den Griechen als einln itlicher 
IH-z«»itigor Takt vorkam, nin^-<fen sir hiAm I>irtirirfri mit 8 yn^w. t.'/'ami und 
mit :{ mal 3 ^pövoi ^ui^o;;oUa( taktircu. Vgl. Kolon 7 dersclhen Steile aus 
beethoveu: 



I 




IT 




III 




/■ — 

\^ \J 


1 

— 


^ r 

— w w 


J. — 


/— - - - 


± — 












0 — — . 

\ - ■ 


1 


2 


3 4 


5 6 


7 


8 9 



Nach dieser aus Aristozenas folgenden Taktirweise der lonica mOssen diese 
Bhjthmen a. B. Bach's wohlt. Clav. 1, 11 F-dur Fnge tsktirt werden, vgl 
Theorie der musikaL Rhythmik S. 28«. Auf jeden Chronos disemos kommt 



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I 



IL 4. Takt-Schema. US 

eiue der rhythmischen Taktir-Zahlen , welche in Uie^itiia Fall.- (heim ionischen 
Rbythinue) keine Chrouoi podikoi, sondern Cbrouoi Rhythiiuipoila«» i<iioi äiud. 

Ob auch in Zusammensetzungen ungerader trochauischor Versfüsae 
zu einem grösforeii Tnkte der einzelne Chronos protos aU Chrouoe Rhythmo- 
poiiaa fungireu kann, darüber unten S. 124. 125. 



4. DIE TAKT-UNTEBSCHIEDE NACH DEM SCHEMA. 

Die Taktverscliiedenheit nach (Inn .Schema darf u'n-ht mit der uacli der 
Diairesis verwechselt oder vennischi werden, wie es früher von mir geschah, 
\vi> ich die Kiill-' 2a und 2b, Nr. 4a und 4h der S. 104 als Fälle <ler iSchema- 
verüchiedenheit ansah. Denn wenn auch auf diese die Kuti j^'orie der 8clM«ina- 
verschiedeuheit zu passen scheint, so ist doch nichts, was auf sie die Anwendung 
der von Aristoxeniu über Diairerimrecbiedenlieit au%estdltai Definttion bin« 
dert, unter welche wir sie oben begrellea mussten. Die Analoge der übrigen 
Fftlle erfordert die Kategorie der DiairesisTersehiedenheit mit Notiiweadi^keit 

\S ir iiahen viehiiehr S. 'S.i. -ü uns dufiir eatocliieden, dass oyfjfjia roSwv bei 
Aristoxenus dasselbe iät wie das metrisciie Schema, von welchem die Metriker 
reden, d. i. der durch Terscbiedeue Syibenbeschaffenheit hervorgebrachte Formen* 
'Untenchied deeeelben leoO« im engeren imd im weiteren Sinne deBWortee» als 
muc <b6vdcT0( (Vecsfhsa) und ala ira{i$ o6Mfteto< (metriadieB Kolon). IMe Aristo» 
zttiiBche Definition % 28 beaeht sich Torwiegend anf die grosseren «öSe$ oder 
Kola. Wenn die Metriker von einem Metron polyschematiaton gprecheni so 
fassen aneb sie das «Wort «x^iMt in diesem letsteren Sinne, Hephaest c. 16. 

Der Schemaunterschied der jEasammengesetiten Takte oder Kola, welchen 
AristozenoB im Auge hat, beneht sich also darauf, dass in der melischen Poesie 
ein und dasselbe Kolon von gleichen gleich der und dem Megetboa 

nach, das eine Mal durch ein anderes Sylbenschema als das andere Mal aii^^xiv 
drückt sein kann. Das eine Mal ist es ein akatalektiachea, das andere Mal 
ein katalektiBchea oder brachykatalektisches Kolon, welches die Katalexis ent- 
weder im Auslaute, oder auch im An- und Inlaute hat Im letztem Falle 
wird es in der metrischen Tradition jirnkatnlektisch oder dikatalektisch genannt, 
wofür der Gesammtuiune ».^yuartt tisch ist. V^l. unten S. 131. 

Ferner kann von sswei gleichgrossen Kola das eine ein von den Metrikem 
sogenannt!'« katharon. d. i. aus g-leichen Ver«fiis-»t n bestehendes, das andere 
ein Kolon mikton, d. L aus ungleichen Füssen zusammengesetztes sein. Vgl. 
S. 130. 

T?<'! der Katalexis handelt es sich um die den Betrag einer fehlenden 

Syihe ergänzenden Pause oder S\ Ibendefsiniug nach Art der uns in den kata- 

lektiscben Versen des Mesumedes überüeferten 3- und 4-aeitigen Sylbeul&ugen 
Arlit«s*ntit, HtHk v. Blijtbnlk. g 



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114 



Amtoxenua rhythmische Elemente § 60. 



vgl. obenS. 18.19. Bi itU-n vAhli [aixt» handelt es sicli \-()rwi('ffrnd um die Frage, 
wie bei der Verbindung 3 zeitiger uud 4 -zeitiger Verisfüöi?e iu demselbeu Kolou 
(iie Sylben des Mcloa zu messen sincL 

Ueber die SjlbenmeMiiiig in der Kfttelezifl bat sicli von Ariatoxenus keine 
Andeutung erhelten. Seine Doctiin ist in dieser Beaehung durdi die notirten 
Tezteswoite der Hesomedisehen Hymnen xa eiginsen. 

Dagegen besitien -vir ein Ariatoxeniaehee Fragment, wdehes Aber die 
8ylbendnaer im Allgemeinen apriebt Ea bildet daaaelbe den Anfang der 
Paeüaniaeben Prolambanomena. Sollte ea auch nicbt ana dem Ariatoxeniaehen 
Abecbnitte vom Tak^Sdlema exeerpirt sein, aondem vielleicht dem eraten ein- 
leitenden Buche der Ariatoxeniaehen Bhyämiik angehören, ao dient ea doch 
jeden&lia dazu, una fiber jene Doctrin aachlicb anftuklAren und mag daber 
hier eingneiht werden. 

§ (iO. Znerst ist zu merken, dasa ein je<les Maass zu dem Ge- 
meN>enen in irgend einem Verhältnisse siteht und davoTi den Namen 
hat. Ißt die JSylbe etwas Derartiges, was den KliyÜunus messen 
kann^ so wird auch sies ich zum Rhythmus wie das Maass zum Qe- • 
messeiien verhalten. 

Das haben nun freilich die älteren Rhythmiker so angenommen. 
Dagegen sagt Aristoxenus: Die Sylbe ist kein Maass. Denn ein jedes 
Maass ist an sich quantitiv bestimmt und steht zu dem Gemessenen 
in einem bestimmten Verhältnisse. Aber in dieser Beziehung ist die 
Sylbe in ihrem Verliältnis);«' zum Kliytluims nicht etwas Bestimm- 
tes, wie es das Maass im Verhiiltm•^se zum Geinessenon ist. Denn 
die 8yibe nimmt nicht immer das eine Mal dieselbe Zeit eiik, wie 
das ander«' Mal: i las Maass aber muss, insot'eru es Majuss ist, bezüg- 
lich der Quantität coustant sein, und ebenso auch das Zeitmaass be- 
züghch der in der Zeit gegebenen Quantität; die Sylbe, wenn sie 
Zeitmaass sein sollte, ist bezüglich der Zeit nicht constant^ denn die 
il^lben halten nicht immer dieselben Zeitgrössen ein, obwohl stets das- 
jselbc Grössenverhältniss. Denn dass der Kürze die halbe Zeit, der 
Länge das Doppelte derselben zukommt . . 

Damit schliefst da*« Fragment des P«eUus. Das bei ihm fehlende SchlusB- 
verbum des Ari-stoxenischen Satzes konnte einen aUgemcinen Sinn liaben, wie 
in der älmlicheji Stelle bei Fab. Qiiintil. inst. 9, 4, 4H ..L<ingam e.sse duorum 
tcmjiorimi. brevem nniu^. etiam {meri sciuut.'' Es k'Minte nher der Satz des 
Aristoxenus auch nulier auf die Thntsnclie (irr Sylbeudauer eintr. <^;mf;en sein 
und die Aiit^nahmni von (l< r Re:rei augegeben babeu. Denn dass Aristoseuus 
von der lüer angegeljenen Kegel 



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IL 4. Takt-Sdiema. 115 

„Die Kürze i»t die HulftP dt r Liingc" 
beHtimmte Ausnahmtu Btatuirt hat, leidet kernen Zwetel. Da ist zuerst nach 
Arifltoxenus eigener Aussage 20) eine irrationale Sylbe des Trochaeu», welche 
iVa-^itig uA. Dft Mnd ftmn die aiu den IModien dM Meeoiiiedes «ich er« 
gttbendfln Langen, welche über das 2-iail%e Mmm liineiia^heii, welche 8- und 
4>seitig sind, mit einem Worte die LSngen der Keftdexis, von welcher anch 
die Metriker Mgton, deae hier eine ouXXopi)^ mtl ieoofilvi} voritomme. 

Von Sjlben anderer Ueeenng als dteeen iit «ns von den Alten nichla 
flberlieftrt Wir wiwen nichts davon nnd Uusaen die Begel de& Ariatoxennt 
mit Olren Ansnalunen folgendermassen zusammen: 

Die Lünge ist fiberali das Doppelte der Kfine. 
Aosnalunai sind: 

1. die anderthalbeeitig» uiationale Sylbe (nach Aristoxenns eigenen 

Worten )j 

2. die mehr als 2-zeitige Länge der Kataleiis (nach den notirten Hjm> 

nen des Mesomedes). 
Qem bestätige ich dem Herrn I^rill (Aristoxenus tfaythmische mid metrische 
Messungen 8. 20. 7H), dass die Art und Weise, wie imsere firfihere griechische 
Khythmik und Metrik die Ausnahmen fasnte, irrig war; ebenso constatire ich 

ihm auch dieses. dnf«s Aristoxenus keine kyklischeii ^>r^if^ispe statiiirt vtrl. Erste 
Harmonik § 25—28. Irrig waren demnach auch <lii' Sylln iinK's.^unircü »l- r >;vie- 
cliischen Metrik vom J. 1S67, G8, ausser ihn dort angegebenen Me»t>uugen der 
Daktylo-epitrit*', die ii-h aneli jetzt für rieht it^ erklare. 

Der gr6s»öte Vorwurf, den iiiati dein He)i}rtHtinu mit den übrigen Metri- 
ken! macht, ist <ler, das« er im Einzelnen vui kmiur andern Sylbenmessung 
als vitn der 1-zeitigen und 2-zeitigen wisse, wenn auch im Allgemeinen die 
'I hatsache anderer SylhenmesBuug wiuigotens den übrigen Mctrikem nicht un- 
bekannt sei (denn das kleine Eucheiridion Hephästions sagt nichts davon). 
Und doeb mQssiin wir bie von jenem Vorwarfe iieispfeclien. Bie geben uns 
die Kategorieen der Katalexin und Bracbykatdexis, welche nicht sur Sdte ge- 
Bcboben, sondern richtig verstanden sein wollen, nnd dann Alles enthalten, 
was von langen Sylben Über die swciieitige Messmig hinan^ht Wenn sie 
die KntaJezis nnd Brachjkatalexis der gemischten Kola falsch bestimmen, wenn 
HeUodor den 5-seitigen Paion mit dem katalektischen Ditrochaeus, wenn audi 
Hephüstion den (J-zeitigen Choriamb mit der S zcitig zu me.sf*euden katalcktiscb- 
daktylischen Dipodie eoufuiulirt, s<> sind das Fehler, welche wir su erkennen 
nnd an berichti<.'en im Stande sind. 

Ausser den bezpifbueten Irrungen bezüglieh der Katnlexis beliehen sie 
den durch .Aristoxenus zu eorrigireinlen Fehler, dass i*ie den untt r TnK Imeen 
eingeniisehten Kpitrit für einen T-zi'iiigni zov; halten, während die .Scldutm- 
iauge du;.-ea Eiiitrir.> keine 2-zeitige, sonUcni ciue l V. -zeit ige a>.f>^o; [j.axpd ist. 

Darm aber Jiu^ehen fie keinen Irrthnm, dass sie uberall, wo er vor- 
kommt, sowoli in /iwAa xaUapä wie in aöiKi jxixTd, den Trocbaeus und lanibus 

8* 



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na 



AmtoxuiuiB rhythumcbe Elemcutc § 60. 



für einen S-zcitigen, den Daktylus und Anapäst für eiuen 4-ieitigen Versfan 
halten I daas audi der im Choriamb enthaltene Daklylna nach ihrer Meaanng 
niehti anderes als ein 4-adtiger Daktylna sein wfirde. Der Inrthnm war viel- 
lediglieh auf unserer Seite, wenn v/h von trochadsch zn messenden Dak- 
tylen, von daktylisch an messendan Trochaeen gesproehen haben. Die me* 
lische Metrik der Griechen hat solche YwfUase niemals geicannt Denn die 
sogenannten kjklischen Daktylen, von denen DIonysiUB berichtet, daas sie nach 
Einigen nicht viel verf«c]jieden von den 'IVochaeen fjewcaon sfin sollen, gehören 
nicht der Hfrcngen Rhytinnik des Meies, sondern der freien Dedamations- oder 
Kecitationsrhythmik, nicht der gesungenen" Poesie des MeloR, sondern der 
„gesagten'' Poesie des Khapeodeuvortrages der heroischen Verse an. 

Bcntley war der en*te, der 'Ich Satz von der „Takt^eichheit" der in 
den alten Metren auf einander folgenden Versfiisse anasprach: 

..lctu?i percut«sio dicitur, ((nia tibi<"en dum rhythuium et tempus modera- 
lüittir. ter in trirn«'tro. fjtisiter in tetramftrn pohim pe»ie feriobat. ictus sive 

apoeic ni:i;:no ili.^ccntiuiii r(>miiiii(|n n<»s iniini in hac editione per accfiifus aecii- 
toö expre^pim\i>, Ire- in trimetri.-, (|uattiior in tctmmetris, Horum iuitfrn accen- 
tuuro ductu , vüx in illis 8Yll:ü)is acnatur et jiar tt inporis nu iit'Ura, quae 
ditrochaei vel e-uf^iioy otuTe&oy «patio »euipci üuilur, iuter «inguluH accentus 
tfcrvctur, uuivcrt>us eodetn modo lector efferet, quo olim ab actorc in sceua ad 
tibiam pronimtiabantur. 

Qna re ego jam ab adoleseentia . . . alJam mihi seansionis rationen institui, 
per iim&tav scUieet xpoy wtiift hoc modo; 



Man liaf mehrfach darnach gesuclit, dic!<en Satz von der Taktgloichheit 
bei Aristoxt iuis auf'zuiinden. Wir haben oben «lie Stellen S. 19. 59 besprochen, 
welche man iu jt ucui Sinne fali<ch intrrpretirt hat 

Beutley ging zwar bei Bcineui Axiome der antiken Taktgleichhcit von 
der roodenien Husik ans, wie man aus den die Anakmais abscheidenden Tak^ 
atrichen ersidit, mit denen er den Trimeter des Termz versah. Aber erat J. 
H. Voss wagte es, die metrischen ic6ts( dnrdi unsere Notenieiehai auszudrflcken. 
Sein Taktgefühl veranlasste ihn bei den Mischungen dretatttiger imd vieraei* 
tiger VevsAsse an der Annahme, dasa der vierzeitige Daktylus der den Bhjth- 
mus bestimmende Takt sei, und daas mithin die Trochaeen aus drda^t^gen an 
vierseitigen VersfUssen gedehnt werden mttssten : 



J. II. Voss, ZcifmeHSung der deutschen Spraihe 1802, S. IHR ff. 

A. Apei, der sich m di^nselbi u Axiuuic der TaklglcicbLeit bekannte, 
machte es in der Ausführung umgekehrt wie \oss\ sich stützend auf den ky- 
klischen Foss des Bhetor Dionysius, von welchem dieser an veivtehen giebt, 



po- I ^ta dederit | (juad sunt adole- | sc^ntinm.' 




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Ii. 4. 'i'akt-ÖchenuL 



117 



diSB fldn BhythmiiB dem trochaeMehen sehr nahe komme» faeste Apet dea chrw- 
witigai Trochaens ab den für den Bbythmoa maasegebenden VerafttM, dem 
der Daktylus gleiehgestdlt werden rntteoe: 

f IJX'IjTjIj ; ' 



A. Apd, Aphorismen über Rhythrnns und Metram, Anhang an dem Drama 
Aetolier 1806; A. Apel, Udwr Bhjthmiis und Metram, allgemeine mnnkalische 
Zeitung 1809; A. Apel, Metrik 18t4 n. 16. 

A. Boeckh, aufangs « in Anhflnger der ApePschen Messuug, „Ueberdie 
Versmaasae des Ptndar'* in Wolfs und Battmann's Moseum 1 r Altwthmnaw. 

1606, S. 844, leugnete später die Existenz eines Ventnsses bei den CWe- 
chen. In seiner späteren Auflassong de metris PSndari 1611 p. 105. 268 geht 
er von Aristooranos Stelle über den x*^^^ dX^roe aas. Dies sei der onter 
Troehien umkommende Spondeus., Aber der von Aiistoxmns dem x^pctoft 
dXoYoc vindieirte Silben werth 2 + IV« ^ m^t die absolute GMsse, sondern 
diese Zahl gebe nur das xdative VerhSltniss der beidm Ta^|^tiieile an, da der 
Rhythmus^ gleiche Takte erfordere. Der x^petot aXofo; müsse dem 
dreizeitigen Trochftas, der neben ihm vorkomme) gldchwerthig, also drei- 
seitig sein: 

12 

2 17 7 
_ \/ — — 

8 8 

Das ist aber eine fidsche InterpretatiMi des Aristozenus, vgl. unten S. 118 
Unrichtig ist mithin alles Andere, worin dieBoeekh'sche Messung den vermeint- 

9 

liehen j^p'Svo; dfXo-^o; ^ zu Gruu(if legt. Denn Boeckh substitiiirt diesen 

Werth auch der Länge des mit Trochäen gi inischten Dactflus, da dieser nach 
IXonjs de oomp^ verb. 17 eine dtXofo« (xaxpd haben müsse: 

0^ 6 6 9 6 6 

T 7 7 7 7 7 2 1 2 1 
\j \j \j \^ — \j — \j 



3 3 3 3 

in den claktylo-epitritischen Metren, welche bei dfn Altm i-Aa'r^t-.i 
heissen (S. 135). hhU der Epitrit derselbe wie in den trochaiachen N tiöon sein, 
aber der hier sorkDiuinende Daktylus sei nicht wie in den Logiiödon dor 
kyklLbcliC, üoudLiu habe das Megetbua einer trochaitjclien Dipodio, „quod senUet^ 
qui huiusmodi versus recte (!) didicerit aut recitare aut caiteie". 

12 9 '\ ?, ?, ?, 

2 1 7' 7' H :i ;i ;-i 2 2 3 3 

^W*- — — V-^N-/ — v-/\-/__ 



6 6 6 6 



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118 Aristoxemu ihythmiAche Elemente § 60. 



Der in dieaen Metren vorkonifflende Cretiene hebe die Messaiigi 

12 £ It 

T 5 Ö 

_ \y — 

- 

6 

Vou diesen seinen Sylbcnmessuugen im All^emeineu sagt Boeckh: ..Nostris 
notis designari neqneUD^ sed disci poteitmt feciUime. Quae etei cüi^jectura 
nituntiir, tarnen neque ex veteribus refuturi posse, nec commndiorem viam novi, 
qua mctrorum veterum inaequali inrnsurae concilirtri ac<|u;ilitiis prorsus neces- 
saria possit." Doch widerlegen sie «ich nus den Worten «ies Aristoxcmis .,rf;«< 
(xev ßdoiv fOTfjv a'jToF; dla'£^T*w!i syoiv'* (vpl. § 20). Auch widi rsjtrichf die 
Aristoxpni5?chi-' Scabi vuin Takt Me^ethn-, denn dir in deu daktylo-epitritischen 
Strophen iiauhg genug vorkommenden dakr\ list lim Tetrapodieen würtlen der 
BoecWadien Ifeaanng zu Folge ein dreis«i^/.i-itigt:> Megctbos haben, was nach 
Aristoxenits ftlr kein daktyliischM Kolon mtfglicli ist 

' •■ ■* *■ -* 

^ 0 6 6 6 

Mcfr. !*ind p. ini h.M>i»'rkr Tloeckh norh: 

Superesf i^ifur ut scrvatiö rationihus numerisvc immntata siut tempora^ 
quod fieri vidimus ductu rhythmico. ijtiant Gra«'ri vocant d7") /rjv. 

Diese letzte Bemerkung ist richtig. Alles Andere in seiner Sylbcnmessung 
ist falsch. 

Die ßoflsbach-Westpharsche Metrik stellte sich in der ersten Auflage 
' 1856, (nach einem bald wieder aufgegebenen Versuche, den die erste Dar- 
stellung der griechischen Rhjfhmik vom J. 1854 besttglidi der Anagteichnng 
der Troch&en und Dactylen gemacht liatte) ganz und gar auf den Standpunkt 
Apel*B, alle mit TroehOen verbundenen Daktylen dreiseitig messend. In der 
sveiten Auflage 186)» nahm sie für die daktylo-epitritiachen Metra einen dem 
Vossischen ibnliehcn Standpunkt ein, indem sie den TrochAus dieses Metmms 
als einen vierzeitigen mit dem Dactylus gleiehgrTts-ien VersAias ansah. Doch 
vermied sie sowohl die Vossiache wie die Apertiche Sylbmmcssung, indem ae 

J * j statt Vossen 8 J, ^^ 
1^ N ^ statt Apel's iTI 

0 0 0 0'0 0 

statuirte, mit Rücksicht auf den von Aristoxenus über das Sylbenmass aus- 
gesprocbeneu Satz, dem weder Voss, noch Apet, noch fioeekh gerecht gewor> 
den war. 

Wenn wir die Sylben der gemischten (ond episTnÜictischen) Metra wedor 
wie Vof» noch wie Apel messen dttrfen, weil beiderlei Messung dem Satie des 
Aristojcenus, dass die Länge stets das Doppelte der Kiine sei, 

' mit Ausnahme der ^osi; des il^ofo^ und, wie aus den Notirtmgen 
des Mesomcdes folgt, der Katalexis^Syibc 



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II. 4. Takt-Selieiiia. U9 

widentieite, BOiidem dsM wir nxiB die beid«i Avsaaliinen afagaeehnet gam 
•a die Sylbemneasung Hephacstioiis halten mfiMen,' kehren wir da nieht auf 
den Standpunkt vor Vo»b und Apel zurück? I^euguen wir da nicht geradem 
für die meisten Metra d<<r Alten den Rhythmus? 

Diese Frage steht mit der anderen in unmittelbarem Zusammenhange: 
wie verffihrt der moderne TJhythmnpoif>s, wenn er solche l^Ietra wie die [Aixtd 
u. ?rt-T'jvW?-'' inelodi.siron liatV Denn von tlem rhythmischen (iefülde der Mo- 
dern i urheii \ <»>s. A|-el, Leln> und alle übrigen aus, mit Ausnahme des ein- 
zigeu iiorckli in SL-iiien Metra l'indari. • 

Der mtjdeiue (jompouiöt macht freilicli dcu Truchaeus und den Dak^'lus 
gimau zu denselben YersfOssen, entweder alle zu vierzeitigen Daktylen oder 
alle m drdzeitigett Troehaeen. Und wie in der Voealnitteik, ebenso maeht et 
ee auch in der Instnunentalnmaik, inuner dieselben VeFBfOaae bia aom Eintritt 
eines Taktwechsels inne lujtend. 

Ansnahmen von dieser Gldclihttt der auf einander folgenden Vexsftlafle 
(ungenau nennt man sie Takigleichlieit) sind selten genug. Denn es kommt 
vor, dass unter geraden vierseitigen Yersföasen des Melos unter Festludtung 
des vierzeitigen Mogethos auch dreitheilig ungprade Versfüssc vorkommen, 
welche als Triolen n ittrt werden. Hiernach habe ich Griech. Metrik l^fis § 616 
da^ MeloK rbythmisirt, welches ich nach einer Melodie des Mesomedes für Piiid. 
oL 3 benutzt habe: 

Ttiviapi-Satc Tc <pi- Xo-^el-voic d'8ttv xaX-XmXoKd-|jL({> V *EXi*vf. 





Auch hier ist das Aristoxenisclie Sy Ibengesetz gewahrt. 

Ganz vereinzelt ist es, dass ein fJomponist auch der Taktschreibimg nach 
vierzpiti^'e Daktylen xmd dreizeitige Trochficen zu einem Kolon oder einer 
Periode verbindet. Aber auch die> kunimt vor. Und zwar bei keinem ge- 
ringeren als J. 8. Bach, aus dessen KhytJuuopoeie ja mehr als aus allen übrigüu 
tür die griechische Metrik zu lernen ist. 

Die Tetrapodieeu »eiues D - Dui l'raeUuliuiu im wohltemp. Clav. 2,5 sind 
tbeils iambiscbe, 

theils daktylische 

Beuie verbindet er zu einer Periode, wtlehe wir nach antiker iNoroencla- 
tur ein episynthctibehcs Tetrametron S. 135 zu nennen haben: 

Durch eine den beiden Tetrapodieeu gemeinsame Taktvorscichnung 



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120 AriBtoxenus riiTthmisdie Elemente | 60. 

12 

In der das Vorzeidien C sich auf die dakfylische, ~- auf die troebneiscbcCian- 

bische) Totrapodie bezieht, zeigt Bach an, das8 die daktylische Tetrapodie (C) 

dieselbe Zeitdauer wie die iambische hat Em jeder einigermasBen er- 

fabrcne Ciavierspieler wird die> in ho uug»'\V(jhulii!hrr Takts eh n-ibung gehal- 
tene Praeludiom ohne Schwierigkeit, selbst ohne viel zu rcflectiren, richtig vor- 
tragen k<(nnen: er wird die {Reiche Zeitgrfi«>e beider tetrapodiaehen Takte, 
genau wie Bach es Tarschr^bt, das eine Mal in vier daktylische, das andere 
Hai in vier trodiaeische (iambische) Versflisse so ^thdlen, dase anf den dak- 
tylischen VersAiSB genau die nftmliche Zeitdauer wie auf den iambischen kommt. 

Lassen wir aus dem Bach'schen Praeludium alles Ungriedilsche (die hsl- 
btrten Chronoi jirotoi), aueli den Vortakr (inu>ik!U. Hhythin. seit Bach §lS2tf.) 
zur Seite und umelu ii wir die ii.iehsche Periode durch Binfühmug gonii.'«chier 
Zeiten (o))cn § 14. 15) der grirchiM'hen confonnor, auch wenn das Bachsche 
Melotf dadurch verlieren sollte, so lauten jene Perioden: 




Wie diese beiden Perioden geschrieben ^d, so halten sie vollstiindig und 
in allen Stüeken das Aristoxenischc Sylbeiifxesetz fest. Obwohl nicht jede Kürze 
der Kürze, nicht jede Länge der Länge, gleich ist (die dea .lambus nicht der 

des Daktylus gleich ist, denn die iambisobe Kflrae ist ■ die daktylisdie 

Ktbne s angesetat), so ist doch die Länge immer das Doppelte der KOne, 
mit Ausnahme der katalektischen Längen; die 4-adtigen Längen der unteren 
Sljnune in den daktylischen Kola sind eirovtcToi |ii(Co>c« und als solche dikatar 

lektischc Dipodieen. 

So wie in rletn Bnchsehen rrH''ludiunj werden wir uns auch fÖr das grie- 
chische M«l ms ilir rhythmiache Sylbenbrv. lKiffenbeit aller Metra, in denen 8-zei- 
tige nüt 4- zeitigen \'i i-sfiissrn vereint sind, zu denken haben. Denn e.s giebt 
keine andere Hhyfhiiii.-ining. in welcher wie <leni Aristoxenisi hen Sylbengesetze 
ent.spreeheu würden. Wir können das. wenn wir wollen, einen Taktweehsel 
der Vcrsfü.-^se neuuen, aber c3 ist ein Taktwcchsel, welcher nur den Xö-joi zo- 



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11. 4. Takt.-fcicheiua. 



121 



ftixAc der Terschiedenen VentföBse verändert, doch ihre Zeitgrtisse gleich sein 
iKast Wir kdnnen uns an einen solchen Taktwechsel leicht gewöhnen,, wie 
denn das Bachsche Präludium einen Überana faaslichen Rhythmus ^nhSlt, mit 

welchem Vie gesagt jeder CInvicrsjtielcr leicht fertig vird und von dem man 
rieh, wenn nifin ihn eininnl gehört hat, kaum <lenken mag, dass er anders sein 
könne. In dei Czernyschcn Ausgabe des wohlt. Clav, iat er freilich verändert, 
ungefähr m, wie sich Ajicl die ^^rmischtcn Metra der Alten denkt. Aub der 
Vergleichung des Haclischen Original-Rhythmua mit dem timefpf'nnnten Khyrh- 
mu8 bei C/erny ItUsst sich sofort erkennen, das« der letztere nii hts uls Trivia- 
lität ist. Man hat, um Apels und Voss' Messungen gegen AriMtoseatis aufrecht 
zu erhalt» 11. einjrewandt: ..Leugnen wir die für den Trochacu»* durch Aristoxe- 

niiH in Ahrt'ile L'^cstellt«- M- ssuii"; J!^» so niacht-n wir die gricliische Toukuiist 
zu der allerlaii'^wciligätcu, die grdncht werden kann." Dn-* heisso ..den Rhyth- 
mus in spanische Stiefel eiii-i huür« u.'' Unseren ChorKiugeru und Dirigenten 
mögen die Aristoxenischen c•/r^^t.a■ia fremder sein als die modernen und im 
vorliegenden FaOe dw ^uiifAo; xoi^c des Bachschen Originale«, aber kngweili- 
ger ist die Oaemysche Umformuqg, eine entschiedene Verbailhonilsinuig des 
origmell^ Bachseben Rhythmus. Mehr als moderne Gesangchore sind Pindar« 
Singer dann gewöhnt, „Äoiplqt f «vdv tM^^w, lu&iXip**. Für diese konnten 
die t^Aibpta niftiXa" nicht spanische Stiefel sein. 

Es wird von Interesse sein, die bei Bach wiedergefundene AristoxenL^cbc 
Sylbenmeesttng auch nach den sonstigen Ueberliefemngen ^ Aristoxenisdben 
Rhythmik zu controUiren. 

Die Aristoxeniadie Rhythmik bdiandelte die Vereinigung daktylischer 
und trochadscher Versfitese in dem Abschnitte von den «j^fuMT«. Die 

AnafUhrung desselben fehlt uns. Inhalten ist uns die Definition: t^'^W"*"^ ^ 

(e^TjiiiaTioft^ vgl. oben § 28. Das Bachsche Praeludium mus.'« uns die fehlende 
Ausführung der Definition ersetzen. Dasselbe Zeit - Megethos sserlegt sich in 
dem daktylischen C-Kolon in die gleiche Viensahl gleich grosser (UpT) (Vers- 
IS 

fOsse) wie in dem iambischen -^-Koton; aber dn jedes (i^po; ist in dem C-Takte 

12 

auf eine andere Welse als in dem gleich grossen —-Takte gcforn^i^, dort ist 
da.sselbe ein Daktylus, hier ein Jambus. 

Ferner verweist die Aristoxenische Rhytlmiik auf den die -rAixi 0/Tjji.a-:« 
darstellenden Abschnitt in der Lehre vom y&fivoc irpwTo; § 12. ,*0v oe -cporov 
>.-^;'!/£Ta! toOtov r TtartTjOt;, cpavepiv eatai iiii töjv zootxAv ay Tjfxartov". Was die 
o/TjfjLaxa -oöixd mit dem yp'jvo; ;tpÄTo; m thun haben, ergiel»t sich in Ermange- 
lunir der Aristoxenischen Ausführung aus unserem Bachüchen Heispiele, wo 
der riirouoö protus in dem iainbiüvheu Kulou einen anderen Zeitwerth als in 

dem daktylischen hat Dort ist der X'^'^ icp&ro« von Bach als t hier als 



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122 



ArLstoxenuä rhythmische £lemeute § 61. 



^ angesetzt, ohne dasa uatürlich der iambiacbe XP*^*^* ::pn)To; das Doppelte des 
daktylSsehen bi Wie öm jedesmal «uere «fodr^at; zu selmien hat, kt nach 
BAcha Beispiele ftedich genug. 

Wir beäiticeu uuii noch ein AribtoxeuiüciieM Fragmuat über die Schemata, 
podiks in seiner dritten Harmonik § 9. Mit den Worten „neiXiv k* toI« irtpl 
f>'ji>{jto'^« noXXd TMa&9' 6p&fx£v Ytvopirwi*' verweiat er geradesu auf einen ans nicht 
mdur erfaaltenoi Abadmitt aetner rhythmbehen 8toidieiB: 

§ 61. Man muss mrissen, dass os die Wissenschaft der Musik 
zugleich mit Oonstaatem und Vanabelem zu thun hat . . . Auch m 
der Bhythmik sehen wir Vieles von dieser Art So ist das Ver- 
Wtmes, nach welchem die Bbythmengeschlechter Terschieden sind^ 
dn constantes, während die Taktgrössen in Folge des Agoge va- 
riabel sind. Und während die Megethe constant sind, sind die 
Takte variabel: dasselbe Megethos z. B. das 6-zeitige bildet eiuen 
(iüiiiscben) Einzeltakt und eine (trocbaeische) Uii»odie. 

Olfenbar bezielien sich aucli die Unterschiede der Diairesen 
und der Schemata auf ein C(nistantes Megethos. Allgemein ge- 
sprochen: Die Rhythmopoeie erfordert viele und mannigfache Be- 
wegungen, die Takte dagegen, mit den denen wir die Rhythmen 
bezeichnen, ein&che und immer die nämlichen Bewegungen. 

Die Sclilusöworte dieses Sataea waren sclioii § öü Gegenstand der II©- 
sprechung. 

Was in diesem Paragri|»hen (in der Stelle der dritten Harmonik) vorangeht, 
davon b«ddtt aioh der letate Satz aof die wtA (talpeoiv Sia^opd: «al xSn [u- 
Yc^ibv {uiv4vt«»v d«4]jioioi7(YvovTai ot icSocf, «otl a^Tu af^Efto; . . . , tibereinatimmcnd 
mit der von Äriatozenna gegebenen Definition dieser it«ifopd $ 27 (ß, 106)* Der 
vorautgehende erste Satz muaa eich denmach auf die x«Td vfli^* ttet^ opii be- 

ieo(Av, (id rif* Tfjc d^wY^S« ftä'^aiAii). 

Anch ^eee Worte werden durd» das Beispiel Badis voUstandig edftntert; 
Alle iambischra irfSc« bdialten dort ihren X^yoc nodxi« ta|Aßw^e» alle dakty- 
lischen ihren X^^oc itofitx&c " r/TjXix'/;; aber während der Xö-^o; rootxö; der y^vt) 
^yftfjiixa constant bleibt, ist das Zcit-Mcgetbos variabeK T>Gnn der Zeitumfang 
des (4-/.oitigen) daktylischen ist bei Bach dem Zeittuufauge des (3-zeitigen) 
iambiijchen Versfusscs als gleich anijcwicHon. Vru\ zwar gcschielit diese 
Gleicbsit*'lhinc dor Zpitgrüssi' unv\\ Aristoxeuue, wie wir hier er- 
fahren, durch die iivtfi] d i. das Tempo. 

Von der d'fisy;-}^ spricht Aris;tu\i'im? in seinem Autsat^ie :tepl toO rf>i»Tou 
ypövou (vgl. vermischte Tischgespräche). Kr sagt: 'Ott i cliscp cioW sxdarou n»v 



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Ii. 4. Takt-Schema. 123 



^ut^fxwv dYcuY'Jii a;:£ipot, arreipoi faovta» »«l ol tiparoi XP^"^ „Wenn das Tempo eines 
jeden der Rhytiimen unbestimnit ist, so weideii siidi die Obronoi protoi desselben 
unl»e8tiraiiit wSn**, (*«&t6 hk w^ifivs» «al nepl tqö« Tp(«^|ioac (£e aoB drei 
Chionoi protoi bestoliendeD iambischen Vevsflisse) ««l «tpl to&c x«i^o^|mmk 
(die «OS 4 GliroDoi protoi bestehenden daklyüsclien). . . . Ka96X«* ^xio» 
8c av Xr^cpftiQ ttrt ^ftpAv <|MMoV cIasIv & Tpoyaio; xiisii ttvoc diTtuY"^; TtfteU 
dhcetpot iy.efvtuv 7:p(6T(»)v Iva Ttvo Xlj'iieTcii e(c ci?>t'5v. „Weuu man Ii. den 'Pro- 
cliaeus in einem bt stimmten Tempo nimmt, so wird man auch einen der an 
««ich unbcgtiminten CVironoi protoi in pincm hfstimmten Zeitwerthe nehmen." 
So »etzt auch i3ach in jeuem rraeludium den Chrooos protoo des Trocbaeus 

(Jambus) als ^ an Om -^-Takte), wibiend er fOr den Chronoe protos des 

Daktylus (im C-Taktej angesetzt hat. 

Es möge hier aueh noch seinen Platx finden, was Atistides in seiner 
Khytiimili (woU anf Grundlage des Aristoxenus) über die ^707^ berichtet: 

'AxoTit ^ ^J^^mii jfinw Td^oe ^ ßpoftorf^c oTov Sretv tAv Uff an enCo- 
^tmt lA^ al dionc moQvrat tt^ht xd« dpo«;. Sia^pwc inderoo ^p^vou td pcrl^ 
i:po9ep(U}i.e8a. Axistid. p. 42 Meibu nmd weiterinn: 

M£Ta(^oX■^l oi ioTi ^'jB'Atxifi ^B;Aä) - iXX'/lw«* ^ dytoY^;- Unter den einzelnen 
■zy'jTM tJ^? \Lf:i^okf^i ist dum von Aristides an erster Stelle die iaexo^oX^j xat 
d';pr;f,'t genannt, an zweiter erst die ixc-o'i^j'fi] >:a-d Xi^ov zooixiv. Die Reihen- 
fi'lK'e wäre wohl die umgekehrte, würde nicht die iMxaßoXi?) x«t ifmffy' die häu- 
tigere sein. 

Hiermit mflssen wir sagen: 

Dem seitlichen Mi^thos naeh werden nach Aristozenns (und Aristides) 
die daktylischen und troehaeischen Versflisse gleidb grosser doreli ihr Sdiema ^ 
verschiedener Kola einander i^eich gestellt dnrch die (^rra^oXri^ dfotTfi« d. L 
durch Veränderung des Tempos, in erster Instanz durch Veränderung der 
dein Chronos protos anzuweisenden Tttjr'J^c oder ßpafttrH)«. 

Boeckh war auf dem richtigen Wege, als er Apels modemisirende Mes- 
sung, die er in seüaer ersten Arbeit auf Piudar augewmidt hatte, späterhin 
ganz und gar vermüf und bloss aw dem rhjtiwiisehen Berichte der Alten 
Anfiidihiss erhaltoi an ktanen glaubte: „Snperest igttur nt senmtis rationibns 
nnmerisve immntata aint tempota, qood fieri vidimns ducta xfaTthmico, quam 
Graect vocant djwfifi.** Metr. Find p. 104. Doch gebnadi es ihm bis zu 
ände seiner metrisdiw Arbeiten an einem soigftlligen Eingehen anf Aristo- 
zenns, dessen Satz ttber die 8jlbenzciten ihm bei sehier Pindar-Arbeit nicht 
kümmerte. Auch konnte er sich von Apels EinHuss nicht ganz frei maehen, 
denn dessen kjkliacher Daktylus spielt bei Boeckh's späterer Messung noch 



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124 



Aristoxcnus rhyüuniachc Kiemeute § 61. 



immer dne gioase BoUe. Es kam hinza, dus Boeckh in AristoxenoB Inter» 

pretation bezüglidi des la^tloi aXo^o; ciuen niemalB von ihm erkannten Irr- 
thum Aich hatte zu Schulden kommen lai<tien. Dnher «leuu zur rMOSbcnbestim- 
niung (1er melischen Hylben jene wunderlichen Bruchzahlen mit dem Zkhler 
7 und 5, „cui ritf px.sei|ueudae ipse Apollo impar sit" G. Il'-rinarm ..d<» <']»i- 
tritis doriis dissei tatiu 1824 opusc. II. 1U5, de mt'trorum quorundam mensura 
rhythmica disötrtatio 1815 II, HH, Aber alle An» rkt unung dem Ingenium 
Boeckh'8, das» er die ( »leichstellung der VersfuBöe durch dKoi-y^l, wenn auch 
gewiäsermasäen nur als Ajüom aussprach! 



Obwohl A. BoCfkh die KikhiniiiL' triebt, da»» nach der Atifisa^r des da- 
iiial.s Irlumi« II Herliner Mu.siker ( iröidaiid l iii umsikalif^oher Vortnig ilie vou ihm 
(Boeckh; iuigegebeufii Sylbeuriiessungen aiiötuhreu k<jnue i^riud. II praetat), 
so war doch das Verfahren der antiken rjejj^öve; (Chordirigent<?n) ein viel, 
viel einfacheres, ala ea nach Bocckh*a Zahlen nothwendig gewesen sein mOaste. 
Laasen wir den antiken rje{xoiv die S. 180 ang^benen Badi'schen Perioden 
nach Anstosenns Vorschrift dirigiren. Er wird jede der BacVschen Tetra* 
podieen als einen no&c «4v9no( fasBen, er wird einem jeden 4 x^pitw. 
im(aict geben in folgender Reihenfolge: 

dvtt» -j',, , -aolZV) yp. , avo) yp, , /.d'tu 'fj^. 

Auf den vierten Chronos d. i. die zweite ,^dot; kommt dor si:Mk<f<' Haupt- 
ictu». auf den zweiten Chronos (d. i. die erste [Idat;) kommt tier weniger starke 
Ihiuptictus, aut" (Ür •_' Illingen C'limnoi, nümlich »len ersten (die erste äpoi;) 
uud den dritten (ilie zweite apoi;) kuaimen XelHMiictus. Jeder ypovo; rootxi; 
ist ein VersfuHS, in der einen Tetrapodie eiu 3-zeitiger trochaeischer (iambiseber), 
* in der anderen ein 4-Eeitiger daktylischer Verafiias. Der tiYCfnöbv hat dem 
Chore die 4 XP^^ sootxol je nach ihrer verschiedenen Dynamik als xp*^' 
Hanptictua oder mit Nebenictus zu markiren. Wie er das gethan, Ist uns nicht 
specieU aberlieferV Ndimen wir deshalb an, er habe das Uarkiren wie der 
moderne Dirigent aiugefiihrt, nXmlich dnrch yeivcfaiedenartige Bewegongen des 
gaiuen Armes: von rechts nach links, von unten nach oben, von links nach 
rechts, von oben nach unten; weiteres Ausholen des Armes beseichnete den 
Hanptictus. 

Ausser den auf die 4 yj^/ii^ mliibit kommenden Hauptbewegungen hatte 
er nach AHstoxenus auch noch ^yj^u^'n ^vDijLoroiia; !6tM stir Bestimmung des 
einem jeden der Versfüs.se zukommenden Khythmus anzugeben. Der moderne 
Dirigent führt die.s durch Nebenbewegungen des Unterarmes aus, die sieh 
jedesmal an die Haujithewe^iTTifjen des Oberarmes aiischlieasen. Nach An.sto- 
xeims waren diese XcIu uImjw rmnif^cu nnthwendig wie die Hauptbewegungen. 
Ihre Zahl bt das Doppelte oder auch das V ielt'ache i^abo mmdcsteus da^ Drei- 



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II. 4. Takl^ema. 



125 



lache, vielleicht auch li.is X'iirfaehi-; voi» der Zalil «Irr HaupU>ewt'gunpren. 
Es mm» also vorgekommen »eiu, dass eventuell auf ji den Chrono^t protos eine 
XtbcubtjWfguug des Dirigenten kam. „TemiiorH auiuio metiuiiluv et pedum et 
digitorum ictu intcrvalla signant quibosdam notto atque aestimant, quot brevea 
(= rcpdsTO'j; ypövo'jc) Ülud «patiam habeat . . . nam or^p-ciov temptiB e»t imum/* 
QuintiL inat. 9» 4, 51. Abo angeoominai, daM der einselne Chronos protoe ala 
Chrono« Sbythmopoilaa idioB m nuurkirai war, erbidt der in einem trocbad- 
eehen Fasse bestebende Gbromoe podikos drei, der in einem dakfyliBcben be- 
etdiende Chronos podikoa vier €9irouoi Bbyibmopoiiaii idioi. 

Die drei Chronoi protoi dee in dnem TrochaeuB beetehenden Chronoa 
podikoa taktirte der Glior*HegeiDon in dner langsameren Agoge, die vier 
Chronoi pfotol der daktylischen in dner zaseheren Agoge, wobd er naeh seinem 

rhythmischen Gefiihle (nach seiher atsftri««) abmass, dass du- di« ! chronoi protoi 
di'8 einen Chronos podikoH zusammen genau dasselbe ZeirMegethos erhiolton, 
wi«' die vier Chronoi protoi dos anderen. Der moderne Dirigent hält bloss bei 
eiiH'tii lanirFsarnrn Tcinpio die N<'h('nb»nv«'trtiiic'*'n (yp*5'^ot h'j*^u.^jT.v.i'jz ^otot) anzn- 
;_'^t li« ii liir iiothiir. l>rr antike Dirigent hatte, wie es scheint, viel häufiger als 
»k-j iiiotierue auch die ypövoi ^'j8(i.0TOilac anzugeben, denn Aristoxeuus sagt: 
~ä; <>£ h Siai(i&I»jA£vo; el; Tlzlm dotftfji^v xoi £(; iXdtTToi ot-stpetrat Psell. frg. 10, 
was am einfachsten und naiuilichsten m interpretircn ist: Ein jeder Takt, 
welcher taktirt wird, wird in eine grössere Zahl (von y^pövot Utoi) und in eine 
kleinere Zahl (von xpivot icottxol) serlegt. Denn die ii^Xt), welche der fiYcpAv 
am häufigsten an taktiren hatte and die des genauen Taktirens nicht entbehren 
konnten, waren die in efmunthetisehen und gemisditen Metren gehaltenen: die 
Pindarisdien Meie gehörten ohne Aasnshme in diese Kategorie und die mebten 
Cantica der Tragoedie nicht minder. Hier war fiOr den ^cft^ das SMuptfeftvt 
rAhn in no^txol and in /p6voi jb'jBpiorotCac £^dch onerUtsslieh, dneilei t»b 
das Tempo ein langsameres oder ein rascheres war. 

Die aus Bach herbeigeMgenen Perioden würden nach der Temunokipe 
Hephaestions nicht za den (ji£tpa (Awnt» sondern an den ii:io6v9ci« gehitren, da 
ein jedes Kolon entweder ein iambisches oder ein daktylisches xoiftvp&v ist und 

die Undf'ichhclt der Schemas nur darin besteht, dass iambisches und dakty- 
lisches Kolon mit einander zu einc^i (i-lrpov ?eTpafj.eTpov vereint sind. Aber 
auch die wirpa jitxTa können bezüglich der Sylbeubeschaffenlieit nicht anders 
als die £-tauvU£T'i gomessen werden, denn e« lüsst sich keine andere Messung 
denken, welche nicht dem Arifstoxenischen Sylbeugesetze wider-^präcln:. Falsch- 
Hcli verniuthcteii wir früher, dass sich beide Arten von Metra, die episynthe- 
tischen und die gemischten, auch durch Verschiedenheit des Rhytlunus unter- 
scheiden müästen. Ein Unterschied ist freilich vorhanden, aber er buäteht in 
der Yersehiedeiiheit der Aeeentnatton, welche bei den episyuthetischea Metra 
vorwiegend eine hesychastische, bei den ganisehtm eine diastaltisehe isL Die 
Sylbendauer ist dieselbe: jeder troehaeische Yersfass bleibt ein trodiaeiacher, 
jeder daklylisehe ein daktjrllseher, bloss der Zeitdaner nach werden die Ter* 



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126 



AnatoxenuB rhythmuche £lemeute § 61. 



schiedenen Tenfüsse durch die {^eia^oXi^ d^fa-ff^« ciuander gleichgestellt Die 
teln^wdlKlwi ComposHioDen luuui nuui dtuwh das VotMlelieii dnes p jUjjkoe «otvrf« 

12 

ihrem Rhythmus nach uul's Genaueste Itestimmeu. Oder auch «o, ciass luau 
die I ctiajjodic iii üvvci dipudische röoe; zerfallt, deren jedeui mau da/» dipo- 
dische Vorzeichen de« ^-jB(jio; xoivi; 

giebt TripodiBche ComiKMitioneii in den gmdsditm Metran m b«adelmeii, 
wird nuui wenig Qelegenheil finden. Wo es beim 'HtktwedMel vorkommen 
sollte, wird alsdann das Voraeichen des buHuA« wttii folgendes sein 

8 9 

TT* 

Indem man sieli dncs dieser den ptvfiijxö; xotV^; augebeudeu Taktvoraeichen 
an dnem metrischen Schema, welches Misdioqgen dreiseitiger und vieraeit^er 
Venffisae enthält, hinan denkt, reicht das blosse Schema besser als alle mo> 
demen Kotenseichen zur genauen Bestimmnng des llhjtiunas ans. Man braucht 
hjjchstene nur noch die Accente der einaelnen VorsfÜsse ansugeben. Dann 
versteht sich alles fibrige von selbst auch die mehr als sweiaeitigc Länge, die 
ja lediglich der leidit > rkombaren Katalexi.s angehört. F.s dürfte die Zeit ge- 
konmien sein, um cinzuBeheu, da.ss die durch Voss uud Apcl bi'liobt gewordene 
Umschreibung dt'r antiken Versscliemata in modi'rnc Notenwerthe eine blosse 
Spielf^roi i?t, ein Dilctfantiren, das die wahre wisseuschaftUclie Kinsicht in den 
ba( livdlialt, wie er uuu einmal ist, nur erschwert, aber nicht im Mindesten 
erlcicltti'Tt. 

» Als Iteispiul eines gemischten Metrons diene l'ind. OL 1 stroph. 

1. "Aoictov [jL£v j'jojp, ö oe I /p'jao; aiööfxtvov ziüp, 

2. ixe Itnr.piT.n | vuxtl [).fj(iwo^oi e;o-/_a rXoyTo-j, 

3. 61 oaeSr/a "jiiyji^ \ ü.oz'xi 'jO.ov T^-0[^, \ (xt^x£t' ölKwj T/Ar,tK 

4. dl i/j D'jiAJrvÖTepov dfxi- | pot cpatwov aa-pov ipf^- j [la; oi' aiöäpo;, 

7. oo(pdiv |jirjTUs8t «eX^ielv 
%, |jidx«i(>av 'UpoNOc iorlav. 

5. j."^ ±^ ±^ X I X'-'x^^^i 2 l^^i^^x^^x 

5. X>«^XV>XV/X>-' l'i/Vi./N./XXWX 

6. v^tl^v^^./^v/WXV^XWXWX 



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II. 4. Takt-Schema. 



127 



7. 'i'— iv/xOs-zSi/X 

8. I^KJSJ 1. 

Ein «IIB 3 Trocbaeen bfisteheodee Kolon bfiiist nach der Teminologie 
Hephaeatioiis (s. unten S. 131) ein bnefaykatelelttiBelies Dimetron, d. L ein 
Kolon WB 8 Dipodieen, in velchein der letete Ymfins nidit dnrdi Sylben 
awipedrflckt ist 

— — — w 
Dipodie. Dipodie. 

Wir mOwen audb Kokn Sa and 4c ^ «Kionplicet und -i^ac Sc* dtHpoc 
unter dieae Kategorie dlilen, d. b. in ihnen nieht tripo^ache Kola, sondern 
tetrapodisdie Kola, am Ende mit einer FWise erkennen. Alle flbngen Kola 
der Strophe sind klar genug und bedftrf«i kanm einer anderen Exiftutenuig, 
als daw der Anlangsfoss der dr^ leisten Kola: 

wie der Än&ngsvanfuss in dem Husikbeiqpide des ÄnonTmiis § 104 oben 
8. 44 sa ÜMsen ist, in Reicher Weise auch der Anfangsfiiss des Kola la: 

'Api-. 



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128 



Aristoxenus rhythmische Elemente. 
Wie im Wasser die reinste Kraft, wie von kMfiehem Kleinod 



Dichte 80 begebt wie Qold, welches das nlohtliche Dunkel eiknchtet : 




alsoschaue, liebe»Herz,will8tduSiegeb*'singen, atet^ hinauf zur höchsten Höh ! 



An dem weitem HimmAi* . zi l - rc gUbutt so mild kein an-(K- ror Stern 





- -1- 
— 
— ^ 


n • — 1 t 


« 1 


^ 1 — 

^ -i 

— • — i 










• — • — p 

1 U 1 






wie die Sonne strahlt, 



f— f 



1? — r 



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II. 4. Takt-SehenuL 



129 



und kein audrer Sieg so herrlich glänzt w ie der Sieg Uly m-pi - as: 



I u 

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I ^ 



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— u 



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von dannen der viel - er - sehnte Hymnus auf sich schwingt 





1 ^ ^ . 

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i . 

t; 

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— * —ß — ß 

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sang 



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j 



Ero-noe Solm sn i»d • sen wir dem gastlichen Heerd 




• Ii - gen Freundes Hl - e • ro nahn. 




Artiioi«BVS Mtfik «. Rbjrthndk. 



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ISO 



Aiistozenn» rhythmiacbe Elemente. 



Bie ungemischten^ gemischten und episynthetisclieu Metra 

nach Hephaestiou. 

Nach BefhaMGon besteht für die VersfÜase em TieriiMiheB Genoe, von 

denen fiiii jedes mindestens ein zweifaches Eidus hat Die vier Gtonö unter- 
scheiden sieh (iureh die Anathl dei* Chronoi protoi des Versfusses, die Eide 
(Unterarten) durch dasjenige, was Arißtoxenus „Antitliesis" nennt. Als oberste 
Kateg-orio erhebt sich über den vier Oene noeh diejenige dor zwi-ifacheti Anti- 
patheia. ;^a'uaimt die erste und die zweite Antipatheia (primäre und secuudäre 
Yersfiisse). 

A. Primflre VenfOflse^ V. der entan AnttpaHieia. 

L Oenos der 8 zeitigen VersfAsse: 

1. Entes Eidos: 8 zeitige Trochaeen, 

2. Zweites Wm: Sseitige JftmheiL 

n* Genos der 4seitigeii Versfflese: 

1. Entes Eidos: 4seitige Daktylen, 

2. Zwtites Eidos: 4Mitige Anapaeste. 

B. Seoundäre Versfüsse, V. der Bweiten ATi^pft^^fiffi^^ 

in. Genos der 5zeitigen Versftlsse: 
Paeone, Bakehien. 

IV. Genos der Gzeitigen Versfflsse: 

Jouici a majore, Jonici a minore, Choriamben. HeUodof tandnach 
ihm auch H. statoirt noch ein Mdos der Antispaste s. tu 



A* Metra der ereten Aotlpatbela. 

Uagemfeolite SynaFtetlka. 

Ein Metron, dessen Vcrsfüsse ein nvd demselben Eido-s jingehören, hei»*st 
ein Metron monoeid^^s, d. i. Metron de&aelben Eidos, gleichiiirmigea Metron, 
auch Metron katliaron (d. i. luigemiächt). 

Efleksichtlidi seines Auslautes ist ein Metron: 

akataloktiseh, wenn das Megethos eines jeden Versfusses yidlstindig 
dureh die Leids (Sylben) auegedrfickt is^ & B. das trocbaeisdie Dmietron 

^ w_ _ I 
katulektisch, wenn ein Tbeil des. aualautenden Versfusses fehlt 

— \^ — \J — w— I 

■ _ -• 



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11. 4. Takt-Bchema. 131 

bracbykfttalektisch) wenn dem Aualante ein ganaer VenftiM ftlilt 

— \^ _ ^ _ C/ I 

Bei den unvollständigen Metreu Ii i Ii r tatweder eine Pause statt (dies 
tiberlii'fVrt Ari.stidt .s p.40M.), oder es tritt wi»- iu den Hymnen des M«'>«omedeg S. 19 
tur die letzten Sylben eine die Zweizeitigkeit übertsclireitende \ ciiaugening ein. 

UngemiflOhte AsynarteCa. 

Eine Kfttalezi« kann aber nicht bloes im Aitslautie, eoDdem auch im In- 
laute dea Metrons stattfinden. £^ «olchee Metron vird yon Hephaestion ein 
aSTnartetisches genannt, und zwar» wenn die Ffiaee desselben demselben 
Eidos angehfiren, aHynartetiscbes monoeid^s (kathar6n). bt ein solches 
lletron im Auslaute katalcktisch, SO hat es ;nvei Katalexen, eine inlautende 
und eine auslautende und heisst daher dikatalektisch Heph. 16,14.15 z.B. 
das einlache Metron, darcb doppelte Kataiexis aus dem heroischen entwickelt: 

- N'^Üe« ot Mouoi)« I o6x i^xi^ixtsevn, iptXot. 
das dikatalekliBche Tetrametron trochaikon (jedes Kohm brachykatalekÜBcb): 

X^-'Z^ ZZ \ J.^ 1.^ L JL II 

V J \ i \ _/ > 1 

Aeüpo OTjÜTC Mota^t | yriacov Xt'Oioai. 
das dikatalektiiicbe l etrametrou iambikou (jedes Kolon katalektischj: 

findet dagegen eme inlautende Katalexia in dnem akatalektiscli aus- 
laatendem Metron statt, soheisstes „prokatalektisch** (welches YOrn, aber 
nidit hinten dne Katalexis hat), a. B. das profcatalektische Tetrametron 
trodmikon: 

• - ' - ^ ' 

Ibrt {tot xctXd ndtc | xP^iö^^t« dv%£{Mtsiv 

Die inlautende Katslexis kann auch so fallen, dass .das erste Kolon eines 
asjnartetischen Metron einem anderen G«ios als das sweite angehört; dann 
kann man dasselbe nicht mdir monoeides nennen, sondern dfirfte hödistma. 
mtmo genes sagen (dasselbe Genos, aber venchiedene Eide). Aber der Temnnns 
ftai^nartetisehes monogenes*' ist bei den Alten nngebrlncUich. Man nennt 
ein Metmm der in Bede stehenden Bildung ein asynartetisches antipathös 
der ersten Antipatheia s. & das iamhische Dimetron mit ehrar inlauten- 
den Katalezis: 

— x^J. — i-^J. I X ^ s ^ X Heph. 15, 9, 

9* 



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132 Amtoxcuus rhythmische Elemente. 

^ J-^^J Ji^ j. 1 ±>>Ji.^AÄ Heph. 15, 10, 

Rückblii k: Besteht Uaä Kolon aus Vorsfussen desselben Eido», ao Lei.-«ät 
es katharon oder moooeides, und swar ayuartotikon (der Kwne nnr bd Ia- 
tcinwK nCKmexxua"), wenn «e keine inlautende Katnleads hat 

— O — W — <^_\-/ 



'm' — »^ — vy — V^ — 

WW — — Vi/Vi/ — ow—, 

asynartctou mouoeides, wemi es bei Verafüasen desselben Gcuos eine 
inlautaide Katalcids hat 

— — 

asynarteton antipathea enter Antipatbeia, wenn durch die inlaatende 
Kataleria ami dem Kolon monoeides Yeiachiedene VerafÜBBe degaelben Genoe 
ent»tandtti iind: 

"w* — \y S.^ 

\J ^ — \J \^ — ^ \J \^ — 

Hat (las Kolon Versfüss«' vcrschicdciKT Gene m\ seiiicu liestandtheilen, 
8u uemit iiiHU das eine Mischunt; luiü das Koluu Kelhcr ciu gemischtes. Ins- 
besondere sind CS die Ver5«fiis,<(' dt r ersten Antipuiheia, die 3zeitigcii und die 
4 zeitigen, welche eine Miaciiung mit unander eingehen. Die Art der Mischung 
ist hier eine zweifache: 

1, Das Kolon hat mt^hrere auf einaiuln- folgende 4 zeitige Filss'': ini-hrere 
Daktylen oder mehrei« Aiiapaeste. Dajui hi inst es gemischte.s Diiktyükon 
oder gemischtes Anapaistikon, beide mit Gt sammtnamen Logar)idikoii : 

_f ^ w X w jT \> logaoidipch»"» Daktylikon, 
o ^ j, w- w w z ^ z lopar)i<li{iche.s Ajiajiaistikon. 

Geht abrv (l<>r dreizeitige Fuss iiu ljreren viei'zeitigen voraus, m wird füi" das 
Kolon von llephae«tion der >iame aeohschcs Daktylikon gebraucht 

x\j ±y^\f i acoliscbes Daktylikon; 

analog kommt bei Tricha p. 279 W . auch der Name aeoÜBches Anapaistikon vor, 

während Aristides p. 51 ISIeib. beide Arten der Mischun^r, die mit anlautendem 
Trochaeus (bei folgenden Dalaylt-u) und mit anlautendem Jambus (bei folgen- 
den ATm|>H«>stcu) log^idiftches Daktylikon nnd logaoidisehes Anapaistikon zu 
nennen scheint. 

2. Soweit ist die Theorie der Metriker einfach genug. Wenn aber durch 
die Mischung nur Ein 4aeitiger Fuss mit mehreren Sxeitigen vereint ist, so 



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n. 4. Takt-Schema. 



133 



wird die i'heorie, Mcui^^i^tciis bei Hepba^ßtion, cuiin>licirter. lu den aus dem 
älteren Systeme Varros uiiU Caesiitö liassus fliesseud»'!! Darstcllungeii begegnen 
wir zwar auch eiuer Aulßisäiuig, nadi wclclrer Mischungeu dieser Art uach 
4aeitigeii und 8 zeitigen Ftfssen gemessen werden vgL die Hetrik. 

Abt i uucli dem durch lleliudor züx Geltung gekommeneu Systeme <d»'m 
auch Hephaestiou sieb angcseblusseu) , werden »olchc Miscbuugcu nach Usyi- 
bigen VosfdMen gemessen: dem Jomcus a majore, Jorncns a münore, Oioriam* 
btts vnd Antispast, wobei fUr die Jomd eine Lieenz statnirt wird, wdehe sie 
im (Sebrauebe der mDgemiachten Metra nicbt liaben; analog auch ffkt den m 
ongemisebten Metren äber|iai^ mcht verwandten Antispast: 

für die Licenz ^ — 

für die Lioenz ^ 

filr \^ w die Licenz C G . 

Indem man diese liceuzen statuirte» hatte man eine ausreichrade Nomenelatiir 
f)lr sUe Miflcfanngen mit nur Einem 4zdtigen Fasse: doeh mfissen wir wohl 
bedenken, dass ee rieb bei Uetiodor und Hefdiaestion nieht mehr um die AjÜt 
mische Bedeutung der YetsÜBsse, sondern bloss um das Sylbenschema handelt. 

In der folgende Uebersieht der Ansehungen mit nur Einem vicneitigen 
Fusse unterscheiden wir die thetiscben mid die anaknviBchen Mischungen: in 
jenen beginnt diis Kolon mit einer Thesis, in diesen mit einer Anaknisis. Zur 
leichteren rhytli mischen Oricntirung scheiden wir, wie es in unserer Musik ge- 
schieht, die Auakmsis v(m dem Folgenden ab und ^rcwinnen dann daktylisi-hc 
Versfüsse statt auapaestischer. So erhalten wir eine übersichtliche Nomeuclatur: 

Thetische Misehungen: 
* 1. Ghoriambikon ±>>^>^ i\j j. 

V . J 

2. Antispastikon i j. 

3. Epitihoriambikon j.'-j j.^ j.^^ j. 

Anakmaische Mischungen: 

1. Jonikon apo meizonos \^ j.^^ j. 

2. Epionikon ap' elastionos Cx^z-^-^-t^x 
8w Epionikon apo meizonos w^^xwz^^^^. 

D.h.: Mischungen Eines Daktylus mit Sseittgen Vasftssen, dea Daktjrlns 
an 1. oder Z, oder 8. St^e, entweder ohne vorausgehende Anakmsis (in den 
thetischen IBsdiongen) oder mit voransf^iender Auakmsis (in den anakmsi- 
sch^ Misehungen). 

Jede durch die Vorsatzeylbe „epi'' gekennseiehnete Mischung (Epidioriam- 
hikon, Epionikon ap' elassonos und upo meisonoa) ist nach Hephaestion dne 
„kat* antipatheian mizis*', jede der drei anderen eme „kata sympatbeian mixis", 
nach dem von den atten Metrikera aufgestellten Grandsatze: 



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184 



Aziitoacenm rhythmiwihfi Elemente. 



Beide Jüuki sind mit dem iHtrochaeus verwandt, mit dem Diiambu» 
nicht verwuiidr. 

Umgekehrt ist Choriambus und Antispast mit Diiambus verwandt, mit 
Ditrodiaeiis nicht Terwendt 

Dieser Grundsatz hat seine Richtigkeit für die ioni«cheu VtTäifüöä''. sofern 
dieie Be»tandthcile wirklicher ionischer Rhythmen siud ; aber er ist durcbüus 
lUueeriich in dem von den Alten statnirten Joiüona der daktyfischHmhaeiachen 
Miachangen, ebenso hat er flir Choriamb und Antbpast gar keine Geltung. 
Nlchtedeetoweniger madien die Metriker diesen Gmndsati mm EintbeUang»* 
Prineipe fBr die gemiBehiai Kola, indem sie dieselben in Kola bomoioride nnd 
Kola anüpathe unteneheiden. Die Logaoidisdien Dak^lika und Anapaistika 
werdon von den Metrikem unter die Klasse der bomoioeide Metra geafthlt Di» 
Classifikatiou de r hitmrif» idr« und antipathe (kata sympatheiiin und hiV nnti- 
patheian niikta) wird schwerlich früher als seit Hcliodor datiren. Mit der Ein- 
theilung in Vcrafüsse der ersten und der zwotfcn Antipathela haben diese kat* 
autipatheian mikta sichtlich nichts su thun. 

Verliert in den Mischungen der ersten Antipatheia der hier von den Me- 
trikem statuirte ßsylbige Versfuss die ursprungliche rhythmische Bedoutunfj^, 
so gilt ein Gleiches auch für die hier von den Mctrikem aufgestellte Theorie 
der AjKtthef-en itlcs AnslRute**). Was dem Kliytliiniis ntu-h katalekfi.selu'r Anß- 
gnng ial, wird hier uU akataU ktiHeher gef:i.-ist ; «Irr dem Rhythmus naeh Uniehy- 
katalektische Ausgang heisst bei Hephaestiim kufalektisch; der dem Rhythmus 
nach katalektihche heisst bei liephaestion biachykutalektisch. Die Logaödeu 
dag(^cn werden bei Hepbaestion bczügUeh ihrer Apotbesis dem genauen rhyth- 
mischen Werke nach benannt: 

— — — — akatalekt. 



tbyperkataL] 



— — — katalekt. 

— ww — w — [akatalekt.] 



.tM»s./^«^v^»w braebykatalekt 
w _ [katalektisch]. 



Genule so \vii> 1». i den l-t^fiödischen l)aktylika hätten die Theoretiker 
auch bei den Choriambika die Apotliesiä buneimen müst^en. 

Aiynartetlgohe Minohnngen. 

TITie Hepbaestion swei Arten der Miscbungen untersdietdeti bomoionde 
nnd antipatbö (d. L kata sjrmpatheian mikta und kat' anttpatheian mikta), so 
nimmt «rauehftbr die Asjnarteten eine Klasse der bomoioeide nnd eine Klasse 
der antipnÜiS in. . Aach als Asjnarteten haben die letsteren (die antipafbe) nicbta 
mit dem Unteracbiede der VersftlsBe erster und zweiter Antipadieia m flinn. 



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n. 4. Tkkt-Sehema. 



185 



Hat du mtttioii bomoioeid^s und antipath^ «me inlantende KatatelexiB» 
00 ist es ein Asynartetou homoioeid^ und Asynarteton antipathös. Der Unter- 
Bchied beider Arten von Mischungen ist selbstvcrstiiudrioh bei den AfljnavtetSn 
eben so äusserlich und bedcutungf«!oä, wie bei den Synartetik^i . 

Da sich die Apothesen der gemiöciiten Kola in der Xoinenclatur tli r ^le- 
trikcr verschoben haben, so muss diese falsche Benennung natürlich aiu h bei 
den gemischten Asynarteten sich gelkud maciien. Das Metron Priajieiuu 

i — xv^^i.'-'-; ! 1 — j. j. s H( ph. 10, 

sollte, da sein erstes Kolon seiner wahren rhytlimisohen Bescliaffeuheit nach 
ein katalektiHchcs i.st, ein dikatalektisches Asynartotnn sein, aber die Metiiker 
sehen das erste Kolon als ein akatalektisches an (v)_d. oben S. liVl) und so wird 
das Priai)eioii in die Klasse der nicht asynartetischen Metra gezählt. 
Dagegen die Metra 

i / w X n i X - J. - ± ^ lleph, 15, 17, 

und 

(ivopec, itp^ayete tov «rtOv | s^fjpVjfi.aTi xaiv»u, Ileph. 15, 14 

werden in die Klasse der dikatalektischen Asynartete gezählt (Heph. 15, 14), 
denn beide Kol» irelten den Metrikem aU katalektiBche (sie sind eigentlich 
brachykatalek tisch ). 

Dagegen werden die Vc^rbindungen eines choriambisehen Dimetrous mit 
einem trochaikon zu den Asynart<>ten gezählt Heph. lä, 12, 13 

^s^s^^v-z/w / I J. ^ J. ^ J. ± 

Da hier der Choriamb mit den (im zweiten Kolon folgenden) Trochaeen 
verbunden ist, so gehören die beiden nach Hephaestion in die Klasse der kat' 
aiifii>atheian mikta. Aber weshalb hcissen sie As}TinrtetaV Wohl nur deshalb» 
weil hier dieselbe iambisch-trochaeische Aufeinanderfolge 

\u — \j — _ \^ _ >^ — — 

wie in 

Splsynthetiflehe Metra. 

Während bei einer Miscbtmg in ein- und demselben Kolon {-zeitige iind 
4-zeitige Versfüsse vereint sind, sind bei einer Episyuthcbi^ die zu einem Metron 
verbundenen Kola ein jedes nnpremiseht, das eine aus S zeitigen, das andere aus 
4-aei%en Venfilaaen. Beispiele epiuyntiietiMlwrlletra nach Hephaestion 15,1—7. 



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136 



AristozeniiB rhythmiodie Elemente» 



Nr. 1, s^j.'^'^j.'^^x ~ • j. ^ j. j, Z> 

TpfT^ui-^'^iY; Xaf/[/.o£ 1 ■f^'i^^'i TOI ^eXoTov. 
eyooiuov' Itixte oe u-^.tt^P | ixpitwv 'Vj^iTjai;. 
Nr. 2. — — -£.^^x'«>^l^^-i^xG 

O'jx cb' ÖU.&C Ö-i/./.Ei; d-aXö^ yo'J'jr, ' f-ifiZt-iK -jap t^SiJ. 

Nr. 8. I _ o — V-/ — — 

Nr. A, — \J \J — \J \J I — v> — — 

iti Awofiiv^ tA I TvppcnL^ai 

Nr. ^, ^ — \j \ — — — 

Nr. 6. — w w — w _ _ l — vw* — — \ 

yaTpe raXato^iivoi-v 4vSpd>v dcaroäv c^XX^/ye ravToaÄ^«». 
Nr. 7. — — ^ — — | — — — — 

8; /ai Tjrel; «■jf'"^* TteXire' Tixeto SovÖdv 'ASidvoMi» 

Eh ist möglich, dasa in dicsoa episynthetisch»'!! Metren auch je zwei der 
sich durch Vei'schit'denheit der Verafüssc s( hnrf abscheiilenden Bestaudthcilc 
einhoitüchf'H Kolon gebiltiet hahon, z. |{. in \r 4 ein pentapodisrhes Kolon, 
ebenso in Xr. 5. Analog auch in Nr. «i und 7. luiinerhin aber lassen sich die 
Beatandtheile auch als solbstständige Kulu fassen. 

Hpphnostion rechnet sämuitlicbe l'lpisyntliptn unter «Iii- Kla-^se der asyu- 
arteJisclieu Metra. Die Asynarteta der liciilen übrigen Kategoneen, die unj^e- 
miscbten und gemis< hten. wnn n ijäuautlieh solche, welche im Inlaute l ine 
Katalcxis oder BrHt hv kutülcxiö hatten. Dies weisst darauf hin, tlaas auch die 
dritte Kategorie, die £pii<ynth('tu, da äie Asynarteta genannt werden, eine inlau- 
tende Katalexte oder Brachykataleds haben^ also s. B. Nr. 1: 

Nr. 3 eine inlautende Brachykatah xis: 
ebenso Nr. 4: 

Nur eines der von Uephaeation aufgeführten Eitiayntheta aeheint im In- 
laute keine Katalexia za haben, nämlich Nr. 2, vielleicht auch Nr. 5. 

Hetr« der iweltea AatlpatlieUu 

I. Metra 6>aeittger Veraffiaae: 

louika apo meizonos j. — ^ ^ x — ( — ) 
'HpTjv roTe tpoatv lleph. 11 



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II. 4. Takt-Schema. 



187 



lonika ap* elaasonos v s./ x — w z (') 

Tiie M Aoat «pox^nsicXoi H^. 12 

ChoriambUtt .\./v^z«>v/>^z — 

üewd pJhi ouv, InvcL xopdlosct Oed. B. 488. 

Vthex die Aeecmtnaticni und den Grebraaeh der ungeuusehtcn 8-«aitigen 
Ohoiiambika s. oben S. 74. Am häufigsten sind die lonika ap' elassonoe, sei» 
toier die lonika apo moHmoe; die Cboruunbika als angemischte Kola 9-idtiger 
Versfttese kommen nur isolirt unter anderen Kola dee ionischen Rhythmus TOr, 
niemab in eontihiürlidker fihyüimopoeie, s. a. O. 

Unter die 6-zeitigen YersfOsse ionischer BhTlhmiis) werden die gleich 
grossen Ditrochaeen eingemischt: 

I)fr lonikog apo meiüuuüis uinl mit Aon 1 »itrochiUieu so gemischt, dasa 
statt sciutir wie Ilrphuec>tiun sagt, ein fuiit'zeitigor l'aiuu tritos »ubstituirt und da- 
rauf folgend ein Epitritos deateros augenominen wird 8. 71. Mau nennt diese 
Art der Misdiung mit einem eigenen TerminuB „Anaklasis'S das Kdon in wel- 
chem dieselbe vorkommt ein „anaklomenon" 

dzi (Aoi Öovclv Y^voiT • ü'j yäp ols aXXTj 

>-/ W X W — S-/ X — W \^ Z — 

' V . ' \ 

Nach dem Schema dieöer gcmißchtcu luniica fi^te man die oben S. 132 
aii^-^ofilhrten Mischungren der ersten Antipnthria als p;e!nischt<' loiül: l '"It-r Epio- 
iiika ap' olasj<ono8, indem mau auch für dies«' dii> Freiln it <icr SulKstitution 
eines .")-/.< itii;( ii Paion mit folj^ondem Epitrito« dcuteru» uimahm d. h. die eine 
Länge de» lonikos ap" cluööum»» vvei*de in die Kürze um|<rewaiidelt 

Unter Aiuiaiutiu derselben Freiheit, die ertitc Länge dea luuikoa mit der 
Kürze zu vertauschen, fiihrte mau nun auch die auakrusi^ch anlautenden 
Ifiiscbmigeii der ersten Antipatheia auf gemischte lonika i^io meiaomes mrflck 
(vgl. oben a 183.) 

Wie man die anakrasisdi anlautenden Uischongen dv ersten Antipathda 
als lonika und E^ionika sehematiBirte, so wandte man auf die tfietiseh anlan- 
teoden das Schema des Choriamb an und nannte sie gemischte C%oriambika 

nnd Epichoriambika. 

Auch die thetisch anlautenden Mischungen , welche an zweiter Stelle den 
Daktylus liatten, wurden in dem von Varxo vertretenen bysteme als Jonika 
gemessen: 

- ' « ' «. / 

indem der aulautfude Spoiideu.'* zusammen mit dvr Länge des ersten Daktylus 
als Molosöus gct'asst wurde. Mau ging also, indem man das mit einem Molos- 



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138 



Aristoxenna rliythmische Elemente. 



803 «nlantende i4»uMhe fcicheaiA mt die trocbadseli-dftklyliMhen Miadmogen 
ttbertrqg, von der qionddschen Form der von Hermann sogenannten Basis aas 
und musdte dann für die trochaeische, iambiache oder pTrrhicImche Form der- 
adben die Licenz des Wechse ls drs Molossus _ — — mit den Versfüssen 
— w— und ^ und ww— als Gesotz annehmen (d.li. der Molossus wech- 
selt mit dem Creticus, dem Bakchios, dem Anapaest) 

Hit dieser Yarronisehcn Messung kam man, wenn mnn aiuli rs die Vers- 
flisse nur dem finsaerlicheu Sjlbenschema uaeh^ nieht dem rhythmischen Werthe 
nach zu bestimmen sicli begnügen wollti*, ebenso gut und besser aus, als wenn 
man für die vorstehendijn Kola die anti^pastische M^ssnncr annahm. Hdiodor, 
diT die antispaHHflrh»' Messung aufbracht«', hat .«ieli diiuiit um dio Theorie der 
Metrik schlecht venHcut gemacht. Handelt es sich Idoss um eine Nomeuclatur 
dos Syibenscheinaü, nicht um den Rhythmus, so darf man die choriambische, 
epichoriambische, ionische, epionische Messimg der beti'effendeu Kola bequem 
beibehalten. Aber mit Heliodore antispastischer Messung ist es anders: sie ist 
aidit bequem, sondern mQ^chat unbequem, da sie m Tiden I^en mit den 
Gacauren in Widerspruch steht, z. B. 

Heliodors Ei-findung der nnttspastischen Messung hat Hephaestion ziun 
Schaden der metrischen Theorie adoptirt: sie nniss aus ihr wieder entfernt 
wert^en, wie dies schon G. Ilermaim rtnfl ihm folj^^ciid Boeckh gethan hat. Den von 
Varro gehraucliteii 'riTiniiuis ioiiisrli für (h'w schlechte Heliodorisehe Antispastikon 
wolleti w ir nicht wieder ciidiihreii, duch werden wir für diese Mifchniig den Termi- 
nus „Glykoiieiseht' Mischung" anwcudeu düii'en, vom glykuucischcn Dimetron bis 
zum glykoneisehen Trimctron, und wollen nicht minder für die glykoneische, wie 
die choriambische, cpichoriambischc, epiooische tmd ionische Mixis die Apotheris- 
Temiinologie Hephaestious nach dem B. 134 Angegebenen berichtigen. Audi He- 
phaeat, 16 wird „Glykoneion" in einem weiteren Sume (fttr die polysdiemap 
tistiadi mit dem Olykoneion an Twtauschenden Schemata a. B. das Epichoriam* 
hiktm) gebraucht Doch ateben wir von unserem früheren Vorschlage ab, von 
einem errten, aweiten, dritten Glykoneion im Binne des Epichoriambikon, Anti- 
spastikon und Epichoriambikon Hephaestions zu reden. Wir behalten Hephae- 
stions „Cboriambikon und Epichoriambikon" bei, ebenso auch das Epionikon 
apo meizonos imd up' ela.ssonos. Das in dieselbe Kategorie gehörende Jonikon 
..mikton'* kennzeirhiief sich durch diesen Zu.Hatz als eine Mifchnnp' der ersten 
Antip:iflieia, (hl wir fiir die wirkliche rhytliini?ehp Mischunrr (h-s Uzeiti^'cn .To- 
nikus mit dem 6zcitigeu Ditruchacus (der zweiteu Autipathcia angehöhg) den 



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IL 4. TaktpSahema. 139 

von den Metrikerii überlieferten Terminua Jouikon „anaklomcnon*' in Anspruch 
nehmen. 

n. Metra 5-seitiger VerftfflBse. 

Das ganse Oenos nennt Hephaestion das paeonisdM^ weiches 8 Eide habe: 
das kvetisdie oder —\/±~.\jj. 

das bakchcL^be \j jl^sj ±^ * 

das palimbakchei^cho — \j ± — oder — j. \j — j. ^ 
DaB kretische soll nach ihm tauglich zur Melopoeie sein, die beiden an- 
dern nicht. I^a« paliinl>Rl<flii imhe kommt freilich sehr selten vor, das bak- 
chfische ist hiiufi;,' {rciitif^^. denn die Docliuiicii koniK'n nach Aristoxenus nichts 
anderes alä katal« ktiscln' hakclieische Dimetra sein (». S. 46. 47), während sie 
Hephaestion (mit H«'iiiHlor) als antispastischo Metra ansieht, eine Auffassung, 
die gerade so yiel werth ist, wie die autiüpuättiöche AutVatMung der Glykoneien. 



"Wir hiiltci) (las llcjjhai ftioneisclu' Sysstoiii der Metrik, mir Ausnahme aller 
Von ihm uu- llcliudor ad«>ptirt«'n antisjjastisc^hcii Messungen für durubaus gt;- 
rcchtfertigt, öpecieU die Hephae'^tiuncisclien Sylbenmessungen, dass jede Kürze 
(ine cinzeitige, jede Länge eine zwt-izettige ist. 

Die eine Ausnahme eriektet dies Sjlbeiqpeseti hi der Katalexis, in 
welcher wie Aristides sagt, eine Panse dntritt, oder wie wir ans den aotirtcnai 
Hymnen des Mesomedes wissen, die Katalens-Sylbe «ne Vedängerung fiher 
die Zweiawtagkdt hinaus erleidet. 

Wie gross die Pause oder die Yerttngerung sun mnssi wissen wir jedes- 
mal genau. Aber ob Fanse oder ob Verlängerung stritt, wissen wir im dn* 
seinen Falle nicht genau, ii<t für uns, die wir doch das antike Melos nicht aus- 
zufShren haben, auch gleit h^riilti;;. Die einzigen Uebelstünde bei Hephaestion 
bcsitglich der Katalexis sind die beiden folgenden: 

1. Bei den gemischten IXaktylo-Trochacnn sind rlic Tlpphaef^tioniachen 
Apothesis-Boptimmimiri ti nur für die Logaödea richtig, für die anderen Mi- 
Bchuusren unrichtig, indem hier eiur beistimmte Verschiebung derselben «tatt 
grfundeu hat: daa dem lihytbmus nach akatalektische wird „hyperkntalektisch", 
das katalektische wird „akatalektisch'', das brachjkatalektische wird ,,katalek- 
ttsch'^ genannt 

2. für die inlautende Katalexis der 4 zeitigen und 3 zeitigen findet bei 
Heiihaestion stets eine Yerwedudong der Icatslektisch-daktylischen Dipodie mit • 
dem das gleidbe Sylbenschema darbietendoi C!horiambas statt; 

entfallt nach Hephaestion anch in dem anlantenden Kolon swei „6seitige** 
Choriamben^ obwolil dasselbe tSm dikatalelitisches Dimetron dalttjrUkon ist 

Der wirkliche Choriambus ist ein ezeifiLrer Versfuss (Hephaest. 3) und er- 
scheint ais solcher im Vereine mit ionischen Rhytiunopoüen (vgl. oben S. 74); 



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140 



Aristoxcnufi rhythmische Elemente. . 



w»B HephftMtioii einen Ohoriamb nennt, ist entweder eine kata1ekti8ch>dakty- 
lisdie Dipodie und hat dann einachUesslich der Paoae eb Sadttgea Hegefhos, 
oder dtf Choriamb Hephaestions ist metriadier Bestanddieil einea Kolona wie 

1 ^\-/ ±\j j. , 

eine AuiTaäsung die, wie schon Hoi i kh sah, dem Rhytlimua so wenig wie niög- 
lieh ReclmunfT trfif^. die man ^ieh aber immerhin für die Nomcnclatiir frf'fnllcn 
laiisen kmin. wt>iin es sicli daruiii handelt, nur das betrcrt'ende SyllM-nst ht lua 
™ hestiiniiien. Audi dic.-er ( liuriauibuii mu.s8 ein ßzeitiges Sylbenschema dar- 
Bteiien, da die Küize i;ine einseitige, die Länge das Doppelte derselben ist. 

Aehnlich wie Hephaestion, wenn er katuiektiäuh daktylische Dipodieen 
mit Choriamben verwechselt, macht e& liehodur, wenn er fiinfzeitig paeuuische 
Oretici für dzeitige ^^Bueatf* mit einer Pause erkUbrt Scbol. ad Hephaest e. 13. 

Die zweite Ausnahme erleidet die llephaestionische Regel, dass die 
Kürze 1 zeitig, die Lauge 2zeitig sei, in den unter die Trochaccu oder die Jamben 
eingeoiiaehten Epitriten, welche Hephaeation ftr 7aeitig crldftrtf dem Ariatose» 
niacben Bmdite gemSaa aber nur 6Ueitig sein kftnnen. 

Die einfachen^ zasannuengesetzten und gemischten 
Rhythmen nach Aristides ^(aiDtiUanas. 

Wo aicb Axiatidea in adner DarateUong der Bbjrthmik dea Wortea mu; 
aar Beaeichnnng dea VerrinaBoa oder dea Kolona bedient, da aehOpft er aua 
einer DarateUuiig, wdcbe der Ariatoxoraa mdg^ehat verwandt iat (aua dem 
Auaange, welchen einer der bei Ptolemaeua n. a. aogenannten Ariatoxeneer ana 

dem Werke des Meisters nuuht hatte); wo dagegen Aristides zur Bezeich- 
nung der beiden Hegrifte da» Wort ^uöiaö; gebraucht, da ist seine Quelle eine 
andere. Wenigstens ist der Gebrauch der beideri Worte djis fa.st regelmässige 
Kriterium für die T Unterscheidung der beiden i^uellfn. Die zweite Quelle (B) 
bezeichnet Aristides durch: ,,0l TjfjtTtX^vtovre; tt] iittpiyT] ttewpia t?]v Tz<}i h'i^- 
p.(Tr/'. die andere, auf Aii«toxeuuB zurückgehende Quelle (A) heisst bei ihm 
„Ui jrojplCovrc;". 

Nach dem Berichte der Quelle B theilt Aristides die Ebythmeu in ein- 
facbe (nosttaammengeBetsEte), in zuBammeugesetzte, in gemiaehte Rhyflunen. 

I. Einfache oder unzusammengesetzte Rhythmen sind diejenigen, 
welche Einem Rhythmengcschlechte folgen, z. B. die vierzeitigen 

— <j \j 

IL Zusarn tnenpesetztc Rliythmen mn(\ diejenigen, welche awei oder 
mehreren Bhytlunengeschiechteti folgen; sie sind entweder 

1. zusammengesetzt kata ayaygian um zwei einfachen und un- 
gleichen Versfüaaen, a. B. die aua vn'ei daktylischen Yers^ttseen xoaanunen- 
gesetzten 



r 



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II. 4. Tak^iächema. 



Ul 



— f Jonikos apo vaeaaimos, 
v/W, ..^ Jonikoeap* daasoiKw; 

die aus zwei Versfäseeu des iambiächcu Hhythmeugeschlcchtes zusammeugc- 
aetiten 

vr— , — \y erster Bakcheios, 
sweiler Bakcfados. 

2. Zusammengesetst kata periodon aus mehr als xwei VersflBBaan 
nuaauaengesetst, s. B. die ans S VerafitiBBeii 

v>w, — PiModiakde Bhythnios, 

aus 4 VersfüBseu 

w — , ww, —w, Pr(Modiak6s Khythuios, 
oder aus 2 byzygiecn 

w V- , „ _ Prosodikös Khythmos; 

ferner die znsammengcsctzteu 12 zeitigen Khytbmcn: 

a) Kbythmen ans 1 Jambna und 3 Trocbaeen: 

— \j Trochaioe aip* iambu 

— v./— Trochaiob apo bakcheiiit 

— — \^ Bakchcios ap' iambu« 

— sj^\j^\j\j^ Jamboe epitritos. 

b) Bbytihmai ana 1 Troeliaeas mid 8 Jamben: 

— vv/ — o — Jambos apo trochtta, 
w ww — w— Jambos apo bakdidn, 

w — VNdr— Bakcheiog ap' iambo, 

s^ — sj — \j v> Trochaioe epitritos. 

c) Bbythmen aas 8 Troehaeen und 2 Jamben: 

w— w — enifiwiher (erster) Bakcbeios ap' iambu, 

— v^- w w— einfacher (swdter) Bakcbeios tfö trochaiu, 
w — mesos Trochaioe^ 

— y w— w — w mesos Jambos Trochaioe. 

In dieser befremdlichen Nomendatur erUflrt sidi die Beaeicbnong „Baeb« 
cheios^ ans den vorbergebenden Benennungen des Ghoriambm nnd Antispast 
Die ganw Anschanng, die dieser Messung nach aweiflylbigen Versfttssen xa 
Grunde liegt, hat sdiliesslich die Be^iaeslioniscbe Messung nach isjltngen 
Versfllsseu zu ihrer Voraussetzung, die man in dieser IVtussnng des Aristtdes 
in je zwei 2sylbigc Versfflsse getiheUt hat Auch bei den Metrikem kommt 
theUweise etwas ähnliches vor. 

3. Gemischte Rhythmen sind nach Aristides solche, welche bald in 
Chronoi, bald iii Rhyüimoi aa%elöst werden, wie die 6zeitigen. Aristides sählt 
derselben sechs auf : 

— v«/ — aus einem Trochacus als Thesis und einoa Trochaens als Arsis, 
Jambus als Themtf Jambus als Aiais, 



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142 



AristozeDiu ifaytli]iii«elie Etemente. 



Trochäen» als Theua, Jambus als Arne, 

w \j Jambus ala Thcsia, Trochactis als AniS| 

— C — G Troch. alog. als Thesis, Trocb. alog. als Arsis, 
w — w — Jamb. alog. ala Tbesia, Jamb. alog. als Aieia, 

Die Bestandtbeile dieser I>^K>dieeii eüid also entweder Chronoi d.L Theats 

und Arsif , oder Versfüsse. Im erstercn Falle sind de |^ Chronoi aufgelöst" 
(das ist der Fall bei der Hepbacstioiieischen Messung nacb 4sylbigen Vefs- 
füssen) und bei Aristides drittom Prosodiakos; im zweiten Falle sind sie „in 
Versfüsse aufgelöst" (das ist der Fall m den 12 zeitigen Perioden des Ariftidos). 

Gemischt im Sinne des Aristides ist also dasjenige, was laei Hej)li:iestioii 
•xoivo? heisst, vgl. dessen xoivd xoto oyeatv: was auf zwei verscliiciicne Arten 
in Strophen getheilt werden kann — mit einem Worte: was eine zweifache 
Auffassung zulässt. 

ZusanunengeBetsk im Sinne des Ariatidea ht dasjenige, was bei Hef^iae- 
ation gemischt beisst 

Unsusanunengesetit oder dn&cb im Gebraudie des Äxistides wird von 
Hephaestion xaftapftv oder ifMHostts« genannt 



In dem awdt^ Buche des Aiiatides wird das £tfaos der Bbytiunen be* 
achrieben p. 97 — 100 Meibom. Hier heisst ea T<m den suBanDmengesetztea 
Bbythmen: 

Die susammengesetxten Rhythmen sind leidenschaftlicher, 
weil meistentbeils die (einfachen) Rhythmen, ans denen sie be- 
stehen, sich ala ungerade ergeben, 

Gerade (daktylische) Rhythmen bilden die Bestandthdle der nuaanuen« 
gesetzten Jonlker (welche nacb Aristides Erklärung aus Pyrrhicbius luid 
Spondens bestehcD), ungerade (iambisehe und troi'baeiscbe) Rhythmen 
bilden die Bratandtheile der 12seitigen kata periodom snaammengeietsten 

Rhythmen. 

und viele Aufregung dadurch zeigen, dass nicht einmal die Mege- 
thos-Zahl, welche in den Versfüssen enthalten ist, dieselbe Ord- 
nung bewahrt, sondern bald mit der Länfre anlautet, mit der 
Kürze auslautet oder um£r<^ke)irt. bald von der Thesis, bald von 
der Arsis aus die rt rinde ausführt; 
z. B. die 3 zeitigen Versfüsse: 

bald ^ — , — ^ , —"^i — ^, 
bald — ^, ^ ^ — , —. 

In einem höheren Grade noch haben diesen Kindruck die ans 
nvlir als zwei llliythmen bestehenden, denn grösser noch ist 
hier die Aiit<rnalie. Deshalb bringen sie, wenn sie mannigfaltige 
Körperbewegungen veranlassen, die Seele in nicht geringe Uu- 



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II. 4. TaktrSchema. 143 

ruhe. Die bei einem Rhythmengeschleclite beharrenden verur- 
eacben geringere Bewegung, die in andere Bhjthmengeecblechter 
11 hergehenden ziehen die Seele bei jeder Aenderung in heftige 
Mitleidenschaft, swingen sie sn folgen und der Mannigfaltigkeit 
conform sn werden. 

Deshalb sind unter den Bewegungen der Arterien diejenigen, 
welche dasselbe Eides bewahren, doch becü^'liLh der Zeitdauer 
einen kleinen Unterschied machen zwar nnruhig, aber nicht ge- 
fährlich. Diejenigen freilich, vvekhe bcdetitend in den Zeiten 
wech^^eltl und gar die Taktarteu Ycr&udern, verursachen Furcht 
und Schrecken. 

Auch wer beim (iclien gehörig lange und gleiche Schritte 
im Spondeustakte macht, (icr wird Ehrbarkeit und Mäunlichkeit 
yerrathen; wer gehörig lauge aber ungerade Schritte macht im Tro- 
^haeen- nndPaeonen-Takte, der zeigt sich feuriger als siehsiemt; 
wer knrse nnd ungerade Schritte geht, nach der Weise irratio* 
naler Rhythmen, der wird sich als g&nzlich schlaff erweisen; wer 
gans kleine Schritte im Pyrrhichius-Takte geht, der erscheint 
niedrig und unedel; wer ohne Ordnung bald diese bald jene Arten 
▼on Sehritten macht, erscheint nicht recht bei Sinnen und geistes- 
verwirrt 



Das BecQxiiren des Aristides auf die Rhythmen des Pnlsschlsges und 
des Gdieqs Usst ktinen Zweifel, dass er aodi bei den yorher von ihm nadi 
ihrer Chroaos-pn>tos-ZsU bestimmten Rhythmen an wi^ch ihythnische Mes- 

isungen denkt; der betr^Bnde iro&« luxT^t. den er als <(dioi)|JbO( hinstellt, soll 
jn Wirklichkeit das Mass yon 6 Chronoi protei haben: 

6 



8 8 

der betreffende ISteitige Rhythmus soQ das Mass haben 

12^ 

'-^j y-> y-> y - • 

8 8 8 8 

Aristides verfiUirt dsiin genau wie Hephaestion, dsss er jede K<ine als 
laeitig, jede Utnge als 2seitig fasst, und dass er ebenso wenig wie dieser die 
4urch die Kataleris yemrsaehte Zeitdauer bei seinen Gesammtnhien in Mit' 
rechnung bxingt Dem Aristid«« ist es gerade so Emst damit wie dem He- 
piiaestion, dass die ^Ibenmessnngtn hoehstfiblich genan genommen werden 
sollen, wenn dieser lebrt, dass das Epichoriambikon (12adtige Rhythmus des 
^listides) sn messen sei 



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144 Aristoxeuus rhythmische Eleiueute. 



— w — \j — \j ^ 



(■> 6 
Uliuiiuiab. Diamb. 
Der ganze Unterschied zwischen beiden besteht darin, das« Hephaestion 
nach ftieitigen 4 sylbigen Vervf&Bwn eintheOt, Aristides dagegen den 4 eylbigen 
VersfuM halbirt und darnns xwet 28ylbig6 3 zeitige FQsse eriiKlti Bei den einen 
liaben diese Mesenngen eo wenig wie dem anderen mit liiTfluniaclien Ab- 
wdmitteii der betreffende Kolons an tbnn. 

Anch mit dem iweiieitigen Versfnsse ist es dem Aristides Emst: im Jonicos 



w-^, , 



2 4 2 

und im Frosodiakos 



wo Hephaestion miast: 



3 2 3 8 
6 6 

W — WN^ — *wf W — . 



5 6 

Dass man zu irgend einer Zi'it in dieser Weibt- die lihythrnpn taktirt 
habe, wollen vnr nicht bt'haupten; aber die Theorie (b«i AiLstideö die ITieorie 
derjenigen, welche Metrik und Ivhythmik verbanden) lehrte es so und verstand 
nnter Rhythmen im Allgemeinen genau datiselbe, was wir Takte (einfache oder 
snsammengesetzte) nennen. Eben diese Rhythmen hat Aristides im Sinne, 
wenn er Im sweiten Bnche von dem Ethos der einftclien nnd snsammenge- 
aetslen Bhjtiimen die oben angefEIhrten Erörteinngen vorträgt Die im Eidos 
wechsdnden Bhythmen und eben j^e 12wit^n 

eben diese Rhythmen sind , welehe je nach dem geringeren oder grösseren 
Wechsel der einfachen VersfUsse, aus denen sie bestehen, „die Seele in nicht 
geringe Unruhe briugt^n und bei jeder Aenderung in licftij^c Mitleidenschaft 
ziehen." Raunip^art hat zwar Recht, dass sich die Darstellung df.'« Aristides 
mitunter in eint r nicht sehr klarni PhrEX^CAjfjpic bow'egt*), aber für die vorlie- 
gende Stelle vom Tuktwcchsel habrii wir kLiiuiu (irund dem Arieitides nicht zu 
glauben, dass die Griochen so gefühlt haben. Es stiuunt dat, gar zu sehr mit den 
von Gl. Hermann aus deia luiialte der Pindarischen Oden gemachten Beobachtun- 
gen von der grösseren Ruhe der im epis^nnthetischeu Metrum, mit der grteienm 
Bewegung nnd Leidenschaftlichkeit der im gemischten Metmm gdialtenen Ge- 
sänge. Den fein lüiilenden iSian der Griechen af&cirte ein gemischtes Metram 

# 

*) Vgl. Baumgart p. XXIV des mehrfach citirten Programms: ,^uletzt 

wird hier (beim Trochaeos semantos) Aristides Tor Unter Gefühl so unklar im 
Ausdruck, dass man denken könnte . . . 



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II. 4, 'rftkt-löcbema. 145 
anders «I» ein episjutlietiMihcs 

— \j — wv^ — — — V-/ — . 

lu <h'in pciiiisclircii .Mt trmii fand in licr Tliat < iu W«.'clu>el dcs Hhythnius 
und «it-r Verbfiie->»* fühlbarer statt als im tiii>viitlietischen, wenn ^^li icli «Ii«'; 
V«Tsfiii88e ajiders jrefasst werden niüüsen. als Aristides und Hephaestioii, uaeclm- 
ni^ch das Sylbeuschcma berUckdichtigeud, sie augeben. Dem Maaaiitabe un- 
serer modemeD rliythmiscbeii ThcMie unci aneh der TheMie des Aristoxenus 
kommea wir nifaer, venu wir in dem genüBehAen nicht weniger wie in dem 
qpfaiTntlietisdien Metrum 4aeitige dslctjrlische and Snitige trochatische Vers- 
fiisse absondern, die swar dem Zeitm^tlioe einander genau gleicli sbd, aber 
durdi die Tsklart sich von einander ontersd^den: denn ^e Ssdtigen sind 
^«immer ungerade VersfUes«'. niit diplasiacher Gliederuu^, die gleich grossen 4zei- 
tigen sind im?r.cr gcnide Vi^rsfufise mit daktylischer Gliederung^ Sehun das 
Vt»nvalten der .Izeitigen VersfiüsÄe mit dij>la.sischtr Glie<ierung macht die ge- 
mischten Kola bewegter, wie Aristides 9H M. .sagt: rn^rz'.xtSi-cp'A ti elai tqi xotTä 
TO n/.ttST'iV TO'j; vn o'j-pccivrat ^i'j}>u'/jc ev d^Kz^vqzi Oecupelaitat. Das sairt Ari- 
stides von den ..fjyftfjiot oivÖcTOi", welche genau dasselbe sind wie die gemischten 
Kola des Uephaestiuu. 



Dl« y^jUabM longlt longlores« vnd yibrerlb« bMvIorM« 
Baeh IManjsins na« den Metriken. 

.J>a.«i8 die Kiir/.c ciiir ciiizt'iti;:«' . ilii' T^nncre fiiic zweizeitifire Svllic i>t, 
das» wissen auch die Kii;ilteii"" !^;igt l'ubiuö \'iiiiitiliiiima nach ^\xiblu\eiiUö. Das 
ist auch die Lehre des ilc|>liaesti«meisehen Ilucheiridion. Aber es gab auch 
Lelu-bücher, in welchen der Satz von einer Kürze, welche kürzer als die Kürze 
sei, von einer Lange, welche länger als die Länge sei, ansgesprodien war, 
vermuthlieh auch in dnem der umfimgreteheren Werke des Hephaestion. Die 
älteste der uns erhaltenen Quellen, welche jenen Sals überliefert, ist die Schrift 
des Dionysius de compomtione verborum; die zweite sind Longpns Prol^mena 
au dem Ead»eiridton Hephaestions; dann wird dasselbe von latdnisehen Me- 
trikern, Manuls Yietorinus und Dioinedes berichtet, fast überall mit naheiii 
denselben Worten, so das!« eine gemeinsame Quelle ( Aristoxenus?) , ans der 
auch schon Dionysius geschimpft hat, su Grunde liegen mnse: 

Die Rhythmik und Hpsik verändert den ZritwerA der Sylben durch Ver- 
klirzung und Verlängerung, ao dass die Kflnen und die Längen in ein* 
ander fibergehen: aft macht der Bbythmns die Kfine sor Läi^, die 
Länge snr Kttrse, es ^bt syliabae „brevibns breviores*' und syllabae 
„loqgis lottgiores'S (Ktoen, die kfiiaer als die Kfine, und Längen, die 
langer als die Länge sind). 



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146 



AiiBtazenus rfaytfaaaaische ESienieote. 



Dies ist der Inhalt der Stetten» die wir vdter unten (S. U9. ISO) im Ein- 
aelnen anfiraftbroi haben. Zunächst wollen wir die verschiedenen Sythen, die hier 
genannt sind, an dem nben herbeigezogenen FlraeladimD Baehp, wok-lies als das 
Beispiel zu dem Sylbengesetze des Aristoxenus gelten nmss, nachweisen. Denn 
alle die jetzt in Hede stehenden Angaben über die Sylbendauer halten sich 
dui'chaus innerhalb der Grundregel des Anstoxenus. 

Die Baclische Composition, deren CSlironoi mit Aristoxeuua Forderung 
ttberonkemmenf hat eine Yoneiclmang, welehe swei yerscliiedenen Talcten, 

a) dem C- Takte (daktylische Tetrapodie) nnd b) dem j - Takte (troehaeiBebe 
Tetrapodie) gemeinsam ist 

a) Gehen wir von dem Vorzeichen des C- Taktes aus (der Tetrapodie 
ans vier 4seitigen Ffisscn), dann ist die Kttrae des Daktjlus als Chrenoe^ 
protoe aofisnliKsaen nnd als rhjthmisehe Bfoasseinheit ^ l aninsetBen. Die Rttrse < 
des ÜVochaens ist alsdann das des CSironos protes 1% Chr. pr.) 



H H H H H H H H H * 

*■ — ■ -f* *■ — ' ' 

4 4 4 4 




2 2 2 11 2 11 



12 

b) Gehen wir von dem Talctvoiaeichen -g- aus (der Tetrapodie aus vier 

Szeitigen Fussen), dann ist die Kttrae des Trochäen s als Chronos protos 
aufzufassen und als Einheit 1) anxnsetsen; die Kfivte des Daktylus ist dann 
* ( des Chr. pr. 



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II. 4. Takt-Schema. 



147 




U H U I 4 l| i f 8 

V N <^^.wm N f 

3 3 8 8. 

Hiwiait haben wir Uaterial, um die TcaMcluedeiieii 2«iitgr9aaea, tob denen 
nnaere QneUen veden, im Etnsdnen neduaweieen. 

Syllabae longis longiores, Selben, wddie linger abdieUnge iind. 
IMea nnd «ansehet die Sylben der Katalexie: in a) die ^eneitige Lfinge der 
daktylischen Eatalezis, in b) die Saeitige LSnge der trochaeisohen Katalexia. 
Ferner aoaierbalb der KataJeria Om Inlaute des Kobns): in n) iat die LiUige 
derTiochaeus = 2%, (Vw des Daktylus s 2; in b) ist cllo Linge des Trodiaeiia 
s 2, wflhrend die des Daktylus nicht grösser als 1 '/« ist. 

R ^ litifm vir noch die vom Anonym. Hellen». § 1. 83 au^efiilirte 5 zeitige 
Länge hinzu, deren Vcrwendnns' wir leider nicht genau kennen, so sind das 
die sämmtlichen sieben Längenwerthe, welche in der Melopoeie der Griechen 
Torkommen können: 

^ 5-witig (?) — 2»;3 zeitig. 
<-' 4-aeitig — 2V«aeitig. 
i_ 8 -zeitig — 2aeitig. 

— IVsSeitig. 

Die letaleie hat ni^eich die fWktion als leichter Takttlieil des irratimialen 
Troehaena. 

Das rind Lingen , die wir auch in der modernen Musik bOren kSünenf 
denn wir finden sie (bis auf die 5 zeitige) in jener Omposition des grossen 
Meister Bach, welche genau dem Aristoxenischen Qesetae über die Sylbenwertlie 

der griechischen Musik entspriclit. .Teder andere TjSngenwerth würde den 
Aristoxenischen Sylben ;_'esetz<' wi(lei"ötreitt»u (man maclie die Probe!). 

Syllabae brevilms breviores, Sylben, welcbr kürzer als die Kürze 
sind. In a) ist die Kiirz(- des Truelmeuseine l'/s zeitige; die (künM're) Kürze des 
, Daktylus eine 1 zeitige in b ) ist die Kürze des Trochaeus eine 1 zeitige, die kürzere 
Kürze des Daktylus eiue zeitige: denn die vier Kürzen des vierzeitigeu (dak- 
tylisdim) Fnsses nehmen denselben ZeitwerÜi ein, wie die drd Kfixzen des 
dnäaeitigen (troehäeischen Fnsses). 

Drei ihrer Zeitdan^ nach verschiedene Knrsen sind es also, weldie in 
der griechishen Musik TOtkommen können : 

sj lV,seitig. 

^ 1 zeiti;,'. 

^ % zeitig. 

Für melu- als diese drei liisst das Sylbengei»etz des Aristoxeucs keinen Raum: 
n)nn statuire irgend eine andere, es wird dieselbe, welcher Grösse sie auch 
sei, dem Aristozeuischcu Gesetze widerstreiten. 



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148 Aristoxeuus rbyibmisehc Elemente. 

Trotz ihrer dreifach veraehiedciien Dauer bleibt hier die Küne in jedem ihrer 
Werthe Clironos protoe. Es gescliieht, vie Aristoxcnaa in der dritten Haimonik 

sagt, „l:a TTjv TT,; ä y^^T^j ♦ Syva|Atv," wen» die als Chronos protos Amgirende Sylbe 
bald eine 1 zeitige, bald eiui; 1 '/«zeitige, bald eine ' zeitige ist; wenn mit £ioem 

Worte im 8cbenia des zua iramengc-i tztm Taktos die einzelnen Versfflsse, aiis 
denen er besteht, ihr jedesmaliges Rhythniengetjchleeht constant festlialten, 
wiiliiend (lif /« itdauer derselbtai variabel ist. T>as ist der Grund, weshalb 
ArL->to\( iius in ^^(•inem Absi lmiite von ("laonus* pioto?? § 11 auf den Abschnitt 
vom TaivtM laiua verweist: .."Uv Sc zyir.o^ /.T, l,iTot -roitov (tov •^j.övov npüjiov) 

Auch in <icMn nach Ax'i!-tnx<>iins Sylbengcset/e rhythiniKirte?! r*r;U'.Hiium 
Bachs ist der Clironos j)r<»tos in den daktylischen Vevbfüssen (des C-Takies) 

Iii fc. 

ab t in den trochaeisclien (dcA TalUes) aht angesetzt NatOrUcb soll 

der als ^ angesetzte Chronce protos nicht doppelt so gross sein wie der als 

/ angesetzte. Vielmehr ist durch das Vonciclien des j^oftpo« «oivis genau 
angegeben, dass 

wemi mau ^ als Chruiios protos fasst, dass dana = - Chr. pr., 

wenn man ^^ als Chronos protos fasst, dass dann • ^ Ckr. pr. 

Noch zwei .uulere Wei*the der Kürze sind übrig, aber eiuer Kürz«-, die 
nielit die Function des Chronos protos hat : 

w 2 zeitig 
v-^ l'oZeitig 

Das ist die Doppelkürze, weli-he bei den Aenliechen l-yrikern aln Anfangs- 
fuss eines gemischten Kolons steht, isodynamisch mit dem bpoudeus, Trocbaeus, 
Jambus. Hepliaest. c. 7. 

•(K'jxünapov d(i.a/eTOv Äo^etov. 

12 

Bei dem Vorzeichen des pudjA^ xoivö^ Ü siud die vierfach verschiedeueu 

Anfaaggfitae dieser 4 Kola zu messen: 

'£|»oc yXu«6 'Atftl f poorlet. 

J> J J J J J J 

Es ist kaum anders möglich, ab dass der pyirhiehisdie Anfimgpfaaa des 

aeoliscb-daktylucbeu Tetnunetrons ^2 dipod. Basen ^ 4 monop. B.), dasselbe 

Maass wie der spondeische gehabt hat; bei dar Messung nadi dem Yorseicben C: 

w w — — 

2 2 2 2 



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IV. Takt-Schema. 



149 



bei der Messung nach dem Vorzeichen -} : 

o 

\J \J — — 

IV, IV» VU IV. 

Dies mtiSB deijenige Fall sein, weichen BtonTsiiu in der jj^eicfa iumiitih- 
' renden Stelle im Auge hat, wenn er sagt: (i.cT«pdXXouatv aircAi {Aeiot»edt «ol 
a5$oi»««t, AoTK KoXXdxic &i« isdsma |Mtax«psH nnd desssen Loqgin mit den 
Wevten gedenkt: mXXixtt t^Gv «al t&v 3pcty;jv zoiet {iGntp^Sv. Hatte der he- 

richtei'stutter, dem Dionysius und Lougin hier folgen, den Alcaens und die 
Sappho zu seiner IJebUngsleettlre und »einem Licblingsstudium gemacht, wie 
dies H( pliaf'stion in seinem Encheiridion entschieden j^fthaii hat. so i;it dtT 
Ausdruck zo/.Xa/.'.j, den Marius Victorinus ungenau durch pierunujue wieder- 
friebt (vgl. unten), in seinem \ ollen Rechte, denn dort waren ja die pyrrhiclii- 
schcn Aofangsfüsöe der Kulu hiiuiig genug. 

Wir lassen niuiniehr die ihrem Inhalte uach bereits erläuterten Stellen 
auch ihrem Wortlaute nach folgen: 

Dionys. Hai. de comp. verb. 11. 

i^^>a-^Eia;, tOUi6t«c. fuXdttfiU 'U 2e |>j9|acxi^ xai ixo'jstx-?) [xETd^ciXXousiv afitdc 
(wioOoat xal aQ&Misai, Itote itoXXdxt« eU td ivdvna .aexa/wpelv. Oi>Y^P '<^o7c ouX* 
X«pa7c dawAdiwMi xou; XP^^*^ ''^^^ XP^^ '^^^ enXXaßic 

„Die Proeazede nimmt die SylbenqnantitSt sowohl bdn Nomen wie bdm 
Verbum, wie sie durch die Sprache an sich gegeb^i ist, ohne die LSngen und 
Kfirzen in ein aus ihrer sprachlichen Natur nicht folgendes rfajrtlmiisches Maass 
liiiieiiizuzwäugen. Die melische Poesie aber bestimmt die Bylben nach rhyth- 
mischen Chronoi d. i. uach Zeitmaasseu, welche aus dem Begriff des iUiyth- 
mus folgen; sie verändert die natürliche Prosodie der I>ängen und der Kurzen, 
indem i?ie dief«e bald über die Prosodie (!es Sprechens hinaus ausdehnt, bald 
verringert, oft sogar in da- Gegentheil übergeben lässt.*' 

Longin prol. H« phaeat. § 6. 

y^pdvoy;, {jtavtpöv xe xal fJpayiv oe |)'jttp.6; o)C ßouXexai IXxei xoy« XP''^*"''"'*» 

mXX(£xic TO^W «al xän fJpa/uv nout fxaxf/v. 

„Eb uutciäclM i<l( t sich du» Metrun (der Recitatious-Poesie) dadurch von 
dem Khythmus (der nielischeu l'oesic), daäs jener feste Zeitgrössen bat, eine 
lange und eine kurze . . der Shythmus dag^en nach Ermessen die Zeiten 
verlangsamt, oft auch die Kfinse xur L>nge macht** 

Marius Victor. 

Difiert aiitem rl^hmus a metro, quod metnun eerto numero qrUabaram 
vd pednm finitnm est, rhjtiimns antem nt yolet protowhit tempora, ita ut hreve 
tempns pleromqne longum effieiat, longnm oontridiat. 

Diomedes p. 468 Keil. 



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160 



Aristoxcnos rbythmiache Element«. 



Rhythnu oerta «ümennone temponim tenniniuitnr et ^lo nottro »rbitrio 
nnne breviuB artari, nunc longius provehi poasont 
Mar. Victor, p. 49 Qmt 

Intar metrieoa ot nuuiMM prapter spada tempcnnim qiUte jSjUabiB com- 
prehendiuitar noo parva diasenBio est. Nam muBici: non omnes interse langas 

mit brevos pari mensinra oonaiBtere, si quidem et brevi breviorem et louga 
lungiorem dicant jiosse syllabam fii-n. Metrici mitcm: prout cujusque syllabae 
lonpitudo et brc^Hfiia fuerit, ita temporimi spacia detiuiri, ne(iuc brevi brevio- 
rem iiut ionga li»iigiorem quam natura in ejUabarum enuntiatione protulerit 
posse aliquam repcriri. 

Ad haec musici (jui temponim arbitrio syllabas committuut iu rhythuücis 
iDodul&tionibus aut lyricis cautiuuibus per circuitum longius extentae promm- 
txaöomi tarn longis loogiorea quam miMM per coraeptioiieiii breriorea brevibiia 
profemot» 



Von deu sieben Abschnitten der specielieu Taktlehre, welche Ariatoxeniia 
iik der einldtenden knnea «DgemeiiMii Tikflehre ankflndigt, nSmlich 1) IMct- 
MegeChM, 2) Taktart, 3) rationale und irrationale lUcte, 4) einfiushe und au- 
aammengeeetste Takte, 5) Diaireflia im Taktllidle, 6) Sehemata der Takte, 
7) Antitliesia der TaktHieOe (Taktordnung) hat eich in maecea iliTthnuflchea 
Stoichwa nur die Anafttbrang der ersten und der aweiten, und auch von letzterer 
nnr der Anfang erhalten. Doch gentlgte die gewissenhafte Verwendung ver- 
einzelter Fragmente bei Psellus und anderen lücht bloss um die beiden ersten 
AbB( biüfte wieder vollständig herzustellen, sondern auch um in den Keaitz der 
weseutliili.'-ti'n Pinikte aus der Lehre von der Takt-Diairesis und dem Takt- 
Schema zu gelangen. Gestehen wir. uns clii's<e fraiize Restittition der Ari- 
ötoxeuischen Taktlehre iiiinincnnclir nlmr die i'aialK'lr mi.« der In^trumental- 
Musik des grossen Bach liiittc ;^n lingen können. D< r Vergleich iler jetzigen 
Ikai'beituug der Aristoxeuiäüheu Kliythmik mit unseren früheren (1854, 1861, 
1867), in denen wir die Bachachen Parallelen nidit 1ierbddeli«ii konnten, wird 
MerOber keinen Zweifel husen: die Ariatoxenisdie Rhythmik war nur mit Hfilfe 
der Baehsohen an verstehen. 

Anaaer den vier genannten Abaebnittett der Takdehre bat dieser Tbeil 
der Axiatozeaisdien Bbythmik auch noch die dxti flbrigent irratieitale und 
rationale Takte einfache und ausammengeeetste Takte — , Autiüiesfs der 
Takttheile beaprocben, mag das nun in längeren Abschnitten OiU r in kürzeren 
wie bei den Taktarten der eontinuirlichen Rhythmopoeie geseheheu sein. Ob- 
wohl uns von diesen ziisammenhfingmden T^efpreehmigen nicht das Mindeste 
vorlie^gt, machen wir dennoch deu Versuch das Hauptsichlichste zu restituiren. 



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II. 5. Irrationale Takte. 151 



5. IRRATIONALE TAKTK 

In der Di finitiou der Biebeu Taktunterschiede § 24 der Aristoxeuischcn 
Hhjthinik heisst e«: 

Die irrationalen Takte iintench«dem deh dadtudi von den rationalen, 
da» das TerhftltiiisB des lelebten Takttiidles nun schweren kdn nHonalflB ist 

Bationale VerhlltnisBe sind diejenigen, welche einem der in der oovsx^ ^t^' 
'|M«oUa Torkonunenden X^oi mtixol entspteohen: 2 ; 1, 2:2, 2:8. Irrational 
diejenigen, in' welehm sich das Megetiios der bdden Chrono! podikol nicht 
dordk ganse ZaUm, sondern nur durch Bmchsahlen ausdrOcken ttsst, wie beim 
Trochaios alogo«, dessen Basis eine 2 zeitige, dessen Arsis eine l'/s zeitige ist 
Dies ist von Aristoxenus in der Einleitung seiner Taktlehre, wo er den Logos 
por1ik6s und im Gegensatae dazu die Alogia anseinandersetat, eingehend er- 
örtert worden § 19. 20. 

Nach jener Dofinitiun der hieben Taktimtcrsehiede aber giebt es uiilit 
Einen 0X070; t:ou;, Houdcrn es müssen mehrere ÄXoyoi -n^hi^ vtirluiuden sein. 
Auch nach Aristides' Definition der Taktunterschiede p. M Moib. giebt eü 
mehrere iXo^ot riioec, ebenso wie es mehrere ^tjtoI zöoe; giebt Es heisst dort; 

ilisfitv «p^ dXXtjXa. 

Unter dw mehreren irrationalen darf man meht die hdden dnroh AntitiieBiB 

derTakttheile sich mitersdieidendcp irmtionden Takte von 3 Vt zeitigem Mege- 
thos verstehen, den irrationalen Trochaeus und den irrationalen lambns, weil 
dieser Unterschied in der siebenten und letzten (lofopd des Aristoxenns vnd 

des Aristides begriffen ist. 

Irrationale Takte von einem grösseren Megethos als dem 3 '/^ zeitigen 
würden <lagegen nicht uuter die öiacpopa %a-:i -iEvo; gehören, denn bei der 5ia- 
«popd xatd fi^i sind es die }Aym rMwA, wodurch »ich die Takb- unterscheiden, 
aber nicht diu dk(rflai. Es ist ganz allgemein zu nelunen. wa.s Aristoxenua 
§ 19 sagt: 'EoTtti rj dXo^lo (jie-zavJ ßuo Xö^mv ^(upi{ji(Dv aicäVjOei und § 20 
Y) (xeoTj Xi^tpdcTaa tcSw dpvcaiv o(ni lorat oüfxfACT(>o; ßdbct. 

Nach Aristides p. 42 Meibom giebt es sowohl eine ^^.6Tn^Ql.^^ s,x |)t,ioj 
sie d^Xo-fov, wie dne (A&taßoX'jj dX^^ou ei; d>.OYOv. 

Ln S 19 ond 20 giebt AiistOKemis nur ein vorUnfiges Beisiiiel dar iXoYUi 
am X'^^^ dXa70& In der specieOen Daxstellnng der l^iktlehre, welche von 
den icö^f« ^EXopi handelt, wird er andi die Übrigen irrationalen TaktgrOssen 
behandelt haben. 

Wie er dies auch gethan , er muss es der § 10 und 20 gegebenen "Ex^ 
klärung analog gemacht liaben : t^v jAiv ßdot<« feijv toü dfi^oripoi; ey wv, r^v oe 
apotv (idcov iti^cftoc lyoueov xAv dCpMoiv. Das würde der Theorie nach fol- 
gende ergeben. 



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152 



AristoxenuB rhythmische £lemeutc. 



2 + 1. 



2 4-2. 



2 + 2i 



2 4-3. 



24-34 



2 + 4. 



Fflr die das Verfailtntss der Takttheile angebenden Zahlen mflssen wir 
daa von Aristides bei der (tofopd töv ^tAv lud tu» dX^yoiv gebnmchCe allge> 
meinere Wort XP^^^ wfihlen, denn ^P^^t Troimol beaeht sich wie X^-jfot 
iwSwol mnAchst nur auf die rationaleui nicht auf die irrationalen Talcte. 

Während der dlofoi ^opcToc in der Uetrik aia ein f ttr den TVoehaeus 

stellvertretender Spondeu.'« sich darsteltt, würde eiu den Daktylus stellvertreten- 
der Versfuss - ^ — uls aXo^o; idsTtiXoc aufzufassen sein wie er Torkommt 
z. B. in dem Archilocheischen Metron 



Die antike IrrationalitKt hat ihre hauptsächlicbsfte Stelle am Ende eines Kolons. 
Ich ftlhre aus meiner muMikalischen Rhythmik folgende ErUlnterung an (S. 132); 

„Wenn der Vortragende ein Musikstück, dei<sen Kola ohne Pausen an 
einander schite<«8en, zum kkwen rhythmisdien AttKdruck brin^ will, t^o ge- 
nügt in manchen Fällen kein Aufbeben des für den Inlaut des Kolons ein> 
gehaltenen Legato's; der Vortragende wird den Trieb haben, den Werth der 
Schlussnote des Kolons zu Terkflrasfn, er wird spielen als ob ein * darüber 
gcsetat sei. Für gewisse CompoHitionen wird dies Absttofwen der Schlnssnote 
am Eu<lc des Le^rutos un hi unzweekinässig sein. Aber wenn man die unter 
dem Punkte stehende Note allzukurz absei diigt, so nuielit das bei öfterer Wieder- 
kehr lU ii Eindruck des Kecken und Muth\villi;.'en, des Komischen mul Frivolen, 
imd dalier wird (hv* Absfo<'^fn. wenn man nicht gerade den anETf^eheiien Kin- 
druck Ii' r\ orlii infr«*n m zur Seite ZU hissen ^tiiu. Ein nndcroi- Weg, die Knd- 
note des Kolons als solche klar hervnr/uli. hen . hrstelit nicht in der Verkiir- 
zuug, äuuderu umgekehrt üi der Verlängerung der Note am ScUluöbe dea 



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II. 5. Irratiunale Takte. 



153 



Legates oder yor Wiederbeginn des uenen Legates. WoMveratenden nicht 
eine Verlängerung^ weldie die durch «Ue verlüngerte Note hervorgemfene 
Uebeiacfafeitang des rhythmischen Werthes durch VerkOnnuig einer anderen 
Note ausaugleicben sucht (ChtyBander in der Anacige m. Systemes der griecfa. 
Bhythmik 1866 in seinen Jahrbficheni), sondern eine wirkliche Verlingerung 
rhythmischen Werthes, etwa so: 



oder was dasselbe wt: 

M jS ^ ? Ü] ^ ^ ffl } k ' 

^^^^P ^P^^^^P W^^^W ^^^Ww w ^ ^^^^r ^^^^^V ^^^^^^ ^^^^^^ ^ # 

» — ^ ' _/ 

Diesen «weiten Weg haben die Griechen eingeschhigen. Sie nennen das irra^ 
tionale Verlfingemng. 

Auch in der motlemen Musik giebt es eine das strenge rhytlmilsche 
Maaas üben«cbrdtende Verlängerung am £nde der Kola» Sie findet statt im 
protestantischen Chorale and wird hier tn der Notenschrift durch die Fermate 
beseichnet Der Sehlumton mll „länger" auqgdialten werden. Um wie viel 
Ifinger, dns ]iUngt von dem Belieben der Singenden oder des dtri^rirenden Orga- 
nisten ab. ftcwöhnlicli wird der unter der Fermate stehende Sdilusston d«\s 
Kolons so sehr vorlängt-rt, (Uiss die zusammengehörenden rhythmischen Glieder 
auseinander prreiikt werden. da?f< -ich dfr Ors:nnist -Joirfir Zeit nehmen kann, 
Z\%'i-^rh< II ilcii iM'iileii Kola unter «irr Fi-niiate mich l in kleines Zwischensjüel 
aiizubriiif^.'ii. der r)iythuii>rbe Zusanuatiuliaug iler Kola zur Periode auf- 
hurt. Wohl manchem ist durch dic.-»e hässliche Unsitte die Frcutle am Chorale 
verdorben, daher mau vielfach die Fermaten gäuzUcli verbannt und die soge- 
nannten „rhythmischen" Choräle eingeÜBhrt hat, in <lenen jeder Ton genau in 
dem Zeitwerthe, in welchem er geschrieben ist, ge-sungen wird. 

Die liiu li Mhe Musik freilich wird sich die alten Fermaten- Choräle nirlit 
ueluneu und statt ihrer die ,, rhythmischen" Choräle nicht octroyren hus^eu. 
Denn sowolü in den Ctvntaten wie in den Pa&'^iüueu hat Bach silbcr die Fer- 
maten zu seinen Noten lünzugefügt: 









r 1 S ^1 " 




Ach wie flttcb-tig, ach wie iiich*tig 


sind der Mensche 


n Sa • cheu. 




AI - le«, al - les was wir seihen* daamuss fal*leii und ver*ge>hen, 



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AristoxenuB rhjthmisehe Elemente. 





_ 0 ■ 0-g — 











wer Gottlilrcht^tbldbt e - wig ste-hen. 



Wüxe diese Melodie in teocfaaeieehem statt in dak^füscheu Bhytluuuf 
gesetity 80 würde de goiaa üt^gendem tcoehaeiaehen Metnun der Alten enU 
spreehen: 

xwx>>>xx-'x~|x^xwx^x — I xw^v^^vx— Ii 

Die IitaHonaUtttt findet im enten Kolon nrdmal (am Ende jeder Dipodiej, in 
in den fibrigen Kola je nnr einmal (am Ende der lotsten Dipodie) statt 

Die durch die Fermateu augedeiiteten Betardirungcn des strengeu Rhjrth- 
mns würden nach der Angabe des Axistozenas fiolgendetmaassen aossofllbrett sein: 





-M • » ^ 




« 




» 1 


t|fe-<n=j-j-t-r-8H 






► • \f — 1 



Die K( tardation um einen ganioi C^hronoe protos, d. i. ein Achtel^ würde 
den Ghechun schon an lang sein, 

AI - les, al - les was wir se - heu 

Denn bei einer dt*riu ti;;< u Rctardatiuii (um eiuen g&uxeix Chrouos protoa) 
wiirde dt i erste Verijl'uijä „alles'' zwar ein 4zeitiger (daktylischer), der zweite 
^es" aber ein 5 zeitiger (paeonlMsba-) sein. EbttMO „was wir** ein 4sdtiger 
SpondeuS} „sehen" ein 5seitiger Versfoss. Deshalb sagt Aiiatoxenns: „dlXorC« 
VMLJtTi , wddie dnen Takt bestimmen kann, %6o X^roiv 4vd {Aioov iori**. Der 
irrationale Daklyhis stdit gerade in der Mitte swischen dem ratiomklen (48eitigen) 
DaktfluB und dem rattobalen (5seitigen) Paeon. Würde man die inationalQ 
Yexiingenmg des 4adtigen Vexsfasses anf einen ganzen Clironos protos (statt 
eines halben) ausdelmen, so lägeu „^jÖjaoI ueTa,'iaXXov:6; el; Izcpa if^vr/' vor, 
von denen es bei Aristides p. 99 heisst: „ftialtu; ävftiXxouoi Tti^ '^'^'/ßl'^ ixds-iQ 
'.•'z.iOpä, r.a^irxoW'ii te -/.eil ''.u-','/'jZi)rn rj] rot/jAla '/OTava^xd^ovTE;", sie seien 
denjenigon Arterinn Bewegungen gleich ,,ot f^otj >.tav rapaXXäTTOJooii toi; ypövoi^ 
7, •/.•at Ysv/j ueTaji'i/.i'//j5'j' 'ro3epat 't thi xai oli^om'*. Die Verluufrerung 
um eiuen ganzen Chronos protos wüi'de zwar auch de n rhythmischen Abschnitt 



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U. 5. Imtumale Takte. 



155 



luarkireu, uln r das wftro eine Verläugeroug über die giiüchische MaasshAltig- 
keit hinaus: die Verlängerung um bloss einen halben Chronos protos bedingt 
keiiMa rhTtlimiMlieii Wediml der VeitfiiBse, die 4flQHigüD daktylischen werden 
dnrck sie niemals lu Saeitigen paeonischen. 

Wie maasslos aber sind nun orst die Fermiiten inisfrcs Chorals! Sie haben 
unstreitig deuttelbeu Zweck wie die dD^ofla der Griechen, t»ie sollen das Kiule 
der rhythmischen GUederi das Ende der Kola mr klaren Anadiaming bringen, 
~ ein Bedflzfhisa, weldies In der modenien kbtropoeie so lebendig gefühlt 
wnrde, daas es hier m der iIiTthniiscben Fonn des Reimes fidate. Es liegt 
also der Choxalfermate etwas recht VemfinlUgeSf em rfaTHunisdies Moment von 
weseatlidier Bedentnog an Ormide. Aber die Verilngening der Fermaten 
wird in nnserem Choralgesange so sehr übertrieben» dass man zwar recht 
deutlich die Kola-Enden kOc^dafiir nun aber der Zusammenhang lU r Kola mr 
Periode für unser Ohr verloren geht: um das Gute, welches durch die Ver- 
längerung erreicht winl. die Passlichkeit der Kolli-Frenzen, muss man etwas 
sehr schlechtes, die Z^ r-itHckeliiug dt-r Perioden iu den Kauf nehmen. Die 
Griechen, welche schon eiui.' Retardution der Kola-Grenz<-n um einen ganzen 
Chronos piotua mit den gesundheitJsgelahrlichen und verderbliclien Verzoge- 
rungen beim Pulsschlage verglichen, würden unsere Dehnung der Churalfer- 
maten einen Wahnsinn nennen. Aber wir dürfen, wie man sagt, nicht das 
Kind mit dem 'Bade ansschttten. T^.dQrfini das vhythmlscb Gate, das nr 
Rhtrhett des Koia-VerhSltaisseB dienende, wdches in dem Fermatea-Cfaorale 
liegt, nicht ganz nnd gar wegwerfen, indem wir den sogenannten rhythmischen 
Choral an dessen Stelle setaen, der aW eigentlich k^n liiythmischer ist^ son- 
dern sich stalnl an den geschriebenen Not^werthcn hält Es ist gar manches 
in den geschriebenen Noten nicht in lesen, was doch darin enthalten ist, z. B. in 
Bachs instrumentalen Compositionen nicht, der (ausser dem Taktvorseichen) 
niemals eine Andeutung fftr den Rhythmus hinzugefügt hat So müssten auch 
in dem Choräle die Fermaten eingehalten werden, selbst wenn bie nicht pre- 
pf'liriehen wan n. Aber die maasslose Verlängenmg. welche die Perioden aus- 
einander reisst, muss aufhören. Wir mdssen die Chnralfermatc im Sinne des 
Aristoxenu*? interpretiren und au-sführen, wie wiv es oben bei dein ßach'schen 
Choräle ,.Aeh wie fluchtig' versucht liaben. 

Auch ftus.scr der Cliorahnusik ^neljt es noch manche Musik, ffir welche 
die irrationalen Verl:inn;enni^'('n des Aristoxenus mit c^osHcm Nut-itu für Klar- 
heit und Fasslichkeit der Cumpotiitiuu auägefülirt werden konnten. Zwai nicht 
jede verträgt sie, ebenso wie auf klassischem Boden die trochaeischen Cantica 
des Aeschyldadien Chores sie ferne von sich halten. Aber man wird sie s> B. 
in der E*dur Fuge des w<rfilt CUt. 2, 4 schwerlich en11»ehien kdnnen, wenn 
diese wunderbare Gompooition im richten Ansdracke an Qehtfr gebracht werden 
soll (Allg. Theor. d.Bh. S98), nicht als „unbehagliche SVige", wie sie sogar der 
grosse Bach-Verdoer Carl .van Bmjck („Technüiche und aesthetisehe Analysen 
des wddt Cla?.) piaedicirt Idi setie die letste Periode der Foge in ihrer richtigen 



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156 Ariatoxenus rhytliiuiache Elemente. 

rbythmi^chen Phraairang hiefher, indem ich nicbt das Fermatenzeichen Bon- 
dem die UmkeliniDg desselbeii C zur Andeatnog der AriatozeiuBclien d>«Y(« 
anwende, dagegen daa Baeh'sehe Zdchen T am Ende des Gänsen beibebalte. 




Foriiien wir deu bei Üacb vorIi<*gi*n(Jt>u daktylisclien (aimimesfiscbeu) h'liytli- 
mm in einen trochacischcn mit 'iVochaioi alogoi um. m würde der lVii«».li; 
iolgeiideö metrische Schema der Griechen ent.spreehrn: 

mehr lireilich noch folgendes iambiaebe Schema, in wcldhcm die durch ' Ih>- 
aeidmeten Betardirungen aich in den iambischen Anakrusen hörbar maelien 
würden Qedeamal hinler der mit T beaeichncten Anakniats): 

Vi^X X — X v/z I — X w.t — X z — X I — i 'n/ i i X I 
Aneh die Griedien beaaBsen in ihrer Notenachrift ein rhythmiaehea Zeicht'U 
für die ao^ia: 

ml 

Daa Zeichen hinter der auf der ersten Sylbe stehenden Note 
(d<'8 Cod. Neapolit, wofibr der Cod. M. daa Zeichen i hat), kann keine andere 
Bedeutmig haben als deren irrationale VerUngerong an markiren. Auch schon 
Bellermann erkennt darin da« Zeichen für ,,d(>n langen durch Dehnung 
oder sUIrkerea Ansingen ausaulrackeuden Auftakt.^* Fr. Beliermann die 



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II. 6. EiiitHche u. üu^arnuieugetjetztc Takte. 7. Autithcöis der TakttUeile. 157 

Hymnen des Dionysius und Mesomedes § 64. Diesdbe Harkirang der bratio- 
nalitSt ancb in den Inatramentsl^Beispiden des Anonymiis Bellernuuui | 97- 
ygl. oben S.,44. 



6. EINFACHE UND ZCSAMMENGESETZTE TAKTE. 

Die von Aristoxeims in der Eiiil*Mtini<j: zur Taktlehre jrcgcbcne Definition 
dieses Unttrsehiede.s haben wir 8. 2S. 29 unter iieriickf^iihtimiiig der bisher 
in unserer moih-rnen Musiktheorie üblichen Unterscheidung von einfachen und 
zusamuiengesetzteu Takten beapruchen. Es ist dies der Punkt, welcher die 
hohen Vorzüge der Aristoxeuischcn Taktlehrc vor der vulgären modernen am 
flbeneugendstoi und tokat etkeanm liest Vg^ Hnsikalisdies Wodwablatt 
1881 No. 85 — 87: Emst „Eitke neue Theorie der musUcaiischen Bbythmik''; 
Musikwelt 1881 No. 37—88, »^ÄHe und neue Bbytiimik^ ron Dr. Felix Vogt; 
Deutsehe Litteratnr>Zeituiig No. 18 „Westphsls aUgemeine Theorie des musi- 
kalischen Rhythmus aeat J. 8eb. Bach** von H. Bdlermann. Die Opposition, 
welche vor einem Deeenninm gegen die Äristoxenisehe Theorie von einfachen 
und zusammengesetzten Takten und überhaupt gepren die AristoxeniBche £hyth- 
ttük zu Gunsten der vulgären rhythinisclu u Theorie bei Lobe und anderen er- 
hoben wurde von Dr. Schuclit in der KulmtsrlK n Mu8ikzeit:?chrift fbei Gelegen- 
heir meiner Klmn-nte des inu.sikali.sclien Khytiuaus 1871) scheint jetst, wie es 
nicht anders sein konnte, ver.stunnnt zu sein. 

\\jn dtjr ileni Unterschiede der einfaclieii und zusammengesetzten Takte 
gc^vidmeten Au;5tuinung in der spccieileu Tuktlehre des Ariütoxenus iat uns 
nicht Ein Satz verblieben. Aber es beruht in der Eigenthümtichkelt der Aristo- 
xenisdien Bhythmen-Darstellutig, dass trotadem gerade dessen Tlieorie der ein- 
fachen und sosammengesctsten Takte uns vollständig klar voriiegt 



7. ANTITHESIS DER TAKTTHEILE. 

Was Aristoxenus' al^;emeine Definition der Taktuntersduede darlfber an- 
gegeben, ist S. 31—82 besprochen. Schon dort ist darauf hingedente^dass dieser 
Unterachled dar Antllheris nicht bloss Dir die einfachen Takte, aond«m was noch 
viel wichtiger Ist, aneh fttr die ausammengesetsten Takte besteht. Es ist dine 
Verschiedenheit der Antithesis der Takttbeile in den zusammengesetzten Tak- 
ten dasselbe, was ich in der „Allgemeinen Theorie des musikalischen Rhyth- 
mus seit Bach" im Anschlüsse an Aristoxenus die verschiedenen „Taktord- 
nungen des dipodischen, tetrapodischen und tripodischen Taktes" genannt habe. 
Wie dies von Aristoxenus aufgefaj^st wird, erhellt aus demjenigen, was wii* 
von (Seiner Darstellung der Diairesis in Clnonni pudikui wissen. So dürfen wir 
getrost behaupten, dass wir die Äristoxenisehe Lehre von der Antithesis in 



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158 



Aristozenns rbjthmiscbe Elemente. 



ftUen weseDtlidMUi Pankten genta kennen, trotadeni im von der «pedflllen Be- 
Qnrechiuig, welche Ariatoonaitt dieflem Gegeoetande in dm. rhyftmiBefaen Stol- 
chei* gewidmet hatte, nichts verbUebem iat 



Dhöö mit der Taktlehie die Uhy tlimik (it s Ariatoxenus nicht abgeschioät^a 
wer, eiMdien wir ans der Bhytbmik des Aristides QuintUiEuus, welche, wie 
wir mehiftkdi bemerken moBSten, ak Haaptquelle zwar nicht nnmittdfaar Ari' 
etoxenne* rbythmiadie Stoicheia, wohl aber eine Sohrift Ober den Bbyduotti 
sn Gnmde kgte, welehe dem ArurtozeniBchen Werke ao Ähnlich wie mdglich, 
Termndilich ein Anaiog war, wdchen dn una dem Namen nach nubekannter 
Aristoxeneer aus dem Werke des Meialera gemadit hat Bei Anatidea sind die 
Hanpttbeile der Bbytbmik folgende p. 32 Meib.: 

I* i»pl npifrroiv jfiirtm, 
IT. ffcpl Y<v6gv 

IIL fiispi deparffii ^t j^^l^i 

IV. nspl (UToßoXA^« 

V. zcpl |^u9|AQmdac. 

Fär den ersten dieser sieben Alischnitte hat Aristides den Titd nachdem 
Anfange gewählt, sonst hätte er ihn nennen müssen ,,Zeiten des Rhythmus 

und des Khythmizomenon", genau so Wie wir den cnten der Aristoxenischen 
Abschnitte seinem Inhale nach benennen nnis-'^ton. D*'nn trotzdem, daas dem 
Aristides in diesem Abschnitte der AriBtoxenischen Darstellung gegenüber ei- 
niges cigenthflmlich ist (dass der Chronos protos ..Semeinn" ^ninimt. di<' Vcr- 
gleiehuugen mit der Genmetrir n. h vr. u. s. w.), kaum ein Zweifel ge- 

stattet spin, daj<8 dem Ari«stidi'.< liit r d\v Doctrin des Aristoxenu.-!; v()r{.^eleg«'n ; 
UMirlirh auch, dass, wo Aiistides aualührlielier als Aristoxeuus ist, liier in der 
haudschrittlichen Ueberlieferung des letzteren ein Ausfall stattfrefunden hat. 

Der zweite Abschnitt der Ariaüdeischeu Rhythmik ist, wenigstens im An- 
fang, ein getreuer Beflcx der Aristoxenischen „Taktlehre^ — die sieben Takt« 
unterschiede genau in der Ariatoxemadien Reihenfolge. Nach där Au&lhluiig 
tmd knraen Definition der sieben l^tnnterscbiede bespricht Aristides sneist 
die Tisktarten, dann die lUst-lfegethe. Dabei Terdient hervorgehoben an 
werden, dass beide, Aiistidea wie Aristoxenns, in der Rdhenfolge dieser beiden 
Abi^chnitte sieh eine Licenz von der unmittelbar TOibergehenden Ankfiudigung 
der sieben Taktverschiedenbeiten vcrstaftcn, denn :!aer8t sollte von» Takt-Me- 
getbos und erst zweitens von den Taktarten die Kede sein. Selbst verstiiudlieh 
ist diese wuiiderliche Uebereiii^fimmung zwischen beiden niebf .tiiflers- zu er- 
lüan n. als An^^ der einp von ilu . u die Dar.stelhmir des fiii<lern benutzt hat. 

Welch«' «Quelle vuii Aristides in der Takt-Lehre noeh ausser der Aristo- 
xcuiacheu bcnut2t ist, ist Irtiher i>. 14t) besprochen. Diese Benutzung einer 



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HL Tempo. 159 

nicht- AibtoxeiiiMheii Quelle finctot etett 82—40 Meib. Denn kelut Arieti- 

des zu seiner früheren Quelle zurück, die freilich hier wiederum .von der Dar- 
fltrihing der Aristoxenischcn Stoichcia abweicht, aber dem Wesen nach durcb- 
'Sus auf Aristoxenischer Doctrin ruht. Es lag dem Aristides, wie gesagt, mittel- 
bar oder unmittel^>ar joner umarbeitende Auszug vor, welchen ein OIUI uube* 
kannter Anstoseucer aus dem Werke des Meisters gemacht hat. 

Nun folgen hinter der Taktlehre der dritte, inerte und fünfte von den 
Abschnitten der Aristideischen Abschnitte, welche wie der erate und der zweite 
in der Arlstoxeiiischen Rhythmik ihr Urbild haben, wenn nns auch je«jHche8 
Kriterium fehlt, um zu entscheiden was etwa Aristides uicht aus Aristoxeuue 
ge8ch(^t hat 

HL 

TEMPO. 

♦ 

Darttber sdureibt AneCides: f,BityÜatdaitit» Agoge iet Schnelligkeit oder 
Langsamkeit der' Zeiten, i. B. wenn wir nnter Feflthaltnng der VeibUtmaae, 
In welehm die Theien an den Arsen e^en, ^ Ifq^e einer jeden Zeit ver- 
aehieden erscheinen lassen. Die beste Agoge der rhytbmiaebai Empbasia ist 

ein mittlerer Abstand der Thesen und der Arsen." 

Der Schlusssatz ist dunkel genug. Es könnte scheinen, als ob hier unter 
Thesen und Arsen etwa*« Aehnliches m verstehen sei, wie man in der Metrik 
das Wort Hebungen und 8enkuuj;en von bi-tontpn und unbetnuten 8ilbeu zu 
gebrauchen pflegt. Aber in diesem Sinne fasst die Aristoxeniscbe Rhythmik 
da.s Wort Arsen und Thesen entschieden nicht, vielmehr gebraucht er diese 
Termini genau iu demselben Sinne wie unsere Musik leichte Takttheile und 
schwere Takttheile. Das Wesentliche deie^ien ist» dasa de dn bestimmtes Me- 
gethos, efaie Iteatimmte Zeitdauer babm, dasa sie bestimmte messbare Bestand- 
th€dle des Talct-Megetfaos, soirofal einfiuilier wie m Mmmengeaetzter Takte sind, 
im letsteren Falle also den Umfang dnea gaasen Vevsfbases haben. Die ao- 
eentnirten Silbe oder der aoeenttragwdeTon wird also immer nur den Beipun 
des betrefiieoden ibythmiseben Taktthdles beieielmen. kennen, aber nieht den 
ganzen Takttheil selber. 

Es versclilägt hierbei nichts, dass Aristoxenus § &8b „Isti ^ jBijlö; [xiv 06- 
avr^\^.d Tt cnfxtl^i.e'/n^i h. täv «ioSixAn yp<Sw)v 0» h ;iev dtp^ew;, h ht ßdoeoj;, ö oi 
3Xou T.tM'," die .Ausdrücke Arsis und 'ßasis nur auf den unzusammengesetzten 
Takt, nicht auf doi zusammenf^esftzten bezieht, denn aticii die Arsis und *iie 
Basia dcü einfacht n Taktes oder Vt rijfujsijcs mu&s nicht minder wie die des zu- 
saumiengesetzten Takte», in welchem sie den Umfang eincb ganzen V'ersfusses 
hat, ein ganz bestiuimtcs uieasbares Zeitmegethos haben, wie dies ja Aristoxenus 



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160 



Aj'istoxcMius rhythinitecUe Elemente. 



an dieaer Stelle aoadrOcklich ausspricht Wiederholen wir also unser Gestind- 
Dias, daas wir den Schlossatz der Aristidciscben Stelle von der dY">7^ nicht 
verstdien, mag er nun aus Arbtoxoiiis oder anders wo geschöpft sein. 

Eint' zwciti* Stelle über die Aji^oge findet sich bei Aristid«'« in dessen 
sweitem Buche (über «las Ethoe der Khyrhmen) p. 99. 100 Meib.: „Ferner rixuI 
von den Rhythmen diejenigen von sclun-llerer Ag<ipe warm nnd thatkriiftig, 
die Rhythnifii vnn InnjrBanier und zögernder Agoge (nacht gi^lassen nnd ruhig.'' 
Dipfse Iftr^t-re Bcmi i kuug isiigt da'< iiflniliclu^ . was wir in uiisrnr iiioderneix 
Musik i)ei fiuoui achiielleren und cini iu ljui;_',^;uiiin ii TemjK) fühlen, wini Hhcr 
schw L'rlicf) aus der Aristoxcnischen iiijyüunik ciiUdint sein, eher aus oiuem 
rhytlmiiricheu Wcike d«.'ö juugi'rcn Dionysius von Halikarna^ (vgl. oben). 

In demjenigen, was uns von dem rhythmischen Stoicheia des Ariatoxenua 
vorli^ findet sidi die ä^wf^j nirgends erwähnt» wohl aber in seinem Aufsätze 
zt^i ypövoj rpuiTou nach unserem Vermudien einem Tbdle der vermischten 
Tisehgesprficbe, unter denen mau in dieser unserer Ausgabe die betreffende 
Stelle naehHche. 

Ferner wird von Aristoxenns die i^mjii in seiner dritten Harmonik be- 

rfilu't. Ihr zu Folge muss von der Ag<^ in der Aristoxenisehen Ehythmik 
im Abschnitte Takt>Scbema die Rede gewesen sein. Man sehe denselben. 

Noch wollen wir nicht imerwähut lassen, daas unter unseren Quellen der 
Rhythmik das Fra'jrmentum Parisinum da? Wort i-yw-fTi in einem anderen Sinne 
als Aristoxenus, iii< lit vom Tempo sondern von der ajirsi; toü t&v tto^üjv (xc- 
■y^Ho'j? gebrniieht. wonibiT olim II. 2b. Was hier im Fracinentum Parisinum 
Tiiatsiit hlichrji btriehttt wird, j*tannnt zweifellos aus Aristoxenus, doch uiclit 
unmittelbar, sondern aus einer ähnlichen Schrift wie derjenigen, aius welcher 
Aristides QointUianus seine Aristoxeuea überkommen hat Hierbei entnehen 
ttch nns nun alle Vennuthungen; es wird wohl niemals xu sagen sein, wer 
derjenige war, wdcher das Wort %7«)y^< zuemt im Sinne des Fragmcntum Pa* 
rismum angewandt bat 



IV. 

RHYTHAIEN W Ki H.SKL. 

Dass Aristides auch den vierton und den fttnften Theil der RhTthmik 
nicht minder wie den ersten und zweiten aus der Sehrift dnes Aristoxeneecs 

.ezeerplrt habe, dafür lässt .'^ich die Analogie geltend machen, welche Aristoxe- 
nus «wischen der Rhythmik und der dritten Harmonik bezüglich der Anord- 
nung des (Gegenstandes befolgt hat. Denn auch seine dritte Harmonik schlii'sst 
Aristo.venus mit analogen Thcihni. wie .Xristid'-s (h'c Khyttniuk: aiTi'^-oX^ und 
|M/.Offoua, analog dar Aristideischcu ixcTa^gXrj und ^'jO|jlo»ouci. 



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IV. Kh^'tbmeuwecbtteL V. Ühythmopoeie. IQi 

Von der entertn adiroibt Aiktidm pu 42 Hdb.: „riiythiniBche Metabole 
ist Aandenmg in den BhTtfamen oder dem Tempo. Die Hetabolu gesdieliea 
auf iwjflf Arten: 

nadi dem TempOf 

nach dem TaktreildltniBfl» 

wenn man ans einem in eines fibevgeht, 
oder ana einem in mehrere, 

oder ana einem eiufachen in einen gemiBchten Takt, 

oder aus einem gemischten in einen gemischten, 
odor aus einem rationalen in einen irrationalen, 
oder ans einem irriuioualen in cinou rationalen, 
oder in einen durch Antitiu si-i versciüedenen Takt." 

Die Handsehrifti n schwanken zwischen der Lesart „zwölf Arten" u. „vier- 
sekn Arten''. Aber zu Folge demjenigen, was Aristidet» im Kiu^ineu auüuhrt, 
rind ea weäer *wiSÜ noch vieraehn, sondern um acht verschiedene Arten. Die 
griechische Bhjthmik vom Jahre 1854 macht denVersoch, die Zahlenverachieden- 
heiten ansKan^eiehen. Wfar verweisen daranf zurflclK. Nor der Coriontit w^ipen 
verweisen wir auf. die InteipreCation der Ariatidnadien BhTfhmenwecfasei, 
weldie Heir von Driebeig vom gindich modecnen Unsikstandponkte ans fohne 
sich am Aristides Worte zu kfimmem) venndit lutt 

Dass Aristides hier nicht aus der eigenen Sduifl des Aristoxenus excer- 
pirt, verr&th der Terminus „Uehergaug aus unzusammeugesetistem in gemisch- 
ten Takt u. ». w.**. Die Quelle ist wahrscht inlich die von Aristides p. 40 Meib. 
angegebene, also eine ixnte (Quelle, auch wenn dieselbe vom zweizeitigen Tsikte 
ausgeht Ihre Angaben sind dcsiialb beachtenswcrth. insbesondere fordert der 
Uehergaug aus einem rationalen in den i rratit>ualeu Takt und aus 
einem irrationalen in einen irratio iiaku die Wissenschaft der griechi- 
schen Metrik zu angestrengtem Nachdenken au£ Dass unter den Arten der 
Metabole snerst die Aenderongen des Tempo und erat in sweiter Linie 
die Aenderimgen dee Taktverhiltnisses genannt sind, dafür ist in unserem 
Abschnitte vom Taktschema eine Erid&rung gegeben worden. 



V. 

RHYTHMOPOEIE. 

Die beim vorattsgdienden Hidle angemerkte Analogie swischen der An- 
ofdunng der Aristideisdm Bbythmik nnd der anf Aristoxwns mrftekgehenden 
Harmonik (desselben Aiistides, des Fseitdo<Eiiklide8 u. s. w.) wird in diesem 

letzten Tlieile noch auflulliger. Denn die Rhythmopoeie ist wie Aristides seihet 
zu Vit/uir<H;<-n für ntithi^' hält, gensa SO wio die Melopoeie in die Lepsis, Cltre- 

Arittwtanu«, Mellk a. Bbjthmilc. 11 



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162 



Aristoxenus rhythmische Elemeute. 



sb und Muds gethdlt, und ebenao Bind die drei Arten der Bfaythmopoeie ge- 
nau dieeelben wie die der Heiopoeie. Nur Azistoxenns kann es sein, Ten dem 
diese ao flberaiia gldchfttrmige Gliedemng der Bhjtlimik und der Harmonik 
Imrfllirt» 

Was ArisCidea von der Eintheilung der BhTtfamopoeie in LepsiBi Clireais 

mid Mbds exceri)irt, ist zii dSrftig, als dasa ea Ittr unsere Kenutniaa der alten 
Rhythmik förderlich, ja auch nur durchweg verständlich sein könnte. Boeckh 
hat hier eine Umstellung im Aristideischen Texte vorgenommen, durch welche 
das Vcrftändnias nicht gefördert win], daher wir nicht nähr^r auf ~ie ciiipohcn. 
Aber welche hohe Wichtigkeit enüialt noch kiirzer»- Notiz über den sysfal- 
tiachen, diastaUischcii, he.nychastiBcheii Trupus der Kliythmupoeie! Sie muss uns 
ein ht'lliT Leitstern sein, nicht bloss in der grichisehen Hliythmik und Metrik, 
sondern auch Lu der modemcuiihythmik. Einfache Tenniui, mit denen so ausser- 
ordmitlich viel gesagt ist! Nur der wisaenschaftUche Geist der Griechea hat sich 
dieselben errungen. Okne Bedenken dflrfSen wir aie andi für die moderne Hnaik 
adoptiren*). Wir haben das besondere Glück, daaa gerade för den Untetaehied 
der drei Tropoi Bbjthmopoüaa uns weitere Anfschlflaee durch ^ Harmonik 
dtf Ariatidsa vnd Pseudo^Ettklid sa Thdl werd«i. Wir haben dieselben sehen 
oben im Abeclmitte T<m der DiairesiB in Taktthdle für die rhythmiaehe Aecen- 
toatton zu verwerthen geancht. Ob sie noch eine andere Bedeatuqg habeoi 
lassen wir unentschieden. 

*) h\ Vogt, Musik. Welt 1881 No. 38 S. 436bb 



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ARISTOXENÜS 

THEORIE DES MELOS. 



11* 



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DIE m&l SGHBIf I£N ÜB£B DAS M£LOS. 



Es handelt sich in den drei harmonischen BQchem des Ari* 



Griechenzeit gt-bräuchlidien ciiluirinomschen, chromatischen und 
diatonischen Musik. L)<t Atitiiäser st**llt sich die Aufgabe, die 
Oidiumg, welche in diesen ^rit clii^'clien Tonleitern besteht (sie sind 
yon denen der heutigen abendländischen Musü: abweichend genug), 
in ihrer Vemünftigkeit und Nothwendigkeit nachzuweisen. Die von 
ihm angewandte Methode der Darstellung ist nicht wie bei uns die 
mathematiseh-aknstische. Diese wird auch schon in der Harmonik des 
Ptolemaeos angewandt und ist auch dem Aristoxenus (oben S. 68) 
nachweislich nicht imbekamit. Aber Aristozenns Terschmäht sie; in 
der Thal war die Akustik der Alten noch nicht so weit gekommen, 
dass man mit ihrer Hülfe die Tonleitern einigennassen ausreichend 
hätte entwickeln können. Auch In i'tolemaeus i'^t die Form der 
math<'Tn;i tischen Deduktion noch nicht die arithmtHisclie, die hier 
der Sache nach allein anwendbar sein würde, sondeni die geome- 
trische. Und so ist auch bei Aristoxenus die Methode der Beweis- 
ftlhrung Torzugsweise der in den sreometrischen Elementen des Eu- 
klid angewandten Ausseist ähnlich*). 



*) Eiikltdes ojnotrie ist freUich früher als Arisfoxeims Harmonik ge- 
gciirifbfn. Aber Piokius in seinem Commeutare /u Euklid gicbt werthvoUe 
Notizen über Euklids Vorgänger. Unter ihnen haben mtit da» Mnst«r zu 
Buchen, dem Aristoxenus seine geometrische Metliode lu det Darbteliutig der 
Harmonik entidmt hat 



stoxenus hauptsächlich 




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' 166 



Arisiioxenit» Sehrifteo fiber das Meloa. 



Die in den Tonleitern liegende Ordnung, welche die Voraus- 
setzuDgy gewissermaaas^ den Stoff der musischen Kunst bildet, nennt 
Aristoxeniis Hermosmenon (i^p|io3|xivov), die diesen Gegenstand be- 
handelnde Disciplin lictoniptii] itspl tou f p{ioo|ft4voD odw anch mit 
dem auf denselben Stamm znrttckgehenden Worte dpjAovut^. 

In Meiboms Ausgabe filhren die drei harmonischen BQ,cher auf 
Grund der Ton ihm benutzten Handschriften folgende Titel: 

'AptoToSIvou dp(JLOvtxö)v crcotj^elcuv ?rp«>TOv (A'). 

öeuTepov (B '). 
Tpirov (F'). 

Meibom Jiiill sie lür die drei contiuuii'lich l'urtlauieuden Bücher 
ein und desselben, höchstens am Ende etwas defecten Werkes. 
Boeckh scheint derselben Ansicht zu. sein. Aber sie ist anrichtig, 
denn von den Einleitungen abgesehen enthalten die zwei letzten 
Bücher B' und T zusammen denselben Stoff, der schon im ersten 
Buche A' enthalten ist, genau in derselben Ordnung, bloss die Dar- 
stellung ist verschieden. 

Die beiderseitigen Einleitungen des Buches A' and des Buches 
B' sind sachlich verschiedenen Inhalts; sie haben im Einzelnen 
nichts mit eiuaiuier gemein, als dass sie beide den Iidialt und Zweck 
der harmonischen Wissenschaft im Allgemeinen in gleicher 
Weise definiren. Auch gegen Ende des 1 Ruches B' erscheint eine 
Purtie § 66 — 69, welche in A' keine Paiallele hat. Im Uebri- 
gen ist Alles dasjenige, was in H' auf das Prooimion folgt und nach 
jener aparten Partie im Buche V fortgesetzt wird, der genaue 
Doppelgänger der im Buche A' hinter dem Prooimion gegebenen 
Darstellung. Wo diese dem Buche A' parallele Darstellung des 
Buches B' beginnt, ist dies im Buche B' in dem Codex des 
Zosimus von der Hand b durch den Marginalzusatz ,,^Apyj" ange- 
merkt; derselbe Maigiiialzusittz findet sich auch in Par. d. auch 
wohl noch in anderen Handschi-iften. Von hier an ist der Parulle- 
lismus zwischen A' und B' V so entschiedene Thatsache, tlass wir 
in der vc»rhegenden Ausgabe die eiitsprechenden Paragraphen mit 
denselben entspredienden Zahlen haben immeriren köimen. Was 
den ümtang der beiden ParalleldarsteUungen in A' und B' V be- 
trifft, so fehlen in B' die §§ 25—44 des Buches A', dagegen geht 
die in B' f enthaltene Darstellung weit ftber die Grenze der in A' 



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Bihalt Ton Bamum. A' nnd V r*. 167 



gegebenen Darstellung binansj obwohl sie auch in B' P' am Ende 
abgebrochen ist Ich ekizzire in dem Folgenden den Parallel-Di- 
halt der drei Uber die Harmonik handelnden Bttcher^ indem ich 
aoBser den anch den Inhalt der imifaasenderen mit römischen 
Zahlen namerirte.n Abschnitte angebe. 



Buch A'. 



I 



Buch B' u. r'. 



Prooimioii A § 1 — 24. Darin das 
lufaaltsverzeichnifis § 4 ff. 

I. Clontinuirlichu uiid discoiitinuir- 
Uche Bewtiguug der Stimme (A 
$ 25—281. 

II. Aut'sttjigeu , Absteigen, Hohe, 
Tiefe, Tonstufe (A § 29—30). 

HI. Größste nufl kleinste Entfornun«^ 
zwiaehen IloLcm u. Tiefem (A 

§ :VA—:\b). 

IV. DcHiiitiun von Ton, Tnt<rvall 
und Sjstem und Kintiieiluug der- 
selben (A § 36—41). 

V. Allgem. Unterachied des mnaikal. 
Meloä von den übrigen Arteu 
des Melos (A § 42~44i. 

VI. Die drei Arten des musikalisclien 
Melos: diatonisches, chromati- 
tisches, eubarmonisches {A. § 45). 

Vn. Die sy niph( •uischen Intenralle (A 
§ 46—4»). 

VUI. Der G^nston und Mine Thdle 
(A I 49). 

IX, Die Unteracluede der Tonge* 
«eblechtcr und wie de entetehen 
(A 9 50): 

a) die Bewegongsräanio der Li- 
ebiuMMB und Parhypate ( A § 51 

—53), 

b) die Tongeschleehter im Ein- 
zelnen und die Chroai (A 

§ 54— 56J. 



Prooimion B § 1 ff. , dun haus 
verschieden von dem Prooimiou 
des Buches A'. 



VL Geuofi diatonou, chromatikon, 
enbannonikon B § 45. 

vn. Die symphouiseli^ Intervalle (B 
§ 46—48). 

Vm. Der Gaastoa and seine Theile 
(B § 49), 

IX. Die Untmcblede der Tonge- 
Bchleebter und wie eie entstehen 
(B § 50): 

a) die Bewegm^riimie der Li- 
ehanos nnd Parhypate B § 51 

—53, 

b) die Tnncresclilechter im Kin- 
zehieu und die Chroai [ti 
§ 54— 56j. 



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m 



Ariätoxenus Schrütuu über daa Mcloa. 



e) die beiden unteren Tetra- 
choid-IntervAlle (A § 57. 58). 

X. Ueber die Inteirallfolge auf der 
ScaU im AUgemein. (A 59-61). 

XL Die dnfiu^ea und znmmmBng» 
setztenlntennüle. Fehlt gftns» 
lieh. 



Xn. Die emmelisehen Zusammensetz- 
uogen derLitemüle. Von diesem 
Abaehnitte sind im Buche A 

nur wenige zi 
Sfttse erhalten. 




e) die btiden «ntemn T«tn>- 
cfaoxd-Intervalle (B f 57. 58). 

X. Uei>er die Intervallfolge auf der 
SealaimADgemeia. (B §50—61). 

XL Die einfachen und stuammenge- 

setzteu Intervalle. 
Von diosfm Abpchnitte der An- 
fanj; iiii'bt überüefiTf Krluiltpn 
blouö eiu Theil: „ üc^tiiumuug 
der diapheniaehen IntemUe 
dureh die lymphioiaBchen^ | 62 
—69, welch«^ in den Handschrif- 
ten bintL-r § 71 üire Stelle be- 
konunen haben. 

xn. Die emmeliBchen Zuaammeneet»- 
ungen der Intervalle, dargestellt 

in achtundzwanzig Problemen. 
Probl. l und 2 ala Axiome (B 
g 70. 71). 

[Eu) Schaltung der Partie über das 
Beetimtnen der Intervalle durch 
die Symphoniecn 62—69. Eine 
Verlegung der Bltttter der Huid« 
aehrift.] 

ProbL 8-6 (F f 72-78.) 

Aufeinanderfolge gleiefaerinter' 
valle: ProbL 7—18 (F § 79—85). 

Aiifeinanderf<dge ungleicher In* 
tervalle: Probl. U— 18(r sr-90). 

Die unmittelbaren Nachbar- 
interv'alle pIticb jeden lutcrvalle« 

Probl. 1'u jt; (T § 91— lO-M. 

Das Diatuuoii hat 2 odiT Ii odtT 
4 lutcrvaUgrös-sen zu Bestaud- 
thdlen, das Chroma und Enhar^ 
faarmomlum deren Söder 4. ProbL 
87. 28. {V % 106. 107). 

Xm. Die Schemata der Systeme (F 
§ 108. 109), ttnvoll0t«nd%. 



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Inhalt ▼<m Hann. A' und B' F. 



169 



Dass ein Schrift st vi 1 er dieselbe Disciplin zweimal in verschie- 
denen Werkeil behandelt» uud zwar in derselben Reihenfolge der 
Abschiutt*- und gar der Paragraphen, das ist ganz und gai* nicht 
auffallend. Aber das dergleichen in ein und demselben Werke ge- 
schehe, dergestalt, da«s daa im ersten Theile dargestellte noch ein- 
mal mit anderen Worten im zweiten nnd dritten Theile dargestellt 
vfirde, das wäre durchaus unerhört Es kann keinem Zweifel unter- 
liegen, dass die beiden parallelen Darstellungen des lämlichen In- 
haltes nicht Terschiedene Bttcher desselben Werkes sind, sondern 
dass sie verschiedene Werke bilden. Wir haben in den drei har- 
mouischen Büciiern des Aristoxenus nicht liine Hannonik, sondern 
um dies soLdeieh ans den folfienden Krörteruugen zu anticipiren, drei 
verschiedene Darstellungen der Harmonik. 

Die Paraileldarstellung im ersten liuche einschliesslich des 
Prooimions ist die erste Harmonik des Aristoxenus. 

Die Paraileldarstellung des zweiten und dritten Buches von der 
in den Handschriften enthaltenen Manginalzuscbrift *Apxi ^ 
zweite Harmonik* des Aristoxenus. 

Die im zweiten Buche enthaltene Anfangs-Partie ist das Prooi- 
mion einer dritten Harmonik des Aristoxenus. 

Keine der drei Aristoxenischen Dai'stellungeu der HuJ'nionik be- 
sitzen wir vollstiindit^. Aus der ersten Harmonik liegt uns. die An- 
fangsjJartie vor. aus der zweiten die Mitte, zum Theile das nändiclie. 
wie aus der ersten; aus der dritten Harmonik besitzen wir nur 
das Prooimion. 

Meine griechische Harmonik 1863 S. 41 (1867 8. 87) hatte 
noch nicht erkannt, dass das Prooimion des zweiten Buches als 
Fragment eines dritten Werkes abzutrennen seL Sie nahm an, dass 
die drei harmonischen Bücher zwei Terschiedenen Werken des Ari- 
stoxenus angehören, und erst im weiteren Terlaufe der handschrift- 
lichen Ueberlieferung die bei* Meibom ihnen vindicirten Titel erhal- 
ten haben müssten. Die Titel der Meibiiin'schen Handschriften seien 
zwar auch sehou dem fünften imch-christlichen Jahrhunderte be- 
kannt, denn Prorhis im Conimentare zu Piatos Timaeus 3 p. 192 
citire das erste Huch als ::r>ri)To; rf^i dp|iOVixr^; iTzv/ziwos.m^. 

Aber der Musiker Klaudius Didymus aus der Zeit Nero's, (dem 
Aristoxenus noch um 400 Jahre n&her als Proclus stehend) citure 



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170 



Aristoxcnus Schriften aber da» Melos. 



d'dü Prouimion des jetzt so geiiaiinten Buches Ii noih als xpo- 
o{|xiOV Toö -pfuTO'j Ttljv 'xpaoviXfTw atoi/Ettov, {bei Poijjhu . ad Ptolt'Di. 
p. 211} uiiil PüiphyriuH sulbcr aus der Zeit ilrs Diocletian citire 
eine Stelle aus R jüs irpÄto; täv apjjtovixwv oToiyrei'oov Porphyr, ad 
Ptolem. p. 297. Dagegen führe dei-selbe Porphyrius das bei Mei- 
bom sogenannte erste ßuch A § 34 als icpo>Toc itepl dp^^tiaiv aiL 
Ausserdem berichte Porphyr, ad Ptolem. p. 258, Aristoxenus sei 
Yon einigen seiner Nachfolger deshalb getadelt worden, weil er seine 
otoi/sTa ap{xovtxa nicht mit ier Lehre Tom Tone, sondern mit den 
Tongeschlechtem begonnen habe; hierans folge, dass auch bei diesen 
„Nachfolgern des Aristoxenns" das bei Meibom sogenannte zweite 
Buch der Stoicluia den Anfang der Stoicheia gebildet habe, dass 
dagogon das ]u i Meibom sogenannte erste Bueh der Stoicheia nicht 
den Titel der apjiovixa oTov/ela geführt haljen könne. „Denn jenen 
Tadel konnten sie nur dann aussprechen, wenn in den ihnen vor« 
liegenden Exemplaren das jetzt sogenannte pfßX. B den .\nfang 
bildete; in der That fängt nämlich Aristoxenus in dieser seine Dar- 
stellung der harmomschen Elemente mit den Tongeschlechtem an 
und erklärt, dass es nicht nöthig sei über die Natur des Tones zu 
reden. Wäre damals A zu den oTotx«!« apjMVixa gezählt worden, 
so hätte der Tadel nicht gemacht werden können, denn A § 36 be- 
ginnt die Hai iiKiiiik mit ih iii Tone, also gerade so wie jene Nach- 
folger des ^bistoxenus es für piLssend halten. 

Handaduiften des Haudscliriften des 

Didymus und ForphTiittS: Proclvs und MeihQm: 

zspl äpyii-. a ■!ip[j.ovix<7j'^ crotyclojv a 

äpfAovixüiv fftor^tttov a' dpjxovixiüv oxoiyetojv ^' 

• Dieses Resultat, zu welchem ich in der griechischen Harmonik 
d. J. 1863 gelangte, hat seitdem eine 'willkommene BeslÄtigung er- 
halten durch die Veröffentlichung der von Marqnaid und Studemund 

herbeigezogenen Aristoxemis-Hajidschriften (1809). 

In dem Cod. Venetus, dem ältesten von allen, lülirt das zweite 
Buch in der Unttrschritt nicht wie bei Meibom den Titel 'A. apjio- 
vtxtBM otoi/ei'tüv [i'j sondern wie bei Porphyrius 'A. oroixeitttv apjiovt- 
TiiUft a, und ebenso das dritte nicht den Tittel A. 9toixs(«»v sondern 



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Ueberfieferte Titel 



m 



*A. 3Toi}^e{aiv apiiovixotv p'. Zwar ist in der Handschritt in jeneti 
ein ß' hinein corrii^nrt und ebenso in jenes ein y'i ä^OT a' und p', 
nicht ß' und 7' sind die Lesarten der prima manus. 

In der TJeberschiift des zweiten Buches ist zwar im Yenet. wie 
bei Meibom der Titel 'A. dpfMvtxtjiw p\ aber die seconda manus hat 
die Lesart 'A. o^r^u ovuuv otoij^edov a angemerkt 

Dem ersten Budie Marquard's giebt der cod. Venetus in der 
Ueberschrift den Titel 'A. itpo twv äoaov./.mv aroi/a-tov und äliulich 
d«'r cod. Barberinus 'A. ttoo to*> app-ovixtuv itpwtov. Die Untcrschiift 
des Buclies lautet im Venetus 'A. to uptorov aroi/sTov: eine secunda 
manus, die zugleich otoixslov in sTot^ettuv corrigirt, schreibt über 
«poiTOv die Lesart irpo ruiv — , also: 

'ApurroSivoy t6 icpd täv oroiyelow icpdrtov. 

Die Uebereiiistimmung mit Didymus und Porphyrius lässt keinen 
Zweifel, dass die im Venetus erhaltene Variante 

an Stelle des Meibom'schen: 

die alte Lesart ist, und eben dies führt zu der Ueberzeugung, dass 
auch das nicht bloss durch den Venetus, sondern auch durch den 
Barberinus, wohl auch noch durch andere Handschriften an Stelle 
des Heibom'schen 

*AptoToHwu dp(ft(miUBv 9roix<t(DV a 
Überlieferte 

auf alter Tradition bemht. Dieser Titel ist zwar ein anderer als 

der von Poi^hyrius überlieferte 

*Apt9TO$£vo'j «Jpjjiovixüw apyüjv a, 

iniijieiiiiii aber liihrt er aus einer Zeit, in welcher man noch wusstei, 
dass das betreffende Buch nicht zu den arot/ela opfiovi/a «gehörte. 
DerTit«'! ist augeur^cheinliefi durch die Aufeinandei-tulire der Aristo- 
xenischoii Bücher in der Handsdnift veranlasst. Man hatte zwei 
Bücher oroixeta apjxovixa des Aiistoxenus , ihnen ging noch ein 
anderes voraus „das den harmonischen St n ich ei a vorausgehende" 
„TO irpo ruft oToixe(«»v apffcovixaiv^', ein ähnlicher Titel wie unter den 
Werken von Aristoxenus Lehrer Aristoteles der Titel: 

„xa p,eTa tä fiMtxd" d. 

„das auf die dxptfaoi« ^uoixi?, folgende'^ 



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172 



Amtoxenos Schriften fiber das Melos. 



Meine im Jahre 1863 in dor ersten Anfinge der Hamionik über das Ver- 
hältniss der 3 Aristoxenischen Bücher der ilarnionik veiötieutlielite Conjectur, 
deren Bestätigung durch die Handflchriften der lfan]iiaid*Bdiai Aucigabte 1869 
ich im umnittelbar VomnBtelieiideii r^gistriren musste, habe ich in der iweiten 
Auflage der Hannooik 186? u&rartliidert wieder abdnieiceii lasaen, da damals 
nur PlalemaeiiB eine neue Durcharbcdtung erhalten konnte; doch finde ich in 
meinem Exemplare der ersten Auflage an S. 47 (yor dem letaton Absatae) fol- 
genden Ihnnseiipt-Znaala, den ich damals ftür den ITnederabdmck niederadirieb, 
aber während des Druckes zurückzog, weil ich mir wohl bewuast war, daas 
damit <1it Aristoxenische Frage nicht erledigt sein würde, und schon dxunals 
die Hothiung hatte, dass ich dem Aristoxenaa nocli eine umfassende Arbeit 
widmen würde feine HoffrtTing. die nun freilich erst durch die vorliecrende Aus- 
gabe sich realisirt . Jem i in dem Jahre 1866 niederp-rschriebt iie Zusatz lautet: 
„Soweit dir « rate iui Sommer 1H63 veröffentlichte Ausgaltt- der prnechischen 
„Haruiuuik, Gleichzeitig erschien eine Dissertation von lierrii Marcjuard über 
„die harmonischen Bücher des Aristoxenus, iu welchem derselbe ebenfalls za 
„dem Resultate gelangte, daaa von den did die Harmonik behan^lnden Btteber 
„des Aristoxenns das orsto dnem gans anderen Werlu als das sweite nnd 
»dritte angehdre. Audi wucd darin die Aechthmt des einen dieser beiden 
„od^ bdder Werke angeiweifelt 

„Nicht lange nacliher erschien der CSrundriss der griechischen Litteratnr 
„von Theodor Beigk in dem Nachtrage an Erseh und Grubers Encyclopaedie, 
„wo S. 446 folgende atngei^michen ist: .Von den 3 Bileliem der Harmonik 
„ist übrigens das erste ganz zu treimen. Es bildet dies Buch den Anfang einer 
„selbständigen Schrift :repl dipy/u''» iweiten Buche beginnt die 

Darstellung der Harmonik." 

„Das VerhSltniss der beiden denselben Gegeustnnd lielmndclnden Schriften 
j.liissf sich noc h I)P8timmter als «*b in der ersti'n Auflage ^^rschehen ist tolgi-n- 
„(ieniüijuäsen auÜaäHeu. Bei«le. Werkte sind uiiiiiittelba.r uus den VurloüUiigeu, 
„welche Ariatoxenus über Harmonik gehalten hat hervorgegangen, das erste 
„aus einer frfiheien , das svette aus einer späteten Voriesnng ttber densellmi 
„Gegenstand. Die bpütere dieser Vorlesungen ist vidleicht nicht von Ari* 
^toxenos herausgegeben, sondern von emem der dieselbe nachsehräbenden Zu- 
,^rer, deren Perscnilichkeit mehrere male in der entBchiedensten Weise in 
,,den Zusammenhang des von Aristoxenns Vorgetragenen hineintritt 

„Was die erste Vorlesung über die oo^ai i^pawxüi* sagt (h xolc Ijucpooftc'^X 
„braucht man von keiner besonderen Schrift zu verstehen, sondern es kann 
„dicb dassellje auch i|,uf einen früheren Tbeil derselben Vorlesung benehen.** 



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Ii 



Die versciiiedenea Darstellungeü der üannonik 
als ArifitoxeniBche Vorlesungen. 

Die eben initgethoiltpn , m Halle im Jahre 6f> iiirilergeschriebenen Be- 
merkunpfn über die EntHtrhiuig der Aristoxenischcn Schriften alf Vorlesungen 
sollten iiacli urspriiiiLrlicher Absicht in die zweite Aufiaß^e (h-r grioehiscbon 
Harmoulk aufgeuumuu'ii werden. In der Hotfiiimg, dem Aristoxeuuü dereinst 
eine umfassendere Arbeit zu widmen, habe ich, wie gesagt, damals den Ab- 
druck der Bemcrkungeu unterdrückt. Auch jetzt, wo ich nicht meiir wie da- 
inalB nur jcwei, wouäaea drei vent^edene DanbeUungeu der ÄiistiaaniBdieii 
Harmoiiik aimelime, miiBS ich die £Dtslehuiig ans Vorieaangen festhalten. 

Für die ente Harmoiuk findet meh ein deatlichee Indtciiim dieeer Ent- 
stebong im § 38 bd der Defintttoo des Syetemes: 

„Doeh mnfle der Ziditfrer jede der g^benen BegKÜUMeetünmiingw entr 
„gegenkommend anfimfiuaen yereacben, ohne sich dabei an kOmmem, ob die 
„gegebene Definition vollständig oder au allgemein aal; er muss den guten 
„Willen haben, sie ihrer Bedeutung nach einzusehen, muss denken, für den 
,.Z\\ f'rk des Lernens sei sie aiisreit'hend. wtmn sie in das Verstündniss dessen. 
,.was liier p^esagt wird, einzuführen vermag. Denn nicht leicht Iksst sich über 
„das zum Eingange Grchörige etwas sagen, was nieht angegriffen werden könnte 
„und eine vollstÄndig ausreiclu lule Erkliirung enthielte. Am wenigsten ist dies 
„bei den drei vorliegenden Punkten: „Ton, Intervall, System" der FjiU." 

Das ist eine Entschuldigung dea Aristoxenus, die er ganz unzweifelhaft 
hl ehier mflndliehen Vorleaai^, in der Anweaenheit aeiner Znhdrer gemacht hat. 

In der aweiten Harmonik ist ea die Stelle von den Bewegung» räomen 
der liehanoB mid der Paihypate § 58b. & d. e, ana wdeher hervwgdit, daaa 
die hier Torgetragenen Pankte Ariatoxenna nidit Moaa vor aeinen ZuhOrem 
erltotert, aondem anch unmittelbar durch dnen aeiner Znhtfrer an dieaer £r6r- 
tenmg veranlasst iat, ~ er iat irtbrend der Yorleaung von einem Znhfirer in- 
terpellirt worden: 

„Hier warf nun einer der Zuliörer die Frage auf, wie es komme, dass, 
„wenn iigend eines der unmittelbar anter der Mose liegenden Intervalle, wie gross 



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174 



Aiiatoz6&m Schriften Aber das Iftdofl. 



„es auch hpi. p^sftzt wt'rde, da.-s dsinn »tcts der tiefere Ton desselben Lichanos 
„beissc .-' Denn waniin sollen die Me.«e und Fju-nncse u. 8. w. stots ein und 
,.tlri si II Intervall be^^renzen, zwirsclieii der Mese und Lichanos aber bald ein 
..kl> iiii if.s. bald rill i^'^niösere« System Jiiifjrenotnmcn werden? Besser sei es, den 
„Nünu u der Tone zu ändern u. 8. w. ". Alle Achtung vor dem .Scbarfäinne 
des alt-Atheniacben Zuhörers aus der Vorlesung des Aristoxenub, der bezüg- 
lich der InterraU-Nomendator das dmehaos gcreditfertigte Verlangen hat) daaa 
bdstimmte constante JünterTOU-Orttssen auch bestimmte conatante Namen haben 
sollten. Ja, gldche Tbatsachen, gleidie Benennongenl Der alte ZnhOrer des 
AristoaeniiB hatte gans Recht So bitte es in der Musik der alten Hellenen 
sein messen, vie es ja aneh in der nnserigen nidit alters ist. Leider aber 
hatte das historische Festhalten an den alten Tetrachorden jene höchst eigen- 
thihnlicbe von der ungerigeu so abwetcbende Infcervallea-Nomenclatur nun ein' 
mal hervorgerufen und Aristoxonus ist eonaervativ genug, um das einmal Her- 
gebraehte auch hier in Schutz zti nehmen: W'enn die gleichen Namen auch 
nicht gleiche Tliatsachcn bezeichnen, sn bezeichnen sie d<»<'h wenigftetif ähn- 
liche Eindn'icke des Etlio.s. und «nch diesen Aehnliclikeiten imisse liei himng 
getragen Avenlt ii. Wir nu rkeu wuhl, es küßtet dein ArirtUixcnu^^ alle Mühe, 
um die bertteliendeu Thatsachcu gegenüber den gar nicht »mgereclitf« rfigteu 
Anwendungen des intellfgentMi neuerungssttchtigen Znhdren sn schfitsen. 

In der vorher uugetülirteu Stelle der ersten Harmonik (das waren die 
Vorlesungen über Harmonik ans einem der frfiheren Semestar) setzt Aristoxe- 
nns bei sein« Zohdr^ den guten WiUen voran«, sich voriätifig mit semen • 
Definitionen inilrieden aufstellen, auch wenn sie vorerst an der ndthigen Voll» 
stitndigkeit nodi dieses oder jenes au w&nsehen lassen sollten. Hier in der 
Wiederholung desselben CoUegs in einem sptttoren Semester wird Aiistozenos 
bereits Ton seiner ZuhGrerschaft interpdSirt: der rein didaktische Vortrag geht 
in ein Colloquium über. 

Genau so wird Aristoxenus in der aweiten Harmonik § 72 interpellirt: 

„Jetat war einer von dMi Zuhörern bezüglich der Intervall-Fo^ in Zwei« 

^el, zunächst im Allgemeinen, worin die Aufeinanderfolge bestehe, dann ob 
,,sie bloss auf Eine oder auf mehrere Arten vor sich gehen könne, endlich ob 
„beides, die Synemma und die Diczeugmcna eine Aufeinaiulerfolge seL Hierauf 
„pflegten folgende Auseinandersetzungen ^ecrebeu zu werden . . . ." 

Auch hier hat Aristoxenus sich viele Mühe zu geben, um den Einwenden 
des Zuhörers gehörig zu begegnen. Es liegt am Tage, dass wir an dieser Stelle 
nicht die Wort«' eines Aripfoxeniscben ('ollefri''iiliofte.s . nicht die Wort«' einer 
noch zu haltenden Vorlemni^' vor un.-* haben. Die Worte kunuen, wie sie hier 
vorliegen, erst nach (Irr mündlich gehaltenen Vorleöung niedergeschrieben sein. 
Und zw.tr besagt da^ linperfectum: „etwa folgende AuscinauderseLzungen pfleg- 
ten gi geben zu werden", dass Aristoxenus dies nicht unmittelbar nach der Vor- 
lesung, ^sondern geraume Zeit nachdem er die iu Rede stehende Vorlesung 
mehrmals (in verschiedenen Semestern) gehalten hatte. 



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Hervorg^egaDgen au» Vorlesun^n. 



175 



Noch einige aodcfe BteUen der xweileii Haimonik wfiideii sieh dnrdi 
AmMhine ▼on IntezpeUationenp weldie Aristozemi» dureh sdne Zuhffzenebfelt 
erfiduren, erklftren luaeii: nimlieb 
{ 75 (Tiertee Problem): 

„Aucb in Beziehung auf dieses Problem findet dne Irrang statt) besflg" 
fjUch des Ullistandes, dasa ein wmtiwiminengeaetites Intervall von der- 
„selben Grösse sein könne, wie das «teamineogeeetste eines anderen 
„Tongeschlechtes*' 
und § 78 [f^fchsfi's ProM' iii i: 

„Es ist ^owuhulkii, «ia>.H < iujf,''e iiiich bri (lifwm Probleme euu'ii Anstoss 
„nehmen, nämlich diväeu, w eähalb hier „hüchätijuä" hinzugefügt und aus 
„welchem Grunde nicht einfach gezeigt ist, dass jedes Tougeschleeht 
,,aiis M» viel tSahtkea Intervallen, wie in der Quinte enthalten sind, 
,,besteht Diesen wird entgegnet, dass u. s. w/*. 
Doch lassen sich diese btiden Stellen andi anders wUlren. Die drei 
voiiier angefahrten Stellen dag^cn reden von den Zuhörern au ansdrOeUieh, als 
dass man darflher Zweifel hegen könnte, dass die erste und sweite Harmonik 
des Aristozenns ans Vorlesungen hervoigeg>kngen sind, und swar ist die sweite 
Harmonik entschieden etet nach der Zeit, wo Aristozenns die Vorlesung ge^ 
halt^ ausgearbeitet worden. 

Dass auch die dritte Harmonik des Aristoxenus aus Vorlesungen hervor- 
gi^angen ist, darüber haben wir zwar keine so direkten Zrufrnisse wie für die 
erst»" und zweite Harmonik. Abrr mich ffir sin wird der gleiclu- rrfpnin^ wie 
für <lie erste \m<\ ^woite Harinonik übciiiiis wahrBehpiiibcb Denn der Aiifiiiiiij 
des Prooiniioiis. <K's eiu^geu liei-tcf» dieser dritten HaiiiiijuiJv s 1, in welchnn 
der Verfasser von der Eiireiithnnmriikcit der Vorlesungen Plato« und Aristo- 
teles redet, erklart äicli aui nauirtichsten , wenn auch diese dritte Uaruiuuik 
des Aristoxenus ursprüngUch als eine Vorlesung gehalten war. 

Hofien wir, daas diese Nachweisungen des Ursprunges der drei flhnUdien 
Werke des Aristoxenus dasu beitragen werden, auch den Ursprung der ver- 
schiedenen aber denselben Gegenstimd handelnden WeAe des Lehrers Aiisto- 
tdes anzuheilen. 



Erst nadidem ich snr aweiten Auflage mdner Harmonik den Znsats nieder- 
geschrieben, dass die harmonischen Schrillen des Aristozenns aus mOndUdien 
Vorlesungen hervotgef^u^tti rind, las ich 1868 die das Datum dieses Jahres 
tragende Ausgabe der hsnnoniselien IVagmente des Azistozenus von Marquardt 
Im BchluBse der Arbeit S. 390 heiast ea dort: „Es ergiebt sich als unsweüel- 
jjbvtt das Resultat, dass wir weder die if^ai noch die sTot/eta des Aristoxenus 
„auch nur annähernd in der Gestalt vor uns haben, wie sie von Aristoxenus 
„ftbgefssstsind, dass wir vielroelir im Buche A' und ebenso auch im Bache fi' V 



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176 



Arifltoxeiiiia Schriften über das Uelos. 



j^Exeerple (statt der dipy vl and «totxcta) za erblicken habcn^ und 

„welche nicht einmal aus (cm and demselben, sondern offenbar aas verachiedenen 

»^A^^^i^ Aristoxenus gezogen sind." 

„Hierbei jedoch tritt noch ein eigenthümlicher Umstand zu Tage, welcher 
„die Lösung der Prag*» erht»hlirh crsohwcrt Sind nämlich die beiden Theile 
.,<sim/. abgf^sondort von einander gemachte SammlnnfTPn. wir ist es zu erklären, 
, I;l ^ sif in (liT ganzen Auswahl der Auordnutig, ja selbst in cinzrloeu Wen- 
„iluiii^rii ( im- so höchät aufllalleude AoimiicUkeil zeigen »nur mit AuBschluh.s «Icr 
„letzten Abächuittc B' V von § 62 au)? Sind die beiden Samaüuugeu vuu 
„vetschiedenen Leuten aaa Tenehiedenen Werken dea Ariatoxenus gemacht, 
„wannn leigen sie so wenig individneUe Vwsduedenhdt? In meiner Diaaer- 
iftatioa habe ich diese EraclieinQng dadurch au erklSren veraacht, dass idi einen 
„eimdgen Excerpter annahm, welcher za iigend einem Zwecke beide Sammfamgeii 
„gemacht habe. Diese ErkUmng wird dch nicht halten lassen , gerade weil 
„der Zweck so gana xifhselbaft ist" 

Vielmdur ^nd die beiden so Ähnlichen „Excerpteammlnngen **, welche Mar- 
qnard hier vor sich m haben Termeint, die genoinen Beile ^r eraten und der 
sweiton Arisfoxenisclien Harmonik, weit weniger darch Ajoslassun gen, Umstel- 
lungen und Znsätaen depravirt, als wie an sich erwartet werden könnte. 

Marquazd fiihrt fort: „Ich bin daher, zuerst durch Einwände Studemonda 
„aufmerksam gemacht, einen Sdmtt weiter gegangen und zu der Ansicht ge- 
„Ungt, dass wir allerdings die Machwerke zweier Excerptoreu haben, die Aehn- 
„lichkeit aber, welche eitvem Zufall schleehtenlinp^s nicht zugeschrieben werden 
„kann, ihren (iruud in dem geni einsamen Oriirinal hat. wclclics srlb'^f p<hon 
„eine Compilation :ius verschiedenen Werken des Aristuxenus war. so da.sa 
„wir überhaupt nicht unmittelbar au5 diesem gezogene Excerpte bcöitisen und 
„den vurliaiidenen Resten in der That nur /1er Name „Fragmente" gegeben 
„werden darf. Dieses Resultat würde für uns sehr niederschlagend sein, wenn 
,»nns nicht der Inhalt deat einaelnen Partieen wenigstens aum gröasten Theil 
„dafür bürgte, daaa wir es doch Überwiegend mit wirklich Aristoxenischen An- 
„schauungen und auch wohl Auadrackoi au thun haben. Vo« welcher Be- 
„schafienbeit nun jenea gemeinsame Ori^al war, kann man sidi nach dieaen 
„dq»pelteo Ecerpten nngefilhr Torrtellen. Aua Tecsehiedenen Werken geschSpfli 
„in denen die gleichen Oegenstttnde auf eine mindestens der Form nach Ter^ 
„schiedene Weise beliandelt waren, musste es ^e Gestalt gewinnen, welche 
„neben einer fast vollkommenen Uebereinstimmung in der Bache manche Vei^ 
„achiedenheiten in Behandlung und Darstellung zeigte. 

„Dass unter Quellen dieses gemeinsamen Originals die Grmndxfige (dpx«d) 

„und die Elemente (rrot/ eTa) einen hervorragenden Plats eingen ommen haben, 
„hegt wohl in der Natur der Sache, aber auch andere sind herb eigezoimi w f»r- 
„den und unter diesen gaiu: sicher Cnllf'ii;i(»nhefte. An solche hatte iih truhcr 
„auch gedacht; Studeraund ist der Meinung, dass sie TTaiipt quelle ^'iwesen 
„seien, allein dafür tinde ich keinen rechten Grund, wohl aber ist mir un- 



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177 



zweifelhaft geworden, diiss all»' jfiio Partienn, in welchen die oben besproche- 
yiSeu Hiiftallenden Tenijxtni dor V«'rg}ing<'ii!ieit frschcinon**. ans solchen Heften 
„geuumuieu öIikI, wird » fi d<ieh duix'h den Ausdruck HoTj de tu TjTtdpTjoe xäiv 
„dixouövTwv fast geradezu gesagt. Uebrigens scheint jenes Original für imtner 

„verlnren zu .sein." 

Die hier von Marquard herangezogene Stelle iles AristoxenuB ist dieselbe, 
welche wir oben S. 174 ausführlich erklärt haben. Wie uns^ Vorg&nger be* 
zfiglich den Anadniek „faat gertdani" gebMiieli«ii kann, iit mir imerfindlldL 
Berichtet doch AriatozemiB geradesn in «hier abaolnt nicht nuBBsaTenrtehenden 



*) Maiqniud meint hier folgende Stellen der sireiten Bannonik; 

S 52c: lipo; Iii toOcv tOfoSrot IXi/i>/,aav ).ü-('a . . . 

§ 78: TIC i^n^pv]«« täv dxwxSvtnv . . . 

§ 78: np^c TfliSra ioioOtm IXi^ovco "Kirfw, . . . 

% 97: 'H^ ttot «al toöto t6 iip6pXt}|ia icopitf^c icXdvi)|V . « . 

i 96: rip6; hii tsSt« npd^v {lev iXiyfti) . . . 

S 106 : 'IKy] H Ttc f|iitfpi|oe Sid ti oihi «v «al taSt« tdi ftni tu 86o dsiwdltwv. 

In allen diesen Stellen h^t es, da« bei dieaem oder jenem Satie des 
Ariafanenna irgend ein Anatoaa genommen worden aei, aam Theil mit don ana« 

drücklicbcn Bemerken, dass dies von einem der Zuhörer geschehen, and ferner 
wird dann mitgethcilt, was Anstoxeniis darauf erwidert habe oder au erwidern 
pflegte oder wn?» darauf zu erwidern sei. Wir unterschreiben, was Marqnard 
8. 3Hti, wo er die'ie Stelle anführt, beiTK-rkt: ,.So erörtert Niemand die An- 
sichten der Cleguer, so erzfthlt vielmehr der, welcher bei Unterhaltungen, Vor- 
lesungen u. dgl. über den Gegenstand zugegen gewesen ist und nach lior Hand 
darüber referirt" S. 391, wo Manjuard rnittheilt durcli Studennxnd daran er- 
innert zu sein, dass „Collegienhefte die liäuptquelie gewesen seien", meint er, 
daaa jene 8tdten m» stachen Heften genommen sind Vielmehr muss man 
sagen, daaa in jenen Stellen Berichte aua den Voriesungen des Aristoxenna 
geigeben nnd, sofern «e ana dem Gange dea didaktischen Vwrtragea in eine 
ArtvoQ Dispntatorimn flbeigegaagen sind und zwar Berichte Tmi einem, welcher 
bd den Vorlesmigen augt^en war.. Das kann ein Zuhörer gewesen sein, es 
kann aber auch Aristoxenus selber in einer Schrift, welche er nach Abhaltung 
der Voriesungw niedergeschrieben, den Bericht gegeben haben, dass und wie 
er damals von seinen Zuhörern interpeUirt worden seL Eine solche Schrift 
kann man nicht gut Collegienheft nennen, sondern ein an3 einer Vorlesung 
entstandenes Htjcli, die spätere Ansarhcitung einer früher gehaltenen Vorlesung. 
Doch filt di"rf nur für die zweite Harmonik des Aristoxenus; die erste Har- 
monik k;iiiu dagegen recht gut ein „Collegienheft" sein, zum »Ttbrauche für 
eine zu Imltcnde \'orlcsung niedergeschrieben. Ebenso auch die dritte Har- 
monik, wenn uns anders das Prooimiou, wie es doch den Anschein hat, er- 
michtigt, aneh hier doe Beriehuug zu der Docenten-Thtttigkeit des Aristoxe- 
nna anznneihmen. 

Atltloxta «•> IbUk n. RliTthinlk. |2 



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178 



Aristoxenua Schriften über das MebB. 



Darstcllmjfj, dass ihn eiuer seiner Zuhoitn- iiitttrpellirt und was er selber da- 
rauf geantwortet habe. Schon ganz ab^esrheii von allem sachlichen Inhalte, 
iöt daö uine übt-iHUä iutereääaute Notiz: Der Bericht eiues alt-atheuitichtiu Do- 
centen, wie es ihm fai efaier adnw ToileBiingea einem intelligenten Zuhörer 
gegenfllier (fast möchte man ihn. eineu genialen nennen) ergangen ist, und wie 
der didaktiaebe Vortrag xu einer Art tob GoHoqiiium wurde. Ich Icttm aber 
nieht einaehen, wie joie Stelle ans eSmem GoUegienhefte, (ao yer«<^ert Mut' 
quard) gmommen aein kOnne. Vidmehr iat ea eine sdiiifttielie DaiateHnitg 
des betreffenden Doccnten, niedergeschrieben za einer Zeit, wo er die Yor- 
lesuiig, über die er borichtet, bereits gehalten. Oder soll die betreffende 
Stolle als eine Randbemerkung gefiasst werden, in welcher ein nacbschrei» 
bender Zuhörer die den Zusammenhang' des Vortrages unterbn chendf Zwi- 
?chonnnterhaltung eine» anelcren Zulinrcis tnit Aristoxenns nachgeschrieben 
hat? Das I rstt rr ii^t liberaus wahrsciieiulidi, lia» zweite gar nicht Marqiiard 
scheint ab,-*iclitlieh zu unterlassen des Nftheren zu erklären, viie er gich d(»n 
Zusautuieiihang mit «Itm Aristoxeniseheu Collegienheften licukt. Studemund, 
sagt er, sei der Meinung, dass sie Hauptquellc gewesen seien. Darf ieh mir 
eine Coiijuctor erlauben, ao hat Marquard von dem, waa ihm Stodemnnd 
mitgetheüt, etwas veigeaaen. Denn Studemund wird dem Herrn Marqnard 
nicht ▼erschwiegen haben, dass er ihm meine Meinung bericbte, das» ich an 
Halle fan Oktober 1866 im Studirsinuner des leider vor knrsem verstorbenen 
Professor Theodor Bergk, diesem meinem alten Lehrer und meinem jungen 
Freunde Wilhelm Studemund, von den Vorlof-iinfrm , \\Th Iii Aristoxenus zu 
Athen über Harmonik gebaltea, in freundschaftlicher Unterhaltung Mitthei- 
lung machte. Ich erinnere mich deutlich, dass dieser unser Unterhaltungs- 
gegenstand dt!n beiden Ilt-rron StudiMTiniul mir) Hergk damals ganz ueu war. 
Sclbstverständlicli g* ii iclit es mir zur Fn inir. dass jcnrs KrgebniRS niinni-r 
Studit u, die liariiiuiiiacbfn Schriftru des Ariütoxeuub ahUh aus N'orlrsungcn 
hervorgegangen, sowohl Studemuuds wie Marquards lieifall gefumieu imt. 



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Lücke und verlegtes Blatt 
in der bAndschriftllehen Ueberliefernng toh B' Sehlnss. 

Die Citate »,Ta h «pxf und ,,9TotxcIa''. 

Ich freue micli auch bezüglich des SchloMe» von B' wenigstena tlieilweise 
mit Marquard Obereiiuitiinineii su kennen. Es handelt sich um die Abschnitte, 
welche im Ppooimion der ersten Harmonik fblgendermaaasen akisdrl werden: 

X § 18. jfWäter haben wir von der Aufeinanderfolge der Intervalle aiif 
den Systemen anangeben» was darunter au verstdien ist und wie sie darin 
entsteht** 

XI § 14. ,,Hi<^'niuf muss auerst von den unzusammengesetaten Intervallen 

gespi'oehon wordrn, Hnnu von don znsanmieiigcst'tztt'ii." 

XII § lö. „Wenn wir uns aber mit den z)i<«ammf<tij^r-rrztr'n >»('fas<5pii. so 
1IIÜK8IMI wir, da diese zugh itli Systeme sind, :nuli iiIxt die Zusammeiisetzuug 
d<T unzußainmeii^esetzti'ii lutnvalle zu handi lii im St;m<!<' sein." 

Der Abscliiiift X soll also die Jntcrvaileutoige auf der !?ca]a im AUge- 
meiueu heaprechen. 

Die specicUe Ausfüiu-uug dieses AbschoitU's liegt sowohl in der ersten 
wir in der zweiten Harmonik vor. 

In der ersten heisst es § 09: „Die unmittelbare Aulisinandeifblge der 
Intervalle genau an definiren ist im Anfiuige ^r nicht leicht, doch muss man 
versuchen, irie im Umrisse anangeben/* 

In der zweiten Harmonik § 59 heisst es: „Hieranf ist über die Aufeinander- 
folge der Intervalle zu handeln , indem wir zunächst die Art und Weise an- 
dcut<>n, in welcher die Aufeinanderfolge zu definiren ist." 

In beiden Darsti'llnngcn der Harmonik geht die?;! r Abschnitt X über ei- 
nip' Sf br ;illpenn'iTir Tu sirhtspuukte, welche die Methuiie der Untersuchung 
ilarl. ;:« !! , uiclit liiiKin^. Ofteubar soll weiterhin noch ein Abschnitt fnli:< ii, 
welcher der g< miurii Stellung der Intt rvall-Aid'eiuauderfolge p< u itlne t ist. 

Auhtuhrlich und naln zu vidl.suindig ist dieser Abschnitt iu der zweiten 
Harmonik — nur sehr tVagmcutarisch und abgekürzt iu der ersti:u Harmonik 
— erhalten. In der zweiten Haimonik beginnt er § 70: ,JBb wird mm der erste 
und nothwendigste von den Punkten, welche sich auf die emmelischen Zu- 
sattjmensetzuigen der Intervalle beaiefaen, au bcstunmen aem." lifit diesen 
Worten beginnt die Eethenfblge der 28 Probleme, welche diese Lehre ausAhren. 

12* 



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180 



Aristoxcans Schriften aber da« Meloe. 



De*- Abschnitt X, Wflcher die lultTvall-AiitViniiiKlrrtol^rr im Allgnneinen 
dcfinirt (§59—61), geht in d<T zweiton Hurmonik der haiuli?ehrifthehj"u U« bi-r- 
lieiVruug dea\jonigcu Abschuittc, welcher die Intervall- Aufeinauderfolgr aub- 
fflhrUeh in 28 FroUenuitii danteilt, unmittelbar Toraiu, Marquard bemerkt 
8. 387 darttber folgendes: ist an eonstatirenf dam eüi directer Zusammen' 
^bang swiscben den beiden AlMchnitten niebt stattfindet Aristozemis hat im 
,,er8tcn der beiden Absdinitte. allerdings von Dingen gehandelt, welche wir, in 
„aller Breite ausgeftthrt, im swdten derselben finden; aber gerade dies ist ein 
^klarer Beweis, diu^ die.«o Absdinitte nicht unmittelbar aufi^ander gefolgt 
^nd. Denn wcldum Sinn hatte es, einen Gegenstand ganz kurz in 4torHaapt- 
„aache za berühren und die au.<«führHche Behandhing auf später zu verweisen, 
„wenn diese unmittelbar foljxf*'! sfUte? AuBserden» sar,'t Aristoxenu» (§61), die 
„genaue AuHpiii;inder.s» tzunir lilier die Folge der Intervalle lasse sich cn^it 
„geben, wenn die ZubauiUiciisefzungeu der Intervalle erörtert worden sind. 
„Mau erwartet demgeniäss die Hehaudlung tler l'unkre in j<'iier Kfilifufolge 
„Aber wiederum (vgl. S. 192) entspricht die Ausfühnmg nicht der Aiiküaiü- 
„gung.*' Soweit stimme ich meinem Vorgänger durchaus und vollständig bei. 
Nicht aber den Folgerungen, die er ans seiner richtigen Deduktion sieht 
„mnss awetfdhaft crscheibieny ob die beiden Abschnitte abeifaan|»t in- einem 
„und demselben Werke gestanden haben." 

Für die in Rede stehenden Abaehnitte ist das InhaltmreneichniaB des 
PMoimions in^t, die Ausfährang lückenhaft Denn in der Ansfährung f 61 
sagt Aristoxenus: „Die genaue ErOrtening der Aufeinanderfolge bt nicht leicht 
„SU gellen, bevor die Zusammensetsungen der Intervall'' (Törtert worden sind.'* 
Genau so wollte Aristoxcnus es halten auch zufolgr^ dem Inhaltsverzeichnisse des 
Prooimions, welches zwav der ersten Harmonik anj:;i-liört, aber dieselbe Geltung 
auch f'iir die z%\'eite wie für die erste Harmonik hat ^vgL tiln u). 

Dem Prooimion gemfiss will nämlich Aristoxenus handeln: 
X. lieber die Intorvallfolge im Allgemeinen. 

XI. Ueber die nnzusammengeaetiten und dann über die aosammeuge» 

setzten Intervalle. 

XII. Ueber dir Zusaniuv nsetzung der uu^uaanunengesetzten Intervalle, d. i. 

ihri- Reiliciifdlt'e auf iler Seala. 
Da^ -tinuiit mit j'Miim \S nrteu dt js tll liherein, dii>--i, um die Aufeinander- 
folge zu erurteni, vorher dir Ziisammeiii^etjsungen der Intervalle eriirtert »eiu 
müssen. 

Utiber die Litervalle „im Allgemeinen" (xaU' ci/.oj» will Aristoxenus laut 
dee Prooimions § 7 im IV. Abschnitt sprechen. Wir bcsitzeu diesen Abschnitt 
S 37 £ Dodi soll dies nach Aristoxenus § 88 nur eine Torlftulige Ertfrterong 
sein: er könne dort die Sache nicht himreiehend und äuBfährlich anseinander' 
aetsen, der Znhifrer dürfe das noch nicht erwarten, er müsse den gnten Willon 
haben, sieh vorlfinfig an den Definitionen genügen an lassen. Dann giebt Aii- 
stoxenas i 89 von den Unterschieden der Intervalle vorlAufig fünf an: 1. den 



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Lflcke und verlegtos Blatt vou B' Schhias. 181 

üntendkled nteli dem McigedKM, 2. aympboitiscbe nnd diaphoniMhe Intervalle, 
9, iinzusammeiigeietite tmd mMmmenge^etete, 4. üntenefaiede nach den Ton* 

gcschlechtern^ 5. rationale mid irrationale Intervallr. I>ic tibrigen Intervall- 
Eintheiluiigon aufzuflihrcu sei jptir jetzt nicht iiöth^. Ebenso ist auch § 40. 41 
dir Eiiitli* ilting der SvMr*>me nur eine Torlftu^ge. dem Folgenden wixd 

alles genauer gezeigt werden." 

So geht auch aus dem Abschnitti' 1 \' In rvor, dass der dort gegebenen 
vorläufigen Erörterung der Intervalle und Systeme im weiteren Verlaufe der 
Hannonik eine näher eingehende Darstellung folgen soll. 

Die versprochene genaue Erörterung der Intervalle sind eben die auf 

Abseliiiitt X folgenden: Abschtsitt XI ( ..zuerst fiber die nT)z:tisfinimenge.<ietzten, 
dann iiher dit isanimeii^M'setzteu IntiTvalle" ) iiixl Abschnitt Xll (^usammeii- 
Setzung der unzutsauunt n;,'e.s(>tzt4'u Intervalle nuf der Scala"). 

Der Absfbriitt X i.st erhalten. Der Ab.sclinitt XIT ist ebenfalls erhalten. 
Der AbscLiiitt XI fehlt. Die liandschritr hat statt <i< s Abs» Imit tcs XI eine Lücke. 

Doch nieht der ganze Absi-hnitt XI i>t in der handschriftlichen Ueber- 
lieferung aufgefallen. Ein Theil davon iut erhalten, doch hat tlcrselbe seineu 
urspningliclicu Platz geändert: es hat die Verlegung eines Blattes, cuthaltend 
1 Colomne und 4 Zellen der Bfeiboro. Ausg., vom Ebide in die IDtte det Bn- 
ches etatlgefimden. 

Daa fraj^icbe Blatt, welchea ana det apeeidlen IntervaUen-Lehve (aus 
AhwJmittXI) «brig geblieben ist und vor den 28 Pxoblemata (Abecbnitt XU) 
stehen sollte, bat zu seinem Inhalte eine „aber die Bestinunnng der dia- 
phouisolien Intervalle durch die i^mphonischen handelnde Parti« . welche 
sich nonmdir in dem Prototypon nnseri'r Handsehriften zwischen das zweite 
nnd dritte Problem eingedrängt hat und somit den Sehlusfl des Buches B' 
(bei Meib.) bildet. Als Aristoxenus seine zweite,' Harmonik niederschreibt , da 
redet er so lin § 72), als ob dem 3. Probleme unmittelbar vorher das 1. nnd 2. 
Problem vorau.sgehe. Das 8. Problem laut<'t nämlich '§72): ,,Die aufi-inamler- 
folgenden Tetrachorde sind entweder verbunden uder getrennt. Verbindung 
heissc es, wenn zwei in der Scala aufeinanderfolgende Tetrachorde, welche dem 
Scbeina nach analog sind, in der Mitte einen Tou gemeinaam haben. Tren» 
nung helMe ea, wenn swiacb^ swd in der Seala aufeinanderfolgenden analog 
gebildeten Tetraeborden ein Ganaton in der Ifitte ^eht** Bew^: „Daes bei 
benachbarten Tetradiorden dnes von beiden (Verbindung oder Trennung) statt- 
finden muas, ergiebt «lob ans dem VorHegenden awp^v H tAv &«0Mt)iiv«r».^ 
Ifit dem Letzteren sind eben die Probleme» 1 und 2 g<'meint Es können also 
diese danuds, als Aristoxenus diese Partie niederschrieb, von dem Probleme 8 
niclit durch den Abnchnitt über die Bestimmung der diaphonisehen 
Intervalle durch die srin |»hon i«eb e n getrennt gewesen «ein: in dem 
Originale mufs pich Probl. '^ contiuuirlieh n i Prohl 1 und 2 anp'Mchloss.'n haben. 

Aueh Manjuard (S. 386) weis«, das« die ..licstnniniuig der diaiihonischen 
Intervalle diuxh die s/mpbouischen" an einem verkehrteu Platze steht. ,^iu 



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182 



Ariatoxenua Schriften Uber das Meloa. 



Zusainiiieiihiing mit dem Vorhergeheudeu ist in keiner Wi'iae vorhanden.'* 
Datis (Ins Kiiischieböel an seinem fals« h< n Platze auü der den 28 Problentata 
uniiiufflba.1- voram^geheuden lui' i vullfu-Lehre (Abschnitt XI) ho.reinffekoinmeu 
ist, sagt Marquard freilich uicht, viehnehr hat er sich „die völlige Gkwiasheit 
Tersdutfffc, dasB wir es hier mit Stfieken sa Ihim haben, welche den Stoicheia 
(Elementen) ganz freoftd aind.** Marq. S. $86> yßi» enthalten Dinge, welche 
mit der Harmonik nnr in aehr entferntem Zuanrnmcnhange atehen, «gentlich 
nur techniacfae oder praktiache Knna%rifib lehren*' (ebendaa.). 

Diese Gewiaaheit (llarqnard lat völlig ttbeneogt) iat nicht anf beaaere 
Gründe ^e^tützt ala adne Ueber/.eiiguug, daaa feat titliche Uebcrreate 
der Ariatoxenischen Harmonik nicht von Ari^toxenu.'« geschrieben, soudom dass 
aie von ver^cbifdenen Byzantinern aua Tonchiedenen Schriften (darunter auch 
Aristoxf'nisfhfM compiUrt Hnd. 

Ans dtr Hi'stiiuiiiiin;,' ilfi- diaphonischfii Intervalle durch dir symphoni- 
schen, satrt Ai istcixemiö § 60, laöse sieh die Kichtigki'it der von ihm in der 
„Arch«'"' gcmaeliteu Angabe prüfen, das» di<' Quarte aus zwei Ganztönen und 
einem Halbtoue besteht Diese vorläuügc Angabe findet sich sowohl in der 
errten wie in der aweiten Harmonik: nftmlich 

Erste llarmuaik X. Unterschied der Toiigeschleeiiter. 

§ M. „Auf welclie Weise nntersucht wcrd* n mus>';, ob die Quarte mit 
„einem der kleineren Intervalle gemessen wird, oder ob sie mII 'h commensurabol 
„oder incommciiHurnbel ist. pflege ich bei der Bcftimmung d>'r Intervalle durch 
..die Syiniilu>ni«Mi zu h.'i^cn f t'j'c oti 3-ju^mv('5; 'avoalvoic X^Y^'c^O? da aber 
.jdcr All- M^cLiciu ergiebt, d!is,s .-^ir aus zwei (Tanztöuen und einem Ilalbtone 
jbebtclit, bo möge zunächst dieser Uintang für die Quarte fest gehalten wordca." 
„(6iioxciodui TOJTO äv ti'^ai zi> (xiYefto;)." 

Wir dnd fiwt gezwungen diese Stelle in Bedehnng nt aetaen mit dem 
nnter den tB JProblemata atehenden Ebachiebael aber die „^toon^fMiTa twwxd 
Xt)^p9li>wit ftid ot>(Afa>v{ac** in welehem ea heiaat §66: »»IlÖTcpov ft'.iptoc ^RdaciTctt 

dfvitc dxpttüatata.'* 

Zweite Harmonik Vin. Der Ganzton und aeine Theile. 

§ -f*». .XJanzton ist dasjenig«' Intervall, um \\ i Idies die Quinte ^Jsser 
„al^• di« Quarte ist. Die Quarte aber besteht aus zwei Uauztoneu und einem 
„ilHlbtoiio". 

Trotz dieser 'ausdrücklichen Citate in dem früheren Theile der Ariütoxe- 
madien Harmonik bat sich Marquard „die völlige Gewissheit verschaffen k9n- 
nen^'* daaa wir es bei jenen in den frttheren Tlieilon der Ibrmonik von Ati- 
atoxenuB aelber «»tirten Partieen von der Beatinminng der dlaphomachen durdi 
die sympboinischen Intervalle mit j^tttcken an thiui habenf welche den Stoi- 
cheia gans fremd aind," „daaa dort Dinge entfaatten dnd, welche mit der Har- 
monik nur in aehr entfernten Zusammenhange stehen.'^ 



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Die UebenMshriften iv dpx^ und otoixcf 



188 



Den Ausdruck ,,Stoicheia ' gebraucht Aristoxeuus selber in der ersten 
Harmonik § 61 (X Abscluütt über die lutervallen-Folge auf der Scala im All- 
gemeinen). Er schliesst diesen Abschnitt mit den Worten: 

,,Auf wek'hc Weise uuii dfr Anfeiiianderfolfj^e ii!ii.'liCTforschpn ist, ist aus 
„dem Vorött'lifmifMi klar. Wie sie aber vor sich ^r<'lit und welches Int<;rvall 
,^u einem anderen biuxtigeäetzt oder nicht hiuzugt'^etKt wird, das wird in den 
„Stoiclieia gezeigt werden.*^ 

AIbo der Abschnitt X, welcBer die Tntervallenfylge auf der Scala im Alljje- 
gemeinen bespriclil, welcher (wie Ariötuxcnuö § 59 sagt) die unmittelbare Aufei- 
nanderfolge der Intervalle nur im Umrisse anzugeben venacht, dieser Abschnitt 
gehfot noch nicht m den Stdcfaeia. Denn erst die nähere AnsfBhnmg dieses 
Ab|chnittes ist es, welche Aiistoxenus in den Stoicheia geben will. Demnach 
gehören die die Intervallenfolge speddl ansführenden 88 Pkt>bleniata den Stoi- 
cheia an. In der eisten Harmonik liegen von «Üesen Problemata nnr einige 
onzusammenhAngende fragmentariBche äfttse vor. In der zweiten Harmonik 
mnd dieselben nahesu Tollst&ndig erhalten (von i 70 an „Es wird nnn der erste 
nnd nothwendigste von den Pimkten, welche sich auf die emmcliscben Zttr 
sammensetztuMfoii der Intervalle beziehen, zu bestimmen sein"). Dieser ganze 
Abschnitt XII der zweiten Hannonik (nicht minder anch die fragmentarische 
Parnlleldarsti lhui>r der ersten Uarmouikj gehört nach Aristoxenus' Selbst- 
Citate zu den .stoicheia. 

.•\bi>r der Abschnitt X (der ersiten und zweitcü TIarnionik*. wohin \s'\rd 
f]\efPi\ wenn er uacli Aristoxenus' Erklärung von den Btoieheia ausgeschlossen 
werden muss, zu rechnen .sein? 

Au( h hiendter <j;i( ht Aristoxenus selber die nötiiige Auskunft £r beginnt 
jenen Abschnitt § b\i mit den Worten: 

„Die immittelbare Aufeinandef' J^e der Intervalle zu bestimmen, ist in 
„der cifi^^j gar nicht leicht^ man muss versuchen, sie im Umrisse au- 
szugeben." 

Also di»' 'loyi, gieht den betreffenden Gegenstand im Umrisse an, die 
oToiy gio sollen zeigen, wie die in der ipy^ im Uinrisse angedeutete Aufeinander- 
folge der Intervalle im speciellen vor sich geht, . , . welches Intervall nach 
einem jeden Intervalle gesetzt oder nicht gesetzt wird. 

Den in der .Ay/'>*' im TTmrisfie angegebeneu Gegenstand fOhreu die 
ifSTOi/eia" in deu Einzelheiten aus. 

In allem, was uns von den harmonischen Schriften des Aristoxenus ver- 
blif ben ist, werden die Stoicheia nur dieses einiige Mal (erste Harmonik § 59) 
erwähnt 

Die ^PX''^ S^iiB-iiii^ ^ B** 

Erste Harmonik. IV. Abschnitt: Ton, Intervall, System: allgemdme 
Definition and Eintheilung. 



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184 



AriBtoseniii 8diiiften 6ber du Helo«. 



§ 88. .J)j>v Zuhörer mnss jede der singegelM'nen Bcgritl>*bf'stimninngen 
eiit^ogeiikotnmend aufzufat'f^i'n versnclieii. <ihno sich dabei zu kiimmpni, ob die 
gi gobene Dcfinitinn vollstämiig oder ob sie zu allgemein sei, er üiu.h.s \ idmehr 
dt'it guUu Willen haben, sie ihrer Bcdeuhuig nach einzusehen; niuiw denken, 
Bie sei ausreichend ftir den Zweck de« Lernens, wenn sie nur in das Verstaud- 
nisB dessen, was biw gesagt wird, einmfOlireti vermag. Denn nieht leieht llsst 
rieh Uber das dem Eingänge AngelUifige (td in dp/jg) etiras sagen, vas nicht 
Angegriffen werden könnte, aondem eine Tqllstlndig auareichende ErUlmng 
enlhidte; am wenigsten ist dies bei den drei vorliegenden Punkten Ton, Inter- 
vall, Sjstem der FalL 

Wo in Meiboms Bnehe ß' nadi dem Prooimion der dritten Aristoxenisehen 
Harmonik die darmf folg^de anfangsloae «weite Harmonik begmnt (mit Ab- 
schnitt VI: den „drei TongeBchlechtem'*) steht am Bande die Ztuehrifk ^X^ji 
vergl. S. 166. Schon in der dem Zosimus voriiegenden Handschrift stand dies 
Marginale, denn es findet sich auch in soMion Handsrhrifton , die nicht ans 
dem alten Venetus geflossen sind. I3ie Handglosse kann nicht die Bedentung 
haben, dass der nebenstehende Text „den Anfang*' eines neuen Buches bilde, 
denn es ist ein neueti aufaiiffsloses liiieh, welches an dieser Stelle folg^, 
(die ersten fünf Ab-ächnitte mit dem ihnen vorausge/^angenen Piooimion c^ind 
in den Handseln iftt n ni( ht überliefert). Wir haben dau Marginale daher nicht 
sowohl diucii ., Anfang ' al& vielmehr durch „Eingang*" oder „EingangK-T^artie'' 
zu übersetzen, es ist ein Kest der alten Ueberschrift „xd dpj^^". In dem 
lobalisveneichnissc des Prooimions ist awar nicht angegeben, dass eine Beihe 
von Kapiteln als Eingangs-Partie gefiuMt werde» aber aus den von uns im Yor- 
anagdienden angegebenen Stellen des Aristozenns folgt mit Glewissheit, dass 
er eine Anaahl von Abschnitten ale eine die betroffenden G^penstände im Um- 
risse darstellende Eingangs-Pattie angesehen ^rissen wül, w^he von der apMter 
folgenden, die betreifenden Gegenstände spedeller darlegenden Partie abza> 
trennen sei Bflbrt auch jenes Marginale nicht von der eigenen Hand des 
Aristoxcnus her, so ist es doch sicher in dem Sinne des Aristoxenus etwa von 
einem die Vorlesung des >reister8 heraui<gebenden Zuhörer richtig als Ueber- 
schrift hinzu geflirrt, wenn gleich es in der ims überkommenen des Anfangs 
ermangelnden liajid>chrift nicht an der rir liti^^en Stelle steht. Der Abschn. Vi 
„vorläufige Aufz^hlunp der drei Tonpeschleclit» r ^» ii.n i zwar seinerseits aucli 
in die „Eingangü-rartie" (tci iv äpXT]^' die^e Ueberselniit „xä iv äp/j^" 

wird in der alten noch unverkürzten Handschrift der zweiten Harmonik nicht 
vor dem Absdm. VI, sondern etwa vor Abschn. I „Topisdie Bewegung der 
Stimme** oder gar vor dem PMoimion gestanden haben und ans dem im tibrjgen 
nicht erhalt«)«! Aniwige der xweiten Harmonik ntrflckgebfiebmi aeb, bis es 
dann im Codex des Zoeimaa an den Band verdrSngt ist 

Der Tllely anter weldiem Aristoxenus die auf die „Eingangs-Partie** fbl- 
genden Abschnitte der j^eciellerm AusfBhrung begreift, der Titel „ScoixtTa** 
wird wie gesagt in den harmonischen Schriften des Aristoxenus vom Autor 



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Die UoberBdunftett tä dfyr^ und axw/eXa, 



185 



nnr eüunal citirt, ftber er gebraucht ihn als Citat in seiner Hhjthmik, Dort 
Bimlidi sagt er § 21 bei der Erörterung der rfaythmiBehen IrretiOBilitlt; 

,,Wie ich in den dlavtemntisehai Stoicheia daqenige ab etwa» der 
Natur des Melos nadi Bestimmbaxes gefaaat habe . . . , dagegen daa- 
jenige ab etwas bloss den ZahlenTerhältiüs.scn nach Bestimmbares, 
... .so soll gana analog das Bationale und auch Irrationale in der 

Rhythnük geuommeu werden." 

Die Stelle der Hamoniki worin das aus seiner Intenrallen-Lebre ange- 
führte Citat zu le>«on war, ist uns in den Harmonik-Handschriften nicht über- 
liefert Sie muss in dem Abschn. XI: „Von den einfachen, dann von den zn- 
8flmmenge.«»etzten Intervallen gestanden" haben, jt'uem Ab^ichnitti', von weldieiu 
nur der Schluss: „das Bestimmen der diaphoniachcn (Inicli die svinphuiuHcheu 

« 

Intervalle" in der zweiten Harmonik erhalten ist. Wo Ariötoxcuus im „Umriase" 
von ileu IntervaUcu spricht § 38, das gehört nach seiner Aussage nach der 
„Eingangs-Partie^, also noch nieht den „Stoicheia" au, doch verweist er an jenn* 
Stelle auf die im weiteren. Verlaufe seiner Harmonik folgende ^lecieile Aw- 
llOhrung der Intervalle. 

£ben diese una fdüende specielle Ausführung der Intervallen-Lehre (Ab- 
schnitt XI) ist es, welche Aristoxenus in der Bhjthmik als ,,diastematiadie 
Stoicheia" eitirt Der Zusata „diastematische** setzt voraus, dass der die ape> 
cielle Lehre von den Systemen darstellende Abschn. XIII, von dem uns nnr 
die beiden ersten Paragraphen erhalten sind, im Sinne des Aristoatenns als 
systematische Stoicheia zu benennen seien würde. 

Wollte man in der ersten Harmonik § 01: 

„Wie die Aufeinanderfolge der Intervalle vor sich geht, und welches 
Intervall zu ein« in anderen hiiizngesotzt oder nicht gesetzt wird, das 
wird in dem Stoicheia gezeigt werden" 
statt „St'»i< heia • mit der Einschaltung eines Wortes „diastematische Stoicheia" 
lesen, i^o würde damit zvsar der Sinn des Aristoxenus getrofl'eu sein. Aber 
wenn Aristoxenus in dem Citate der Bhythmik „diastematische Stoicheia" 
sagt, 80 folgt daxaas keineswegs, das Aristoxenus andi m der ersten Harmonik 
1 61 an ,3toicheia^ denselben Zusatz ,,diastematisch<< hinzugefügt haben muss. 
yiehnehr gehören alle auf 1 61 folgenden Abschnitte sa den Stoicheia un Sinne 
des Aristozenns; die nSehstftdgendw iwei Abschnitte sbd die vw den Inter- 
Valien handelnden „dlaatematiseben Stoicheia"; der alsdann welteriun folgende 
Abt>chnitt, welcher die Systeme eingehend (nicht wie Abschn. lY im Umrisse) 
besprieht, würde nach Aristozenischer Analogie die ifSjstematisclien Stoicheia" 
sein. 

Wenri Aristoxenus diejenigen Partieen der Hanncmik, welche die betref- 
fenden Gegenstände nicht wie die „Einpftners-Fartiren" im Uinrigsc behandeln, • 
sondern im Speciellen ausführen, als Htoicli» ia bezeichnet, so w ird er zur Wahl 
die.ses Ausdruckes durch die ..geometrischen Stoicheia" der Vorgänger Euklids 
bewogen sein (vergl. oben S. 165). Eutächieden thut sich Aristoxenus, der frühere 



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186 



AriBtozeoiis Sehrifleii ftber das Udos, 



Schüler der Pythagoräer, auf die geometrische Methode, welche er far seine 
Danstcllmig der Hiirnioiiik anwendet, gar viel m fJutc. Das sehen wir aus dem 
Abscbu. XII mit seinen 2^ Lehrsätzen in der Fonn geometrischer Axitune und 
Probleme: da» sehen wir ferner aus dein Schlüsse des Pro« »iiniuns seiner dritten 
Haniudiik. Für die ersten Anfänge seiner Wissenschaft erlaubt er aich frei- 
lich nicht jnit seinen Zuhörern sogleich den Weg der geometrischen Stoicheia 
zu betreten, da muss er, tun verstanden m werden, die betreffenden Gegen- 
stftnde eist nach ihren Umrissen vortragen. Das siad die Eingangs-Partieen 
seiner Doctrin, td Iv (ipxiQ* nfush dieser einleitendeiii VerstSiidigung darf 
Aristoxenns es wagen, seinen Zuhörern die Gegenstttiide in der ndthigen YoU* 
atändigkeiti an welcher nichts vermisst werde (vgl. $ 88), in strioter mathema- 
Üsciher BewdsfiUiniqg vonmtragen. Von da an sind s^e harmoniBchen Er- 
Ortemngen „Stoicheia", so gut wie die geometrischen Stoicheia der alten Vor^ 
gftnger des Euklides, we!<-1e' wohl uinnittolbar auf die Schule des PTtlungioras 
zurückgehen. In dem reichlialtigen Comniontiue fies Prokhis zu den geome- 
trischen Stoicheia des Euklid erfahren wir viel einzehxes auch über die Vor- 
gänger des Knklide.-^. ihre Abweiehnn^cn in der Methode und in der Nonicn- 
elatur, z. B. beziigUcli der Axi«.'niata und TheortMuata ; wir t rfahren auch dies, 
dsms die ge<nnetrischen Stoicheia de^i Eukhd keiiieuwegH eine Original- Leistung, 
sondern ein zusammenfassendes Compendium sind. 

Subsumireu wir schliesslich die 18 AbHchnittr' der beiiieu ersten harmo- 
nischen Schriften de.s Aristox(MKis, welche daö I'r<M>imii'n auiluhrt, unter die 
von Aristoxenus im Verlaufe der Vorlesungen gemachten zwei Uauptabthei- 
lungen: 

Prooimion vgl. S. 184. 
I. Topiache ßewegtmg der Stimme (rgl. S. 184). 
n. Aheteigen, Aofbtdgen, Tiefe, Höhe, Tonstnfe. 
IfL Ob unendlicher oder endlicher Abstand xwisehen Hohem und Tiefem? 
IV. Yoilftuflge Definition und EintbdluQg von Ton, Intervall, System 
( Vgl. § 38). 

V. Vorläufige Scheidung der Arten des Melos. 

VI. Drei Arten des musikallsclien Melos im Umrtase (vgL Marginale 

zu B § 45: ipyf]). 
Yll. Die i<ymi>honischen Intervalle. 

VIII. Ganztojn- Intervall und seine cmmelischcu Tbeile (vgl. B § 49 mit 

§ s. 182). 

IX. Worauf die drei Tougetichlcehter beruhen (vgl, A § 54 mit B § 66 
S. 182). 

X. Die Anfi^nanderfolge der Intervalle auf der Scala im Umrisse an- 
gedeutet (vgl. A 59). 



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Die Ueberechrifton Td is dpj^:^ und aToij^eia. 



187 



XI. Die cmfiichcB wmI susammengeBetzteD Intervalle (v^. rh. § 21). 
XII. Die emmeliicbe ZaMunmeusetiui^^ det faniaßbea (ygl. A 61). 
XIII, Die Systeme. 

XrV. Die Miachung der Tongesehlediter. 

XV. Die Töne der Sca]a. 

* 

XVI. Die verschiedenen Stimmlagen (Stimmregienen). 
XVTI. Die Trauspositions-Scalen. 

XVÜL Die Metabole. 

Soviel wir roa der dritten Harmonik des Arietozenua aua dem von ihr 
allein erlialtenen P^ooimion ersehen können, ra enthielt dieselbe keine vorlftnfig 
instraireoden Abschnitte, keine »td iv ^{"> sondern bestand lediglidi aua 
„OTOixelo.** 

Jetzt dürften wir ini Stande sein, die Citate der iiarmonitiGhen Schreiten 

des Aiistiixi iius bei Klaudius Didymos, Porphyriu.-« zu verstehen: wo die erste 
Hitnnoiiik als rrco*. dy/vn citirt wipl. da ist dies nicht nie Titel dra Werkes 
anzluif'lu'ii , Hoiuleru gilt von dvr Kingaugs- Partie desscibeu. Wo das ..Prooi- 
mion (h r Stoiiheia*' citirt ist. da ist dif dritte Harmonik geuieiiit, tlu' ja, wie 
uus) wahischtiuliLh wurde, keine l ialcitcudt u, nur die Umrisse gebenden Ab- 
schnitte enthielt. An Stelle des von Aristoxunua »elber herrührenden td iv 
dpxf s^t als Überschrift im Venetos u. a. der dem Sinne naeh ganz gleiche 
Ansdmdt xä Tipö twv erotyclwv. 



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Erste Harmonik des Anstoxeuofi. 



Sie ist eine durch Lücken, Umstellungen und Zusätze mehrfach 
Tersehrte, aber dennoch im Gajizen gut «ihaltene und trefflich zu* 
Bammenh&Dgende Darstellmig der Harmonik als der ersten und 
fundamentalen Disciplin unter den theoretischen Disciplinen der 
Wissenschaft vom ft^Xoc, d. i der tonischen Seite der Musik im 
Gegensatze zur rhytlimischen. Die Schrift beginnt anknüpfend 
an frühere Auseinandersetzungen des Aristoxenus über das ;x£/.o<; 
mit einem Piooimion, in welchem Aristoxenus den Begrifl' der von 
ihm als Hannonik bezeichneten Disciplin und eine Uebei-sicbt der 
einzelnen im folgenden zu behandelnden Abschnitte giebt. Die auf 
das Frooimion folgende Ausführung nennt folgende 10 Abschnitte 
(Ton ungleicher Ausdehnung): 

1. Die continuirlichc und die discontinuirliche Bewegung 

der Stimme (heim Sprechen und heim Singen). 
IL Aufsteigen, Absteigen, Hshe, Tiefe, Tonatufe. 
m. Ist die grOsste und die kleinste Entfernung swischea 
Hohem und Tiefem eine nnbcgrenite oder eine hegrenste? 
lY. Definition von Ton, Intervall, System; Torläufige Ein- 

theilung der Intervnlh^ und Systeme, 
y. Das musikalische Melos. 

VL Die drei Arten des musikalischen Meies (das diatonische, 

chromatiseho. «»nharmoniBche). 
VII. Die symiihonisflien Intervalle. 
VIII. Der Gaiiztou uud seine Theile. 
IX. Die Unterschiede der drei Tongeschlechter. 
X. Die Folge der Intervalle im Allgemeinen. 

Soweit der gut und im continuirlichen Zusammenhange über- 
lieferte Theil dieses Buches. Dem Ihhaltsrenseicfanisse des F)rooi* 
mions gem&ss will Aristoxenus nach dem zehnten noch folgende 
acht Abschnitte ausführen: 



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Nach Ifsrqttard ein Byzantiniaches Machwerk. 189 

XI. Die eiufacheu uiul die zu»aiiiii)eiigeaetzteu Intervalle. 
Xn. Die ZoBammensetsang der einfachen. 
Xm. Die Sjateme. 

XIV. Die Mischnng der Taktgeschieehter. 
XV. Die Seala-Tdne. 
XVL Die Stimmlagen. 

XVn. Die Trauspositione-Scaleu. 
XVm. Die Metabole. 

Ati8 dem XII. Abschnitte, der nach Aristoxenus' gelegentlicher 

Aiiilruliing einer der wichtigsten uud umfassendsten der ganzen Har- 
monik sein soU, finden sich in unserem Huche einiiro wenige un- 
ziisHuimenhängende Sätze. Von den ikbrigeu Abschnitten ist darin 
gar nichts erhalten. 



Die Verdächtigimg des Buches als eines Byzantinischen 

Falsifikates. 

Die Scbidigiuigeu, wdcfae der Text des Boches in der handachrifUidien 
Ueberlieforang erlittrat hat» sind unter Anwendimg der einfaehsten Büttel der 
KrttSc fltmmtlich m entdecken nnd som TheOe m lieilen. Ea gelifirt ftst in 
das Gebiet der incredibilia, «as der neueste Heraiuigeber nnd Eikllrer Paal 

Harquard hub (h-m laiche bezüglich der Aufdeckung seines Zusammenhanges 
nnd bezüglich der Frage höherer Kritik gemacht hat. Dass Marquard daa 
Buch seinem „hochverehrten Lehrer Friedrich Ritsehl in dankbarster Gesinnung 
gewidmet" bat, wird steh dieser liaben geiaileu lassen müssen. 

Den Hauptanstoss nimmt Mar(|uard daran, dass die Reihenfolge der in dem 
Prooimion angekündigten Abschnitte in der Ausführnng eine andere ist, als sie im 
Prooiminn angekündipt war. S. 371: ^Karo dom Aristoxfnus w^ihreud der Aus- 
„fiihrung der Gedanke, da-*."? dieso Annrdnmrg und tlie Aufnahme dii^F'^r Capitel 
„be^if^'r sei als die in der Disposition angekiindi<rt<'n, so muRste er die Dispo- 
„öitiou ändern. Es ist einfach Istcherlich, eine Di^jposition vorauszuschicken 
„und fich nachher nicht nach ihr m richten; sie würde, während ihr Zweck 
,48t, den Leser zu orientiren, die gründUchste Verwirrung desselben bewirken, 
„wie denn jeder, welcher die Schrift in der jetzigen Gestalt suro eisten Mal 
nttest, Uber allsogroase Ueberaichtlidikeit derselben nieht ni Uagen haben wird. 
„8o Terfthrt kein yemflnfliger Schriftsteller, Icaum einmal die deatseben Bo- 
„mantiker, viel woiigar ein Schfiler des Aristoteles. Will man aber darin 
„eine Sntschuldigniig suefaen, dass die i^juX eme der frühesten Schriften des 
„Aristoxenus sind, so kann man gewisse Dinge, wie oben angedeutet worden, 
„allerdings anf Grund dessen entschuldigen, ninunermehr aber darf man anr 



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190 



Aristoxenus eratc Haniioiiik. 



ffHehmen» dam Aristosenua statt gerade im Anfiinge meh fechte Möhe za geben, 
„iseiiieii Ruf durch solche LttderUehkeiten habe begifinden woUen.'* 

Marqnard scUiesst ans dem Allem: „Man kann dreist annehmen, dass wir 
,,die8e ganze zerfahrene Behandlung aUein der Tlund des letzt« ii Eedactcars 
Terdankon haben, — nicht dein Autor, sondern dem, welcher in das ihm 
ffVorlie^ende Material ohne Bfi< k.siclit auf den Zusammenhang hineingreift und 
},8icb herausholt was ihm gerade mundet/^ 

Byzantinische Gelehrte pflegen fireiUch mit älteren giiecliisehen Schriften 
genau in der hier von Mar«iuard angegc!»cnen Weise zu verfahren. Audi 
Aristoxenischen Schriften ist dies SchirkM»! /n Thcil ;xewnrdeu. So hat ea 
Michael Pselloe nicht ftir elueu Rmd» i:« halT( u, aiw der uns handsrhrifrlich 
erhaltenen Kliythmik des Aristoxeuus ein <)]insfulum zu fabriciren unter dem 
Titel: Mi/ai?)X toü 'l'eXXoü zfioXafj,fJav(S(j,6va eU t^i ^ |iulijj.iy./j>* irAaz■^^[^y^•i. Da.-s es 
keine eigene Arbeit ist, sondern aü-roXeSci mit völlig willkürlicher und unver- 
ständig» Aeudening in deat'BxSlMUMgt der 8ttie abgesditieben ans Axiatoxenns, 
den er nnr obenhin im Eingänge einmal enrflhut ^ daa sagt Ifichael Psellus 
mit keinem Worte. Die ganse Bedeutung dieses Opuscolum besteht nur darin, 
dass die Rhythmik des Aristozenus nir Zeit, wo Psellus sie so sehandos plfin- 
derte, noch etwas vollstKndiger vorlag als in den auf uns gekommenen Hand- 
schriften, Bo dasH wir dem Byzantinischen fMbeuter noch immerhin zu ei- 
nigem Danke verpflichtet sind. 

Von der Art der rhythmischen Prolambanomena des PeeUua wQide nun 
auch die uns in den Handschriften dcB Aiistoxenus als dessen erstes Buch der 
^ Harmonik voiüegende Schrift sein, wenn andcit^ die Meinung Marrjuards die 

richtige würe. Vgl. Marquard S. 395. Idi ;_'lnube durch diesen Vergleich mit 
Psellus die Ansicht Marrjuards geniiu gi-tr itVcn m haben. Ic!t wirfI(<rhole ihr 
gegenüber die in inrinor {^ricchisclicn Harmonik uusgCHprochene IJt'liauptnng, 
das« jenef dtii NaiinMi des Ari-tiix( nus trag'ende harmonische Buch eben sosehr 
ein iietit( H Werk des Aristoxeuus ist, wie die den Namen des Aristo.xenus tragende 
Khytluaik. 

Nicht minder wie an der Rhythmik hat sich audi an der Aristoxenisehmi 
ersten Harmonik ein Bysantiaer versucht) der aber semen Namen nidit auf die 
Nachwelt gebracht hat Wir besitsen sein Fabrikat unter dem Titel des 
dv(6vu|i,oc itepl inoucix-i^C zum ersten Male herausgegebra von Bellennaiuii der 
stngl^ch das VeHUiltniss dieses Traktates m seiner Aristoxenischen Quelle aus- 
führlich besprochen liat. 

Wer sich also der Ansicht Marquarde anschliessen kann, der muss an- 
nehmen, dass aus einem Aristoxenischen Buche ein Bysantinischer Anonjntnus 

durch principlose wilde Umstelluntr der Haty.e ein neues Buch ähnlich den 
rhythmii«clien Prolambanomena des Michael Psellus gemacht h ilie, ein Bach, 
welches in den auf uns gekommenen Handschriften der griechischen Musiker 
den fnlsrltAH Titi ] des Aristoxenischen dp^ai dp(Aoviical oder t6 i:pö x&s Qxwgiiw^ 
äpp.o*'Uü)v fülu'u. 



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Nach Marquard ein Bjnntiiiiaches Machwerk. 191 

daa« daun ferner aus liic-om Machwerke pine.s Aiimiyiuu.s ein zweiter 
Anonyniaa (der Anonymuö Bellt^rumnns) durch tortgeö^tzU- prinL-iplose wilde Um- 
stuUuug uud willkürliche Aualaasuug vou Dützen einen zweiten Tractat Tii^l 
{A.'j9txfj; gemacht habe. 

Der eratc Traetat würde ein directer, unmittelbarer Au8;^ttg aus Aristo- 
xenui^, der zweite ein indirecter, ein Auszug des Auäzugcs sein. 

So mÜ9sten wir nach Marqaard glauben. Abi>r jener erste Aiu«zug ent- 
hält nach Marquardt Tiohatijttung wenigstens zu Anfnnp: noch rein Aristnxcnisehes. 
ohne T^m^tellun^ der Sätüc, Dies ist nämlifh «las Proniminn mit dem dariji 
enthaltenen InhaU.-^verzeiehnisse. Freilich könne aucii (ia.s l'rooimion nicht aU 
Tlicil dt'S Aristoxenl-iclien dpyol gelten, denn es seien Uruch^^tücke aus zwei 
verschiedenen Aristoxemischen Werken darin coutaminirt. Gerade in dem In- 
haltsverzeichimsc verrathe sich die Fuge des Contaminates. Der erste Anfang 
I 1 — 9 möge aus dem Eingänge der dp-^ai hergenommen sein, aber yon da an, 
von S 10-28, habe der Exeerptor ans einem anderen Ariatozenisehea Werke 
die Anklindlgnng der Abschnitte entlehnt. Doch wenn aneh aus 2 Tendiie* 
denen - Werken des Aristoxenns , Aristozenisch sei daa ganae contaminirte 
PrD<Hmion, ohne daaa der Byaantitiehe Anonymos daran scdne die Sätaa um- 
stellende und durcheinander werfende Hand angelegt habe. Aber mit deranf 
das Prooimion folgenden Ausführung der im Prooimion augekündeten Ab> 
schnitte § 24 beginue das Werk des Anonymus; unmöglich dürfe man dies 
fiir Ariftoxpnisrh lialten, da darin das Znsnnim*>Tigehörende au.« einander ge- 
trennt, .la der logische 7n<a!jnnonhang gestört, da es mit einem Worte eiuea 
Schülerrs des Aristoteles unwürdig sei. 

Ea ist nothwendig zur Bemtheilung der Marquardschen Verdächtigung 
die Eeihenfnljxe der im Prf>o'miqn aTigekündigten Abschnitte mit der Reihen- 
folge der Abticluiitte in der auf daa Prooimioa folgenden Ausführung zu ver- 
gleichen. 



Inhaltsreraeichniss des 
Prooimion. 

§ 4. Topische Bewegung der Stimme. 



§ 5. Absteigen , Anfsteigen, Tiefe, 
Höhe, Tonstnfe. 

§ 6. Abstand zwischen Hohem uud 
Tiefem. 



Ausfflhrung. 

1. Die Uuter.schiede in der topi- 
achen Bewegung der Stimme als 
conünnirliche (beim Sprechen) 
u. di8eontinuirlicbe(beim Singmi). 

IL Absteigen, Aufstelgen, Tiefe, 
Habe, Tonatnfe. 

m. Ob die grösste und kleinste Ent- 
fernung zwischen Hohem und 
Tiefem eine anbcgrenste oder 
begrenate? 



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192 Aristoxeniis er 

§ 1. Ton I 
Definition des Intervallea, 
Ebtheilmig, 

Definition 6m Sjstemes. 
EintheUiuig. 

§ 8. AllgemeineAndeutung der Arten 
deslidoB. 

S 9. Die drei Arten deemnsikaliaehen 
lifelos. 

10 fehlt).- 

(i IX fehlt). I 

{ 12 Die Topoi, auf deiim die drei 
Tongeechlechter l>emhen. 

- f IS. Die Aofeinanderfolge der Intern 
Talle snsudeuten. 
(12 u. 18 in den Codd. omgestellt). 

$ 14. Die einfafthen nnd zusammen- 
gesetzten Intervalle. 

§ lö. Die Zu^aiauieuseüsuug der uuzu- i 
saauuengesetzten. 



te Hannonik. 

IV. Defiuitioa des Tones, 
Definitiou des IntervaUes, 
Definition des tSystemes, 
ELatheilong der Intervalle, 
EindieUiing der Systeme. 

y. Allgemeiner Unterschied des ma> 
sikalisehen Helos von den fibri- 
gen Arten des Melos. 

VI. Die drei Arten des musikalisehoi 
Mekw. 

VII. Die symphonischen Intervalle. 

Vm. Das Ganzton-Intervftll und seine 
im Melos vorkommendoa TbeUe. 

IX. Anf welche Wei^e die drei Ton- 
gesehlediter entstehen? 

X. Die nnmittdbare Aufeinander^ 
folge der Intervalle soll im Um- 
risse angedeutet werden. 

XL 1^ emfiMhen nnd insanunen- 
gesetsten Intervalle. 

Xii. IJie Zusammensetzung der ein- 
fachen. 



Die Abschnitte I~VI sind ^ouau so ^uch im Inhaltsverzeichnisse des 
FrcKiimiou angegeben, wenn man die in der Handschrift fehlende Erwähnung 
des Tones § 7 rpstitiiirt. 

Von Abscltnitt VII au. ssigt Marquard, ntiho dnprejjon die Aiisfüliriuin; 
mit dem Pruuimiou im VVider.si)ruche. Auf VI s<*lle iiiimlii-li (Irm l'n»oiaiiou 
gernftss folgen, „was imter der Aufeinanderfolge der Intervalle zu vt röt^^hen 
sei? '; lätatt des.sen folge Abschnitt VII „die symphonischen Intervalle*', welche 
dem Prooimion zufolge § 12 erst hinter IX den Ton^resehlechtern folgen sollten. 

Die von Murrpiniil liervorfrpholx'ni'u Wider-prüche zwischen Inlialtsver- 
zeichniHH nnd Ausführung in der Keiix iitulge der A1»R«*hnitte «ind vurhaudeu. 
Jenes aind die kleineren, dieses die bei weitem grösser.'u .Massen. Marquurd 
vorlangt, dass jene kleineren Massen, vt>u deucu auf jeden Abschnitt nur 
Wenige Zeilen kommcu, die Norm für die Anordnung der grösseren Blassen 
abgeben sollen. Das ist freilich, wie Ifarquard einsteht, munöglich. Das Um> 
gdcehrte wOrde mtfgUdi sein ^ dass nSmUch die kldneren Massen, die nur 
wenig Zdlen enthalten, naeh Uassgabe der grösseren Hassen (der Aiisfllhrnng) 
sieh ordnen sollen. Nach Marquard beruhen die Dtscrqpansen iswisdien Ana» 



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Nach Marquard ein Byzaatiuisches Machwork. 198 

ftthrong und l^ooimion in der Ansfttfaruug. Dass sie im Fiooimion liegen kffnnten, 
diMD hat Marqaard nieht gedadit Er hllt das InluütsverzeicfaiiiBs de« Pro- 
oinions in allen Stttcken f&r intaet, so '«ehr aneh sonst nach soner Ansicht 
das Pro<Hmion von Hinteln der TextesttbelrUefenuig wimmelt Man hat nidit 
die mindeste Garantie» eine Iflckenlose TextesftberliefiBnmg gerade Bifr das In- ' 
haltsverzeicbniss des Prooiinions vorauBzusetwn, um so weniger, da dies 
Inhaltäverzeichnias nach Uarquanls Vt rsiohernn^ ja aus zwei verschiedenen 
Werken des Aristoxenes» den df/^oX und noch einem anderen Werke com- 
pilirt ist 

Wnlleii wir jt'tzt unscni Blick auf dif einzpltifn Abpchnitto riclitfii, welche 
im Prdoiimou genaiiut sind, und auf ditjcnigt-n, NNvlciu; liiiit«_'r ilcni Praoimion 
ausgeführt werden! Alle elf Absehuitt<* «irr Ausführung sind aucli im luhalta- 
verzeichnisse dets l'ruuimion genau^it mit Ausnahme des VII. und VIII. Ein 
dritter Abschnitt X i§ 13) ist im Prooimion an eine andere Stelle gesetzt als an 
diejenige, an welcher ihn die Ansfllhrung bdiandelt Die Annahme einer Lfieke 
im Prooimion, in welcher der Lihalt der beiden Abschnitte VII und VIII ge» 
nannt war, etwa: 

§ 10. Sodaun sind die symphouificheu Intervalle näher zu behandeln. 
$ 11. Darauf ^ d«r Oamton-lbitervall wbl definiren und in seine Theile 
einzutheilen 

und die Annahme einer eiiuigt^a Umstellung (der §§ 12 u. 19) hebt alle Discre* 
panaen xwisehen der Ausftthruiig und dem Prooimion auf. 

Dass nicht auch Marquard diese Lflcke nebst der Umstellung erkannt hat, 
dasa er das Inhaltsveneiehniss des Prooimion durch und durdi fitr unverletzt 
hXlt und lieber die ganze Auaführung fttr Byzantinisches Fliekwerk erklSrt, 
dazu bedurfte es seiner ganzen Voreingenommenheit gegen die AusfEllirung, 
bei der er „vom er^^tcn Durchlesen her über allzugrosse DeutUchkeit nicht zu 
klagen .hatte" und die ihm auch spftterhin nicht klarer geworden ist. Sie ver- 
führt ihn, lieber die Auslassung von ganzen umfassenden Abscimitteu im ver- 
meintlichen Originale der AuBfühnmg, als einen Ausfall von wenigen Zeilen 
im Inhaltävcr/ ciulniiji.se zu statuiren. 

Wo Manjnard mit 8<> einfachen Mitteln einer gesunden und besonnenen 
Kritik (fast mit Hausmittelchen, wie Wilhelm Sigismund TeuilVi .^agen würde) 
hatte helfen können , thut er Heber das UngeheuerUche: er erklärt dii; guuze 
Ausfthrun^, die ihm beim ersten Durchlesen nicht übermä.^äig klar gewesen 
sei, flbr das nach einem Aristozenischen Originale angefertigte Madiwerk einw 
Byzantiners. Das heisst freilieh ein drastisches Mittel angewendet! Aber welch 
leichtsinniges Fortgeben altgriechiachen Gutes! VPdche nicht au revocirende 
Uogerechtigkdt In dem Vorwurfe der Lüderlichkeit, mit der er die gewisse- 
hafte Arbeit des AriatUEenns zu misereditiren sneht! Marquard gleidit dem 
thSrichten Manne, dor oin wcrthvoUes solides Hans, mit einigen alten kostbaren 
Möbeln darin als Erbtheil empfängt, aber weil zwei Zimmer der Möbeln ent- 
behren und weil sie in einem dritten verkehrt gestellt oder etwas geschädigt 
Arlitoxenut, Melik a. EbfUumik. 1^ 



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■ 



194 ArUtoxenufi erste Harmonik. 

ftind, dfts Werth volle «^de Hans» weil es nieht ai den Mtfbeln paaee. lu Ter- 
nichten be&eUi Denn was macht Blarquard mit Aristoxenus anders, als dass 
er dem Leser g^enüber ihn und seine Autorität veraiehtet, indem er ihn für 
eine Byaantiadie Ubehnng anagiebt? 

Der Gnmd Ar a]le diese Rehauptungon ist ärm Ilcrrn Marqnard aageblidi 
die gros.se Discrepanz, weldie swisclien Abschnitt VII ff und dem Vorauspolienden 
bestehe. Es herrsclie hier volle Zusammonhaugslosigkeit. Aus dem überlieferten 
Texte geht her^'or. dass gerade das T^incekphrt/^ d^r Fall ist, niimlich dftss guter 
Zusammcriliang vorhanden ist. In dem Vorausgehenden heisst es Abschnitt III 

tot; ir.tni tojt 'er.ioxiynoöoit rEipa-riov, d. i. „Dasf* <i( i Abstand z^^^8eheu Tiefe u. 
Höhe, wenn wir die Stimme und das Gehör berücksichtigen, uicht uncudlich klein 
oder unendlich gross ist, ist also klar. Wenn wir hierbei aber auf die Natur 
des Melos au sich Bfiduicbt nehmen, dann wird es der Fall sein, dass die 
Grösse des Abstandes bis ins Unendliehe geht. Aber Tielleicht ist es niebt 
i^tliig für jctst darttber m handdn; deshalb soll in dem weiter Folgen- 
den der Versuch gemacht werden, dies m untersuchen.** 

Wo ist der mit tolc liccira bexeichnete Absdanitt m suchen? Es ist 
der Abschnitt VW, von welchem Marquard behauptet, dass vr von einem an- 
deren Verfasser herrühre als das Vorau.sgehende. Dort beiast e.s nämlieh § 47: 
n5t(jj (Aiv ouv 0J% £'jixtv £ivai Ti jx^Yt^TOv a'jfji'f ojvov oiisTT^ixa. Ka-a (a£v:c(1 tt^v 
T^acrioiv y'/f^'S'v 0.{fOi T,a£T£poiN tVjv tc öid tf,: toü dvftpturo'j i^twvf,; ^(v<''iiiivr^-i 
xai TTjv oiä TfuM 'ypifavtuv) ^palvETdi xi lAi-ytOTON emv xtbv sujjl'^cüvcuv. z'i'jxo o ist', 
Ciia -tvre v-ul to ^ia otä r^5«j**, 'jiym fon toO tpla otd Tizvis o-ix ftt ^titeivoiiv etc. 
,,So scheint es nun muli der Xutur dvi> ki;iiiv äu^serste (»roiii;»! für 

„die Grösse der s^inphouischen Intervalle zu geben. Jedoch mit Kücksicht 
„auf unsere Praxis (ich nenne „unsere** die durch die menschliche Stimme und 
„durch die Instrumente gegebene) giebt es aagcnsdicuilich ein grösstes unter 
„den symphonischen Intenrallen. Und zwar ist dieses das aus der Doppeloctave 
„und der Quinte zusammengesetzte Intervall, denn bis su dreiOctaven können 
„wir nicht hinaufoteigen.** 

Marrjuard scheint die Behauptung, dass der Abschnitt VII von einem an- 
deren Verfasser als die TOrausgehcnden (von ihm dem Aristoxenus vindi<'irten) 
herrülire, nicht anders als in den» guten ( Jluuben au.^ge8]n-ochen zu haben, dass 
diejenigen, welche diese IJehauptung lesen, die A ristoxenische Harmonik selber 
xnig» IcHcii Insspu würden. Denn wer sie wirklich mit oinip tn Nnclidoriken 
liest, der weiss sofort, dass der Vi rfas^er des Abschnittes nn<] drs Ah- 
scliuittes III ein und derselbe ist. (l;v>s uoim also Abschnitt III, wir Man^uard 
sagt, Aristuxeujeeh ist, dass dann umli der Abschnitt VII den Aristoxenus 
ebenfalls ziun Vei^fasser hat. Dasselbe wird man auch für die weiteren auf 
VII folgenden Abschnitte finden. Whr kdniMn es unterlassen, auf die betref- 
fenden Stellen hier hinzuweisen. Aus unserer Ausgabe und erlfiutemden üeber* 
Setzung ergeben sie sich dem Leser von selber. 



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Daa Prooimion nach Marquard conglutinirt. 



X95 



Die angebliche Entsteh uiisr des Prooimion 
ans der CoDglutination zweier Aristoxenisckeu Schriften« 

Das Äufialleudeste in der Art der Kritik, welche Herrn Marquard für 
ArUtozenus beliebt, ist dies, djiss er das mit der folgenden AurfUhnu^ ideht 
Btimmende InhaltsveReicbniss des P^imion, um dessentwOlen er die gerne 
Aueftthrong dem Aristoxenus abqwicht, des eiiflSJIeadste — sage ieh ist 
dies, dass er das Prooimion swar f&r Aristozenisch erkUrt, aber nicbt ans 
Einem Werke entnoDunen, sondern ans swei verecbledraen Werken des Ari* 
stoxeniu> coutanünirt wissen Wäre, das vtnhr, m wäre schwer m begrei> 

fen, weshalb das Inhaltsveraeichniss ans zwei Werken' genommen sei, die 
erste Hälfte aus pinom , die zweite aus einem anderen. Noch scliwerer aber 
ist einzuff'hen, wie Marquard das für höhere Kritik haiton kann, wenn er ans 
einem Iiihaltsverzeiclmisf'e. das aus zwei verschiedeiien Aristoxenischeu Werken 
coiituiiiiiiirt ist, das Kriti rium für die Autbenticität uder Nicht- Autheiitieität 
der dem Verzeielmis»«' tulgt udeu Auafiihruug entnehmen zu können glaubt. .Ja, 
wäre es ein einziges, in sich zusammenhängendes Inhaltsverzuiclmi» eiius ein- 
zigen AristozenlKhai Werkes, so lieäse iddh naeh demselben eramisai, ob die 
AnsflUimng des InhaltSTendehnisses donaelben Werke des Aristoxenns wie 
das InhaltsverceiehniM angehe oder nieht Aber wenn, wie Marquard beliaup> 
tet, der «ste Tbdl des InhaltsTeiieichnisaes einem anderen WerJce als der 
sweite angehffrt! Kann es da noch masegebeud für dasjenige sein, was auf 
das Inhal tsveneidmiss folgt! 

Doch hat CS mit der Contamination des Inludtsvcrzclehnissr nn< zwei 
Aristoxenischen Werkim eben so wenig zu sagen w'ut mit allen übrigen Ergeb- 
nissen der höheren Kritik, welche Marquard an Aristoxenns ausül>t. Die Fuge 
der r'ontainination sei im InhaltsYerzeichniss deutlich genug 2U erkennen, öie 
finde sich in dem Satze: 

§ 12. Kit" äsoooTdo'v ti; Tilr< ■^vtthi oia^opa; ajtdc Td; h toT? xtvojaivoi; 
TtfW ^Bö"]fYOJv. Das-s da.s ein dem Inhalttr nach durchaus zusainnienhäugcudi r 
Satz ift, dessen Worte, auch wenn ein handschriftlicher Fehler darin steckt, 
aufs engste znsammengobSrcn, weiss Marquard recht gut Denn Marquard 
selber setzt in seinem exegetischen Commentare zu Aristoxenus die von diesem 
und anderen Musikern sattsam wiederholte Ldire auseinander, dass der Untere 
schied der Tongescblechter auf den sogenannten veränderlichen Tdnen der 
feicala (den xtNoöpe^t f 9<rr<>^) beruhe. Der Proalambanomenos, die Parfajpate, 
Hypate, Mese, Xete ^ind uuverändrrlich (ioTOite;); Farlijpaftef Ltchanoa, Trite 
sind veränderlich : dureh das Aufwärts- und AbwärtH-stimmeu der Ietzt«'ren 
wird die Verschiedenheit der Tongesehlechter hi>rvorgebracht Dm natttrlieh 
ist es, was in dem vorliegenden Satze des § 12 1-:Mr^!i( li an^regeben sein mnas. 

Nun ist freiUeh in den Handschriften < in Wort falsch überliefert: statt 
Itofop^ «^TflU steht ota^opd« autt)«. Schon Meibom weiss, dass das falsch ist, 

IS* 



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196 Aristoxenus ei'gte Uarmonik. 

weiss aacb, dass (t«fop^ «6t«$ geschtieben wwden muas. „Hilft nichto**, meint 
liaiqnaid, „mtn muM den Sats lertrennea!" . Er giebt den Text* wie wenn 
Meibom niemak gelebt bfttte, und fibenetzt „Alsdann sind die Unterschiede 
derselben in den beweglichen KUngcn auseinander m setaen.** Was „d»> 
selben" bedeuten t<olI, erfahrt man nicht. Marijuarcl setzt voraus, aus dem 
Commentare werde es der Leser erfahren. Da erf&hrt derselbe, das.s es gar 
nichts bedeuten soll und überhaupt nichts bedeuten kann, denn das seien zwei 
unvollständige Satzfolgeu, so zu lesen; 

Elt dfceSotlov Ttt« twY fVixStt (t«f opd$ aftrijc 



Hinter «iiij« (oder vor a\nf,i, das wbrd nicht Idar) aeige dch die Fuge, die 
aus der Contamination swder verscbiedenen aus swei verscliiedenen hanno» 
niselien Werken des Aristozenus genommenen Inhaltsveraeiehnieeen surückge- 
blieben sei. 

In dem handschriftlich überlieferten Texte fehlt allerdings ein Wort, auf 
welches man tSv y^vuiv ita^o^d« aOrd« beziehen könnte. Wir haben S. 1^2. 
aus anderen Gründen nachgewiesen, dass vor den Worten des § 12 eine hand- 
schriftliche Lücke vorhanden ist, in welcher un«prüngUch eine wie auch immer- 
hin gehaltene InhaltAanzf'ige des Abschnittes Vlil stand, welcher in der Aus- 
führung § 49 mit 'i« n Wui tcu schliesst: 

Das sind die drei kleineren Theile des Ganitones, die drci&cbea eigen- 
artigen Bestandtheile des enharmonischen , Chromat beben, diatoniseben Tonge- 
schiechtes. Darauf folgt nun in § 12: ,,Bodaun sind die auf den veränderlichen 
Scalatönen beruhenden Tougeschlechter selber zu besprechen'* : erst die In- 
ter vall- Megethe, auf denon sie benihm 11), dann die Tonpe«chlccbtor 
sclhcr. das enharmnnisch«», chrouuiti>eliy , diatonische und ihre verschirdmen 
Cbjoiü § 12K Das i.-<t Alles im besti ii Zusammenliange und die vermeintliclic 
Fuge der Contaminatinii, welche Miirtiuard vor oder hinter n-irf ; eikauut haben 
will, ist vielmehr ein längst von Meihnm berichtigter Fehler der Hiuidschrit't. 
Marquard weiss mit dieser Berichtigung Meibom*s nicht anzufangen, weil von 
Meibom nodi nicht die Lficke § 10 und 11 iL die UmsteUung der §§ 12 u. 13 
erkannt war. Wir könnten uns auf jenes tun fv^w o(oi<f<<f>dc als einen 
evidenten äusseren Beweto für die Richtigkeit unserer Annahme der Läcke 
und d«r Umstellung S. 193 berufen, wen» hier noch ein Bew^ nötiiig wttre. 



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Ihr ZuBammenhang mit anderen Schriften (Vorlesungen). 197 



Zusammenliang der ersten Harmonik des Arlstoxenns 
mit anderen Schriften deBsellien. 

Bezüglich der angeblichen Zweitheiligkeit des luhaltsvcrzeiclmisses sagt 
Marquard tVmei noch: 

Das liihaltävcrzcichaitjä begiaut uiit den Worten (§ 4). 

|iatc6eeft« ntpl fi£Xou( ait/^v tt^v xottd tiisort, 
Ee seUieaat mit den Worten ({ 24): 

Td (ftev ovv Ti)« dpfM^iJ« ««Xovi^ivijc Imor^iAi]« p-ifri Ta&rd t« »«l tooaOrd 

Im Anfange des Buches hatte Ariatoxenua nftmlich gesagt <S 1): 

xai TOl€ tovoi; oijx£ti tajTTjt iorU. 

Marquard deiJit sich, aus der am Anfange des YcrzeichniwMa genannten 
r.ipX fx£Xo'jc ?:pa7fxaTcia stamme der erste Theil des Verzeichnisses, aus der am 
Ende (§ 24) ir»'nruinten dpfiovev/?, l-'s-'i^'j.r^ stamme der zweite Thf^l. Und zwar 
aus folgend*)) ("iinulo: „Die ersten sechs Abschnitte unseres Buihes il 
behandeln Diugc, welche meist von der Art sind, das» sio in eitur aouoM.x-Jj 
izl's■:r^^^.■r^ nicht stt^hon konnten, i>ie beiiandelu sozusagen alle mügUcheu Uicle- 
nieate der Musik" (Ii; in einer rtjii (AiXoy; i7:^zz^^^^r^ oder was dasselbe sei, in 
den d^i^at, seien sie überaus passend. 

Wie weiss Marquard etwas 'darftber, welcher Libalt fär die Artstoxeniaclie 
lapl fUXou« imorf^ixTj, und wdeher Inlialt fSat die Aristozenisdien dp/al passmd 
oder unpassend sei? Das von ihm bierQber Angegebene ist eben so sehr Phan> 
tasie, wie das was er Qber den Inhalt der dp{iov(»f) Imor^pii]. in der er eine 
Oompositionslehre erbliekensu massen glaubt, angiebt Er bestimmt die da» 
hin gehörenden und nicht gehörenden Dinge etwa nach der Oompositionslehre von 
Marx oder Lobi>, aber nicht nach der ausdrttcklichen, nicht misszuverstehenden 
Definition^ welche Aristoxenus von seiner dp|*ov(%i^ i:^vfit.9xtioi gegeben hat. 
Aristoxenns selbrr protestirt wiederholt dagegen, dass die «p|iov«i-Jj eino Com- 
ptisitionslehre sei. Es ist als ob er nich alle Mühe gehe, den Missverstämlnissen 
des Herrn Marquard im Voraus zu begegnen. Aber Herr Marcuiard liisst alle 
dipse Ver\vanuin;.o n uiibeachtet. Im Anfange unspffs Bnch«»f- sagt «Jit Ver- 
fasser, dutj.s die Harmonik die th«;orcti8che Discipliu öci, welche die erüteu Ele- 
mente des Melos, Tousysteme und Tonleitern, behandele. Darüber gehe die 
Kurmonik nicht hinaas; die Verwendang der Tousysteme und Tonleitern in 
der Composition (noiTjxi/.ij gehöre einer anderen Diseqtlin an (er meint £e 
(MXffiiQiia), einer Discipliu die nicht Ar die AnÜlnger, sondern fBr die seh<m 
weiter Fortgeschrittenen bestimmt sei. Das ist doch deutlich genqg« Dassdbe 
sagt er in dem Fragmente bei PfaitArdide musica 94 b: „Die Harmonik vennag 



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198 



Aristoxenas erste Uarmonik. 



nicht derjenige zu lieurtlieiien , welcher sich blos die Kcuutuiää der Harmonik 
erworben hat, sondern nur derjenige, welcher die tinutttliehenThdlederlittrik 
und die Mnsili als Ganses, so wie auch die Verbindung und Zusammenaetiung 
dw TbeQe im Auge bat. Wer bles Harmoniker ist» dcnr ist in enge Schranken 
eingescUesfleD." Das ist genau dasselbe, was wir in der ersten Haimoiuk § 1 
lesen. Aus wdcheoi Werke des Anstozenus PIntarch diese Stelle enUebnt 
hat) wissen wir nicht. Aber anch in seiner dritten Harmonik $ 8 wiederholt 
Ari.-^tnis das nämliche: „Ausser Harmonik gehört, wie ich stets sage, 
noch viele« andere hi dan Gebiet* des Musikers/' Also auch noch in anderen 
Schriften hatte das AristoxeniiB häufig wiederholt oder wenigstens seine Zu- 
hörer darauf fort und fort hingewiesen. 

Di«' Harmonik def< Arisfoxonns i«t also irsit Nichten piiie Compositions- 
lehre; das wisiseii wir aus »einer oft wiederholten Versicherung. Marquard hat 
das. übersehen. 

Und dass in den „otpyai* von allen niuglicheu Urelementen der Musik 
geredet worden sei, das hat Marquard wohl nur aus dem Kamen dpy al ge- 
schlossen. Ebenso wenig bat Marquard einen Grund, die <if7.«l mit der icsfl ■ 
|fclXooc imexi^iaii) sn identificiren. 

Wer nicht in so grossen Vorurtheilen gegen Aiistozenus wie Marquard 
be&ngen ist, der um Jeden Preis die Aristoxeuue-Schriften zu emem Coiiglomerat 
Bysantinlscher Ezeerpte herabwOrdigen will, dem kann das Verhftltni8s> in wel- 
chem unser Buch tu der et pl lAiXooc irpaYf^axti« oder ntpi (i£X«t»e iiROTf||Ai) steht, 
nicht verborgen sein. Aristoxenus selber sagt es ja deutlich genug: 

Die nepl fjilXcoc i«i«r^i*tj hat mehrevf Tlieile. Der erste Theil derselben 
ist die dpfiovtx-?) rpoYjiateia. Derselbe handelt r.toi oyoTT^ixatojv xil repi t'ivtuv 
in den XVIII Abschnitten, welche das l*rooimion des ersten Buclie? namhaft 
macht und von denen die voUstftndige Ausführung der 10 ersten auf das Prooi- 
mion folgt. 

Was darüber hinausgehe, namentlich die Anwi-inluiifr di r iSysteme nnd 
Tonarten in der zoit^tix-^, oder Cumpositionslehre gehüre niclit mehr dt r Har- 
monik au. Darüber wolle er, sagt Aristoxenus, c'* toi; f^stoust /f,(,vc»i; reden. * 

Auch noch folgenfle Stelle aus Plutarch. de mus. S3, die r{>enfall«: ans 
Aristoxenus stammt, ist herbeizuziehen: „Die Harmonik behande lt die TunL'«- 
schlechter, Intervalle, Systeme, die Töne, die Tonarten und die Metabule aus» 
einem Systeme in das andere. Aber weiter erstreckt sie nich nicht, so dass 
man nicht einmal suchen darf, aus der Harmonik zu erkennen, ob der Com- 
poniat die Tonarten richtig angewandt haf *. 

Also ein flemerer Theil der repi p-iXoii« imstfitii), ausser der dpi&evuti}j ist 
die (uXoicoiia* 

Aber ausser der d^ikO^tKi) und fiicXoicoti« mfisseu noch mehrere (tipi) su 
der ittpl (»iXoue imei^tAY) gehört haben, da es heisst „cfjc icf pl |&iXouc iimTi^(«.t]« 
icoXo(itpoOc o&9i](" (also mehr als swei, mindestens drei Theile). Welche 
mägen dies gewesen sein? 



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Ihr Zuäammeniiaug mit aiidercQ Schriften ^Vorlesuiigeu). 199 



ArisÜdes de mtu. fthrt als Disciplinen odor Theile der tnusisehen Kunst ftvf : 

3 (AipTj Tiyvixct: xpjjioH.Ä!i#v, ^■j&p.txo*' und ueTOU<i.v |Ji£po;, 
3 [Atpt] y&Tjattxa: {AcXorotla, ^üSfiorotla , ro(T,oi; (r*i«T,Ti7iiv u^po;), 
3 |Ji£pTj i;a-jYeATixd: dp^a-rtxiv, «i5a6v, y-oxpiitxöv jAipoi, d. L Instru- 
mente, Gk>flan(r, Action. 

Die Irtztcri'u iit iuit Pollux 4. 57 154, Arii-tuxrnuö gebnuK-ht dofilr den Ge- 
sarnnitiiauieu ip(ArjV£ta Plutarch. mus. 32a; weuigstenä begreift er hiermit die 
Orgujiik und die Odik. 

Vou diesfm 'il'-ri rf,i {j.oj5tvt/; k nui «Ik- Rhythmik, Metrik, Khythmo|M)ieia, 
auch die Hypukiitik nebst der Orchustik nicht zu deu [xepirj xf^; i:eoi aiXou; 
irioTTj[xT,; gerechnet sein. Denn Aristoxenus scheidet Rhythm. § 13 die repi 
jiiXo'j; dEtnpia von der «pl to-j; ^'jöjio-j; oder der vjH[i.iy.9j npaYjjiaTeta ab: «worep 
lv TQ Tou |&4Xou( ^6d«t Te9ecupT)via{A£v, ^ . . oSxwc (moX^jirciov £y(iv «al mpl 
tou( ^'ji)|*ovc . . . iiH TTTf^; ^•jSur/.r'; -pa7uaTc(acib9«0T«K tpafJiK WIt M oderiHm 
drttdEen die beiden Seiten der Murik, wdeiie Anstozeniis nüt )&iXos nnd ^fiös 
beiei<^net, m» «oa, daae wir von den tomaehen Elementen der Moaik (Melodie, 
Hannonie, Inatramentatioii) und den rttjfhuiiaclien Elementen der Uhiaik aptechen, 
wofür wir auch die Termini Meloa und Bhythmna gebrauchen kttnneiu Der- 
selbe GegeneatsE von ]»iXo; nnd findet sich auch Rhythm. § 21: Aonep 
oiv iv ToU Siaa-rfjfiaTixoi; OTOiycloi; jaev vtatd [asXo; bT^Tdn tiXi(|f 9i} ...» «tttui 

Wenn Spätere wie Bacc-hius p. 14 Meib. daa Wort (i.iXot in einem weiteren 
8innc gebrauchen: uiXo; hi iort -zh ix z^ffffun xnl ftn-:- rnA',^u•^ xiX ypov*t>v 
O'jYxcffitvov. wenn bei Anonym, p. 29 xü.twt [xeXo; die vollständige Composition, 
Ix stellend au.-» uth'ihii. ^'jHjxö;, ist, so kann da« auf die Int< r|irrtiti(jM ricr 
khiK II nicht niiaasuverstehenden Aristoseuisehen Stellen von keinem Eiu^ 
üudäc *fin. 

Die -epl (jLe)/>y; irtoTf^jjir orpiebt sich hiernach hU eine aun mphron-n 
Theilen bestehende — sagen wir Eueyclopacdic der Mn.sik nach ihn r tuni-dien 
Seite — im (Jt geusatze zu «1er rhythmischen Seite d< r Mn-^ik. I)iis> in der 
Aristo.xeuiäclu'ii xisol tiiXo-j; iT;i3Tj,[Ar, ausser der Haruiunik (iu dent S. lüT uii- 
gegebeuen Sinne) auch die [jisXonotla ein bei*ondere8 jAipv; bildete, läset sich 
einiger WabrBcbeinlichkeit aus Ariatozetras selber naehweisen, 

Von «sein« r Behaudlunar der Melopoeie nämlich spricht Aristoxenu8 in der dnt- 
ten Harmonik § 1 : Ks sx i aöthig beim Begimie einer Vorlesung genau den In- 
halt derselben anxugeben, was Pinto Temachltoeigt, Aristoteles dagegen stets 
sorgfUltig beobachtet habe. Aristoxenus wolle es für seine Hannonik ebenao wie 
Ariatotdea halten. Denn die einen nnter den ZnhOrere veraprichen aich von 
dieser Disciplin aaviel, als sei sie anareiehend ftkr die geaaaomte murikaliacbe 
Bildung. Einige glaubten sogar, dasa sie durch den Besuch dieser Yorleanng 
nidit nur Musiker, aondem andi in ihrem Cliarakter veredelt wifadcn, nnd xwar 
glauben aie das deshalb* „weil wir hi unseren Untersuchungen (Aber Melopoeie)» 



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200 



AristozeDttS ente HaniM>iiik. 



wenn wir in den euucetnen Compontionsarten m Mtxen Teisaditeiii in erörtern 
pflegten, daas die eine GempontioiHart nachtheilig, die andere vordieilhaft auf 

den Charakter riinv irkr. - ein teaevmtändniMi bei welchem sie den vortheil- 
haftcii Einfluss, dt-n 'Ik- Minik insgcsatnmt gewähren kann, gWtt und gar nicht 
erfasat haben." In der Melopoeie (denn diese ist, die hier gemeint ist) zeigt 
sich Aristoxpuus als praktischer Musiker: er componirtc in den einzehien Ton- 
arten, um Beispiele tler versciüeiientiu durch sie bewirkten Afficirung tics (ic- 
mflthrp 7A\ gebon. von d«»r auch Ariftot«'h's am Schhisse seiner Politik und 
riutn ni äC'iiii in Werke vom Staiitc gt achriobtu hat. Wt'un der letztere seine 
Leser zum beisereu Ver»tiiiiduitibt; dea verschiedenartigen Charakters der Ton- 
arten an den piaktiechen MusilLer Dämon verweist, der ihnen das klar machen 
kSnne, so aetst bereite Plate äne Unterwrisung in der Melopoeie Toraus, wie 
Bie Bpäterfain Ariatozenns nach eeiner eigenen Aussage gegeben hat Wir 
können nieht sagend daes Aristoxenus an jener 8teUe auf eine yen ihm ge- 
sofariebene Sebrift Aber Melopoeie binwdse, sondern er redet so, als ob es sieh 
um eine über Melopoeie gdialtene Voilesang handele. Wir wissen nun freilieh, 
dass die römische Kaiserzeit mindestens vier Bflcher des Aristosenus Aber Me- 
lopoeie beeass. Porphjrius ad Ptolem. harm. p. 298. Aber diese waren wohl 
nur der Ertrag jener Ober Melopoeie gehaltenen Vorlesungen. 

Ausser der fjieXorod« gehört auch noch das iffv^^xh'^ ixioo; (Theorie der 
Instrumente) und da« i'jotx^v |j.£po; (Theorie der menschhc) n Stimme) zu der 
r.cpl fjLiXoj; imvf^ii. Der ersteren gedenkt Aristoxenus in der dritten Har- 
monik § 3. 

Ammf>nius v. v.iita&i« citirt das Werk des Aristoxenus ,,dv t<}i ;:epl 
ipYavouv", Atli('niU'ii> 14 ji. 634d ..rd zcpi i'j^.öjs xoi dp^di^cuv" vgl- 635b 
174 e: Atli( iuu ur 14. «i'i te ,,;:p«i>Tov ;:epi ayXwv TOTjOcm;". 

liei diesen ihren vi<^r ;jip7]r -z'-uov'.-/.?, , f/£)or:f;t'.'z, ^yiTHAi^, i;ioixt, kann d\c 
Tiepl jJtiXo'j; änsnfjaT, von Aristoxcinis wühl als eine ,,ro/.'jp.£p'^i; O'jsa xal otT[jp/,- 
^ti'^r^ el; TTAeioy; (oia;", von «leueu die äpfj.C(vix^( die erste sei, bezeichnet werden. 

Auch auf eine der ersten Harmonik vorausgehende Darstel- 
lung beruft sich Aristoxenus. Er l itirt diese seine frühere Arbeit mit den 
Worten rjfj.iv '^t-^va^-'n '.favspov xoi; lixzpooöev ött ir.t'3xor.fyjni\ to; tmv dpp.o- 
Ntx<&v (g 3) „Es ist uns das im Vorausgehenden klar geworden, als wir 
die Ansldilen der Harmoniker betrachteten.*' Femer § 16 mpl -ffi ouvUiotos 
rf|c tA^ dauvftitnr« (taaTT^[j.dt<ov» ol« Spjn «al ov8t'^p««ti> elvei mo« avfißalvK» ol 

oftsv yI^oviv. »>Dass man ttber die Zusammensetzung der einfachen Intervalle 
m Systemen haadehi müsse, haben die Meisten unter den Harmonikem sogar 
nicht «nmal als Notbwendigkeit geföhlt Das ist uns bi dem Vorausgebenden 

klar geworden." Dann ferner über denselben Gegenstand § 18: 'KpoToxXfjC V 
fereyelpTjOev dva;ro5eix-ixü>; i^aptdjjiciv ir.i tt |j.£po;. 1)t£ o ojhh ^Xpr^■At\, dXXd 
Tzdvxa «l/e-jS-^ xal tü)v tpaivoii.£v{uv t-^ aln^i^on otr]|AdpTT]X£ , TEH^iupT^rai Eiir.po- 
o^ev St aOr^jV i^r^zäio\i.t'* Tfjv h^ii^iuIt* Taürrjv. „Eratoklea anter- 



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Ihr Ztuauunenhang mit anderen Schriften (VorieeangeQ). 201 

nahm es, ohue Beweisiiiknmg dne theilweise AuCzäbluug zu niacheu. Das« er 
aber Niehto gesagt, Modeni AUet fUsdi und der unmittelbaren Execheinung 
der TbatBaeben widemtrebeod, das bat aidi im Vorausgehenden gezeigt, ak wir 
eben diese Fmgmatie der Prafiing mterBogeiu" Snne im Voraittgeboidm ge- 
gebene PrffAiQg der Aneiebten der Harmoniker nennt also Ariatoxenne eine 
Fngmatie, so gat wie die Daxstellang der Haimonik selber. 

Aneh in der uns vorliegenden RhTthmik benebt web Atistoxenus mebr* 
iacb auf td I(&iipoa0rv | 1 1 ^tt |&iv t»9 ^9pe3 teXc(o\>c elal föott« laX iwU tic 

$ S: "Dtt |tiv o&v icfipl wjc xpÖYW»« ietl «al tfiv tq^tojv atefti]«tv, ctpiftttt piiv 

{ 6: *EiKt^ 6 p-tv XP'^ «ÖT&c «btiv o6 Ti|Avtt, «aftditf p Iv ?o7« l|i.i;po* 

Hirn muss TO ffjLirpoaftev von einem früheren Buche der ^uftfAizr, ito^y- 
{A«ts(a gesagt sein, denn das Yorliegendt; ist nicht der erste Anfang der 
repi Toj; ^uBixccj; inaTVjfAT^ , 8on<lt;ni nur dor Anfang eines einzelnen Buches 
dcrspllipji; iTi dem diesem Btichc Vorausgehenden ühihs von dorn ausserhalb der 
musisdieu Kunst ttu ErHch('inun<,' ki miini'ndcn Rhythmuij die Kede gewesen sein. 

Mit den ia der » isten Harujouik cruähnten „Tä IfATtpooftev" muss e» eine 
andere Bewandniss haben. Denn den uns vorliegenden Anfang der ersten 
Harmonik § 1 bezeichnet Aristoxenus selber als den Anfang der Harmonik 
§ 24: T4 fkis oa^ r?); äp(jic*vixij; »otXojfiivr^; it:i(jTf,u.f^; V i^^r^ raStd TS ««d TOS«&rd 
ioTU Td« V dvntipoi to6Ti»v R|>aYuaT(i«c diccp cTiropcv dp-//i^evei ttXetotipetf 
■nv&« &i»Xt}nTlev cW. Also der Anfang der dppMmxfj «pa^piattia kann xA liiispo» 
eltv nicht sein. Es ist Tielmebr, wie Aiistoxenns sellier ssgt, dne besondere 
die 5<^t tfliv dpiMviKAv behandelnde npvffMxtia, Dieselbe scheint in einer 
dgenen Schrift niedergelegt gewesen zu sein. Denn da^^jenige, was ArifltideB 
de niue. p. St aus den Diagrammata der älteren Harmoidker mittheilt, stimmt 
mit dem von Aristo-xenus Angeführten (vgl. S. 209) und kann schwerlich an- 
derswoher als, mittelbar oder tnunittelbar. aus Aristoxenus rpiYuaTela über «lie 
5<i;at äp|AOvixör/ entlt'hüt sein, l'nd doch citirt Arisrox-onu? . was er über die 
h^z'xi dip[jiov'7(ov fjcsHgt, in seiner <'rst< n Hiinnonik als t d i TTfiOOÖcv ! 

Verniuthlicli Iiielt Aristo.\enus einen Cyklu» von Vorlesungen über die ein- 
zelnen Theile der r.tpi [AeXou; i-i3-T;tAT,. Den ersten Theil bildete eine kritische 
Darstellung dessen, was frühere Schriftsteller über Harmonik gelehrt oder ge> 
schrieben hatten. Dies ist die itp«T(iaTc(a icepl td; Zi^ui dpfjiovt«Av. Es folgt 
als «weiter Theil $eaea C^dns die uns erhaltene Vorlesnng r.tpX r^; dp(i.ovixf); 
MXoopkivi)« icpaYfiaTiio«. Eine dritte Voilesang war die über tt-cXmcodo, auf die 
sieh Aristoxenos in seinem Prooimion mr dritten Hann<Miik bemft, nnd wdebe 
den Musikem der römischen Kaisendt in 4 Bachem vorlag. Eine vierte nnd 
fünfte Vorlesung mag die Ober ip^avt»^ und über «titwfi gewesen sein. 



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202 



Aristoxenus erste Harmonik. 




oder in^o-n%i\ iz^ifitiTtim, 



o' fjiipo;: ro nepi twv ip^d-^ouv, 
(c' [A^po;: tf)?i7.6v [jilpo; ?) 



Wenn AntstuAt inis .'-aprt: „td ?urrr,';sHf-,", su ist diimit nicht das guineint, 
%\a> dem betretfenden Abbchnitie der ilumiumk Vüraasgelit, suaderu daa, waa 
iu dor n£pi pidXoj; i-WTTjpiTj dem dpfj-ovixiv jiiXo; vorausgeht mid was eben mit 
diesem dp[j.o>t«6M im lUIclisten ZuMunmonhaiig steht, etwa als hiBtorische Eio- 
leitung der Harmonik. 




ERSTEH HAUFITHEIL. 



EIN6ANGS-ABSCHNITTB. 
ProoimioB« 

§ 1. Da die Wissenschait vom Melos*) aus einer Anzahl von 
Tbeüen bo;<teht und in mehrere Disciplineu zerfällt, so muss eine 
derselben der Beihenfolge nach die erste sein und eine elementare 
Bedeutung haben. Diese ist die den Namen Harmonik führende. 
Sie behandelt nämlich die Theorie der Elemente^*) des Sieles, d. h. 
dasjenige, was sich auf die Theorie der Systeme und der Tonscalen 
bezieht Nur dieses, aber nichts weiteres, darf mau von dem der 
Harmonik kundigen als solchem voraussetzen, denn eben darin be- 
steht das Zirl (Zweck) dieser Diseiplin. Was da noch weiti iliin bei 
<h'r N'crwciuluiig Systeme und der Tonscalen in (h^r Coiiipo.silion 
ein Gegen^laiul <ler theoretischen Untersuchung ist (nämUch die 
Melopoeie)t). gehört nicht dt i Harmonik, sondern derjenigen 
Wissenschaft an, welche die Harmonik und zugh it h die übrigen 
Disciplineu umfasst, die im Vereine mit einander die Theorie der 
gesammten MusUc bilden. Es ist dies der Inbegriff dessen, was 
zum "Wissen und Können (zur Hezis) des Musikers gehört ft). 

•) Mannianl S. IMI: „Hier ist dn6 \\\at in seiner allgemeitiateu 

Bedoutuug zu uuhiauii: musikalische CompoBitioii/' Gründlich falsch. Ruelle 
verweist bezüglich „|jiiXo;** auf Notices et Extraits des uumut^cripta XV^I (1»4T) 
Tomrit^ de M. A. J. H. Vincent aur la musique des sneieiiB Grecs p. 6. 

Drtf» Wort ui) im naisikalischpn Sinne bedenr>^t TrnnMchst und urt}{irünglich 
einen (Jt sing-, t in Litd, ein in Tönen vurpetrageiic*» Ciediclit, eiuschUeaclicli der 
begleitenden hmtnuneutaltoue; gleichbedeutend mit 7a;Ao, e;j8rj. Dtukt nmn 
daran, dass das üed auch durch blosse Instrumentaltöue uacligebildet werden 
kann (Lied ohne Worte), and dass auch die b^leitenden Töne ala |i.iXoc ge- 
faast werden können, so ist die Definition bei Bacchiufl p. 14, 28 ToUkommen 
ausreichend: MiXo« . . . inl hk i% cpddfycw ««1 (taoTT,}idT«i> x«l /p^vewv outxcU 
litvQp». Wie hier durch die Worte ,»«al y f^nw*" angegeben ist, beieiebnet das 
Wort |AiXo« in dieser seiner Sltcren Bedentang das betr^nde Mnsikstfick 



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204 



Aristoxeotts erste Harmonik § 1. 



nicht bloss nach «einer tonalen, sondern auch naeh setner rhythmischen Seite.* 
Plate rep. 3, p. 396: »ti (i.£Xo; i% Tpi6bv ivd oa^vtclfitvov, U-^o-j (s Xi^w;) t« 
x«l apinovitt« «al ^tiVo^* ^ P' ^^ch bei Aristid. p. 19; 28, 24. 

Doch da in der Husik die Qualität (d. L H6he und Tiefe) der Tdne das 
Chaiakteiistische ist (denn der Bbythmns k<Mnmt anch in dem Beeitations-Ge« 
dichte, nicht bloss in dem gesungenen vor), so wird im technischen (Jebrauofae 
des Ariatoxenus und der sich äii ihn schliesscndcn Älusik- r das Wort uiÄo; 
aii!>«irh1iesslich auf die tonale Seite der Musik, auf die Melodie- und Beglei- 
tuiif^stöue bezogen und dorn piitgegengesotzt. l>as man schon vor Ari- 

sroxenus das Wort vorzug;»wei8e auf das Tonale bezog, zeigt z.B. Horn. Uymn. 
lÖ, 16; 

■ (jjÄ. 'iv töv^c rapv'jviii.'ji i-; ;j,£/.it03tv, 

und nu'hrfacli auch Pindar. 

In keinem anderen als «ruMem exclnsivon Rinne wird da.s Wort durch- 
gäiigi}]: von Ariatoxenus cehraiicht. LrcMan wie in der aus dem MusikiT I>ionv- 
sius drill jüngeren (aus df Ui crsti'n Buche -api h^xoio-r-ws) bei Por]ilivr. 
ad Ptolem. p. 219 citirt<*n Stelle : Kari fjiiv t'/j; eioaovtxo-j; ata 5y£orjv y.'it 
f, otuTfj O'jola ioTi fjjl);joii -i /.ai aiXou;, ol; xo x«yj ooxti to ,^apu ^paoj, 
xal xaö'JXou oij x6 T^pjj.osjjiivov xivf|3eai^ ttvmv 9U(ji]AeTp(4t x*l dv ä^yoi; dpidjjiüjv rd 
i(t[tEX4i (iaorfj|iaTa (Analogieen nrischen Helos und Rhythmus). Wir kltainen 
zwar das, was die Grieehen unter Meies verstehen, durch Umsdiveibungen wieder« 
geben („tonale Seite der Musik"). Alier das einfachste ist es, hierflBr eben 
das Fremdwort „Melos" au entlehnen, ebenso wie wir den ,,Rhythmtts" in nn* 
serer Sprache Iftngst acclimatisirt habw. In diesem Süuie hat berdts EL Wagner 
das Wort Melos in Gebrauch genommen. Wir bemerken, dasa unter 
„Melos" Alles ^'ehört. was nicht Sache desBythmus ist, nicht bloss dieMelo> 
die, sondern auch ji-irlieln- Harmoni.sirung. 

Wollpn die ^lu^ik-Schri^'t8tellcr das Wort ,,;j.e>.o;'* in dem zuerst angege- 
benen aUg«'UHan»'ii älttmi Sinne gebrauchen, so fiiffon sif* .,t:) >:'0-<" hinzti d. i, 
..voll»» Mf'Ins". „ilcia amli der Khythmus nicht fehlt." Ihi wie zu Anfang 
bcujcikl da« Wort fA£/.o; in ursprünglicher Bedeutung deuHelben Sinn wie iaixa 
und i^üi hat, so konnnt ti/.4iov jjiiXo; geuuu nnt dcnijcuigiii überein, was bei 
Aristides p. 32 Mcib. „tiXcta tpof/', „perfe< ta cautilena'', genannt wird: jjiiXo;, 
^ ji'aö;, Hlii . . . t«&ra a6piieavTa p-iYvCiiieva -iiu tcXclav u/>f,v Tioiet, bei Mart. Ca- 
pclhi p. 190 Meib. „qnae euneta socia perfeetam fadant oantileoam". Vgl. 
Anonym. Bellerm. prior § 12 Mou«i»il|; ionv imexf^iAV) i:4pl pii).oc t6 tiXttov 
9to»pi)Tt»^ tän it a^t^ «al toU {^ipcaiv aMfi. 'AXXot Ii o$tai$ 'FJ^ 9sflipt)ti«fj 
tt xal npaxta^j xal iMti^mij t6bv iwpl tb tiXctov piiXo«. Moo9tx6« H lextv 6 
l|irctfoc toS TcXf top (liXotic xal (uvdijuvos in' dxpt^clac xh irpimv ttipfisoi xs 
xal xpCvat. 



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Prooimiou. 205 

Anonym. BelL posterior § 29 Mouwfj ioxtv eTiwTf^fnrj ^lai^r^nx^ 
Kpsxxtx-^ fjiiXotic tiX«lo» Tf xol ip^antKOO. ^ T^x'^i i'<^*^) Tupnrfvwjv Tt »al n^j 
icptitdvraiv ivfftIXcoi «ail ]^(*9|&oTc . . . TiXctov Ii pi^Xo« im\ ouy'/'-^.'^^''^ 
Xi^nc »al |tiXo(ic «al ^ui(M9. Fflgen wir nocb huisO) daas das bloaae „(iiXoc", 
ebenso iHe (AcXtpSUt, i^pptooplNov bei Ariatozeniis niemals im concreten Sinne 
von ansgefttbrten Compositionen wa verstehen, niemals „»«tt* i^prctav" ta fassen 
sei, sondern stets „««rd «iiv«pttv" von dem abstrakten Tonmateriale» welebes 
der Künstler för seine Compopifioiu n hrnntzt, aber ftlr Aristoxenus nur rUcii- 
ticbtlich seiner Bescbaffeulieit als .Material ein wissenschaftliches Interesse hat 
MiXo;, [ieXoiof'T, r,fiaoc!i.ivov heisst bei AristOK'nus so viel etwa wie ..Tonldtern", 
In dem Sinne des Aristoxenus könnten wir au< Ii die Scalen, weiciie sich bei 
Plato im Timaeus aus den l^roportionen des Diuiiurgen ergeben, ein piiÄof, 
tjpfi.ooj^iivotf, eine {AeXqiola ueuueu. 

**) Theorie d«r Elemente des Melos, oSs« tAn irpi&Taiv rfiv Iv{a{Xsi9s«i- 
pi)Tmf|. Steht weder in den Handaehriften nodi in den Ausgaben, wohl aber 
in den mittelbar aus Ariatoaienus exeexpiienden Porpbjr. ad PtoL und Anonym. 

de mus. I n. II, nur dass statt -^.ih-um töv h ixiln die Worte icp. t. £v {xojstx^ 
ttberliefert sind (Porphyr.) Diese Lttcke bat aueb Carl von Jan im Pbilolog 
XXIX p. 360 ff. eriianut. 

t) Auch hl dem Aristoxenisehcn Fraj^uieutc bei Plut. de mus. 33 wird 
die Melopocie von den Theilen der ÜHi-monik ausgeschlossen. „Die liarmonik 
idbnlichbebandf^dieTongeschleehtar, Inten^iUe, Systeme, die Töne, die Ton- 
arten und die Uebergänge ans einem System in das andere, aber weiter er- 
streckt sie sieh nicht, so dass man nttmlich niebt einmal soeben darf, aus der 
DiscipUn der Harmonik aa erkennen, ob der Componist in dner dem Charak' 
ter der Tonarten entsprechenden Weise den Anfimg in hypodwiseher* oder 
den Schluse in mixolydischer oder dorischer, oder die Mitte in hypqibrygischer 
oder phrygischor Tonart gesetzt hat, denn auf derartige Fragen geht die Dis- 
cipUn der Harmonik nicht ehi, da sie die Bedeutung.' des einer jeden Tonart 
eipenthümlichen Cliaiaktors unberücksichtigt liisst. Denn weder die Theorie 
des cliromati^-eht n nurli des unharmonische»» Tonfrcschlechtefä giebt die Bedeu- 
tung von deren eij.,M'nthümlichen Charakter an. dessen Erreichung doch der ei- 
gentliche Selbstzv^eck der Composition ist und in Folge dessen die Couiposition 
in bestimmter Weise auf uns einwirkt, sondern es ist dies vielmehr dem Com- 
pouisteü anheim gestellt Otfeubar ist auch das Tousystem der harmonischen 
Dtedplin etwas anderes als die Vocal- nnd Inatrnmentalatimme der in dem 
Tonsysteme sieh bew^enden Melopoeie, deren Behandlung der Harmonik niebt 
angehört** Ist dies Fragment des Aristoxenns, in welchem er besttgtich des 
Umlanges der bann. DiscipHn mit der ersten ond der dritten Harmonik durch* 
aus Übereinstimmt, aus den gemisditen TisehgeqirSchen des Aristoxenns ent> 
lehnt, wie nach mtiner Ausgabe der Plutarchsclien Schrift woM sdiwwttch ein 
Zweifel aein kann, so sind auch die vermischten Tiecbgespritche noch vor der 



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2U6 



Amtoxtniuä erate liaimouik § 2. 



dritten Harmonik dM AriBtozeniw gMcbriebeni denn hier bat er abweichend 
vifo. der ersten and zweiten Hannonik und den Tischgespiiefaea aueh den Ab- 
eehnitt von der Melopoeie in die Harmonik aufgenommen. Wir ahnen nicht» wie 
Aristoxenus dazu ^^^ekominrn ist, im Fortgänge seiner wiasenscbaftlicben Tbätig- 
keit den Umfang der Harmonik zu verändern, ebenso wenig, weshalb er die 
in der ersten und zweiten Hanncniik mit so grosser Emphase behandelte wich- 
titre Lehre von d«T eontinuirlichtni und dis-ciTitinuirlichfii Bewegung der Stimme, 
die Definition des Tones u. s. w. aii^ der drittt n liariiionik au8ge8chl»>s.-»Mi li.it 
( worüber schon die Alten klagten vgl. oben S. iTn). Man könnte daiHiit' kom- 
laeii, an dem Aristoieniachen Ursprünge der diittca Jiarmonik oder ihres Prooi- 
miou zu zweifeln, wenn nicht gerade dies Prooimiou besser denn irgend etwas 
anderes als Werk des Anstoxenns bcseugt wfire. 

fi) Fast L'^ciiau .s(» Mattheson: „der vollkommene Capellmeister d. i. grflnd- 
liehc Anzeige aller derjenigen Sachen, die einer wissen, konm-n und voll» 
kommen iune haben mnsa, welcher u. s. w.'^ 

§ 2. Was die firOheren Bearbeiter der Harmonik betrifft, so 
ist es eine Thatsacbe, dass sie Harmoniker im eigentlichen und 
engeren l^ne des Wortes*) sein wollen, (nämUch Enbarmoniker.) 

Df IUI bloss mit (Ut Eiiharmonik haben sie sicli befasst. die übrigen 
T(iii^'t'sclil('( lit( r iiifiiiais in Erwä*?iinf? f^ezoiren. Zum Beweise <tessen 
dient, diüss ja bei iluien bloss für die Systi nn' des onbarmonischen 
Tougeschlechtes Diagramme vorlieg«'n; liir diatonische und cin'o- 
matische hat man sie nie bei ibncii gefimden« Und doch sollte 
eben durch ihre Diagramme die ganze Ordnung des Melos klar ge- 
stellt werden. (Ebenso ist es auch mit ihren sonstigen Darstel- 
lungen), in denen sie bloss Ton den oktachordischen Systemen der 
Enharmonik sprachen, während über die übrigen Tongeschlechter 
und die übrigen Systeme**) in diesen und anderen Tongeschlech- 
tem niemals einer von ihnen eine Forschung anj^estelll hat; viel- 
mehr uehuieu sie von dem dritten***) Ton<i:eschlechte iler cranzen 
Mn-^ik einen ein:?iL'( ii Absclmiu vom Umfange einer Oktave und 
bcbohräuktüu hieraui' ihre ganze Wisseuschait. 

*) Du Wort dipjjiovta mit seinen Abteilungen dpfi«iM»i( und ivo^övtitAs ist 
«Illach andi der Terminiis techoieiis Ittr eine der drei Hauplgattungen des 
antik«! Melos, „das euharmonisehe Ton^eschlecbt*'. Ans Arisloxenus (nicht 

bloss der vorliegenden, sondern noch anderen Stellen) erfahren wir die auf- 
fallende Tbat«ache, das.-* die siinimtliehen Vorgänger des Ari>toxenua in der 
Theorie der Melik nur jenes eine, ilas seltenste 'i'ongesehlecht herbeigezogen 
und in den >'otentabellea dargestellt, die beiden anderen dagegen, das diato- 



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Prooimion. 



207 



niaefae amd 6mb chfoniatiadie mit der in der diittea Harmonik $ 6 angegebenen 
Ananahme gar nicht liexflelniolitigt haben. Wie diese llialeacbe au erUiien, 
darttber habe ieh in der grieeh. Hannonik 1868 § 4 (im 8. M) eine Ter- 
matfanng anfgeateilt 

Jene Yorgänger des Äxtefanenna nannten sich dppMvntoL Aristozenns sagt Ton 
ihnen an der Torliegenden Stelle § 8: sie waren' wirIcBch nur dpiMvntol in dem 
engeren Sinne von EnharmonilLoL Dem Aristoxenoe, derinToUemMasae 
die Gabe der Klarheit, aber nun einmal niefat die Gabe des lintäea hat, muaa 
man dies als ein „salsc dictam" ^prieeh. Hann. a. a. 0.) schon hingohm leasen. 
Harquard Scheint vor „Twi [ih oyv £p.7r()oo0«v** das Vorhandensein einer Lttcite 
im Texte anzudeuten. Nnch meinem £rmeMeii ist liier keine Lücke. Denn 
seinen Zuhörern gegenüber, bei denen er nach § 37 den guten Willnii zum 
Verstehen des von ihm (dem Docenteu) Vorfretrngcnen vfvraussetzt. war der hier 
vorliegende Anfangssatz des §2 verständlicli pmu-;: war ihnen «licli unmittel- 
bar vorher eine Auseinandersetzung der öögat dpfjLONix.üjv gc-frcbeu s. obi-n S. 2(X). 
Was hier in der Textesüberlieferung fehlt, sind vielmehr du- ;iuf „Toy; {^i * ojv 
ejATtpoaÖtv** folgenden Worte: „T,jji|ji£you; rf^i äpjAovtxf^; oj^^i'^r^xv* dXxdiJ", 
welche achon die grieeh. Harmonik 1868 (1867 S. 20) aas Prokloa ad Fiat Ti- 
maeum reatituhrt und aueh Hianiaard in aefaie Auagabe 1868 angenommen hat 
Eine Ltteke achänt aneh weiterhin vor „iv oTc icepl movin^tm ^xvi^iflvt 
i^pfM^v (iövov IXt^ov** atattnifinden, welche ich in dat UebuBetanng dem 
Sinne naeh auegefttUt habe. 

*•) Die überlieferte Lesart o/TjfxaTwv muss zu j-jOTT^ji-dituv eim iidirt wcnlcii. 
Vou den J5ysitcinen war das Oktacliord ^'cnunnt. Die übrigen aiiid das Heude- 
kachord, Dodekaehord u. s. w. vgl zu § 4L Vun diesen hatten die Harmo- 
niker nicht gedprocheu. Aber was die Schemata dee von ihnen herbeigezoge- 
nen oktadMwdiadien Syatemea b^arlffit, ao hatten aie «toren rielien beqnochen 
▼gl. § 18, das waren alte Schemata, andere g^ebt ea nicht 

••*) Nach der handschriftlichen Uebt rlit ferung würde es heissen: „von 
der gesnminten Melodie (musikalischen Melos) des dritten Thcilca (oder Ab- 
schnittes i ein einziges Tongeschleeht von dem Umfange einer Oktave. ' Das 
könnte nur das enhurniuniscbc Tonpeschlecht sein. Aber des dritten Tlieiles 
oder Al).schnitte>y Meibom -glaubt die „dunkle" Stelle so erklären '/.u müssen, 
dass AnütoxciJUü iiutcr dem (bitten 'l lieile den Abachnitt von den Tuiigescldech- 
tem verstehe. Doch wie hutt^^ er dies den dritten Abschnitt neimen sollen? 
denn der Abadinitt von den Tougescblecbtem ist bei ihm in der ersten Har> 
monik der aechste (§ 9. 45), in der dritten Harmonik dem Ftootmion anfolge der 
erste <V||^. dort § 8). Marqnard: „Hatten bloss das Meloa, nicht Hhjthmns 
und Metmm erOrtert*'. Dann würde Aristozenns etwas fiberflüssiges, störendes, 
wideiaprechendee und unrichtiges gesagt habm: fiberflflssig, weil es von den 
(xp[xovixol nach den vorhexgdumdea Bemerkungen selbstverständlich ist, dass 
aie sich sunSchat mit dem Mdoa (nicht mit Bhjthmos und Metmm befiMst 



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208 



Aristosentis ante i^unnoinik § 3. 4. 



haben); stfirand, weil das ao nnUar und miTentiliidlidi geaagt aein «Qxde, d«M 

Meibom eine ganz audere Interpretation als Marquard gegel>^ii h;it: wider- 
sprechend und unrichtig, weil Aristoxeuus in der Rhythmik § 60 (Frg. l dvs PseUos) 
auch die rhythmischen Ansichten j«<«iner Vorgänger (der za/.atoi!) herbeigezogen 
und gründlich widerlegt hat. Ruelles Uebcrsetznnf: mederholt die Meibomsche 
Interpretation, doch nicht ohne .bedenic lieh darauf liiiizuweisen, dass Aristoxenus 
die Ton'^'os<"hl*'chter nicht im dritten. Hondeni im ersten Abschnitte [der dritten 
Harijiouik] bi-liandelt habe. Ks Vileibt nichts als die Annahme eiiit-r uurichtigen 
Textüberliefcruiig übrig, eiu Fehler, welcher durch Umstellung der beiden auf 
tpixoo folgenden Öubst&utiva nnter Beibehaltung der beiderscitif^cu Casus* 
endungen anf das leichteste m ottfemen ist. 

§ 8. Dass sie aber auch selbst Uber diesen Theil, auf den sie 
sich beschränken f so gut me gar nichts erforscht haben^ ist uns 
bereits in dem Vorausgehenden, als wir die Ansichten der Hanno- 

niker piiil'ten. klar geworden*) und wird uns noch klai'er werden, 
wtiiu wir nunmehr die einzehien Tlieile unserer üisciplin durch- 
gehen und ihr Wesen erlünttTn wer<len. Es wirJ sidi niinilicli 
zeigen, dass sie von jenen Theilen die einen gar nicht, di<' anderen 
nicht ausreichend behandelt haben. So werden wir die Mängel 
unserer Vorgänger darlegend zugleich einen Ueberblick über das 
Wesen unserer Wissenschaft geben. 

*) Ueber die Ansichten der Harmouiker werden uns durch A. folgende Mit- 
theilungeu gemacht: 

1. Lasos aus Hermione in Argos, der bekannte Dithyramben- luid 
Tragiklien - Dichter aus der Zeit des Pisistratus, euier der Lehrer des Findar 
in der Technik der nmsischen Kunst. Er war nach Suidas s. v. Aaoo« ( vgl. 
K'jx>.toStid3xia),o;) der erste, welcher über Theorie der Musik schrieb. Diese 
Schrift war ef. welche dem Aristuxenii.s in seinen l'iZ'ti träv atoaov.xuiv vorlag, 
vgl. unten § 4. Da Lufcon nicht den Uutttrschied zwischen ..Sinfreu und Sagen", 
zwischen der %tvr,at; ^pcovf,; ts'xnyi^z und otaaTra-aTix-?, erörtert hah«-, so »ei es ihm 
pa!<hirt, dubs er dem lone die Kigeuscijat't vier ..Breite" zugeeclu'iebeu hubi*. 
Vgl. S. 221. Auch ChamaileoQ von Heraklda. hatte eine Schrift über ihn 
geschrieben. Athen 8, SSRb. I>io^. La. I, 1, 14. 

2. Epigonos aus Aiabiakia, liiirger vou Siky>iii, \'irluu.">e, der das nach 
ihm benannte vielsaitige In.Htrunieut erfunden. Athcu 4, 183d; 14, Ü37f. Einige 
der Epigoueier hatten gleich Lasos dem Tone die ISgenschaft der Breite vin« 
dieirt, sagt Aristoxentn § 4, und zwar aus demselben Grunde wie Lasos. 

3. Erati.ikl* s und seine Schule. Von ihm tulut «hi.'? Prooimiou (h r ersiten 
Harmonik folgendes an: a) erste Hann. $ lö: Das Melos scheidet sicli von der 



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Prooiiniou : liihaltsaugabe. 



209 



Quarte wm nach oben sn und owsh nnten su in je swei Tnttie{MeitioiiBBcale&. 
YgL die Annerkong zu f 16. b) e»te Haimonik 1 22. 60: Er nahm eine 
KatajiyknoaiB an (Scalen ana 2S enhannoniachen Dieeen Ar die Okim), 

4. 5. Pjthagoras aus Zakynthos and Agenor aus Ifitylene habe die 

Transpositionsscalen , freilich ni« ht vollsUtndig, aufgezählt Als sechstes Vor 
aristoxenisches Schulhau])! nennt Forpl^, ad JPtd. p. 189 den Athener Dämon. 
Aus jener Zeit der alten Ilannoniker, wo man nur die Enharmonik, nii liT :i>t»'r 
die r'hmmatik und Dintonik. in den Diagriiniinen behaudel, rührt die auttal- 
lemle Einrichtung der uns überlirferten Notentabellen , da.ss keine andern als 
nur die enharmonischtu Scalen richtig notirt sind, die diatonischen und chro- 
matischen an vielen Stellen su, alä ob es enharm(miscbe sefen. Griech. Khjthm. 
und Harm. 1867. S. 448 ff. 

Ab ^er Stdle des Aristidee p. 21 Meib. finden ddi aedie Notenwalen, 
welche vOl% nach Art jener Diagrammata der alten Enhaimoniker aneg^tthrt 
sind: „wcpayctpStxal Siatpioet^ atc %al ol icdvv ieaXatÖT«ETot npic tdc dp|AO> 
vCa« Sie «teilen» wie Ariatidea sagt, die von Plate in der Repub- 

lik p. 899 reeenairten eecha Oetavengattungen dar und ^d ab eine Art Ton 
Conuncntar anzusehen, den ein yofaristoxeniaeher Mtunker m jener Stelle des 
Plato geliefert hatte nnd den Ariatozenus vermuthlich in seine oi^ii dp!i.ovixmv 
aufgenommen hat, von wo aus er denn ohne Zweifel nach mehreren Mittei- 
gUedem in daa Werk des Aristides gekommen ist 



Inbalteangabe. 
L 

§ 4. Wer die Wissenschaft (l(>s Melos behandeln will, iiiuss 
zu all ererbt die t o p i s c h e B < • w i- «^i; u 1 1 g d v v »Stimme erörtern. 
Dieselbe ist eine zweiiuche. äie wird nämlich ausgeführt sowohl 
wenn wir sprechen, als auch wenn wir sin^^cn oder auf einem In- 
strumente spielen — denn augenscheinUcli kommt in jeder dieser 
beiden Bewegungen (Spreeben und Mnsiciren) verschiedene Tonhöhe 
und Tontiefe vor, und wenn dies der Fall ist, dann ist die Bewe- 
gung eine topische. Beides aber sind verschiedene Vorgänge. 

Worin dieser Unterschied besteht, ist noch von Niemand sorg- 
fältig erörtert worden, und doch ist es, wenn dies unterbleibt, nicht 
leicht das Wesen des Tones darzulegen, der ja, wenn man ihm 
nicht mit Lagos nnd einigen aus der Schuh' des Epigonos thoncli- 
ter Weist' die Kigenschaft der Breite zuschreiben will, etwas ein- 

Ariitosenns. Melik o. Bbjttunik. 14 



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210 Aristineiiiu erste Harmontk { 5—9. 

gdiender bdiandelt werden nrasa. Wird dies letztere geschehen 
sein, dann Iftsst sich bezüglich vieler der folgenden Paukte Idarer 
nrtheilen. 

Dem Sprachgebrauche der Griechen folgend [dcv /.ugleioh ÜL-rjeuigu faat 
aller audurcu Völker ist) vindicirt Ariatoxenus den Töiiea die räumlichen Di- 
mensionen der Höhe und der Tiefe, nicht bloss den gesungenen Tönen, son- 
dem anek dem Spiechraa, bei velehem mmu ja höhere und tiefeie Aoeeute anter- 
eeheidek (td^ il^, ^apuc). Singen und Sprechen ad dem eHgemeinen 
Snfaetrete nach dn und dieselbe ^ aav^; bndes nntexschdde sich durch die 
sehiedeoartige Bewegung der Stimme^ wetehe beim Sprechen eine continuiiüche, 
beim Singen eine diseontinuirlichey bei beid^ aber eine topisehe, auf den 
rSoudichen Dimensionen des Hoben und des Tiefen beruhende Bewegung seL 
Der letzte Grund von Singen und Sprechen liegt also nach Ariatozenns in 
•etwsa Bhythmischem, der verschiedenen Zeitdauer. 

Lasos und die Schule des Epigonos statuirte für die Töne auch noch die 
räuniliebe Dimension der Breite. Zu dieser von Ari:<toxenu8 vcnvorfeneu Auf- 
fassung seien dieselben dadurch verleitet, dass sie den Unterschied der con- 
tiuuii'lichen und der Uiscontinuirlii heu l^cwegung nicht erfasst liätten. Sie 
müssen also die Zeitdauer dcä Toncä ala Dimeuäiuu der Breite gefaaät liaben: 
beim Singen seien die Töne „mehr oder weniger breit" (je nach ihrer Zeit- 
dauer), beim Spredien »sdinial'*. 

IL 

§ 5. Zum Vt rstäiKliiissi derselben ist ausserdem eine Unter- 
sucliung über Absteip;i n (otvesic) und Aufsteigen {iTtixo-si^), über 
Tiefe (ßapuTT^;) und Höht; (o;unrji;) und über Tonstufe (-ra^ic) und 
über deren Unterschiede notliwendig. Denn liiiemand hat hierüber 
etwas genügendes gesnj^t*): vii 1 mehr wurden von diesen Punkten die 
einen gar nicht verstanden, die anderen in unklarer Weise aufge&sst 

*) Vgl I 80; „Denn wohl die meisten sagen, Aulstdgen und H0he, Ab- 
stetgen und Tiefe sei dasselbe. Es scheint nicht unpassend nachsaweiseUi 
dass diese Auflbssmig eine verkehrte ist**. 

§ 6. Hierauf ist zu besprechen, ob der Abstand des Tiefen 
nnd Hohen bis ins Unendliche Tergrössert oder verideinert werden 

kann oder nicht, oder in welcher lieziehung diea (Vergrösseni und 
Verkleinern) möglich oder unmöglich ist. 



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Prooimioa: fnhalteangabe. 211 



IV. 

§ 7. Ist dies bestimmt worden, so ist zu sagen, worin der 
Tou^) besteht; dann ist das Intervall (diaonjfMi) im AUgemeinen 
80 weit dies nöthig ist zu bestimmen; darauf ist es einzutheUen, 
Dach so vielen ünterBchieden wie dies möglich ist; sodami ist vom 
Systeme eine allgemeine Definition an&ostellen und amrogeben, 
wie die Systeme ihrer Natur nach einzutheilen sind. 

♦) Vgl. S. 192. 

V. 

§ S, Weiterhin ist über das musikalische Melos eine Andeu- 
tung, und allgemeine Erklärung zu geben, da ja mehrere Arten des 
Melos vorhanden smd, unter dieser aber nur eine im Hermosmenon 
und Melodumenon*) vorkommt. Um aber auf diese letztere hinzu- 

föhren und sie von den anderen zu sondern, ist es nothwendig auch 
die übrigen zu bt iüluuu. 

*) Porphyr ad Ptolem. p. 196: Ata^ipet y^P tö V)pjxo?[ji£voN dipaov(ac. ^ t^i 
dpiftjXYjTÖv dpiftuoO, £ivai ifdp dpiöarjxöv dptftaov £w 5Xig ^ aj'* j/.t^, t6 oe T;p- 
(jto3fA£vov dp(to<[iv jatj tJ o-jv uh-^ d. i. ,,Eä untrrschcidf^t sicli das Harmoni- 
sirte von der llarmouic wie «las Gezählte von der Zahl; das Gezählte sei näm- 
lich eiae Zahl iu Stoff oder mit Stoff uud das Uarniouidirtc eine llarinonio ia 
StolF odor mit Stoff'. YgL Msiqaaxd 8. S04. AIbo wie «leh in der Bfaythmtk 
der Bhytbmua mm Bhytimüaimienoii veriiilt, 00 verhXlt dch in der MeUk die 
Haimonie mm H e n moerndnoii. 





Bbjrtlimik Melik 


Gestaltetes 


BhythmiaiHneiUHi 


Hermosmenon 


Gestalt 


Bhytkmus 


Hannonia 



VI. 

§ 9. KacJitlem wir das musikalisclie Melos bestimmt liaben, 
so weit dies ohne auf das Einzelne einzugelien im Allgemeinen und 
im Uiiirissf' gcstuttot ist. sind di»^ Arton, in welche das s^enannte 
musikalische Melos zerfallt (d. i. die Tongeschlechter) zu unter- 
scheiden und von einander zu sondern. 

14* 



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212 



Aristoxenug erste Harmonik § 10 — 16. 



VIL 

§ 10. (iSodann sind die in dem zweiten Unterschiede der In- 
tervalle sich ergebenden symphonischen Intervalle näher zu 
betrachten.)''^) 

*) ]>ie8er § 10 ist in der handschriftUehen üeberlicfeniiig aingefaHep. 
Vgl. obim S. 192. 198. 

vni. 

§ lly (Darauf ist eine Definition des Ganztones (tovoc) 
zu geben und jeder der kleineren Theile, in welche derselbe 
zerfUlt, au&ufilbren.) 

*) Dieser § 11 ist in der bandscbriftUcbcu Ueberlieferung auägefalletu 
Vgl. oben S. 192. 193 

IX. 

§ 12 Sodann sind die aui den veränderlichen Scaiatönen be- 
ruhenden Tongeschlechter selber sowie auch die Topoi, in wel- 
chen die Veränderung Tor sich gebt^ zu besprechen. Alles dies hat 
niemals einer auch nur im entferntesten in Betracht gezogen, Tielmebr 
müssen wir ttber alle diese Punkte von Anfang an auseinander- 
setzen, da wir ja nichts, was der Bede werth, darttber bekommen 
haben.*) 

*) Dieser § 12 steht in den Handschriften Unter § 13. Vgl. oben 8. 192. 198. 

X. 

§ 18. Weiter haben wir yon der Aufeinanderfolge der Inter- 
valle (auvi^eia xal te i|r|;) auf den Systemen anzugeben, was da- ,^ 
runter verstanden werden soll und wie dieselbe auf ihnen entsteht*) 

*) Dieser § 13 steht in den HandBchriften vor § 12. Vgl oben ti. 192. 193. 

XL 

§ 14. Hierauf muss zuerst*) von den unzusammengesetz- 
ten Intervallen gesprochen werden, tiann von den zusammen- 
gesetzten, 

*) Das hinter ä3jv>>£t<>v stehende -pojTOv muss vor zcpl oiaaTr.fAäTrov gie- 
stellt werden wie in seinem Commentar auch von Marquard geschehen ist 



• 

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Prooimion: Inbahsapgabe. 



213 



xn. 

§ 15. Wenn w uns aber mit den zusammengesetzten Interval- 
len be&ssen, so mfissen wir, da diese zugleich Systeme srnd, auch 
über die Zusammensetzung der unzusammengesetzten In* 
teryalle zu handeln im Stande sein. 

§ 16. Die meisten Harmoniker nun haben nicht einmal ein« 
gesehen, dass es nothwendig ist, diese Zusammensetzung in Betracht 
zu ziehen, wie ans den frfiheren (Vorlesnngen) klar geworden ist 

Von den Eratokleeru aber ist nur dies bemerkt worden, dass sich 
das Melos von der Quarte aus aufwärts und abwärts nach der 
Höhe und nach der Tiefe hin zu einem zwieiachen (Melos) t heilt, 
ohne zu bestimmen, oh dies von jeder Quai'te aus und weshalb es 
der Fall ist^), und ohne bei den übrigen Intervallen zu untersuchen, 
auf weiche Weise das eine zum anderen gesetzt werden, — auch 
nicht, ob eine feste Norm besteht, nach welcher ein jedes Intervall 
zum anderen hinzugefügt wird und ob aus ihnen auf die eine Weise 
Systeme gebildet werden können, auf die andere nicht, oder aber» 
ob dies unbestimmbar ist Denn ttber nichts von diesem Allen ist 
eine Erörtermig, weder mit noch ohne Nachweis gegeben worden. 
Und obwohl in d^r Znsammt nsetzung des Melos eine bewundenis- 
wcrtlir Ordnung besteht, so fehlt es nichtsdesto weniger nicht an 
solchen. \vel( he durch die bisherigen Darsteller unserer Disciplin 
veranlasst, der Musik eine sehr grosse Unordnung beimessen. 
Zeigt doch nichts von dem, was wir sonst similich wahrnehmen, 
eine so grosse und so trefifliche Ordnung, wie dies aus unserer Dar- 
stellung selber sich ergeben wird. FOr jetzt aber wollen wir die 
weiteren Abschnitte aufzählen. 

*) Aristoxeuus sa^^t wuidicii: ..dass sich das AIclo» von der Quarte aus 
nach bcidcu Seiten lau zweifach theilt", d. h. sowohl nach der Höbe wie nach 
der Tiefe bin sich so theilt, dass es ein zweifaches wird. 

Dass das MeU» von einem Tetradumie aus auf doppelte Wdse auf* 
wftrts steigt, kann dann vorkommen, wenn das betrefibnde Tettaehord In 
ein und derselbeii Tianspositionsseala das eine Bi^ in dem Synemmenon-, das 
indere Mal in dem Dieiengmenon- Systeme derselben genommen wird; a. B. 
vom Tetrachord a b c d stdgt man aofwlrts 



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214 



Aiistoxemui ez«te Harmonik § 1& 17. 



IUI 1 UU08 Lydios, systcuia syncuiinenon. 
a b c (1 es f g 

D efgabcdesfg 
im Tonos Ljdioa, syetema diezeugmeaon: 

a b c d e f g 
D efgabcdefgaesfj 



DiM das Meloa von einem Tetradiorde «ne auf dojppelte Weite abwärts 
forteebreitet, kann vorkommen, wenn daa beliefiende Tetnudiord das eine 
Mal bi dem Synemmenom-Syrteme, das andera Mal in don Dieseiigmenoa<S7- 
steine der uäcLst verwandten TranspoBttions-Scala gfemommen wird; s. B. vom 
Tetraebord a b c d steigt man abwärts 



Diese durch die Eigenthümliclikcit des Synemmenon- wnd Diczeugmenon- 
Systemes vcratilnssten Thateachen der griechischen Tonsrala ^ind es, welche 
Eratotvles im Auge hatte, wenn er sairt: „das Melos theilc öich von der Quarte 
auö abw ärts und aufwärts in r.weifaclit r Weise (/.u zwei verschiedenen Trans- 
positions-Scaleu, e. B. die mit d begiiiuende MoU-Scala in eine ?- und in eine 
?>-Scala). Aristoxenus sagt, dass diese von Eratokles erwähnte Thatsacbe 
im Allgemeinen liebtig sei, er Ternüsst nmr, daas Emtokka niebt ang^eben 
babe, ob es von jeder Qnwte ans vaod wesbalb es der Fall ad. Es ist niebt 
von jedem Tetradiorde ans der Fall, würde Aristoxenus aagen, sondern nur 
von dem durch die Hypate und die Mose Liebanos eingescbloesenen Tetraeborde 
ans, betiebungsweise dem dnreb Paramesos und Ifote dieaengmenon dnge- 
seUossenen Tetradiorde. Dem alten Meibom („dif8eiUs est locus, quem diu 
me tor^me foteor^') darf nuui es nicht zu hoch anrechnen, dass er die Stelle 
interpretirt: „tetnushordum, quod duobus immobUibus tonis continetur, bifariam 
tantnm secari jiosse cantando. sive ab acumine dcscendas ad gravitatem, sive 
contra a gravi accendas in acutum. Poetquain enini in gotierr" enannonio in 
acumen rnfidulatus fuerif diesin atqu»' diesin i. e. dua.« seetiones tetraehordi 
feceris, uujHK-^Minii' est aliam prai't<M"ea in e<'dem tetrachordo facere .sectionem. 
Ita(|ue in superiorem stabilem sonnm incides. Quacunque igitur divisione se- 
cueris tetrachordum, nuix^uam plures intermedia« facies seetioncs quam doas. 
Nec nllus ex antiquis qui tono in mdius mutandi studio generum divisionea 
sunt agrc.^si, plures legitur eonatus ^ere. Becentiorea tarnen dietis suis bemi> 
tonÜB aliud introduxerunt. Porro eadem est ratio, sL ab aecumine progrediaris 
ad gravitatem.*' Um so mebr hätte man v«m dem neuesten AristozenoB-Oom- 
mttitator erwarten sc^en, dass er die Stelle richtig «rklärt, dass er vor Altem ge- 




im Tonos Hypophry^os, systema diezeugmenont 



0 ABe ^foTg a b e d 
im Tcmos Lydios, systema synemmenon: 

d efgabcdesf 




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Frooimaon: Inhaltaangabe. 215 

• 

merkt hätte, dasa hier von der Zusammen^tzunpf der einfachen Intervalle zu 
eiuem Systeme, aber uicht vuii der Theiluiig dcä Tetracliorded im euharm. 
und Chromat Tongeschlechte die Rede sein soll Aber Idarquard erklärt 
wie Mdbom: „Dkaae AuBdmck, dais von der Quarte, d. h, Ton den Otmar 
Uftngen der Quarte am die hannoniflche Fortadueitiiiig nach beiden Eldten 
sich doppek aeheidet, ist wegen edDer Kflne sdir danket Es ist naeh dem 
Vorfaergeheiiden die Bede ven der ZuaammeiisetEang der w«*««A«i«»A ngpa « hri»m 
Intervalle, daher ist sn y^nmUhenf daae hier jene doppelte Fortächieitnqg ge* 
meant ist, nach welcher man vom tiefsten Grenzklange einer Quarte ans ent* 
weder einen Ganzton oder im enharmonischen Gtosehlechte eine grosse, im 
chromatischen eine kleine Ters, imd vom höchsten aus entweder einen Grtnzt4»n 
oder ein {redriin^rtes System im euhannonig.chen Geschlccbte von swei V'iertd- 
tönen, im chrutiiatiscben von z^'ei TfnlVjtönen setzen kann, so daj^s man in der 
That 8ag(;n könnte, die Fortschreituug scheide sich nach beiden Seiten hin. 
d. b. nach der Höhe und nach der Tiefe zti, von einer Quarte aus doppelL 
Unvollständig war allerdings die Angabe, und aU solciie bc^eiclmet sie Ari- 
StoxenoB ja, da auf das diatonische Geschlecht der Satz keine Anwendung fin* 
det, abgesehen von anderen Umstlnden, welehe Aiistoxenus rügt.'* Im Gegen- 
theil, die doppelte Theiluig des M^os von der Quarte an, welehe Eratokles 
im Aitge hat, passt Ar alle Tongesehleehter, fiBr das diatonische nicht minder 
wie fiir das enhannonische und chromatische, auch wenn er in det Weise der 
ilteren Harmoniker (vgl 1 2) mir von dem enbannonisehen Tongeschlechte ge- 
ledet haben sollte. 

Viel besser Ruelle : „Meybanm expHqne tres - ing^eaeement oette phrase qoi 
puivant son expre?sion l'a tortur^ longtemps. Mais nous croyons rcmplacer avee 
avHiifMrre son interpretation par une conjecture qui a re^u d'adhj'ision de M. 
Viiii eut. Peut-etre s ajirit-il ici d'un Systeme heptacorde coniijose de di-ux te- 
tracordea conjoints ( vollständig richtig!; et clont lo c-hant se trouve portag^ en 
deiui par chacun des tetrac<jrdes . c'est-Ä-dire deux terraconles ecrnjoints dont 
les difierentes grandeors partielles se trouveut ehautees uiusiealeuieut ou si Ton 
vtmt haimottieusement avee an repoe obeerv^ i la moiti^ de cette eorde da 
gaame, qui est la m6se.<* 

XUL 

5 17. Wenn nämUch gezeigt worden, a\if welche Weise die 
unzusammengesetzteti Intervalle mit einander zusammen presetzt wer- 
den, dann sind die aus ihnen bestehenden Systeme zu !)r l anilehi, 
die übrigen nicht minder wie das vollständige System ^TsÄetov), mid 
zwar in der Weise, dass wir zeigen, wie viele und welche es sind, 
üDd dass mr die aus dem verschiedenen Umfange folgenden tJnter- 
sciiiede und wiederum bei jedem Umfange die Verschiedenheiten 



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216 AriatoxeaOB erste Harmonik § 17^20. 

des Sei Irinas, (h-r Syntliesis uiiti der Thesis*) angreben, dergestalt 
dass bei den Melodumena Nichts, sei es Umfang, sei es Schema 
oder Syutbesis (oder Thesis) ohne Nachweis bleibt 

*) 0ar Ausdruck „ThesU** bleibt in den mettsehen Bnidistttciraii des Ari- 
stoseaos nnerkUrt Doch findet er sich audi im swdten BmelistOcke § 90: 

^afvexat clvttt xd ictpl (t^) {a^Xo;, xatd Ii tdc &uvd[j.ct; %al «axi xd Kt^ xal xax« 

xdc 8£oct; Tierepaafji^va tc xol Tttajitiva. Die Verbindung mit xati Sjvä((i£i(, in 
welcher hier xa-cd t^; <}£aet; vorkommt, deutet entschieden darauf hin, daas die 
xatd HIfl'v und /.^tgi 'jj .ajAtv "ivo;j ./5(7 t'r* ';ft<5"C]fujv, welche bei Ptolemaeus vor- 
kommt und von der wir griech. Harmonik 1867 § 32 S. 352 -307 Hu^führlich 
gehandelt haben und deren Darstellung wir dun-liaus aufreolit crlialtcn, trotz 
der abweichenden Auti'aasunpr unseres Vor^'jiiif^er> Bellemiauu und üotz der 
Lin\Niuide, welche unsere in der Harmonik dcb J. gegebene Darstellung 
in dem Lissacr Schulprogramme v. 66 in dem Aufsätze Über Ptolemaeus erfahren 
baty auch sdum bei AristozeDuSTOricam. Dieswarnnsiader Hannoaflcd.J. 1867 
noch unbekannt Dort konnten wir noch nicht mehr sagen ab folgendes 8. 858; 
„Die ganae ArtundWdse, wie Ptolemaeus von der 6ve(A«s(a «ard 8i<Rv redet 
seig^ dass sie unmfiglieb etwas etat von ihm selber Erfundenes ist Er setit 
dieselbe vielmehr als die den Lesmi seines Buches bduunte Onomarie voraus» 
und die folgenden Erörterungen werden keinen Ziieifel lassen, dass die von 
Aristoxenus ausscbUessUcb (!) recipirtc i-^j^iaalfi xard iOvapitv zwar die ältere 
ist, da?8 aber die po£r<nannte thetische N<imenclatur schon eine geraume Zeit 
vor Ptolemaeus bi der Praxis der ausübenden Miisikpr aufgekommen war und 
sii Ii liier iülmälig so befesticrt hatte, dast* Ptolemaeus «ie als die vul^j^iire an- 
sahen durfte." Schon die Arisjtntrlischen Problemata setzen sie, ohne freiUch 
den 1 eniiinus ovofxaola xatd 8£otv zu gebrauchen, voraus gr. Hann. a. a. 0. Um 
»o wenigtr darf es auffallend erscheinen, dass auch Aristoxenus sowohl die 
6vo|Aas(a xatd Ddaiv wie die xatd ouva|iLiv gekamit und in seinem ersten und zweiten 
Werke -epl {xIXouc behandelt hat, wie wir aus der jetst vorliegenden Stelle und 
dem § 90 der aweiten Schrift ersehen. Der Terminus «axd H9v» und ««xd 
vajAtv wurd wohl von Aristoxenus herrttbren. 

§ 18. Mit diesem Theile der Disciplin haben sich die übrigen 

ausser f>utükles nicht befasst, der ohne Nachweis eine theilweise 
Aufzähhmjj (der Systeme) unternommen hat Dass er aber nichts 
{soll KeUfUlung) f?ts;if^t. soutlcm Alles unrichtig aii,m'i,'el)en und mit 
seinem Wahrnehmungsvermögeu sich geiiTt hat, ist scliou früher, 
als wir diesen Gegenstand {-^a-^iLnx&la)*) an sich behandelten, dar- 
gethan worden* Denn man hat aich, wie wir in den früheren Vor- 
lesungen (iv rote l{iie(>09&tv) sahen, nirgends mit den Übrigen Syste- 



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Prooimion: InhaltMuagabe. 



217 



men befasst: bloss von Kiiicin Systeme und nui' für Ein T^nj^e- 
schiecht hat es Knitokley uiitL'riioiiHüen. sieben"'*^) Sclicmuta der 
Oktave au^uzählen, die er durch LmsteUimg der Intervalle nacli- 
wies, ohne indess zu erkennen, dass wenn vorher nicht die Schemata 
der Quinte und der Quarte'*^) daigelegt worden und dann fer- 
ner, welche Art der Zuflammensetzung es sei, nach welcher de 
emmelisch zusammengesetzt werden, dass { — sage — ) in einem 
solchen Falle sich herausstellt, dass es mehr als sieben (durch das 
Schema verschiedene) S}'8teme gieht Doch haben wir, dass dem 
so ist, schon in den früheren Vorlesungen ausgttulirt, und so wollen 
wir tlies jetzt zur Seite liegen lassen und sofort die weitereu Ab- 
schnitte unserer Discipliu angeben. 

*) Also die „hi^oi dip(M»v«Ani*< so gut eine icp«7|&«Tf ia, wie das vorliegende 

**) Sieben Schemsta, wie saeh weiterhin in diesem § 18 geasgt wird. 
Deshalb ist das handsdirifUieh Ueberlieferte oy-^piax« in iicrd 9)ii\ii.vm ta 
ändern. 

***) Weshalb zuerst die Qtunte, erst dann die Quarte genannt? 

XIV. 

§ 19. Sind die öysienif sowohl*) nach jedem der Tonge- 
schlechter wie nach jedem ihrer Unterschiede aulgezählt worden, 
SO wird, da die Tongeschlechter unter sich gemischt wer- 
den, zu untersuchen sein, aufweiche Weise ^) dies letztere geschieht 
Denn eben worin diese Mischung besteht, haben (die Früheren**^) 
nicht eingesehen. . 

*) Die Lesart xal xad' des Co<L B. idt »tatt des blosseu der übrigen 
aufzunehmen. 

**) Vor -otei-rai ist zu ergänzen xatd tIn« Tp<5ro"- oder tivi Tpöjttp. 

*•*) Kata|Ae{ji.aftiljiuoav erfordert nothweudig ein Subject^ wie ot -po t)|jiöv 
oder dgl. 

XV. 

§ 20. Darauf folgt die Erörterung der ^^calti -Töne, da die 
Systeme für die Unterscheidung derselben nicht ausreichen^). 

*) Hier stimmt die erste Harmonik nüt dem Prooimion der drittsn } 14 
in der Angabe des Qnmdes wörtlich Qberein. 



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218 



Axistomms «nie Haimonik % 19—24. 



XVI. 

§ 21. Jedes System wird auf einer bestimmten Stiinmlugc 
ausgeführt. Wenn nun auch das System^) an und für sich**) hier- 
durch***) nicht verfindort wird, so wird doch dem auf ihm genom- 
menen Meloä durch Eigenthümhehkeit der Stimmlage ein nicht un- 
bedeutender, sondern ein fast sehr gros«:er Wechsel zu TheiL Des- 
halb vird deijenige, welcher die Harmonik darzustellen anternimmt» 
so weit es angemessen ist, d. h. soweit es die natürliche Beschaffen- 
heit der Systeme selber erheischt, fiber die Stimmhige im Allge- 
meinen* nnd im Besonderen zn reden haben. 

*) Hint< r XafA^avovr«; nicht T(5roy, sondern ousTr.ait'i; hinzustellen. 
**) Zu lesen xad' a^ttö nach Z., nicht mit den übrigen Handschriften 
xa^' o'jTciv, 

•*•) aj-oj bei dem vorausgehenden xaW i. j~>j uberflüssig. Die ganze Stelle 
ist zu lesen: Xafj.ßiv'iv (tot xoö «y«TTijxa)T<>; autoi, t6 -jqviJiwyw 4v 
l«>iXoc «tX. 

xm 

§ 22. Haben wir aber die Systeme und über die Ei.G^enthüm- 
lirhkeit der Stimmlagen gehandelt*), dann ist aucli \\\h-v (iie Trans- 
positionsscalen /n sprechen, nicht in (K r Weise, dass wir gleich 
den Harmonikem die Katapyknosis zu Grunde legen. 

Ueber diesen Abschnitt haben einige Yon den Harmonikem, 
doch ohne ihn besonders zu behandeln und nur um das Diagramm 
auf dem Wege der Eatapyknosis hezzustelleni in der Ettrze und 
nach Zufall einiges bemerkt, über das Allgemeine bat jedoch kein 
einziger gesprochen; dies ist uns aus dem Torausgehenden (aber 
die Meinungen der Harmoniker) klar {geworden. 

*) Hinter tönujv ciixeioTr^To^ ist ouXUovia; ciuxuschieben. 

xvni 

§23. — — — — — — — — — — 

Dieser Theil der Lehre von der Metabole, kurz zu sagen, ist es, 
der sich auf die Theorie des Melos bezieht 

Die dritte Hnrnionik § 21 will die gesammtp Metabole in ihrem ganzen 
Umfange behandrlu; liier in drr ersten soll nur « in Theil behandelt werden, 
Termutbiich mit Ausschlusü dessen, waa sich auf die Melopoeie bezieht 



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1. Die topiscbe Bewegung der Stimme, iSingen uud Sagen. 219 

§ 24. Das sind nun der Zalil und dem Inhalte nach die ein- 
zelnen Abschnitte der sog. harmonisclien Wissenschaft, In Betreff 
der über diese Abschnitte hinausgehenden Disciplinen (S. 202) ist, wie 
wir sagten, auzimelimeoi dass sie die Sache eines schou weiter 
Fori^e8(5hrittenen sind. Ueber diese nun ist in den geeigneten Zei- 
ten zu sprechen, welche und wie viele es sind und worin jein jeder 
besteht FOr jetzt Tersnchen wir, die erste durzustellen. 

L 

Die topiflohe Bewegung der Stimme, Singen und Sagen. 

Topiscbe und Schwingungs-ßewegung der Töne. 

Dass die Stiuiine (Sing- cKler lustnunentalatimme, ipwv^ dv^pniclvr, oder 
ipfawtxTj) von oiner tieferen zur höhereu oder von finer höheren zur tieferen 
Tonatufe fortschreitet, dass «e aufwärts oder nV»w?(rts sich bcwcp-t. dass sie 
auf- utkI iiiciler.':^t('i<rt. daf?H sio zeitweilig auf derseU>m Tonstut'e beharrt 
oder stillsteht, dass zwei ^Iciclizritig ertönende Stimmen siili in Parallelen 
(d, i. j>anillelen Linien oiier Abstanden) bewegen, das.s sie in uiuto eontrurio 
fortschreiten, . . . das sind Ternüni imd Anschauungen, welche mau so lauge 
ak es Musiker und Compcmklen ^ebt fesüialten wird. Sie benilieii sof der 
Vonutaaetsimg, dass die TOne durch die IMmension der Hdhe nnd der Tiefe 
versciueden sind. Axistoxeous, der soersi unter allen Hieoretikera des lfdos 
iu diese Anschauungen und Tennini lacht nnd Klaiheit gebracht hat, nennt 
die auf die Yoraussetauig der Hdbe und Tiefe banrtc Stimmbewegung 
d. i. das Fortaciureiten nach der Höbe und Tiefe S5U y,topiscbe Bewegung 
der Stimme '% d. h. Beweginig in räumlichen Dimensionen, zum Unter* 
schiede von der physikalischen oder akustischen T^i-we^rmig des Tones, der zu- 
folge die Klänge auf den Schwingungsverschiedeuiieiten der durch dan mensch- 
liche Stimmorgan oder die musikalischen Instrumente in Bewegung gesetzten 
JLult beruhen. 

Das Orieclu iitluim hat der Akustik einen grossen Theil seines Denkens 
zugewandt vun Pyüiagoras bis Klaudius Ptolcmaeus: die Namen Archytas, 
Eratosthenes, Klaudius Didjmos bezeichnen die zwischen der Arbeit des Py- 
tbagoros und des Ptolemseus in dier Hitte liegenden Btatlooen. Der Höhepunkt 
der akustischen Forschung bei den HeUenen Usst sich dahin skissiren, dass 
man den Untersdiied des grossoi und des kleinen Ganctones erkannte und 
beide genau wie die Akustik des vorigen Jahriimiderts auf die Schwinguqgs* 
verbSltnisse 8:9 nnd 9: 10 aurückfilhrte. Plsto legte den bis zu seiner Zeit 
gefiindenen Ergebnissen der Akustik eine fiberschwängliche Bedeutung bei, indem 
er glaubte, ans den von Fytfaagoras oder Arcbytas entdeckten akustischeD 



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220 



Aristoxeaus erste Harmonik § 24. 25. 



ZahlenTtrhIltiliBaen den Komimm conatniiren m kOnueii. Sein Vorgang griff 
80 ti^ in das heUenische Denken und Fflhlen ein, da«t ein wiieenBchaftUcher 
Astronom wie Aristarch von Semoe der VergeeBeuhtit anbeim fid, daM die 
astronomiaeben Ornndauehauiuigen des Ptolemaeus, die trotz der nflditenien 
Akribie deMelben innerbalb der Flatoniadien VorsteUimgen rieb bidten, bis 
Uber das Mittelalter hinaus die allein bi-n << henden blieben, und dass es erst 
eines neuen Aristarch von Samos in der Person des Ck>peniicufl von Tbom 
bedurfte. 

Aristoxpnn^» ist mit iikiistischeii Forschungen snincr Zeit vertraut (war 
er doch hi der Schule der Pythagoreer aufenvachsen); auch seine Rhythmik 
beweist daa, indem er Analopen zwischen den VerhJiltniszahlen der Rhythuieu- 
goschlechter und der von dt-n Pvthagorecrn als solche aueikanntm synijihnni- 
scheu Intervalle zieht. Abtr öi.wio Aristotides der Piatonischeu Anvveudujig 
akustischer Verhfiltuisszahlen auf den Kosmos widerstrebt, so war auch Arbto- 
xenus scluu:6hin% und nfiditan genug um einmsdien, dass sich wSt Hfllfe 
der damaligen Akustik nicht einmal die Scalen des Meies construiren Hessen. 
Er tfaat Recht daran, die Constmction der Seala von der topischen Bewegung der 
Stimme aus auf geometritehem Wege 2u versuchen, denn kaum ist die Wissen- 
Bcliaft unserer Tage nach tausenden von Jahren des physikalischen Forsebena 
so weit gekommen, dies auf dem aridimetischea Wege der Akustik zu eirei- 
cben. Aristoxenus fasste die Scbwingungs - Bewegungen der Töne als etwas, 
was der Physik angehöre: mit der Miii^ik als Kun^t habe nur die topische Be- 
wegung der Töne zu thun, denn weder die Wissenschaft des Rhytlmius noch 
des Melos konnte durch die Akustik andere Orundlngnti pewinnen. Dass die?^ 
der Oedanke des Aristoxenus is^t, ergiebt sieh deuthch aus dem, sym er in di'm 
Abj-ehnittr von der topischen Bewegung der Stimme von der bei „Jenen" soge- 
nauiitcu iicwi guijg sagt, die bei einem lioluMen Tone eine grössere, bei einem 
tiefereu eine geringere Schnelligkeit hat. § ai. 

äiugstimme und bprechstimme. 

Gelungenes und posprochenes Gedicht, „Singen und Sagen'* wie die alt"- 
deutsehe Bezeichnung lautet. f:ehr">rt beide» drr inuMischen Kunst an. Beiden 
wird im Hhytlimufi vorprtra^-t'n. das eine im Khythnms der yiAt, das an- 

dere im lihythnmb dea Melo-. Worin besteht der Unterschied? Im Deutiichen 
ist er fühlbar genug. Er bezieht sich weseutlich auf die Versfiisse. Kola. Perio- 
den, Strophen hat das gesprochene Gedicht mit dem gesungenen gern» in-am. 
Auch die Verafilsse; aber bei diesen empfinden wir den Unterschied am deut* 
fidwten. Denn des Gegensatses von Hebungen und Senkungen der VersfÜsse 
sind wir uns andi in dordedamirten Poesie bewusst, aber es wird uns schwer, ja 
umnifglieb ein bestimmtes ZeitmaM oder Massverhftttniss dieser beiden rhytii- 
niacben Abschnitle ansugeben. Unser ifaytbmisdies Gefilbl ist schon befrie- 
digt, wenn das Kolon oder die Periode eine gewisse Anzahl von Hebungen 
böten Ufant: wie lange oder wie kun die Stimme bdm Ausapreehen derselben 



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I. Die topische Bcw^tmg der Stimme, Singen uud Sagen. 



221 



verweilt^ dw inritiit mifl nicht; wir gestatteii gern und sehen gerade dtrin den 
Vorsog eines anadmcIcBTollen Dekhunirensi da» bei sdelien SjllMn, welche 
lilT den logiaehen ZnMmmenhang besonders bedentangsToU sind, Iftnger ver- 
weilt wird, einerlei ob durch Ifiugeree Ansspredien oder durch Panse. Und 
an welchen Stellen diese Pausen vorkommen, ob am Ende des Kolons oder 
imieriialb des Kolons und des Versfusse^, ist uns ebeafiüb einerlei. ^ Iit dem 
Gtesangc aber ht die Zeit -Ausdehnung der Hebungen und der Senliangen 
einem bestimmten Maassc unterworfen und ebenso sind die hier vorkommenden 
Pausen integrirende Bestandtheile des Kliythmuf. Also kurz: die rhythmischen 
Accente sind den Ven^ffissspii tlrs (Icchirnirten <iedichtes mit d«'m fTrsungriiPii 
gemeinsam, aber im dechunirteu (TedicJitc eutaicht sieh die Zeitdauer der Mt-ös- 
barkeit, während sieh im gesungenen ein .-trenpes Zeituiaijs erliemien lii,'*»t. So 
ist es bei uns. Wie war es bei dcu (JrieeUeuV Die modernen Griechen spre- 
chen viel schneller als wir Deutschen, sie gehören m den scbneU sprechendsten 
aller Nationm. Auch wem sie Gedichte deklamiren, wird man niemals den 
Untersdded der Sylbendaoer messen kdnnen. Daraus wird man aber wohl 
noch keinen Sehlnss anf das Altgrieehisehe ach verstatten dfirfSen. 

Nun, auch die alten Griechen haben über diesen Punkt nachgedacht. 
Lägen uns die Schriften des alten Lasos und der Epigoneer vor 4), so würden 
wir darin vcrmntfdieh folgenden Untersdiied «wischen deklamhrtem und ge* 
sangen em Gedichte angegeben finden: Beim Singen sind die Sjlben breiter, 
beim Sprechen schmaler oder „ohne Breite*'. Das ist ans der Mittheiloog des 
Axistoxenqs $ 4 zu Iblgexn. Aristoxenns selber ndit beides, Singen und Spre* 
dien, als topiscbe Bewegni^ der Stimme an, denn aneh beim Sprechen kommt 
durch die in der Sprache selber gerrebenen tieferen und höheren Accente ein 
Aufsteigen zur höheren, ein JNiedersteigen zur tiefereu Tonstiife vor (Nach 
Dionys, von Halikamas de comp, verbor wird bis zu einem Quinten-Inter- 
valle auf- und jdjgestie;ren — m unfieron inodenien Sprachen noch bis zu 
grü-seren Intervallen). Aber trotzdem kein anderer Forsclier für das Sinken 
und S;ij.'en i-ine solche generelle Identität wie Ari^toxrnu.-* angenommen hat. so 
be-ehreilir diesor dennoch den Kinilruek. welelien ihm das Sagen geg<'nüber dem 
Singen macht, in einer Weise, dass wir nicht zweifeln können, das alte Hei- 
lenentbum habe beim recitircndeu und melischeu Vortrage seiner Poesie genau 
dieselben Unterschiede gentaeht, wie wir modernen Menschen. Er beriehtet: 

§ 25. Zu allererst sind die Unterschiede der nach der Hdhe 

und nach der Tiefe zu (nack räumlichen Dimensionen) fortschrei* 
tendeu Stimme anzufreben."*^! (\\ t im iiümlich eine Stimme von der 
Tiefe in die liölie liinauiktt'iiit . oder von der Höhe in die Tiefe 
liiuabsteigt, so nennen wir ilire Bewegung eine topische (xata torov 
xivijsi^), da sie gewissermassen einen Raum von oben nach unten, 
oder von unten nach oben durcbschreitetf) Für jede »Stimme aber. 



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222 



Aristoxeuus erste Harmonik § 25—28. 



die sich in der angegebenen Weisett) zu bewegen Termag, ist eine 
zweifache Art der Bewegung zu imterscheiden, die continuirliche 

UiiJ die (liäCüiJtiuuirliclie Bewegung. 

*) Die Co<l habea «irfj« tf,; »axd t-Sitov xtW;9eaic tA; Sia^pac« Was soll 
hier «öri)« bedeuteu? Ich halte es für ehi zu tilgendes Schreib- Verseheu 
ly^ge^Bü wild wohl ein von «tv^afotc abhfliigiger zweiter Ctenitiv nicht gefehlt 
haben. 

t) Mit einziger, aber rigelmÖÄßigf r Au.-^iialnne «It r Polemik f<e}^'*m die 
i^t^ni df5(j.r/vi/cu»v. verfahrt Aristoxenus wie »'in inoilcruer Schriftatelier, der daä 
im iuiiai(.-:verzeicliuiääe Ge^agre iu der Au^it'üiiruug als ungesagt betrachtet und 
daher in der Auaführung noch einmal angiebt. Daher werden einige die xoits 
tteev «ivijetc definirenden Worte in der Antifthinng mebt geWt hahea. 

tt) Dw httdsehrifUiehe «Mrt hinter tiv clpi)|ftiww ist m tilgen. UtC' 
qmid fdbersetBt; ,,Jede Stimme kann nch eben in der angilbenen Weiie be> 
wegen.** 

§ 26. In continuirlicker Bewegung dorcbschreitet die Stimme 
einen Raum (s(» erscheint es wenigstens der sinnlichen Walinieh- 
mung) in der Weise, dasa sie nirgends länger Terweilt*), auch nicht 
(wenigstens nicht nach dem Eindrucke der Empfindung) an den 
Grenzen {der einseinen Abschnitte), sondern continuirlich bis zum 
Aufhören sich fortbewegt 

In der zweiten Art der Bewegimg, der disconttnuirlichen, scheint 
sie sich in der entgci.'engeset/teii Weise zu beweppn. Beim Fort- 
schreiten uänilicli bleil)t sie auf einer Itestinuiitrn ionhöhe, dann 
wieder auf einer anderen. Und wenn sie dies ummterbrochen thut 
— ich meine ununterbrochen der Zeit nach — dergest&itf dass sie 
die Stellen, an welchen eine Tonstufe an die andere grenzt, unbe- 
merkbar durchschreitet, auf den Tonstufen selber aber verweilt und 
bloss diese vernehmbar werden Iftsst» so sagen wu: von ihr, sie führe 
eine Melodie aus und befinde sich in discontinuirlicher Bewegung. 

*) Hinter »w; av fi»,oa(ji'iü {s-uxhr, ist verumthUch ein ]^ herzustellen, wel- 
che» der Absctirciber leicht überseheu kouute. 

§ 27. Beides aber, was wir hier als Bewegung bezeichnet, 
müssen \\iv in dem Sinne auffassen, wie es sich unserer sinnlichen 
Wahniebmuag ii«'Lreuüber darstellt; ob os möglich oder iinmöj^lich 
ist, (lass die Stimme sich (von eint r Tunstufe zur anderen) bewege 
und dann (eine Zeit lang) auf einer Tonstufe verharre, das gehört 



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L Die topische Bewegung der Stimme, Singeu and Sagen. 223 



emer anderen UDtersuchnng an*) und ist fOct unsere Wissenschaft 
der Harmonik unwesentlich: wie es dch anch verhalte, es macht 

wenigstens ftir die Scheidung der emmelischen Bewegung der Stimme 
Yon der nicht emmelischen dasselbe aus. 

Kurz, wenn die Bewegung eine solche ist. dass sie den Ein- 
druck auf das Gehör macht, als oh sie nirgends ruhig verweile, so 
nennen wir dieselbe eine continuirhche; wenn sie aber den Anschein 
gewährt, als ob sie an einer Stelle ruhig Terweile, darauf einen Ort 
{yon einer Tonstufe zur anderen) durcheile, und wenn sie dies fort- 
während abwechsekd bis zum Aufhören zu thun scheint, dann nen- 
nen wir diese Bewegung eine discontinuirliche. 

*) Ariatoxeims vcrweiat auf dm erste Buch der Kliytlmiik, auf diejenige 
Partie, aas welcher das Fragment 6 des Psellus stammt (vgl. oben § 4). 

§28. Die contintiirliche Bewegung mm beisst bei uns 8preclien. 
denn wenn wir luis mit einander unterreden, dann macht die Stimme 
eine derartige topische Bewegung, dass sie deu Anschein hervor- 
hebt, als ob sie an keiner Stelle anhalte. In der zweiten Art der 
Bewegung, der discontinuirlichen, zeigt sich das entgegengesetzte, 
indem sie vielmehr den Eindruck macht, als ob sie an bestimmten 
Stellen ruhig Terweüe; ron dengenigen aber, der dies zu thim scheint, 
sagen wb alle nicht mehr, dass er spreche, sondern dass er singe. 

Dem entsprechend vermeiden wii* es, beim Reden die Stimme 
ruhig anzuhalten, wir müssteii denn etwa durch eine leidenschaft- 
liclie Krregtheit getrieben werden, in eine derartige Bewegung zu 
verlallen. Beim Singen aber vormeiden wir gerade umgekehrt die 
continnirliche Bewegung und suchen die ^!tinime so viel als möglich 
verweilen zu lassen, denn je mehr wir jeden Ton als einen für sich 
geordneten, einheitlichen und stetigen zum Vorschein kommen lassen, 
um 80 klarer wird das Melos von der sinnHchen Wahrnehmung auf- 
ge&sst. 

Dass also von beiden Arten der topischen Bewegung der Stimme 

die continnirliche als Sprechen, die discontinuirliche als Singen sich 
darstellt, erhellt, denke ich, aus dem (iebagti n. 

£0 komme ihm vor, sagt Aristoxenus, aks ob die Spreclistimme und die 
Singstimme, in denen Heiden ja verschiedenf» Tonhöhe und Tontiefe vorhanden 
sei, sieb dadurch unterschieden, dasa beim Sprechen die Sylben niemab auhal- 



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224 



AristoxaiiiB erste Hamoiük § 28. 



t«n, aondem doss sofort von der einen Sylbe zur anderen gegangen werde, und 
dass sich dies fortwfiliiciul bis zum Ende dos jjnozen Sprechens wiederhole. 
Beim Singen aber bleiben die Sylben beim Ft i tsclireiten auf bestimmten Ton- 
höhen stchrn. Ucbercinstimmeml hiermit sagt Ari8tox<^iiii< in der Kliytlunik 
ap. Pscllniii Fr. ti: Die fj.£Taß^3£t:, die Uebergäuge von eiui r Sylb<^' zur anderen, 
seien otpcuoxoi otd op-ixpoTT^Ta iü-jzi^^ opot Tivec O 'tc;, di*^ Syn)en !-elb<'r dagegen 
seien Yvcf»pt(jioi xira xb ro-ov ypö-^ou Also Aristoxenn^ Ohr rindet ein Zeitmaass 
für die Sylben, aber nach dvr obigen Stelle geschieht das nur, wenn sie ge- 
sungen werden; die Sylben der ojvc-^fjc xivr^ai; 'ftuvij;, die gesprochenen Syl- 
ben entiiehett aieh ihm der Measbarkeit. Bio» leidenschaftliche Erregüidt kOnne 
wohl der Gnmd sein, dass auch beim Sprechen in der Sylhendader etwas sU* 
tiges (^pc|ft(«i) veikenQine, sonst befinden sich die gesprocbenm Sylben in einer 
ttni9K tvnjifi» dnd alao nidit pHnpifLOt «axd ti nosA^ XP*^^ 

So lässt sich zwar die gesungene Poesie der Zeit-Maa^sstab der ver- 
schiedenen Versfüßso, z. B. des vierzeitigen Daktylus anlegen, aber nicht an 
die ^iA7j ifipietpot >i^i;. Hier hört man nicht den -['fdi^K\toi ^p«S>o( -:cTpo[37,(Ao;, 
nieht die als S(oi)(&o;» nicht die dEpstc als hior^iioi, man h5rt von dem Bhyth- 
mus nur das Moment des rhythmischen Acpentes und der Aceentlosigkeit) die 
Zntdaner entsteht sich der Beobachtung. Im gesungenen (axTvXt«^ kann man 
es genau zur «teBijoi« kommen lassen, dass die genau so lang wie die 
dpeu ist In der Recitations-Pocsie ^^nge das ntr Noth auch» aber eben nur 
zur Noth: es wird pedantisch klingen, wenn man es versucht, eben weil es 
der natürlichen Weise des Sprechen?, der mvtjf^ifi xIvt,3i; ^ujv4i(, zuwider itit. 
Denn etwas natürliches ist es nicht, wenn man die Sprechsylben , die doch in 
continuirlichem Fliipse weiter gtlien. t'»'wi>si rraassen aufhalten und dnrrh Zoit- 
maasgp fixiren will. SoHtf das nicht unnatürlich erscheinen, so nmsste oin <irund 
für die Einhaltung bestimmter Sylbendauor vorhanden sein, z. B. niclodmiua- 
tischer Vortrae, gleichüeitige lii j^lrittnijr der gesprochenen Worte durch Instru- 
mentahnusik, also iuimt rhia eine Art vou melischem Vortrage, denn nur im 
MelOB ist diff bestimmte messbare Zeitdauer der Sylben etwas NatflrBches. 

Auch in der Sprech-Sprache giebt es kurze und lange Sylben : 8v und tö 
ist immer kürzer als mv und x(p> Davon kann Hian sich mit einer Sekunden- 
uhr leicht iibcrzencron : denn in ein und flprselhen Zeit lässt sich <>•» oder in 
gi'össerer Anzaid wieU* rholm als vju und -tü. Aber dass die lange Sjircchsynx- 
die doppelte Zeitdauer der kurzen habe. da> ist uiclit richtig. Das Verhaltniss 
1:2 ist der Kürze und Litnirc erst künstlich augewiesen, als die /.iSi« zum me- 
lischeii Khytlunizonienun wtirde. 

Die in der Melik ausg«»bildeten rhythmischen Spraehfornien . die Metra, 
sind dann auch für die "|*iX^j X4;i5 beibehalten worden. Auch in der recitirten 
Poesie, die sich vom Melos emaneipirt hatte, müßigten die Versfüsse wahrnehm- 
bar geiviaclit werdet). V^r nllcni behielt man die rhythmische Accentuntion 
der Versfüsse aus der mclischcu Khythmik für die Kccitatiou bei. Mit den 



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L Die topüclie Bew^ung der SStiuune, Singen uuU Sagen. 225 

■ 

Zehm iMnaon w es etwas mdere«. Zwar ft3iid..der y^6^i npdnoc in wiiMr Ei> 
gemdiafl als nntheilbarer ZeitwerCh in der kirnen Sylbe eeiiien natfbMfiii 
Anadmck, denn die Bulben der duvex^c «(vi]otc ftmij«, die nach Aiiatoxenus 
ttberfaaupt keine measbare Dauer haben, fllnd jedenftlb nntlieilbare Zeitweifhe. 
Aber «Se Terbllt es meh in der ^-Ij l^ftfictpo« ]KSt«niit der laogenSylbe? Eine 
Silbe noch einmal so lang als eine andere aasauhalten, ist im kideaaeiiBflB* 
losen Sprechen gegen die Natur der s-j^ey^j; x(yr]ot; <p(uvf)c; man kann es zwar, 
aber wer so spricht, der spricht uiinatürUch, pedantisch, lächerlich. Die lange 
Sylbe wird auch im Verse immer etwas länger gesprochen als die kurz«», olum 
aber bis zur strengen Zweizeitigkeit ausgedehnt zu werden. Sie ist kürzer als 
die iloTjjto? atxoa, als die rhythmische Länge des Melos. Eine solche Sylbe. welche 
länger ist als die kurze und doch kürzer ist als (iic oiar^fio; p,a%p>d, kommt auch 
in der aus dem Meies entlehnten llieorie des Kliythmus vor. Sie erscheint 
s. B. in dem lo^sloi dIXo-fOc als sog. iXoifoc ^vea ^pdvo; vgl S. 26. 

Die kyklischen Versffisae. 

Die mit der rhjtihmisehen The<nde keineswegs imbekannte Theorie der 
Bhetoiik Teifiel auf diese ilofoi fxaxpd der Blijtimiikeri wean es galt, fOr die 
Lfioge des Daktyfaia b«m Bedtiren dnm Zeitwerth annageben. Es gesclmh 
das, wie man für die Rhetorik aach von iiMic, von «AXs, von «tpiofioL sprach. 
ThnMjmaiilm8VoaCakaloedon(8iiidas s.h.T.) hatte snerst diese Kategoiieen aus 
der Bhythmik auf die Bhetorik übertragen. Ans einer solchen ältoraoi "^X"*^ 
^topnt^ seheint Dionysiiis entlehnt m habeo, was er de eomp^ veib. 17 sagt: 

TtXektc (L e^ xi^ Si«^t» (fcoapfi^, oö« f^evtc« H cficctv mSoip» «oXoOscv oddjv dOLepv. 
Und an einer anderen Stelle de comp. verb. 80 bei Oeiegenheit des Verses 
iluVcc Intita tcItoxBc «tiXMtto "KSai ivatS-^c: 

iltdt 8i iJt^« ixaxpal «al o6S* tt&tol tIXttOt . dva^xr) oSv «ttCMIRjUlcH «ttl oostiX- 
Xcoftm T?lv «paatv, -ng ßpoyuTTjTi tAv ouXXa^fiiv i^£Xxo|A|virjv ...'OH |ft(fXtOta tdW 
äXXsiv 0au|iifCctv d|iov, ^ud{AÖc eöBcU tOv (unip6W st ^ 6otv i^ouei niiiTctv cic fU* 
Tpov ^pipov ... ipuraaptliACKTSt t«p stixtp 'c^C vXcttti)«» ot U «IXXoi tebr» 

tc« sloi (dbnvIyM «ol ofitot ft icapa&«(taiT{ilvac fj^evcc« ^Xd^ouc Aetc ib>X£i 
^ta-f ^peM ivtooc tftv TpoyaCiDv (so dass Einige diese Daktylen nicht viel von den 
'I'rocbaeen unterscheiden oder: dass nach Einigen der Unterschied zwischen 
fliesen Daktylen und den Trochäen nicht gross ist). U4&fiv dvttTipiixtov 
esTlv e^rpo^ov xal repi^pf^ «al xatafploveav slMi Tf|v tppdoiv bi xoto6'car» Wf' 

Im unmittelbaren Fortgange der merst angeldhrten Stelle sagt dieselbe 

rhetorische Schrift: 

Aristoxtaus, M«lik u. Bhjthinik. 15 



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226 AnstozenuB erste Uarmonik { tS. 29. 

Weshalb man diesen Anapaest, die Autithesi.s dof mit verkürzter Länge 
gesprochenen Daktylus, ,,x6xXoi*' nannte (G. Hennaiui liest xOxXio;), scheint 
mit don vorher aiigcfriliiten Worten eüxpoyov xai zeotcfiOf; xai xaT«j;plou3ov el- 
vai !^(idaiv i* xoiouTtuv a.t•(%^%po■zT^^^^vf^^ ^jxi^iü'* zunuiumeiizuliäugcu. Solche 
Daktylen imd Anapaeste mit vcrkQrster Länge haben nichts von dem Steifen 
und Pedantiadien des iiadi genauem Zeitmeaaee eidi abmfiheiideii Scandirens, 
Bondeni enchdnen ala ffieaaende und abgenindete VenfAsaie; «6xXoc ist wie 
in «6xXos inp«6(ou (Abgenmdetiieit der Periode) gebraucbt 

Die kykliscben Vertfflsse gehören der DeiLlamation an. 

G. Hennaan bewg diese „kyUüschen'* FOsse auf alle dakiyliseben Hexa- 
meter des Epos Im Allgemein )Mi. Wir sind damit, vom Standpunkte Hermanns 
ans, der stets ^unflefast an die^4'^^'^| £|jL(j.eT(>o: li-r,, nicht an die VersfOsse des 
Melos denkt, vollkommen einverstanden. Soll ein Hexamctron der Becitations- 
Poesie in Noten anpgedriickt werden, so wird sich Aristoxeiius dem wider- 
setzen, ist e? doch dit- o'j-.£yy,; f-hr^OK ^f '^i?. in welcher os koine f peu(at, keine 
xaxa TO TToafjv y.thrAix'ii ypövoi giebtl Auiiiiliernil aber wird man dem Rhythmus 
des Becitations-Hexametrons immerhin durch folgende Xotirung nahe kommen: 



Xv/v/ Xv^s/ Xv/\^ XV/ 



I 



S i RS 1 fr* 1=; 1 B I R 

X— X^^\> X Vi/^ X— J.s^\/ X — 

Das sind genau die roos;, wie die Berichterstatter, welche Dionysius ex- 
cerpirt, sie sich denken. Gleich i^tos.sc V«M*»fii!<8e, ,^lcichbleibende" Takte sind 
d;is freilieh nicht! Man kann diese Noten nicht mit den Finpem als Takte 
Hof? yivfj; 'laov mit gleich langer ftioi; und äpat; tidrtlrcn. Al)cr solclie Takte 
kommen nach Aristoxcnus' nicht misszuverstcht lulei Auöeinandcröetzung ja 
auch nicht der suvsyr^c xtvTjoi; ^tuvfjc, nicht der '!;iXtj iu ixcrpo? X£|tc zu. ,. Oratio 
non desceudit ad strepitum digitorum" sagt Fabius Quintiliuu. l\bereiu»tim- 
mend AtiL Fcftanat p. 8689 metrum sine pealmate prolatum proprietatem soam 
servat, rhjrthmuB antem nonqnam sine psalmate valebit. So sprechen die Me> 
trÜEer Ton dem reeitirten vom Bfelos emaadpirten Metrum im G^fensatse au 
dem meUsdien Metrum, wdches sie Rhythmus nennen. Aristoientts berieht 
sich in seiner Shyfhmik nur auf diesen strengeren, die x?6w. genau einhalten' 
den Rhythmus des |ilXo«» desaen Gesetae in freierer Form auf die Redtations- 



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n. Ansteigen, Absteigen, H«he, Tieüs, l^ynatufe. 227 



Pueöie übertragen werdmi. Seine rhythmische Theorie weiss daher nicht» von 
^kffiMthen VenfUnen, worin ich gern dem Herrn BriU beipflichte. 

Ich gestehe, da» ich geirrt habe, wenn ieb ftfiher mit Apel im G^en- 
satM sn G. Hermann den l^kliBefaeii Takt dea Dionjaiiia in die atren- 
geren Geaelae des melfaehen Shythmus Enigaog yeratatten an mflaaen glaubte. 
Um ao mehr aber aind die von BriU nnd l^ehra aeeepürleD Meaanngen J. H. 
Yoaa* imd Meianen abanweiaeD, iiadi denen etwa Mendelaaobn oder iigend ein 
anderer unserer Musiker die antiken Diditertexte melodiairen kann, von denen 
uns aber mit keinem Worte überliefert kt, daaa die antiken Dichter selber so 
rfaythmisirt haben (vielmehr ist uns etwas ganz anderes überliefert vgl. S. 114 
und nach denen noch weniger die betreffcndtii Text«- recitirend vorgetragen 
werden können, wenn der Vortrag nicht ein gezwungener, unnatiiilichcr. pedan- 
tisrhcr, lUcherlichfr sein soll. Nach AristoxenuB ist die Spn ch-Stimnie ausser 
Staude, die Sylben als r^ptfiiiot xazä too<*># "/p'ivoj ala9f|aei ■y^obpijioi vor- 
tragen zu können, das kann bloss die Sing-Stiuime. 



n. 

AufBteigen, Abateigen, Höhe, Tiefe, Tonitufi». 
Vgl Frooim. § 5. 

§ 29. Da sich ergeben, dass die Stimme beim Singen das Auf- 
imd Absteigen unvermeikt zu ToUsiehen, die Tonstufen selber aber 
yemefambor erldingeii zu lassen hat ( — hat sie doch dem Baum des 
Intenralles, welchen sie ab- und ansteigend dnichmisst, gleichsam 
im Yerborgenen za durchlaufen, dagegen die aneinander grenzenden 
T5ne deutlich und toU zur Erscheinung kommen zu lassen — )j da 
sich dies ergehtii liat, so wird uuuinehr vom Auf- und Absteigen 
von Höhe mid Tiefe und von der Tunstufe die Rede sein 

Das Aufsteigen (sTTt-aji;) ist die discontinuirliclie I^ewegung*) 
der Stimme von einem tieferen zu einem tiöheren Orte; das Ab- 
steigen (avsai<;) die Bewegung von einem höheren zu einem tieferen; 
Höhe (o^uTTic) ist das ßesuitat des Au&teigens, Tiefe (ßapvTijc) das 
Besultat des Ahsteigens. 

*) Hinter «tvijaic r7); ^ Qvf]; ateht in den Codd. noch daa Wort euvcx^i;> 
Daa Gagentheil ^attjitartx^ wOrde richtiger, fteiUch fiberflflang mm. Der 
Doeentenvortrag dea Ariatoxenua, der in aeiner peinlichen (}ewifl«eiibaf%kett 
ateta baaoigt iat, ea mlkiite von aeinemy<Mrtrage den ZuhOrem etwa« anfangen 
sein, erklärt die vorhergehende Parenthese, die allerdings im vorigen Kapitel 

15* 



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228 



Ariatoxentu erste Harmonik 2d— 81 



Gesagtem noch eininal »agt, aber Ueäiialb nicht mit Marq. S. 367 für eine In- 
terpolation zn halten ist. 

§ 80. DasB wir hiermit vier Begriffe und nicht zwei gesetzt 
haben, mag dem oberflächlichen Beobachter ^Ueicht widersinnig 
ersdieinen, denn wohl die meisten sagen, dass Aufsteigen tud HOhe, 
Absteigen und Tiefe dasselbe sei Es erscheint der Nachweis nicht 

unpassend, dass diese Auffassunjij eine verkehrte ist*) 

Versuclieu wir den Vorgang selber ins Auge fassend uns klar 
zu machen, was wir eigentlich thun, wenn wir beim Stimmen eines 
Instrumentes die Saiten hinunterlassen oder hinau&iehen. Wer der 
Instrumente nicht ganz unkundig ist» der weiss» dass wir die Saiten 
beim Hinaufspannen auf eine höhere^ beim Hinunterlassen auf eine 
tiefere Tonstnfe bringen. In der Zeit nun* während deren wir eine 
Saite auf eine höhere Tonstufe versetzen » kann doch unmöglich 
schon die Höhe, welclie durch das Aufsteigen entstellen soll, vor- 
handen sein; dann erst wird die Höhe voilmiulen sein, weiiu tias 
Hinaufstiramen zur gewünschtt-n Hcdie geführt hat und die Saite 
nun fest steht und nicht mehr bewegt wird; dies aber wird ein- 
treten, wenn das Hinaufstimmen aufgehört hat und nicht mehr fort- 
dauert» denn es ist nicht möglich, dass die Saite zugleich verändert 
wird und fest steht Dasselbe werden wir auch yom Absteigen und 
der Tiefe sagen» nur dass hier die umgehrten Richtungen stattfinden. 

Aus dem Gesagten ergiebt sich» dass das Absteigen sich von 
der Tontiefe unterscheidet und zwar in derselben Weise wie Ursache 
und Folge ; in gleicher Weise ist auch das Au&teigen von der Höhe 
verschieden. 

*) Vgl. Proeimion $ 5. 

§ 81. Dass das Aufsteigen mit der Höhe, das Absteigen mit 
der Tiefe nicht identisch ist» ist» denke ich, aus dem Vorausgehenden 
klar geworden. Dass nun aber auch das flinfte*), nämlich die Ton- 
stufe, von jedem der genannten Begriffe verschieden ist, wollen wir 
einzusehen vei'suehcn. 

Was wir unter Tonstufe (taat;) verstehen, ist etwa dasselbe, 
wie Verweilen und Feststehen der Stimme. Dabei sollen uns die 
Memungen derer nicht inre machen» welche die Töne auf Bewegun- 



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IL Aufsteigen, Absteigeu, Höhe, Ti«fe, Tonatufe. 229 



gen**) zui iickiuiiren und die lithaiiptung aufstellen, die Stimme 
sei ganz und gar eine Bewegung, während es uns passiron werde, 
dass vdr sagen müssten, es köunne bei der Bewegung (in unserem 
&nne) Torkommeu, dass sie keine Bewegung, sondern ein Ruhen 
und Stehenbleiben sei Wir unsererseits nämlich dürfen getrost 
die Tonstnfe auch so definiren, dass wir sageni sie sei eine gleich- 
bleibende oder identisdie Bewegung oder welchen bezeichnenderen 
Ausdruck man hier aasfindig machen möchte. Denn auch dann 
werden wir nichts desto weniger sagen, die Stimme stehe in dem 
Augenblicke, wo sie laut der Deklaration unserer sinnlichen Em- 
pfindmig weder in die Ilölie noch in die Tiefe geht, und thun dann 
nichts anderes, als diesem Zustande der Stimme einen Namen zu 
geben. In der Tliat aber wird dies (nämlich das Stehen), wie es 
der Augenschein lehrt, beim «Singen von dei* Stimme ausgeiiüirt, 
denn sie bewegt sich,' weim sie ein anderes Intervall zum Vorschein 
kommen lassen will; sie steht, wenn sie den Ton angiebt 

Wenn nun die Stimme das ausführt, was wir Bewegong nennen 

(verschieden von der bei Jenen so genannten Bewegung, die bei 
einem höheren Tone eine grössere, bei dem tieferen eine geringere 
SchneUigkeit hat) und wenn sich die Stimme daim wieder lü dem 
Znstande befindet, den wir Rulu^ nennen, so ■^vird das nieht anstössig 
sein. £s ist somit klar, was wir unter Bewegong und Kuhe der 
Stimme und was Jene unter Bewegung der Stimme verstehen. Doch 
genug hiervon an dieser Stelle; anderwärts ist darüber ausführlicher 
und genauer gehandelt*^) 

•) In den Handschriften Tpftov statt r,i\ir-r»v d. i. P statt F'. Die Rpsse- 
rttnp kennt auch Maniuard im krit. Commentar. Doch sagt er, dtws »ich die 
üUirUeferte Lesart damit entachuldigen las^e , dass vorher je zwei ße^ffe mit . 
einander verbunden werden und bo der neue ai» dritter erscheiucu koime. 

*^ Wahrecheinlicb «i lesen: «C« ttva« xiv^euc, vgl dritte Hann. § 88 iicd 
tivoc Towfc ^ Wfifitm düpo« dpxöfwvou Hier sfaid di^eiiigen goaeipt CPjüia' 
goreer), welcbe schon vor Äristoxenus oder zur Zeit desselben die Töne als 
Schwingungsbeweg a ngen deflnirten. Diese Art yoQ Bewegimg hSit A. 
nicht im Sinne, sondem Tiehndir die topische Bewegung derTtoe {von der 
Höhe au Tiefe). 

In dem enrten Budie der Rhythmik. Erhalten tsl «ut jener Ansei« 
nanderaetim^ Ftg, 6 des PseUns s. oben S. 4. 



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230 Aristoxenu« erste Harmonik § 32—84. 

§ 32. Dass nun die Tonstufe weder ein Aufeteigen nocb ein 
Absteigen ist, ist völlig klar — die Tonstufe, sagen vnr, ist Rulie 
der Stimme, das Auf- und Absteij^cn ist wie wir im Vorausgehen- 
den gefunden haben Bewegimg; dass aber die Tonstute zugleich etwas 
anderes ist als Tiefe und Höhe, wollen wir zu erfassen versuchen. 

Es ergiebt sich aus den Vorhergehenden^ dass sich die Stimme, 
sowohl wenn sie in die Höhe, als auch wenn ne in die Tiefe ge- 
gangen ist» im Zustande der Buhe befindet. Wenn irir nun aber 
auch die Tonstufe als Buhe aa%efasst haben | so ist dieselbe doch, 
ine aus dem gldch zu sagenden erhellen wird, nichtsdestoweniger 
ein mit der Höhe oder mit der THete nicht identischer Begriff. 
Bedenken wir, dass das Feststehen der Stimme in einem Beharren 
auf ein und derselben 1 onliölie besteht. In diesem Zustande wird 
sie sich befinden sowolil wenn sie iu der Tiefe als aucli wenn sie 
in der Höhe fest steht. Wenn nun bei der Tonstufe (he beiden 
entgegengesetzten Zustände (des HoIkmi und des Tiefen) vorhanden 
sind ( — musste doch sowohl bei der Höhe wie bei der Tiefe ein 
Feststehen der Stimme stattfinden wenn dagegen bei der Höhe 
niemals die Tiefe und bei der Tiefe nicht die Höhe Torhanden ist: so 
ist es klar, dass die Tonstufe, da sie gemeinsam bei der Tiefe und 
bei der Höhe Torkommt, etwas anderes als die Höhe und die Tiefe ist 

Dass nun die fimf Begriflfe: Tonstufe, Höhe und Tiefe, Anzeigen 
und Absteigen von einander verschieden sind, ist aus dem Vorher- 
gehenden klar geworden. 

in. 

Ist die grösßtö und kleinste Entfornung zwischen Hohem und 
Tiefem eine uabegreiute oder eine begrensteP 

Vgl Ptooim. S 6. 

§ 33. Da wir das Yorausgehende festgestellt haben,, so wird 
sich daran die üntersucbimg schliessen, ob der Abstand zwischen 

Tiefe und Höhe ein unendlich gi osser und kleiner*) oder ob er ein 
begienzter ist 

*) eft* iiA TÖ yLtftt » . . i!t* tfH |Mxpöv wie Rbythm. § 58a. 



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Iii. lat diu gröeete uuU kleinst« Eutferuuug zwii>chen Hohem etc. 281 

Wenn wir (A) das Vermögen der menschlichen Stimme 
berüclnichtigeii, no ist der Abstand, wie nicht schwer einzasehen ist, 

keiii unendlicher. Der Umfang nämlich, über den eine jede Listru- 
mentiil- und Vokalstimme gebietet, süwuhl der grösste wie der 
kleinste, ist ein begrenzter. Denn die Stimme kann deu Abstand zwi- 
schen Tiefe und Höhe weder ins Unendliche vergrössem, noch ins 
Unendliche verkleinern, sondern irgendwie moss sie in beiderlei Be- 
ziehung einen Halt machen. 

§ 34. Wh niüsstn nun für jedes von beiden, den kleinsten und 
grössten Abstand, eine Grenze finden mit Rücksicht auf zweierlei, 
nämlich auf das, was die Töne liervoibiiii^d, und auf dasjenige, 
was sie beurt heilt. Das erstere ist die Stimme, das zweite das Ge- 
hör. Denn das, was jene ausser Staude ist hervorzubringen und 
dieses aosser Stande ist zu beurtheilen, das geht über den in der 
Musik brauchbaren und fitr die Stimme erreichbaren UmfEUig binans. 

a. In Beziehimg auf den kleinsten Abstand zwischen Hohem 
und Tiefem scheint die Produktionsfthigkeit der menscbUchen Stimme 
und die Receptionsfähigkeit des Gehöres augenscheinlich an der« 
selben Stelle aufzuhören. Denn ein Intei-vall, welches kleiner ist 
als die kleinste Diesis vermag weder die Stimme deutlich hervorzu- 
bringen, noch das (lehör in der Weise deutlich zu empfinden, 
dass es angeben könnte, der wievielte Theil der (kleinsten) Diesis 
oder irgend eines anderen bestimmbaren intervalles dasselbe seL*) 

*) Uaninard S. 8SB maclit «nfiiiAikssiii «nf Poipfayr. sd Ptolem. p. 85T, 
wo eine Stelle aus den Aristoxenischen 86|ft{MXTa {»Toopiv^paT? citirt wird: in Be- 
nehung anf die kleinen Abstände swiflnbcn Hohem omd Tie fein versage die 
Fähigkeit de« Gehiir- früher als das Tonmaterial, d. h. man würde noch kleinere 
Intervalle alf* die kli ui piih armenische Dii sis hervorzubrinp:™ die Fähigkeit 
haben, aber imser Ohr würde (liesclbrn uicht mehr deutlieli t-nipfinden oder 
wenigöteuö nicht genau zu bestimmen im Stande sein. Freilich sage Ariato- 
zenos im ersten Ruch Tteol dpy&v . . . heisst es danii weiter bei Porphyrius 
onter Auiuhrimg unserer Stelle der eraten Harmonik. Die Worte eCt <xKkvi 
Tivoc T&v Y^cu(<i{A(ov &taoTT^[jia-:cav werden von Marqoard entfernt Besser m iTtt 
hiwm den ZmwtB IXay torrjc bImmfHgen. r^pqAa ^tetorfipLata steht im Glegen- 
Mtse m ä{jieX<f>&r^-ca vgl. § 56c. 

b. In Bezielmnf^ auf den grössteu Abstand kann es den An- 
schein haben, dass die Stinuae, wenn auch nicht um viel vom Ge- 
hör übertrolien wird. (Denn ).*) 



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232 Ariftoienof ewte Aurmonik | 84—36. 

« 

*l Zu verstehen ist hier nicht, was Aristoxenus von dem grSgsten Ab- 
stände itn Sinne hat Es wird eben ein mit y^^P eingeleiteter Satz hinzugefügt 
gewesen ^ein, ähnlich wie ein solcher auch der vom „kleinsten Abstände" 
handeln4ea Angabe hinzugefügt ist 

Aber mag man mm bei dem kleinsten "wie bei dem grössten 
Abstände denselben Grenzpunkt fttr Stimme mid Gehör statoiren, 
oder aber bei dem kleinsten Abstände denselben Grenzpunkt, bei 

dem grössten einen verscliiedeiicn, so wii'd. üs dudi imiuerhiu eine 
kleinste und eine grösste Ausdelmung des Absta-ndes geben, ent- 
weder eine für das den Ton hei vorlmngeude und das ihn beiu'thei- 
iende, oder eine iur jedes von beiden eigenthümliche, 

§ 35. Dass also der Abstand zwiscljen Tiefem und Hohem, wenn 
wir die Stimme und das Gehör berücksichtigen, nicht unendlich klein 
oder unendlich gross sei, ist wohl klar. Wenn wir hierbei aber 

(B) auf die Beschaffenheit des Melos an sich BAcksicht 
nehmen, so wird es der Fall sein, dass die YeigrOssemng des Ab- 
Standes ins Unendliche geht 

* » 

* 

Indessen würde die Erörterung dieses Punktes tUr jetzt nnnd* 
thig sein. Daher wollen wir das weiter unten untersuchen.*) 

*) Marq. übersetzt: „Wenn die Beschaffenheit der musikalischen Fort- 
schreitmif!^ an tind für sich ins Auge gefasst 'würde, [so Wirde sieh vinv Yor- 
grösiienuig ins Unendlii-hen ergaben] so dürfte <V\i\ AuBcijirni'l-'i^ctzung hierüber 
Wohl anders lauten ; für die vorlie^^onde Abliandiung lat .sie jtniocli nicht uöthig, 
dahor müssen wir sie «püterhin in Betracht zu zit;lien vorsuchen." S. 124 
„Wir finden hier im überlieferten Text zwei Naclisätzc . . . Ich halte dcu eisten 
für eine Glosse um sweto, und nur weil idi xweifelbaft bin, ob ich sie dem 
£xeeiptor oder einem Leser snedureiben soll, habe ieh mich mit der Ebsdilies- 
sung in Ktemmeni begnügt" S. 2S4: „AristoxeDus llBst es naeh nnserea £z- 
Cflxpten unbestimmt, m weldiem Resultate man gebuigen würde, wenn man 
ohne Bflduicht «a£ Stimme und GehAr den Abstand swischen Habe und Tiefe 
Utttefsuelite. Dies Resultat liegt so auf der Hand, dass der betreifende Leser 
es sich hätte sparen können, dasselbe dazuzuschreiben." Mit Marquards an- 
gi bHcben zwei Nachsätzen ist es nieht in der Ordnung. Vor dem zweiten 
Nachsatze ist im Texte eine Lückr anzunehmen. Die Texteslesart dieses Satzes 
gebe irh nach der glücklichen Herstellung von Otto Kossbach aus dem Ano- 
nymus Beilermaiins. 



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IV. Definition von Ton, Intervall, System, vorläufige Eliiithcilung etc. 233 

In der Anange de« AvistozeniiSt daas mit Büdcaidkt auf die Besdbiifi«!- 
Iieit des Melos an sieb der gröaete Absteiid iwiachen Tiefem und Hohem 

ein unbe^nzter sein vttidei düifen wir eine Concession des Aristoxenus an 
die in Piatos Timaeus vorkommende, aber ohne Zweifel schon Vor-Platonische 
Constniction meier Tonscalcn erblicken, von denen die erste drei coutinuir- 
liche ( )ktav«m, di'' riuIit»« <Irci continnirliche Duodecimnn uinfasst. Xgl. Griech. 
Bhythmik luid Harmonik lf>iiT, S. (ib. 67. Doch gab Aristoxfims diese Con- 
cession nicht ohne Bedenken, die wir nun fn ilich bei der vorhandeuen Lücke 
der Ueberliefenmg nicht mehr genauer ktMiiicn, aber im Allgemeinen aus der 
Verweisung auf „td &7i£ita" erbciiliesseu können. „Freilich würde von so un> 
begiwulen Abstflnto Nfemiad etirM n h4fren hekoouneu, wenn wir auch 
von Zf 4 und mdv Okteven ans dem Verdne von Stimmen verschiedenen Atters 
and von Instrumenten versddedener M ensnren uns eine Vorstdlung machen 
tonen/' wie nachher in Abschnitt VH gesagt wird. Eben dieser Abselmitt 
ist es, auf welchen sich das Qtat ,,iv toi« liccuro.^c^^lHismi'' besieht 

IV. 

vorUnfige BfnthellimK der Intervalle und Systeme. 

Vgl. Pro<niiuou § T*). 

*) Im Prooimion ist „Ton" ain don Haiidschrifteu uusf^efallen. Daun ist 
dort kürzlicli an''ogo])»ni „Definition des lutervalles, Eintheilun-j: drs-^elben. De- 
finition des Syäjteui( "^ Kiutheilung der Systeme'' (vgl. § 7). Ilior in der Aus- 
Dlhnuig wird erst die Definition von Ton, Tntervnil und System, dann die Ein- . 
theilimg der Intervalle und Systeme gegeben. Die Abweichung hat in der er- 
strebten mögUchäteu Krnzc des Prooimions seinen Grund; man darf nicht 
suchen, die Besponsion zwischen Ausführung und Prooimion bis ins EinzeLstc 
hfflBnsteUen. Aueh im § 37 werden „Ton, Intervalle und Bysteme" als su- 
sammengehdrend genannt. Der Uebersichtlichkdt wegen haben wir die von 
der »weiten und dritten Hand des Medioens an den Band geschriebenen In- 
haltrangaben in den Aristoxenischen Text hindngenommen. 

Definition des Tones. 

§ 36. Nachdem vir dies erkannt, mfissen wir eine Definition 
des Tones geben. Sie mag in Kürze lauten: Der Ton ist es, wenn 
die Stimme auf eine einzige Tonstnfe ftUt Denn dann scheint es 

ein für diis Melos*) verwendbarer Ton zu sein, wenn es der Fall 
ist, dass die Stimme auf einer Tonstufe stehen bleibt. 

*) Dius musikaliscbe Melos als Singen im Gegensatae zu dem Melos des 
bj^rechens. 



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234 



AiiatoxMnti ente Httnnonik $ 37— SO. 



Definition des Intervallef. 

§ 37. Die Definition des Tones lia))en wir gegeben. Intervall 
aber ist ä^s von zwei nie lit auf gleicher Toüstufe stehenden Tönen 
Begrenzte. Im Allgemeinen zeigt sich nämlich das InteiTall als 
der Zwigchenraum zweier Tonstufen, welcher fähig ist, in seiner 
Mitte Töne aufzunehmen, die da höher als die tiefere und tiefer als 
die höhere der beiden begrenzenden Tonstufen sind. Der Zwischen- 
raum (Sui^opa) besteht in der grösseren oder geringeren Spannung**) 

*) Scheint efai niebt von Aristomnut henfibreoder MBigiml-Zmate nt 
sein; er redet eonet iwar von dnem ittttcivtiv, aber nie von einem tthnv. 

Definition des Systemee. 

§ 38. Sonnt wäre das Intenall delimi-t Das Sutern aber 
haben wir als das aus mehr als einem Intervalle Zusammengesetzte 
za denken.*) 

Doch mn88 d^ Zuhörer**) jede der gegebenen Begriffsdefini- 
tionen entgegenkommend aofzondimen versuchen, ohne sich dabei 
zu kttmmem, ob die gegebene Definition voUstftndig oder zu allge- 
mein sei; er muss vielmehr den guten Willen haben, sie ihrer Be- 
deutung nach einzusehen; muss denken, sie sei ausreichend fiir den 
Zweck des Lernens, winn sie in das VeiNtiindniss dessen, was hier 
gesagt wird, einzul'iihren veiinag. Denn schwer lässt mch in den Ein- 
gangsabijchmtten etwas sagen, dass es nicht angegrifl'en werden 
könnte nnd eine vollständig ausreichende Erkläining enthielte; am 
wenigsten ist dies bei den vorliegenden Punkten: Ton, Intervall, 
System der FalL 

*)AlBOcdefg, aber nueb edion c d e f oder c d e wQfden ein Byetem 

aem. 

**) Wir haben eine ^Vorlesang vor ZnhSrem", das CoUe^^enfaeft des 
Aristozenna fSr die eiste Hannonik vor nnsi vg^. Ö. 178 C 

***) Ttuv ipxi dasselbe wie dritte Harm, f 28 ,»dpxd^" nnd 

„Ikt-za td« d{»x<^«"t »cip/oetSf^ icpoßXT)(jiaTa" d. i. Axiome und auf Axiome baeirte 
Problemata, t<«udem bedeutet die im Anfange au&ustelknden SAtae, die Ein- 
gangaabacbnitte, vgl. 8. 1Ö3 £ 

Killt heil uug der lutcivalle. 

Aristoxenuö giebt hier für die Unterarten der Inten-alle wad ebenso der 
byateme bloss die Namen an, ohne eine Definition hiozuzufügeu. Die Eiutliei- 



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IV. Definition von Ton, Intervall, System, vorlftufige Eiiitbciluiig etc. 235 

long aoU nur „eine vorlAufige sein", „die Definitionen sollen später folgen", 
wie es zn Anfang des § 40 und am SeUnHie des § 39 beisst AfMoacenu darf 
bei seinen Zulittreni reap. Leeem ToraassetwH} daas sie mit den Untenurten 
der Intarralle und 8|7steiiie im AUgemeiiien bekannt rind. Wir liigen den 
Worten des Anatozennfl eine eben&Us nur „vcrliofige'* Erklimng in Udoerw 
Scbrift binzn. 

§ 39. Xiuli diesen Dofiiiitioiien Laben wir den Versuch zu 
machen, zuerst die InteiTalle und dann (ebenso) die Systeme nach 
allen praktisch-wesentlichen Unterschieden, die sich ans der Natur 
ergeben» einzutheilen. 

Die IhterraUe werden eingetheUt: 

1. Nach dem Umfange (Megethos), durch den sich das eine 
Ton dem anderen unterscheidet. 

Der Umliug des Ganston-InterraUes e d ist ein Uebierer als das Di- 
tonos*Interva]l (grosse Ters) ce, die Quinte cg ist grOsser ab die Quarte ef. 

2. In symphonische nnd diaphonische Intervalle. 

Sympbonisdi und diaphonisdi ist bei den Alten nicht dasselbe was wir 
fai unserer Mnsik consouirend tind dissonireiid nennen. Sjmphomsehe 

IntPTVfille eind die Quarte, die Quinte, die Octave, die Doppeloctave und 
jede Combination der Octave oder Doppeloctave mit der Quarte oder 
Qnintc. Alle übrigen Intervalle wie Secunde, Tera, Sexte, Septime sind 
diaphoniseh. 

3. In zusammengesetzte und anzusammengesetzte In- 
teiTalle. 

Auf der diatonischen Scala if^t der Ualbron und der Ganztou ein uiuu- 
sammeugesetztes, die Terz, Quarte, Quinte u. s. w. ein zosamiuengesetztea 
IntarvaU. 

4. Nach dem Tongeschlechte, (denn jedes Intervall ist ent- 
weder eui diatonisehes oder chnnnatisches oder enhamonisohee.)*) 

Eigenthfimlicbe Intervalle der diatonischen, der efaromatfsehen und enhar- 
monisehen Seala: & B. auf der duromatiscben der Mbton nebetf einem 
Halbtoue (e f fis), auf der enharmoniseben der unserer Miwik fremde 
VierldtoiL 

*) Da8ö eine solche Erklärung von Aristoxenus selber hinzugefügt war, 
erbeUt aus der fan entsprechenden § 89 ▼orkommendea Eindieilang der Systeme 
in ^toniaehei chromatische, enbarmonisehe. Vgl. die jedesmal mit nSv ^dp 
beginnende De&ütlon der letsteo 3 Arten TOn Syrtemen. 



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286 



ÄiistozeiittB ei«te Hannonik § 89 — 11. 



5. in rationale and irrationale Intervalle. 

ÄUe tu ttnaerer heutigen Ifiitfk snr Anwendung kommenden bitervalle 
wfirden gziechischer AniMühiiniing In iS» Klane der ralionalen fal- 
len, auaaexdem amb der «rwiUmteVierteUon der enharmoniBQhen Seala. 
Irrational aber ist z. B. eb in der griechischen Musik praktisch verwendetes 
Intervall, welches grösser als der Vierteltou, aher kleiner als der Halbton 
ist. Alle Multipla des Vierteltones sind rationale Intervalle, alle auf den 
VierteltOQ nur in Bmchaablen aarückfübrenden Intervaile aind irrationale. 

Die Übrigen Arten der Intervalle lassen wir fUr diese Ptagmatie 
als nnwesentÜcli znr Seite. 

* 

z. B. das» die rationalen Intervalle in gerade (ap-ta oiourfjfjiaTa) und un- 
gerade (Trepirrd Staox/j{ji.axoj zei'fallen, von denen ArLstoxenus bei Plutun li 
de mus. 38. 39 spricht Das gerade Intervall enthält ein Multipluin i\n> 
einer geraden Anaakl Ton Yiertdtdnen (2, 4, 6). Das ungerade eine unge- 
rade Ansahl derselben (3, 5, 7). „Im bfiA t4Jc IXa^ivTr^c (tleeoic (ieTpclTat Tccpn^ 
tdai«** Aiiatoz. a. a. 0. Aueh der dem Enhannonion «gaiHiflndiehe Yiertaltoii 
(IX«xC9ci) lUotc) gehofft in die Kategorie der «ptTtA turot^iMtia. Zu Aiiatoxenua 
SSeit nx»ebten ihn, wie die Stelle bei Flutareb lehrt» die meisten Munker nicht 
mebr piaktiadi verwenden, was sie theoretisch mit dem Satie begründeten, 
daas man ihn nicht Iii. ov|iifaiv(a; bestimm«:! könne (vp^l zweite Harm. Abschn. XI). 
Dann müssten sie sich auch der ^reptrrä und iko^a oiasTT.tAaTa entltalten, 
wendet Aristoxcnus ein. Marqiiard sagt von dem ünterschietle der rcpitTÄ 
und (ZpTio 5taor/,p.oTo: „Dii.<8 solche müssigea Spielereien schon vor (Vi ^Vristo- 
„xenus existirt haben, dürfte erst zu hcwehen '?ein, er ^ird also bei der Be- 
„merkung (die übrigen Arten der Intervalle au>>er den augeführten fünf dw»- 
j.mal zur Seite lassen zu wollen) noch und» r(> Intervall -üntersehiede im Sinne 
„gehabt haben, die wir nicht kennen. Die geraden und ungeraden verdanken 
„wir wohl eist der Femheit dea Aristides QuintiL p. 14, 10 Meib.^!!! 

Eintheilung der Systeme. 

§ 40. Die bei den Intervallen vorkommenden Unterschiede 
fiudeu bich mit Ausnahme eines einzigen (des dritten) auch bei den 
Systemen wieder. Angeusclieinlich unterscheidet sich das eins Sy- 
stem von dem anderen 

Örstens: durch den Umfang; 

zweitens: dadurch, dass die den Um&ag bestimmenden Grenz- 
töne symphonische oder diaphonische Intervalle bilden. 

Dagegen wird der dritte von den bei den Systemen genannten 
Unterschieden, nümlich der, dass das Intervall entweder ein ein* 
fiudies oder ansammengesetztes sei, bei den Systemen nicht vor- 



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IV. JDefioitiou vod Ton, Intenrall, Sjatem, vorUofige EintbeUang etc. 287 



koiiiin *n. wenigstens nicht in der Weise, wie von don Intervallen 
die fciiu'ii uiizusammcn^osetzt, dio anderen zusammengesetzt waren. 

Nothweiulig findet aber der vierte Unterschied, und dies war 
der nach dem Tongeschlechte, aach bei den Systemen statt Es 
sind nämlich 

drittens: die Systeme entweder diatoniscli oder chroma- 
tisch oder enharmonisch. 

Ebenso auch der fünfte Unterschied der Interralley denn es 
sind die Systeme 

viertens: dadiircli verschieden, dass die einen durch ein ir- 
rationales, die anderen durch ein rationales Intervall begrenzt 
werden. 

§ 41. Zu den vier genannten kommen noch drei weitere Ein- 
theilungcn hinzu, nämlich 

fünftens: diejenige, wonach das System entweder durch Syn- 
aphe oder durch Diazeuxia oder zu^^eich durch Synaphe und 
Biazeuzis gebildet ist Jedes System nSmlich von einem gewissen 
Umfange an*) ist entweder ein synemmenon oder ein diezeugmenon 
oder ein aus beiden gemischtes (Syteraa mikton), denn auch dies 
letztere zeigt sicii in einigen Systemen. 

•) Nämlich wemr der Umfang de« Systemcs die Quarte oder Quint«- ühcr- 
achreitet, z. B. in dem tlcpUMshorde, Oktachord«, Hendekachonie, Dodekachorde 
und Pentekaidekachorde. 

Heptachordische Systema syneminenoii. 




e f g a b e d 



meson. syucmmcnon. 
Oktachordisches Systema dieseugmenon: 

^ & 2 i I 

efgahcde 
meeonu dieamigmeiioii. 



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2Ö8 Anstoxeuns erste Harmonik § 41—43. 

Hendekachorditches Syfttemft aynemmenoii: 



X 



Ii I i i ^ ? i I 
Ii i- 1 1 ^■ -t i SS t s 



A. Hede fgahcd 



hTpaton. ^ mesoii. «jnemmetioii. 



Doiiekuchordisches Systema diezeagmenon: 

1 1 ^ i s , i I i I 

A Hcdefgahcde 

*■ *• , ' \ , / 

hjrpaton. tnesotL diewagmeuoii. 



Pentekaidekachordtschea Systema mikton: 




A Hcd efgabcdhcde 

^ * ' " ' . ' 



hy|iAtou. inettoo. ajnemmcnon. diezeugmejiuu. 



Ein anderes System, auf welchem eiue Mischuuo; des l'ctrachordes synem» 
inriiou mit dem Tetrachorde diezeugmenon stattfindet, ist das oktokaideka- 
i-h ord i Bchc. in welchem dem pentekaidekafhoidischfu uocli das Tetrachord 

I |^ I i i> laiuu titn/uu< tu^t i t, welches letztere mit dem Tetrachorde diezeagme- 

II uu m einer Syuaphe verbunden ist 

Oktokaidekachordischea Systeina mikton. 



a 



e! 
u 



b c d h 



synenun. 



'S 



d 



e 



c S « 
E-< 

f ff a 



dieseugm. hyperbolaioD. 



**) Zu lesen x<xl ^df (lixvutat TO&re» mit Einschiabang dea den Hand- 
schriften fehlenden -^if 



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y. Dm nradkaUBcbe Melo« im AUgemeinen. 



2S9 



Fünft ( IIS (lipjenip^p Eintheilung, nach welcher die Systeme in 
conti nuirliclip und hyperbuta zerfallen, denn jede» System ist 
entweder ein couüuuiriiches oder ein hyperbaton. 

Hypeibaton mit Ueb«»priiigaiig von TflofiD der Scala. 

Sechstens in einfache» zweifache und vielfache Sy- 
steme, denn jedes l^tenii welches wir nehmen^ ist entweder ein 
eittfiidies oder ein zwei&ches oder ein TieUaches. 

Worin aber ein jedes berteht, wird im folgenden*) gezeigt 
werden. 

•) Di«8 war ausgeführt im aidit eritaltenen Abadmitt JLUL Wa» wir 
fon demselben restitairen kStmen, geben wir in der zweiten Harmonik. 

V. 

Saa mniftallnohe Helos Im Allgemeinen, 
Vgl Frooim. § 8. 

§ 42. Nadi diesen Definitionen und vorläufigen Eintheilungen 
haben wir den Versuch zu macheii, die Natur des musikalischen*) 
Meies im Umrisse zu erörtern. 

Dass in demselben die discontinuirhche Bewe^ng der Stimme 
vorhanden sein muss, ist früher gesagt (Abschn. I. § 25 — 28) , so dass 
sich hierdnreh das musikalische Melos vom Melos des Sprechens 
unterscheidet; denn wir haben dort ' ansgefilhrt, dass auch beim 
Sprechen ein durch die Wortaccente gebildetes Melos yorkommt: 
das Hinaofeteigen und Hinabsteigen ist eine natOrliche Eigenschaft 
auch der Sprache. 

•) Zu den Worten der ilaiidsclirift xaB(J).ou Xo-f^jisv')'/ uD.o; ist urrjn-/'.-, 
hinzuzufügen. Sowohl im Verlaufe dieses Abschnittea alä auch in (i«'r PiiralU l- 
Stelle des Prooimions § S steht [jojat/div in den Handschriften. Die beiden Arten 
des ^iXo( sind gleich im folgenden genannt (vgl. § 43 toü iid zffi Xi^eco; fiY* 
vo|Aivo'j fjiiXou; itobit t6 fwmtirt (AiXo;. Um das letstere handelt SB indi Ab- 
adinittT spedeDi nicht nm das Melos im Allgemeinen, wia es bei der band- 
sehriftUcii aberlieferlen Lesart des § 42 der EU! aein wflrde. 

§ 48. Doch ist es nicht genug, dass das Melos hermosmenon 
ans Intervallen und Tdnen bestehe^ sondern es muss noch eine be- 
stimmte und keineswegs wülkOrliche Art der Zusammensetzung zu 



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240 



Amtoxenus erste Harmouik ^ 43—44. 



einander hinzakommen^ denn aus Intenrallen und Tönen za bestehen 

ist etwas, welches auch in dem unharmonischen (dva&fioTrov) Melos 
vorkommt. Demnach ist als der bedeutendste iiitii, der für den 
gesctzmässigen Bestand des (musikalisclieu^^) Melos gewissunnaassen 
den Schwerpunkt bildet, derjenige anzusehen, welcher die Eigenar- 
tigkeit in der Auleinaiiderfolge der Intervalle behandelt.''*^) 

*) Aiieh hier wie oben ist hinter |ik£Xoc to9 (iotrantoS einEofttgen. 
**) Der Seblun des mw von der «ntea Harmonik vorbliebenen Bmch- 
stSekes (Abflcbnitfc XS) beginnt mit der Behendlung dieaes Tliefles. Ansfiffarlicb 
ist doMlbe in der sweiten Harmonik uns ttberkommen. Arialoienus redel bd 
jener Aufeinanderfolge der Intar^alle nidit et^-a \un dem Fortadiveiten der 
Stimm 0 in der Melopoeie, aondem nur ycm dem Fortaefaiitte in öet aiNrtnkten 
Tooficala. 

Die von Aristoxouus für da« *ad' SXou fi^Xo; aufgeötclltcii Kategorien sind: 

2. Th lioysm^v a^Xoc ix 6iaoTT^ji.ÖT(ov xai 'f Öd'^pjtuv 9uvt9td(ievov (Ö^afimfJ{JLaTW(.•^J 

a) dsdpiMOxf^ (Ji£Xo;, £x(xeX£; fiiXo:. 

b) ^p{Jio(|A£VQv (AiXoc, ip.(iLeX£< (jiiXoc* 

§ 44 So eigiebt aachy dass das mnsikaliscbe Melos 1) Ton dem 
beim Sprechen zur ' Erscheinung kommenden Melos dadurch ver- 
Bchieden ist, dass die Bewegung der Stimme eine discontinuirliche 

ist, 2) von dem unhannonisL'hen niul falschen Melos dui'ch Ver- 
sciiiedüuheit in der Am l iundcrfolge der nnzusammengesetzten In- 
tei*valle. Worin die Kigentliüinliclikeit dieser Auieiiuuiderfolge be- 
steht, wird im weiteren Verlaute (Abschnitt XI) gezeigt werden. 
Nur so viel sei im Allgemeinen schon hier gesagt, dass es bei den 
vielen Verschiedenheiten, welche das Hermosmenon in Beziehung 
auf die Zusammensetzung der Intervalle darbietet, nichts desto we* 
niger etwas geben muss, welches sich tlberaU im Hermosmenon als 
ein und dasselbe Fundamentalgesetz herausstellen wird und eine so 
grosse Bedeutung hat, dass*) bei seinem Nichtvorhandensein auch 
kein Hermosmenon vorhanden ist. La Verlaufe dieses Werkes 
(§ 61. G2) wird dies klar werden. 

Auf diese Weise sei nun das musikalische Melos einem jeden, 
der Widen übrigen Arten des Melos gegenüber, begiitfhch bestiiunit; 
ü'eiiich muss man festhalten^), dass die gegebene Begriffsbestiia- 



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Die drei Arten des mujükalischen Melos (die drei Tongeschlechter). 241 

mung (nui mi Umrisse) und nur in soweit ausgeführt ist, als dies 
ohne Erörtenmg der Eiüzelheiten angeht. 

*) Zu schreiben: 56va|xiv oldv (x') oix-Jjv dva(poj(*£vT]v dveipetv t6 iljp|i.08- 
tibto'i. In der zweiten Harmonik, wo die einzelnen Problemata über die em- 
melisch<> ReiheTifolge der Intervalle auffr«'3tf>llt werden, wird dies für den als 
Probl. 2 aufgestellten Satz so ausgedrückt: HeT*iv ouv to^to -pmxvv eU äp/fjC 
xa^iv o'j (xi^ •jrapyovT'!/; aveipeitai tö rjpu.'>;[Aivrj-,. Für Arihtuxenus hat die von 
ihm zuerst aufgefundene Theorie von der Reilu'ufolge der Int* i vall » in der 
Scala eine solche Wichtigkeit, dass er schon hier darauf aufmerksam machen 
n rnttnen fB« notbwendig hält Der ieMe Katiiedenrortrag des vom Werthe 
Miner Entdeekiiiig fibensengten Foneben! 

**) „Freilich muaa mau fcathaiten . . Darüber sagt Marq. S. 369 : „Es 
scheint sicher, dass nicht Aristoxeuus, sondern der £xcerptor diese Worte hin- 
Bogeftigt hat, weldie die Abnmduiig des gaten Sdilosses [»WM dies kkr 
werden'^ vleder aufheb«!, und naeh allem Voilieigeheiiden eine leere Wieder- 
bobuig der Worte PMtoim. § 9 sindy denen sie eehr leicht nachgebildet werden 
konnten.** . . . „Penn «dbet fttr einen Leser [geschweige denn fttr einoa OoUegien- 
Besneher] wOrden sie sn wenig ^tevesse haben.*' Von dem gansen $ 4i 
sagt Marquard ebendaselbst: »Wir können es allerdings nur in hohem 
Grade bedanem, daas wir keine ausführliclie Behandlung dieses Kapitels Tcepl 
uiXo'Jc von Aristoxenus mehr besitzen." Die Darstellung, die Marquard hier 
wönscht, hätte er in aller Ansfrihrlichkeit bei Aristoxenns finden können. Denn 
in der zweiten Harmonik bat er ihr 28 Problemata gewidmet. — Wahrschein- 
lich ist — wie im Prooimiou § 9 — in der vorhetjeuden Stelle zu lesen: ,.'i'fü>- 
piofAo; (d)« iv x'jiti^y* ebenso „(i-vSej^stat) {i.7|d£3nu tüv xaÖ' 2%aota teifscj- 

VL 

Die drei Arten des musikalischen Meios (die drei Tongescliieoliter}. 

Vgl. F^cooimion $ 9. 

§ 45. An das Gesagte aber wird sich die Elasnfidnmg des 
genannten nrasikaliachen Melos nach den aagenscheuoJich bestehen- 
den Arten desselben anschliessen. Dies sind drei Arten. Jedes im 
Hermosmenon yorkommende Melos ist n&mfich entweder ein dia^ 

tonisches oder ein cliromatisches oder ein enhannonisches. 

Als das erste und älteste ist das diatonische Melos hinzu- 
stellen, denn dieses ist es, auf welches die menschliche Natur zuerst 
verfällt. (£s heisst diese Art des Melos fidiatoniscb'S entweder weil 



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242 



Arifltoxenus erste U&rmoiiik § 45—47. 



sie am meisten durch Ganz-Töne schreitet, oder weü sie einen wür- 
digen, kräl'ligtni und wulilklingenden Charakter hat Theo Smym.). 

Arietoxeuus gieht zwei Ableitungen des Aufdruckes hidxv^v* p.iXoc. Ent- 
weder von M^td T^vou«", d. i. darch Ganstöue hindurch, oder vom Adjektir 

Das weite ist das chromatische Melos. ^Es wird dasselbe 
cbromatischy d. L farbig genannt, weil es sich Ton dem vorigen da- 
durch miterscheidet, dass es einen mehr klagenden tmd leidenschaft- 
lichen (gleichsam durch seine Klangfarbe uuüuilenden) Charakter 
hat. Theo Sra>Tn.). 

Das dritte und juiiciste*) ist das eilharmonische Melus, denn 
an dieses gewöhnt sieh die shmliche Walirnehmimg erst zuletzt und 
zwar mit Mühe mid vieler Anstrengung. (,,Uarmonie^* (xax i^ox^^v) 
wird es genannt, weil es das Torzfiglichste ist, so dass es diese all- 
gemeine Bezeichnung nach dem ganzen Hermosmenon fuhrt. Es 
ist dasjenige, welches am schwierigsten ftlr die Melodie verwendbar 
ist und zur Ettnstlichkeit hinneigt und vieler Mühe bedarf, weshalb 
es auch in der "Praxis nicht leicht vorkommt Theo Smyrn.). 

In dt-r haiidschriftlicben Ueberlictenmg wird vor den drei 'I'uug-eschlech- 
tern daa chroiiiatiscbe im Uuter8cbi*'<lc \oii den beiden aiidcron uhiui Uinzu- 
fügung irgend eine» Zusätze« bloss mit >iauien grmuiui. Cr.<prüugUcb hat auch 
bei dem Chroma ein Zusatz schwerlich gefehlt Bereits Fr. Bellermann nun 
Anonymitt hat den handiehrifUiehen Berieht des Aristoxenus durch dasjenige 
ergftnst, was Hieo Smyrn. p. 55. 56 HiUer über die Tongeschlechter mit 
namentUdier Erwähnnng des AristoxeDUS aofilhrt Mafqoard S» 267 wider- 
sprieht dem: Es sei w^en Plat de mua. 36 immOgfich. WirT^rwdaen auf das 
Aristoxenische Fnigm. bei Plnturch (in dta venuiscbten TSachgesprSchen) und 
unsere Erläuterung desselben; mr Werden dort die Angaben des Aristoxenus 
über die Eoharmonik im Zusammmenhange erlftntern. 

*) Der StvaMbnrger Cod. wA-nxw, statt des unverstindlichen Mvmrt 
der fibrigen. 

VU. 

Die symphontsobien Intervalle. 

§ 46. Nachdem wir diese drei Arten aufj^ostcllt, müssen wir 
es versuchen» von dem zweiten Intervall-Unterschiede (§ 39,2) den 
einen der sich dort eigebenden Gegene&tze näher zu betrachten. 



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VII. Die symi^oiiiicheQ Interralle. 243 

Diese beiden Gegensätze waren die Diaphonie und die Symphonie. 
Die letztere ist es, welche den Gegenstand unserer jetzigen Unter- 
suchung bilden wird. 

AugenscheiDÜch unterseheiden sich die sjrophomschen Intervalle 
▼on einander in mehrfacher Beziehung; einer dieser Unterschiede 
ist der nach der Grösse. Ton ihm ist, was der Augenschein lehrt, 
anzugeben. 

{A.) Das kleinste symphonische Intervall scheint durch die Ka- 
tnr des Melos selber bestimmt zu sein. Denn es giebt viele Inter- 
valle, ^^ el( lie kleiner als die Quarte sind, aber diese alle sind diapho- 
nisclie, {so dass mithin die Quarte das kleinste symphonische Inter- 
vall ist) 

Kleinere Intervalle als die Quarte Quarte. 

* i I i 1 I « 2* 

Die Torstehenden Zahlen der IntervallgrOMeii beaebea sieh an£ die Ein- 
heit des Oanztonett Ganstoo (graannt enhannoiusehe Diesis), y Ganatoo, 

3 

Ganxtoni (d. L die enharmonische Diesia noch um die HiUfte der Diesia er- 

V 

hm), S. Ahechtt. DL 

§ 47. Das klfinste Megethos nun ist durch die Natur des 
Melos selber bestimmt. {B.) Das grösste aber scheint nicht in 
dieser Weise bestimmt zu sein*), (a.) Mit Bücksicht auf die Na- 
tur des Melos l&sst es sich ebenso wie das diaphonische Ihter- 
Tall bis in das Tubegrenzte ausdehnen. Wenn man nSmlich zur 
Oktave irgend ein sjmphonisdies Litenrall hinzusetzt, sei es grosser 
oder kleiner oder gleich gross wie diese, so bildet die Znsammen- 
setzung stets ein symphonisches Intervall. 

So scheint es nun (nach der Natur des Melos**) keine äusserste 
Grenze für <lie Grösse der sympiiumsclien luten'alle zu geben, (b.) Je- 
doch mit Kücksicht auf unsere Praxis — ich nenne „unsere'' die 
durch die menschliche Stimme und durch die Instrumente aus- 
geführte — giebt es augenscheinlich ein grösstes unter den sympho- 
nischen Intervallen. Und zwar ist dies das aus der Doppeloctave 
tmd der Quinte zusammengesetzte Intervall. 

16» 



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244 AristoxenuB «nte Hurmonik § 41 "49, 

Z. B. 




Denn Vis m drei Oktaven kOxmen wir nicht hinaufsteigen. Hier- 
bei mnsB man jedoch den Umfang nach der Stimmlage***) und den 

Greuztüiieu (einer einzelneu menschlichLii Stimmett) oder) eines ein- 
zelnen Instrumentes bestimmen. Denn leicht dürfte der hodiste 
Ton der I'artlieiios-Aiilüi mit dem tiefsten Tone der H}i)erteleioi- 
Auloi ein noch grösseres Intervall als das von drei Oktaven bilden 
und auchttt) der höchste Ton des Syrinx-Bläsers wü-d, wenn man die 
Syrinx verkilrzt, mit dem tae&ten Tone des Anleten ein grösseres 
als das genannte Litenrall ergeben. Ebenso auch die Knaben- 
Stamme mit der Mannes-Stirome vereint 

ffieraos kennt man nun auch die grossen symphonischen Inter- 
vaUe, denn ans den verschiedenen Altersstufen und den verschiede- 
nen ^laassen der Jiistnnnente haben wir ersehen, dass auch das 
Intervall von drei und von vier Oktaven und noch grösser ein sym- 
phonisches Intervall ist 

*) t6 ^t^ oZs i'Kdytvn'^ . . . . t6 5i y^iftnm die Straasbtuger Handschrift. 
Die Hbrigeu ix^yedo« statt fji£7tato<«. Schon Mdbom tilgt unter Hinaafugung 
von das }Uyt9fK sdner Handsdniften. 

**) Achnheh die Anschauung des Arietoxenus bei Plutarch de mus. 20: 
rpeoß'jtepoN Xi^civ. xaxä y^P <iM(i xötv -^ftät'* t^uaiv o'jx smv ii&^o'» exipou -R^tS' 

***) Für TÖvtp ist TÖituj zu lesen vgl. § 32. 

ttt) Leg. xal ««taeicaeSci«)« ti „und andi" statt x«l ««. fc. Mar- 
qiiaid a, 256—258. 

§ 48. Es ist nun aus dem Gesagten klai*, dass bezüglich des 
kleinsten Umfanges die Natur des Melos selber die Quarte als das 
kleinste symphonische Intervall erscheinen iässt, bezüglich des grdss- 
ten ümfaDges aber unsere Fähigkeit das grdsste symphonische In- 
tervall bestimmt Dass aber die symphonischen Intervalle^ (welche 



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Vm, Der Gkuttton und «eine TheÜe. 



245 



Yon Einer Stiinme herrorgebracht werden können, der Zahl nach^ 
nicht mehr als acht sind), ist leicht einzusehen, 

{l. die Quarte, 4. die Octave und Quarte, 7. die Doppeloctave und Quarte, 
2. die Quiute, 5. die Octave und Quinte, 8. die Doppeloctave und Quiute, 
8. die Octeve, 8. die Doppeloctave, 

tleun wir haljen geluudt u, Uass ein giös^serea .symphonisches luter- 
vall als die Doppeloctave und Quinte vun einer einzehien mensch- 
lichen Stimme oder einem einzelnen Instrumente nicht hervorge* 
bracht werden kann.) 

*) Der Scfaluaa des Textes ist Ifickenhsft: Sxt Vh, tOv (U^Mct oj^ßa(<wt 
rlvKotai ^4^m ooviScN ist Utekenhsft. Zu lestitiiireii ist: Stt t*dxTd> ^fudvo^v [kt- 

icooAs &tdt «ivc« «vi ««oAv» SU Bid mna^ t6 tci xcasrfpcDV «al Sic Sii its- 
otbv, t6 Std idvT« mI Uc Sid itaoAv). Marqnard ^ebt eine BesfitaÜoii die den 

Sinn bat: ,.dass nun aus den der Grösse nach verschiedenen symphonischen 
Intervallen das Ganze eine Symphonie Wird^ ist leicht einzusehen/' Du wttre 
der schon oben von Aristox^nus aiippesproohene Satz § 4" uoclimals wieder- 
holt. Aber ob^-n ist der Satz genau ausgesprochen, in dieser Wiederholung 
würde er mangelhatt ausgesprochen äciu, denn auch 2 und 3 8id zaaüv, also 
p-e^ittet p,-^) Stafipovta bilden Sjmphonieen. 

VIIL 

Der Oanaton und Mine Thaile. 

^ 49. Nachdem dies klar geworden, müssen wir das Qanzton- 
intervaU (tovtatov 5t«oTi})i.a) zn bestixnmen versuchen« 

Der Ganzton (tovo«) ist der GrOssenunterschied der beiden ersten 
symphonischen Intervalle, (der Quarte und Quinte). 

Getheilt möge er werden auf drei&«^ Weise. Es möge xdm- 
lich harmonisch verwandt werden: 

1. die Hälfte des iniuztones e£^ 

2. der dritte Theil des Gauztones ee, 

3. der vierte Theil des Ganztones ee. 

Alle Intervalle, welche kleiner sind als dies letzte*) von denen 
ludiTTH ii Avir an, dass sie amelödeta seien (nicht im Meios verwandt 
werden können). 



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246 



Aiistoxenos erste fiiunnouik § 4d'52. 



Von jenen drei Theilen des Ganztones heisse 

das kleinste kleinste enharmoiiische Diesis, 
das mittlere kleinste cLromati sehe Diesis^ 
das grööste Hemitouion (Halbton) 

*) Toäroi» sa lesen (statt toötviv) wie in der Panüldstelle dar swdten Har- 
mODik. Das handscfaxiftUche «o6fun wSre sachlich unrichtig» denn dies würde 
bedeuten: was kleiner als No. 1, Ko. 2, No. 8 ist, sei ein Amdodeton, wäh- 
rend nnr solche Intervalle gemdnt, wekbe kleiner als No. 8 sind. 



DL 

Die Unterschiede der Tongesolüechter. 
Vgl. Flroeimion § 12. 

§ 50. Nachdem dies definirt worden, woUen wir den Versuch 
machen, kennen zu U'rneu, woher unil auf welche AVeise die Unter- 
schiede der lougesclilechter entstehen. 

Man denke sich von den symphonischen Intervallen das kleinste,, 
welches Quarte genannt wird nnd gewöhnlich'^) Tier Töne enthält 
(woher es anch Ton den Alten seinen Kamen empfangen) (und eine 
solche Ordnung seiner vier Töne hat, dass die beiden QrenztGne 
unTeiftnderUch (ftivstv), die beiden mittleren veränderlich sind 
(xiveTo&ai)» entweder beide zugleich oder einer von beiden). Das 
weide nun so angenommen.**) 

Es giobt aber melu'cre Saitcncomj)lexe, welche die angegebene 
Beschaileiiheil iu den Tönen der Quarte festhalten und die durch 
besondere Namen fi:es( hieden sind.***) Unter ihnen ist denjenigen, 
welche sich mit Musik befassen, einer der geläufigste, nUmlich der- 
jenige, weleher die Mese, die lichanos, die Parhypate und Uypate 
enthAlt 




a g f e 




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iSL 0i6 Untexfldiiede der Tongeschlechter. 247 

Und dieser Saitencomplex ist ea^ bei welchem man zu erörtern 
bat, auf welche Weise die Unterschiede der Tetraeborde entstehen. 

*) Mit Ausiiiünne des alteu Olympische!! P'.iiharmoiiions vgL Plutaxch de 
mos. 11 aus Aht^toxt-iiUti' vermifichten Tiscbgt usprachcn. 

Hicraiif folj^t in den Handschriften ein schliesslich in tl< n Text ein- 
gedrangpries Mai ginal-Hcholion. nach dessen Aufnahme in den Text die Schluss- 
wortc flcs letzten Ariytoxeuiselieii Satzes eorruinpirt sind. Wir haben sie aus 
dem Scholion wieder herge.-tellt. Das Scholiou lautet: „Welche Ordnung 
der Saitencomplexe, deren es Ja mehrere giebt, ist hier gemeint? Diejenige, in 
welcher der Anzahl nach die veränderlichen und die unveränderlichen Töne 
bei der Yerschicdcubeit der Geechledttcr gleich sind. Das ist der FsD in einem 
Tetrsehorde wie von der Meee war Hypate. Denn auf dieeeur Tetraehovde 
Bind ^ bdden Tdne Iwi der Veiaehiedenheit der Tongeaefalediter unverändert 
lieh, die beidm eingeeehloieenen verHnderiich. Im Vorwort niher anaeinander 
gesetet 

Durch den Zoeats der Namen ,,meBoii*S ,|h7patoii'S „diesengmenon'*, 
„hyperbolaion'*, „qrnemmenon** vgL 8. 287. 288. 

Die Bewegnngsränme der Lichanos und Parhjpate. 

§ 51. Dass nun die Erhöhungen und Vertiefungen der beiden 
beweglichen Töne der Drund für den Unterschied der Tongeschlech- 
ter sind, ist klar. Zu erOrtem aber haben wir die Grösse (den 
Um&ng) des Baumes innerhalb dessen ein jeder der beiden TOne 
(lichanoB und Parhypate) sich bewegi 

*) Ivaiiin oder Umfang der Bewegung in derselben Bedeutung wie Bewe- 
gungsraum der Stimme S. 219 £ 

§ 52. Der ganze Bewegnngsramn der Idcbanos betraf einen 

Ganzton, denn sie kann sich von der Mese niclit weniger als einen 
Ganzton und niclit mehr als einen Ditonos {eiu lutenall von zwei 
Ganztöneu) entlernen. 

a Heee a 

g . . . höchste (diatonische) Liefaanoe g 
f . . . tteAte (hazmeniache) Liclianos f 
e Hypate e 

Von diesem Satze wird das „nicht weniger" von denen, welche 
bereits mit dem diatonischen Geschlechte vertraut sind, z«gc>t;ui- 
den; diejenigen, weiche es nicht sind, dUriteu zustimmen, wenn man 



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248 



Arittozeniia erste Ibunnoiük 1 62. 58. 54. 



de darauf Idnlührt. Hit dem „mciht mehr'' sind die einen einver- 
standen, die anderen nicht , — weshalb nicht, soll gleich gesagt 
werden. Dass es nämlich eine Compositionsweise (Melopoiie) giebt, 
welcher eine mit der Mese einen Ditonos bildende Lichanos nner- 

liisslicli ist [vergl. ilio Anmerkung auf S. 249], ist deu meisten 
von denen, welche sich hrut zu Ta*?e mit Musik beschäftigen, 
nicht l)ekannt, doch dürfte es ilim n bekannt werden, wenn 
man sie darauf hinführte; denjenigen aber ist es hinliingUch 
klar, wolclie mit den alten Compositionsweisen der ersten und zwei- 
ten Musikperiode yertraut sind. Denn die bloss an die heutige 
CompositionsweiBe gewohnten schliessen natOrlich die mit der Hese 
einen Ditonos bildende lichanos aus und (es sind dies die meisten 
.unserer modernen Musiker) wenden statt deren stets höhere Lichanoi 
an. Der Grund davon ist, dass sie eine Vorliebe für das Weich- 
liche [Süssliche] haben; verweilen sie doch die längste Zeit im 
Chroma und wenn sie einmal in die Harmonik hineincfpiathen. so 
nähern sie dieselbe dem Chroma an, wohin sie nun einmal durch 
ihren Charakter gezogen werden. Öo viel genüge hieiüber. 

§ 53. Der Bewegungsraum der Lichanos sei mithin das Ganz- 
ton-Intervall. Dcrienigc der Parli ypate aber bctra^^e eine kleinste 
enluu monische Diois (vgl. § 48). Demi sie nillieii sieh der Hypate 
nicht um mehr als eine Diesis (e e), und entfernt sich nicht weiter 
von ihr als einen Halhton (e f). 



Die Grenze des der Parhypate eigenen Bewegnngsraumes geht 
nftmlich nicht Uber die Grenze des der Lichanos eigenen Bewegungs- 
ranmes hinaus und ebensowenig umgekehrt, yiehnehr stOsst die 
Grenze beider zusammen (im Tone f): wenn nämlich die bdchste 

Tonstule der Parh}i>ate mit der tiefeten Tonstufe der lichanos zn- 

sammentTiUt. so ist damit die Grenze der beiderseitigen Bewegungs- 
räume gegeben. 



a 



Meee 




e Hypate — - 



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IX. Die Unterachiede der ToogescUlecbter. 249 



*) Die Compoflitionaweige, weldie hier Aritfamemui beschreibt, „der ein 
Ditottoa-Lktemll (eine imiwwammengeaetete ggOMe Terie fg) imerliMlich eei'^ 
ist das gewöbnKche enhameiüsdie TongescÜecbt. Die meisteik der damaligen 
Musiker, so erftliren wir hier, wenden dies TotigeaeUeeht nieht mdir an, viel- 
Dtdir gelMnchen mb statt des f tmem hSheren Ton: statt des eaharmoidselien 
TongeseUetsbtm lieben tna das Büssliche Chroma. Wer mit den alten Oom- 
pontionsweben der ersten und der zweiten Musikperiode (vor-Rsistrateische Zeit 
nnd Zeit der Per.se r-Kriege) vertraut ist, dem ist auch das enhaimonisehe Ton- 
gcschlecht geläufig. Eben dasselbe theilt eine aus Aristoxenus vermischten 
Tischgespräch i'ii f^czogcnc Stelle bei Plutarch di' inus. 37. 38 mit^ eine StellCy 
welche wichtig genug ist, um hier herbeigezogen zu werden: „Meint- Vi»rgän- 
„ger haben weder rlns ehromatisehe, noch das diaronisihe, sondern bloss das 
»,enharmonische Gcsehlecht und auch von diesem kein grösseres Tonsystein als 
„blofis die Oktave berücksichtigt: . . . die jetzt lebenden aber haben das 
^h(histe der Tongescblechter, dem die AUen seiner EhrwQrdigkeit wegen den 
>,mdsten Eifer widmeten, gans und gar Liutaugesesetst, so dass bei der 
„grossen Mduiahl nidit eimnal das Vennt^jpen, die enhannoniacben Intervalle 
*,walixnnelunen} Torbanden ist: sie sind in ihrer tritgen Ltielitfertigkeit so weit 
„berabgdn>mmen, dass sie die Ansidit anlktdlen, die enharmoniadie Diesis 
„madie überiianpt nieht den ISndruck eines den Knnen wahrnehmbaren Inter- 
yyVaües, und dass sie dieselbe aus den Melodien ansschlies^i n: diejenigen» so 
»sagen de, Itätten thöricht gehandelt, welche darüber eine Theorie aufgestellt 
„und dies Tongeschlecht in der Praxis verwandt hätten. Als sichersten Beweis 
„für di»' Wahrheit ihrer Aus.sage glauhen sie vor Allem ihre eigene Unfähig* 
„keit vorzubringen, ein solches Intervall wahrzunehmen. Als oh AUe^. was 
„ihrtm Gehöre entginge, durchaus üicht vorlianden und nicht praktiscii ver- 
„weudbar sei! Sotlann muelien sie aucii die Thatsache geltend, dass jene In- 
„tervallgrösse nicht durch eine Symphonie bestimmt \verdt^ii I aMu, wie dieä 
„doch bei dem Halbtone, dem Genztone und den übrigen Intei vadeu der FaU 
sei.** (Vgl. xwtalt» Harn. § 62). „ Sie denkMi aber nidit daran, dass dann 
„aneh die dritte, fünfte und debente InterraUgrOsse (yon 8, i, 7 enharmoni- 
„sehen Diesm) ansgeseUossen, und dass dann flberhanpt jedes ungnadebiter^ 
„vaU als nnbiauehbar yerworfen werden mflsste, da ja keines von ihnen sieh 
„durch Symphonien bestimmen Usst Demgemlss wire hebe andere Tetra* 
„ehord'Einfheihmg lurauchbar als dne solehe, in welcher uiur gvade Intwvalle 
„ToilEoninien, also nur das Sjntonon diatonon und das Cliroma toniaion.'* 

Öie Tongesehlechter im Einseinen und die Obroai. 

§ 54, So viel sei nun Über die Bewef^inf2:sräume der Licbanos 
und der Parhypate festgestellt. Nuiiinehi' aber sind die Tonge- 
schlechter im Jüiuzeliien und ihre Unterarten (die Gbroai) zu er- 
l^rtem. 



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250 



Aristoxeiiub eräte Ilarmouik § 54— üäb. 



Auf welche Weise unteniicht werden mvaSf ob die Quarte mit 
einem der kleineren IntenraOe gemessen wird^ oder ob sie aHen com- 

mensurabel oder incommensurabcl ist, wü'd bei der Bestimmung 
der Töne durch syni]ilioiiisrhe Intervalle gesagt (zweite Harm. XJ). 
Da jenes aber tier Augcn>eliein ergiebt, (duss sie aus zwei Ganztö- 
nen und einem Halbtone bestellt}, so möge zunächst dieser Um£uig 
für die Quarte fest gehalten werden. 

Fyknon heisse die Zusammensetzung zweier Interrallei die zu- 
sammen ein kleineres Intervall bilden als dasjenige ist, welches 
nach dessen Wegnahme yon der Quarte ttbrig bleibt 

{Bs mnss also das Pyknon, da die Qoarte 2| Ganztfine mniasst^ 
kleiner sein als 5 enhaimonische Biesen, d. L als 1| Ganzton.) 

§ 55a. Man nehme nmi aufwärts vom tie&ten der unbeweg- 
lichen Töne (zunächst) das kleinste Pyknon. Dies wird das ans 
2 enharmonischen Diesen bestehende sein. 

Sodann als zweites Pyknon das aus 2 kleinsten chromati- 

sehen Diesen bestehende. 

Scholioii: Ks werden «lie beiden Liclianui. welche man hiermit p'num- 
men bat, die tiefsten Lic.lmnoi zweier Geachlerliter sein, die eine des Enliar- 
monions, die auderc dea Cluonia. Ueberhaupt werden die tietWicu Lichanoi 
die enharmonischen sein, die weniger tiefen die chroinatischeu, die höchfitea 
die (Uatoniacben. 

Dann als drittes Pyknon das anderthalbfache des Halbtones, 
d. i. das aus 3 enharmonischen Diesen bestehende. 

Als viertes Pyknon das aus einem Ganztone bestehende. 

AIb fünftes das aus einem Halbtone und dem anderthalbfachen 
desselben, (d. i aus 5 enharmonischen Diesen) bestehende System*) 

Als sechstes System das aus dem Halbtone und Ganztone 
bestehende. 

•) Dies ist kein Pyknon mehr, sondern ein System, welches im Gegen- 
sätze zum Pyl&uoii „ai'aiou" genannt wird vgl. Ariätid. p. 14, 20 M. 

( 55b. Die das erste und das zweite Pyknon begrenzende 

Lichanoi werden enharmonische Lichanos und tiefste chroma- 
tische Tiichanos genannt, von den Tonge&chlechtern aber, welche 
durch sie gebildet werden, heisst das eine Enharmonion, das 
andere Chroma malakou. 



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IX. Die Untenehiede der Tongeachlechtcr. 



251 



Die (las dritte Pyknon begrenzende Liclianos ist die mitt- 
lere chromatische; das durch sie gebildete Chroma heisst 
Cbroma hemioiion. 

Die das vierte Pyknon begrenzende LichanoB ist die höchste 
. chromatische; das durch sie gebildete Ohroma heisst Chroma 
toniaion. ^ 

Die das fünfte System*) he^rrrnzende Lichanos ist die tiefste 
diatonisrln-; (das durch sie gebildete diatonische Geschlecht heisst 
Diatonon malakou.) 

*) 8oholioD: „Wekhos [naeh der betreffianden Angabe io §54a] grfiBBer 
schon als ein Pjknon war, denn die zvd tieferen Intervalle waren dem einen 
bdheren Intervalle gleicb.^ 

Die das sechste System begrenzende Lichanos ist die 
höchste diatonische; das durch sie gebildete Diatonon heisst 
Diatonon toniaion. 

Dem Aristozenns m folgen erlddbtern wir uns dadurch sehr, dass wir 
den von ihm angegebenen Tönen und Intervallen einen kunen adaequaten Ans^ 
dmck gebm» wobei uns fireOidi em wenig Etementar-Arithmetik lucht erlassen 
werden kann» wenn auch Aristozenos bd seinen Tonbestimmungen keine aritii- 
metische^ aondem stets nur eine geometrische Auffassung (Intervalle als BAnme 
geimsgt 8. 219. 220) zu (^nuidc legt. Der Ganzton ist nach ihm das Doppelte 
des Halbtons, einen Satz, den er bis zur Äusscrsten Conseqtienz festhiilt (vgl. 
zweite Harmonik § 02 ff.)- In unserer modernen ^fusik ist das nun keineswegs 
immer der Fall: es ist niclit der Fall in unserer Musik der Htreich und 
Blasin.-itrunwiito, wohl aber in unserer Ciavier- und Orgelmusik (in iler Musik 
mit sug. glt icliscliwehend tcniperirter Stimmung der Töne). Wir thuu iu dem 
FolgeuUcii uichtü andi rtjs, als die geometriselie AnäcLuuung de» Aristoxenus 
iu die arithmetisch-akustische zu übertragen, d. L das Geometriöche arithme- 
tisch ansBudrflcken. 

Die arithmetisch - akustische Au.scliumiug des Pytliagoras und seiner äl- 
testen Nachfolger ist ihm, als einem früheren Schüler der Pythagorecr ebenso 
wenig wie dem Plate und Aristoteles unbekannt. Für die musische Kunst aber 
hält er sie für nicht nothwendig, wie denn aneh die Akustik mit dem speeifiseb- 
kfinstlerischen Elenente der Musik streng genommen nidits sn thun hat: die 
Akustik bildet die materielle Gnukllagf , auf welcher die murische Kunst tieh 
erhebt, aber den künstlerischen 8ch5pfnngen sdber steht die Akustik lern. 
Höchstens sidit Aristoxenus, so weit wir überblicken kOnnen, die Pythagoreischen 
Zahlenverhftltnisse sa Parallelen swisdien Rhythmik und Harmonik herbeL 
Oben & 68. 69. 



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252 



Aristoxenns erste Hamonik f 55. 



So weiss er denn attch, dass das Oktaven-IaterTaU dem Verhältnisse 1 : 2 

entspridi^ d dass iwei glflidi dicke und gleidi gespannte Saiten die eich in 
ilirer Linge wie 1 : 2 Teriialten, in der Oktave stimmen, oder dass bei ungleiclier 
Spannung die Schwingungszahlen zweier Saiten, die in der Oktave stimmen, in 
dem Verhältnisa l : 2 stehen, wobei denn die Zulil 1 dem tieferen Tone, die Zahl 
2 dem höheren Tone entspricht. Nach Vvthiif^oras verhalten sich uuu ferner 
die iu der Oktave liegenden Ganztönc zu einander wie 8:9, d. h. 

c:d»d:e — f:g» g:aBa:hss8:9, 

filr den Halbton der djatonischen Scala fand er dnrcii PropotÜonsrecfanung die 
VerhtttnissHLhl 243:266, d h. 

e : f h : e a 848 : 256. 

IMeselben YerbSltniase für <Ke GaastSne und BalbtSne der diatoniseben 
Oktave sind auch dem Flato bekannt^ der sie seinen Constracti<»ien im Xlmaeus 
an Gnmde 1^ 

Das Verbflltniss des Ganstooes (8 : 9) wird Pjthagoras eben so wie das 
der Quinte (2 : 8) tmd der Quarte dnreh Eiperimente mit Saiten TOn uqg^eber 
Lttnge gefunden haben: uumöglieh das des Halbtones (248:256). Es ist uns 

zwar nichts hierüber überliefert, nichts destoweniger lässt sieb mit Bestimmt- 
heit behaupten: Jenes Verhältniss ist ein durch Proportion ausgerechnetes. 
Pythagoras wird darin Recht haben, dass ilim ein Ganzton- Tntervall genau so 
klang wie daa audere, auch tiarin, liass ihm all«; Halbton-intervalle dem Klange 
nach gleich waren. Gleich gross»« Ganztöne und gleich grosse Halb- 
töne; daa ist die Akustik des Pythacroras. icii mache die Konjektur, dass 
die Stimmimg des Pythagoras mit dem « 'anzton-Verluiltnisse «:y keine andere 
war als die gleichbch webend temperirtc, weil er ein Ilalbton - Verhältoias 
243 : 256, koeb wenn es bestanden hätte, doeb niebt die Mittel hatte, durch 
Experimente au finden. 

Der Qanaton and Halbton des Aristoxenns. 

Anf diesem Standpunkte der Akustik ist nnn aneb die The<nie des Helos 
bei Aristoxenns aufgebaut, aueb er vortritt die Akustik der gleieh sehwebenden 
Temperatur. Auf seiner diatonischen Scala ist ein Ganclon dem anderen, ein 
HalbtoQ dem anderen gleich. So w^t stimmt er mit Pythagoras fiberein. Aber 
er filgt im Untersefaiede von Pjibagoras hinsn: dei^ Ganston ist genau 
das Doppelte des Halbtons. Nach Aristoxenns bestehen also lllr die 
diatonische Seala die Gleichungen: 

c:d«d:e»f:gAg:a»a:b, 

femer 

c : eis = eis : d . . . a f : ges = gea : g 

und 

e: eis c : d_ 
2 



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IX. Die UnterschieUe dar Tuugeschlechter. 



253 



W^gen dieser seiner i^dchwhwebendeii Temperatur hat sieh Ajnirtozeaiis 

im Alterthumc aufs heftigste und erbittertet' anj^reifen Uwsen müssen: Aristo- 
xenuB verstehe nichts von Akustik o. s. w. In der neueren Zeit hat der Ari- 
stosenischcn Stimmung kein g^eringerer za ihrem Rechte verhelfen als der grosse 
Joh. Seb. liiieh, der dem im Simip (i('s Arist'iM'Muis gestimmten Claviere, „dem 
wohltemperirteii Clavioro". » im lieilie von KouijMjaitionen gewidmet hat, wie 
mau sie iu solcher VuUinulmig bis daliin noch nicht kannte und wie sie auch 
späterhin nicht übertrof^en werden k Olm ten. fit-nug: mag die durch Aristuxeniis 
vertretene Stimmung akustisch begründet sein oder nicht, Tliatnache ist, dass 
Aristoxemu* Stimmung auf demselben Standpunkte steht, auf welchem ^idi seit 
Bachs Zdten die Mnsik des Glavierspieles md des Orgebpides eihebt, die Musik 
mraerer modecnea Tastenlnstnime&te. Dem Uaasisdien Giiedienflitmie war 
dieser Zweig der Hnnk ftemd, aber Aiistozcmis hat sich, hier die Zukauft 
praeoccnji^reiid, mm einmal auf die Stufe unsemr gleich schwebenden Tempnatnr 
geeteUt Er kennt keine andere als diese: ihr m liebe behauptet er die 
Identität aller aoldier Töne, welche auf unserem Claviere und unserer Orgel 
durch das Anschlagen derselben Taste hervorgebracht werden, wovon die 
sweitc Harmonik § 62 ff. den augenfölligsten Beweis giebt. 

Die gleich tichwebende Temperatur, welche in Aristoxenus ihren frühesten 
Vertreter liat, hat von den akustischen Zahlcnverhältnissen des alten Pytha- 
goras nur das der Oktav«- 1" ihehalten, der zti Liebe nnsnnhmsl( »s alle anderen In- 
tervalle temperirt, d. h. dm natürlichen Forderungen der Akustik gegenüber geän- 
dert werden mussten. J >a die absolute Keinheit der Oktaven die Grundbedingung 
ist, welche das gleichzeitige Zusammenwirken der verschiedenen luhtrumente 
ermöglicht, so konnten alle tibrigen Intervalle ihre natttrlidie Reinheit nicht 
beibdialten: nicht die Quinte, nicht die Quarte, nicht die Ten«, nicht der Gkuis- 
ton, nicht der Halbton, wie dies die Theorie der Akustik nachweist Aber Bit die 
Oktave gilt bei gld^ sehwebender Temperatur in allen Ffillen die Oldehni^ 

C : c = 1:2. 

DasBUS eoqgeben sich die ferneren Qleichangen 

c: d «- d : t 
e «* d' 

d« V«^ 

Die absolute Gültigkeit dieser Ton-Gleichungen müssen wir für das ge- 
sammte Melos des ArLstoxenus in Anspruch nehmen. Unter ihrer Anwendung 
bestimmen wir zuuüchst die iunethalb eines Oktaven-Iutervalles vorkommenden 
zw(Hf Halbtdne, indem wir den tieftlen Ton, welchen die Beelen und die By- 
steme und die Systeme des Aristoxenus wa Grunde l^en, nftmUch die Hypate 
meson, als Einheit i) ansetien. 



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Die eoharmouischen Diesea (Vicrteitöne) des Aristoxcuus. 

Soweit iat die TonaUttt des ArislozeiiiBeheii Meloa genau dieselbe, wie 
die unserer wohltemperirten Ciavier- und OrgelmoBik. Wdterhin aber entfernt 
«e eich gaoa und gar Ton der modernen MubUc. Nadi Aristox^ns* viellach 
wiederkehrendem Berichte kann nJImlich kdn Zweifel ewi. daw die griechiBebe 

Musik ausser diatuui.-thcD Ganz- und Halbton-Intervullen auch noch eiue Art 
des Meloä in Gcbraucli hatte, in welcher innerhalb des Gauztou-Intcrvalles ein 
zwischen den beiden Grenztönen desselben genau in der Mitte liegender Klang 
die ehaiaktorisfisf he Eigcnthümlichkeit bildete. Uns Modernen steht eine solche 
Musik so freimi. dass wir uns mit dem bfstr-n Willen nicht in dieselbe hinein- 
denken köiineu. Aber im klassLschcii (irii-clientliuin'' biMfte -ic 'iif dritte Art 
des musikalischen Melos, gouaunt Ilarninnie n-Ier oulianiiuiiisclit.'.s .MlIos. Nicht 
der Verfalbceit des Hellenismus frclir»rt dass( Ihi' au. t^oudcra «rerade der eigent- 
lichen Blüthczeit der klassischen Kuiüti. Die eiste uud dim zweite der von 
AiktoxmiiB angenommenen Mi^k-Perioden war mit dem uns so fremden Tone 
wohlbekannt (d. L die Solonisdie und die Yor^Solonisdie Zeit und die Zeit der 
Perserkriege). Zu Arietozenus Zeit war das eabarmonische Meloa sehen im 
Yttsehwindra begrifien: Tiele der damaligen Musiker erklärten, dass man den 
ihm eigenen Ton, die enharmonisehe Diesia, nicht praktisch verwenden, ja nicht 
emmal empfinden könne. Aristoxenus, wie er überall der Anhänger des Alten 
ist, bat auch die cuharmoniecbe Diesis unter seine besondere Protektion ge- 
nommen, er macht sie geradezu aar Gnindlage seiner melischen Theorie und 
weist ihr dieselbe Stelle im Melos an, wie dem Chronos protos in der llhyth- 
mik. Die enharmiselie Diesis wird von ihm zur melischen Maa^einheit aller 
iutervaUe erhoben. Sie sei genau die filüfte des Halbton-Intervalles d. iu 

* ♦ * 

e : e = e : f 

Mit einem darüber gesctzU u Asteriskos haben wir das um l-Tun erhöhte 
e beseichnet, welches zwischen dem nicht erhübten e imd dem 1 une f gerade 
in der Mitte liegt. Der enharmonisehe Klang wird, wie Artotozenus mdrfadi 



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IX. Die Unterttchiede der Toogeschlcchter. 



255 



erUlrt» nicht etwa so angewandt, daae man ioIdM InlervaUe mdumuls eon- 
tinoiriidi hintereinander anwendet Das aei mmidglioh. Man TennOge nicht 
mehr ab nur iwei deraelben continnirlich auf einander fidgen m laaien. Das 
•t natoriich theoretiacbe Scalen wie 





nicht aus, welche nach Aristoxcnufi* Berichte von seinen Vorgängern mehrfach 
aufgestellt waren. Es ist für die thcoretisclic Erkemitniss nothwendig, 
eine solche Scala continuirlicher Viertcltönc iinti r Anirn^e 'les einem jeden 
zukommenden akustischen Zahlenausdruckes aufziiateileu. Der Umfang eines 
Tetracliunli'S wird genügen. Wir verfahren dabei jjenau in der Weise, wie 
wir oben die koutiuuirliche Folge von Ilaibtoueu bestiiuutt haben. 

»=&J° fe)" (y j' fe)' fe)' tvJ &.)■ &.)' fe)' (vJ' fe)"* 
■'-W fr.)' frj tJ (v.)' w 

Um auch denjenigen, welche die Beschäftigung mit Elcmcntar-Matlienmtik 
hinter nich lierfen haben, das Verfolgen unserer Auseinandersetzung leicht zu 
ermöglichen, Lahi-n wir 'aus der vorigen Scala der euu tinuirlichen Halbtöne 
die entsprcchendcu iv lange mit ihrem dort gefundenen Zahlenausdruckc wieder- 
holt. Wer da weiss, dass 

(V. J - fe)' 

ist, der weite auch, dass swischen 



13 

das arithmetische Mittel die Zald 



1 



und 



ist, dass mithin diese letstere Zahl der genaue Ausdruck ftr den Ton 1 ist, 
welcher nach Aristoxenns swischen f nnd fis die mittlere ElanggrSsse ist. 

Also wenn Aristozenos „ein, swei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, ach^ 
nenn, sehn enhannonische Diesen" als meUsche BavmgrOssen sttUt (so vid. 



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256 



Aristoxenuä erste Hannonik § 55. 



nCnoUch leliii enhariaoiäaehe Diesen, b^rigt nach Ihm der GemminitmnfMig der 
Quinte c a), so Uart eieb dies als ^ne £eihe nach den fortlanfendea Exponen- 
ten 0 Us 10 ä» Wnnel aus der geometriedhen Ansehaamigsweise des Ari- 

stoxenus iu diu arithmetisch- akustische ^Viibrliauiuig übersetzen. Die so und so 
vielte enharmonische Diesis ist der so und so vielte Exponent der Wurzel 




Die irrationalen Interyallgrössen des Chrom as. 

Dorartijje nnserer modernen Musik fremde Klänge wie die durch enhar- 
monisdien Diesen gebildeten gub es nun in der Musik der Griechen nach Ari- 
stoxenus noch andere. Sie sind es, die in den von ihm sojrpnannten Chroai 
der verschiedenen TongeschlechttT oder I i rrachordtheiliuigen ihre Stelle hahen 
und deren charakteristisches Eleineni ausmachen. Aristoxeniia führt wie 
alle Intcrvallt^rüsscn m avicli die diesen Chroai angebörigen auf die Ein- 
heit der enharinuiM.schen Diesia (dcä Vierteltoiies) zurück, er kann aber ihren 
Grössenwerth (um diesen handelt es sich) nicht anders aU durch Bruchtheile 
der enharmonischen DiesaA ansdrQeken. 

Es bedarf keiner weiteren Deduktion um iasslich zu machen, dass, wenn 

wir die enhaimonisehen Diesen dordi Exponenten der Wmnel 

drücken, laui zwar durch Exponenten iu gsinzen Zahlen, dass wir dann die den 
Clwoai eigenen irrationalen Intervalle durch gebrocheue Exponenten der Wurzel 

j ansnidrficken haben. Um die ixrationaien ^otenwertbe in unserer Noten» 

tchrift «uBBodraek»!, fttgen wir Aber unseren Noten als diakiitische Zeit^ 
dem Artextskus noch den Punkt und das Kraun« hinsn. ^ 



Chroma malakon. 




Dies. 1^ Dies. 7^ Dies. 



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IX. Die Unterschiede der Toageachlechter. 



257 



Ckrraia kemlolioa. 



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I i J I 



• 



U DiM. Ii Dies. 7 Dies. 

Auch hier kfum man wie vorher an der Exponentenzahl den jedesmaligen 
lietrag der enharmonisclieu Diesen ablesen. Uebrigens acheincn sich diese 
irrationalen chromatischen Intervalle eines viel längeren Bestehens als das 
rationale Iuter\'all der Enharmonik erfreut zu haben. Zar Zeit des Aristo- 
xenus wenigstens, wo die Anwendung des letzteren von den meisten bekämpft 
wurde, war die Anwendung der irrationalen Chromatiden Intervalle eine über- 
aus beliebte. (Plut. mos. 37 — SW). 

H. Bellermann Iffl&nrafaioleii des 15. und 16. Jalufa. S. ft: „D^ 
Hlnmietning tSam Ftenktei «if die rechte Seite einer Kote verlängert dieMlbe 
wie bei ons nm die EMifte ihree WerChes.' IHeeer Funkt heiaat Pnnetam 
additionia''. Analog haben wir ^Pnnetam additkniia von der rhythuiBebea 
VerUogenuig (um die Hälfte des Werthee) anf die meliache EihShong der 
Note tibertragen. Und in fernerer Analogie ein Conma additionis (Er- 
h^Uiung der Kote um ein Drittel) eingeftlirtt 

Fttr die griech. Scalen bezeichnet unsere unmodificirte Note den ge- 
raden rationalen Ton; die Modifikation durch den einfachen Acteriscus * 
bezeichnet den ungeraden rationalen Ton; die Modification durch Punk- 
tum oder Conima additionis bezeichnet den irrationalen Ton. Den Nach- 
weis der Bationalität und Irrationalität giebt zweite Hann. Abschu. XI, 1. 

Die 9 Liehanoi 

§ 55 c. Die tiefste chromatische Lichanos nun ist um den 
sechsten Theil des Tones höher als die enharmonische, da die 
tiefste chromatische Diesis um den zwölllen Theil des Tones 
grösser als die enharmonische Diesis ist*), Deigleicheii Intervall- 
grossen sind amelodeta; denn amelodeta nennen wir, was nicht ftr 
sich, (sondern nnr mit einer anderen InterraDgröSBe zn einem 
einheitlichen ünterralle Terbmiden) im Systeme eine Stelle haben 
kann. 

*) Hiersa ein SehoHon, wdehee die Bechnnog, daaa das Hektemörion 

die betieffende DiffiBrena sei, anaftthrt Li demselben kommt aneh der Ausdradc 

Tritemorion nnd Tetartemorion <Ihittel-T<ni, Yiertel-Ton) vor. 
ArUtostaai» MtUk n. Uijthiiiik. t7 



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258 Ariatoxenus erste Hanaonik § 55. 56. 

Die tie&te diatoiuscbe lidumw ist höher als die tie&te chro* 
matische lichanos um einen Halbton und den zwölften Theil*) 

lies Ganztones. 

*j Auch hienm eiii die Becfanimg aiisfillinodes Schdiou. 

Die höchste (liatuuische Lichanos ist höher als die tiefste dia- 
tonische lichaoos um eine (enharmouische) Diesis. 

§ 55 d. Hieraus erhellen nun die Bewe^gsräume einer jeden 
Lichanos. 

Jede Lichanos idbnlich, welche tiefer ist als die (tie£ste) chro- 
matische, ist enharmodsch. 

Jede Lichanos, welche tiefer als die tie&te diatonischei ist bis 
incL ZOT tiefsten ohramattBchen eine chromatische. 

Jede Lichanos, welche tiefer ist als die höchste diatonische, 
«ist bis inci mr tiefeten diatonischen eine diatonische. 

Man muss nämlic]i wissen, dass dio Zahl der Lichanoi eine tin- 
begrenzte ist Denn uberall, wo man in dem der Lichanos ange- 
wiesenen Bewegungsraiimc die Stimme stehen*^) lässti da wird eine 
Lichanos sein; nichts in dem Lichanos-Baume (toico$ Xtx«vo8t$i]c) ist 
leer nnd nichts der Art, dass daselbst keine Lichanos genommen werden 
könnte. Somit ist die Differenz der Ansichten keine geringe. Die 
Uebrigen unterscheiden sich Ton einander bloss in Betreff des Liter- 
Talles, wie z. B. ob die Lichanos mne ditonos oder eine höhere ist, 
als ob es niu" eine einzige enharmonische Licliauos gäbe. (Zweite 
Harm. § 52 d). Wir dagegen unsererseits sagen nicht bloss, dass 
es iu jedem Tongeschlecbte mehr als Eine Lirhanos giebt, soudern 
f&gen auch uoch hinzu, dass ihre Zahl unbegrenzt ist 

Vgl oben S 26. 27. 

Die 4 Parhjpatai. 

§ 56. Dies sei nun Über die Lichanoi festgestelli Für die 

Parh}T)atai aber giebt es zwei Bewegungsräume weniger. Der 
eine ist dem Diatonon toniaiou und malakon und dem Chroma to- 
niaion gemeinsam, (— denn beide Tongeschlechter haben ein und 
dieselbe Parhjrpate), der zweite*) ist dem Chroma hemiohou, der 



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IX. Die üuteräcliräde der Tougeächlechter. 2&9 

dritte dem Chroma malakon, der vierte dem Enhaimomou eigen- 
thümlich. 

Jede Pailnpate, welche tiefer ist als die tiefste chromatische, 
iat eine eriharmouische. 

Jede andere Parhy))ate bis zu der angegebenen (enharmomschen) 
ist eine chronkattscbe oder diatonische. 

*) 8. den kritiMhen Appuat 



Uebersiehtatafel der 4 Parhypatai und 6 LickanoL 

BakarMaal«: 

Hyp. Parlt Idch. . 



8 



Chroma ■alakoas 

Hyp. Parh. Lieh. 



•f ff 



2 2 6 



W" w w w 



10 



(vi W" W" (iü 

Ii H 

Chiana haHlaltaa: 

Hyp. Pkrk. Lieh. {leee. 
•! s - 



10 



(vj (v.)" (vJ (v.) 



10 



Chrana tonialaa: 

HviT. Parh. Lieh. Mcsc. 

^- — I — =* I i 



fef W W (f.) 



\10 



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260 



Aristozenus erste Harmonik { 57. 



Hyp. 



l'ai'h. 1A<Al 



Mese. 



J3 



3: 



-I 



Hyp. 



8 

Diatonon tonUlon: 
Farh. Lieh. 



Mese. 



fr,)* (yJ { 



2 



Die beiden unteren Tetraehord^Intervalle. 

§ 67. Von den (drei) Intenalleü des Tetrachürdes ist das 
(tiefste) von der Hypate bis zur Parhypate entweder ebenso gioss 
wie das (mittlere) von der Parliypiite bis zur XichauoSj oder es ist 
kleiner, (aber iiicmals ist es grösser), 

Dass die beiden unteren Intervalle gleich sind, ersieht man an 
der enharmoDischen Tetrachordtheilong: 



y (w: (vj' w" 



und an den cliromatischen 



99 



10 



(tf (vJ" fe)' (yJ 



10 



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IX. Die Untencbiode der Tongeflchlechter. 



861 



(fj W frj' (vü 



10 



Dass das tiefste Inteirall kleiner ist als das mittlere, ist ans 

den diatonischen Tetiacliurdeintheilimgeu ersichtlich: 



ivJ ll'J iPj iyj 



10 



W Ctf (vJ &J" 



Es kann das aber aach aus den chromatisGhen Tetnushordein- 
theilongen erkannt werden, wenn man nSmlioh die Parbypate des 
Ohroma malakon (oder bemiolion) und die lichanos des Chroma 

toniaion luiamt: 



www w 



(tf W" ("J (Vi 



) 

Denn auch solche letmchordtbeilungen zeigen sieb als emmeliscb. 

Das Umgekehrte, (dass nämlich das tiefete Intervall grösser als 
das mittlere ist) wird dagegen ekmelisch sein, wenn z. B. Jemand 
als Paihypate die hemitonische, als Lichanos die des Chroma mala- 
kon nimmt; 



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262 



AriBtoxeuufl erste Hariuorük § 58 — 60. 



oder als Parhypate die des Chroma hemioliony als lichanos dk des 
Ofaroma mslakon: 




Denn derartige Theilungen zeigen sich als hannonisch unbrauchbar. 

In I 57 und ebeoBO § 58 der ertten Httmönik mad gtosM Lflcken der 
UeberliefiBniiig, cBe sieb, id& bier geediehen, dem Sume naeh aus der nreilen 
Harmonik genan restituirea lassen. 

*Die beiden oberen Tetracbord-Intervalie. 

§ 58. Das (mittlere) Intervall yon der Parhjpate zur Lichaaos 
i^t entweder ebenso gross wie das (höhere) von der lichanos zur 
Mese, (nämlich im Diatonon syntonon): 

(?.)■ (vj (V.)' W" 

oder es ist von ihm auf beiderlei Weise Terschieden, (entweder kleiner 
als daa hdchste, (vgl oben 8. 259) oder grOsser). [SchoHon: die 
Ursache daron ist» dass die Parhypatai beiden Gescbleohtem ge- 
meinsam sind], denn es entsteht ein emmelisdies Tetrachord anch 

ans einer chromatischen Parhypate (welche tiefer als die hemito- 
iiische ist) und aus der liöchsten diatonischen Lichanos: 





■ 











(vJ W" W fej" - 

Der Bewegiingsraum der Parhypate sowohl seiner Eintheüung. 
wie seiner Einordnung nach ergiebt sich aus dem Yorstehendeu. 



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1 



TTebmr die Intorvallen-Folge auf der Soida im Allgemeinen. 
* Tgl. Prooimion § 18. 

§ 59. Die unmittelbare Aufeinanderfolge der Intervalle genau 
zu definiitn ist im Anfiingo gar nicht leicht, doch muaa mau ?er- 
suchen, sie im Umrisse anzugeben. 

Das Wesen derselben in der Musik scheint etwas Aehnliche» 
ZQ sem, wie in der Sprache die Aneinanderreihung der I>aute (zu 
Selben und Wörtern). Denn anch beim Sprechen setzt die Stimme 
nach natürlicher Nothwendigkeit für jedie Sylbe irgend einen der 
Buchstaben als ersten, als zweiten, als dritten, als vierten und ebenso 
an die übrigen Stellen, jedoch nicht jeden Buchstaben hinter jeden, 
sondern es besteht ein bestimmtes natürliches Anwachsen der Zu- 
sammensttzung. 

Auf ähnliclie Weifte scheint die Stimme auch bei der Hervor- 
bringung des Meies die Intervalle und Töne bezüglich der Reilien- 
folge zu setzen, indem sie eine in der Natur liegende Zusammen- 
setzung einliftlt, ohne nach jedem Intervalle ein gleich grosses oder 
ungleiches zu setzen*). Dies muss sich auf die uns nicht mehr Tor- 
liog«oden Methoden der Harmoniker beetehen« 

§ 00. Doch haben wir der Aufeinanderfolge nicht wie die 
Harmoniker nachzuforschen, die es in ihren Notentabelien durch 
Eatapyknosis Tersuchen, wo sie zeigen, dass diejenigen TOne der 
Reihe nach auf einander folgen, welche ein kleinstes Intervall d. i. 
eine enharmonische Diesis aus einander liegen. Denn es ist eme 
Eigenthümlichkeit der (emmelischen) Stimme nicht allein, dass 
sie nicht im .Stande, 28 Diesen hinter einau l r In rvorziibringen, 
sondern sie kann, * so viel sie «s auch probuen mag, der ersten 



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264 



Ariitonanus eiste Baimonik | 60. 61. 



und zweiten Diesis nidit einmal die dritte hinzulegen*). Viel- 
■mehr besieht das kleinste Intervalli welches sie nach der Höhe zu 
folgen lasseu kam m der Differenz der Quarte und des vorher ge- 
nonunenen i^knon (denn alle kleineren Intervalle liegen hier ausser 
dem Bereiche der Möglichkeit); jene Differenz aber ist entweder das 
Sfache der enhannomschen Diesis. oder es ist noch um etwas sehr 
Geringes, nämlich um ein Amelodeton (oder aber um eine ganze 
Diesis) kleiner**). Abwaits aber von den zwei Diesen kann die 
Stimme kein kleineres Intervall als den Ganzton nach den Gesetzen 
des Meies folgen lassen. * 

*) wTi (6va90at . . . i^i ^XnltX^at xfi« cpa)vf|; imv/* . . . tmn&Ci 

„r.d-na iroioüaa o'jy olaxi ivzi icpoariöivot" imd ,,47rl iXoyiorov rtcXtulcT t4 

Xoiit^Y TOü o'.ä Tcasapwv, td CiXiiTTa» nisza l^alriint", das Alles scheint trots 
des im § 59 gebrauchten ,.'fua«x-f,v t'.vt oSvSesiv oia'vjXdtTTOuao:" nicht von der 
physikalir^ohen Möglichkf^it der Sing?timme gcflftgt zu sein, sondern von der 
künstlerischen Möglichkrit <;iner jeden cmmelischen (Vokal- oder Instrumental-) 
Stimme: Es ist «nmöglu h nach den natürlichen Gesetzen des Melos oder Her- 
mosmenon.'* Vgl. die dort gebrauchten Ausdrücke (jieXujoeTsi^ai, (i.eX(u2cT und 
weiterhin § 61: 7rp6( Ti^c i^eXtuSla; ^uotv und (i.:^ O'jvvtöv if(\ixipm {ieX(D^aat 
f^nov. Es ist eine Notwendigkeit ideht tts«h phytaathsa, irldmfiltt metaphy- 
BiMheii Geaelwn, eme Nothwendig^eift Bscfa der Logik der TonMsla mit fluea 
nicht wen^er swingenden Kiinsfgeietien, deren Konstmktion Aiistoxemis hn 
Abedmitk Zn m g«beD Tenndit Aehnlicb In Fkoblun 5 S. 868. 

**) ,^SmIlfih nm ehi Amelodeton klefaier als das Sftdie der enharmoni- 
sehen IXens". Es kann nur das Intervall Ton 7| Diesen gemeint sdn, y^ß. die 
Tsfd auf &869. Haiq. 880; „fai welchem FUle aBerdiogs das übrig bleibende 
Intervall etwas klebier als das SÜMbe einer enharmonischen Diesis ist, imd 
zwar um ein in der Melodie nicht selbstständig vorkommendes Thollchen, um 
den Sechstel-Ton. Sollte diese Erklärung richtig sein, so würe freiUch der 
Ausdruck nicht gerade sehr zu loben.*' Eigentlich ist die Hinweisung auf das 
Intervall vnn 7i Diesen hier nicht am Orte, deim f^io^ps gehört d»^r Chrornatik, 
nicht der Knliarnionik an. Aber wir kennen die Lcliren d(?r alten llarmoniker 
nicht, gegen welche iVristoxenus Bich wendet, wir wissen nicht, wie sie sich 
bezüglich der von Aristoxenus etatuirtpn ,,üebei^nge der Harmonik in die 
Chromatik'^ verhalten haben mögen. Neben dem Intervall von 7^ Diesen wird * 
aber A. auch des von 7 Diesen gedacht haben „oder aber um eine ganze Dieais", 
wie wir dem Tote hhuugefügt haben. 

§ 61. Also nicht dania4^ hat man seinen Gesichtspunkt zn 
nehmen, ob die Zusammensetzung aus gleichen oder ob sie ans un- 
gleichen Intervallen bestehe, sondern auf die Natur des Ueloe zu 



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X. Ueber die lutorTaüuiiiüige auf der Scaia im AÜgemeiaen. 265 

achten und eifrig zu. erforschen suchen, welches ünterrall und nach 
welchem es die Stimme im Helos yerwendet Denn wenn es nicht 

möglich ist, nach der Pai'hypate und der Lichanos einen näheren 
Ton als den der Mese anzugeben , so möchte dieser letztere wolü 
derjenige sein, welcher in der Rpihonfolge der Lichanos am nächsten 
steht, einerlei ob derselbe em Intervall abgrenzt, welches doppelt 
so gross ist als das Intervall zwischen Parhjpate und Lichanos oder 
noch grösser. 

Auf welche Weise nun die Aufeuumderf olge an&o&qsen ist» ist 
aas dem Yorhergehenden klar. Wie sie aber tot doh geht und 
welches Intervall zu einem anderen hinzugesetzt wird oder nicht 
gesetzt wird, das wird gezeigt werden in den Stoicheia. 



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ZWETTEE HATJFTTHEIL. 

HARMONISCHE STOICHBIA. 

XL 

Die einfachen und suaammengeeetaten Intervalle. 

Yf^ FnH^inioii | 14. 

Dieaer AbsclmitC der enten Harmonik fiUt in den HandBcluiflen. hk der 

■ 

«weiten Humonik wenigftei» tiieilweiM erbalten. Eben daaelbet werden wir 
eine Bestitation nu dem Verbliebenen versndben. 



XTT. 

Die emmelisohe Zusammeneetanng der einfachen Intervalle. 

Ygi Ptooimion S 15. 

Von Abschn. XII, welcher für die zweite Haimomk nahezu voUständig 
ttbalielert iat^ bediwn wir für dte «ste Humonik nur wenige wiHammenhanga^ 
loee Eseerpte. Dieter Theil der Stoichela (Abechn. XH) war es, auf weldien 
Axifltozeniu in f 81 der eieten Htimonik Terwieaea hatte. Erlialten nnd Uobs 
einige der 88 Problemata: die xa jedem Problem gehörenden Beweise sind 
sftmmtlieb aiugelaaeen — wohl ein bewaastes Yerkttrsen deaaen, weicher 
den Stammccxlnc der auf uns gekommenen Handschriften angefertigt hat Aus 
dem foUatändig erhaltenen Parallelabschuitte der zweiten Harmonik lisst sich 
AUea, im in der ersten Harmonik bcsSglich der 28 fVoUemata fehlt| eigfinaen. 



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XU. EmmeÜBche Zosammensetsang der ein&cheD Interyalle. 267 



* 1. Problem: 

„Angenommen sei: wemi ein Pyknon oder ein (ihm analoges) Äpyknon 
„gesetzt wird) ao kaim als mnteres Nachbar -Intervall kein kleineres als der 
„Ganzton genommen werden; als oberes kein kleineres als dasjenige- Intervall, 
„welches fibrig bleibt, wenn man den Betarag jenes Fyknon oder Apykoon von 
„der Quarte hiiiwegnimmt**. 

Vgl § 57. 58. 

2. Frobiem: 

„Angenommen sei, dass von den unmittelbar folgenden Tönen der Scala 
jedem Tongeschlechte entweder jeder viert«? Ton mit dem vierten in der 
„Quarte oder aber jeder ftinfle Ton mit dem fünften in der Quinte symphonire, 
..oder aber endlich, da.'^e beides zugleich stattfinde, dass dagegen derjenige Ton, 
„bei welchem Nichts von diesen beiden stattfindet, ekmelisch sei, er selber 
„und mit ihm zugleich der betreffende Ton, welcher zu ihm nicht in der ver- 
„langteii Sjmplionie steht". 

Vgl unten sweite Harmonik § 70. 

3. Problem: 

yiAngenommen sei, dass von den vier innerhalb der Quinte vorkommenden 
,Jntervallen, nämlich zwei gleichen Intervallen, welche fttr gewöhnlich das Pyk- 
„non bilden, und zwei ungleichen Intervallen, welche SOSammen der Diiferems 

„der Quarte und desjenigen Intervalle? gleich sind, \\m welches die Quinte die 
„Quarte überragt — fins« von diei^en vier innerhalb der Quinte vorkommenden 
^^Intervallen die gh iiheu den ungleichen gegenüber liegen, sowohl nach der 
,,Höhe wie nach der Tiefe zu". 

Marq. S. 281 : „Da A. von zwei glddien Intervallen spricht, welche mei- 
stens dji8 Pyknon bilden, so hat er an das enharmonische Geschlecht oder an 
das Cliroma gedncht, da sonst der Ausdruck Pyknon keine Anwendung rindet, 
lu dem eubarmouischen Geschlechte also, sagt der iSatz, soll die Aufeinander- 
folge diese sein 

e e f ah 
i f 2 1 

oder mit umgekehrter Lage der Intervalle 

f g b ( e 
1 2 i i . 



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268 AriBtoxenus erst« Harmouik. 

oder WH duoa xa wiUen, im duronia tonitkni 



e f fi» a Ii 



oder mit urngdceluter L«ge der Intervalle 

f g b h c 



1 1* I * 



Das IvivT^oj; ,,fr''Hrenübcr''" hcisst so viel wie in entgpg'fnji^e^otzter Rich- 
tung;, wciui man dtii Grt^'iizpuukt oder Grenzklaog des Pjkuuu und der beiden 
anderen Intervalle zum Ausgang nimmt". 



4. Problem: 

„Angenommen tei, dms auch diejenigen Töne, welche mit den folgenden 
„dieselbe Symphonie bilden, auf einander folgen'^ 

Marq. S. 282: „Dieser Satz ist sehr kurz ausgedrückt; der Sinn kann nur 
folgender sein: Wenn ein Klang mit einem anderen die Sympiionio z. B. der 
Quinte bildet, und ein dem ersten folg^Midi-r üiit einem anderen ebenfalls die 
Quinte, so soll dieser letzte auf jenen zweiteu unmittelbar folgen, d. h. es soll 
kein anderer Klang zwischen beiden möglich utin. Die Uypate meson c bil- 
det mit der Paramese h eine Quinte i auf die Hypate meson folgt im diato- 
niaehen GeseUeehte die Parhypate meaon f ; diese faiMet mit der Trittt «Beieag- 
menon e ebenfalls eine Quints also (das will der Sati sagen) ist dieser Klang c 
deiJenige, wdoher auf die Panuaese h in dtosem GkschleBlite nnmitlelbar folgt 
Meibom sefaeint mir in der ErklSrtmg dieses Satses insoftm gtixrt an baben, 
als er die rnreite Beibe von Klingen sieb immer mimittelbar an die ernte an- 
sebUessen ISsst, was In dem Satae nidit Uegt vnd der Saebe nacb aneh nlebt 
nothwendig ist Auch dieser Satz erscheint uns sehr einfach. Dass Aristoxenns 
es für Döthig hielt, ihn besonders als Grundsatz aufzustellen, hatte seine Ver- 
anlassung in dem Verfahren der Harmoniker, welche die Aufeinanderfolge der 
Klänpre in lauter kleinsten TnterN-allen ordneten. Uebrigens darf man diesen 
bata nicht umkehren, sonst ergiebt sich ganz Falsche«/* 

« 

6. P r o b 1 e m : 

„Angenommen sei, d&m in jedem Tongesclüechte dasjenige Intervall ein 
„einfaches sei, welches die melodische Stimme nicht weiter in Intervalle zer- 
,^egen kann'\ 

VgL zweite Harmonik § 74. 



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Xn. Emmelische ZasammenseUung der einfachen lutei valle. 269 

6. Problem: 

„Angenommen gpi, dass auch von den symphonischen Intervallen ein jedes 
„nicht in Iii itcr luizLisjumnongresctzte Mcgethe verlegt wird". 

iMarq. 283: Auch ilieser Satz ist wohl aus der Polemik g^u die Har- 
moniker heryorgegangen. 

7. Definitien: 

,)Agoge sei die durch benachbarte Töne durchschreitende Bewegung der 
„Stimme: und xwar randläufige Agoge (i»pi^ep9); d-fcuYi^ digenige, welche 
,,Daoh beiden Seltea hin (toh unten nadi oben nnd wieder nittA von oben 
„naeh nnten) dardi nmosammengeaetete InterveUe faindnreh aidi bewegt; — 
„gerndlinfige Agoge (i69<la d^oiT^), welche von tmten naeh oben; rflck- 
„liafige Agoge (dvg«d()iTROuMi), weldie umgekehrt von oben nach unten 
„•ich bewegte. 

Marq. S. 13f) : ..liier hört jede Mö^fHchkeit einer Emendation auf, da auf 
keine Weise wegen der Unklarheit sowohl des Tnhalte.s als de.-* beabsichtigten 
Ausdruckes etwas Befriedigendes herzustellen ist." Eben so auch S. 2s3. 

Gleichwohl macht Marq. den Versuch einer Ergänzung aus Pseudo-Euklid 
22.7. wo die Worte „Kol d^w^'^ fit"' ^sttv nu-^ l;r^; z\i^'fims . . . 

Meines Erachtens ist das vollständiL«: rielitig. Was Anstoxenus w 'iter au dieser 
Stelle geschrieben, haben wir dem .Sinne nach in der dentsehen Uebersetzung 
wiedergegeben. Nach Marq. soll dieser Abschn.. wch-her (.Ue -tVgoge behandelt, 
zur „Melopoeie, al.so in den praktischen Theil der Musik" gehören. In dem i aral- 
lel- Abschn. der zweiten Harmonik finden wir freilich die Agoge nicht aufge- 
itfhrt Aber mit dem Thema unseres Absdudttee XII * Emmeüscbe Zusammen- 
setfong der einfachen Intervalle" steht die Aguge Ln genauestem Zusammen' 
haoge, denn die Agoge ist ja eben das Angeben demjenigen Ttfne, welche ^ 
aus einfiMhen Litervdlen ausammengesetstes System biUtoi. Dem thut keinen 
Eintrag, dass die Agoge bei PBeodo>Eiih]id (TermntUidi aneb in der dritten 
Harmonik des Axistoxenus) im Absehnitte von der Melofioeio Torkommt 

Die Worte: 'E^w^cv T6by i^x'^^ . • . cw habe ich sehen in der grieohisefaen 
Haimooik 1868 8. 42 ftr ein in den Text hineingeinthenes Uazginale erUOren 
mflssen, weldlBS besaget Paitte ,|ausserlialb der Archai'' stehe. 

Dazu benioi l^t ^far q S. 139: Diese Vennuthung sei nicht sehr wahrscheinlicli, 
„da das wirkliche Werk des Aristuxcnus oder das erste Buch desselben schwer- 
lich hier abschloss , der Titel des sweiten also kaum mit diesen Worten Ter> 
mischt werden konnte.** 

Diese Entgegnung ist mir nicht recht verständlich. Zwar i.st meine Auf- 
fassung der Aristoxenischen Schrift vielfach ein( andere als im Jahre 1863 
bei der Abfassung der Hamonik. Aber wie damals iialte ich auch jetzt die in 



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270 I Ahatoxeous erste Harmonik. 

Bede stehencka Worte für ein in den Text gedrungenes Marginale; Ee 1>e- 
rieht Bich auf die beiden Hanpttiiene, tm denen eowobl die ente wie die 
zwdte Harmonik des AiiBtozentu beetdit, auf die „td h dp^^" und die 
nOTOt^tfa**. Jeaes Hai^iiMle: „auneriialb der EingangfrAbedniittB" wflrde 

vollständig parallel stehen dem Mai^ginalei welches Ach am Anfange der zwei- 
ten Harmonik findet »'Apy^" und in unseren Handschriften sich als Margi- 
nalc erhalten hat, ^vfthrend das Marginale zu Ende der ersten Harmonik vom 
Kande in den Text eingedrungen ist. Dem Einwände Marquards ist ni erwi- 
dern, dass (lic Worto: ,'F*")ft£v Twv d['>y<'rj . . . ©v" ?\}m Abschnitte XII 
gehören, und dinsä zufolge der eigeueu AutVuüsiuig des Aristoxeniis ^ti. 1S5 ff.) 
die Absclmitte ,,Tä h ip/r]" mit § 61 enden. Was „ausserhalb der Eingangs- 
absc-huitte" steht, gehört bereits den „Stoicheia"' an. 



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ARISTOXENÜS THEOEIE DES MELOS. 



ZWEITE HARMONIK. 



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Voibemerkimg. 



Nach IfMMgabe der ms dieeem Werke yollitSadig oder theOweiae er- « 
haltenen Abschnitte VI, 711» THI, IX, X, weldie almmtiieh Doppelgltaiger 
der «iteprecheiiden Abechnitte der ersten Harmonik gind, mUssfln wir anneh- 
men, dasa diese sweite In einer spftteren Zeit gehaltene („in flinem s ptot e n 

Semester wiederholte") Vorlesung über den harmonischen Theil der Wis- 
senschaft vom Melos auch dasProoinrion und die AlMaclmitte I— V mit der 
ersten Harmonik dem sachlichen Inhalte nach im wesentlichen gemein hatte 
und nur in drin Ausdruck f diffcrirtc. Als Aristoxcnus die Vorlegung- mm 
zweiten Jlale hielt, liat er dieselbe Disi«jsitioii des Gegeustaudes wie das erste 
Mal genau beibehalten, alter den Ausdnu k der Darstellung voUstäudig neu 
gestaltet, wie das ein seine Diseiplui durchaus beherrschender Doccnt auch 
wohl heut zu Tage noch zu thuu pflegt. So vernichtete (wie er zu eiviililtiu 
pflegte) auch Moriz Haupt seine alten Vorlesungshefte, wenn er dieselbe 
Vorlesung von neuem lüdt 

Dass Aristozenus ans der asten Hannonik aodi die GtenMal-Abtiieiltaig; 
„Eingangs-Absehnitte" nnd „Stoidieia" fttr die ««reite Hannonik beibehalten * 
liat, ethdüt aas dem Hazgittale xn § 46 nnd ans s^en eigenen Worten im An> 
fiuige des | 68» 



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EESTEE HAüPTTHEIL. 

EINGANGS-ABSCHNITTE. 

♦ . * • 

VL 

Die drei Arten des mu8ikaü8o]iie& Melos. 

§ 45. Eb giebt drei Arten von Melodumena: das Diatonon, 

das Chroma imd das Euharmoiiikoii. Die Unterschiede derselben 
werden später besproclieii werden (Abschn. IX). Dieses aber möge 
iiier als Satz aulgestellt werden : Jedes Melos ist 

entweder 1. ein diatonisches, 

oder 2. ein chromatisches, 

oder 3. ein enharmomaches, 

oder 4. ein ans diesen Arten genusdites, 

oder endlich 5. ein ihnen gemeinsames. 

Der Satz fängt ohne Anschluss au etwas Vorhergehendes an. Die Ueber- 
gangspartikel u. a. w. scheinen, als das Vorausgehende verloren war, von einem 
nachbessernden Librarius getilgt zu sein. 

Die symphonisohen Intervalle. 

§ 46. Die zweite*) Eintheilung der Intervalle ist die, dass die 
einen symphonische, die anderen diaphonische sind. Von den mehr- 
fachen Unterschieden, welche wiederom anter den symphonischen 
stattfinden, werde hier einer, welcher der bekannteste ist, zuerst 
behandelt, nämlich der Unterschied der GrOsse. 



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274 



Aristoxeuus zweite Harmonik § 46—50. 



£s sind um acht YerBchiedene Gitaen der symphonischen 
Intenralle anznn^men. 

Das kleinste ist diu Quarte. Dass nie die kleinste ist, hat in 
der ^'atur des Melos seinen Grund ; wir führen nämlich viele Inter- 
valle aus, welche kleiner sind als die Quarte y aber sie alle sind 
diaphonische. 

Das zweite ist die Quinte; welche IntenrallgrOsse anch zwi- 
schen Quarte und Quinte in der Mitte Hegt, es trifft sich, dass eine 
jede von ihnen diaphouiäch ist 

Das dhtte ist di(> aus den beiden genannten zusammengesetzte 
Oktaye; was zwischen diesen in der Mitte liegt , nennen wir dia* 
phonisch. ' 

*) »Die sweite Eintheiiung". 0iM ist du gaas entsduedener Beweis, 
dass dne Partie la der swdten Harmonik TOiamging, in weLdier ein Ab- 
schn. IV. § 99 vorkam. Seholion, in den Text gedrungm: «»Die bekanntesten 
nnter den latervallollnterscbieden sdieinea die xwd fol^penden zu sehi, der eine 
der Unterschied nach dar Qrösse, der andere der Unterschied der symphoni- 
schen und diaphouischen Intervalle. Der zuletzt genannte Untenchied ist alx^r 
in dem ersten inbegriffen, denn jedes symphonisdie Intervall onterscheidet sieb 
▼OD jedem diapbonischen durch die Grösse". 

§ 47. Das sind die symphonischen 'Intervalle, welche wir von 
unseren Vorgängern überkommen haben. Die übrigen müssen wir 
selbst bestimmen. 

Zunächst ist folgender Satz aufzustellen: Wird ein symphoni- 
sches Inten'all, welcher Art es sei, ziu" Oktave hin/.ugel"ii'?t . so ist 
das aus dieser Combiuation entstehende Intervall wiederum ein 
symphonisches. Von den heiden ersten synij)honischen Intervalieu, 
der Qarte und Quinte, gilt dieser Satz nicht. Fügt man einem jeden 
derselben das gleiche Intervall hinza (zur Quarte die Quarte, zur 
Quinte die Quinte), so bildet die Zusammensetzung keine Symphonie, 
ebensowenig wenn man jedes von ihnen zweimal setzt und dann 
zur Oktave hinzugefügt^ vielmehr wird das aus den genannten l^ym* 
phonieen entstandene Intervall stets ein diaphonisches sein. 

§ 48 ' , . . 



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VIII. Der Ganston and seine TheOe. 



275 



VUL 

Der OaikBton und Mliie TImUa. 

§ 49. Ganzton ist dasjenige Intervall, um welclies die Quinte 
grösser ist als die Quarte. Die Quarte aber umfietöst zwei üanztöne 
und einen halben. 

Von den Theilen. des Ganztones wirdi melodisch verwandt: 

1. die Hälfte des Ganztones, genannt Halbton; 

2. der dritte Theil des Ganstones, genannt kleinste chroma* • 

tische Diesis ; 

3. der vierte Tlieil des Ganztones, genannt kleinste enharmo- 

nische Diesig. 

Ein kleineres Intervall als dieses letztere wird melodisch nicht 
Terwieaidt 

Wir dürfen hier zuerst nun gerade dies nicht unbemerkt lassen, 
dass viele bereits den Irrthum begangen haben, anzunehmen, als 

ob wir den Satz aufstellten, das Ganzton-Intervall werde in der 
Weise gesungen, tlasn es vermittels der Sainme in drei oder vier 
glf'iclie Tluäle getheilt werde. Sie liabun sich dies deshalb zu Schul- 
den kommen lassen, weil sie nicht einssehen, dass es etwas anderes 
ist, den dritten oder vierten Theü des Ganztones anzugeben und 
das Ganzton-Intervall 80 ZU singen, dass man es in drei (oder vier) 
Theile eintheilt (Das erstore ist möglich, das letztere nicht). 

Sodann ist unsere Ansicht kOrzlich dahin auszusprechen, dass 
es kein kleinstos Intervall giebt^) (wohl aber ein kleinstes, in dem 
man melodisch fortschreitet). 

*) Wie der Sutz dasteht, »treitet er mit „to'jwj sXaTiov oithii |A«ÄcuO(i~at 
^liottjjxa". Daiier uieiue Ergänzung der Ueberliet'eruug. 

IX. 

Der Unterschied der TongescMechter, 

§ 50. Die Unterschiede der Tongeschlecbtor werden wahrge- 
nommen auf einem Tetrachorde wie denijenigen von der Mese bis 
zur Hypate, auf welchem die beiden Grenztöne (Mese und Hjpate) 
unveränderlich sind, während die beiden mittleren (Lichanos und 

18* 



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276 



Axistoxeniis tw«ite Harmoiuk § 51— 53d. 



Parh) i)ate) veränderlich sind, entweder zugleich beide oder nur einer 
von beiden. 

Die BewegnngBrftnme der Licbanoe und Parhjpate. 

§ 51. Da sicli der bewegliche Ton in einem Räume bewegen 
mnsfi. so dürfte wolil lür beide bewegliche Töne ein Bewegimgs- 
raum anzunehmen »ein. 

§ 52. Die höchste Lichanos ist augenscheinlich diejenige, welche 
einen Ganztüll von der Mese entfernt ist: diese bildet nämlich das 
diatonische Geschlic lit. 

Die tiefste Liclianos i>t diejenige, welche ein Intervall von 2W*ei 
Ganztönen (einen Ditonos) von der Alese entfernt ist; dies ist näm- 
lich die enharmonische lachanos. 

§ 53 a, Dass der Abstaml der Parbvpate von der Mese nicht 
kleiner sein ksinn als eine eidiarmoui^che Diesi^. ist klar, denn von 
allen Melodumena ist die enharmouische Diesis das kleinste luter- 
▼all (§ 49). 

Dass aber genanntes Intervall doppelt so gross werden kann (als 
die enhamonische Diesis), müssen wir nachweisen. Sobald nftmlich 
die Ucbaaos in ihrer Vertiefung und die Parhjpate in ihrer Er- 
höhung auf dieselbe Tonstnfe gekommen sind, dann hat der Bewe- 
gungsraum einer jeden augenscheinlich seine Grenze erhalten. So- 
mit ergiebt sich, dass der Beweguugsi'aum der Pai'hypate nicht 
grösser als die kleinste Diesis ist 

§ 5db* (Bier warf nun einer der Zuhörer die Frage auf,) wie 
. es komme, dass wenn irgend eines der nnmittelbar unter der Mese 
liegenden Intervalle, wie gross es auch sei, gesetzt werde, dass dann 

stets der tiefere Ton desselben Lichanos heisse? Denn warum sollen 
— so meinte er — die Mese und die Paramese, die Mese und Hy- 
pati'. kurz zwei sogenannte unbewegliclie Töne stets ein und das- 
selbe Intenail begrenzen, zwischen der Älese und Lichanos dagegen 
bald ein kleineres, bald ein grösseres Jntenall angenommen werden? 
Besser sei es, den Namen der Töne zu ändern, und wenn einmal 
der den Ditonos abgrenzende Ton oder irgend ein anderer den Na- 
men Lichanos erhalten habe, die übrigen sogenannten lichanoi nicht 
mehr Lichanoi zu nennen. Denn Töne, welche yerschiedene Inter- 



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IX. Der Unterschied der Toogeschlechter. 



277 



Talle begrenzten, mttssten auch dem Namen nach verschiedene Töne 
sein. Und ebenso mflssten umgekehrt die Tcrschiedenen Interrall- 

grössen mit verschiedenen, die gleichen lutervallgrössen mit gleichen 
Xamen bezeichnet werden, was jetzt ebenfalls nicht immer geschehe, 
demi der Ton, welcher das über der H)T)ate liegende Halbton-In- 
tervall begrenzt, werde bald Pai^hypate, bald (in der Enharmonik) 
lichanos genannt 

§ 53c. Dem entgen wurde folgendes gesagt: 

Ei-stlich: Die Forderung, dass verschieden benannte Paare von 
Tönen auch verschiedene IntervaUgröasen einschliessen, heisst eine 

gewaltige Neuening imternehmen 

Denn irir sehen» dass die Nete und Mese von der Paranete und 
Idchanos, die Paranete und lichanoe von der Tiefe und Par- 
hypate, und diese wieder von der Faramese und Hypate der Gel- 
tung nach verschieden sind, und eben dieser verschiedenen Geltung 
wegen hat jeder dieser Töne semen eigenen Namen, aber ihnen 
allen liegt als Intervall die Quinte zu Grunde, so dass es nicht 
immer möglich ist, dass sich mit der Verschiedenheit der Töne auch 
eine Verschiedeuheit der Intervallgrösseu verbindet. 

§ 53d. Baas aber auch das Umgekdirte hiervon nicht statt- 
finden kann, Iftsst sich aus folgendem ersehen. 

Zuerst nämlich, wenn wir ttlr jede Vergrössei-ung und Verklei- 
nerung der dem Pvi^uoii an2:ehörenden Intervalle eine eigene Be- 
nenniinjr sucjien wollen, so würden wir, vne leicht zu ersehen ist, 
eine unbegrenzte Zahl von Namen nötliig habin, denn der Bewe- 
gungsraum der Lichanos zerfällt in eine unbegrenzte Zahl von Ab- 
schnitten. 

Femer wenn wir versuchen, das Moment des Gleichen und Un- 
gleichen festzuhalten, werden wir die Aufihssung des Aehnlichen 
und TTn&hnUchen verlieren, dergestallt, dass wir sogar das Wort 
Pyknon nur von einem einzigen Intervalle gehrauchen dfirfen ~- 

ich nenne aber Pyknon, wenn die Stimme die Intervalle desTetra- 

chordes in der Weise folgen lässt. dass die zwei tiefereu t incii klei- 
neren Raum als das dritte l iunehnieu (vgl. § 54) — offenbar auch 
nicht das Wort Harmonie uud Chroma, denn auch diebe sind 
durch einen Beweguugsraum abgegrenzt 



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278 



AjAatoseam sweite Hannonik $ 58^55^ 



Dergleidien aber wfiide dem ländracke, den die sumHche 
Wahmefamiing macht, nicht entsprechen. Diesem Emdracke nftm- 
Hch tms hingebend, sprechen wir von Chroma nnd Enharmonion mit 

Kücksicht auf die Aehiiliclikeit von Erscheinungen, die zu irgend 
einer einzigen Gattung gehören, aber nicht mit Rücksicht auf den 
Umfang irgend eines einzigen Intervalles. Denn in der luteiTall- 
combination, welche wir Pyknon nennen, zeigt sich, einerlei von 
welcher Ausdehnung sie sei, diejenige Affektion der Stimme, welche 
wir durch Pyknon bezeichnen: der Eindruck des Chroma oder einer 
enhaimonischen Biesis, wenn das von uns als enharmonisch oder 
chromatisch bezeichnete Ethos zum Vorschein kommt Unserer 
sinnlichen Wahrnehmung gem&ss kann nämlich jedes Tongeschlecht 
die ihm eigenen Tdne erhöhen oder vertiefen (ohne den ihm eigen- 
thfimlichen Charakter einzubüssen): es bedient sich nicht Einer 
Theiluiig der Tetrachordes, .sondern vieler, sodass es klar ist, duss 
das Tongeschlecht trotz der Aenderung seiner Intervalle dasselbe 
Tongeschlecht bleibt. Denn dadurch, dass die Umfange sich ändern, 
wird es kein anderes, sondern besteht als Tongeschlecht fort; wenn 
es selber aber fortbesteht, so ist es natürlich, dass auch seine Töne 
dieselbe Geltung behalten. 

Daher dttifte man in Wahrheit denjenigen beistimmeni welche 
in der Auffisssung der Ghroai aus einander gehen. Nicht alle nftm- 
Uch stimmen das Chroma und das Enharmonion nach derselben 
Tetrachord-Theilnng, sodass man zweifeln kann, weshalb man den 
Namen Lichanos bei dem hamonischen (Geschlecht ger;ide von der 
ditonischen Liehanos lieber gebrauchen wird als von der nur ein 
klein wenig liülier gestimmten? Denn nach beiderlei Stimmungs- 
arten erscheint es der Emphndung als Enharmonion, beziehungsweise 
als Chroma; die Grössen der Intervalle sind in beiden Fällen nicht 
dieselben, die Gattung der Tetrachorde aber dieselbe. Deshalb 
muss man nothwendig auch die QrenztOne der Intervalle auf die- 
selbe Weise benennen. 

Allgemein gesagt: so lange die Namen der beiden umschliessen« 
den Töne dieselben bleiben nnd der höhere Mese, der tiefere Hypate 
heisst, so lange werden auch die Namen der eingeschlossenen Töne 
dieselben bleiben und der h<»lj( ic von ihnen Lichanos, der tiefere 
Parhypate genannt werden, denn immer iaasi die Empfindung die 



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IX. Der Untmehied der Tongeschlecliter. 



279 



smchen Mese und Hypate befindlichen T5ne als lichanoB und 
Parhypate auf. 

§ 53e. Das Verlangen aher, die gleichen Intervalle mit den- 
selben Namen zu bezeichnen un«! die ungleichen mit anderen, hekai 
gegen die augenscheinlichen Thatsachen ankämpfen. Denn das 
Intervall zwischen Hypate und Parhypate ist dem zwischen Par- 
hypate und lichanos bald gleich, bald ungleich: 

Tgl. die Tafel auf S. 859. 260. 

Dass man aber, wenn die zwei aufeinanderfolgenden Intervalle 

gleich sind, nicht jeden mit Tönen desselben Namens nmschliessen 
kann, falls nicht der mittlere zwei Nuinen haben soll, ist klar. 
Aber auch dann, wenn sie ungleich sind, zeigt sich die Verkehrtheit 
(des Verlangens); denn es ist nicht zulässig, dass während der eine 
der ^amen bleibt, der andere verändert wird, denn die Namen 
sind mit Beziehung auf einander gegeben: wie nämlich der vierte 
von der Mese (die Meae eingerechnet) den ü^amen Hjpate mit Be- 
ziehung auf die Mese hat, so hat auch der auf die Mese folgende 
mit Beziehung auf diese den Namen lichanos. 

Die Tongcschleehter im Einzelnen und die Chroai. 

§ 54. So viel nun sei auf die gemachten Einwendungen er- 
widert 

Pyknou heisse (die Combination der zwei tiefsten Intervalle 
der Tetrachordes) so lange, als auf einem Tetrachurde, dessen Grenz- 
töne eine Quarten-Symphonie bilden, die zwei tiefsten Intervalle 
mit einander combinirt einen Kaum einnehmen, welcher kleiner ist 
als das eine dritte Intervall. 

Die voinehmeten Tetraehordeintheilangen. 

5 55. Pülgende Theilungen eines Tetrachordes, welche nach 
bekannten Intervall-Umfkugen getheiit bind, sind die vornehmsten 
und bekanntesten. 



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280 



Avwtoxeniu sweite Harmonik S 55. 56. 



a. Eiue euharmonische 

Eine der Tbeilungen ist eine enhamonische; es ist diqeiuge, 
bei welcher das Pyknon einen Halbton, das ttbrig bleibende Ihteirall 
einen Bitonos betr9|^ 

e f a. 

b. Drei cbromatiacbe. 

Drei Theilimgen sind chromatascb, die eine dem Ghroma mala* 

kon, die andere dem Chroma hemioliou, die dritte dem Chroma 
toniaiou aDgehörig. 

Theilung eines Chroma malakon ist diejenige, in welcher das 
Pyknon aus zwei kleinsten chromatischen Diesen besteht, das- übrig 
bleibende Intervall aber nach zwei Maasseinheiten gemessen wird, 
i^mlich drei Halbtönen und £iner kleinsten chromatischen Diesis. 

ff 

e f a 

Das Fyknon desselben ist das kleinste unter dem chromatisdien 
Pykna, die Lichanos die tieiste des chromatischen Tongeschlechtes. 

Theilung eines Chroma hemiolion ist diejenige, in welcher 
das Pyknon das anderthalbfache des enharmonischen und jede der 
Diesen das anderthalbfache von einer jeden enharmonischen Diesia ist, 
(das übiig bleibende Intervall des Tetrachordes aber 7 Diesen beträgt) 

* 

e f a 

Dass aber das liemiolische Pyknon grösser ist als das Pyknon des 
(Chroma) makkon, ist leicht einzusehen, denn jenes bleibt um 
eine enharmomsche Diesis, dieses um eine (kleinste) chromatische 
Diesis hinter dem Ganztone zurück. 

Theilung des Chroma toniaion ist diejenige, in welcher das 
I^knon aus zwei Halbttoen besteht, das ttbrig bleibende Intervall 
des Tetrachordes ein Trihemitonion ausmacht. 

c fifi a 

Bis zu dieser Theilung bewegen sich beide Töne, für die weiteren 
bleibt die Parhypate unver&nderiich, denn sie hat ihren Bewegungsnmm 
bereits zu Ende durchlaufen, die Lichanos aber bewegt sich noch um 
eine euharmonische Diesis weiter» so dass das Intervall dem zwischen 

Lichanos und Mese gleich wird (jedes enthält 5 kleinste enharmo- 



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IX. Der Unterschied dei- Tongeaehlechter. 281 

nische Diesen) und mithin bei dieser Theilung kein i^knon mehr 
stattfinden kann. 

c Zwei diatoaiscbe. 

Zugleich mit dem Aufhören des hei den Tetmchordemtheilungen 
bestehenden Pyknon tritt au^h der Beginn des diatonischen Ge- 
schlechtes ein. Es giebt zwei Theilungen desselben, nämlich das 

UiatoJioii lualakuii und das syntonon. 

Theilung eines Diatonon malakon ist diejenige, in welcher 
das Tntervall zwij^clien H}q)ate und Parhypato einen Halbton, das 
der Parh^pate und Lichanos 3 enharmonische Diesen, das zwischen 
lichanos und Mese 5 Diesen umiasst 

* 

e f fis a 

Theilung eines Diatonon syntonon ist diejenige, in welcher 
das Intervall zwischen Hjpate und Farhypate einen Halbton^ jedes 
der bdden ftbrigen einen Gaozton bild^: 

e f g a 

Sechs Lichanoi und vier ParhjpataL 

§ 56. Liclianoi giebt es also sechs, eine enharnidnisciie, 
drei chromatische mit zwei diatonische, so viele Tetrachordtheiluugen 
es giebt 

Die Parhjpatai sind der Zahl nach zwei weniger als Lichanoi, 
denn die Parb^te hemitoniaia wenden wir sowohl für die beiden 
diatonischen Theilungen wie flir die des Chroma toniaion an. Von 
den Tier Parbj'patai ist nun 

die enharmunisclitj i'arliypate der Enharnionik cigentliümlich, 
{die zwei tiefciuMi chroniatischen Parbj'patai sind die eine dem 

Chroma malakon. die andere dem Cliioma hemioliou eigen tliümlich). 
die vierte und höchste X^arh^^ate ist dem Diatonon und Chi'oma 

(toniaion) gemeinsam. 

Die beiden unteren Tetracbord^Intervalle. 

§* 57. Von den Intervallen des Tetrachordes ist das zwischen 
Hjpate und Parhypate entweder gleich gross wie das zwischen 



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282 Aristozenua zweite Harmonik § ö7. 58. 

Parhypate und Lichanos, oder es ist kleiner, aber niemals ist es 

grösser. 

Dass es gleich ist, ersieht man aus der enharmonischen 
TheiluDg : 

und ans den chromatischen 



; 1 




— i- 












— • — 
•f 


»> 


















=£3= 




* 



3 J l>) 

Dass es kleiner ist» ist aus den diatonischen ersichtliclv 




kann aber auch aus den chromatischen erkannt werden, wenn man 
nämlich die Parhypate des Cbroma malakon (oder hemiolion) und 
die Lichanos des Chroma toniaion nimmt: 




denn auch derartige Theilungen des Fyknon zeigen sich als emmelisch. 

Das umgekehrte (dass nämlich die tiefere IntervaUgrösse grösser 
ist als die mittlere) wird dagegen ekmeiich sein, wenn Jemand als 





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IX. Der Unterschied der Tongeaohlechler. 



283 



Farh}'pate die hemitonisciie, als Lichauos die des Chroma malakon 
nehmen wollte: 

oder als Parhypate die des Chroma heiniolion, als Lichanos die des 
Chroma malakon: 




Denn derartige Tlieiluugen zeigen sich als haimomsch unbrauchbar. 



Die beiden oberen Tetrachord-Intervalle. 

§ 58. Das Intervidl zwischen Purliypate und Lichanos ist dem 
zwischen Lichanos und Mese entweder gleich oder in beiderlei 
Beziehung ungleich (sowolil kleinnr wie grösser). 

» 

Gleich ist es demselben in Diatonon qmtonon 



Grösser ist es in allen Übrigen (bisher aufgefilhrten) Theiluugen. 
Kleiner ist es^ wenn man als Lichanos die hOchste diatonische, 

als Parhypate eine von denjenigen anwendet, welche tiefer als die 
hemitoniaia ist: 

mit euharmomscher Parhjpate: 

• 

^ T -I -- 



mit der Parhypate de» Clu-oma malakon: 



mit der Parhypate des Chroma hemiolion: 



3^ 



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284 



Aristoienus zweite Harmonik § öy— 61. 



XL 

lieber die emmelisciia Intervallenfolge auf der äcala 

im Allgemeinen. 

§ 59. Hieranf ist von ATifemanderfolge der Intervalle za 

haiuleln, indem wir zunächst die Art und Weise andeuten, in wel- 
cher die Auieiuandert'olge zu deiiuireu ist 

* * 

m 

§ 60. Kurz sresaijt haben wir der Intorvallenfolge nach der 
natürlichen BeschaHeuheit des Melos iia( hziilorschen, aber nicht so 
wie die Harmoniker im HinbUcke auf die Katapyknosis jene 
Aufc nianderfolge dai*steUen, denn diese sind ja um die Agoge (S.267) 
des Melos unbekümmert, wie aus der Menge der Ton ihnen gesetzten 
Diesen klar ist. Denn durch so viele Diesen hindurch irird Nie- 
mand singen können , vielmehr wird die Stimme nicht einmal drei 
an einander reihen können. 

Offenbar ist es also, dass man die Aufeinanderfolge weder in 
dl n kleinsten, noch in ungleichen, noch immer in gleichen Inter- 
vallen suchen darf, sondern der Natur des Melos folgen muss. 

§ 61. Die genaue Definition der Aufeinaiult ifolge ist nicht 
leicht /Ti £reben. Ix'vor die ZusamTnensctzungt ii di r Intervalle er- 
örtert worden sind. Dass es aber irgend eine Aufeinanderfolge 
giebt, lässt sich auch dem ganz Unkundigen klar machen, wenn man 
ihn etwa folgendcrmaassen darauf hinführt. Man überzeugt sich 
n&mlich leicht» dass es kein Intervall giebt, welches wir beim Singen 
in eine unbegrenzte Zahl zertheilen, vielmehr muss es eine grösste An- 
zahl von Theilen geben, in welche jedes Intervall beim Melodnmenon 
zerfflllt wird. Wenn dieses nun, wie wir behaupten, wahrscheinlich 
oder nothwendig ist, dann ist klar, dass die Töne, welche Tlieile 
der eben gedachten Zahl enthalten, aiü einander folgen. Zu diesen 
Tönen scheinen nun auch diejcnii^en zu gehören, welche wir seit Alters 
zur Anwendung bringen, die ^'ete und Parauete und die übhgeu 
aufeinander folgenden Töne. 



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ZWEITEE HAÜPTTflEIL. 

HARMONISCHE STOICHEIA. 



XI. 

UDsusanunengesetste und susammengesetste Intervalle. 
(DiistemfttiMhe StoicheiA ente Hllfte). 
Vgl. Prooimion § 14. 

Dieser Abächuitt. der laut ikr Inhaltsangabe des Prooiuiioiis zuerst 
fibor die unzusammengeöetzten Intervallf. sodann über die zusammonp^oset^en 
Jiaudeln soll, bildete den ersten (Ut auf die „Eingaiigs-PartieeJi" fol^^endeii Ab- 
schnitte, welche Aiistoxeuus zuäammen als Stoicheia bezeichnet, uud zwar ge- 
hört dieser Abschn. XI uebst Abschu. XII specieU zu den von Aristoxenus in der 
Rhythmik ab diaBtematisehe Sloiebeia dtiiteu Abeclmitten. Yom der 
onaten BÜfte dieses XI. Abeehnittes („unwiwtmmgngesetite Intervalle^) ist unein 
der hnadiehriftiicheii Ueberlieferang dorehao« niehto fiberkommen, — erst T<m 
der sweiten Bllfle („maaininen g e aet gt e Intervalle'*) findet sieh (Iroilieh inneilialb 
des AbflchniiteB XU hinein ventellt) eSaae Partie in den Handschriften. 

SdM» in den den Stoidkeia voranagdienden, nur „in den Umrissen" (luno»' 
(tsTcpov § 38) darstellenden Eingangs-Partien war eijie Uebersicht der Inter\'alle 
gegeben. Abschn. IV § 39: „1. Megethos der Intervalle. 2. S}'mphoni4che 
nnd Diaphonische Intervalle. 3. Unzusammengesetzte luterNullc. 4. Tonp:e- 
schleehter der Intervalle. 5. Rationale und Irrationale IntrmdK I Ji zfiglich der 
„übrigen Classeu der Intervall ' als nicht nothwendig für die gegenwärtige 
Erörterung**, wurde auf den XI. Absch. der Stoicheia verwiesen. Vgl. üben 
S. 183. "Wir wissen also, was dort zu finden wfire, wmn di r>ell»e voll'tändig 
vorläge. ^Vir wollen duü Sachliche dieser Darstellung aiie den »onstigen An- 
gaben des AristoxenuB zu reconstmiren suchen: 

1. Unzusammengesetzte gerade, ungerade und irmtionnle Intervalle. 

2. Unterschied der ^ifiannneugcsetzten von den unzusammengesetzteu 

' ' Intervallen. 
S. Die B^timmung der diaphouischeu durcli die symphonischen Intervalle. 



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286 ^ristoxoaus zweite Hariuuuik § 61. 

1. 

Gerade« uni^era-de und irrationale Intervalle. 

Ein Haoptfoodort fttr die Aiistozeniaclie Intervallen'llieorie iat eine Stelle 
«einer gemisditen TischgesprSelie (flbor die enharmonische Tonaxt) bei Plnttreh 
de mua 88. 39. Hier lemcu ^ Ir drei Arten tou Intervallen kennen; ^ade, 
nngende, irrationale Intervalle. Die beiden ersten bilden «laammfin die rationalen. 

1. Gerade Intervalle (dffmi StfltoTf|jj.«ita) aind aoicbe, welehe ans 8 
oder 4 oder 9, kun ana einer geraden Amahl von enharmoniecben Diesen 
bestehen. 

IL Ungerade Intervalle (lupircd ttoorfnAata) aind „die dritte, ftnfte, 
siebente IntervaUgrOsse, ans je drei oder £faif oder sieben enhannonisehen 
Diesen.'' Das nnr eine einatge enharmonische Diesis enthaltende Intervall wird 

hior von Aristoxenus nicht ausdrücklich als ungerades Intervall anfgefÜhrt. 
Mit der euharmoniBchcn Dieais als einem Bestaadtbeile der enharmonütchen 
Scala hatte er nämlich seine Darstellung begonnen: von den meisten Musikern 

der damaligen Zeit wtirde die enharmonische Senla eben dieser Einen Hiefäis wegen 
verschmäht. Doch dju-ä iliese Eine Die.sisi der Aristoxenischcu 'l'lieorie zufolge 
entschieden unter die uii^^eraden lutoi vallu zu zählen ist, ergieht .sit h aus jenen 
von ihm gebrauchten NunuiK-hituren ,,drittes'S „fflnftes", ,. siebentes*' Intervall, 
denn diese Zählungen haben nur dann einen iSiim, wenn die eidtaiinonüyche 
Diesis als „erstes" Intervall voraosgesetst wird. 



Gerade 


Einfache 


Ungerade 


Intervalle. 


Bationale Intervalle. 


Intervalle. 




erütüJi Mej^etlios (l Die^i.-;} 


c uhiUUjuuischeDieäiä. 


ib initouion 


zweites Megeth. (.2 Die«.) 






drittes Megeth. (8 Dies.) 


SpondeiaamOB» Eklyaia 


Tuuus 


viertem Megeth. (4 Dies.j 






fünftes Megeth. (5 Dies.) 


Ekbole. 


Trihemifonion 


sechstes Megeth. (6 Dies.) 






siebentes Megeth. {1 Dies.) 


sieben Diesen 


Ditonos 


achtes Megeth. (8 Dies.) 





In diesw SeaU der acht Megethe sind alle einfache gerade nnd alle 
einfache ungerade Intervalle enthalten. Wir werden alsbald sehen, dass dies 
aogletch die acht einfachen rationalen Intervalle sind d. L diejenigen 
einfachen Intervalle, deren Grösse sich als ein Multiplum der enhannonisehen 



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1. Oexade, nngerade und imttionale Intervalle. 



287 



Diesis durch eme ganz* , iiügebrochene Zahl (nicht durch eine Bruclizahli aus- 
drücken läsat: die geraden im Diatononund Chroma toniaion und (als grösstes 
Intervall) im Bnharmonion, die ungeraden im EnhanDOnion (ala UeiniBtes 
Intervall), im Diatonon malakon (ala mittlerea und als grOaatea Iniervall) and 
im Chroma hemiolion (als grOBitea Intervall). 

Die IntervaB^Namen filr drei tmd fünf Diesen rind von Aziatides p. 28 
nnd Baetuna p. 11 ftberliefert; von Azistosenna selbst bei Flnt mns. 11. 

m. Irrationale Intervalle (dXoY« StaoT^iAotTa). Diejenigen Musiker 
ans Axistozenus Zeit, wdehe der Anwendmig der Mihaimomiselien DieaSs 
widerstrebten, gründeten diese ihre ()ppowti4m darauf, dass man jenes Intervall 
nicht durch Symphoui«! bestiromen Icttnne. Ariatozenns videdegt den Ein* 
wand damit, dass sie ja sonat mit Vorliebe soldie Scalen anwendeten, wdehe 
angerade und irrationale Litervalle enthalten. Also die irrationalen Intervalle 
haben dies mit den imgeradtm gemein, daas sie sich nicht im Sinne des § 6S £ 
durch symphonische Intervalle bestimmen lassen. Vcrgl. unten. Hier sei zu- 
näcliöt dies g^csagt, daas beide Arten der Intervalle (ungerade uiifl irrationale) 
dem griechisciiiii .Melos ei{]:onthümlich waren: das moderne Melos hat nur 
solche Intervalle im Gebrauch welche, nach der Auffassung des Aristoxenus 
gerade sind. 

Ungerade Intervalle sind die beiden oberen Intervalle im Diatonon malakon 
und ebenso das obere Intervall (7 Diesen enthaltend) im Chroma hemiolion 

n H 7 

Aber die beiden unteren Intervalle des Chroma hemiolion, deren jedes von 
Aristoxenus auf den Umfang von IV« enharmonisehen Diesen angeben wird? 
Diese Intervalle können nicht unfrerade sein, so wenig wie nie gerade sind. 
Niich der in der Stelle bri I'lutareh überlieferten Mittheilnng des Aristo- 
xenus gehören sie zu den irrationalen luti rvallcn. und ebnuMj in den von Aristo- 
xenus als emmelisch angegeben< n 'retra(liMnI-llintlii ilun<:cn nlle diejenigen 
Intervalle, deren Megethos sich nielit ainlrrs :ils durch eiuf Hructizalil auf <lie 
Einheit der enharmonisehen Diesis» zurückführen lässt. Eine Scula der irratio- 
nalen lutervallgrössen, aualog derjenigen der rationalen (S. 286), lässt sich bei 
Aristoxenus nicht mehr nadiweisen> Dieselbe würde mit der kleinsten chroma- 
tischen Diesis (= 1'/« enhaimonische Diesis) als dem kleinsten inrationalen 
Intervalle beginnen und mit dem irrationalen IntervaUe von 7Vt enharmontBcfaen 
Diesen als dem grttssesten abschtiessen. 



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288 



Aristüxenns zweite Harmouik § 61. 



im Chroma 
hemiolion. 



Einfache 
irrationale Intervalle. 



im Chroma 
malakon. 



I enie« MegethoB (I4 Diens) 



ab kleinstes Intenrall 



als kitiinstes Intervall 



zweites Megetlios (1^ Diesis) 



drittes Mythos (7^ Diesen) 



als grösstes Intervall 



Dies alles hat sich snnidist ans der Stelle des Plataich ergeben. Ft^en 
wir demsdben noch hinsn, dass Aristozenus alle in Rede stehenden IntervaH- 
groSBCn, die geraden , die ungeraden und die irrationalen als „emmelieche 
Interrallc" oder „Mclodumeua'' beaddmet Damit sagt er, dass alle jene 
InterraUe im Melos der Griechen Twwendet werden konnten und praktisch 
verwendet wurden: nicht blos die „geraden*^, von denen auch das moderne 
Melos Anwendung macht, sondern auch die „ungeraden" und die ..irrationalen*', 
welche beiderseits unserem modernen Melos durdb^us l^emd sind. 

Nun redet aber Aristoxenos ausser von den „Melodumcna** auch noch 
IV. von Intervallgrössen, welche er Amelodeta nennt. Diese lutervall- 
grössen kommen praktisch im Melos der Griechen nicht vor, sind nichts als 
ideelle Intervaliwerthe, welche den Tlicorctikem dazu dienen, die irrationalen 
Intervalle auf die rationah ii 1 geraden oder ungornd'-uj zurückzuführt n. Ein 
solches Amelodetüu ict das Dodekatemorioii, welcheö wir in der ersteu Hann. 
§ 55 c kennen gelernt haben. Dies ist der zwölfte Theil des Ganztou- 
Intervalles. Der kleinste Thcil des Ganzton-Iutervalles, welcher als Melodu- 
menon in der prakttsdivi Musik der Griechen vorkam^ ist nach § 49 der vierte 
Theü des Ganstons, genannt die enharmonische Diesis. Jenes DoddEatemoiioii 
oder Zwölftel des Ganztones ist nach Aristoxenns dn in der Praxis der Musik 
nidit vorkommendes &itervall; siberder Theoretiker hat es nSthig ansnnehmen, 
wenn er die kleinste chromatische Diesis (das Drittel des Ganstones) auf die 
allen geraden and ungeraden IntervaUgrOssen m Grunde liegende Euaheit der 
enharnionischen Diens znrfickHlhrcn wilL Eben die Brfiche, welche sieh In 
den Zahleubestimmmigcn der irrationalen Intervalle hinter den hier vorkommen- 
den ganzen Zalden finden, eben diese Brüche bezeichnen die lediglich theore- 
tischen Amclodeta. 

In dem Abschn. XI hatte Aristoxenus nach srinem Selbsteitate BhTthm. 

§ 21 ausser von den rationalen und irrationalen Melodumena auch von den 
Amclodeta gesproehen. Jene Stelle der Rhythmik müssen wir der Vollständig- 
keit wegen als ein Fragment der Harmonik hier einschalten. 

„Wie ich in den diastematischen Stoieheia dasjenige als etwas der 
Natur des Melos nach Bestimmbares gefasst habe, was 

erstens ein Melodumena ist, 

xweitens sonen Megethos nadi dadurch «rkennbar, <da8s es ein Multi- 



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1. Gerade, ut^erade und inratiottale latervaUe. 



289 



plum tks kiciuhtcn lutiirvalles der Mrlodunn n:i i.->t. > wie die sym- 
phonischen Intervalle und der (Jauztoii oder ;illes thimit MesBbaic, 

da,L^("fj;*'ii dasjcjiifre als etwas Mu.s den Zahlciiyrrhältiiisscn naoli Uf- 
stiinmbareti, l>ci welch(Mii es der Fall i^t. da.^s> es {um) ein Ameludetou 
(kleiner (»der grösser als ein der Natur des Melos nach bestimmbares 
Intervall) löt, e>u äull ganz uaalug da» Jiatiouale und das Irrationale auch 
in der Rhythmik genommen werden. 

Das eine wird nämlich als etsuis der Natur des lihythmus nach Be- 
stimmbares gcfasst, das andere als etwas nur den Zahlenverhältoissen nach 
BestiHimbttrea. 

Die in der Rhythmik als rational gefasete Zeitgrösse muM dso 
erstens m denjenigen geiiören, welche in der Bhjthmopoeie verkom- 
men, Bweitens ein bestinunbarer Theil des Taktea aein, in weiehem 
aie einen Takttheil bildet; 
dagegen dasjenige, was als etwas bloa den Zahlenverhältnissen 
nach Bestimmbare» gefasst wird, muös man sich analog denken, wie in 
den diastematischeu Stoicheia das Dodekatemorion (Zwölftel) des Ganztons, 
und wenn noch etwas anderes von der Art bei dem Wedisei der Inter- 
valle vorkommt. 

Der Sinn inuss sein: „wie das, was ich in tlon diastematischen Stoicheia 
über da« Dudekatcmoriom de« Ounsstones gesagt habe", nii ht .,\vi«? da.-< Dode- 
katemuriou"^ dcnu ein Amclodeton kann Arist<»xcnus nicht unnnttelbai- mit dinii 
rhythmisch Irrationalen vorgliehcu hüben; deundiiö Aaieludctou kommt ja in der 
Melop(;eie nicht vor, wohl aber das rhythmisch Irrationale in der Rhythmopoeiü. 
Möglich dass aach hier eine kleine handaehrifUiehe Ltteke vgl. oben & 87. 

Dasjenige, was ausser dem Doddcatemorion als Amelodeton voritommt, 
ist das Hektemorion, das Sechstel des Ganstones. 



Noch dn anderes Fragment der Aristozenisehen Harmonik seheinoi wir 
in besitseo, welches dem Absdm. XI angehört, wenn es nicht etwa der dritten 
Harmonik entstammt. Pseodo-Euklid p. 9 Helb: „Rationale Intervalle sind 
solche, deren Grösse sich angeben läset, z. H. Ganz ton. Halbton, IMtonos, Tri- 
tonos. Irrationale Intervalle sind solche, welche um ein Amelode- 
ton grösser oder kleiner als die rationalen sind." Die handschr. Ueber> 
lieferung lautet hier: ;rapaXXciTtoyTa TaüTa ta (le^iJhj i-l -b (jielCo^ ^ im eXoTTov 
aXo^tp Tivl {xeY^öei. Unzweifelhaft ist ä) y^-yto eine aus ciaeXcoßTjTtp cornunpirte 
falsche Lesart. Auch Marq. S. 241 bemerkt den Manj^el ..ilaa.'i zur Bestimmung des 
BegriÖ'es der zu hestimmeude BeerrilF «elber ani,'e\vandt wini . . Ich möchte glau- 
ben, dass die Maa.ss«;inheit der zwoÜ'te, vielleicht der vieruniUwanzigste Theil des 
Ganztoues gewe^st-u ist." Welche „Maasseinheit" Marquard hier im Sinne hat, 
verstehe ieh nicht Meint er, wie es scheint, die „MaasseinheifS nach welcher 
Aristoxenus die Intervallgrösaen bcstinunt, so ist seine Meinung unrichtig. 

ArttloscDua, llallk o. RfaTthmik. 19 



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290 Aristoxenna sweite llanuooik $ 61. 

Dean die AristoxeolBche Maa^itM^iuheit zur Bestimmung der iutervall- 
grOsaen tet die «nhamKiniBcbe Diesis, der Viertelton. Was eine gerade Zahl 
solcher Diesen enthftlt, heisst hei A. gerades Intervall; was eine ungerade 
Ansah! entfallt, heisst ungerades Intervall. Die Summe oder Differenz 
ans ebem rationalem (gmden oder ungeraden) Intervalle und dnem Arne- 
lodeton (Zw4j1ltel- oder 8eduitd des Ganstones) heiast naeh Aiistoxenns ein 
inrationalea btervalL 



2. 

Unterschied der susammengesetsten von den unsa8ammengcseta-> 

ten Intervallen. 

Der Angabe des Prooim. $ 14 sufolge soll der Abschnitt (|ieoo;), den wir 
als den elften sihlen mOssen, suerat von den unsuaammengesetstcn Intervallen, 
dann von den «isammengesetsten reden. Nun, die acht Hcgethe der geraden 
und ongeraden Intervalle von 1 bis 8 Diese», welche wir ans dem EVagmente 
hei Plutarch hieiher gesogen haben, lüeht minder die entsprechenden irratio- 
nalen Megetho von iV'j— T' s Diesen, die wir nach den §§ 49—58 der Har- 
monik jenen sieben M^the hinzufügen musston : alle diese Intervalle sind unzu- 
sammengesetzte und zwar sind damit die sämmtlichen unziisammrn 2'' setzten 
Intervalle aufgezählt. Eine Definition des einfachen Intervall« s <^it l»t das 5. 
Problem des fnlf;;cndpn Absrhuittrs XII, doeh finden wir dort nielii dasjenige, 
was AiLstuxeuub Rliythmlk § 14 au.s seiner Hiirmonik citirt (bei Gelegenheit 
der unzusammcngesctztcii und zu.sammengr>et7:t(Mi Zeiten der Rliyfliiiio|Kieie) ; 
„Ein Analogou tür djis Gesagte kann die l'ragmatie dij, lli iujDbmenou 
„liitfem. Denn auch dort ist dasselbe Megethos im enbarmonischcm Ton- 
j^eschlechle din lasammeegesetstes, im Chroma dn mttuaammengesrtstes; 
„und wiederum im Diatonon ein unsusammengesetstes, im Chroma ein su- 
„sammongesetstes; biswdlen ist dasselbe Mythos sowohl ein nnsuaammon' 
,4feBetsto8 wie ein luflammengesetites, jedoch nidit an derselben Stelle 
,4e8 Syatemes.*' 

Im vierten Probleme des Abseh. Xn ist iwar dne genaue und scharfe 

Definition des uDzusamm(mgesctztcn Intervalle» gegeben, aber nichts weiteres, 
namentlich tindet man dort ni* lit die Heis))i<>Ie imzusammengesetzter und zu- 
sammengesetzter Intervalle, auf weiche Aristoxenus iu jener Stelle der Rytlunik 
reettrrirt Sie k5i\nen nur im Abselm. XI ^'esTandr-ii haben. Wir haben eine 
iiit'M ;iiotation der in der Khjthuiik aus der ilarmooik Abiich. XI citirteu 
Stelle zu j;el)< ii: 

Ein und dicsi-ibe Iiitervallgrösse auf »'in und demecU>cii IMiitzc de.-* Sy- 
steme» kann je auch den vcrscliicdcnen Tonge-sehlechtern ein unzusammenge- 
sctztes und zugleich ein »isammengesctztcs sein: der Halbtoa e f ist in der 
Chromatik dn unanaammengesetstes, In der ßihannonik ein ausammengi-sctstes 
Intervall: ' 



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2. Unterschied d. siunmroengefletsten v. d. uuzasammeDgesetzten Interv. 291 



Euharm. 



iE 



Chroma. 




der GMiztoii e Ab iBt im Diatonoii du oiniMhei, im OhiomA ein wwammen- 
geeetBtes Intemll: 

Cliroma. 



DiatoiKMai. 



1^^ 



Bisweilen aber erecheint in ein und demselben Tougeachlcchte an vt r- 
sehiedenen Stollen des Systemes ein und dasselho Intervall: an der einen als 
unzusammpniresoMes j an der anderen als jsusaiiijiien^a'setztes Intervall, z. R. 
das gerade lutervull vuu l'/-,. Ganzton ist im Chroma zw ibcliuii dem Proslamba- 
nomenos und der Tarhypate hjpaton (Ac) ein zusammengesetztes, oberhalb 
det lichuios liypaton (eis e) ein unznuammei^eeetEtes: 



I I 

I I £ « a 

" K "a 'S a 

Sias 



9 

o " 



I 



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' IK 



t \ h n 

fc)0 scheint Amtozenna in Abachu. XI an praktischen Beispielen klar ge- 
madit zn haben, was ein zusammengesetztes und unzusammenfrcsctztes Inter- 
vall ist, die genaue Definition des unzusammengesetzten Intervalles sich für 
den folgenden Abscluiitt vorbehalt<^nd. um ihre Richtigkeit im Zuaammenliiinj»«! 
der 28 Probleme strikt zu beweisen. Ihx-s Wesentliche derselben, dass es tiir 
den Begrill" des unzusammengesetzt-n und zusammengasetzten Jnierv alles 
nicht sowohl aut' das Mcgctboä, alü vieluielu* auf die daä lutervaü um- 
schllesscudeu Klänge ankomme, dies wird schon der Abschnitt IX deutlich 
genwcht haben, eben In Jener Stelle, auf welche der Yerliuter in eeiner Shyth- 
mik verweist 

16* 



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292 



Amtoxcuus zweite Harmonik § 61. 62. 



3. 

Die Bestimmung der diaphonisclieii darch symphonische Intervalle. 

Vgl. olwu S. 179 flf. 

Ifsn w&de gegen die ^nverl^ong «Uosea hsndschriftlicben BnichatOdces 
in den XI. Abschnitt der zweiten Hannontk einw«iden können, dass dasselbe 
ebenso gat auch in der ersten Uarmonik seinen nrBprOnglbdien Rats gehabt 
lieben kfinne. Im Allgemeinen mflssten wir die Borechtigiing innes soldien 

Einwurfs gegen die tou uns vorgenommene Einordnung de» Fragmentes au- 

g«'ben. Denn wonn es in dem Fragmente heis«t: „Ob in der Eingangspartie 
mit Rfcht iin genommen ist, ila>.H die Quarte '2 fJanztöiie tmd einen Halbton 
beträgt, wird iolgfU(l('rm:ia>.s(>n am f^eiiiiiic-^tcn uiirntsuclit wcnltiU", 8o foljxt 
daraus, dass das Fragment derjenigen Uaniutuik au^'rlHin n nmss, in deren 
Eing}ings]>artie jene vorläufige OrösRonangabc der Quarte sii li findet. Diese 
liudct sich nun sowohl in der er-tcu Harmonik (§ ä4) wie iu der zweiten (§ 41>). 
Die Uebcreinstimmung des sprachlichen Ausdrucks in der Stelle des Frag- 
mentes §66: „-«'^TEpov fjö^ibi iv dpj^^Q (»nÖKCitat t6 (id Tsoadpaiv S6o t<tv«»v ««l 
ijjpimoi «oid tdvSs t&v tpöita'v l^stdscuv d(v -nc dxpt[i£sTaTa mit der ersten Har- 
monik S 54 f,1h (liv OQV (td tModp<ov rgAmi iCstaotlov cltc (icxpsltai .... 
und „dt« 5patvo(*i>NM» V bui'iw l&o xd^Mov «al -j^iJiCacQC &icQ«eU6w toQto av elvw 
■ci fiti^K^oc" würde uns bewegen, das Fragment der ersten Harmonik snsawinseti, 
wenn nicht die tiberheferte Stelle des fVsgmwtes swischen den Problemen der 
sweitcn Harmonik eben auf das zweite T^u■h lünwiese. DieUob( icinstimmung 
des sprachlichen Ausdrucks v<Tdient registrirt zu werden, aber >ie ist keine 
derartige, dass sie uns nöthigen könnte, das Fragment aus dem Buche H, in 
welchem es sich vorfimlet, in da*' Irlich A zn trnnspoinren. Ui^brigens wird 
in der ersten Hurmonik di r Ahselin. XI v<>ii di-mselben Ahsi hn. XI der zweiten 
Harmonik sachlicli nicht verseliii iii n gewesen sein, wie aiicli bei den übrigen 
einander entsprechenden Abschnitten die Verschiedenheit nur gering isL 

Es ist intereSBant gonug, dass Aristoxonus, der prophetische Gewährsmann 
fOr die gleichschwebende Temperatnr unserer Glavii^-Munk, auch bereits im 
Voraus das Wesentlichste des Verfshrens kennt, durch welches die reine 
Stimmung unseres Chivieres vom Stimmer hcfgcstellt inrd. Derselbe stimmt 
nfimlich na<^ Quintcn^Intervallen. Genau dies Letztere ist es, was Axistoze^ 
nus „das Nehmen der luterralle durch die Quinten-Symphonie" nennt Frei- 
lich liegt es dem Aristoxcims ohi-nso nahe, die Intervalle durch die Quarten- 
Symphonie zu nehmen: deu Griechen war in dieser Beziehung die Quarte der 
Quinte Töllig coordinirL 



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3. Die Bestunmiuig der diapbonischen durch «{ympbonuche InterraUe. 298 

Problemata ubor die Lepsis dia Symphouias. 

Nur bei solchen nuammeogeBetxteii IntervaUea kann die in den fo%en> 
den drei Problemen beeehriebene X^epeie dia Symphonias stattfinden, wekhe in 
die Klasse der geraden gehörou (ihrem Mythos nach auf die Einheit des 
Halbtones xurfleksufthren sind), nicht bei den ungeraden und den irrationalcu 
Intervalleu. Daa wissen im aus dem Fragmente der Anstoxenischen Tiach- 
reden bei Phit. de mus. 

Da in unserem Abschnitte XI von cr<Tad» ri uiigenulen und irrationalen 
Inten'allen «iie Hfciie ist, so sollte man deukeu, Ari^toxenus würd"' jene für 
den Unterschied der drei Intervall-KIa.«;^en so wichtige Thatsachen hier nicht 
verschwiegen haben. Vielleidit ging dem § 62 die betreffende Angabe voraus, 

Da ouser Abscbn. XI nidit mdir den „Eingangsabschnitten," sondern 
beretts den ,,Btoicheia" angehört, so darf es nicht befremden, daas hier AriatO' 
zenua nicht minder wie im Abachn. XII die Daiateilitngafonn der Problemata 
wühlt Denn Problemato haben wir yor nne nicht minder wie f obwohl 
Ariatozeniia den Aoadmek Pkoblemafa an nnaerer Stelle nicht gehraneht hat 
In der dritten Harmonik | 31 erUirt er die Dantetlnng nach Problemata filr 
etwaa, welcbea „t$ mpl xd OTOt^cf« v^-j^aenit^" ankommt VgL unten. 

§ 02. Da von den lutervallgrössen die symphonischen; ausser 
Ytenn die Grössen begrenzt siud,*^) überhaupt nicht oder doch nur 
in sehr untergeordneter Weise in Betracht kommeii, da sich dies 
aber bei den diaphonischen anders verhält- und aus diesem Grunde 
die Aisthesis viel mehr auf die symphonischen als auf die diapho- 
nischen Grössen sich .verlSsst, so wird es am siebersten sein, das dia- 
phoiiiäclie Intervall durch die S^Tnplioiiie zu bestimmen. 

*) *AXX* *ev fu^iftct ftptcr« haben die Handschriften, » «XX* ^ tt i&rffV« I». 
emendfart Marquard; ausserdem ist t*rfibn atatt pififilkt au leaen; denn bei 
lACftftdv TÖl [iteYiBei Aptctat wSrde der Dativ (UYiSti fiberflfiasig sein, der 
hergestellte Nominativ hley^^^ aber nicht, dc^nn mit ihm wtfrde nach der ziem- 
lich langen £inschicbüng daa Subject xäv otacnjfkamxAv (leYedAv td (liv wieder 
aufgenommen srin. Dem Wortklange nach war ja zwischen ntfi^r^ nnd 
(xcy^Het kt'iii Unterschied. Aussi rdtm Imbfn wird ■i^ zavxeX&c äxapiai'iv xtva 
vor TÖ;tov gesetzt, wnhin t s der Deutlichkeit wegen gehört. I);i.s Wort -'Jroc 
gebraucht Arlstoxenufl 1. von der Tonstufe, auf welcher die Stinunf bi im Auf- 
und Abwärtsgehen anhält, um einen f^MffOi zur Erscheinung koiauica zu 
lassen: dies kann hier nicht gemeint sein, da hier der B<^riff der Toustufe 
achon durch ixe^eDo; ausgedruckt iat. 2. Yen der Stimmlage, der Stimmregion: ezato 
Hannonik § 21. 22. In dieser Bedentung kann daa Wort an nnaerer Stelle 
noch viel weniger genommen adn. So bldbt S. nur die allgemdne Bedeutung 
dea Wortes: Funkt der Besprechung, Thenia, Sto£ Ea iat daa Oeaammt-llfop 



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294 



.Anstoxemis swdte Hannonik § 62—66. 



terial der Harmonik gemeint: „da die qrmpluiiiiadien IntorvallgrSasen, warnet 
wenn die Grössen begrenzt sind, nur in ganz untergeordneter WeiBe eine Stelle 
in der Thcorio habf^n können", Marq. S. 171 ,,dir oiajTTjfi.'XTty.a «Ac-fiDv, haben 
überhaupt uulit Platz, (sie können überhaupt in der Mu.^ik uiihf vorknnimoii,) 
ausser wenn sie dem Umfange nach begrenzt sind, S. 81. „<la die coiisonirenden 
imr dann statt m finden scheinen." Ruelle p. 86 übersetzt (die liedeuftnifc No. 1 
annehmend): „Kn cu qui couceiuc lea grandeurs di:ü intervalles, cuiuinc d'unc 
part Celles des cousonances nc paraisscnt pas avoir de liou pour sc mouvoir" mit 
Note „le mot tiSiioc aignifie «n eet endroit, ri space oä peut ae mooT<Hr 
ttn «» sneceptible de d^plaeement'^ 0» ZumtB ^ «nvceXAc daaptativ tiva 
«6« f x«v ftoxcT i^iEov widerstrebt der Bedeutung Heu pour se mouyoir*' auf 
das entsctuedenete. 



§ 63. Wenn man nun zu einem gegebenen Tone nach der 
Tiefe zu Termittels des symphonischen InterraUes der Quinte und 
Quarte das diaphomscfae Intervall z. B. die grosse Unter-Terz nehmen 
soll oder ein anderes der durch Quinte und Quarte zu bestimmenden 
Intervalle, so nimmt man 1. von dem Tone die Ober-Quarte (Itcl 
TO o^u TO ovi -saoapwv), 2. diuni die Uiittn -Quinte, 3. dann wieder- 
um die Ober-Quarte, 4. dann die Unter-Quinte: 



und auf diese Weise ivird man Ton dem gegebenen Tone die grosse 
Unterterz genommen haben. 



§ 64. Soll man aber umgekehrt die grosse Ober-Teiz nehmen, 
so nimmt man die jedesmalige Quarte' und Quinte in der Umkehrung, 
nämlich 1. die Unter- Quai te, 2. die Ober-Quinte, 3. die Unter-Quarte, 

4. die Ober-Quinte. 



1. Problem: 




1. a h c d 1 

2. gahc dj^ 
S. gahc 1 
i. £ g a h c J ^ - 




2. Problem: 



4. 



3. 



t. 



'cf g a 

-^[ef ^ ah 

"fis a h < 

> \ßa g u Ii eis 



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3. Die Ueatimmuug der di&phuniächcu durch symphonische Intervalle. 295 

3. Problem: 

§ 65. Es ist aber auch der Fall, dnss wmn von cinoni sym- 
phoiiiscbeii Iiiter>'alle (las diaphoiiische durch Hymphonie hiiiweg- 
genommen wird, dass dann auch der Best ein durch Symphonie 
genommenes Intervall ist. Nimmt man nämlich die grosse Terz 
▼on der Quarte durch Symphonie hinweg, so ist doch klar, dass die 
Klänge, welche diejenige Differenz umfassen, um welche die Quarte 
grösser als die grosse Terz ist, durch Symphonie bestimmt sein 
werden. Denn die Qrenztdne der Quarte sind symphonisch; von 
dem höheren dieser beiden Grenztönc aber wird ein symphonisches 
Intervall nämlich die Ober-Quarti^ gi iiommen, von dieser ein anderes, 
die I iiter-QuiTitc: dann wiederum die Ober-Quarte niid vo!i dieser die 
Unter-Quinte. JJann triftt diese letztt' r» Symphonie mit dem höheren 
der beiden Grenztöne zusammen: und so ist es klar, dass wenn von 
einem symphonischen Intervalle durcli S}Tnphouie ein diaphonisches 
fortgenoxnmen ist, auch der Rest ein durch Symphonie bestimmtes 
Intervall sein wird. 

Marquard S. 341 : „Diese Anseinandcrsctzung bedarf nur eines Bei- 
„spiol,«»: wtMin von einor Symphonie z. B. der (Quarte d, nach der Tiefe die 
..fjrosse 'lerü d— b durch Symjrhoaic weggenüiiimeu iat, bo soll auch der Rest, 
„b — a, durch Symphonie penoinmeu sein. Die Klange a und d nUmlich ab 
„GrenskUiDge der i^oart^ siiid natürlich symphonisch. Von d aus wird die 
,Oberqiuurte genommen g, von dIeMm die Untetqninte e", von diesem wieder 

„die Oberqnarte Tand von diesem noehmals die Unterquinte b: ao iBt b der 

„gesochtc Ton, d. h. b— a das durch Spnphonie gefundene Intervall, um wel- 
ches die Quarte grosser als die groeae Ters ist'* 

Ob die Quarte 8V< G^anztSne entbilt? 

§ 66. Ob aber der in den Kingangsabschnitten (§ 49) vorläufig 
angestellte Grundsatz riclitig ist,^) dass das Quarten-Intervall zwei 
Gauztöne und einen Halbton enthält^ Vrird man am sichersten auf 
folgende Weise prüfen können. 

Wir haben mit den Worten t& ^id tsesrfp«^ eine Umstellnng vomcbmon 
mflssen: y^dittfwiTat h dpy-^ t6 Sid Teaodpc9<4 $6o t<$vu)v xaV statt der tlberli«fer- 
ten „bie^witat ti &td Tcoedpotv iv dpxf ^ tiwv «al i^** 



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296 



Ariatozenoi zwtS^ Hamonik f 67—69. 



§ 67. Man nelime die Qaarte und neben jedem ihrer beiden 
OrenztSne trenne man eine grosse Terz durch Symphonie ab. Offen- 
bar sind dann auch die Differenzen gleich, da ja Gleiches von 

(ileichem abgezogen ist. Hi< iuul nehme man zu dem tielVieu 
Grundtone d« r hühcren cn tKseii Terz eine Oberquaitc und zu dem 
höheren (rreiiztoue der tieferen grossen Terz nehme man eine 
Unter-Quarte. Es leuchtet ein, dass das neben jedem der beiden 
Grenztöne entstehende System aus zwei aufeinander folgenden Diffe- 
renzen mid nicht aus einer bestehen wird, zwei Differenzen, welche 
notbwendig gleich sind wegen des oben Gesagten. 

^ 68. Nachdem dies geschehen, bringe nuiii die iiiissersten der 
abgegrenzten Töne vor die sinnliciie Wahrnehmung: wenn sie sich 
als diaphonische ergeben, so besteht das Quarten-Iiitenall offenbar 
nicht aus 2V| Ganztönen, bilden sie aber die i^uintensymphonie, so 
leuchtet ein, dasa die Quarte aus 27« Ganztönen besteht Der 
tiefste nämlich der gefundenen Töne wurde mit dem höheren Ganz- 
tone der tieferen grossen Terz in der Quarte gestimmt, der höchste 
der gefundenen Klange aber bildete mit dem tiefsten eine Quinton- 
Symphonie, sodass, d:i die I »iflVreuz vom L'mfuiige eines (ijiiiztones 
ist und in gleiche Tlieile getheilt ist, deren jeder ein IIiil])t(m und 
die Difierenz ist, um welche diu Quarte gi'össer als die gros^ic Terz 
ist, offenbar die Quarte aus fünf üaihtönen besteht. 

§ 0)9. Dass aber die beiden Grenztöne des gefundenen Systems 
kein anderes symphonisches Intervall als die Quinte bilden werden, 
ist leicht einzusehen. Zuerst ist nämhch zu beachten, dass sie nicht 
die Quaiten-Symphonie bilden wcjrden, da ja neben der anfangs an- 
genommenen < Muirte auf jeder Seite die Differenz liegt. Sodann ist 
zu zeigen, dass sie unmöglich eine Octav^-Symphonie bilden können; 
der aus den Differenzen entstandene IJm&ng nämlich ist Ideiner 
als die grosse Terz, denn die Quarte fiberragt die grosse Terz um 
weniger als einen Ganzton. Kun aber wird Ton Allen zugegeben, 
• die Quarte sei zwar grösser als zwei, aber kleiner als drei Ganz- 
töne, sodass der ganze Zusatz zur Quarte kleinn- ist al*^ die Quinte. 
Augen^eheiidich also wird das aus ihnen Zusammengesetzte nicht 
den Umfang einer Oetave haben. Bilden aber die Grenztöne eine 
SyDiphonie, welche grösser als die Quarte, kleiner als die Octave 



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8. Die BeatinuDUi^ der diaphonischen durch ffjrmphonische Intervalle, 297 

ist, 80 werden sie iiothwendig in der Quinte sympbonireii. Denn 
die Quinte ist das einzige sympLoniscbc lntei*vall zwischen der Quarte 
und der Octaye. 

Ifarquard S. 841. „Um danuthun» dass di« Quarte a— d 2Vt Ton im 
^Umfivng hat^ wird von jedem der GrenzktiUige ans von deiMiben eine groaee 
„Ten abgenommen» also a— ds und d- b; da Gleiehea von Gleichem we^- 
„nommen ist, so mfisseii die Reste auch gleich sein, d. h. d— cissa— b. Von 

„b auB wird nun eine Quarte nach oben genommen b—dis und von eis eine 
„Quarte nach unten eis— gis. Wenn nun gia— dia dem Gehör als eine Quinte 
,,<'r«ch«'int, so ist klar, dass (lic Quart«' 2' , Ton im Umfanp^ hat D«'r Klang 
,,gi.s iiiunlich wtirdr in der Quarte mit eis gestimmt, der liot-lt-t«- Klang aber 
„(Hh stiiniut (Bo wurde vorausgesetzt) mit gis in der Quinte, sudjiss die Differenz 
.,cis~-dirf ein Onii/ton und in zwi^i gleiche Theilc gctheilt ist, von welcher 
,Jeder ein Halbton und die Differenz ist, um welche die Quarte die grosse 
„Terz (den Zwcitou) übertrifft Also enthöjt die Quarte fünf Halbtöne = 2'/, 
„Ton. Es wird nun noeh bewksen, dass jene beiden ftussenten Klfinge in 
„einer anderen Consonaans als der Quinte nidit symphoniren können. Die Sym» 
„phonie der Quarte kdnnen sie nicht bilden, da >u beiden Seiten der or^nting- 
„liehen Quarte noch die beiden Differennntervalle gis— a und d— dis liegen; 
„die der Octave auch nicht» wdl die Quarte um weniger ahi einen Ganxton grösser 
,4st als die grosse Ter/. Da nun aber allgemein angestanden wird, dass die Quarte 
f^pönet als zwei, aber kleiner als drei Oanztöne ist, so kann das Intervall, 
„welches zur Quarte hinzukommt, nicht eine Quinte sein, die Suininc daraus 
„also auch nicht die Octave. Zwischen der Quart«' und Octave licijt id)cr Jinr 
„die Syn)]ih(uiie der (Quinte, folglich müssen jene Klänge diese bilden, wenn 
,ysie überhaupt irgend eine bilden suUeu." 



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xn. 

Die emmelischeii Zusammensetzungen der Intervalle. 
(Diastematische Stoichcia zweite Hälfte). 
Vgl Prooim. i 15. 16. 

§ If). .,\Vonn wir uns hIht mit den zusiiinmcngesetzton liit< i\ allen 
,.liofas8oii, öo müssen wir, da diese aii;_^It icli Systeme sind, auch üljt r die 
„Zusammensetzuiig der uuzusauiuiengeHei/^ittn Intervalle zu bandeln im 
„Staude sein." 

$ 16. „Die meisten Hamoniker nun haben nicht ^nmal eingesehen, 
„data ee nolliweiidig ist, dieser Znaammeiifletning naduBuforaehen, wie 
f^am den firfiheren Yorleaungen klar geworden iat Von den Eratokleem 
,M vmt dies bemerkt wordwi, daas neb das Meies von der Quarte ana 
,,aufwirta und abwfirto, nach der Höbe nnd nach der Tiefe hin, an emem 
„awiefadiw Melos theilt, ohne an bestimmen, ob dies von jeder Quarte 
und we.shalb es der Fall ist. Bei den übngen Intervallen hat er 
„nicht daran ^daebt zu untersueben, auf welche Weise das eine ziun 
.,andcm gesetzt werde, aucb nicbt, ob eine feste Norm bestebt, nach 
,,wolp}ier ein je<les Ijitorvall zum andern büizuf^eftigt wird, und ob aus 
„ihnen auf die eine Weise Systeme gebildet werden können, auf die 
„andere nicbt, oder aber ob dict? imbostinimbar ist. Denn über uiclits 
„von diesem allen ist eine Kn)i t''nuig weder mit noch olme Xachweiö g«'- 
j^egeben worden. Und obwohl in der Zusammensetzung des Melos eine 
„bcwundeningawürdige Ordnung besteht, so fehlt es nichtsdestoweniger 
„nicht an Bolchen, welche durch Ae bisherigen Darsteller unserer Dts* 
„dplin veranlasst, der Musik eine sehr grosse Unordnung bdmeasen. 
„Und doeh nigt nichts anderes in der wahrnehmbaren Suinenwelt eine 
„so grosse und so wunderbare Ordnung. Unsere Darstellung wird das 
„aeigen.'* 

Mit diesen unseren Abschnitt XII ankündigenden Worten des Prooimions 
haben whr das, was Arisloxeuus i 48 gesagt hat, m Zusammenhang an bringen: 



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SJl, Die emmeHsehen Znaammenaetguiigen der Intervalle. 



299 



,,Eti ist nicht genug, (lass das Mcloä hermosmenon aus IntervaUen 
,,und Tönen bestehe, vielmehr muss noch eine bestimmte und keinca- 
„wegs willkllrGche Art der Ziuammeiifleteuiig der Interrelle und T^e 
,,sa einander himnikommen; denn aus Intervallen und T<iiien au be- 
istehen ist etwaa, vrddies aueh in dem nnhannoiiiadiea Meies vec^ 
„konunt I>em]}aeii ist als der bedeutendste Abscfanitt, der für den ge- 
nsetmtlBs^en Bestand des ranailralisehen Ildes gewissenuaaiwen den 
„Schwerpunkt bildet, deijedige aauosehen, welcher die Eägauurti|^eit 
„in der Aofeinandeilv^ge der Intervalle bdbandelf 

Die Reihe der Tfine, welche die Natur, aunächst die moaschliche Stimme 
hervorbringt, ist eine unendliehe. Der angeborene Kunstsinn des Menschen 

verbindet sie au woUgefiUligen Melodieen. Wie steht es mm mit dem von 
der Kunst benutzten Tonmateria]«' y Kann ein jeder Ton der unendlichen 
Beihc nach Willkür zur Melodie herbeij^^czogen werden? Oder isf es aus dieser 
unendliclicn Kt Uie eine beschränkte Anzahl von Tönen, aus denen der Künstler 
im einzelnen Falle eine McUidie bildet? Dfifif? die Tonreibo hozfJirUcb des 
höchsten und tiefsten Tones eine beprcnzte i.-^t, li:it Aristoxeuua schon im AV)- 
^ehuitt III erörtert. Aber ist innerlinlh dieser rjrenzeii die Wahl der fiir 
eine Melodie passenden Töne eine wiUkiuiiclu'? Las.sen sich alle verwenden 
oder hängt die Wahl von gewi^eu Beschrtiukuugeu d. i. (teaetzen abV Die 
Vorgänger des Aristosemua in der Theorie des Melos ndmen WillkDr an. So 
beriehtet Aristozenns, und wir haben keinen Qrand daran au zweifeln* Das 
war ,^e grosse Unordnung, die man der Musik bdmass,'' wShrend Aristoxenus 
sagt: ,,Nidits andesos in der wahrnelimbaren Welt zeigt dne so grosse und 
wunderbare Ordnung wie die Musik." 

• Kein geringerer ab Plato ist der eneq;isehe und begeisterte Vertreter 
derselben Ansicht Sem Timaens stellt die Oonstniction der musikalischen 
Scale geradem als die That des göttlichen Denkens dar, an welche rieh die 
gesanunte Ordnung des Kosmos knflpUL Das göttliehe Denken ist naeh ihm 
ein malliematisches: ans der geometrischen,* arithmetischen und harmonischen 
Proportion entwickelt der Demittigos die Oktave, die Quinte und die Quarte 
nach den Verhältnissen 1:2, 2:3, 3:4, Der Sats, welcher dem Plato dabei 
▼orachwebt, ist folgender (veq;L unsere griedi. Hannonik 1867 S. 69-~68): 

Die Gesetamttsaigkcit in den Tonscalen beruht in der Ver- 
bindung mehrerer gleichförmiger Quarten- Systeme, welche 
abwechselnd entweder unmittelbar oder durch Vermittelung 
eines eingeschalteten Qanzton-Intervalles an einander ge- 
fügt sind. 

Quarte C^uarte Quarte Quarte Quarte 

i \ i — \ / « 

hcdefga hedefga hede 
Qanaton Qanston 



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300 



AristoxenuB «weite Uarmonik § 69. 



Dißgen Satz spricht zwar l'lato nicht uiit direkten Worten, vielmehr als 
eine Art von Mysterion «ob, «ber es M; häik Zweifel, dtts er In dMeen mtflie- 
inattechen Angaben enUialten ist Aueh die moderne Welt ericennt den Satx «n. 

Für das Ganiton-Intenrall bleibt Plate die logiaehe oder metapbTriBche 
Entwiekelung ecbnldlg. Der Denioigos leitet das Qanston-Intervall 8 : 9 nieht * 
wie die ^mpbonieehen ana Proportionen ab; soBdem ohne Venrnttelnng, gletcb- 
aam mecbaniechj fögt er es den <^iarten binao. Der Ganiton siebt bier wie 
bindngeschneit, wie ein Dcus ex maehina aus. 

Aristozenus*) ist scharfsinnig genug, den Satz so zu gestalk'n, dnss er 
des Ganztones gar nicht bedarf, sondern bloss mit der Quarte und Quinte 
fertig wird: 

Die emmelisf l'i" Scala ist eine 'Poiiroiho, in wcIcIut jt'dor 
vierte Tow mit dttui vierten in d» r l^uin tc, jeder fünfte Tou 
mit dem fiiuften in der Quinte sy m ji Ii n i 1 1. 

Dieser Satz ist nach Aristoxenus » in unbeweisbares Axiom. Aber mit 
Zugrundelegung difM-s Axiomen (riiicb iiotli ' in ihm analoges von drr Verbin- 
dung der Totrapliordc wirxl als zweites Axiom hinzugcnoinmen"^ ^'rliuLTt e« ihm 
in der That, die Lrugik in den Tonscalcn uachzuweii>eii, aiclit bloa in den dia- 
tonischen Scalen, sondern auch in den der modcmeu Musik fremden, den en- 
hannonischen und chromatischen Scalen. 

Alle Anerkennung dem überraschenden Scharfsinn des Aristoxenus, der von 
den beiden aaf die Quarte und Quinte basirten Axiomen In einer Reibe von 



*) In den t^baltenen Trümmern seiner melueben fksbrilten filbrt Aristo- 
xenns den Plate nur ein elniages Mal an, an Anfang dee Prooimions seiner 
dritten Harmonik, wo von der Flatonischon Vorlesung ,|ictpl TaYotÖoO" berichtet 
winl. Ausserdem scheint Ari8tox<'ntis dt's Plato in der ersten Harmonik Ab- 

Hcbnitt III in (Jer oftenbaron handscbrittlichon Liickf § 3n gedacht zu Imbon, 
wo er über die von Plato im Timaeus .in^^» numniLMim Scalen von drei und 
melu' Oktaven gesprochen zu Ijaben scheint \gl. S. 2'A'.i. Eine Stelle, an welcher 
Ariatoxoitts von der ebeuüdls im Timaeus entwidcelten Scalen*C<mstniction aus 
Oktave, Quinte, Quarte und Ganzton gesprochen haben könnte, will sieb m 
unserem Abschnitte XII nicht finden lassen. Nicht ganz mit Unrecht scheint 
daher Admst in l*rokIu» ( '«iniinfiitarf zu Piatos Timaotis j>. 1!>2 dem Arisfoxonus 
vorzuwerfen, d.i.ss er IMutos iHatonische Seala nnberücksiehtigt jrelnsgcn babc. 
Freilich ist cj* verkehrt, wenn Adrast hierbei Gelegenheit ninunt, den Aristo- 
xenus zu tadeln, dass er sich rühme, zuerst eine andere Seala als die von den 
froheren Theoretikern des Meies alldn und einzig bertteksidttigte cuharmonisehe 
Scala herbeigezogen zu haben. Demi es wäre kaum angegangen , hätte Ari- 
stoxenus sich hierb«!i auf i'Litos Timaeus bemfen wollen. Aber für die in 
}^»'<|f stehende ( 'onstruction der Scala hätte Aristoxenns allerdings IMato die 
geixtlireude Aiierkcininng zr^Uen miipsen. Aneh bei Arisstoxeiaw Lehrer Ari- 
stoteles vermissen wir bei der Besprechung der Platonischen Ideenlebre ^in der 
Metaphysik) ein nnbefisngeneB längehcn auf das, waa Plato gesagt. Aristoteles 
Missbelii^fen an Plate sehetnt sieb aueh auf den Schaler fortgt^idanzt an haben. 



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XU. Die enunelisdien ZuMmmensetniiigeii der latervalle. 



301 



rrublemata, deren eiues aufs strengste ivu.s (icin anderen erwiesen wird, den 
vollständigen Nachweis gicbt, daas die Scala so und nicht anders construirt 
Min mflsBe. Aber wir Modetnen, die wir iiottiweiul% die VonuuMtraqgen 
unserer Mitaik ak Maasstab aimdiinaD mfisaeDy klfaineii vcm diesen acbarfen 
Deduktionen unmtfgKdi befiiedigt sein: wir kdnncn uns darObcr freuen, über 
nicbt dabei warm werden, weil für uns wenigstens die Quarte niekt die Be- 
deutung hat, dass wir dnem auf sk» basirten AacMue ^e so hohe Geltang wie 
Ariatozenus und die alte Musik zu vetstatten vermögeo. Wissen wir doch 
(geradczugeäprochen) nicht einmal, was es auf sich hat, wenn die Alten in 
der Quarte ein syiopiioiiisches lutcryall empfindoiL Das, was wir Consonnanz 
nennen, ist die Qututc ja unmöglich. Um ein Axiom als berechtigt hinzustellen, 
da/u niüssto in aller erster Inptaiiz auch nnf?pr inusikaliachos (Jcfülil ^ciiic Eiu- 
\villij;uii:,' geben. UnH fliese wird für tlic Quarte ft hleii. Diese g^nze Me- 
tliodc der formalen i^«*gik, welche Ansttjxcnuy im «Ifitite des Aristoteles mit 
glüMz* ikIi t Mt i.sterHchaft handhabt, ist für uns nicht l)i \vt'iH<;nd, weil wir die 
als Prämi.säeu geactztcu A.\ii>uie als» »olche nicht gelton lassen mögen, da nun 
einmal unsere wesentlich auf die Harmonie gegründete Musik eine andere als 
die grieclitsehe IbL 

Flippen wir noch hinzu, dass Aristoxenus die von ihm bewiesenen Sätze 
als „rrobk'inata" bezeichnet (z. H. 4 Prob. § T">. R Prob. §78, Prob § dass 
da^^'fgt'ii iler Auödrnck Axiuumta ihm nocli unbekannt ist. Vu iinehr nennt er 
wiiü bei Euklid i^inmixa heisst, „ itpoplXi^piaTa äp/oitv*,. ' Mau vergleiche 
hierüber das I rouiuiifui der dritten Harmonik, in welchem Ari8toxeuu.s (§ 31. 32.) 
seine Methode der Darstellung, die er in den ototj^iia bcfalgt, genau darlegt. 
Den „Kingangsabschnitten" ist die DarsteHun^ nach itpo^>v^(iom fitemd, da de 
die betrefiSenden Punkte bloss im Ümriase geben, dine strikte mathemaliscfae 
BeweisfIBhmng; aber den „Btoidieia" soll gerade diese mathematische Manier 
eigen sein, wie er dritte Harmonik 1 81 «rUärt Da m der awdten Harmonik 
der Abschn. XI hereiis su dem sweiten, mit d«n Namen Stoiehda su beaeicli- 
nenden Hanpttheile gehdrt, so durften wir auch ftr ihn voranssetsen, dass 
er in Problemata geschrieben sei 8. 293. Die Eoklidische Form der Sätae S 68. 68. 
64. 66 lässt daran keinen ZweifoL 

Wie das Verhiitaiss der harmoidsehen Elemente des Aristosenus su den 
geometrischen Elementen des Euklid aoftufiissen ist — die DarstdUnng der 
Problemata adgt dne so durcligreifende Aehnlichkdt, dass Aristoi^nus den 
Euklid gründlich stadirt m haben scheinen kttnnte, wenn wir mcht wflssten, 
dass Euklid der jOngere von beiden ist — , dies ist bereits 8. 165 angedeutet 
Dem sei nodi hmsngefUg^ was die neueste Untersuchung Aber Eoklid, H. Hankel 
anr Geschichte der Mathematik in Alterthnm und Mittelalter 1874 Aber die 
Elemente des MaithftmatikflTiif aqgiebt» 

„Der B^^iiff der Stoixst« ist^ so sn sagen, bistorisdi eMnuden, indmn 
man darunter die Untersudkungen ansammenfiuste, welche bereits von ftUwen 



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302 



Axistoxeuus zweite liarmotiik § 69. 



Geometeni yar Plato iMgonnen, und dann von den Platonikem*) weiter ge- 
fUirt und vollendet waren. 

„Durcli Euklid iöt dann der Begriff der ..EkMüente" für alle Zeit fostjrc- 
stellt worden . . . Man keimt dicso einfache btienge Form <ler Dartstellung, 
welche von wenigen der Anschaaung entnommenen Definitionen und Gnmd- 
sUsen durch strenge Sehlfisae von Stafe na Stufe fortadwcitet. In Bezug «of 
die Beinheit dieses loguchen VerfUirens ist Euklid immer und mit Beeht als 
ein Uassisehes, fast unerreiclibares Huster anerkannt worden und hat früher 
VMlfedi zur Exemplifikation der aogenaanten formalen Logik dienen müssen* 
Wenn man aueh geglaubt hat, dass Euklid diese Form seihst auch allererst 
gesehaffcn habe, so widei-spricht dies, wie wir gesehen haben, der GeschichtOy 
denn wir finden bei Aristoteles die Logik bereits auf (*iner Stufe, welche kaum 
denkbar wäi'e, wenn ihm nicht schon an der Mathematik ein Beispiel für die 
Mnp:lichkeit einer strcnix demonsti'ativcn Wissf'n»chaft vorpcleg'pn hätte. Denn 
aiis.'^cr der Mathematik ist es lüemais einer \Vi?seD.scluil"t <;elnngen, jenen 
(jlmrakter in Wahi Iieit anzunehmen . . . Euklid stand also bezü^^lich der Fni-m 
schon auf den Schultern seiner Vorgänjjer." H. llankcl zur ( Jesi hiciite der 
Mathematik 1874 S. liö-l tl'. „Ks zcig^t sicli die höchst überiiischendu TliaLsache, 
dass das älteste Fragment der griechischen Geometrie (des l'ythagoriker» Hip- 
pokrates aus Chios), welehes 150 Jahre Alter als die Elemente Euklides ist^ 
bereits den durch letstere typisch fixirten Charakter trägt ...» die genaue 
Eritenntniss der Bedingungen eines Theorems, die Strenge der Sehlussfolgerung^ 
die Sieherheit des Besultates» und in allen diesen BeBcdinngen giebt Hippo- 
krates den späteren klassiseheu Geometem idehts nadi.*' EbendaseUbst S. 112. 

Die Daiötelluug des Aristoxeniis iu >^ci)ien g^nz nac h der Art de- Euklid 
gefasst<;n Problemen würde, da er früher -als Euklid geschrieben hat, schun 
für sich aUeiii mit Nothwendigkeit darauf hindeuten, dass man schon vor Eu- 
klid in der diesem eigenen Weise au denken und danmstellen gelernt hatte. 



In diesem ganzen Absclmiltc über di<- i lameiisclien Zusammen sety-ungcn 
der Intervalle findet Marq. S. 387 — .'I8'.i des Gunimentars sechs licdenkcn resp, 
Widersprüche mit der Lehre des Aristoxeuus, welche die Autbenticität dieser 
Parüe im höchsten Qrade fraglieh embsinett lassett. 

*) „Piaton selber, Tjendamas von ThasnR. Theaetetus von Athen, sjctttT 
Neoklides und dessen Sehüler Jj<»ün, der wenig älter ist als Eudoxus von 
Knidos, Archytas Schüler — , dann die eigentlichen Schüler Piatos wie Amjr- 
klas von Heraklea) das BrOderpaar Menaechmns und Dinostratus» Hieudius 
von Honesta, Kysikanns von Athen und etwas i^iäter Hermotimus aus Kolo- 
pbon, Philippus von Mende.** Hankel a. a. 0. S. ISO. 



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■ 



XIL Die emmeliBchen ZueammensetBiiiigeii dex Intervalle. 803 

1. Dad erstt' Boilcukrn betrifft die den Zusnmmeiihan^ unterbrechende 
AusfiiiandersetÄiuig über die Loj)8ii> lüa Syuiphüuias (oben S. 'i'.i'J). Nimmt 
umu mit uns die Vcrlugung eine» Blattea der Handschrift an, bo int Allt's 
in allerbester Ordnung. 

2. Das sweite Bedenkeii findet Ibzqnard daiin, daas statt des abbaaddn- 
den Praesoia plfftzBdi ein enthlendes Tempna eracheinty vgl oben 8. 177. Maiq. 
folgert daraus, dass die „PMe**, in welclier diese Stellen sidi finden, jeden' 
felb nicht ana den Elementen stamme. Unsere Ansidit ist, daas wo Aristo» 
xenns dort das enOUende Tmnpna gebiandit, es tfberall an seiner ridit^en 
Stelle i»t. 

3. Ferner böten erneu Grund zum Verdachte die in der Ueberlicfcrung dem 
Probl. 4 und & eingeräumten Orte. Aristoxenus aber sei nicht Urheber der 
confusen Anordnung^ , vielmohr dor Excerptor, welcher vielleielit aus verHchie- 
deneu Aristoxeni^^cliiMi Quollou die einzelnen Ab«cbintt(' nahm und sie zu- 
öuniinonstollto, wir siL- ihm f,'( rade in die liäade kauieu. „Ich habe daher im 
Texte tlicöelb«'a in die gehörige Ordnung zurückvereetzt." Daas die Anordnung 
in Manj. Texte und nicht die der htindschriftlicheu Ueberlicfcrung die bessere 
ist, halte ich fUr ausgemacht Aber warum kann die Verderbuiss uicht eben 
so got ein Tersehen des Librarina, als dne verkehrle ZaaammensteUang Aii- 
stoxentseher Abadiiütte dnrch Bfarqnards rtttfaselbaflon Excerptor sein? 

4. Sodann mOsse, meint Marqvard, noch eine aweite Stelle dee Textes 
(Problem 8 der yccliegenden Ausgabe) nna bedenklich machen. Aach hier 
glanht Marquard den Text oonigireni auch hier nicht den Absdireiber, sondern 
den Excerptor fttr den fehlerhaften Text verantwortlidi machen m mflssen. 
Unsere Besprechung des betreffenden Problems hat an erSrteniy wer hier die 
Fehler im Texte gemacht hat. Mit Vergnügen werden wir ee oonstatiien, 
wenn es nicht Herr Marquard selber ist, von dem sie herrühren. 

5. Ebenso soll nach Marqnard anf Rechnung des Excerptors za setzen 
seui, was sich in keiner Weise mit d( r Auffassung des Aristoxeuu£ in Ueb<'r- 
cinstimmung »etzen lasse, dma uänilich da.s 10. V^^^lcm erklärte: „im dia- 
tonischen (ieschlechte gicbt es nach oben zu zwei versciiiedenc Nachbar- 
iiiti-rvalle." 

Durch Aenderungen des Textes könne mau aber hier uicht helfen. So 
aagt Bfarqnard. Wir mflssen sagen, dass man durch Aendemng des Textes 
diesem nur schaden kdane; den Text muss man hier so lassen, m er ist 
Denn Aristoxenns beschrankt sidi mit diesem einen Probleme kdneswegs auf 
das diatonische Geschlecht Vielmehr steht von diesem gans und gar 
nichts im Texte, es Ist erst ein dgenmftditigor Zusata Ibniuards, den er (ich 
weis nicht weshalb) gemacht hatr 

6. Noch mehr aber soll den sonsi^en Angaben des Aristoxenus dne 
Stelle widefsprechen (87. FrobL), nach welcher eine Tetrachord^EintfaeOung 

e e g a . 



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304 Aristuxeaus zweite Uanuouik § 69. 

angenommen werden mflase, von der Bonrt weder bd Aristoxenitt noch bei 
irgend dnem seiner Cumpilatoien Irgend täne Spur ni finden aeL Dies soll 
von allen Beweiaen gegen die Aechtheit des Abeehn. Xn der schlagendste sein, 
auf Gmnd dessen mnilchgt constatirt werden mOase, dass diese Sache nicht 
in den ^^ementen" gestanden haben, sondern von dem Exoerptor nur anders 
woher gcuommcn sein kQnne. Der Unverstand des Hxccrptors kdune ancfa 
gans fremde und dem Aristoxonus widm|Mrecbendc Quellen benutzt haben n. s. w. 

Es mag wohl möglich sein, dass Marquard im Augenblicke, wo er dies 
niederschrieb, keine l*ariillclsfelle für die angegebene IVtrachord-Eiiifheilung, 
,Ja nicht einmal eine Spur davuu*' hat finden können. In diesem Augenblicke, 
wo e?< ihm darauf ankam, das Vorliegende a!^^ imari^itoxeni^rli zu inis^ereditiren, 
lag ibui nicbtä au ciucr AristoxcniBcheu i'aralleKtclle. Aber datm er eine 
solche PiirallcLsteUe aus Ainatoxenu» (oder vielmelu zwei derseUM'n» zur Zeit 
der Abfassung seiuer Aristoxeuuä-Aui-giibe gekaimt hat, da^ ätcht über allen 
Zweifel fest Denn p. 36^7 und p. 76,3 seiues Ariatoxeuischen Textes hat er 
selber swei Parallden drucken lassen; er hat sie ins Deutsche flbcrsetst, hat 
sie auaseidem mit einem kritisdien Conunentavo bcgldtet und hat sie & 38d 
des exegcteschen Commentares gans richtig erklärt, wenn er dort sagt: „das 
gemischte Tetrachoid kann demg<*milss nur so geatiount sem 

0 e g a,'* 

womit Bfarqoard m den Aristoxoiischen Worten p. 76,3; „xol ^^p ai Toia&t« 
itMpiwtc tAv fftnwAv i|«.|irsXcTc ^aiMovrot** undp. 38,7: „7(1^**^' T^P 'iM^^ ts- 
Tpdxop9«v i% Kopwtdti)« tt ^poit&atnd)c (ßapuilpat ttvic tfj« i^(&tTOvtaioc> icapu- 

Kd-Tj; xal oiat^voj XiyavoS Ti}5 «ovcovmoiTTj;," die er dem Sinne nach gans 
liclitig herstellt, ehu' ebenfalls gsuu richtige Erklärung gegeben hat, genau 
durch Angabe de}*selb»'n Tetrachordes e e g a, von <letü er im Abschnitte» von 
der emmelischcn Folge der Intervalle in der Saila sagt „es sei sonst bei Ari« 
Btoxeuus auch nicht oiue Öpur davon su finden"' 1 1 ! 



In dem ;ri's:iirimten Ahschn. XII, auf den Aristo.xenus so viel Gewicht 
legt, darf mau nicht neue Aufseh 1 li^^se uIm i da.s Saehliche des Melos 
Sachen (höchstens etwa Bestätigungen dc^. seluMi tViih'r von Ari.«stoxenus 
Vorgetragenen, wie z. Ii. eben der Tetrai li<tid-l"-iutheiluug e e g ai; die ganz*; 
Bedeutung dieses Abschnittes beatelit in der lugischen ik;grüiidung der lutcr- 
vall-Keiheufolgc auf der Scala. 

Doeh müssen trotat des abetrakten Inhaltes die Nachfolger des Aristoxenua 
an dieser sdner Anseinandersetzimg grosses' Interesse genommen haben. Nur 
80 erklArt es nch| dass die 23 Problemata einen Ucberari>citcr gefunden haben, 
dessen Arbdt xum Theil in unserer AristoxenmhHaudschrift eine Stelle erhal- 
ten und «üe genuinen Worte de» Meisters verdrVngt hat Es ist auf dem Wege 
der Randglossen geschehen, die sich endlich in den Text eingedrängt haben. 



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XII. Die cmmciicicbeu Ziusauuueusetzuugeu der luteivalle. 305 



Diese den geoninen AristoxeniW'Text mehifadi entstdlende Umarbeituug 
aeigt eich vom 9. Problem an. Dort werrten wir die VenuilMauiig und die 
Intention der Umarbeitung angeben. Aber es ist die Logik der 28 Piroblemata 
eine so eng und fest in oieh geschlossene, eine so ^ikUdiach-mathematisebe» dass 
es nicht schwer wird zu sagen, was bei Aristoxenus gestanden liaben muss, 
ehe die Zusätze aus ih-v Umarbeitung liinxngefilgt waren. 

Ueber «lie M< tli<Kl«' seiner Erörterung gibt Aristoxenus im Problem 22, 
nadidem er interiiellirt worden, eine Erlüftrung abu 

Zwei Axiome« 

1. Problem (ak erstes Axiom). 

§ 70. Es wird nun der erste und nothwendigste von den 
Punkten, welche sich auf die enuneliscfaen Zusammensetzungen der 

Intervalle beziehen, zu bostinimen sein. 

Wi 1111 mau in einem der drei Tungeschlechter*) durch die auf- 
einaiuler folgenden Scalatöue auf und abwärts geht, einerlei von 
welchem Tone man anlangt, so bildet jedesmul entweder der vierte der 
auf einanderfolgendeuScalatöne mit dem ersten die Quarteu»iymphomey 
oder der fünfte mit dem ersten die Quintensyniphouie, (oder zu- 
gleich mit dem vierten die Quarte, mit dem fünften die Quinte)^^ 
Ein Ton, bei welchem keines von beiden der Fall ist, der gelte als 
ekmelisch in Beziehung zu jedem vierten oder fbnften Ton, mit 
dem er nicht in der Quarte oder Quinte stimmt • 

Man muss ab^r wissen, dass das Gesagte fUr die emmelische 
Zusammeiisetzuiig des Systemes aus Intervallen nicht ausreicht. 
Demi wenn auch die betrelleudcu Klänge die angeg< l)enen Qnarten- 
oder Quinten-Iutervalie bilden, so kann das System trotzdem ekme- 
lisch constmirt sein; doch wenn jenes Srfordemiss nicht stattfindet, 
so bat alles übrige keine Bedeutung mehr. 

Deshalb ist das angegebene als erstes Phncip aufzustellen, bei 
dessen Nichtvorhandensein auch kein Hermosmenon vorhanden seL 

*) -avrl hk Tfivci der libli. moäs heiäsieu 'Ev itavti tii 'fistu 
**) Aus» der ersten H&rmouik zu ergänzen diA'fOTipw;. 

2, 1' r 0 b 1 e m (ulü zweites Axiom). 

§ 71. n« m erörterten ersten Sat/.e analog ist derjenige von 
der Stellung der Tetrachorde zu einander. 

Arlitoienaa, MoUk a. Bhytliaaik* 20 



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d06 



Aristoxemis sweite HanDonik f 71. 



1) entweder mfissen sie xnit einander Bymphoniren dergestalt, 
dass ein jedes Tetrachord mit jedem der Übrigen Tetrachorde irgend 
ein symphomscbes Intervall (entweder die Quinte oder Quarte) 

bildet*); 

2) oder os müssen die (mit einander nicht symplionirendoii) 
Tetracliorde jedes mit ein und demselben (diitten) Tt tracliorde sym- 
phoniren, welches zwischen den beiden in der Mitte liegt — sie 
schliessen sich nämlich nicht aneinander, yielmehr an derselben 
Stelle an das diitte, mit welchem sie symphoniren*^). 

Aber aucb dies ist noch nicht ausreichend, wenn die Xetra- 
chorde ein und desselben Systemes emmeliscb sein sollen; denn 
dazu bedarf es noch einiger anderer weiterhin zu besprechender 
Erfordernisse*^. Doch wenn es nicht der Fall ist, ist alles fibrige 
unnütz. 

*) Die mit 1) bezeichnete üügeuschaft i«t diejenige des diazeuktiscbeu 
Systems, z. B. 

A Hcdefgahcdefga 

Wir setzcu die \ier Sy.stenu', wo1< !h' unten mit dem 'ioiu' II (dtir Hypate 
hypatou) anfangen, über einander, uulem wir dem höchsten die oberste Beihc, 
dem tietüteu <iie unterste anweisen. 

1. Tetrach. hypcr))ol jy ( ^ ^ ^^^ ••'i 

2. Tetrach. diezeugm. ^ |: h c d t | Vlil j 

8. Tetrncli. inesun lyr^'^ß"*] \ ^^^^ 

4. 'J't'tnieh. hypaton ^ H c d e . . . . i 

Dasj 1. 'rt?traeliord sfinnnt mit dem 2. in der TV. (Quarte), und zwar 8". das? 
der erste Ton des 1. mit dem ersten Ton des 2.. der zv^eite l ou des 1. mit 
dorn zweiten 'I nn des 2. eine Quarte bildet. lu analoger Weise stimmt das 
2. mit dem 3. in der Y (Quinte;, das 3. mit dem 4. in der IV ((Quarte), das 1. 
mit dem 8. in der VIII (Octave), das 2. mit dem 4. cbcufaHa in d«r Vni, das 
1. mit dem 4. in der Vtll + IV (CombinaÜon der Oetare und Qiuute). 

**) Um die Stelle rpic t6 au-rO Gj;jLyCüv£iv ini tw a'itq« T(i7:cp ouveyi^ ivra «u 
aj^ifai^^ei exarepov a^~ü)v hat sich Marq. im kritisch. Commcut S. 168 sehr ver- 
dient gemacht» indem er i^gt, dass gerade das Geg^dtitell Ton dem be- 
sagt, was hier erforderlidi sed. Aber ich mOdite nicht seinem Vorsehlage ge> 
mise das bedenkliche Wort streieben, viehnefar eine bandscbxifUiche Leaart 
1^^ (iSi)« ix^fttvtt, dXXV ittl o&t^ TdiMf «w^x^ 4Fyta voraussetzen. 

***) Die mit 2) beieidmete Eigensdiaft ist diejenige des Synemmenon» 
Systems, s. B. 

AHcdef gab cd. 



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XIL Die emmeliscben ZuMUiuueusetzuugen der latervalle. $07 



Setzen wir auch hier die drei Tetrachorde, wie vorher, unter einander: 

VIL 



1. Tetrnch. üvnemmeuon , u b c d . . 

IV 1 

2. Tetrucli. mcson i« e f ff a 

IV f 

3. Tetrach. hypaton H c d e . . . . 



Dm 1. und 3. stehen in keiner Symphonie, sondern in einer Diaphouie, 
denn sie bilden eine kleine VII (Septime): H a, c b, d c, e d. Aber sowohl 
das 1. wie das 3. symphonirt mit dem daswi«chen gesetzten 2. Tetrachorde in 

der IV (Quarte). 

Denken wir nun folgende Tonn-ihe: 

HcdefisgaliciadetiA, 

- ' 

so wird dieselbe den Anforderongen des 2. Ptoblem entsprechen: wir sebreiben 
ancb diese wie die beiden vovansgdiendett Sealen so, dass wir die Tetra* 
cborde Aber einander stellen: 

1. ^ eis d e fis 1 

2. ^ iU g a b I IX. 
S. H c d e J 

Den Anfoidemngen des Sataes 2) stimmt das oberste und unterste Tetrachord, 

die untereinander in der IX diaphoniren, mit dem mittleren Tetrachoi"de in der V 
symphoniren. Dennoch aber ist die vorstehende Scala von H bis fis ekmeÜsch 
(die drei Tetrachorde sind nicht cmmelisch verbunden). 

Wir fragen, worin liept das, dnss die Tetrachorde dennoch nicht emmelisch 
verbunden sind? Diu-t" laau hier antworten: weil etwa.«?. wa>« ebenfalls in df^m 
Satze 2) angt iientft, bei unserer Tunreihe nicht vorhanden sei? Die drei 
Tetrachorde uiuserer zweiten Tonreihe (A bis d) sind in der Synaphe, die drei 
Tetrachorde in der dritten Tom-eihc (H bis fis) sind diazeuktiäch aueiuauder 
gereiht, und eben hierin mus es liegen, dass ihre Aneinanderfügung ekmelisch ist. 

In dem Satze 2) finden wir die Worte: iv tiji auT«]) töt:<]) ouveyf^ fma, 
oj{jL'f <uvel txdtcpov oAtAv. Sie beben den Anschein, als ob sie Uos dies be- 
deuten sollten, dais sidi das obere und untere Tetraebord an das mittlere, mit 
weichem ne i^mpbonir^, in der mrtwf^ anscUiessen sollten. Doch wflrde man 
alsdann iid to5 a&toD f d^^ov xoivotvla;, oder auch ^hl IkI tqQ a6ioi> töidoo 
xotvaivCa; ttwarten, wie es weiterhin heisst: t^nou ti ttw« xMvoml td tAv 
TSTpd/opoa. 

Auch folgende Tonreihe: 

A Uc d ef g ab c des i g 

~ 

ist wie die vorige ehmelisch, aber audi sie entspricht den Anfbrdemngen des 
Problem 2,2) auib genaueste: 



1. , d es f g 

2. ; a b c d 

TV ' 

8. ;;e f g a 

IV I 

4. ''H c d e 



VII. 



20« 



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30Ö Ai'iütuxeuus zweite llaiinuuik § «1. 

Denn die unter sich in derVU diaphonirenden Tetrachorde 1 und 3 M ia^jho- 
niren jedes mit dem daswiMheu stehenden 2. Tetraeborde in der IV, und ebenao 
die unter rieh in der VII diaphoniren^ Tetraehorde 2 und 4 symphoiuren 
jedes mit dem d. Tedadiorde in der IV. Ausserdem findet auch die töiwi» 
x6i<w»v{« Statt; auch kommen hierbei feniei- die .inforderung^n des 1. Problemes 
cu ihrem Rechte. Aber die ganze Tonreibc ist wie ge^Hgt ekuieliscli. Hier 
also wird eintreten, was Aristoxenus zum Schlüsse des Problem 2 sagt: Es 
seien diese Erfordernisj>e nicht au.-reichiiul es bedürfe dazu iioeh einiger anderer 
Erfordernisse. v<m denen im vveiteri n J- uitgange die Rede sein werde. 

Es muä.s Ent'olgi" ilicses «Selb.-'tcitutcs in dem von (1< n S_v>teii;eii h.indeluden 
Abschnitte XII, iiiid zwar in der von Aristoxenus an • im r audeit n Stelle 
eitirten Partie v<jii der zWtliSK der Systeme der Satz cntliaUcn gewei^eu sein, 
das», wenn vier Tetrachorde antinamler gereiht werden, zwischen dum 2. und 3. 
(von der Tiefe an gerecbiwt) oder zwisehw dem 3. und 4. eine Diaieuiia 
bestehen müsse, also 

A H c d e f g a h c d e f g a , 

oder 

A Hc d et'gabcdefga. 



Diesem (s^pöter dargeleirtciO Krfortlernisse trögt die ubige Scala von A bis g 
(auH vier Tetraehfirden mit hiazeuiis nach dem zweiten oder dritten bestehend) 
keine Kechnun;.' imd i»t deühnlb ekmelisch. 

Marfj. S. sncrt mit Bezug auf j«'nen Schln?? des 2. Problems: „Was 
Aristoxeims litdi^'iiis mit den anderen Dingen meint, dt-rcn e3 m^eh für die 
Zugehörigkeil der I'etrutliorde iiu ein»*m System bediirtV. i-t hri dem tiefen 
Scliweigen. welches andere Schriftsteller über di»>t'ii l'uuki beobachten, nicht 
mehr zu errathcn." Wir machen den Anspruch, diese übrigen Erfordemisbe, 
an welche Aristoxenus denkt, aus dem Zusammenhange der Aristoxeniacben 
Oarstdlung mit Hülfe von etwas Combiuation aa%efttnden zu haben. Es ist 
das nun einmal die E^^thflmlichkeit des Aristoxenischen Denkens, welches 
vorwiegend ein logiseh-matbematisehes ist, dass wir unter strengster Festhaltnng 
der von ihm angewandten Methode auf Grund seiner Pribnissen nothwnndig 
zu richtigen Consequeuzen gelangen müssen, aus denen wir Vieles von dem 
in den Handschriften Verlorenen mit Sicherheit ie:^tituireu kciunen. Nur die 
mathematische Methode macht dies möglich, in der Harmonik nicht minder als 
in der Rhythmik, von der wir ja weit mehr echter Aristoxenischer Doctrin 
ber'itzen, als mv~ in den verstümmelten lland.-'chriffen überkommen ist. Bei 
keinem anderen antiken Schriftt»teUer würde dies der Fall üeiu können. 



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XII. Die emmeltscbdii Zusammenaetzungen der Intervalle. 



309 



ZWEITES BUCH, 

Die meisten Il;inil-<lirifr(^n (wie e.s s-heint) gebou uicht die Uebersciirift 
zweites liueli, doii<lein drittes Buch, vgl. S. 170. 

Dasd gerade an dieser SteUe in den Werke des Aristoxenus ein neues 
fiaeh beginnt, daas innerhalb des Absehnittes XII die beiden eisten Ptttble- 
mata noch dem ersten, die folgenden 26 Problemata aber dem sweiten 
Bttebe aqgewieeen sind, dtfrfle vobl, wir gestehen es, ein Bedenken err^n. 
Aber det bandaehrifUiclien Ueberliefenmg «nfolge beginnt nun einmal an dieser 
Stdle dn neues Buch, und wir werden in dieser Beziehung den Anstoxenu? 
wolil nicht nachbessern dflxien. Auch die Harmonik des Ptolemacus bietet die 
nämlichen InconTeniensen. Denn auch hier würde das letzte Capitel des 
ei*steu Buches nach unserem Ermessen mit dem ersten Capitel des zweiten 
Huclip? im mit reu nbareu Zusammenhange zu stehen scheinen. Eben 'la>solbe 
bfint rkrn wir fninT auch bei dor ( Jrenzscheide dos zweiten uikI dritten 
Uiii lit's der Ptokniiiridchen Harmonik, d'-nn »Ii»' Uebortrairuii^' tter iiarui'inik 
Hul' die Astnmoniu'. welcher der Schlussthfil di-r Pt-jlnuari-chen Harjaouik 
gewi<lmet ist, beginnt bereits iin dritten Gaiiitel des driiten ßuihes, während 
dos erste und zweite Capitel desäclben dem Inhalte nach sieh eng an diü$ im 
xwdten Buche Behandelte ansehliessen. So wollen wir auch dem Ariatozenus 
die auffUlende Abtheilung nach Bachem hingehen lassen. In der ersten 
Harmonik des Aristoxcnus gehört der sehr dociroirte Abschnitt XII dem ersten 
Buche» in der zweiten Harmomk würde also nur der Anfang dieses Abdehn. XII 
dem ersten Buche xogemeseu sdn, die ungleich nrnftt^eicliere Fortsetzung 
des Äbschn. XII dagegen dem zweiten Buche. Beiden harmonischen Werken 
des Aristoxcnus wäre also bezüglich ilirer Eintheilung in Büuhcr gemeinsam, 
da.«i8 die Ab.schnitte I bis XI dem ersten Buche angehören, daiss auch 
Ab>ihn. XII in der ersten Harmonik günzlich (wenigstens sämmtliche 
FniL-^niento. weiche davon erhalten 8hid> noch dem ersten Buche angehört, 
in "irni 2. liarnionischcn Werke des Aristuxtims dairegen nur der «'r.ste An- 
fang des Äbschn. XII dem ersten Biu Ite zuircwii'.sm ist, nfiinllcli die b<nden 
Axiome, auf deren Grundlage die i'robleme über die Intervall-Reihenfolge 
bewiesen werden. 

Die Disposition der Probleme Ist nun folgende fvon Aristoxenus reiflich 
geplante, wie dessen Vorbemerkung zu Probl. 14 zeigt): 

1. Zwei i'robieme über Syuuphc und Diu^cuxia. 

3. Probl. Die Tetrachordc sind entweder verbundene oder getrennte. 

4. . Probl. Bios die Theile des Quarten-Tetrachordes sind verKnderlich, 

das Diazenzis-Intervall ist unverllnderUcb. 
II. Erstes Problemen-Paar Aber die einfachen InterTallgrÖssen. 

5. Probl. Das unsosammengeeetEte InterraU ist von zwei aufoinander 
folgenden KliLngen der Scala umselüossen. 



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310 Aiistoxcuus zweite Hai'monik. § 72. 

6. In jedem Toog««(hleelite giebl es h()cfa«teiu so viel uninwmninCTgeBettte 
Intervallgrtfssen wie in dem Quinten^Pentachofde. 

Iii. Siebeu l'robleine über die A iifeiuauderfolge gleicher luter- 
vallgrdasen. 

7. FtoUL Auf du Fyknon kann nicht wieder ein Pyknon folgen. 

8. ProbL Der üefere OrenaUang des Ditonoa-LutexTallea ist identisch 
mit dem hdchaten des Fyknoni der liAere mit dem Hüsten Grens- 
lüange des Pyknon. 

9. PMbL Der hShere GxeniUang eines GanstonJnterTaUes ist der tieftte 
eiups Pykuon. 

10. Probl. Auf t'incn Ditonos kann niclit wiederum ein Dttonos folgen. 

11. ProbL Im Enharmoniou und Chroma bennehbart nicht zwei Gau2t6n9 

12. Probl. Im Dintonon können dn»i Oan^töne aufeinander folgen. 

IM. Prubl. Im Diatonon können nicht zwei Ualbtönc nebeneinander stebeu. 

IV. Fünf Probleme über die Aufeinanderfolge angleiciier Inter- 

vallgrösseu. 

14. Probl. Nobni einem Ditonos olx n und tinton «'in Pvknon, 

15. ProbL Neben einem Ditonos ein Gauztou blos unterhalb. 

16. ProbL N*^beu einem Pyknon ein Ganzton blos mit«^r)ialb. 

17. Probl. Im Diatonon der Ualbton nicht zugleich oberhalb und unter- 
halb dcö Gauztunes. 

18. PwM. Neben einem Halbtone ober- nnd unterhalb 2 oder 3 Ganztdne. 

V. Vier Probleme über die Anzahl der unteren und oberen Nach- 

barintervalle 

19. ProbL des Haibtones, 

20. ProbL des Ditonos, 

21. ProbL des Pykuon, 

22. PkobL des enharm<»iiBchen Ganxtones. 

VI. Vier Probleme über die Th<'ile des* Pyknon. 

23. ProbL In der Synaphe gehört jeder cnharmouische uml ehrouiatische 
Klang dm Pyknou an. 

24. Protd. Drei verschiedene Cborai fibr die Klänge dei< Pyknon. 

25. ProbL Beim Baiyiorknoa awei Nacbbarlüftnge, beim Mesopyknos and 
Qxjpyknos nur ein Nacbbarklang. 

26. ProbL Zwei ungleichnanuge Klänge des Pyknon haben nidit dieselbe 
Tonstttfis. 

VII. Zweites Problemen- Paar Aber die unansammengesetzten In» 

tervallgrössen. 

27. ProbL Das Diatonon hat entweder nrei oder drei oder vier unxu» 
sammengeaetste IntervaUgrGssen. 

28. ProbL Das Chroma und das Enharmonion hat entweder drei oder* 
vUat verschiedene nnzusanunengesetrte Intervallgrössen* 



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Xn. Die «miiielucb6& ZnaamiiieiiietBiingeii der iDtervaUe^ 811 



SBwoi Fsobleme ttb«r Synaphe und DlMnxis. 

(„itpdßXr^jio" genannt in §. 16). 
8. Problem. 

§ 72. Die anf einander falgenden Tetrachorde smd entweder 
Terbmiden oder getrennt (synemmena oder diazeuktisch). Verbindung 

(Syiiaplu ) hcisse es, wenn zwei in der Scala auf einander folgende 
Tetrat-hordo, welche dem Schema nach analonr siüd, in der Mitte 
einon Klanf]^gememsaiiihal)on. TreuuunL' iDiazeuxis), wenn zwischen 
zwei in der Scala aufeinander Iblgenden Tetrachorden, die dem Schema 
nach analog sind, ein Oanzton in der Mitte steht. 

et'gabcd efga bcde 
- ' »■ 

Synaphe DiazeiudB. 

Beweis: 

Dass bei benachbarten Tetrachorden eines von beiden Statt 
finden rnnss, ergiebt sich aus dem zu Grunde gelegten (Isten Problem 
i 70). 

Denn stimmt der erste mit dem vierten Klange in der Qoarte, 
so bildet er eine Synaphe. 

Synaphe 

e f g a b e d 

M ! 

! 

Stimmt aber der erste mit dem vierten nicht in der Quarte» sondern 
statt dessen mit dem fünften in der Quinte, so bildet er eine 
Diaxeujds. 

Diaxenzw 

, , , 

c f g a h 0 d e 



Der Kl.ing f bildet mit h (dem ^^p^fcn von ihmi nicht v'xw (^Muirfc, J50ndf<rn 
einen Tiit«jnUK-», dagegen mit deTn fünften c eine (Juinte. S«:) findet vor der 
iiöheren Grenze des Tritonus-Intervalles f h ein diazeuktischer Gauzton a h statt 

Eines von den beiden letzteren wird bei den (benachbarten) 



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312 



Aristoxeuus zweite Harmomk § 78. 



Klängen der Fall sein, es wird daher auch bei den benachbarten 
Tetrachorden Eines Ton den beiden zuerst angegebenen stattfinden. 

Z u a t z : 

§ 73. Jetzt war einer von den Zuliüivrn b.-zÜL'lich ili r 
ein an der folge in Zweifel, ziinaclist im Allgoraeinen, worin (l)»'i df»n 
Systemen) die Aufeinanderfolge bestehe, dann ob sie blo^s auf Kine 
oder auf mehrere Weisen vor sich gehen könne, drittens ob etwa beides, 
die (a)Synemmena und die .b) Diezeugmena, eine Aufeinanderfolge seien. 

Hierauf wuitlen nun etwa folgende Auseinandersetzungen ge- 
geben. 

Im allgemeinen seien diejenigen ^.aufeinander folgende" .Systeme, 
deren Grenzklänge fb) einander folgen oder (a) dieselben sind. 

Von der Aufeinanderfolge gebe es aber zwei Ai-ten. (a die eine, 
(wo mit der tiefereu Grenze des höheren Systemes die) höhere (Grenze 
des tiefereu Systemes zusammenfallt), (bj die andere, bei welcher der 
üefereGrenzklang des höheren S^^stemcs auf den höheren Grenzklang des 
tieferen Systemes folgt. Bei (a) der ersten Art haben die Systeme der 
aufeinander folgenden Tetrachorde eine Stelle gemeinsam und sind 
noth wendig einander ähnlich, bei (b) der zweiten Art sind sie von ein- 
ander gesondert un 1 die Schemata {zirj\< der Tetrachorde können 
iUnihch sein. Dies ist der Fall, wenn ein Ton in der Mitte liegt, 
andere nicht. 

Mithin folgen zwei derartige ähnliche Tetrachorde auf einander, 
swiscben denen entweder (b ein Ganzton-Intervall in der Mitte liegt 
oder (a) deren Grenzklänge identisch sind, so dass die aufeinander- 
folgenden Tetrachorde, wenn sie ähnlich sind, nothwendiger Weise 
entweder (a) synemmeua oder (b) diazeugmena sein müssen. 

§ 73b, M ir behaupten aber, dass zwischen /w -i diifriiiander- 
folgenden Tetraeli ii\len riitweilcr kein Tetrachord in der Mitte sein 
darf, otler kein unälinliches. 

Sind die Tetracltnrd*^ dem Sehenia nach ähnlich, so wird kein 
unähnliches in die Mitte dei-selben gesetzt. 

Sind sie unähnlich, folgen sie aber aufeinander, so kann in die 
Mitte derselben ein Tetrachord gesetzt werden. 

Aus* dem Gesagten ergiebt sich, dass Tetrachorde von gleichem 
Schema in den zwei genanulen W eisen aufeinander folgen können. 



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XII. Die emmelischea Zusammouseüsu&geu der luterraUc. $13 



lieber den Zusatz zu Uie>eia Probleme saprt Manj. S. 342: „Die Zweifel, 
,,wdche hier gegen die Definition eriioben werdeu, ei^heinca ans freilich 
„etwas flchfllerhaft." Wir geben gern zu, daas der Zuhörer, weieber den 
Aristoxenus hier intecpellirt, bei weitem nicht don Scharfsinn verrftth, wie 
dcijenige Zuhörer, auf dessen Bedeniccu Aristoxenus in § 53 h. der zweiten 
Hannomk emgeht Marq. ui«nt femer „Vielleidit bat nur die Keuheit der 
„Behandhrag solcher Puncte das Verstfindniss erschwert Dies xu erleichtern 
,,(lient allerdings die Aiuadrucksweiiae in der folgenden Heantwortung des 
„Aristoxenus nicht. Denn wenn go?*agt wird, solch'* Tetrachorde seien zu- 
„wimmenhängend, deren Grenzklfingc entweder auf einander folgen oder in 
„einander übergehet), so ipt der Ausdruck s^f; nicht gut gewählt, da es ja 
,^deui Leser oder Höh r liieniacli .sciieinen mnas, nl< n}y jt-iier Ausdruck 
,.d. h. eine Aufeinainlerfdl^'.' um- vdu der Trennung gflie, nicht abei- von der 
,,V. rbiiiili!ng. Das l'nzulräglit li>' lii Lit milliin darin, dass dasselbe Wi>it erst 
„zur liezeichnung des Allgemeinen und alu teiiiiiaus technicus. nachher da- 
,,gegen fttr die eine« Besonderen und in gewöhnlicher Bedeutung v(>rwandt 
„wird. Erhöht wird die Undeutlichkeit für Nichteingeweihte nodi dadurch, 
„dasa unmittelbar darauf das Wort wieder in jener ersten, allgemeben Weise 
„gebraucht wird, wo die Art der Anknüpfung erst recht zu einem Missvcr« 
„stttndnisa fillbren Icönnte, welches daira erst durch die folgende Auseinander- 
„l^fung beseite werden wurde. Die Entschuldigung für soldie kleine MiCiigel 
„liegt doch uohl in der Schwierigkeit, gleich beim ersten Anlauf de» Stoff 
„völlig 2U bewältigen und den Sprachgt^branch bestimmt ai finren." 

XJeher das, was Maiq. für Mängel der Aristoxenischen Darttdlniig hält, 
wird man richtig urtheilen, wenn man die drei Fragen, wdche der Zuhörer an 
Aristoxenus richtet, sicli gdiörig klar macht: 

1. Worin bestdit im Allgememen „to icfj;**? Er meint hier „-zh iict 
T10V avtfTi;fj.«lta»v** d. i die continuirliche Aufeinanderfolge nicht der Inter- 
vall^ sondern der Systeme, wie aus dem Anfiinge der von Aristoxenus in der 
Antwort gebrauchten Worte hervorgeht: .,xaft6Xou ta^T« slven o*j«tf|piaT« owvcyf/*. 
Wir werden daher wohl in unserem Rechte sein, wenn wir annehmen, dass 
dieser Antwort analog auch die Frage gelautet habe, also niclit blos „-/..ibo/.o'j 
Ti -ot' £otI tö sondern da.ss der fragende Zuhörer hinter „to s;fj;" etwa 

nnch die Worte „to izl Ttbv a-ji-rrni^vir" hinziturfiigt habe, welche in der 
haiKi-thrifflichen Ueberlieferung dieser Stelle ausgefallen sind. Aristoxenus 
gibt auf diese Frage die Auskunft: xaöö/.ou xaÜT tl^u oj3TT,aaT7 ar/e/f, w, 
ot (Sf,oi TjToi e'.siv 6ra/.).a~o'j3t". Wie dies Gogavinus und ihm fulgi nd 
auch Meibom übersetzt hat: „In Geucre illa esse sjstemata contiuua, quorum 
termini »tt demceps sint ant altement" Meib., sind freilich die Worte des 
Aristoxenus nicht richtig zu verstehen. Marq. und Ruelle geben das Sichtige: 
„Im Allgemeinen seien die STsteme zusammenhängend, deren Gfenzklänge 
entweder aufeinander folgen oder in einander fibergehen*^ „En g^neral, tels 
sjst^mes sont Continus lorsque lenrs limites sont ou successives ou bien mu- 



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S14 



Aristoxeno« cveite Harmonik § 74. 



tuellea". Wt-r die weiteren Worte des AriÄtoienua verfolgt, dem wird noth- 
wendig klar werden, dias dte nreite der Sn der Beantwortmig der eisten 
Frage angestellten Alternativen nor den von Uarq. nnd BoeUe aogegebenea 
Sinn haben kann. 

2. Die zweite Frage des Zuhörers war: „Findet bei den Systemen das 
i;fj; auf eine einzige Weise ofl< r mehrere Weisen statt?" Hierauf antwortet 
Ariütoxenus: V i^f,; (elvai -i zj'zzi^u.na) l'jo -rpörot eiaiv". Hier ist frei- 
lich wir Mm-i[. üHL't Wort i;f;; in einem anderen Sinne aufzut'rtsticu, als 
wie in dem uuniitr. lliar \'urhei gehenden: ol 8poi f^tot t^fj; elaiv. Deun dort war 
vuii dem e;fj; der üreuzcn de« diazeuküschen Tuucs die Rede, hier vun dem 
sowohl die Diazcuxis wie die Synaphe umfassenden e;tj; der Tetrachord-Systemc, 
wie eben erkttrend von mir angegeben ist ,.TeS 8* Hf^i (iVm ti mtnr^^axrt} &6o 
Tp^ffot ct«U*S obwohl ich nicht behaupten will, daw die eingeklammerten Worte 
dem handediriftliehen Texte hinaunfilgen seien, denn auch ohne solehen Zn- 
aatc kann Anstoxenns nieht wohl missTerstanden werden. Nor Eines möchte 
man bei Afistoxenos anders wQnsehen können. 

Er ist auletit gefragt worden in der Reihenfolge: a. Synem- 
menu, b. Diazeugmena. In der allgemeinen Beantwortung hftlt er die 
umgekehrte Beiheufolge ein: b. Diezeuginena, a. Synemmena. In der ?{ieric!lcn 
Erörterunfr zuerst zweimal die alte Keihenfolge ab. Mit den 
Worten: „Mithin folgen*' wieder die umgekehrte Reihenfolge ba; 
beim TotalschlufH Kückkthr zur ursprünglichen Ordnung; wie 
dit-H Alle» in d(;r Uebcr.f » tzung angedeutet ist. Doch ein wirkliches 
MibsverstUndnis» kann dureli dies' ii Wechsel in der Reihenfolfre nicht ent- 
stehen. Einen Grund dazu wird ^Viiatoxeuuä wohl geliabt haben. lA-iui mit 
Ktteksicht auf den ihn interpellirendea Zuhörer und im Anschlnsse an die 
Frage liat er, wie es seheint, znerst die disaeaktische Aufdnanderibige der 
Systeme berttcksichtigt, bei welcher das mehr als bei der Synaphe dem 
l&lj« der Intervalle entspricht^ Dann aber, beim nftheren Eingehen auf die 
Bedenken, redet er beifiglich der baden Tp^oi in d«r beim Anfiuige d» 
Problemes 8 von ihm eingehaltenen Reihenfolge: Synaphe und Diazeuxts. Erst 
beim AbecUuss seiner Entgegnung nimmt er wieder die Beihenfo1c;c auf (Dia- 
zcujds und Synaphe), in welcher er anftinglich, der Fassungskraft de.«* inter» 
peUirenden Zuhörers entgegenkommend, seine Beantwortung gehalten hat 

Wollen wir der Concinitftt der Aiistoxenischen Darstellung einen wirk- 
lichen Vorwurf machen, so kann dies nur der sein, dass der dritten Frage des 
Interpellirenden: 

3. „ob etwa beides, sowohl Synaphe wie Diazeuxis, eine continuirliche 
Aufeinanderfolge sei" nicht weiter gedacht wird. Denn sachlich auf diese 
dritte Fmge einzugi hen, war nicht nöthig, da sie durch die Beantwortung der 
zweiten Frage vollkommen erledigt war. 



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XXI. Die emmeliadi^ Ztiaammeiuetsnngeii- der Intervalle* 



315 



4. P r o b 1 1! m. 

§ 74. Bei dem Unterschiede der Tongeschlechter sind bloss die 
Theüe des Quarten-Ihierralles verftaderlicb, dass derDiazeuxis an- 
gehdrende Interrall ist imver&nderlich. 

Beweis: Jedes Hennosmenony welches ans mebr als einem Te« 

trachorde besteht, hatten wir in die Synaphe und die Diazeuxis ge- 
tlu'ilt (Probl. 3). Die Synaphe besteht blos aus den luizusaimnen- 
gesetzten Theik'U (der i^uaite), sodass also in diesem nothwemhg 
nur die vier Theile des Quarten-Tetrachordes veränderlich sein 
werden. Die Diazeuxis hat aber ausser diesen noch ein eigenes 
Intervall, den Qanzton. Wenn nun gezeigt wii*d, dass der der Dia- 
zeuxis eigene Ganston bei der Unterscheidung der Geschlechter 
nicht TerAnderlich ist^ so bleibt offenbar nur Übrige dass die Aende* 
rung sich nur auf die vier Theüe der Quarte bezieht 

Es ist der tiefere der das Ganzton-Intervall umschliessenden 
Klänge identisch mit demjenigen von den beiden Klängen, welche 
ilas tiefere der in der Dia/tuxis stehenden Tetrachorde um- 
fassen; der liijhere Grenzklaii^^ des Tetrachordes alier war (nach ^ 50) 
unveränderlich bei dem Unterschiede der Tetrachorde. Der tiefere 
von den das cUazeuktische Ganzton-Intervall umschiiessenden Klängen 
ist identisc Ii mit dem tieferen von den beiden Klängen, welche das 
höhere der in der Diazeuxis stehenden Tetrachorde umschliessen. 
Nicht weniger war auch dieser bei dem Unterschiede der Tetra- 
chorde ein unveränderlicher (nach § 50). 

Ist es also klar geworden, dass die den diazeuktischen Ganz- 
ton begrenzenden (Klänge) bei dem l'nterscliiede der Tongeschlechter 
unveränderlich sind, so bleibt offenbar nur dies übrig, dass blus die 
Theile der Quarte bei den genannten Unterschieden veränderlich sind. 

Auch hier erklärt sieh Marq. S. '345 mit der Darstellung des Textes für 
iinb«'friedigt: der Ausdruck passe nach Aristoxenischer Anschauung nicht 
recht . . . „man inüs.-^tc ilnui tcttciocuv ..vier** als v'uwn Fehler ansehen uud 
TpiÄ*/ ..drei'" schreiben; dvch befrietligtu solche Vcrbcöscrungeu nicht recht, 
weil sif • bcn gar m s<'hr auf der Oberfläche liegen'*. Marquardt Unzufrieden- 
heit vvLri.1 durcli eiueu iu dem wu .Vi irttuxeuuii getuhrteu Beweise stehenden 
Ausdruck erregt. Dass die von Marq. vorgeschlagene Aenderung vou „vier'' 
in „drei" gar su »tibt anf der Oberfläche liegen wttrde, darin geben wir ihm 
Becht Aber eb«MO nahe wfirde es geU gen haben, den onsttissigen Ausdruck 
des Beweises mit dem analogen Aasdmcke des sa beweisendm Lehrsatzes ni 



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316 



Aristoxeuus zweite liamionik § 75— 7n, 



veiigplcicben: da wflrde aich gezeigt haben, daas in dem Beweise etwas anderes 
als im Lehrsatee gesagt ist. Marq. brauchte ans den Worten des Lehrsatses 
in die des Beweises nur ix {tnv tov h%i} tcooapnv lAcpAif |iöva, eine Verbin* 
duDg, die £u allem Ueberflusse auch noch in dem unmittelbar darauf fol- 
genden Satze d"8 Beweises wiederholt wii<l, einzuschalten. = » lifttte er sieli 
<lin'ch:iU5 zufrieden stellen können. Alle Anerkennung Ruelles franzö.-sisoher 
Uebersetzung, daas sie die Nothwendigkeit dieser Eiuscliaitung erliannt hat. 

Bntes Froblemen-Paar über immsunmengoaetBtelntorvallgrSBseii. 

5. P r o 1) 1 e m. 
(„llf.ö^ATjjjta" genannt § 76). 

$ 75. Ein unzosaminengesetztes lutervall ist dasjeuigef welches 
TOD zwei ftüfeinander folgenden Scalatonen umschlossen wird. 

Beweis: Sind die Töne, welche umscliliessen, aufeinander fol- 
gende Scalatöne. so giebt es keinen, der zwischen ihnen fehlt. Fehlt 

keiner, dann gitbt es keinen, welcher zwi«»cben sie fallen mü^ste. 
Kann keiner dazwischen fallen, dauii wird tr auch koine Theilung 
machen, was aber keine Theilung hat. wird auch keine Zusaniuu n- 
setzung enthalten, denn Alles was zusammengesetzt ist. ist aus 
Theilen zusammengesetzt, und in diese kann es auch getheilt werden. 

Zusatz: 

§ 7(5. Auch in Beziehung auf dieses Problem irrt man sich 
l)( /ü;,ni( Ii der Thatsache. das*« eid unzusanuuciiLfesetztrs IiitiM'vall von 
derselben Grösse sein kann wie das zusammengesetzte eines andei en 
Tongeschlechtes. Man wundert sich uämlichy wie es möglich sei. dass 
dasDitonos-Intervall, welches doch ein unzusammengesetztes Intervall 
(des enharmonischen Geschlechtes) sei, in zwei Ganzt5ne zu theilen, 
und wiederum wie der Ganzton ein unzusammengesetzter sei, da 
man ihn doch in zwei Hemitonia zertheile. Dasselbe bemerkt man 
auch Betreffs des Halbtones. 

Dieser Trrtlmm kommt daher, weil man nicht einsieht, dass 
manche der Int«»rvallgrössen einem zusaniiiii'ngi'>etzten und einem 
uuzasammengesezten Intervalle gniii iii-aiii sind. Gerade di- s ist ja 
der Grund, dass das unzusamnicngesetztc Intervall jiiclit durch die 
Grösse, sondern durch die umscldiessunden Töne deünirt worden 
ist. Ist nämlich das Ditonos-Liten all von der Mese und Lichanos um- 



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XII. Die cmmeiibuiien Zusammeiuetxangeu der Intervall«. 317 



sclilos>en in der Kuliui luonik; , ist es unzusanniiiugej^etzt; i^t 
es von dl r Mose und Parhypute umschlossen im Diatononj so ist 
es zusammengesetzt, uud eben de^ialb sagvu wir, dass der Begriii' 
des Unzusammengesetzten nicht in der Grösse, sondern in den um- 
schlie»senden Tönen Hege. 

6. P r o b 1 e m. 
(„IIf*ö^/.T,ua*' goimnut). 

§ 11. In jedem Xongeschlechtc giebt es {für jede einzelne 
Cbroa dessell)en) höclistens nur so viele nnzusammengesetzte Inter* 
vallgrössen als die Zahl der IntervaUgrö&sen in der Quhite beilegt 
— also höchstens vier. 

• Beweis: Jedes Tongeschlecht vird entweder in der Synaphe oder 
in der Diazenxis ausgoluin t. wie oben (ProbL 3 § 72) gesagt ist Es 
ist gt/.cigt (Probl. 4 § 74), dass die Synapiie bloss aus den vier 
Theilen der l^uarte besteht, die Diazenxis aber iiorli das dir vor 
der Synaphe eigenthümliche lutpivall hinzutügt, nämlicli den dia- 
zeuktischen) Ganzton; wenn aber dieser Gauzton zu den vier Tiieileu 
der Quarte hinzukommt, ilann ist die Quinte ausgetüllt 

Da nun in keinem Tongeschlechte, sotem es in Einer Ghi'oa 
geuonunen wird, die Zahl der (verschiedenen) miznsanunengesetzten 
Intervalle grösser ist als die Anzahl der Intervalle in der Quinte, 
so ist klar, dass in einem jeden höchstens so viel unzusammenge* 
setzte Intervalle wie in der Quinte smd. 

Zusatz: 

§ 78. £s ist gewöhnlich, dass einige auch bei diesem Probleme 
in Bedenken geratheu, nämlich dieses: weshalb hier „höchstens" hinzu- 
gefügt und aus welchem Grunde nicht einfach gezeigt ist, dass jede» 
Tongeschlecht aus so viel ein&chen Intervallen, wie in der Quinte 
enhalten sind, best<»he. 

Dem wird erwidert, dass jedes Tongesehlecht wohl eine ge- 
ringere Zalil U]izusaiiiuieiige>etzter Intervallgrössen enthalten kann, 
niemals aber eine grössere. Deshalb ist eben zuerst dies nach- 
gewiesen, dass jedes Tongeschlecht mmiöglich aus mehr einiacheu 
Intervallen als die Quinte hat hest(^>hen kann. Dass es aber 
auch vorkommt, dass dasselbe eine geringere Zahl enthält, wird (im. 
Probl. 27. 28) gezeigt werden. 



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318 



Aristoxeuua zweite Ilarmoulk § 79. 80. 



Dau die AnmU der annuaumengesetsten InterraUgrtfsien in der 
Quinte hfichstens vier betrtgt, wird ausdriiekUeh im Problem 27 angaben 

Marq. S. 346: „Unsere Kenntuiss der alten Musik reicht nicht so w^t 
„tun nachweißen zu können, welclie Ai-t von Scalen Aristozenua meint, wenn 
„er hier von Geschlechtern spricht, welche weniger unzusammengesetzte Intcr- 
„vallc als die Quinte haben*'. An die altt» Enharmoiiik des Olymjms mit 
iliren nur zwei reap. dr»M zii<«aromenge8etzten inttn-vallen zu «Iciikt ii, würde die 
folgende Antrabe niclit « rsi liüiifen, da Aristoxenus niclit sage „irgend ein", 
sondern ..jedt^s" Geschieclit würde weniger enthalten können. ..Auch «Heise 
,,Theilung'ja sind wohl der Melupoeie eicrcne luid mit dieser zuüuuaiieii näher 
„erörtert worden, worauf die Hinweisuug am Schlüsse zu beziehen sein würde 
„"Ott H w\ 1$ iXvn^n»^ itOT» «»v;c<Hj«KT«t a&t&v iv toT« {nstt« hthtW' 

„toi". Dies mOsste also nach Marq. im Abschnitte von der Mclopoeie gesacht 
Verden! Doch warum in so unerreiehbarer Feme suchen, was in Walrheit 
so nahe liegt, nttmUch noch in anderem Abedin. XII, ProbL 27: »"Ott tk tö 
(t(fTO>«v s^YxstT«! fjfm H ImVi ^ tptAv xtoodpov douvMTflW, Scutiov . • 
Probl. 28: „'Ott H ti XP^I^^ ^ dpfiovi-x -T.toi ix Tpiöiv fj ix teosotprov oipiEi- 

5etxT£ov . . In seiner beispiellosen Hyperkritik erkennt aber Marq. diese 
beiden ProM« mata nicht als aristoxenisch an, vgl. oben S. 303. Rurll'* zeichnet 
sich au( h IiIlt (Inn !) ^Töggere Bedaelitsamkeit vor Manj. vortheilhaft ans. da 
er zu p. 112. 113 auf Planche V die (^>uintensysteme des Diatonon, Chroma, 
Enharmonion in Xotenbeispielen naeh Aristoxenus zu erläutern sucht. 

Nun hat aber Marq. auch einen pauz besonderen Gruud, sieh um das 
„oeiy.T£ov" der ProbL 27 und 2H hier nielif zu kümmern; denn das ant" ilü s 'jetxxiov 
hinweisende „iv toi; ineixa ofctÄvjxai" am Schlüsse unseres l'roblemri ist uavh 
Marq. ein offenbarer Bewds, dass auch das vorliegende Problem wenigstens 
in seiner Ausfülhning nicht von Aristozenus herrflhren kann. lAarq. S. 883: 
„Was das avfiatlende Prftsens bei Ifccna betrifft, so ISsst sich auch dies füglieh 
nur erklären, wenn man aniumrot, dass alles Folgende dem Schreiber [d. i. 
dem von Marq. fingerten BTsantinisehen Excerptor] bereits vorlag, so dass er 
sagen konnte: „Im Folgenden wird dies und das g^eigt^. Nun freilich, das 
Folgende lag ^ n Schreiber bereits vor. aber dieser Schreiber war Aristozentts 
selber, der den Kinwaud, welchen ein Zuhörer während der Vorlesung gemacht 
hatte, später in die bereits ausgearbeitete Vorlesung nachtrug. So darf nun 
AristoxenuH (trotz des ,,?.c'7.teov") beim Nachtrage toi; ireizn oefrv-jT-j''* 
schreiben, denn in dio.'^cni Antrenblieke i=*t das. was durch ^tiXTiov noch in 
die Zukunft ver\\-iesen wurde, ein bereits gegenwärtiges. 

Aufeinanderfolge gleicher Intervalle. 

7. P r II \) 1 V m. 

§ 79. Aut viu Tykiiou kann nicht wieder ein l'ykiiou foigeu, 
weder das ganze Pyknon uoch ein Theil desselben. 



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XII. Die emmelischen Zusammensetzuiigeu der Intervalle. 319 



Beweis: Geschieht dies, so wird weder der vierte Scalaton mit 

dem ersten in der Quarte, noch der fünfte mit dem ersten in der 
Quinte stimmen. Die so liegenden Klänge aber sind ekmeliscb. 



6. Problem. 

§ 80. Von den Klängen, welche (bei der Synapbe) das Ditonos- 
Inten'all einscldiessen, ist der tiefere ein Ox^'pykuos, der höhere 
ein Bar^-p^knos. 

6 e f Ditonos a a b 

O h 

s a 



I 



Denn bei der Synapbe mnss, da die Pykna in der Quarte sympbo- 
niren (7. Problem), in der Mitte derselben der Ditonos hegen; 
ebenso mus?, da die Ditonos-lntervalle in der Quarte symphoniren, 
in der Mitte ilt rsclben das Pyknoii liegen. 

Da dies der f'all ist, ist es klar, dass der tiefere Grcnzldang 
des Ditonos^Interralles der höcliste Klang des ^ach der Tiefe za 
liegenden Pyknon, ist tind dass der höhere Grenzklang des Ditonos 
der tiefste des nach der H5he zn liegenden ^knon ist. 

Kaxq. S. 178: „ArUtoxeniu hat oben den Sati anigestellt, dass ein wixviv 
»,neb«i dn aadereB weder gaiis noeh theUweiae geaetst werden darf, weSk 
tySonst weder die rierten Klänge in der Qaarte, noch «He filnften in der Quinte 
.^symphoniren würden". Er lligt zur Erläuterung noeh eine weitere Ansein- 
audersetztmg hinan, in welcher er xeigt, dass der höhere Greuzklaog de« einen 
Intervalls immer zrifirleii li tiefere des andern ist. ,,Wie er oben bereits 
„die Thf'ilung nach dt r IJiiarto und Quinte rremacht hatte, so nimuil er auch 
„liierbei znniirlist ilie ovva^Tj in Betracht, Ix-i welcher es .sich dann zeigt, dass 
„das nvxMOv und die grosse Torz immer abwceliseln. Hieraus wird nun der 
„Schluss gezogen, aber mcrkwiadiger Weise nicht der. welchen Jedermaim er- 
„wartet, dass näuüich zwei izuxvd nicht ut;beu einander gesetzt werden können, 
„was eben za beweiBen war, sondern als Schluss erscheint ebeWiedeiholong 
,jeiier Torangcgangcnen Darlegung, dass der höhere Qrensklang des einen 
,JntemIb inuner der tiefere des andern sei. ^I^e wir ans dem Folgenden 
„ersehen, gehOrt diese Wlederholnng vielmehr sehon nr 3ewei8f)lbmng des 
„«weiten Falls, wo die Tetracfaorde in der ttdCculi« liegen; die einfaehe An- 
„knüpfimg mit o( hi tkv x&tos xtI , so wie der gerne folgende Inlialt zeigen 
„dies anfs Dentlicfaste. Es sind also sieher hhitor Aotc hf^kw 8t( eine Beihe 



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320 



Aristoxenus zweite Hamonik § 81. 



„Wni tt .lusL'etalleii, welche ersflich den Schltiss und dftnn den Uebergaug zum 
Fall eoikielten. Ich habe sie uach der gewöhnlichen Aii»drukä\veiäe de» 
„Arbtoxenus d« m Sinn gemäss restitiürt, ao dass aiieh der Grund dva Ausfalls 
,.(oTi— oTt) zugleich in die Andren fiiüt *. Diese seine Ergänzung in den Text 
einfügeutl, sehreibt nun Mani. t'ulgeiuleninHs«i*ii: 'Ava^xaiov f dp £v 7-5 ouvao^ -rdüv 
Z'jxvTOv oid Teosdpujv o'ju^^tovojvTtüv ävd \kiQOt a'jTöjv -/eioSoti to oitovov (üoauTu>( 

xeiodat Tt» rr-jxvöv to-ituv ^loj-rtui iyv#tiüv av«^xalo"» iva/./.d; "s --jxvov xal 

'AXX* o'jS' iv St^Cfi'^Sn' &i(stxTat fdp oTt) 6 lui-» {in^-j-c^ot töv repte/^övrinv 
Mt«w i^TttTOs Ist« tftl» licl t6 p'x^j xeijASvou nuwot»» 4 Ii i^Sttpo« to5 t& 

Wer dies liest wird, wenn er anders ein aafmerksamer Le«er des An- 
Btoxenue-Textes ist« die Frage bd stdi selber aufaerfen, wo das von Aiiato* 
xenus gesagt sei, was durch oioctxTai 7dp eingeleitet sein solL Denn dieecta 
zufolge niu.Hi^te Aristoxenus im Vorausgehenden bewiesen Imben: 

dass der tiefere Grenzklang des Ditouos-Intervalls der höchste Klang 
des nach der Tiefe zu liegenden l'ykuon, der höhere Grenzklaiig des 
Ditono.s-iiitervailes der tiefste Klang des uach der Höhe zu li^^den 
i'yknon is.t. 

An wrlcfier .Stelle dt - \ oiaus^t-heudeu hat Arist< xeuu.- (lii-.-eu Ijewi-ia. 
geliefert '/ Man wird im Vuruu&gthi u(i< n vergebens suchen. Lud wie kann 
das anders sein? Denn das ist ja geraile das Problem, welches jetzt erst 
bewiesen werden solL Mit dem Ton Marq. eingeschobenen: UUnn»t 
<St( ist es also nichts. Eben so wenig auch mit dem diesem unmittelbar voxaus- 
gesteilten AXX* ovo it 2ia.cv?«t* Denn das m Rede »tehimde Problem han- 
delt blos von der Sjnaphe, welche von Aristoxenus im Texte awetmal ge- 
nannt ist, nicht von der Diazeuxis. Auch spftterhin im Problem 14, wo 
Aristoxenus behufs der Beweisführung auf das bereits im Pi*ob]eni 8 bewiesene 
recurrirt, citirt er di* v^rd mit den Worten: 

IPiZ'.v-'j'. ^dp h -^^ <3j-^iffi ivaXXoi^ tiBiucva -'rj-n t4 ?,taoTT,uLaT». 
So wird der i ext dex Aristoxenus in Marqujuds Ausgabe entschieden corrum- 
pirt: es rächt f<i( h :ui ihm, daKs er „die^e ganze, mit fast v«'rzweifelter VoU- 
htiinilicrkeit uiul < it aauigkeit ausgeführte Darstellung'* wie er w- S. 346 in 
.-ii litliciit in Unmuthc praedicirt, bo uuvoUatäudig und ungenau wie möglich, 
studirt hat. 

9. Problem. 

§ 81. Dar höhere (ireiizkiang des Gauztoiiuiierviilleb ist vm 
Barypyknos. 

Beweis: .... 

Die 28 Probleme des Aristoxemus stehen durch ihre ganzlich luafheniatisehe 
Methode in einem streng geschlossenen logischen Netze: die vorausgeheuUeu 



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Xn. Diti emmclischen Zufiammenfietzungen gleicher Intervalle. 321 

Probleme dknea stets mm Bewdee der nachlblgendeiii daas der nitr einiger- 
maaeen avfinerksanie Leser mit SIehaAdt erkennen viidf wo etwa jenes Nets 
sei es dnieh Lücken der Handschrift, sd es doreht Zostttie, die vom Bande 
in den Text gednmgen sdn selten, lenissen ist Beim 9. Flrableme nun 
findet eine soldie leicht erkennbare S( liiidifping der genuinen Aristo xeni^chai 
Darstellung statt. Sagen wir es mit einm Worte: wir haben dies Problem 
in den Handschriften nicht so, wie Aristoxenus selber es dargestellt, sondern 
wie ein SpHtercr, welcher sich fiir diefo Partie iutercssirte, umgeformt hat. Ver- 
muthlich hat dcrsolhe das, was ihm eine berichtij^ende Erklärung der Aristo- 
xenisrhen Sätze zu sein düukte, an <len Kand des Aristoxenu8-Text<»f ge- 
schrieben, der ja in den Hand^ehritteu der älteruu Zeit. \ne wir aus dem 
Codex deä Zobiium^ wiijden, zu dergleichen Marginalien hinhinglich Raum Hess. 
In dem Codex aber, aus welchem 2^imus seine Abschrift n^m , war jenes 
Hsiginale bereitB vom Rsnde in den Test des AristoKMuis Idndngeratlien, 
wo es nun die dgene Darstellnng des Aristozenos wenigstens snm grossen 
TiieUe veidringt hat 

Diireh das Marginale des Ueberarbeiters ist das Ptoblem 9 m folgendem 
umgestaltet: 

Die beiden das Ganston^Intervall umgebenden Klttnge sind 
barypy knoi. 

Der Umarbeiter denkt sich hierbei folgendes euharmoniäche äystem: 

♦ • ♦ ß— • _ 

A II He eef a ab d h he eef a 

. - - aj ^ ' ^ V ' V 

hjrpatou mesou « sjuemmenon S diezeugm. bjperboi. 

* I 
Det Klang a ist die Mese; auf dieselbe folgt das Tetrachoid flrjmem» 
menon: also liegt ein F^knon aab vor, in wdchera a sdber den barTPfknos 
bUdet 

Der Beweis des Ueberarb^ters lantet: 

Es wird nämlich das Gkuizton-Intervall in der Diazenxis swischen der- 
artige Tetraeborde gesetst, dass deren Ganstttoe die tieftten eines 
I^knon sind. Von diesen aber wird auch das Oanston-Intervall um- 
sehloesrai. Denn der tielere von den den Osnston nmsehÜeBsenden ist 
der höhere Klang von den beiden das Ü^ere Tetraebord umschliessen- 
den; der höhere der den Ganzton umschliessenden ist der tiefere von 
den beiden das holieic Tetrachord um'schliessenden. Daher ist es klar, 
dass der höhere Greaaklang des Ganztones der tiefste eines I^Imon ist 

I 

Da Maiq* des guten Glaulwns ist, dass aneh das Problem 9 ebmso wie 

Pkoblem 8 eine der zum Problem 7 hinzugefügten Erläuterungen sei, so schiebt 
er ancli liier wie in rt-oblern 8 einen Sats, in welchem von der DiaseuxiB die 

Ariatoxena«. MelUc u. ahfthmtk. gt 



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322 



AristozeniiA «weite Uarmoaik § ttl. 



Rede ist, ein S. 179, mit der Bemerkung, dass sich die gleiche Lücke wie oben 
auch hier finde. £a ht mmöthig weiter daantnf eisnigehen. 

Dem Satte des Umarbeiters: ,3«i<le den Oamtoii tunachliefleende Kllxige 
sind barypyknoi" widenpridit das Pfoblem 16 dee Aristozenus, in wdcbem 
er lehrt: „der GkuDSton wud mm Fyknon nur nach der Tiefe su hmmgefDgt. . . 
Einen Oanstom nach oben ni dem Pyknon hinaaiufllgen wird nothwwd% ek- 
meliflcb aeSof*» AIm ist es gegen die Doctiin des Azistozeans, dass beide den 
Ganzton umschliesBende EQänge (d. i, sowohl der höhere wie der tiefere 
Grenzklsng) Baxypjkn<^ sden; nach Aristozeniis selber kann man bIo8 von 
dem oberen Grenzklange des GanTrtoDcs sagen, dass er eiu barjpykuoe ist. 
Aristoxenns hat sicher dss Problem 8 folgendermassen gefiust: 

Der hö/iere Grenzkiant/ des Ganziuits ist ein barypifknus 

• • • — • _ 

A HHe eef a hhc eef a 

Zu allem Ueberfluase wird, was Ariötüxeuud hier gesagt, von ihm selber 
iu der Heweisführuug des Problem 15 citirt: 

Mit dem ersten dieser beiden S&tze giebt Aristoxemis ein Selbstcita^ des 
Problems welches lautet: 

Der nrdite Satz citirt die verba ii^sissiroa des Pioblemes 0, nur dass statt 
des Veigangenheits-Tempus natürüch das Prfisens gebraucht war: 

Auf welche Weise Aristoxenns den Bewds dieses Problemes geführt bat, 
braucht uns nicht weiter lu kttmmem. Doch wollen wir die Diflbrens des 
Aristoxenischen Problems mit dem an dessen Stelle gedrungenen des Um- 
arbeitecs ins Auge ftssen. Es giebt zwei diasenktische Gkuiston*Inter?aQe 
iu der Scata» ein tieferes A H «wischen dem Proslambanomenos und der Hj- 
pate hypaton, ein höheres ah «wischen der Mese und der Paramese. Was 
Aiistozenus selber im Problem 9 von dem Gauzton-Intenralle sagte» dass dessen 
höherer Grenzton ein barj-pykuos sei, pilt sowohl von dem Ganzton-Intervalle 
des Proslambanomenos, wie nicht minder von dem höheren Ganzton-Iutervalle 
der Mese- Was aber der Umarbeiter des Aristoxeiüscheu Problems 9 sagt, 
hat keine (idtiuig für den tieferen Ganzton des Proshunbanomenos . sonriont 
höchstens nur für den lnihrren ( Jan/tdii a Ii der Meae, obwohl auch d' H auf 
die Mest' folLTi iKlen Tun nur ilerjeniirc eimu bai vi>yknos nennen kann, welcher 
die Sciila (l«'r Knhunuomk uaU Chromatik (denn um diese nur kaiui es s?ich 
handeln) nach dem Verzeichnisse der späteren Scluriftsteller über Musik vor 
Augen hat, wie s. B. des Peeodo^Euklid (p. 4): 



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Xil. Die emmeliscben ZuBammeuaetaimgcu gleicher lutenraLle. 323 

II 2. 'jrArtf uirdtojv. 
5l 3. "OpUTiätTi üitdxmv. 
c 4. Xiyovo; UTräxüJv ivapiAOvio;. 

e 5. 'jita-rr, [Xiacuv. 

b 10. napavY^ ot>VTj|i.{Aiv(uv &vap(&övto^ 

du. «rnjitfiivoiv. 

h 18. impttjAloi]. 

& 18. xpEti) SttCeu^C^iwiiv. 

e 15. VlfjTT|| Olt5|cUY{J-i^iUJ'^. 

e 16. TpltTj urepßoXaltov. 

f 17. jtapa'/TjTT^ u^rep^oXalaiv ivapftövioi. 

a 18. yifcn ÖRcpßoXaioiv. 

Also der VmairlMiler der AristoxmitBoheiu Pfoblemes bUt rieh gedanken* 

k» an der Form der Scala, wie sie derjenige Aastoseneer aufgestellt, irelcher 
aus der Harmonik des Meiaters den Auszug gemacht, nach welchem Pbeado* 
Euklid and wine Genoasen ihre kleinen Lehrbücher der Harmonik angefertigt 
haben. 

10. Problem. 

{ 82. Zwei Ditonoi folgen nicht aufeinander. 

Beweis: Man versnche sie hinter einander zu setzen. (Dem 
tieferen Ditonos muss nach unten zu ein Fyknon folgen, denn es 
ist gezeigt (ProbL 8), dass der tiefere Ghrenzklang eines Ditonos 

zugleich der höchste eines Pyknoii ist. Man setze nnn den höheren 

Greiizkluiig des oberen Ditonos als ersten Tun eines Systems. 

unterer Ditonos oberer Ditonos 
eef a gib 

Von den fünf Klängen, e, e, f, a, eis, wird aber der höchste 

(eis) weder mit dem vierten in der Qaarte, noch mit dem fünften 

in der Qointe symphoniren; es ist aber gezeigt (ProbL 1), dass ein 

21* 



324 



AristoxenuB zweite Uaniionik § 82. 83. 



Klang, bei welclinn keiin s von lieidcn der Fall ist. als ckinclist h 
gelteD uiuss ii» BLZiüiiuiig uui jetU'ii vierten oder tümten Klang, mit 
dem er nicht in der Quarte oder Quinte stimmt, miUün kaim ober- 
halb des Ditonos f a nicht wiedeinim ein DitonoB a eis folgen.) 

Statt deosen tüi>w]icfeni die HandBchnften die Umarboituiigf die wir 
weiterhin mitäieilen. Im guten Glauben ^ daaa diesdbe nicht minder wie das 
vonuusgeltende Problem Axistoxenisdi sei, sagt Marquard von ihr: 

Bftuq. S. 848 „Aristoxenna muss wohl einen besonderen uns unbekannten 
y,Grund gebabt haben , die B^grflndnng dieses Satses so au machen. Man 
„würde als die ein&chste doch dieselbe erwarten, welche heim vorigen Satx 
,,8ngcwendet wurde, daas nämlieh, wenn man awei grosse Tenen uadi dn- 

amier ävizt, weder die vierten Klänge die Symphonie der Quarte, noch die 
„fünften die d(>r Quint« bUden wurden. In der Tbat ist die hier g^ebene 

„etwas wunderlich; denn wenn auch der tiefere Grenzklang der grossen Tens 
„der höchste eine» gedrängten Systems und der höhere der tiefste einer 
..?<olchpn war, so folgt doch hieraus noch nicht, dass, wenn ich zwei grosse 
„Terz« 'II mich einander set/.r, auf" jene Kläugr w irklieh die gedrängten Systeme 
„folgen uiüsöeu, und wenn, wie gef*»lgt'rt wird, zwei gedrängte Systeme auf 
„einander folgen, so liegen d'X'li gewiss nicht die ]>eiden groSi<en 'I'< i zcii uelx u 
„••inunder. Wie es scheint will Arieito.veuus v.- geradezu als eine inmuuicutc 
,^ugenschaft jener Ciircnzklänge liinstellen, d&äs uuf sie stctä nur das be- 
„stimmte Intervall folgen kann, um jede Abwmehniig in der (heorrtiBdien An* 
»»Ordnung der Scalen unm^lich zu machen'*. 

Ich habe diesmal Marquardt Krläuterimg mit grösserer üefriediguui; al» 
bei den übrigen Problemen registriren können. Ja e?* ist wahr: als ein Ge- 
danke des AristosenuB wäre der handsdiriftlicli aberlieferte Bewds sehr ver* 
wunderlich. Aber mehr noch: wie er uns vorliegt, ist er kein Beweis. Auch 
bter rührt die Fassung von demselben Umarbdter her, dordi den auch daa 
vorausgehende Problem entstellt ist 

Der Udwvarbeiter beweist nSmKeh folgendcrmassen : 

Beweis: Man versuche sie (die beiden Ditouos-Iutervalle) 

hinter ciiiundur /. ii '<otzen. 

Dem höheren Ditnimü wird nlsdiinn nach der Tiefe zu 
ein Pykiinn folgen, denn der untere Grenzklang eines Di- 
tonos war ein oxypyknos. 

Dem tieferen Ditonos aber wird nrich der Höhe zu ein 
Pykn<»u fulgeu, denn der obere Greuzklang des Ditonos war 
ein bary |)yknr)S. 

Geschiehl ilie.s, dann wenien zwei Pykna nelu n einander 
gesetzt sein. Da dies ekmelisdi i^l, wird es aueli ekmelisch 
sein, wenn zwei Ditouoi neben einander gesetzt werden. 



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XII. Die euimelischeu ZusammeuseUungen gleicher iatcrvaUe. 325 
Der Ueberarbeiter d^t «ich dies so: 



Es ist gtaa Tichtig (durch FMblem 8 bewiesen), daas rieh sowohl an den 
unteren Ditonos wie an den höher«! je ein Pjknon anschUessen muss. Das 
logische Versehen des Ueberarbeiters besteht darin, dass die Anfeinandeifolge 
der bddcn Pykna swer für den Angenschein vorhanden ist (man yer- 
glcnebe die vorslelMNide Tabelle), aber durchaus nicht in der Weise Euklids 
be>\iesen ist Viehndir widcrspridit die Aufeinanderfolge der Pykna dem im 
LohräHtze Angenommenen. Es können nicht zwei Ditono^-Intervalleda auf einan- 
der folgen, wo swei Pykna auf einander folgen aollen. Das chic schllcsst das 
andt re aus: es wird sowohl durch die Folge der beiden Ditonoi <lie Folge der 
beiden PykTm an^prcsclilnsscr) , wir titngekehrt durch die Folge der beiden 
Pykna die Fnlirc lU r beiden Ditonoi. 

Ari:^tiixcinus selber hat, wie Manj. richtig bemerkt, dm Problem 1 2um 
l*.t \v( ise drs I*robl«'m«>s 10 licrbeiiii<'licn mügsen. So auch unsere Reatihition, 
für ilvn u lü< litigkcjit aucli die folgenden Probl. 11, 12. i:^ Hpn'chen, die ganz 
in analoger Methode bewiesen sind. 

11. Problem. 

§ 83. Im Enharmonion und im Cliroma werden zwei auleiu- 
ainl« ilulgunde (iaiiztüne nicht gesetzt. 

Beweis: a. Man setze iliu zuerst auiwiUts von dem im Enhar- 
inoiiioii und im Chroma vorkommeudeu (diazeuktisclicu) Ganztone 



tiefer Ditouos 



liöberer Dltonos 





Lieh. Diaz. 



l— 4 €hinatOne — 1 



Chroma 
malakon 




die (Quinte 



(Jhroma 
hemiolion 





326 



Aristoxcnus zweite Harmonik § 83. 84. 



tomaion j ^ 



Chroma "*^f 




Quint« 



Wenn nun der den hinzuzusetzenden Ganzton nach oben begrenzende 
Klang (eis) emmelisch sein soll, so muss er entweder mit dem vierten 
in der Quarte oder mit dem fünften in der Quinte symphonirea: 
geschieht aber keines Ton jenen beiden, so muss er ekmelisch sein. 
Dass jenes aber nicht geschehen wird, -ist klar. 

Denn die enharmonische Uehanos (f), die ja doch von dem 
hinzugefügten ;ius den vierten Klang bildet, wird vier Ganztöne 
von ihm abstellen; 

dif climiiiati^iche Lidianos im Cliroma njalakon wie im 
Chroma hemioiion wird mit ihm ein noch grösseres Intervall als 
das von vier Ganztönon ausmachen; 

im Chroma toniai on wird sie mit dem hinzugekommenenKlange 
in der Qointe symphonieren, — was Alles nicht geschehen sollte, 
denn entweder h&tte der vierte Klang vom himnigenonunen^ Klange 
(eis; ans mit diesem in der Quarte oder der fünfte in der Qninte 
stehen nitissen. 

b. Wird der zweite hinzuzufügende Ganzton abwärts vom diazeuk- 
üscheu Uanztone (ah) gesetzt: 




Kleiner als die 
Qnart(> 

Quarte 



Cliroma 
malakon 




j Kleiner als die 
I Quarte 1 



Kleiner als die 
— Quinte — 



Chroma 
hemioiion 





XII. Die eni'uieUächen Zusammensetzuiigeu gleicher lutervalle. S27 



(alsdann wird der ihn nach unten begrenzende Klang g 

in dem Eiiharnionion mit dem nacli oben zu folgenden vifTten 
Klanj?e ein Tntervall bilclcu, welches um eine cnharmonische Diesis 
kleiner als die (Quarte ist, mit dem fünften aber eine Quarte; 

im Chroma malakon nnd hemiolion wird ermit dem vierten 
ein Interrall bilden, welches wiederum kleiner als die Quarte ist, 
mit dem fünften ein solches^ welches kleiner als die Quinte ist; 

im Chroma toniaion wird er von dem vierten zwai* eine Quarte 
abstehen, aber er wird alsdann) (la> (Teselilecbt zu einem Diatonon 
toniaion (g a h c) (anstatt eines Chroma toniaion) maciieii. 

Somit ist es klar, dass in der Scala des Enhannonion und des 
Chroma zwei Oanzton-Interralle nicht unmittelbar hinter einander 
gesetzt werden. 

Dif» uui^o'nfiilli^r Liirkc im zvmiUin Theile des Problems (b), du- den bis- 
herigen Bearbeittrii imbeiiu rkt geblieben, ist durch Gleichheit der an- und 
auslautenden Worh ii der bt idcu auf einander folgenden Sätze veranhisst: 

'Eicl Ii TO fiap'j TO öeuTepov tonioiov ( . . . . TONiaiov) oidxovov rM f^zn xit ^i^x. 

Marq. S. 95: „Setzt man den zweiten Ghuizton aber in der Tiefe zu, so wird 
er das (Geschlecht zu einein diatunischcn machen." Welches Geschlecht? Das 
enhnnnonische nicht, da? Chrnma malakon nicht, das Chroma hcmioh'on 
nicht. Hlofs das Chroma toniainn , in welchem der erste Klang mit dem 
vierten in dev (.Quarte symphonirt, wird eben für den Umfang dieser Quarte 
aus einem Chroma toniaion zu einem Diatonon toniaion. 

IS. Problem. 

§ 84. In dem diatonischen Ges(ihleclite können drei Ganztöue 
nach einander gesetzt werden, .mehr aber nicht 

liewcis: Wenn (las letztere geschelien wird, so wird der den 
vierten Ganzton begrenzende Klang eis weder nnt dem vierten (g) 
in der (Quarte, noch mit dem ftinften (f) in der Quinte stimmen, 
(sondern mit dem vierten (g) ein Tritonos-Tntc i vali, mit dem füni- 
ten (f ) ein Intervall von vier Oanztönen bilden.) 



Chroma 
toniaion 




Quarte 




328 Aristozeaiis zweite Haraionlk § 84--89. 

5 • 4 3 2 1 

e f g » h de 

I 1— TritonoB-' 
L 4Gaiiifeffne 1 

18. Problem. 

§ 85. fn demselben (diatouischen) Geschlechtc können zvcei 
Halbtöno nicht nach einander gesetzt werden. 

Beweis: a. Man setze das fragliche zweite Halbton-IntervaU 
abwäiis von dem bereits vorbaadenen (dis e vor e f): 

dis e f g a 
_ Ditonoe-J 
'■- - Tritonoe 

Dann wiid der den voi angesetzten Halbton begrenzende Klang (dis) 
weder mit dem vierten Klangt' (g) in der (Quarte, noch mit dem fünf- 
ten (a) in der Quinte s}7nphoniren. 

Und insofern wird die yersachte Stellung des Hemitonions 
ekmelisch sein. 

b. Wenn einem der bereits Torhandenen Hemitonien (e f ) ein 
zweites (f fis) nach oben binzugeitlgt wird 

c d c f fis 

dann wird ein Cliroma (d e f fis) entstehen. 

Somit ist klar, dass in einem Diatonon zwei Hemitonien nicht 
aufeinander folgen können. 

Auieinanderfölgo aagleicher Intervalle. 

§ 86. Im Vorausgehenden (ProbL 9. 10. U. 12. 13) ist gezeigt 
worden, welche von den gleichen unzusammengesetzten Intervallen 
nach einander gesetzt werden können und wie ^ele der Zahl nach, und 
welche nicht zulassen, dass wir sie bei gleicher Grösse mit ein- 
ander verbinden. Nunmehr ist dasselbe in Betrcflf der ungleichen 
Intervalle zu erörteni. 

Im Vorausgehenden wurde die Zusainmensetzbarkeit von jf zrvvei gTe!dieii 
lutervaiieu erörtert nach folgenden Kut' j^orien und in folgenden Problemen: 

Pyknon Ditonos Tonos Hemit. 
ProbL 9 ProbL 10 ProbL 11. 12 ProbL 18. 



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XII. Die emmeliscbeu ZuaammensetzuDg^ ungleicher Intervalle. $29 

Jetit ist die Zmammensetzbarkeit jedes dieaer Intcrvaliu uiit einem jedeu vou 
ihnen in der nfimlichen Keiheufolgc zu erörtern: 

ProbL 14 Probt lö ProbL 11. 18 

Pjknon Ditonos Tonoa Hemit 

^ — I . — - ■■ 

ProbL 16 

Es fehlt hier die Combination des Ditonos mit dem Hcmitonion und des 
Pyknoii mit dem Hemitouioii. Man könnte denken, auch diesen Verbindungen 

hal)»" Aristoxonu?« betreffende Problemata i^ewidmet, wi lchr in dem überlieferten 
Texte. ausgefaiien scieti. T'^ikI *!och w*m-(1i>!i wir nicht berechtigt sein, hier eine 
Lücke anzunehmen. Denn bti It t inlnii ifidnen, die des Ditonos und Hemi- 
tonion und die des Pyknon und Hcmitonion. welche in den Bereich des Enhar- 
mouiuu und Cliromatikuu gehören, sind mit dem Probleme 10 reep. 16 erledigt 

14. Problem. 

§ 87. Zil einem DitonoB-Interralle wird sowohl unterhalb wie 

oberhalb ein Pyknon gesetzt. 

Beweis: Es ist gezeigt (Probl. 8), dass in der Synaphe die bei- 
den in Rede stehenden Tnterrallo mit einander abwechseln. Offen- 
bar wird also sowohl Pyknon an Ditonos, wie Bitonos an Pyknon 
nach unten und oben hinzugesetzt weiden. 

15. Problem. 

§ 88. Zum Xtitonoa wird ein Ganzton bloss nach oben gesetzt 
Beweis: Man setze ihn unterhalb des Ditonos. Dann wird der 
höchste und tie&te Klang eines Pyknon auf dieselbe Tonstufe fallen, 
denn der tiefere Grenzklang eines Ditonos-Intervalles war der hdchste 

eines Pyknon (Pi obl. 8), der höhere Grenzklang eines Ganzton-Tnter- 
valles war der tiefste eines Pyknon (Probl. 9). Da diese nun aiü' 
dieselbe Tonstufe fallen, so ist es notliwendig, dass zwei Pykna ge- 
setzt werden. Da dies aber ekmelisch ist (Probl. 7), so muss auch 
der Ganzton unterhalb eines Ditonos-Interralles gesetzt ekme- 
lisch sein. 

16. Problem. 

§ 89. Zu einem Pyknon wird ein Ganzton bloss nach unten 

gesetzt. 

Beweis: Man setze ihn auf die entgegengesetzte Seite (oberhalb 
des ^knon). Dann wird wieder dieselbe Unmöglichkeit (wie in 
ProbL 15) eintreten, denn der hdchste und tiefste Ton eines P^on 



330 



AristoxeouB zweite Üarmouik § 81^—94. 



wird auf dieselbe TouMtufe fallen, ^oda^s zwei Pykna iiebeiieinaTider 
■'tclion. Da dies ekmelisch ist (Probl. 7j. so mu.ss auch die Hinzu- 
ItiguQg eines Ganzton-IntenraUes aufwÜLrti» vom Pykuoa ekmelisch sein. 

11, Problem. 

§ 90. Im Diatonon kann nicht zagleich zu beiden Seiten des 
Qanzton-Intervalles ein Hemitonion stehen. • 

Beweis: < icscliirlit dies, dann wird weder der erste mit dem 
vierten in der Quarte, noch der erste mit dem l^ntleu in der (^^uinte 
symphoniren (Flrobl. 1). 

18. Problem. 

§ 91. Auf jeder der beiden Seiten von zwei oder von drei 
Oanztönen ist ein Halbton emmeÜBch zul&ssig. Denn es werden 
alsdann entweder die Yierten Kl&nge unter einander in der Quarte 
oder die fünften in der Quinte symphoniren. 

Der nngi führte Grund ist iiacli Probl. 1 kein \ oll?tiiiidigcr Beweis. 
ArintoxeiKiä niuss daher noch etwas weiteres liiiiziigel'iigt haben, waa in der 
Ueberliefemng auäge&Uen ist. 

Welohes Interrall aiBeoi jeden Ihtenralle lieiuushbart? 

Unter Fevtbaltung der Anscbanimg von der topischen Bew^'g^m^ der Stimme 
zeigt AristoxeniiB, wie viel Wef;e es von einem Intervalle nach oben und nach 
iintm pbt. Er meint damit dir Wege zum nächsten Intervalle der Srala. 
Ilt-Hlmlb ülit r^t ti'.en wir itf dem fiil<^'ciideu dem Sinne gemiUa: „maa(d u Stimme) 
schreitet za einem Nacbbar-iutervalL'* 

19. Problem. 

§ 02. Vom Halbton-Intervalle sclireitet man nach oben zu zwei ver- 
schiedenen Narhb:u -Intervallen [Ganzton im Diatonon, Halbton im 
Chroma toniaion], nach unten zu ebenfalls zu zwei [Ganzton im Dia* 
tonon und im Chroma toniaion, Halbton im Chroma toniaion]. 

Der Beweis, „welchen Ariätoxcnus ursprünglii li gewiss hinzugefügt hat/^ 
Marq. 349, fehlt m den Handflchriften. Ikforq. fügt binm: ^DieBCr Satz ist 
flbeiliaapt nicht in Ofdnting. Es kann nämlich nur der Halbton Im diatonischen 
Geschlechte gemeint sein. Dort kann man vom ttdbtone ans inuner nnr nadi 
dem Intervalle swischen Paihypate und Lidbanos fortscbr^ten. Denn dass bei 



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Xn. Die emmcliscben Znrommmwfitnangen der Intervalle. 331 

diesen Lehrsätzen auf die verschiedenen Cliroai keine Rücksicht genouunen, 
beweist fast jeder derselben." Mai 4. denkt nicht an rrobl. 22, § 97: xatt* 
ixdaxi^it XP^^^ tAv (t«TÖvoiv and andere Stellen § 96. 99. 

80. Problem. 
G,icp<pXv)p«" genannt, § 99.) 

§ 93. Vom Ditonos aus schreiU't man nach obm zu zwei ver- 
schiedeuen Nachbar-Intervallen [Ganztoii bei der Diazeuxis und 
Pyknon bei der Synapbe], nach unten zu bloss zu einem [ftrlaioii 
sowohl bei der Diazeiuds wie bei der Synaphe]. 

Beweis: Es ist gezeigt worden, dass zum Ditonos nach oben 

gesetzt wird sowohl ein Pyknon (Probl. 14) me auch ein Ganzton 
(IVobl. 15); andere Nachbar-Intervalle des genannten Iiiturvallos 
wird es aber nach oben zu nicht geben (vgl. Pro])l. 151; nach unten 
zu aber bloss ein Pyknon (Probl. 14), denn von den unzusammenge- 
setzten Intervallen bleibt allein der Ditonos übrig. 

Zwei Ditona aber werden nebeneinander nicht gesetzt (Probl 10). 

Demnach ist es klar, dass vom Ditonos ans nach oben zu bloss 
zwei yerschiedene Na^bar-Intenralle gesetzt werden, nach unten zu 
aber bloss eines. 

Denn es ist gezeigt, dass zum Ditonos nach unten weder der 
Ditonos gesetzt wird (Probl. lÜ) noch der Gan/ton (Probl. 15), so 
dass also bloss das Pyknon übrig bleibt. 

8ü ist nun klar, da«s pr Yom Ditonos aus. nach oben zwei ver- 
schiedene Kachbar-Intervalki giebty einmal den Ganzton, sodann das 
Pyknon, nach unten zu aber nur eines» nämlich das Pyknon. 

21. Problem. 
(„i(pößXi)(&o*' genannt, § 99.) 

§ 94. Yom Pyknon ans giebt es umgekehrt nach unten zu zwe 

Nachbar-Intervalle (Ganzton bei der Diazeuxis, Ditonos bei der 83^- 
napbe), nach oben zu eines (Ditonos sowohl bei der Diazeuxis wie 
auch bei der Synaphe). 

Beweis: Ks ist gezeigt, dass yom Pyknon aus nach der Tiefe 
zu sowohl ein Ditonos gesetzt wird (Probl. 14) wie aucb ein Ganz- 
ton (Ptobl. 16). Zu einem dritten Nachbar-Inter?all kann man nicht 
schreiten. Denn es bleibt von den unzusammengesetsten Intervallen 



332 



Aristoxenus zweite Harmonik § 94—100. 



bloss «las Pykiioi! übri^*), zwei Pykiia aber können neben einander 
nicht gesetzt werden (Pi-obl. 7), so tiass es klar ist, <lass wir vom 
Pyknon aus nach unten bloss zu zwei yerschiedenea Nacbbar-Iuter- 
vallen schreiten können. 

Kaeh der Höhe zu giebt es nur ein Nachbar-Interva]!, den 
DitonoB. Denn weder kann zum Fyknon ein zweites Pyknon hinzu- 
gesetzt werden (Pi-obl. 7), noch oberhalb des Pyknon ein Ganzton 
(Probl. IG), süduüs blüs der Ditomjß übrig bkiibt 

So ist nun bewiesen, dass wir vom Pyknon abwärts zu zwei 
Nachbar-Intervallen schreiten können, dem Ganzton und dem Ditonos; 
aufwärts zu einem, dem Ditonos. 

*) Daa Pyknon ein unzuaamuicugesetztes Intervall zu nennen, da es ja 
eine Combinatk»! von «wei Intervallen ist, kann sieh AriBtoxenus nur der Kfine 
so Liebe erlauben. Aehnlidi auch § 99. 

22. Problem. 

(als ein oiiizig)>s „TTp4ßXt)(t«" beseichnet § 99.) 
M&n oö&iv («.äXXou ini To6to\> xoQ icpoßXif|(iatoc . . . ^ iiA tüm nporipoiiv**. 

a. 

§ 95. Vom Ganzton giebt es (im Enharmonion)^) nach unten 
zu und ebenso auch nach c»l)cn zu bloss ein Nachbar*Intervall, nach 
unten zu den Ditonos, nach oben zu das Pyknon. 

Jieweis: Es ist gezei^^t, dass unten nel)en den Ganzton weder 
ein Ganzton fProbl. 11), noch ein Pyknon gesetzt wird (Probl. 16), 
sodass nur der Ditonos übrig bleibt. Es \M fenn r gezeigt, dass 
üben (neben den Ganzton) weder ein Gauzton (Probl. 11) noch ein 
Ditonos (Probl. 15) gesetzt wird, sodass nur das Pyknon üljrig bleibt. 
So ist nun klar, dass es vom Ganztone nach jeder Seite hin nur 
ein Nachbar-Intervall giebt, nach unten den Ditonos, nach oben das 
Pyknon. 

*) Fehlt in den Handsehriften. 

b. 

§96. Aehnlich wird es sich hoi den ( liromntn verhalten, nur 
dass statt des Ditonos das jetler Chroa eigentliümbche Intervall 
zwischen Mese und Lichanos gesetzt wird, sowie der betreffende 
Um&ng des I^knon. 



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Ali. I>ie emmelischen Znsain inenaetaungeo der loiervalle. 839 



C. 

§ 07. Aeliulich auch bei dem Biatona. Denn von dem dm Ge- 
schlechtern gemeinsamen Tone aus wird es nach jeder Seite hin ein 
Kachbar-InteryaU geben, nach der Tiefe zu das jedesmalige Inter- 
vall zwischen Mese und lichanos, nach jeder diatonischen Ghroa 
verschieden, nach der Höhe das Intervall zwischen Paramesos und 
Trite. 

Zusatz; 

i 98. Nun gab aber auch dies Problem (§ 05. 96. 97) bei 
einigen zu einem Irrthum(^ Veranlassung. Sie wundern sich uäm- 
lieh, weshalh nicht das Umgekehrte von dem Gesagten statt- 
findet. Denn es scheint ihnen, als oh vom Ganztone aus nach beiden 
Seiten hin die Zahl der Nachbar-Intervalle eme unbegrenzte sei, da 
es ja unendlich viele Ghrossen des' durch Mese und Lichanos ge- 
bildeten lutervaUes (§ 55 d S. 258) und ebenso auch des i'yknon 
gebe (§ 99). 

§ 99. Hiergegen wurde nun zuerst gesagt, dass man hiei-an 
ebenso wenig bei dem vorliegenden (ProbL 22) wie bei den voraus- 
gehenden (20. 21] Anstoss zu nehm^ habe. Denn offenbar wird auch 
vom Fyknon aus das eine der Kachbar-Intervalle eine unbegrenzte 
Zalil von Grössen annehmen können (Probl. 21), nicht minder vom 
DitoiifH aus (Probl. 20). Denn ein Intervall z>viscben Mese und 
Licbanos hat eine unbegrenzte Zahl vei*8ckiedener Grössen und ein 
Intervall wie das Pyknon hat mit dem geuauuteu dieselbe Eigen- 
schallt. Aber nichts destoweniger giebt es vom Pyknon aus nach 
unten zu zwei Nachbar-Intervalle (ProbL 21), vom Ditonos aus nach 
oben (ProbL 20) und ebenso auch vom Ganzton aus auf jeder Seite 
nur em einziges Nachbar-Intervall (wie un vorliegenden ProbL 22 
behauptet ist). Denn innerhalb einer jeden Ghroa eines jeden Tonge- 
schlechts nms> man die eigenartigen Nachbar- Intervalle verstehen. 

§ 100. Man muss nämlich einen jeden der in der Musik vor- 
konmiendon begriffe nur in soweit er ein begrenzter ist festhalten 
und in die betreffende Disciplin einreihen; wenn er aber unbe- 
grenzt ist, ihn zur Seite lassen. In Beziehung auf die Intervallgrösse 
und die Tonstufen zeigen sich die Begnffe im Melos als unbegrenzt, 
in Bezieliung aiii die dynamische Geltung, auf' die Eide und die 



334 



Aiistoie&iui swette Harmonik $ 100—108. 



Thesis ak begrenzt und bestünmt*). So sind gleich beim Fyknon 
die Kachbar -Intervalle nach der Tiefe zu bezüglich der Dynameis 

und der Eide bestimmt nicht mehr als zwei der Zahl nach, denn 

wenn der Gaiizton das tiefe Naclibar- Intenall bildet, so macht- 
er dah Sclienia deb Systoiiics zur Dia/euxi>; \venn das tiefe Nachbar- 
Intervall ein anderes 31egetbos hat. sei es ^velchcs CS wolle, so wird 
damit das Schema des Syätcmes zui* Syuaphe. 

Daraus ist klar, dass man vom Ganzton aus nach jeder seiner 
beiden Seiten hin nur zu £inem Nachbar-IntenraQ schreitet, und 
dass die beiderseitigen Ifachbar-Intervalle Bin Eidos des Systemesy 
nämlich die Diazeuzis bewirken. 

Aus dem Gesagten und der Sache selber leuchtet ein, dass man 
ins Unendliche verfallen wtirde, wenn man die möglichen Nachbar- 
Inter\'alle für jedes TongCHchlecht ni( ht immer blos narh Einer, 
sondern nach allen Chroai der Geschlechter behandeln wollte. 

*) Dieselben Gedanken über das Begrenzte und das UiÜMgreiiste in 
der WisficnBcInift spricht Aristoxenus f&r die Rhythmik in den Temüschten 
Tiflcbgespiichen (icspl toü xP^wu itf obtou) aus. 

23. r r o b 1 C m. 

§ 101. Im Chroms und Knharmonion gehört jeder Ton dem 
Pyknon an. 

Beweis: Inden beiden genannten Tongeschlechtcm bildet ein 
jeder Klang die Grenze von einem TLeilc des Pyknon oder die Grenze 
eines (rauztonintervalles oder ii'geud eines Intervalles zwischen Me.^e 
und Lichanos. 

Bezüglich der die Theile eines Pyknon becrrm/euden bedarf es 
keines Beweises, denn augenscheinUcli gehören sie dem Pyknon an. 
Die Grenzklänge des Ganztoues sind oben (Umarbeitung des § 9) 
beide als die tie&ten eines Pyknon nachgewiesen. Von den Grenz- 
klängen des übrig bleibenden Systemes wurde der tiefere als der 
höchste eines P}'knon, der höchste als der tiefste eines Pyknon 
nachgewiesen. 

Da es nun blos so viele un/iisainmenj?esetzte Tutorvalle giebt, 
jedes aber von solchen Klängen bi\i;reiizt wird, dass jeder dem Py- 
knon augohört, so iat klar, dass jeder Klang im Ghioma und Enhar- 
monion dem Pyknon angehört. 



« 



Xli. Die emmeiiachen Zuwmmeusetxungeu der lutcrvalle. 



335 



Der Bewd« liegt uns in der Form vor, welche er durch das £iadriqgea 
der von dem Udbemrbeiter hexstamtnetidtti Maigiiialieii in den Text erbalteii 
hat. Andi hier sind «de im Problem die T<bie A und a unberficksiehtigt ge- 
bliebML 

24. Problem. 

§ 102. Dass es für die Klange des Pyknon drei Stellen giebt» ist 
leicht zu sehen, da zu einem Pykaon weder ein zweites Pyknon 
noch auch der Theil eines Pyknon hinzugefügt wird (FrobL 7). Denn 
offenbar wird es aus diesem Grunde nicht mehr als didl Stellen 
fiir die genannten Klänge geben. 

25. Problem. 

Dieses Problem ist wiederum durch die Ucbtürarbeitung outstellt 

a. 

§ 103. Bbs Tom tiefsten Tone des Pyknon aus kann man 
nach der Tiefe oder nach der Höhe zu je zwei Nachbarklftnge be- 

rülireu, bei dem mittleren und ebenso dem höchsten nui* einen. 

Beweis: Es war in dem voraosgehenden gezeigt, dass es vom 
Pyknon aus nach der Tiefe zu zwei Nachbar-Interralle giebt, das 
üiiiü der Ganzton (bei der Diazeuxis), das andere der Ditonos (bei 
der Syuaphe) [Probl. 21]. Wenn wir aber sagen: es giebt vom 
Pyknon aus (nach unten zu) zwei Nacliljar-Jjitervalle, so lieisst dies 
dasbelbe wie; vom tiefsten der im Pyknon vorkonmieuden Klänge 
aus giebt es nach oben zwei Naclibarklänge , denn eben der tiefste 
Klang des Pyknon ist es, welcher dies abgrenzt 

Es ist nmi gezeigt, dass es vom Ditonos aus nach oben zwei 
Nachbariiitervalle giebt. das eiue der Ganztuu, da^ andere das 
Pyknon (bei der Synaphe) [Probl. 20]. Wenn wir aber sagen, vom 
Ditonos aus giebt es nach oben zwei N aciibur-intervalie, so heisst 
dies dasselbe wie: vom höheren Grenzklange des Ditonos aus giebt 
es zwei Nachbar-Intervalle, denn dieser ist es, welcher das Ditonos- 
Interrall nach oben abschliesst» Offenbar aber ist der obere Grenz- 
klang des Ditonos identisch mit dem tiefsten Tone des Fjrknon, denn 
auch dies war bewiesen [Umarbeitung des FrobL 8]. Somit ist es 



Aristoxcnus zweite Uariuouik § lui— l(Mi. 



klar, dass es vom genannten Touc sowohl uach uuten wie uach 
obeu zwei ^aclibartöue giebt 

Arutoieiiiia selber mnaste aagen; 

Von dem tiefflten Klange des Pyknon aus giebt es nach unten 
zu zwei Naclibiirklänge, nämlich bei der Syiiaphe den um einen Di- 
toiios tieferen, hei der Diazeuxis den um einen Tonos üei'ereu; nach 
obeu zu uur eiueu, den zweiten Klang des Pjrknon. 

b. 

§ 104. Dass es femer vom höchsten Klange des Pyknon aus 
sowohl nach oben wie nach unten nur ein Nachbar-Intervall giebt, 
ist beweisen. 

Beweis: Es war nacligewiescn, dass es vom Pyknou nach obeu 
nur Ein Niichbar-Intervall git bt. nänilicli den Ditonos (Probl. 21). 
Wenn v.ir aber aagen, es p:ielii vom Pyknou nacl» oben nur Ein 
Nachbar-Intervall; so heisst dies aus demselben Grunde nichts an- 
deres als: von dem dasselbe begrenzenden Klange also: vom OJJ" 
pyknos aus nach oben um den Ditonos entfernter Klang. 

Es ist nachgewiesen, dass es auch vom Ditonos nach unten 
nur Ein Kachbar-Litervall giebt (nSinhch Pyknon F^bL 20). Wenn 
wir aber sagen, es giebt vom Ditonos-Intervall ans nach unten nur 
Ein Nachbar-Intervall, so ist das aus demselben Gninde nichts an- 
deres als: von dem dasselbe begrenzenden Tone. Ofi» i.l>.ir ist aber 
auch der tiefere Grenzklang des ]>itonos identisch mit dum höchsten 
Grenzklange des Pyknou, da dieser der höchste des Pyknou ist. 

Somit ist klar, • dass es vom genannten Klange sowohl nach 
oben wie nach unten nur Ein Nachbar-Intervall giebt. 

Af^toxemis «elber moBste sagen: 

Vom höchsten Tone des Pyknon giebt es nach oben zu nur 
Ein Naclibarintervall nämlich di'ii Ditonos; nach unten ebeulalh» 
nur Eines, nämlich das mittlere Xutervall des Pyknou. 

c. 

§ 105. Dass es endlich vom mittleren Klange des Pyknon aus 
sowohl nach oben wie nach unten nur Ein Nachbar-Intervall giebt, 
ist 2U beweisen. 



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Xii. l>iü einmeUscheu Zusamiuenaetzuiigeu der lutervalle. 337 



Beweis: Zu dem genuuntL'u Klange inuss iiothwciulig eines der 
iinziisammorigesetzten Intervalle gesetzt werden. Da aber auf jeder 
Seitf desselben eijie Diesis ilire Steile hat, so kann zu ilir auf keine 
Öeite weder der Ditonos noch der Gauzton gesetzt werden. 

Denn setzt man den Ditonos, so wird mit dem mesopyloios 
entweder der tiefste oder der höchste Klang eines Pyknon zusammen- 
£EÜlen 

■ I 

III I 

Diton. Pykn. Pykn. DitoiL 

so dass, wie man auch den Ditonos setzt, tlrei Diesen auieinander 
folgen. 

Wenn man aber zu derselben Stelle des I^ylcnon den Ganzton 
setzt, dann wird wieder dasselbe eintreten; denn mit dem mesopy- 
knos wird der tieiste Ton eines Pyknon zusammenfallen: 



Tykii. Ton, diiizeukt. 

SO dass drei Diesen aufeinander folgen. 

Da dieses ekmelisch ist, so giebt es Tom genannten Tone aus 
aol' jeder Seite nur Ein Intenrall. 

Demnach ist klar, dass eff Tom tiefsten Klange des JPyknon aus 
auf jeder Seite zwei Nachbar-Intervalle giebt, Tom höchsten und 
tie&ten aber auf jeder Seite nur Eines. 

26. Problem. 

§ 106. Dass es nicht emmefisch ist, wenn zwei in ihrer Theil- 
nähme am Pyknon unähnliche Klänge auf dieselbe Stufe gesetzt 
werden, ist nachzuweisen. 

Beweis: Man setze zunächst den höchsten und den tiefsten 
auf tüeselbe Stufe. 

Pyknon 

- 

I^knon 

ArUtoitnu*. Mdik o. Rhjrtiimtk. 23 



888 



Arifltoxeiiufi zweite Harmonik § IU6. 107. 



Geschieht dies, so folgen zwei i'vkiia autVinander. Da dies ekrne- 
lisch ist, so ist es auch t knielist h, wenn die genannten Klange im 
Pj'kuon auf dieselbe Stufe fallen. 

Klar ist es aber auch, dass nicht cmmehsch ist, wenn Klänge, 
welche nach dem übrig bleibenden Unterschiede verscbieden sind, 
dieselbe Tonstufe gemein haben: 



Denn mag mit dem mittleren Tone des l^knon der tie&te oder 
der höchste Ton eines F^knon die Tonstnfe gemeinsam haben, es 
werden drei Diesen aufeinander folgen. 



Zweites Problemen-Paar über die uBsusammengesetsten Intervalle. 

Schon »I Anikng« dM Abaehnittea, unmittelbar nach der ErOrterong der 
Synapbc und Diazeuzis, hat AriBtozeuuB über die unsiuammengesetsten Inter- 
Talle dn erstes Pkoblemen-Paar aufgestellt: was der Begriff des imsusanmen- 
gesetsten Intervalles sei, und dass in jedem Tongescbleebte hödistens nur so 
* viele unzusammengcsetzte Intervallgrässeu vorkuimncn, &h denm Anzahl in dem 
Qninten-Pcntachonl beträgt* Hieran würde eich dem sachlicheu Zusanimen- 
bauge nach eine Erörterung, wie gros» für jedes einzelne Tougeschleebt die 
Anzahl der unzusammengesetzten Intervallgrössen sei, anschliessen. Diese 
Erörtenuig bleibt dem lotzten Problemen -Paar des sraiizen Abschnittes vnrbo- 
haltcn, weil vorher die Ertrebnissf du- Probleme 20 und 21 zur Bestimuiuug 
der Intt^rvallgrösson-Aiizuhi erl'urderlich sind. 

Es ist als ob das letzte Problenien-Paar den wissienschaftlichen Giiifel- 
punkt d' s ;.'aiizcu, von Aristoxfinis mit so ausserordentlicher Vorlipbe behandelten 
Abschuittt s. Iiilden sollte. Jn der Tlmt ift das letzte i'roblemcu-Paar für die 
Theorie de» griechischen Melo> von ungemeiner \\ iehtigkeit. 

Pi'eilich war schon im IX. Ab-^chn. (sowohl der vorliegenden zweiten wie 
aneb der ersten Harmonik) von die^jen Thatsachrn die Rede, alx v iin.-ier Ab- 
schnitt XI cntliält die nur zu rrwiiiisclitr neslatigmig der ilort aiigL'L'''l>oiien 
Thatsacheu. I)ii >elbcn entzieiieu ^ich ou sehr der gewöhnlichen VurstcUung, 
welche uiiiu sich biuher in Folge der Arbeiten Boeckh's und Hellermann's und 
ihrer Vorgänger von der griech. Harmonik machte, dass Paul Marquard (wie 
sehon S. 308, 6 hetnerkt) trotsdem er die von den in Bede stehenden Tlwtsachen 
des Abschnittes IX der ersten und xweiten Harmonili fibersetzt und unter 
richtiger Emendation des griechischen Textes im kritisdien und ez^jetisehen 
Oommentare durehans richtig iuterpretirt hat, nichts deetoweniger bd der Stelle 



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XII. Die euuneiiscbeu Ziuammen&etsuugen der Intervalle. 



339 



des Alwchiiittes XII, welche genau dieselbeaTliatsacheu wiederholt, die Meinung 
anwpricht, dase sich von fliiieii wader Bonat bai AriBtoxaniia oocb bei ebiam 
anderen Muriksehriftsteller auch nnr die leiseste 8|rar finde. 

Was wir uaiuiicli iii diesem Piobleiweii-raür durch Aristuxeiiuä erfalireu ist 
dies, dass die durch die griechischen Tongeechleehter und One Chroai bedingten 
Tetracbord-Theilungen keineswegs auf die Ton Boeeich und fieUermann liervw- 
gezügeneik Formen (wie dieselben oben S. 259. 260 angegeben sind) beschiinlLt 
waren. Denn die früher von ihm (erste Harmonü^ $ (^7. 58» 8. 291 und 
xwttte HarmonÜL) g^benen DanteUung bestätigend, stellt Äristozenus im 
Abschnitt Xn die Probleme 27 und 28 auf» deren Inhalt von jedem, für 
welchen das Heloe der Gtieelien Interesse bat, w<dil au beachten ist 

Das in den folgenden von AristoaEenus als „Diatonon mit swei ver- 
schiedenen Intervallgrössen*' beBeichnetePentaebordistdasgewÖhnliefae 
„Diatonon i^tonon'*; das „Diatonon mit vier verschiedenen Inter- 

vallgrössen" ist das Diatonon malakon, das „Euharmonion und C1n on)a 
mit drei verschiedenen Intervallgrössen" ist das gewöhnliche £nhar- 
monion und das gewöhnliche Chroma in seineu drei Chroai. 

Dasjenige, wa* hier (§ 27.28) von Aristnxetins als ..Diatonon mit drei 
vt'rschiedeneu Intervall^^^rössc-n'' und als ..Chroma mit vier ver- 
schiedenen Intervallgrössen ' bezeichnet wird, ist das einzijje von Ar- 
chytas aufgeführte Diatonon und Chroma, wie im Abschnitt XIV dargethan 
wird. 

27. Problem. 

§ 107. Dass das Diatonon entweder zwei oder drei oder vier . 

(verschiedene) uiizusaniiuengesetzte Intervalle zu seinen Bestaud- 
theilen hat, ist nachzuweisen. 

Beweis: Dass jedes der Systeme höchstens aus so viel unzu- , 
sammengesetzten Intervallen besteht wie in der <}ainte enthalten 
sind, ist froher (Probl. 6) nachgewiesen. Es sind diese letzten der 
Anzahl nach höchstens vier. 

n) Diatonon mü swei vertdUedenen häervaügrotHn, 
(Diatonon ^tonon.) 

Wenn nämlich von den vier Intervallen drei einander gleich sind, 
das vierte aber eine von diesen verschiedene Grösse hat — dies 
wird im Diatonon syntonon der Fall sein — so sind es bloss zwei ver- 
schiedene Grössen, welche die Bestandtheile des Diatonon ausmachen. 

22* 



C^oogie 



340 



Aristoxeuua zweite Hai'mooik § 107. lOS. 



* 9 „ i 

I I I I i 

X a. S 



Hemit Tonoa Tonos Todos 

Diiif'Diu/i mit di'ei vers'hic'huen Jntvrvallgrossen. 
(DiatOQoa gemiacbt uüt chromatischer Tarhypate. Diatouou des Archyta^'*) 

Weim aber die Parhjpate verändert wird und BOmit zwei In- 
tervalle der Quinte einander gleich sind, zwei aber diesen nngleich 
sindt so werden es drei verschiedene IntervaUgrdssen sein, welche 

die Bestandtheile des Diatonon sind: ein Intervall (das tiefste\ 
kleiner aU der Halbton, ein anderes (<lus mittlere und höchste) 
vom Umfange des Ganztones, ein anderes (das zweittieiste) wieder 
grösser als der Ganzton. 

mit Parhypate des Gbroma malakon: 



mit Pai-hypate des Chioma heniioliou: 



— : j — -n 



Kleiuer Qtömt Toium To&os 
«linMBatt. «laToaM 

Erste Harm. § 58 S. 262: „Es entsfrht ein cinim lisi hcs 'retrachoiil auch 
auo ein« r ilnuuisiti.'*cheu Parhypate, (welche tiefer ula ilic hi-uiituuischo i^t) und 
auä der höclisteii diatouiseheu Liehauuä.'^ Der umklammerte Zusatz zur huud- 
üchrilUii^hen UeberUefcruug i»t eine der Sache nach gewiss richtige Emendation 
Marquaxds. 

Zweite Hacm. § 58 S. 288: „Das Intervall swisdien Parhypate und 
Licbanos ist Ueiner als das swischen Licbanos und Mese, wenn man als Lichaaos 
jdie höchste diatonisdief ab Parhypate eine von denen, welche tiefer als die 
hemitoniscbe ist, anwendet." 

*) Es ist dies Aristoxenische „Diatonon mit drei verschiedenen' Intervall* 
gi^össen" identisch mit dem einagem „Diatonon" des Archytas, welcher das be- 
treffende Tetraehord durch die IntervaHverhältnisse 

27 : 28 7 :8 8:9 
ausdrückt, dieselben Zahlen, durch die Ptolemäus die Intervalle seines n^ü»' 
tonon toniaion" bezeichnet. Das Nähere vgl. Abschnitt XIV. 



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XII. Die emuieliücheu Zusammeusetzimgeii der Intervalle. 



341 



c) IXatoMm mit vier tMndkiedMem Intermllgrösten. 
(Diatonon malakon.) 



V\e\m aber alle Iiitervall^^riisscM drT Quinte ungleich werden, 
80 werden es vier verscliiedeue lutervallgrössen sein, welche die 
Bestandtheile des Diatouon sind: 



So ist es klar, dass da>> Diatouou entweder zwei oder drei oder 
vier verschiedene Intervalle hat. 



28. Problem. 

§ 108. Dass das Cbroma und das Enhannonion entweder drei 
oder vier verschiedene unzusammengesetzte Intervalle zu ihren Be- 
staudtheilea haben, ist nachzuweisen. 

a) J^nharmonion und Chroma mit drei verschiedenen Ititervailgrösgen. 
Beweis: "Wenn von den -vier Intervallen, die in der Quinte der 
Zahl nach enthalten sind, die Theile des F^k&on einander gleich 
sind, so werden die verschiedenen Bestandtheile eines jeden der 
genannten Tongeschlechter der Zahl nach drei seu). 





Chroma 
malakon 




Chroma 
hemioUoii 




342 



Aristoxeans zweite Harmomk § 108. 109. 



Chroma 
tomiiiioii 




das eine die Hälfte des F^knoii (seines Tongeschlechtes und seines 
Chroma) y wie gross es auch sei, das andere vom Umfange des 
Ganztones, das diittc das z^vkcllen Lichanos und Mese befindliche. 

b) JEnharmomoH uitd Chr&ma mit vier wrtekUienen J^tUrvaUgrÜue». 



Wenn über die Theile des Pyknou liu.uiaei ungleich sind, so 
werden es vier Intervallen )sn(mi sein, welche die ßestaudtheüe der 
genannten Tongesciilechter bilden: 

das kleinste (\or vier Intervalle ein solches wie das zwischen 
Hypate und Farhypate, das zweite wie das zwischen farhypate 
nnd liichanosy das dritte der GrOsse nach vom tFm£uige des 
Ganztones, das vierte wie das zwischen Lichanos ifnd Mese. 

In der zweiten Harmonik § 57 S. 2äl, 282 sagt Aristoxenus von den bei- 
deo unteren Intervallen de« Tetraebordes: „dne jbt^all swisehen Hypste und 
Parbjpate lat entweder gleich gross wie das awisehen Parhypate und licfaano«, 
oder es ist kleiner; . . . dass es Ideiner ist, kann ans den cbromatisehen Thei- 
Umj^en erkannt werden, wenn man nämlii^ die Parbjpate des- Chroma mala- 
kon und die Lichanos des Chroma toniaion nimmt, dran aneb derart^ Thei* 
lungen des F^knon zeigen sich als emmeVaeh. 

In der ersten Harmonik musa dieselbe Notiz enthalt«! gewesen sein, aber 
die Handschriflen sind hier defekt 



■ItBamtl; •IgHtmlt alaToa 
*) Das Chromat welches Aristoxemis hier im Auge hat, ist idenüseh mit 
dem einagen „Chroma" des Arcfaytas (vf^l. Absehn. XIV). 



(Chroma des Archytas*). 




Kkiaer Grösser UröM«r Tono* 




Xn. Die emrndbsohen ZuBonuneiiBetziuigeD der IntervaUe. 348 



Der $ 57 erwihnt aufldrflcUich imr du Chroma malaJcon, aber diiiin Biigt 
er weiter: „denn audi derartige Theiliuigea des Pjrkn. zeigen sich ato emmeliaeh.'' 
AVas ist unter f^derartigen Theiluiigen" zu verstehen? Xiclit uur ausser dem 
Chroma inalakon auch noch das Chroma ]icmiolion, sondern — dies lehrt uns 
(Irr § n?' - anch (his Enharmonion: denn dort heigst es: ..da?s das Chroma 
und das Enhannonion cntwetior iliei oder vier verschiedene intervallgrössen 
zu ihren Bestandtlieilen lialieii. ist nachzuweisen.** Der § 89 setzt mithin 
ein Enharmoniou und zwei Chromata als Klanggeschlechter mit vier verschie- 
denen Intervallgrössen voraus. 

§ 109. Da hatte einer ein Bedenken, weshalb nicht das Enhar- 
monion und das Chroma gleich dem Diatonon auch zwei ver- 
schiedene IhtervaUgrGssen zu seinen Bestandtheilen habe. Der 
Grund davon , dass dies nicht der Fall ist, liegt im Allgemeinen 
darin, dass drei gleiche unzusammengesetete Intervalle im Enhar- 
monion und Chroma nicht gesetzt werden, wolil ;ib< r im Diatonon. 
Aus diesem Gnunle kijiiiieii 1j1u>> Iiis weilen im Diatonon zwei un- 
zusammengesetzte Intervaligrösseu die Be^standtheile bilden. 

Der den Aristoxo»» hiterpellirende Zohdrer ist ein Freund pedantischer 

GleichmUssigkeit. Das Diatonon hat entweder surei oder drei oder vier, das 
Enharmiott und Chroma entweder drei oder vier, aber nicht zwei Intervall- 
grfi-^s. n zu Bestandtheilen. „Weshalb nicht zwei"? fragt der Zuhörer. Und 
der I>ocent selber ist Pedant gentig, dasjenige was er so gut es gehen wollte 
in der Vorlesung darauf geautwortet hatte, nach der Vorlesaug iu das Col- 
legieuheft einzutragen. 



■ 



Xill. 
Die Systeme. 
(SjBtematische Stoicheia). 
Tgl. Pnxnm. § 17. 18. 

I 17. „Wenn geseigt ^rden, auf welche Weise di«- einfachen Inter- 
„valle mit einander zusammengesetzt werden [das ist im XII. Abschn. 
„gfscheheii\ dann sind die aus ihnen bestehenden Systeme m bchnndrhi, 
„die librip-n iiielit niindcr wie das vollj«tiindige Srsteni (-i} i<.',-<). und 
,^war in der Weise, dass wir zeigen, wie viel uii>l wt-khe | Quarten-. 
„Quinten-, Octaven- und DoppeloctHveu-Sy^jtenii-^ es .sind, und (la.-s wir 
„die aus dem verschiedeiieü .Megethos sich ergebenden Unterüdiiede 
„und wiederum bei jedem Megethos die Verschiedenlicitcu (erstens) des 
„Schemas, (zweitens) der SynthestB und (drittens) der The&U augeben, 
„dergestalt, d«8S bei den Melodamena Niehts, sei es Umfiiiig, sei es 
„Sclieina oder Sjnttiesis oder Thesis, unbewiesen bleibt.*' 

S 18. „Mit diesem Theilo der Disdplin haben sich die übrigen 
,,mcht befiisst, aasgenommen Eiatokies, welcher olme Nachweis eine 
„theUweise Aufzählung (der Systeme) unternommen hat Dass er aber 
„nichts (von r> iuig) gesagt, sondern Alles unrichtig angegeben und 
^it seinem Wabmehnmngsvermögen sieb geirrt hat, ist schon früher, 
„als wir diesen Gegenstand (rpaYaareia) an sich behandelten, dargethan 
„worden. Denn man hat .«ich. wie wir in den friihcren Vorlesungen 
„I iv ToT; i'fjLTTpoaÖEv) sahen, nirgend« mit di-n übrigen Systemen befasst; 
„bluöö von Einem Systeme und niu- für Kin 'J'onirepeblecht hat es Era- 
j.tokles nntcrnoinnii'u . ^iebt ii Srlieinata der Oetave aufzuzählen, «lie er 
„durch Uuibtt:iluug der Iut«'ivaUe nacliwics, ohne indcss zu erkeuuLU, 
,.das8, wcmi vorher nicht die Schemata der Quinte mid der Quarte dar- 
,.gelcgt worden und dann femer, welche Art der ZasainmaisetEang es 
„sei, nadi wddicr sie enuneliseh susammengesetEt werden, dass <— sage 
„ich — ) in einem solchen Falle sieb bomussteUt, dass es mehr als sieben 
„(durch dae Schema verschiedene) Systeme giebt. Doch haben wir, 
ndass dem so ist, sclion in den frflheren Vorlesnngeu ausgeflQirt, und 
„so wollen wir dies jetzt zur Seite Uegen lassen und sofort die weiteren 
irAbachnitte unserer Disciplin angeben.'' 



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XLLl. Die Sjsteme (Syatematiache Stoicheia). 345 

DieM SAtie des FkodmiooB sind nahem Alles, was die bandschriffliehe 
Ueberlieferttiig beillglich der den Abedtnitt Xin bÜdenden Lehxe von den 
Bystemeti entibiat. Deiui Ton der Aosföhning dieses Abschnittes besitsen wir 
nnr die beiden ersten PamgiBphen. Mit fiecht eiginst Bneile dieselben ans 
dem Anonym, de mus. Nodi «giebiger ftr die Eiglnsmig ist Pseudo- 
Euklid y welcher mit dem Anonymus aus der nämlichen Quelle geschöpft hat, 
der Arbeit eines dem Namen nach unbekannten AristozenecrSf weicher die 
Darstelhmg des Meisters umgearbeitet hat. 

Also 1. Schema, 2. Synthesis. 3. Thesis. das müssen die drei Kapitel ge- 
wesen sein, nach dem n dt 1 Abachn. XIII g^licdert war. Wenn Aristoxentis 
in der Rhvthniik du* IiitiMvalleulehrc sHiut HniTnnnik als „diastematische 
Stoicheia" eitirf (vf;l. 8. 285), so muss er die Systemen-Lehre als „systema* 
tische Stuiciieiu'' gefitöst haben. 

Erinnern wir un-^ ihiss Aristoxcnus auch schon in den den Stoicheia mr- 
auspehendeii Eiiiguugsabschuitten IV § 88. 40 und Abschnitt VTI 5 if^ 4^ 
über die Systeme geredet hat. In Abscbu. IV giebt Aristoxemu» den liegnü 
und die Eintheilung der Systeme, in Abschn. VII behandelt er „im Uniri??e" 
die symphonischen Systeme: Quarte, Quinte, Üctave und deren Zu&aintn» n- 
setzungen zu einander. Der Abschn. IV nennt ausser den vier Unterschieden der 
Systane: 1. nach dem Umfange, 2. nach Symphonien nnd Diaphonien, 8. nach 
den TongesdUecfatem, 4. nadi Bataonalitftt und Lrrationalitit, auch nodi 5. den 
Unterschied nach Synaphe und Diaaeuzis, 6. nach continnirlichen Systemen 
nnd Qystemata hyperbata, 7. nach dn&chen, swdfiBchen und viel&cben Systemen 
und scfaliesst dort (| 41) mit den Worten: „Worin aber ein jedes von ihnen 
besteht, wird im Folgeiiden geaeigt werden." 

Nun aber wiU Aristoxenus (von dem die Symi^nien bdiandehiden Ab» 
sdmitteTU abgesehen) an keinem andem Orte als bloss noch im Abschn. XIII 
Ton den Systemen handeln. JAea geht aus d«n Pkooimion unwiderl^lieh her- 
vor. Auch diese Unterschiede der Systeme mflseen also in dem Abschn. XIII 
behandelt gewesen sein, namentlich 4. bis 7., Ton denen früher noch liein ein- 
siger erörtert war. 

Grchen wir nunmehr nx der Dar.'»tellung der Syptemo über, welche sich 
in der P?cndo-Enklidi«chen Kiuleitung in die Harmonik p. 12 — 18 findet. Diese 
Darstellung^ ist, wie schon. prsapt. au.s dmi Werke fresehöpft, in weUliein ein 
uj^ dem Namen nach unbekannter Anhänger des Aristo-xenub vuu dessen Dar- 
stellung der HaniioHik einen Auszug lieferte. Diesen Auszug selber besitzen 
wir nicht mehr, aber durch die Musiker der römischen Kaiserzeit, welche den- 
selben in ihren Compendien excerpirten, können wir uns eine Vorstellung von 
jenem nicht erhaltenen AuBsuge des Aiistoxeneeis machen. Die Pseudo» 
Euklidische „Einleitung hi die Harmonik** ist fOx den Abschnitt Yon den Sy- 
stemen die reichhaltigste unter ihnen. 

In der- Systemenldire des Ftaendö^Euklides sind drai Bestandth^ von 
nngleicbem Baume au unterscheiden. Der erste Theil stammt aus dem Ab- 



346 



Aristoxenus zweite llaruiouik § 110. III. 



sehmtt IV der Aristoxeaiscben HannoiiOc, der nreite Thefl «ub dem Ab- 
schaitt VII, der dritte Thdl, welefaer der umfangreieliBte ist, aiu dem Ab' 
achnitt XIII. Obwohl hier nur dieser dritte Theil nneere Anfmerksamkeit in 
Ansprach nimmt, so ist es doch auch auf den ersten und sweiten der b^en 
Bestandtheile dnsugehen unerlisslich, denn Ab doeumentiren mah entochie- 
denste, dass die Darstellnng des Pseudo-EukHdos, gleichviel ob mittelbar oder 
!iTimitt(^!bar, auf Aristoxeniis zorilckgeht. Vormuthlich geht die durch Pseudo- 
i^uJüides <'xcerpirt<> Arbeit des anonymen Arlstoxeners uiclit auf die erste 
'xler zweite Harmonik des Meisters, .'i<>ndem auf die dritt«- zurih k, in we lcher 
Ari-fr»xonus selber die 18 Abschnitte der ersten uud 2%veiteu Hunnunik zu 
sirlit'ii AiMchuitteu luugearbeitet hatte. VgL das Prooimion zur dritten Ilar> 
mouik. 

£BST£B BE8TANDTEEIL DER EUKLIDISCHEN 

S YS TEMENLEHRE. 

Stehen Unfer.^chirde <h'r S>i^ff*rnf nirhf rs. Vier hahcn sie mit den Inter- 
vallen nemeiniiiDi : I. nuck dent Mer/ethojs^ i*. nach dem Grnos, 3. den des «yin- 
Ithmischen und diaphunUchen, 4, den des rationalen und irrationalen S^teme*. 

ZWEITER BESTANDTSEIL BEB EUKLIDISCEEN 
SYSTEMENLEHRE. 

1. Nach dem Megt^hot tutd die ffrdseeren Sjfdeme ton de» kUimerem t«r> 
eekieden, itie Oetaee, Trüemty (liunte^ Quarte t». dgl, 

2. *VacÄ dem Genos, z. B. die diatonischen von den enhamionischen oder 
ekromatiethen, oder die eHromafiecken oder «nAarmonischen 9on de» tibrtffeit. 

3. S>/t>ij>lio)ii,^r/ir uud (fiaphonidche Sij.\-'f inf^: ilie von si/)» j'hnnisrhc» K!tni<it n 
unischivssrni n iirifrr.ir/iriden sich vuu den durcli didphonischr Kläiuji' htyjrcnzten. 

Indem S^/jt/cma amafabolon fjiehf ts i', Si/i?)pho>ii( t n I. die (luarte, die 
kleinste Si/mp/i"/nr , aui ztr^f Oanzf'hicn inid^ einem halben, x. B. von der Hy- 
pate hypaton zur U'ipafr intsun; 2. die i^ulnfv twit 3*|g Gauziuncn, z. B. rom 
Pruslamhanomcnos zur Jiypate meson\ dte Odare aus ü Ganztijiwn , z. B. 
eosi ProüanAanomenot zur Sete synemmenon oder mr Faranete diezeugmenon 
dtaionoei /. die Undeeime {Oefave mii Quarie) au» 8V« GamUöaeni die 
Buodeeime {Oeiave mä Quinte) mu 9 Vi OaneiSnen, s. B. mm ProdambdnO' 
mena$ hie sur Net« dieteu^enoni 0. die Boppdodme am 19 OaniUdnen rom 
Proetambanomenoe lie vur Nete i^rbolaion. 

Bae »ogen, Sgeiema «^»eMmeno» jeA^6ws«r «Mr^£(yflij9iloifis, näm' 
Ueh I. Quarie, S. Qwm/«, 3. Oetaw, 4. Undeeime, 

Vergröseern läset »eh der Umfang der Stimme bie zur eiebei^ und 
achten Sjfmpkonief nmnUch 7. Boppeloetave mit der Quar^, S, Boppetoetave mii 
der Quinte. 



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XllL Die Systeme: 1. Scliemata oder Eide. 



347 



Diaphanische Intervalle sind alle diejenigen, welche kleiner als die Quarle 
sindy und alle diejenigen, welche zwischen zwei stfmphonischen Intervallen in der 

DBITTBS B^TÄNDTSEtL BSE EUKUD18CSEN 
SY8TEMENLEERM, 

Derselbe behandelt zimilchst die verschiedenen Schemata des Quarten-, 
Quintei^ und Oetaven^Systemea. Der Anfuig dieaer Ptotie stiinmt mit dem 
kttnen Reste, weleher in den Aristozeniflebeii Uandichriften von Abtebn. XIII 
rieh ecbalten hRt, so edur fiberein, daea man aie gegenseitig ans einander emen- 
diren kann. 

Es folge hier nnnmebr das knrae in den Handschriflen noch erhaltene 
AiistoxeniiB-Fnigment des Abscbn. Xm fiber die 

1, 

Bohemat* od«r Eide der Systeme. 

§ 1 10. Hierauf ist zu erürtern. was der Unterschied nach dem 
Schema ist — es ist einerlei ob wir Schema oder Eidos sagen, denn 
beide Xnmen beziehen wir auf dasselbe. 

£r findet statt, wenn bei dem nftmlichen aus den nämlichen 
nnznsammengesetzten Intervallen bestehenden Megethos — ich sage 
aas den nämlichen sowohl mit Bezug anf ihr Megethos wie ihre 
Anzahl — die Reihenfolge derselben sich ändert 

2>re< £l<f6 tfe« Quarten^Sy&temeg, 

§ III. Nachdem dies festgestellt, ist zu /xigen, dass es drei 
Eide der Quarte (in jedem der drei Tongeschlechter) giebt. I. Im 
Enliarmonion: erstes Eidos, wo dji^ Pyknon unterhalb des Ditonos 
liegt; zweites Eidos, wo eine Diesis zu beiden Seiten desDitonos; 
drittes Eidos, wo das Fyknon oberhalb des Ditonos. 

1. h h c e 

2. Ii c f e 

3. c e e f 

(8o im Enharmonion imd analog II. auch im Cbroma. HL Im Diatonon 
aber sind die Quarten-Eide folgende: Erstes Eidos, wo der Halb- 
ton das untere Intervall bildet; zweites Eidos, wo der Halbton 
das obere Intervall, drittes Hdos, wo der Halbton das mittlere 
Intervall.) 



348 



Arütoxeuiu zweite üarmouik § III. 



1. h e d e 

2. c d e f 

8. d e f g 

Dass es nicht möglich ist, die Theile der Quarte anders als 
in der gegebenen Beihenfolge zu setzen, ist leicht einzusehen. 

Mit diesen Worten, auf welche ronlchat noeli ein das »j^Suv «•^vtSctv 
ansf flhrender Beweis im Sinne der Problemata des Torjgea Abeclinitles gefolgt 
sein mnsB» endet das handschriftliche BrnchstOfik der aweiten Aristoxeniaehen 
HanDonik. 

Welchen Gang Aristoxenus im Verfolge di r T)nr<t< llung eingehalten hat, 
dürfte aus den im Prooimion l>i*i Gelegenheit der Inhaltsangabe des Ab* 
jschnittos XIV, § 19 gebrauchten Worten hervorgehen: „Sind die Systeme so- 
wohl nach einem jcdfn der To ngcschl«' elitär wie nach jedem iliror 
Untersehicflp aufgezahlt worden, m wird (im Abschu. XIAT) die Mischung der 
Tonge-c'ljK'i litcr zvi unterKUrhin sein." 

I)ii"-('r Mitthrihnitr (l< hi Pmoimion» zufolge uins^ auch \nr dem Schluss- 
patze t iiie «la.-* Chrouia und das DiarmKni tiir die Schnuata der Quarte dar- 
stellende Partie ausg»»falleu sein, denn in dt r Handschrift i>t V"n ileu drei 
Tongeöchlechtcni blu»* das Enhanuuiiiuu ausgeführt. Wir iiabeu. wasi hier für 
die Quarte des chromatisclien und diatonischen Gesclilcchtcs gestanden haben 
inuss, nach der Darstellung des Pseudo^Euklides exgSnat. Dieselbe lautet im 
dritten Bestandtheile der Systemenlehre: 

Dasselbe Jülepcfho* hat rei'schitdtue Üvlumata, aus uiizvsammengesetztt u 
£iitervaUen von gleicher Grotte und Anzahl bestehend, im Falle nämlich beim 

VwrkBMdemtin eine* ung^eiehm JMenMUU* die Seihenfulge licA mderi. Denn 
die au» Uuier jh ichtn oder oAnKele» huterraUen beeUKendeH AaS«» keinen 

Weeheel der Beihenfolge. 



Urel Schemuta dem ijuarten^Syatetnsg, 

Dat ers fe Sehemo ist dat von Sarfpjfkne umtehlottenef t, B* von der 
Sypate J^paton bis zur Bypate vtwm. 

Das zweite Srh^mn ist da* von Mesnpykna unueUoteene »* B. von der 

. Parhypcifr hvpafnn ^>/.* zur Piirh><pa(e mcson. 

Das ih'itte ^rln ,na <his von Oxyp^kna umschlo-fseney z. B. von der 
Lichau"-'' h'ipfjfnn h/< zi'r Ltc/iaaoii mc.i'ni. 

In der Jlai iNutiii und (Um Chroma werden die Schemata der St/mphonieen 
mit Rücksicht at^ die Stellung des I'iiknon ffenommen. 

ÜM Bioionon aber ^At ee kein Pj/knon, da diee Getto» au» Malhton und 
Ganzidnen heeieht. In der Quarten- Symphonie «tnd nämlich ein BalUon und 
zwei Gansidne, iÄnalog «mel t« der Quinie'}. Mit BOekeiehi at^ die Steüung 
de* Salhlon* werden die Sehenutta bettimmi. 



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XDL Die Systeme: 1. Schemata odi» Eide. 



349 



Von (fem diatonischt n (Quarten-System ist dm erste Kidot da*' 
jeni^e, in utlchem der Halbton UHtvrhalh der Ganztöne lietjt, 

das zweite £idos hat den Jlalhton in der Müte der Ganztoney 

im dritte» Eidoi Hegt der Ganxton ob&r^kaib d§r Maütöni, 

A}!^ dietM0 Wein auch in den üf/ri^ijen Toncfesckle&kiem. Ferner gie^ ee: 

Vier SchenuUa des QuliUen^Syeteuiee* 
Im Snharmonien (nnd analeg im Ckrema^t 

erste» Qßinten- Schema von Bairyfighna imeddoeeeni der fdiaeenkUseke) 
Oanaien Uegi eben, «. B» von der Hgpaie meeon üe xnr Parameee; 

avieites Qu inten-Sch ema von Mesopyhna umschlossen: der Qanxton an 
rorlcUtter Stelle^ t, B. van der Pa/rhypaie meson bis zur Triie ditxeugmenon; 

drittes Quinten-Schema von Ox^ft/kna umeekloesen: der Qanxton an 
ztoeiter Stellet t. B. ren der Zickano» meson bis zur Paranete diezsngmenon; 

viertes Quinten-Schema n.n Jinri/pyknu inu.trh/'/sHen: der vierte Ganzton 
liegt obtn, z. B. von der Mese zur Nete diezeugmenon oder vom Proslambano' 
menos zur Hfpate meson. 



♦ 



1. e e f ah 

2. e f a h Ü 

8. f n Ii h c 

4. a h h c e 

Im Diatononi 

erste* Quinten- Schema.- der Halhton un/en, 
zweites Quinten-Schema : der Jltlhton ohen, 
drittes Quinten-Schema: der Malhtun an dritter SttUc, 
vierte* Quinten- Schema t der Halbton an zweiter Stelle. 

Lei g ah 

2. f g a h c 

3. g a h e d 

4. a fa c d e 

Endlich ffiebi est 

St^en EUie des Octaven^Systemes» 

Irrstes Ocfiiven-J\i^ü$, von liarypykna nmschlosxen. Der erafc Ganzfon 
ohen, von der H^pate htfpaton bis zur Faramese. Hiets bei den Alten Mixo- 
lydi*ch. 

Zweites Octawn-Eidvs, von Mexoj i/k/iti um.<chlossen, der zweite Ganzton 
oben, von der Farhy^iole hypaton zur Trite dtezeugmenon. Wurde Lydisch 
genannt* 



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350 



Anstozenus z>veite Uanuooik. 



Dritte» OdateH'Mdw, von Oxi/pt/iena um$eklo$$&H, d«r drüt* Gantio» 
often» von def Lidkanoi J^/pafym-Ht zur Paranete dkzeugmemm. Wurde Piry- 
giech ffenanni. 

Vitrtc^ Oc/aicu-A'idos von Barifpjfk'na umschlossen ^ der vierte Ganzton 
ofttfii, von der Hypaie meeom hu tur Neie dieiMttffmeimn, Wurde Dorieek 
genamni. 

Fünftes Oe(aven-£!idof von Mexoptilna tmixchlossen , der fünf f> GanT^on 
oben, roll der l^arhypate meson bis zur Trite /lyperbolaioii. Jl'urde Hypo In- 
disch genannt. 

Dax aechfte Ocfaven-Fidox von Oriipvknn unnchlussen, der erste Ganzton 
ohn, von ihr Lichanos meson bis zur JS'etc hi/perholaion. Wurde Mj/pophr^- 
gisch genannt. 

Da» tiebente Octaven-Eidot von Baryi)yJcna umeekloesen, der erste OetnX' 
ton unten, von der Alese zur Nete hyperbolaion oder vom Protlawkbauomenoe 
tur Meie. Wurde Keinen, Lokritti^ Mjfpodorieeh genannt, 

/m Diatouen {— nne jede Oeiave hat 2 Samtene und 5 Ganztdne — 

Breite Oeiaveu' Eidees da» erete {un^retej und dae vierte Intervall ein 

Halbton» 

Zveitee Oetaven*£idoe: dae dritte und da» eie^nie Intervall ein Morton. 
Dritt»» Oetaven-Midoe: SkUfton et» »weite» und ale eeehete» Jniervalt, 

Viertes Oetaven- Eidoei Halbton an erefer und ßinfter Stelle. 
Fünftes Octaven-Eido»: Ualhton an vierter und siebenter Stelle. 
Sechstes Oct aven- Fidos : Jlalbton an dritter und sechster Sftlle. 
Siebente» Ootaven-Mido»: Malbto» an »weiter und fünfter Stelle, 

Die Grenzkläage genau mit deneelhen Namen «pm leim EiAarmomen und 
Chroma benannt, 

hypaton meBoa diezeug. hypeibol. 



1. Mi.\*lv.l. Hedefgah 

2. L^^disi-h cde fgahc 

3. Piuygiacli defgslicd 

4. Dorisch efgahede 

h k 

5. Uypolydiach fgahcdet 

6. HypophiTgiach gahedefg 

7. HTpodorisch a Ii c d e 1 - a 



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XIIL Die Systeme: 1. Schemata oder £ide. 



351 



Die Octaven-£ide für die Euharmomk und (aualog für die Cliromatik): 



5. Uyjioljrd. 

6. Hypopluyg. 

T Hypodurisch 



4. Dorisch 



1. Mixoljd. 

2. Lydiscli 
8. Fhiygiaeh 



hAc eef a h 

Uc ecf a hh 

e eef a hhe 

eef a htic e 

ef a hhc ee 

f a h(e eef 



a hhc eef a 



Die ganze Torlicgende DarBtellimg Aber die Systeme' verräth sich tmwider- 
legUch als eine entweder ans dem Aristoacenischeu Abschn. XIII der ersten oder 
der zweiten Harmonik, oder was, wie bemerkt, noch wahrscheinlicher sein möchte, 
aus dem Ab?ehn. III der dritten llanuünik geschöpfte. Auch der Anonymus hat 
vielfach dasselbe wie Pscudo-KukUd. was auf G^€m< in>ainkeit iler beiderseitigen 
Quelle liiiiweiflt. Es ist selbstverständlich, dass b«i allen dieneu Späteren das- 
jenige, was Aristoxenus selber gesagt, vielfach abgekürzt ist. Denn nichts 
findet sieh in imuereu Quellen von der durch Problcuiata beweisenden logiscli- 
mathematifleben Methode des Aristoxenus, die wir doch auch fttr den die Sy- 
eteme bdiandehiden AbBchnitt der Arietoxffiiechen Stoieheia nothwendig Terans* 
seilen müssen. Was Äiistoxenns im P^tmion im § 19 bei Geli^genheit der 
auf die Systemen-Lelire folgraden Hisebang der TongescUeehter ssgt t,suid 
die Systeme . . . nach jedem der Tongest^dediter au^ealhlt woid^*', diese 
DarsteUungswdse des Aristonnafl lässt sieh audi aus dem Aussage des Pseudo- 
Euklid dentUdi erkennen. 

Dodi von etwas anderem, auf welches das Aristozenisehe Ptooimion im 
§ IS hindeutet, llsst sich aus dem vorliegenden Auszöge nichts mehr erkennen. 
Das Prooimion sagt nämlich: „Bloss von Einem Systeme und bloss für Ein 
Tongeschlecht hat es Eratokles uuternomineu , sieben Schemata der Octave 

attfztizahlen, die er durch T'^mstellung der Intervalle nachwies, ohne indess zu 
erkennen, dass, wenn vorher nicht die Schemata der Quinte und der Quarte 
dartrolegt worden inid dann ferner, welehe Art der Zusauimensetzunjr es sei, 
iiaeh wi h her sie etiuneliseh zusamnienjre.setzt werden, dass ( — sage ich — t in 
einem äulehen Falle »ich herausstellt, dass es mehr als sieben durch das Schema 
verschiedene Systeme giebt. 

Gaudentius, in der Darstellung d' r Sy8teme der treueste Doppelgänger 
des Pseudo-Euklid, hat p. 1& seiner harmonischen Einleitung aus dem genn in- 
samen Originale einen Theil der Stelle mitgethcilt. welche die Zu.saiiinien<etzung 
der Octave aus Quarten und Quinten betiaf. Man habe, heilst es dort, zwölf 
Eide oder Schemata der Octave angenommen, weil es drei Schemata der Quarte 
und Tier Schemata der Quinte gebe, und ans bdden die Ootave ausammenge- 




352 



Amtoxenus zweite Harmonik. 



setst werde. Aber nicht xwdlfi Boodem nur tieben Octaveogattungeu aeien 
emmeliedi. Dies also war du VethSmm des Eratoklea gewesen, dessen Er- 
gebniese AriBtoxenns mit seinem im Problem 1 des Absehn. 2LU1 entballenen 
Satze mit Leichtigkeit als ekmeliseh nachweiseii konnte. Weiteres Aber die 
OetaTenxusammeneettimg aus Quarte und Quinte in Bellennanns Anonym, p. 75. 

Aus jder oben angefahrten Stelle des Gaudentius ei^ebt sich, in welcher 
Weise Aristoxeims die sieben Octa^en-EidealsZusammensetBungenans Quarten* 
und Qiünien-£ide aufge&sst hat: 





l. Q^rte 


1. Quiute 


1. MixoL 


h c d e 


f g a h 




2. Quarte 


2. Qiiiufc. 


S. Lyd. 


oder 


g a h c 




3. ijumte 


z. (^arte 




3. Quarte 


3. Quiute 


3. Pbryg. 


d e f g 


a h c d 




4, ijainte 


3. fjuarte 




1, Quinfe 


1. Quarte 


4. Dor. 


e f g a 


b e d e 

-/ 




1. Quarte 


4. Quiute 




2. Quinte 


2. Quarte 


ü. Hypolyd. 


f g a h 


c d e • t 




3. (^unte 


8. Quarte 


6. Hypophryg. 


gäbe 


d e f g 






2. Quarte 


3. Quinte 




4. Quinte 


1. Qiuu-tc 


4. Hypoliov. 


a U c d 


e f g a 




3. Qiuurtc 


4. Quinte. 



Bei den Octaven-Fonm'i» 2. 3. 4. 6. 7 kanu mau iu der Tiefe sowohl mit 
einer Quarte wie mit einer Quinte b^finnen (nur bei Nr. 7 bat dies Gaudentius 
ausdrficlElieh bemerkt; seine Quelle Arntozenus wird es auch bei den übrigen 
nicht nnerwttbnt gelassen haben). Bei der Oetavenform 1. kann man nur die 
Zusammensetinng aus einer unteren Quarte und oberen Quinte annehmen, bei 
der Oetavenform 5. ntir die Zuaammensetsnng aus ehier unteren Quinte und 



Xm. Die Systeme; 1. Schemata oder Eide. 



353 



oberen Quarte. Denn voUte man die OcteTenform No. 1 ans einer unteren 
Quinte und oberen Quarte entatehen laieen, ao vttrde sich hier keine obere 
Quinte «gehen, denn f h iat ein Tritonoe. Ebenso in das Iitervall f h ist 
ein Tritonoe^ kein Qnarten-IhtervalL 

Aber die llixolydisehe nnd die HypclTdische Oetave kann man je nur auf 
Euie Weise ans den unansammengesetcten Syatemen (y^ S. 955) nsanunen- 
setaen: jene (die Mixolydische) aus dem 1. Quarten- und dem 1. Quiuteu-Eidos, 
diese (die Hjpolydbche) aus dem 2. Quinten- und dem 2. Quarten -Eidos. Die 
fünf übrigen Octaven dagegen je auf zwei Weisen: eimnal eiue Quarte unten, 
eine Quinte oben, sonrlann timg-ekohrt eine Quinte nnton. eine Qnarte oben. 

Von der doppelten Zusammensetzuntr der fiinf iibiigen (ausf^er der Mixo- 
lydischen und Hy^wlydischen) Octaven abgeselu n, \\iird(' sich also die Zusam- 
mensetzung aus (Quarten und Qiüuten tolgeiidtrniaasijcn licraa6i>U,4len : 

erste Oc-tHvr« aus dem ersten Qnarten- und dem ersten Qninten-Eidos, 
zweite (»etavu aus dem zweiten Quarten- und dem zweit<'n Quinten-Eidos, 
dritte Oetave aus dem dritten Quarten- und dum dritten Quintcn-Kidos, 
vierte Oetave aus dem ersten (Quinten- und dem ersten Quarten-Kiiios, 
fünfte Oetave aus dein zweiten Quinten- luid dem zweiten Quarteii-Eidos, 
■ediste Oetave aus dem dritten Quinten- und dem dritten Quarten-£id<», 
siebente Oetave aus dem vierten Quinten- und dem ersten Quarteu'Eidos. 

Nur dmn er^del)t die Zusammensetzung des Quarten- und des Quinten- 
Eidos ein emmeUscIies Oetaveu-Eidos, wenn das betretende Quarten-Eidos mit 
dem ätx Beobenlblge der BSde nadi g^elmamigen Quinten-Eidos (das ente 
mit dm ersten, das aweite mit dem zweiten, das dritte mit dem dritten) au- 
sanunengesetst iHrd, entweder das Quarten-Eidos in der Tiefe, oder das 
Qainten*Eidos in der Tiefi^ oder aueh (bei der HTpodorisehen Oetave): wenn 
das vierte Qninten-Eidoa in der Tiefe mit dem darauf folgenden ersten Quarten- 
Eidos sieh vereint. Ist dies nidit der Fall, dann ist die Zusaaunensetsnng der 
Quarten und Qnintm anr Oetave ekmeliseh. 

Durch solche Auseinandersetzung rauss Aristoxenus die Mängel, welehe 
er in dem Frooimion § 1^ der Kratokleischen Darstellung der sieben Oeteven- 
Schemata vorwirft, dem Gaudentius zufolge berichtigt haben: „Bloss von dem 
Kinem Systeme der <^>ctave . . . liat es Kratokles unternommen, sieben Schemata 
durch Umstellung der Intervalle nachzuweisen, (tlme zu erkennen, dasi«, wenn 
vorher nicht die Schemata der Quinte und der (^»uarten darg-elcL^'t wordm tnid 
dann ferner, weleUe Art der Zusammen «etzung es sei. nach welcher dicae em- 
meliscii zusammengesetzt werden, duaa in einem tjolcLen Falle t>ich h -rausstcllt, 
es müäjäe mehr als sieben durch das Schema verschiedene Octaven-Systemegeben." 

Die Unterschiede der altgriechiachen Octavcn-Eide sind im Allgemeineu 
dasselbe, was wir in der modemen Münk deu Unterschied der Ifoll» und Dur- 
Tonart nennen. Dur nnd Moll: auf diese Dyas besehrSnken sieh die Octeven- 
Gattungen der heueren Musik gegenüber der Heptas altgrieehischer Octaven* 

Eide. Was sich aus den Alten über den GebmUch und das Ethos der Oetaven- 
Arlatosttm«) n. Rlijthnilk. 2$ 



354 



Aiistoxeims zweite Uannuuik. 

« 



Eide emiiltelii ÜBst, ist von mir in der griedÜBclien Bbythmik und Hamonik 
vom Jahre 1867 § 27 aoigfidtig snnmmengeetellt Wie vir heut xu Tage 
dttrcb Dar andcn ab durdi MoU afficirt werden, ao und nodi viel melir wurde 
die Seele der Alten durdb die veradiiedenen Oetaveogattongen in gegensets- 

Ucher Weiae bewegt (daher Ari.^tid. p. 18: „[ajOTTjuaTo] 5 xal ^PX^^ '^^ "aXatol 
tav ifj^v ixdX.ojv"), und Dichter und Prosaiker sind beredt genug, die be- 
sondere Einwirkung des einen oder des anderen Octaven-Eidos auf das Ge- 
müth dos Zuhörer-' daraistellen. Sie reden von dorischer, phry^jischer Har- 
monie und iiiciuru damit, was Ari;jto.\(.-iiUH (Jctaven-Eidos nennt, denn Har- 
monia ist der ältere Naim' für Octav«'. Weniger genau wird von den Schrift- 
btcUeru btatt dessen auch durisi lior, jihrygischer Tonos ßresagt, was im Allge- 
meinen leicht zu Verwechselungen vericitou köiuii>\ d(;uu Tuuüs ist bei Aristo- 
xenus der Terminus technicus fUr Traospodtions-Scala, und aofiB&Uender Weise 
fahren die letzteren bei äm Alten dieselben oder wenigstens fihnliehe Benen- 
Hungen wie die Octaven, vgl Absebn. AVJJL 

Endlich kommt an Stdle von Oetaven>£idoB aadi noch der Name »Tro* 
pos" vor, d. i dorisdie Weise, pluygische W^ n. a. w. 

Ausser den Namen der sieben verschiedenen Octaven-]^de mrihnen die 
griechischen Schriftsteller, von den Prosaikern Tomdhmlicb Plato und Aristo- 
tdes, noch andere Benennungen griechischer Harmouieen. Zusaniincn mir den 
obigen kennen wir folgende Nainen. Zum Thoil lässt sich auch fiir diese 
übrigen bcalen der Anfangsklang mit Sicherheit ermitteln. 

Scala in e : Dorisch. 
Scnla in d : Phrygisclu 
Scala hl c : Lydisth. 
Scala in h : Mixolydisch. 

Sjnitouo-Jasti. 
Scala in a,: Aoolisch, Identisch mit l^pudorisch. 

Sy j i tuno-Ly diöch, 

Lokristi. 

Scala in g : Chalara oder aucimeue Jasti, oder scbiechthiu Jasti, iden- 
tisch mit Hypophr)'giadL 
Seala in f : Chalara oder (ep)aneimenc Lydisti, idoitisch mit IIy|>olydiach. 
Seahi in ? : BoiotistL 

Der Aufimgston der letzteren Scala ist aus der Ueberlieferuug nicht zu 
ermitteln. Was wir filier diese und die übrigen vermuthen, sidie weitar nnten. 



2. 

Syntliosia der Systeme. 

Aristoxenns selber sagt im Absehn. IV von den Unterschieden der Systeme 
§ 40: „Der dritte der liei d&a. Intervallen g^annten Unterschiede, nftmlich 
der, dass daa Intervall entweder ein unsusammengeeetztes oder em auaammen- 



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XIU. Die iSystcmc: 2. Syuthesifi. 



855 



gesetstes ist, vixd bei den Svatanien nicht TOikommen, wenigstens nicht in 
der Weise, wie nnter den Intemllen die einen irnsnaam mengesetrte, die andern 
«isammengeeetste sind.*' Von den Intemllen warm unzuBammengeaetst 
di^oiigen, welche dnroh swei in der Scala eontinoirlicb anf einander folgende 
Klin^ gebildet sind Das Gregenthetl von diesen ^nd die snsammoigesetzten 
Intervalle. Dieser Definition wird also, wie Azistozenus zu bemerke für nOtlüg 
hält, der Unterschied unzusaDuaaengcsetztcr und zusammengesetzter Systeme 
nicht analog sein. Der Anonym. § 74, welcher gleich dem Pseudo-Euklid auf 
die DarstdluTif,' dt s Aristoxonus als erste Quelle zurückgeht, redet von „un- 
zusamincngcsctztt n inid ;cus;iin mengesetzten Symphonieen." lTnzu8aüiinf'np"p- 
setzte seien die (^»uarteu- und Quintoii Synnilionic; zusaminongesotzt sei die 
Octave, die Uudct iine, die I)iu.Kl('ciinc und die Dojtjx-Ioctav. (laudeutius, dessen 
kleine Schrift ebeu tlahcr ötummt, aiigt p. 4 vuu der Eiutheilung der Systeme: 
die einen seien primäre uud unzusammcugesctztc (rpä)-a xal dlajvdeTa), die au> 
doren sden weder das eine noeh das andere (o&tc «piiTa o&ts dofi^vAira), also 
seeondftre und znsammengeaetzte Systeme. 

Hiermit gehen wir anf Pseudo-Enldid p. 12—18 zorftek: „Doreh den Unter- 
schied des Synemmenon und Diezengmenon werden diejei^;en Sjsteme, wdt^e 
ans SynraunMion-Tetrachorden ihr» Synthesis haben, von demjenigen, welche 
ans Dieeeugmenon- Tetrachorden msammengesetat sind, verschieden sein/' 
Diese beiden TctriK'li*>rde werden also diejenigen Systeme sein, welche die 
vorhergehende Stelle des Gaudendus „primäre und einfache Symphonieen" 
nennt: sie bildi u die Elemente bei der Synthesis der Systeme. Wir wissen 
hiermit, dass von den sieben Unterschieden der Systeme, welche Aristoxenus 
§ 40. 41 anfzfihlt, der fünfte und der siebente Unterschied sich auf die ver- 
schiedene Syuüieäis der Systeme beziehcu. 



a» SynapIiC' und IHazeuxiaSifsteme» 

In dem vierten der Eingangs -Abschnitte sagte Aiistoxeuus § 41: ,J>ie 
fünfte Eintlieilung der Systeme ist diejenige, wonach das System entweder 
durch Synaphe oder durdi Diazeuxis, oder zugleich durch Syuaphe und Die- 
zeuxis gebildet ist. Jeded System nämlich von einem gewissen Umfange an 
ist entweder ein S\ n>^umieiion oder ein Diezcugmeuon oder ein aus beiden ge- 
mischtes (Sj'stema miktoin, dt nu auch dies letztere zeiirt fieh in einigen Sy- 
stemen . . . Worin nlx r ein j' des besteht, wird im folgenden gezeigt werden." 
Unter „dem folgenden" versteht Aiistoxcnus die (systematischen) Stoicheia 
Abschnitt Xlll. 

Ans ihnen hat Euklid (vgl. S. 350) folgendes ezcerpirt (auch htA 0» Paul, 
Boetius S. 841): „Synaphe ist der gemeinsame Klang zweier continuiilicher 
Tetrachorde, welche das nftmliche Schema haben; Diazeuxis ist der in der 
Mitte stellende Ganzton zwischen zwei continuirlieh fortlanfon^in nach ein and 
deoraelben Schema eingeriehteten Tetrachorden.'* 

23* 



856 



Aristoxeuud zweite Hannooik. 



Dann sprieht nnter Excerpt ireiter: 

I. Von den 'sogenannten unvollkommenen Sjetemen (dteXiJ mmtf 
{ft«t«), welche an« den Imden dnftusiien Elementen, dem Sjmemmenon und dem 
Diewogmenon snsammengesetst sfaMl. Das wste der nnvollkonunenen Sjeteme 
ist dai 

Heptaebo'rd. 

Es heiMt dort: 

„Im Gänsen gicbt es eine dreifache Syuaphe, eine nüttlere, höchste und 
tieürte. Die tiefste Synafdie iat die ans dem Tetrachorde hjpaton und meaon, 
weldie durch die Hypate meeon e als gememsamen Elang verbunden sind. 

H c d e f g a 

Die mittlere Synaphe ist die aus dem Tetrachorde meson und «Tuemmenon 
susammeogesetste: als gememsamer Klang vobuidet sie die Mese a. 

e f g ab c d 

Die höchste Synaphe ist die aus dem Tetrachorde diezciignieiion und hyper- 
bolaion zusammengesetzte: als gemeinsamer Klang verbindet sie die Nete 
dieseugmenon. 

b c d e f g a 



Oktachord. 

Diaseuxts giebt es nur einCi aus dem Tetrachorde meson und diezeugmenon: 
gemeinssm ist Urnen als trennender Ganzton der zwischen Mese und Paramese 
Upende a h. 

ef g a bc d,e 

■ • 

II. V nllkomaieiie Systeme (tiXcta oj3TT,}i.aTa) giebt es zwei, eiu klei- 
neres uud ein grösseres. 

H e 11 (l e k a c h o r <l. 

Das kleinere Sjstema tcleion ist kata Synaphen vom Proslambano* 
mcnos bis zur Xete sjTiemnienon. In ihm kommen drei Tetrachorde syncm- 
mena: hypaton, niesou, syncmmenon vor. tichst oinem Ganzton vom Proslara- 
banomenos bis zwr Hypate liyitaron. Es wird durch die aus der Octave mit 
der Quarte bestehende Sympiionie begrenzt. Ptoi. il. 0 (Paul, Buetius S. 285). 

AUc d ef g ab c d 

■» ■*■ 

Pentekaidekachord. 

In dem grösseren Systema teleion kommen vier Tebwshorde vor, awei 
diezengmena kata Synaphen verbunden, einmal hypaton und mesoUf sodann die- 



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XIII. Die 878teine: 2. Sjuthem. 357 

zeugmeiiou mid hypeibuluiou, dazu noch zwei Gaiutöue, der eine zwibchen dem 
Proslambauomenos und der Uypate hypatou, der andere «wischen der Mese 
and Paramese; es wixd daicli die Syrophoiüe der Doppelocta^'e begrenafe. 

AHcdefga hcdeiga 



Gröbbtreb Systeuia emmetabolou. 

Fünf Tetrachorde kommen in dem (grösseren) Systema emmetabolou (so 

ist zu lesen) vor, welches aus den beiden Systemata teleia zusammengesetzt is^ 
Zwei Tetrachorde sind einem joden di r tcleia gemeinsam, das Tetrachord hy- 
patoii uud meöou; dem Sy^teina katu Syuapbt'u ist da? Tetrachord synemmonon 
eigentliümlicb; dem bystema kata Diezeuxin das Tetraebord diezeugmeuou 
und hyperbolftion". 

Es sei hier noch auf Abschn. XII S. RO^ venviesi ii, wo Aristoxeuus eine 
in der Folge zu erörternde Eigenthümlichkeit der Systeme anticipirt, welche nur 
bei der Syuthesis der Systeme bciiauielt sein kann. 

6. Einfache, zweSfaehe, vlelfaehe Systeme» 

Dies ist der ^bente Unterechied nadi Äristozenus $ 41: „Ikxm jedes 
System, welehea wir nehmen, ist entweder ein einfiuiiies odev «n swei&dies 
oder ein vielMies.*' 

Mwq. 8. 244 eommentirt: „Ueber diesen Untenclned sind wir besser 
Qutarriehtet Aristides p. 16,8 erldärt: Td (iiv Attki A imV Iva tp^irav fxxscvot, 
td &i o6)r d MTd idLtid^tw tp^mv idiM^v ^Iwrai, d. L und die einen sind 
einfach, welcheineiaereinzigenTonartaasgesetetsind, die andern nicht ein* 
fach, welche in einer Verknüpfung mehrerer Tonarten bestehen. In der In- 
troductio des Pseudo-Euklides lesen wir p. 18,20: ii vA ipcTaß'iXou ^lobct 
xaft' hiafipti Tci ditXä ouoTTjfiaTa t«v jt-^j drXwv . ivXä |i.ev ouv irrl to ttoo; 
jxlav fjiiTr|V f,pfioa|x£va, SirXä Ii r% tjM rf^irXi -pi; tpsl;, TtoXXar/.ä- 

oia Ss TÖi T:pf>c ■;:).£lovct;, d. i. nach dein Unterschiede des Unmodulirten und 
Modulirten werden sie sich wie die einfachen Systeme von den nicht eint'acheu 
unterscheiden ; einfach siml die, welche nach einer Mese gestimmt sind, 
doppelt, welche nach zwei, dreifach, welche nach drei, vielfach, welche 
nach mehreren. Daraus ergicbt sich also zun&chst, dass ein oi«n)(aa dnXoSv 
dassdbe ist wie ein ^ütt^n i^tz-i'^oXos, «in modoBrtes; und to wie die Litro- 
dnetio deBnirt auch Aiistides p. 17, 12 die dfiieTd^oXa mid die e[jL^£Tä;^oXa oder 
ffcrtap«),Xtf|&»ya." Vgl Dritte Harmonik 21. 

Wir wiseen ans dem scmstUeberiieferten nnr Ton solehen Systemen, auf 
deren jedem nnr ein einziger Klang die Benennung tt^Smef* fOhrt 

Im Anscblasse an unser Material ki^nnen irir also die Peeudo-Euklidisclie 
Ueberilefemng 



3ö8 Arbtoxenus zweite Uarmonik. 

einfaches System mit eiuei Mese, 

zweifaches System mit zwei Mesai, 

dreifocfaes System mit drei Memi, 

vielfaches System mit dner vielfeehen Zahl von Uesai, 

kaum Hilders verstehcii, als dasä hier Kläuge gemeint sind, welche die Function 
der Meee haben oder haben ktonen, aneb wenn tie eine andere Klangbe- 
aennuDg führen. Auf dem hendekachordiachen Byiibm. 

AHcdefgabcd 
• ' ' 

ffihrt der Klang a die Bennnug Mese, kein anderer. Er i$<t der obere Schlnas- 

ton der hypodorischcu Octave in lor Transpoaitiongscala ohne Voraeichnung. 
Derselbe Ton a ist aber auf dem hendekachordiscben Systeme zugleich der 
fünfte Ton einer zweiten hypodorischen Octaveu-Scala, welche die Vorzeich- 
nunc,' mit einfin b bat (d-Molli. Al?n hat der Ton ,i unserer Scnbi die Func- 
tion der iMese für die }iyiM><i<>ri!>rlK' < ktuv«' in a; ant' «leuiselbeu Hendekaehunlt', 
hat aber auch für die Octave defgabcd der Klang d die nämliche Fiinef ii'ii 
welche für die Octave A II c d e f g a der Klang a hatte, nämlich die der 
Meüc. Somii hubiu wir in »k m Ileudckachoide eine zweifache Mese. Das Hende- 
kachord gehört also in die Klasse derjenigen Systeme, welche Ariatox. § 41 und 
Psendo-EoUid p. 18 ,,swetfachc Systeme'* nennen. Es iat ein „Systena emme- 
tabolon", man kann auf demselben (modern aosgedrttckt) von a^MoU nach 
d-M(dl modnliren. Diese Verwendbarkeit aar Modtdation ist es, was PUtei. 
barm. 2» 6 als den elgentUchen Zweck des Hendekachordea beseielmet Es steht 
im Dienste der I^razis; meht man von dem ModnKren (der »Metsbole^) ab, so 
hat das hwdekachordiacbe System keinen Zweck. Deshalb erklärt er die Theorie 
s Aristoxenus für unnütz und will die Systeme auf das Dodekaehord und 
dttä Pentekaidekachord (Doppeloctav) als Systiuuata ametabola beschränken. 

Wenn Marq. zu § 41 des Aristox. Harm, behauptet: „über diesen Unterschied 
sind wir besser unterrichtet", so müs«eii wir unserersrir-t L'^cstehen. das.« wnr 
zwar einfache Systeme (Systemata ametabola) und vun den Systemata euuue- 
tabola oder metaboUomena die zweifachen Systeme kemien, aber von welcher 
Heschaiicnlait die dreilachen und die viclta« In n Systeme (mit dreifacher 
imd vielfacher Mese) waren, darüber vermögen wir uns aus unsern Quellen nicht 
die kleinste Notia an entnehmen, yfjs wissen es nichL Wir können ni» nur 
dies ftflsUcb maehen, dass Ae Giiedien ans einer TnuwpoeitionBscala in eine 
sweite Transposilionsaeala modniirten, aber wie sie mehr als awel Transposi- 
tionascalen in demselben Melos verbunden haben, das ist nicht ttberüelert Dem 
entsprechende Systone sind nns unbekannt Die Definition dw Mese, welche, 
wie es sclieint, Aristoiemis an dieser Stelle gegeben hat, vermag ich aas den 
bei Pseudo-Euklid am Ende der Syatemenlehre über die Mese vorkommenden 
Sätaeo nieht mehr herausaufinden. 



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XIII. Die ISyateme: 3. Tbcsia. 



35U 



3. 

Thesis der Systeme. 

Was unter der Thesis zu vorstehen ist, weiche Ariätozenns, wie er im 
Prooünion § 17 erklärt, in dem Abschnitte von den Systemen Ausser dem 
Schemn und der SjTTthcsis der!?''!b('n als dritten Punkt behandehi will, das 
u'i lit aus § ]"() lii rvor. ])<>rt luisst es: „Die IntervallgrösseD (bei ihrem 
schwaukeuden ümfaugi' in den Cliroai) und (demzufolge auch) die Tonhöhen 
der Klänge er£rel>en sicli als iinbestiimiite Bej^riffe der melisihrn Theorie: da- 
gegen begrenzte und feste licgrifle sind die katu Dyuaincia, die kaf Eide 
und die kata Thesete". Die hier vorkommende Zusammenstellung ,^ata 
DynaineiB** niid ,|kataTiie8tia** Ubut, nimal Uer von IntervallgrSwen and xwn 
9dtff)fa>v xdmf/t die Rede ist, kdnen Zweifel, dass Aiistoxenm dawelbe meint 
wie die Onoma^ kata Dynamin und kata Tlie^ bei PtolemStu. Da» dieser 
von Piolemftiis so anolQhrlicli daigelegte Gegenstand auch schon in der Har- 
monik AfistoxenuB bebandeit war, blieb mir in der ersten und in der swmten 
Ausgabe meiner griechischen Harmoidk noch unbekannt. Ich wusste nur dies» 
diiss die AristOKcniM he Grundlage in der Komendator der Scalcn-KIäiige mit 
demjenigen, was bei Ptolemäus djuamische Onomasic heisst, identisch ist. 
Dass auch die thctische Onomasie des Ptolemäus dem Aristoxeiius bekannt 
•^•'i, dies wnisste ich dainfil-^ noch nicht, in der zweiton Ausgrabe der Harmonik 
3ül ^laulite ich .sacjeii mi imissrn: „Die gtuize Art und Weise, wie Ptole- 
mäus von tliT thetischen Onumasie redet, zeigt, dass sie iuiinö<riich etwas erst 
von ihm bclbor Erfundenes ist. Viehnehr i^etzt Ptolemäus dieselbe als die den 
Lesern seines liuches bekannte Ouomaoie voraus, und die folgenden Erörte- 
mngen werden keinen Zweifel darül>er lasBOi, dass die dietiscbe Nomenclstnr 
schon eine geraume Zeit vor Ptolemttos in der PiaziB der Musiker au^ekom- 
Toea war und dch liier aUmählig so befestigt hatte, dass Ptolemäus sie als die 
vulgare anseilen durfte**. Ich war so wot entfenit, sie auch bei Aristoz«ius 
voraassusetKn, dass ich vielmehr die dTnamische Onomasie f&r die bei ihm 
ausschliesslich vorkommende erklfirte. 

In welchem Absdmitte Aristoxenus die „/.axd o jva|jiiv" näher behandelt habe, 
sagt er nicht, Vermutiüich im Abschnitt XV bei der „Erörterung der Scalar 
Klänge.'' Denn so viel wissen wir, dass die dritte Uarmonik des Aristoxenus 
die l'n-itxz:- der itÖ'i^-^ot „r.i\ ijtö toOto zi r.'ix iaxlv tj o6va(j.u-," in dem Ab- 
schnitte tteiii TÄv cpö'^YT*"'*» dritten i« ues Werkes, erörterte, v;rl, (ia.selii.it 
§ 14. Betretf< der „xaxä B^süv'* iuüsöcu wir seinen Worten in § IT wohl 
Grlaubeu >chenken, dass er darüber im Absclunüo von den Systemen un- 
mittelbar nach den Verschiedenheiten des Schemas und der Synthesis handeln 
will 

Wie kann nun Axistozenus ohne von den o<) v,'V'-'^ ^ handeln im Abschnitte 
nepl ouotrf^dffw von der «atd 9iotv ivoftaai« sprechen? Es handelt ^eh 
darum, nach den Worten des Frooimions eine in den Handschnflen nicht mdir 



360 



Anstoxenus xweite HaroKmik. 



überlieferte Partie der ArLstoxenischcn Harmonik, deren sachlicher Inhalt aus 
Ptolemäus bekannt ist. zu restitniren. Ich habe wenigstens anzugeben, wie 
Aristoxenus im Abschuitre von den S^^^tcmen von <ler Thesis gesprochen haben 
kann. Und da denke irli: etwa mit einer ähnlichen Wendung wie in der 
Khj'thmik § 19. wo nach der vorliiufigen Aufzähhmg der ..Chronoi jiodikDi" auf 
die Anzahl iler „Chronoi Khythniopoiais idioi" eingegangen wird. Ari.stoxenu.- 
wird im Abschnitte von den Systemen unter Anknüpfung au die Grenz- 
KlSnge der sieben Eide die paaon gesagt haben: 

„WoMM tu dem Varautgekmd^ik bei den eiAen, Mde dia paaon sagte, 
date da er*te oder MLtolgdieeke Mdo$ von der Mypate hypalon und der Bcura- 
meeoe iegrentt wird, den meeUe oder XydtMÜ« von der Parhfpeiie kfpaton ttnd 
der 2Hftf dieeei^meno» «. t. «p^ eo darf man eieA nidU zu der irrten Mei- 
mutg verMien lassen, als ob dies die «mmm^mi Namen der angrenaenden £lSnge 
seien. Vielmehr sind das die Benennungen, xcelche vir inif Rüclsicht auf die 
Dynamit der Ktämge gebrauchen Mtf ROdenelU attf die Th c s i x derselben da- 
gegen nennen mr ron den beiden Gremklängen einer jeden der sieben Octaven 
den höheren: Xfff rJienfUffmfnon, - ■ deji tieferen: Ilvpa^e rneson; — und die acht 
Kläurff' der Ocf'ivfn Jicistfn rot» höchsten bis zum firf.-ttoi uiiifer Weglassunq 
des die verschiedenen Tetrachorde angebende» Zusatzes diezcugmenon und meeon): 

e Nefe 

d Faranete 

e 2VtV« 

k Farametoe 

a Mue 

g Lidkanoe 

f Parhfpate 

e Hgpafe 



Thetische Oktachordc. 





• 








OD 

c 


IT 


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K 
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K 






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ich. 




1 


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T 


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E- 


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Erates (Mi.\olyd.> Ükt;i\ en-KidL/> 


b 


C 


d 


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f 


g 


a 


h 


Zweites (Lydisches) Oktuvi n-Eidtis 


c 


d 


e 


f 


e 


a 


h 


e 


Drittes (Phrjgischea) Oktav en-I"'.idoa 


<l 


e 


f 




a 


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c 


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Viertes (Dorisches) Oktaveu-EiJub 


e 


f 




u 


h 


c 


d 


e 


Fiinfres (Hypolyd.> Oktaven-Eido? 


f 


g 


n 


h 


c 


d 


e 


f 


Se€hi?t<!S (liyp'ipln vL'.t ' )ktcivcn-Eidus 




a 


h 


c 


d 


e 


f 


g 


Siebentes (Hypodor.j Oktaveu-Eiduü 


a 


It 


c 


d 


e 


f 


g 


a 



i 



XHL Die Sjsteme: S. Tbesis. 861 

Diesilben Klanqhcncnnunqen finAen sich dttch anf dem 2 Octaren tin^fcusen- 
den Si/:itema teleioii ameiaJjoluii, und zwar Jiier in eiiier Bedeutung, weiche die- 
' selbe ist wie bei dem vierten oder Dorischen Octaven'Eidos, dagegen abweichend 
von der Ommmum <br 6 itbrigen OetoMm-MUß, JHm« BaiHgbmnimH^ ie* 
SjfiUma amHähoh» dnd dit der «arcc Mra/u«» opofiavia, — emd die dyna- 
mieeJkem Xlanff'Namen, Et ried dee die 16 XUm^ dee Sgs^ema ametabeto» 
beMUMt wtrde» nae^ der CMtung (Svpafug} «i«2eXtf eie, ok JEZAi^ det merte» 
oder DerieeÄen Mdoe g^htet, Jiahem wurden. Den» dae derieehe Bidee meu 
der Theorie als dae vomekmeie geUen, 



Thetischc Pentekaidekftehorde. 

Die S (li/namischen Klänge de» vierten oder Dori^dien Eidos dia pason von 
der Hifpdle (mcson) hix zur Neie (di^zeugmenon) /lind im (grösseren Stfxfema 
ieleion amelaholon nach unten zu um eine iluintc, nach oben zu um eine Quarte 

eneeUert worden j indem wmfur de» AM^en X2ang die Benemmig Nete Ajr* 
perMaien, för de» Htfsten die Benenmtng Prodambanomenes eutfÜkrte. 

1 i 

^ Dorische Octav. ^ 

AHcdefgahcdefga 

■ 

I 



S s 

« Hypodorischo Doppeloctav. 



I 



I^nalambanomenos, Mese und Neie des Si/sfona ametaboLon sind also die 
Oremddinge eemer kata ßgnapken verbundener Hypodorischen Oetaieen-Eide\ 
Sgpate meson und Nete die- zeagmeno» eind die beide» Qreneklänge det vierien 
eder Dorischen Octaven-Mduf. 

Kiyic >inrh der Analogie dex üystema iiltion nrn^'abo/on auxaefiihrte Er- 
weiterung zur Dopjje/octave hat man auch bei der thetischen Onomasie der 
.sieben Octaven-Eide vorgenommen , indem man für ein jedes Eido» der üctave 
unterhalb der Mypate eine